Von Skizzen zum Bild

Was unterscheidet eigentlich eine Skizze  von einem fertigen Bild?

Meistens nur die Geisteshaltung, denn Skizzen werden in vielen Berufen erst mal dazu benutzt die Gedanken für den Arbeitsprozess festzuhalten.

Eine Skizze ist ein sehr schneller Entwurf.

In der Kunst hat Spontanität allerdings einen anderen Stellenwert.

 

Skizzen sind hilfreich

Natürlich werden auch in der Kunst Skizzen oft benutzt um für Kunstwerke verschiedene Versionen durch zu spielen. Die wichtigsten Bereiche die ein Künstler durch Skizzen klären sollte sind:

  • Bildentwurf
  • Licht und Schatten
  • und Farbkombination

Genau diesen Prozess könnt ihr euch weiter unten anschauen.

Skizzen sind die Kunst

Man kann das aber auch ganz anders sehen, für mich sind Skizzen der eigentliche künstlerische Inhalt. In Skizzen hält der Künstler sehr schnell fest was er aktuell fühlt oder sieht.

Skizzen sind der eigentliche kreative Schaffensprozess

Meine Skizzen sind immer sehr unterschiedlich, mal sind sie fröhlich, mal sind sie düster.

Diese Woche war es sehr krass, denn das Licht und das Wetter wechselten sehr schnell.

Bei diesem Wetter wäre es natürlich unmöglich gewesen draußen zu skizzieren, doch Gott sei Dank gibt es in Feldbach einen Parkplatz mit großartiger Aussicht

Große, ausgefeilte Kunstwerke kann man in solchen Situationen natürlich nicht machen. Aber mit jeder Darstellung des Motivs wird man sich sicherer, was man wirklich machen möchte. Oft es ist auch so, dass der Augenblick einfach in mir haften bleibt.  Die spontane Arbeitsweise ist aber so in meiner Seele verankert dass jede Vorskizze oder Zeichnung völlig anders wird.

Ja, viele meiner Skizzen sind nicht schön, weil sie in der Geschwindigkeit des Augenblicks passieren, dennoch liegen sie mir vielmehr am Herzen als völlig ausgefeilte Kunstwerke, ganz einfach weil meine Seele darin steckt.

Skizzen sind die Funken die das Feuer zum Brennen bringen

Übrigens fühle ich mich oft wie ein FBI Agent, ich sitze in meinem kleinen Smart, mein Skizzenbuch auf den Knien, denn zwangsweise beobachte ich die über Anwohner, nach so einer Skizzenreihe habe ich jeden Hundebesitzer dieses Ortes observiert.

Der Prozess der Kreativität

Diese Skizze ist die Quelle. Sonntag vor 14 Tagen habe ich diesen tollen Ort entdeckt. Eigentlich fahre ich hier jeden Tag vorbei, doch ich bin nie ausgestiegen. Heute gehen wir hier mal spazieren und damit ich meinem Mann nicht auf die Nerven gehe, benutze ich nur den Kugelschreiber. Ich merke eindeutig, das Motiv ist perfekt so, dennoch will ich sie in Farbe umsetzen, dann brauche ich mehr Platz als für den Kugelschreiber..

Tine Klein von Skizzen zum Bild Tusche Zeichnung Feldbach am Zürichsee

 

Montag:

An den nächsten Tagen folgen weitere Skizzen, aber mit I-Pad, weil dies auf dem Parkplatz besser geht als zu aquarellieren. Hier lege ich keinen Wert auf Qualität, die Skizzen halten nur meine Gedanken fest, es sind Tests. Auch wenn diese Skizze nicht besonders gut ist, sie enthält genau das, was ich eigentlich zeigen möchte, das Licht hinter dem Berg.

Tine Klein von Skizzen zum Bild: Digitales Aquarell Feldbach am Zürichsee

Zusammen mit der ersten Skizze im Kugelschreiber und mit der zweiten Skizze, die die Idee nicht hinterm Berg in Farbe umgesetzt hat, weiss ich jetzt schon ganz genau wohin die Richtung gehen könnte. Viel Zeit setze sich in solche Skizzen nicht, 10-15 Minuten müssen reichen. Das erklärt auch, warum die iPad Skizze oben nicht gerade ausgefeilt ist.

Dienstag: Es hagelt und zwar heftig: Diese Woche war das Wetter echt krass. Das Wetter klappte von strahlendem Sonnenschein direkt herein in einen Schneesturm. Eigentlich wollte ich schon mit Aquarell loslegen, bin dann aber auf Kreide umgestiegen, weil ich ins Auto flüchten musst. Nicht mal der Hund hat Lust spazieren zu gehen.

Tine Klein von Skizzen zum Bild: Aquarell Feldbach am Zürichsee

Die Entwürfe sind für ein Kinderbuch, dort oben auf der Klippe wird ein kleiner Branddrache geboren. Der Ort ist real, das Wetter ist real und der kleine Drache wartet auf seine Geburt in meinem Kopf. So weiß sich hinterher auch kleine Details die ich in meine Erzählung einbinden kann.  Nichts geht über reales Erleben.

Mittwoch endlich strahlt die Sonne und heute werde ich einen freundlichen Ort malen. Heute nehme ich mir etwas mehr Zeit. Durch das Skizzieren sind jetzt alle Informationen gesammelt, ich kann sehr schnell eine neue Zeichnung anlegen, das geht jetzt Ruckzuck, denn ich weiß worum es geht.

Aus all das was sich in den letzten Tagen erlebt habe steckt in Bild.

Skizzen und ihre Ergebnisse

Mein persönliches Fazit ist das mir das Malen und Zeichnen unter realen Bedingungen und unter Druck am meisten Spaß macht. Die kleine Skizze diese dunkel ist die hat mir richtig Freude gemacht, Gott sei Dank sind die Sitze meines Autos schwarz.

Ich fühle mich dann so voll mit Kreativität, ihr seht ja selbst dabei geht natürlich so einiges schief. Aber die Skizzen stecken voll mit Leben, und dies bringt  Erfahrung und Erfahrung macht  gut.

Das Ungeplante bringt dich aus deinem Trott, und dies lässt sich neue Erfahrungen machen.

Die Zeichnung fürs Kinderbuch möchte ich euch nicht vorenthalten.

Tine Klein von Skizzen zum Bild: Digitales Aquarell ink and Watercolor Feldbach am Zürichsee

Ich zweifele noch sehr, vielleicht füge ich noch grün ein, aber im Moment gibt es noch gar kein grün. Das was später zum Kinderbuch wird sind tatsächlich Urban Sketchings.

Aber seit doch mal ehrlich, das Haus oberhalb der S7 sieht doch tatsächlich aus wie das wahre Zuhause eines Drachens.

Zeitverschwendung?

Manchmal denke ich, das alles ist doch Zeitverschwendung, doch diese Skizzen dauern, wenn man sich daran gewöhnt hat, tatsächlich nicht lange. Spontanes Arbeiten ist ohnehin unersetzbar, weil es einen auf Ideen bringt, die man vorher nicht hatte.

Natürlich mache ich das alles nicht bei jedem Bild. Doch gerade für die unsicheren Zeitgenossen ist dies eine großartige Möglichkeit. Seien wir doch mal ehrlich, der Zweifel plagt jeden von uns! Wie mache ich dieses, oder wie mache ich das?

Letztendlich glaube ich dass diese Vorgehensweise oft sogar sehr viel Zeit spart, vorausgesetzt man verinnerlicht das eine Skizze schnell ist und nicht unbedingt immer völlig ausgefeilt sein muss. Für viele Menschen dürfte es sehr praktisch scheint zu wissen, dass man seine Malleidenschaft auch ganz wunderbar auf einem großen Handy oder einem Tablett ausüben kann.

Das Bild was ihr jetzt seht, hat, glaube ich, nicht viel länger gedauert als die Skizzen. Warum nicht gleich so? Aus einem ganz einfachen Grund, wenn ein Motiv so komplex ist, wie dieses kann ich es später ganz schnell aufs Blatt werfen, aber ich brauche nicht mehr zu zögern, denn mein Auge hat gelernt.

Es ist niemals Zeitverschwendung sich die Welt in Ruhe anzuschauen, ein Motiv aufzumalen ist einfach enorm empfehlenswert, denn nur wer das tut bemerkt, dass die Welt voller unterschiedlicher Lösungen steckt

Gut wird wer eben gerne und viel malt und die Skizze ist einfach das, was man im Alltag am Leichtesten unterbringen kann. Das sind meine 20 Minuten, die ich mir täglich gönne bevor ich einkaufen gehe.

Und nun möchte ich euch auch noch den eigentlichen Auslöser der Zeichnung verraten, unten unter dem Haus standen die ersten blühenden Haselsträucher, die haben mein Auge angezogen und plötzlich habe ich das Motiv entdeckt an dem ich schon tausendmal vorbeigefahren bin.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende

Tine

P:S: Ich weiß gar nicht wie diese kleinen Dinger heißen. Es sind nicht die hübschen kleinen Weidenkätzchen, sondern  gelbe kleine Schwänzchen die die Haselsträucher bekommen. Auf meinem Spaziergang am Sonntag habe ich dieses wundervolle Motiv in Feldbach entdeckt. Ich sehne mich so nach Sonne und Licht und dann sind eine Reihe von Skizzen entstanden die zeigen, wie man ein Bild entwickelt.

 

 

 

 

 

 

 

Das perfekt hässliche Motiv!

Tine Klein, Blog Herz der Kunst das Blumengeschäft an der Straßenecke AquarellWas macht man mit scheußlichen Motiven?

Manchmal ist das Motiv nicht hässlich sondern der Tag über die Lyrik des Hässlichen.

Wir haben in den vergangenen Jahren beschlossen, dass sich das Leben eben nicht selbst schön macht, also raus aus den Federn um den Tag zu bereichern!

Doch manchmal klaffen Erwartung und Realität total auseinander, zuerst haben wir verschlafen, dann haben wir uns gegenseitig im Badezimmer im Wege gestanden und zum Schluss ist der Kaffee alle.

Ach, auch noch ohne Kaffee! Grausam!

Ohne Kaffee ins Chaos, das ist für mich Morgentrottel die Höchststrafe. Jetzt steh ich auf der Straße und viele meiner Bekannten malen schon eifrig. Ich schaue mich um und denke, warum zum Teufel sollte ich hier malen? Wieso bin ich eigentlich aufgestanden? Das Motiv ist doch total hässlich!

Das hässliche Motiv!

Ein hässliches Motiv macht wirklich keine gute Laune! Oder?

Tatsächlich glaube ich nicht, das es wirklich hässliche Motive gibt. Diese Aussage ist natürlich ein Statement, aber es erklärt sich von selbst, wenn man darüber nachdenkt.

In der Schweiz heißt Motiv übrigens Sujet, was das Ganze besser auf den Kopf trifft als Motiv, denn Sujet heißt übersetzt so viel wie Inhalt.

Sehen, ist eine Geisteshaltung. Du wählst deinen Inhalt doch selbst! Natürlich war dieses Motiv nicht gerade der Ausbund der Schönheit.

Tine Klein was macht ein Maler mit hässlichen Motiven?

Doch ich war noch müde und geistig nicht wach, deshalb konnte ich hier einfach keine Schönheit wahrnehmen.

Das Wichtigste was man sich bei der Motivsuche merken kann, ist das fast kein Motiv schlecht ist. Die Frage ist eben nur:

Wo finde ich meine Inspiration? (ohne Kaffee)

Inspiration

Inspiration ist ein Problem des Malers, das Motiv ist völlig unschuldig.

Ich hocke jetzt auf meinem Stühlchen und empfinde es regelrecht als Druck malen zu müssen. Ich muss natürlich überhaupt nichts, dies ist allerdings meinem kaffeelosen Körper völlig unklar, denn ohne Kaffee bin ich generell verloren.

Mangelnde Inspiration ist meistens ein Zeichen von Anspannung. Wenn man sich erst mal ruhig hinsetzt und den Geist schweifen lässt, dann findet man etwas Spannendes.

`Bevor man malt, muss man sich dem inneren Ich zuwenden, damit man sich auf Wahrnemungsprozesse einlassen kann´

sagt der Schweizer Maler Thomas Lüchtinger in seinem Buch intuitiv Zeichen.

Ja, da stimme ich zu! Nur Frage ich mich, warum ich ohne Kaffee kein inneres Ich habe? Bin ich ein Zombie? Morgens definitiv! sagt mein Mann.

Deshalb kann ich das Motiv nicht einmal hässlich malen, ich kann mir keine Meinung bilden, das ist das Problem.

Hässliches ist absolut inspirierend, sagt meine Freundin im gleichen Moment in dem ich leer in des Morgens Grau starre. Sie hat in dieser Straße das gesamte Gerümpel zum Thema gemacht, ihr Bild wimmelte vor Klimaanlagen, Mülltonnen, Wellblech und abbröckelndem Putz. Das Bild ist übrigens super geworden, leider konnte ich es nicht fotografieren, denn meine Freundin malt gerne in riesigen Formaten. Sie benutzt Bleistifte auf fast 2 m langen Bildformaten. Und ich kann euch sagen diese Straße hat für ein 2 m großes Bild genug Gerümpel gehabt. Fotografieren kann man die Gefühlsausbrüche mit Bleistift nicht, denn die Kamera ist nicht in der Lage das Chaos einzufangen, dass sie mit einem einzigen Bleistifte anrichtet. Meine Kollegin kann mit ihrem Bleistift die Faszination des Grauens erzeugen.

Das ganze Bild sieht aus wie ein Unfall, aber man muss da einfach hingucken!

Meine Kollegin ist das natürliche Gegenstück zu mir, sie ist kurz angebunden, nicht gerade ein Sonnenscheinchen.

Sie kotzt sich regelrecht aus!

und danach hat meine Kollegin wunderbar gute Laune. Prima Strategie!

Perfekt hässliche Motive sind großartig

Hässliche Motive sind auf zwei Arten ganz wunderbar. Die eine Methode ist mal ganz deutlich seine Abscheu zeigen kann. Man kann und man darf sich total austoben, denn wer sagt das Kunst schön sein muss? Die Bilder meiner mieslaunigen Kollegin sind übrigens großartig verkäuflich! Weil sie Aggression und Abscheu in Bewegung umgesetzt.

Ich selbst bin jetzt nicht gerade der Typ der sich großartig fühlt, wenn er sich dauerhaft auskotzt, deshalb muss bei mir eine andere Strategie her.

Kunst machen heißt sei einfach wer du bist!

Persönlich konzentriere ich mich nicht gerne auf das Negative, weil es mich herab zieht. Ich bin ein Gefühlsspiegel, Einen Seelchen würde mein Liebster sagen. Ich kann nicht so aggressiv sein wie meine Freundin, bei mir würde dies in Melancholie ausarten. Was bei weitem nicht so plakativ ist, wie heraus geschriener Hass.

20 Minuten später steht die Sonne am Himmel, eine riesiger Becher Kaffee macht das Leben schön. Und siehe da 50 Meter weiter, man sieht es durch den Straßenmief, finden meine Augen was Schönes: Männer tragen Blumen vor das Haus. Ich setze mich so, dass ich in die andere Straße schaue.

Motivsuche ist eben eine rein seelische Sache und nichts liebe ich mehr als ein Blumengeschäft. Jetzt kleben sich meine Augen an das Blumengeschäft:

Oh ist das nicht toll?

Es ist doch total witzig wie unterschiedlich man ein und dieselbe Sache sehen kann, nur weil der Koffeeinpegel jetzt stimmt.

Der Vorteil an hässlichen Motiven ist übrigens auch, dass es viel leichter fällt sich auf eine Sache in dem Motiv zu konzentrieren. Man blendet einfach die Dinge aus, die wirklich scheußlich sind.

Das Schöne wird an einem hässlichen Motiv zu einem Augenmagnet

Merkwürdigerweise werden die Bilder in denen es nur eine wirklich gute Sache gibt, viel besser als Bilder in denen alles wirklich gut war. Der Grund ist bei man sich völlig auf das Positive konzentriert und dadurch wird das Bild für den Betrachter gut lesbar.

Diese Bilder sind so gut, weil sie das Bildzentrum so behandeln wie eine Diva. Der Scheinwerfer richtet sich auf die Diva, sie fängt an zu funkeln und damit hat man eine ganz entscheidende Regel des Bildentwurfs verstanden.

Hässliche Motive und ihre Stärken

Wenn ich zusammenfassen sollte wie man aus wirklich hässlichen Motiven gute Bilder macht, dann würde ich im wesentlichen zwei Strategien empfehlen. Die eine Strategie ist die Emotion, zeig doch einfach mal das  du denkst. Denn auch…

Das Negative macht ausdrucksstark und ungewöhnlich

Der Vorteil daran ist, dass hässliche Motive wirklich ungewöhnliche und ausdrucksstarke Bilder erzeugen.

Tine Klein Chicago alte Feuerwache

Hier  saß ich neben dem Trump Tower und starre auf eine Feuerwache und denke darüber nach wie es ist politisch Feuer zu legen. Das Bild ist ein Gedanke

Die andere Strategie ist die Augen fest auf das positive zu heften.

Das Positive wird noch auffälliger, wenn es keine Konkurrenz hat!

Und so wird das Blumengeschäft schön, trotz dessen die Straße richtig scheußlich war.

Liebe Grüße ins Wochenende.

Tine

Weiterlesen  zu einem ähnlichen Thema:Ein Meter verändert die Welt

 

Wir hatten ein ziemlich turbulentes Jahr, viele Leser haben versucht sich in meine Workshopliste eintragen zu lassen. Das hat nicht geklappt in unserer Straße liegt eine alte Wasserleitung Ratet mal! Dadurch ist die Datensicherung zusammen mit dem Rechner weggeschwommen. 6 Monate E-mails waren verloren. Wessen Mail mit geschwommen ist, den möchte ich herzlich bitten, versuche es noch einmal.

https://www.herz-der-kunst.ch/kontakt.html

 

 

 

 

 

Zeichnen lernen durch loslassen?

Kritzeln fällt mir schwer, ich musste es mir hart erarbeiten einfach drauflos zu kritzeln.  Ich hoffe ihr habt einen großen Bildschirm, denn dann seht ihr das sich um mich herum lauter Raben niedergelassen haben, die Ruhe macht den Zeichner eins mit der Natur. Das ist das pure Glück und das muss man sich erlauben.

Kulturen und Arbeitsverhalten

Der deutschsprachige Raum ist meine Heimat. Ich lebe, liebe und arbeite hier, dennoch ergreift mich immer wieder das Fernweh. Ich bin keine Topfpflanze, meine Wurzeln treibe ich quer durch viele Kulturen. Dennoch merke ich ganz deutlich, wie verwurzelt ich hier bin. Gerade wenn ich im Ausland bin, dann merke ich so richtig wie sehr mich der deutschsprachige Raum geprägt hat.

Diese Art, es als die Pflicht zu empfinden, alles zu geben, super enttäuscht zu sein, wenn etwas nicht klappt und vor allen Dingen etwas auf Biegen und Brechen zu wollen, das ist schon, sagen wir mal, super deutsch-sprachig. Jetzt werden die Schweizer nicken und sagen: Ja, das ist super Deutsch. Aber auch die Schweizer haben dieses Verhalten und treiben das Pflichtbewusstsein auf die Spitze. Man findet dieses Verhalten bei meinen Schülern im gesamten deutschsprachigen Raum.

Pflichtbewusstsein

Da kannst du uns alle in einen Sack stecken und draufhauen, da triffst du keinen Unschuldigen.

Die Philippinen waren eine Zeit lang mein Zuhause, wie die Menschen dort arbeiten, hat mich oft verrückt gemacht. Eine Gasflasche ablassen mitten in der Küche, ohne ein Fenster aufzumachen und dabei eine Kippe auf dem Zahn.

Das ist nun wirklich ein wenig sorglos

Noch verrückter hat mich das ganz normale Alltagsleben in solchen Ländern gemacht, wenn man mal wieder ungeplant eine Stunde braucht um zwei Brötchen zu kaufen, weil die Verkäufer das Celine Dion Special im Radio hören und nun leider mitsingen müssen. Natürlich sind dabei das Wichtigste die kleinen Tanzeinlagen, deshalb hat natürlich keiner der Verkäufer Zeit sich um zwei blöde Brötchen zu kümmern. Ich kann dir garantieren nach der fünften Tanzeinlagen, bei der die Verkäuferin jedes Mal vergisst, was du denn einkaufen wolltest, bist du so genervt das du die Verkäuferin in das Hinterteil beißen könntest. Wie schade, denn die Stimmung im Bäckerladen ist ja super.

Dann merkst du: “ Hilfe, ich bin typisch deutsch!“

Sorglosigkeit

Doch die Sorglosigkeit gibt mir Frieden. Mein Leben in anderen Kulturen hat mich soviel gelehrt über die Kunst, aber auch über Respekt.

Denn die anderen erreichen auch ihre Ziele, nur eben ganz anders. Die Sorglosigkeit lässt mich ganz anders Zeichnen. Sorglosigkeit macht mich ganz weich, doch das ist so schwer für Menschen aus dem deutschsprachigem Raum.

Ergebnisorientiert

Mangelndes Pflichtbewusstsein regt mich in dritte Welt Ländern immer wieder auf, dennoch fasziniert mich immer wieder, dass auch sehr schwere Dinge mit Leichtigkeit getan werden und dazu gehört eben auch die Sorglosigkeit, die mich manchmal in den Wahnsinn treiben kann.

Oftmals sind die Menschen in diesen Ländern unglaublich lernfähig und kreativ.

Wir in Europa machen alles zu einem Produkt.

Wir sind total Ergebnis orientiert

Wenn wir etwas malen, dann muss es auch vorzeigbar sein. Ich merke, dass meine Schüler sich durch dieses Verhalten oft selber enttäuschen. Die meisten Bilder in Europa gehen nicht kaputt, weil der Schüler es nicht konnte, sondern weil der Schüler einfach zu viel gemacht hat.

Wir haben alles und wir können alles, das ist ein gewaltiger Druck.

Denn alles muss von Anfang an großartig werden, ich fange zwar gerade erst an mit dem Zeichnen lernen, aber die Bilder müssen toll werden. Der Leistungsdruck steckt uns in den Knochen. Blöderweise muss man Dinge einfach tun, erst durch das tun, bildet sich die Motorik, die ein guter Künstler braucht um sich ausdrücken zu können.

Quäl dich!?

Zur Ordnung rufen muss ich mich immer wieder, denn einerseits weiß ich, dass man sich wirklich anstrengen muss um bestimmte Techniken zu erlernen. Und aufgrund meiner Erziehung liegt mir dieses Muster:

Quäl Dich, wenn du etwas erreichen willst

im Blut.

Andererseits erreicht man in der Kunst überhaupt nichts mit Technik. Ja, man muss die können. Man muss sie sogar so können, dass sie ins Bauchgefühl übergeht.

Und deshalb treibe ich meine Schüler an, ja ohne Schweiß kein Preis

Andererseits erreicht man in der Kunst nichts nur mit Technik, das Bauchgefühl gehört dazu. Das “gewisse Etwas“ entsteht aber aus der Seele. Und gerade für Laien ist es wichtig zu wissen, dass Kunst einfach mehr ist als die Beherrschung einer Technik. Und nun noch einmal fett:

Kunst ist mehr als das Beherrschen einer Technik

Zeit der Entspannung und der Seele

Wer zeichnen lernen will, der muss immer abwechseln. Wie Ying und Yang halten sich Arbeit und Vergnügen die Waage.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass man nicht zu Hause sitzt und immer wieder die gleichen Fehler einübt, es ist wichtig all die Dinge zu tun, die der Seele gut tun.

Das Making of des Bildes:

Da ich ein grauenhafter Morgentrottel bin, kocht mir morgens mein Liebster den Kaffee. Er sagt, “das ist einfacher als die Küche zu renovieren”, denn ich bin morgens ungefähr so brillant und schnell wie eine Nacktschnecke.

Grade dieser Geisteszustand hilft mir die Welt relaxt zu entdecken, ich bin noch zu matschig um mich mit Ehrgeiz zu quälen.

Was du in diesem Blog siehst, sind zwei Früh-Morgens-Zeichnungen.

Mit einem großen Becher Kaffee, halte ich das Gesicht in die Sonne und fange an zu zeichnen.

Was dann passiert ist, dass sich die Motive selber suchen, das passiert weil ich die Zügel los lasse. Am Erstaunlichsten ist es, dass einen plötzlich Tiere als Teil der Natur wahrnehmen. Die Ruhe, die mich dann durchströmt, befreit mich von meinem Leistungsdruck. Ich sitze dort und beobachte die Natur, oder die Stadt. Etwas sehr entscheidendes verändert sich, man taucht ein in die Szenerie, man wird Teil des Ganzen. Schaut mal in das schwarze Bild, dort landen die Raben um mich herum.

Wer los lässt, der erlebt etwas Zauberhaftes,  das Tanzen mit den Vögeln

Ich vermute das macht auch den Reiz solcher Tätigkeiten wie Angeln oder Wandern aus…loslassen verändert den Menschen.

Liebe Grüße

Tine

p.S.:

Zeichnen lernen heißt loslassen, wir sehen Zeichnen, Malen, überhaupt die Kunst als Produkt, dabei ist es eine Geisteshaltung.

 

 

 

 

 

 

Hallo meine lieben Freunde und Leser

Wir haben diese Woche einen Trauerfall in der Familie, es geht weiter wenn wir uns ein wenig gesammelt haben.

Liebe Grüße

Tine und Tom

 

Farbenprächtig versus limitierte Palette?

Temple Georgetown Malaysia Tine Klein

 

Prosit Neujahr, diese Woche beginnt das neue Jahr für die Chinesen. Das ist der Tempel, den ihr gleich als Bild sehen werdet und ich wette heute ist er unglaublich farbenprächtig geschmückt.

Für die Chinesen ist der Klan bzw. die Familie sehr wichtig. All die Tempel, die ihr immer seht, sind eigentlich keine öffentlichen Kulturdenkmäler. Anders als wir uns das vorstellen, gehören diese wundervollen Tempel wirklich bestimmten Familien. In diesem Tempel feiert diese Familie ihre Ahnen.

Da es unglaublich viele Auslands-Chinesen gibt, findet man in fast allen Ländern dieser Welt diese wundervollen Tempel.

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Farbenpracht und der Glaube der Chinesen

Kurz gesagt ist das chinesische Neujahr ein Familienfest, aber ein wenig anders als in Europa. Die Chinesen glauben. dass es den Ahnen nur gut geht, wenn man ihnen Zuwendung schenkt. Und deshalb schenken sie ihren Ahnen regelmäßig kleine Geschenkpakete.

Vor den Tempeln gibt es meistens kleine Läden, diese Läden sind für Maler zauberhaft. Die Chinesen kaufen dort alles, was sie für ihren Ahnenkult brauchen. Die kleinen Geschenke sind vielfältig: Blumen, Laternen und eine unendliche Menge spiritueller Dinge in Rot und Gold. Es entsteht also eine enorme Farbenpracht. Diese kleinen Blättchen sind sozusagen die zauberhafte Einleitung zu jedem chinesischen Tempel.

Gefräßige Ahnen

Chinesische Ahnen brauchen also viel Zuwendung und deshalb gibt es in diesen Läden auch kleine Ahnen-Futterpakete. Gleichzeitig habe ich aber oft beobachtet, dass solche Pakete auch an die Bedürftigen verschenkt werden und das finde ich schön.

Kulturelles Wissen durch Kunst

Natürlich weiß ich im Allgemeinen genauso wenig über chinesische Kultur wie der normale Mitteleuropäer. Doch durch meine Mal-Freundschaften schaffe ich es über kulturelle Grenzen zu springen und dann sammelt sich ein tieferes Verständnis an.

Farbenpracht

Die chinesische Kultur ist farbenprächtig und lebendig. Wenn man solche Motive malt, stellt man recht schnell fest, man ist einfach von der Masse der funkelnden und bunten Dinge völlig erschlagen. Deshalb ist die Konzentration auf die wesentliche Aussage enorm wichtig:

Hier habe ich die Palette in einen Komplementärkontrast limitiert.

Tine Klein, Aquarell chinesischer temple an der Armenianstr. Georgetown Pagoge Penang , Malaysia, Limitierte Palette versus Farbenpracht

Übrigens halten sich chinesische Tempel überhaupt nicht an diese Regel, dass in einem Bild nicht alle drei Grundfarben enthalten sein dürfen. Ich weiß nicht wer diese Regel aufgestellt hat und vielleicht bin ich zu sehr Kind, um mich gegen diese Regel nicht inständig zu wehren..andererseits arbeite ich ja selber gern mit einer limitierten Farbpalette.

Farbenpracht versus limitierte Palette

Eine limitierte Palette kann man viel einfacher kontrollieren, weil es für sie recht simple Harmonieregeln gibt. Wer mit Farbenpracht arbeitet, arbeitet eigentlich nach einem sehr ähnlichen System wie mit der limitierten Palette. Will man eine wilde Farbenpracht ein wenig zügeln und damit harmonisch machen, dann darf man nicht so clever agieren.

Sei nicht zu clever, arbeite mit einer Grundfarbe.

In meinem Bild ist diese Grundfarbe natürlich rot, denn wir sprechen ja über chinesisches Neujahr.

Tine Klein Aquarell chinesischer temple in Penang , Malaysia, Limitierte Palette versus Farbenpracht

Von dieser Grundfarbe gehe ich aus, anders als zu erwarten wäre, fülle ich die Farben nicht einfach zusammen, weil es ja lustig bunt ist, sondern ich bilde große Farbflächen, die auf meiner Grundfarbe beruhen. Interessant werden dann die Bruchstellen, wo die Grundfarbe in andere Farben übergeht.

Schaut euch das Bild an, die Hauptbewegung ist rot

Das gibt dem Bild insgesamt Ruhe. Richtig spannend wird es also nur an den Grenzflächen zwischen den einzelnen Farbblöcken. Das Bild ist zwar enorm bunt, also in dem Sinne, dass ich mich nicht um die Farbregel gestört habe und das nicht alle drei Grundfarben enthalten sein dürfen. Aber alle Farben sind zueinander in Beziehung gesetzt und eins kann ich euch sagen, d. h.

Mischen, Mischen, Mischen!

Mischen erzeugt die Harmonie

Sind die Farben nicht miteinander gemischt, dann entsteht ein völlig unkontrolliertes Chaos. Die Mischfarben mit der Grundfarbe sorgen für eine Art Brücke. Im Endeffekt sind dann alle Farben miteinander verbunden. D. h. ich habe das pure Chaos in eine Art Familienähnlichkeit ein gebettet.

Kunterbuntes entsteht immer an den Grenzflächen, dort wo der rote Bereich in den farbigen Bereich übergeht. Diese Bereiche sind aufregend, dürfen aber nicht die Überhand gewinnen.

Die Bruchstellen betonen die Hingucker

Das chinesische Ahnen-Shopping gehört zum Kern dieses Bildes und deshalb befindet sich genau hier auch der Bruch, d.h. die Grenzlinien wo die Farben aufeinander treffen. Natürlich ist auch dies in der Realität so, aber in meinen Bildern wird nur das betont, was sich auch wirklich mag. Der Laden könnte in Realität genauso bunt sein, würde er für mich nicht zum Bild gehören, dann würde ich ihn weg ignorieren.

Ordnungssystem Grundfarbe

Chinesische Orte sind farbenprächtig, rote Laternen leuchten, Gold glitzert und grünes Emaille schimmert. Eine limitierte Palette ist da sehr schwer durchzuhalten, dennoch braucht man ein Ordnungssystem und das schafft man selbst nach dem Inhalt des Bildes.

Die Brüche mit der Grundfarbe setzt man dann ein, um auf das was einem wichtig ist hinzuweisen.

Solche bunten Bilder sind überhaupt nicht einfach, deshalb werde ich dieses Jahr mehrfach Kurse anbieten, in denen es um das Mischen von Farbe geht.

Liebe Grüße ins Wochenende

Tine

Nächste Woche geht es dann mit den praktischen Tipps zum Thema weiter.

Die neuen Kurse könnt ihr im Netz googeln, der nächste mit freien Plätzen ist in der Kunstzeit  ist in Allensbach am Bodensee

Der Lacher zum Abschluss, der Schweizer  Brandschutzbeauftragte bekommt einen Herzinfarkt….  Öl, Papier und Feuerwerk eine herrliche Kombi für Unfug aller Art…was ihr nicht seht der Standbesitzer hat eine Kippe auf dem Zahn….haha….schnell flüchten.

Limitierte Farbpalette ein guter Trick?

Spielerisch Kolorieren

Das Spiel macht dich gut!

Im Unterricht, aber auch hier im Blog, erzähle ich ja immer wieder wie ein Papagei, dass das Spiel einen erst so richtig gut macht. Falls ihr euch nun einen grünen Papagei vorstellt, möchte ich gerne Esmeralda heißen.

Wenn ich immer wieder sage: “Spiel doch mal bitte rum”, dann weiß ich immer nicht so richtig, ob das beim kolorieren wirklich ankommt, deshalb möchte ich in diesem Blog mal einmal nicht so viel schreiben, sondern ich möchte euch mal zeigen, was sich mit ein paar Farben anstellen lässt.

Meine Vorlage ist eine Zeichnung, die ich im Urlaub mit meiner Familie gemacht habe. Da sie nicht warten wollte, konnte ich nur eine schnelle Federzeichnung im Notizbuch machen. Diese habe ich dann auf Zeichenpapier kopiert.

Farb- Setup für das Kolorieren:

Bunte Bilder oder sehr farbintensive Bilder müssen nicht unbedingt aus vielen Farben entstehen. Es ist oftmals gerade für Anfänger viel sinnvoller sich auf ein paar Farben zu beschränken. Denn wenn man nicht so viele Farben hat, dann kann man damit auch so lange spielen bis man, weiß was man damit anstellen kann.

Mein Farb Set-up für dieses kleine Spiel ist:

  • Violett, ich glaube es ist brilliant Blauviolett
  • Lasurorange
  • Opern rosa oder Magenta
  • Burnt Siena
  • Bergblau (Vorsicht Mehrpingmentton)
  • Goldbraun, wirkt wie warmes Gelb
  • Sepia, ein bräunliches Schwarz, weil ich Sepia Tinte  zum Zeichnen benutze, nur in Sspuren eingesetzt
  • Und als Hingucker: Geranienrot (Alle Farben sind von Schmincke)

Am Schluss setze ich noch Akzente in gleichfarbigen Aquarellstiften und ein wenig Türquis. Jetzt fange ich an die Farben bein kolorieren zu kombinieren, mal kombiniere ich die Farbtöne mal ganz bewusst oder einfach aus dem Bauch.

Bild Nummer Eins: Kolorieren in Pastell

Jetzt frage ich mich, wie sieht das denn in dunkel aus?

Oh, auch gut und wie wäre es mit Rot? Sandstein ist ja im Licht sehr wandelbar.

Oder doch lieber ein richtiger Komplementärkontrast? Na, dieses Bild hat ganz schön viele kalte Farben! Fällt mir noch was anderes ein?

Upps, hier bin ich zu nass, jetzt muss ich das Motiv mit Phataloblau aus dem Hintergrund neu aufbauen. Hier sieht man auch den türquisen Aquarellsstift prima. Wer malt muss auch mal eine Überschwemmung retten.

Das Zeichenpapier musste ich hinterher bügeln 😉

Und

Last but not least mit wildem Himmel:

Solche Übungen tüftel ich aus, damit meine Schüler wirklich das freie Kolorieren lernen. Auch wenn das Papier nicht so gut ist wie echtes Aquarellpapier, so kann man doch wirklich lernen Farbe zu benutzen.

Spiel dich ran!

Ich bin mal gespannt, wie die Kolorationen der Schüler darauf ausschauen. Nächste Woche werden 12 Tapfere diese Aufgabe testen, mal schauen was dabei rauskommt.

Liebe Grüße ins Wochenende von eurer Tine

P.S.:

Urban Sketching Gruppen und Kunstvereine können mich direkt ansprechen und ihre Kurse selbst organisieren.

Noch ein anderer Blog zur Farbe:

 

Das Malen, die Zeichnung und die Wahrnehmung

Na, wo ist dieses Bild gemalt worden?

Blöderweise anscheinend in meinen Kopf und nicht da wo mein Körper saß! Die Straße ist in Penang, die Armenian Street. Mein erstes Bild in Malaysia.

Wir sehen nur was wir kennen!

Diese Tatsache ist besonders wichtig in der Zeichnung und auch beim Malen.

Wir sehen oft nur Dinge die uns beschäftigen. Autos sind mir egal. Immer, wenn sich mein Mann ein neues Auto kaufen will, dann sagt er: “Schau die mal dieses Auto an, wie gefällt dir das?“ Dann sage ich: “Oh, das ist wirklich schön, aber ich glaube, das habe ich noch nie gesehen.“ Tatsächlich passiert dann etwas Merkwürdiges, nachdem mein Mann mich zu diesem Auto befragt hat, sehe ich es dann plötzlich in den folgenden Tagen immer häufiger. Plötzlich interessiere ich mich für das Auto, weil mein Mann es kaufen will und  sehe ich dieses Auto dann ständig.

Selektive Wahrnehmung – Scheuklappen auf der Nase

Lustigerweise denken wir alle, dass das was wir sehen genau das ist, was wahr ist. Wir sollten uns vielmehr darüber klar sein, dass wir alle eine dicke fette Brille auf der Nase haben die unsere Wahrnehmung begrenzt.

Unser Gehirn hat eine Schutzfunktion gegen Reizüberflutung. Wusstest du, dass das das Gehirn alles überflüssige ausblendet?

Hast du gemerkt das ich gerade eben oben im Satz 3 DAS benutzt habe und nicht nur 2wei?

Konzentration unsere grösste Stärke und Schwäche

Unser Gehirn ist ein Faulpelz, es konzentriert sich darauf mit den Fakten zu arbeiten, die es kennt. Diese Fakten werden dann immer wieder verdaut und als Lösung ausgespuckt. Im Alltag ist dies äußerst hilfreich, denn wir müssen nicht lange grübeln um ein Problem zu lösen oder eine Alltagstätigkeit auszuüben, wir haben es gelernt und wir wissen wie es geht. Das ist großartig! Insbesondere bei der Zeichnung wird dieser Zusammenhang später noch sehr wichtig.

Wenn uns etwas vertraut ist, dann können wir es trotz gröbster Fehler ganz easy bewältigen:

Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät, ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was wcthiig ist, ist, dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als gseatems.

(Dieser Text stammt aus dem Facebook, woher weiß ich nicht ganz genau er wurde tausendfach geteilt) Also meckert hier nie wieder über meine Rechtschreibung

So ein Buchstabensalat macht natürlich Spaß und es zeigt wie gut unser Gehirn mit bekannten Dingen jonglieren kann. Eben weil wir ebenso brillant darin sind uns Lösungen aus dem Bekannten zu basteln, machen wir es gerne.

Die Macht des Bekannten

Mein erstes Aquarell in Malaysia machte ich früh morgens auf der Straße. Kiah Kien setzte mich an einer Straßenecke, in der Altstadt von Georgetown, ab. Dort setzte ich mich auf mein kleines Höckerchen und begann ohne nach zu denken zu malen. Die Armenian Street ist eine Straße, die auf dem ersten Blick auch in England oder den Niederlanden stehen könnte. Die klassische Architektur kleiner Handelshäuser in Backstein, unten das Geschäft und oben das Wohnen. Da ich selbst an der Grenze zu den Niederlanden geboren wurde, ist mir diese Architektur total vertraut. Noch vertrauter ist mir das Zwiebeltürmchen, denn die meiste Zeit verbringe ich in der Schweiz oder in Süddeutschland.

Also hat mein Gehirn aus lauter Vertrautem ganz ruck zuck eine europäische Stadt gebaut.

Ich weiß, dass das Bildes ganz schön geworden ist, ich bin auch durchaus nicht unzufrieden.

Dennoch ist es viel wichtiger sich dann ein wenig zurück zu lehnen und mal darüber nachzudenken, was wir eigentlich anders ist. An vielen kleinen Details kann man in der Armenian Street erkennen, dass sich hier chinesische Architektur mit europäischer Architektur gemischt hat. Doch auf den ersten Blick war ich nur in der Lage das zu sehen, was ich kannte. Der hübsche kleine Kirchturm hat sich bei einem späteren Spaziergang als eine riesige Moschee entpuppt, deren großen Kuppeln ich hinter den Häusern nicht sehen konnte.

Das Wesentliche sehen oder auch nicht

Als ich mittags mit KK essen ging, hatten wir eine merkwürdige Diskussion, er beschrieb mir wie chinesisch diese Häuser doch sind und ich konnte es nicht sehen. Für mich waren diese Häuser einfach nur kolonial.

In der folgenden Woche habe ich mich dann auf die Motive gestürzt, die wirklich anders sind, also die Moscheen und die chinesischen Tempel.

Weil mein Gehirn ein absolut störrischer Esel ist, wollte mein Gehirn einfach nicht sehen was anders ist. Ich bin so daran gewöhnt, das Wesentliche aus einem Motiv herauskristallisieren, damit es nicht total überfrachtet ist, dass mir einfach diese kleinen chinesischen Details völlig durch die Lappen gingen. Es war völlig verrückt, mein chinesisch stämmiger Freund sieht nur Chinesisches und ich sehe nur Europäisches.

Solche Sehblockaden beeinflussen die Zeichnung oder das Aquarell enorm. Einerseits machen Sie es uns sehr einfach gute Ergebnisse auszusuchen, wenn man sich jetzt mal die Bilder von so einigen Star Aquarelllisten ansieht, dann merkt man; hoppla egal wo der Mann ist hier ist ein und dasselbe Sehmuster am Werk.

Erkennen wie der Mensch tickt

Die Zeichnung ist ein wunderbares Instrument um zu erkennen, wie man selbst denkt, was man nicht sieht oder was die anderen sehen.

Eine Bekannte von mir, sie heißt Si, ist eine ganz wunderbare Künstlerin. Sie zeichnet ganz exzellent. Sie fertigte eine Zeichnung von meinem Mann an und in dieser Zeichnung sieht mein Mann aus wie ein alternder Chinese.

Diese Zeichnung hat mir viel Freude bereitet, auch wenn sich meine Freundin fürchterlich geärgerte, weil das Malen nicht so lief wie sie wollte. Mir hat diese Zeichnung gezeigt, dass es uns allen doch irgendwie gleich ergeht.

Auf unseren Augen sitzen die Scheuklappen unseres Lebens.

Und die Zeichnung ist ein wunderbares Mittel um sich selbst diese Scheuklappen von den Augen zu reißen.

Dies ist auch der Grund, warum viele Universitäten immer noch viel Wert auf das Zeichnen legen. Das an sich ist ja eigentlich schon unlogisch, weil wir leben in einem digitalen Zeitalter, wo doch hier alles fotografiert werden kann. Trotzdem gibt es immer noch solche Berufe wie zum Beispiel Grabungszeichner in der Archäologie. Der Grund ist dass sich ein Zeichner viel länger mit einem Objekt beschäftigt, das Malen erzeugt ein tiefes Verständnis. Ein kurzer Blick auf eine gestochen scharfe Fotografie ist nicht das Gleiche.

Wer zeichnet, denkt nach und kann Zusammenhänge erkennen. Deshalb lege auf Die Zeichnung nicht den besonderen Wert. Der eigentliche Luxus ist nicht nur das Malen. Mein Luxus war in Georgetown an einer Straßenecke im Streulicht der bewegenden Blätter eines mir unbekannten Baumes zu sitzen . Das wunderschöne Licht und der Baum stecken in dieser Zeichnung. Eine von vielen guten Erinnerungen in meinem Leben und eine kleine Zeichnung, die mich daran erinnert dass ich blind bin, aber daran kann ich ja auch etwas ändern.

Liebe Grüße

Tine

Besser malen lernen durch Respektlosigkeit

Besser Malen lernen durch Respektlosigkeit

 

Bildentwurf

Tine Klein Treppe zum Marktplatz Tessin Bildentwurf

Zwischen Ying und Yang

Diese chinesische Philosophie könnte man auch mit dem deutschen Sprichwort “Mit Bauch und Kopf übersetzen”.

Im Moment konzipiere, ich gerade einen großen Freihandzeichenkurs, der für die Menschen gedacht ist, die gerne aus dem Bauch heraus mit dem Stift loslegen. Das doofe daran ist, dass man gerade für das intuitive Loslegen auch wieder sehr viel Technik braucht.

Kopf und Bauch sind, wenn sie im Einklang zusammenarbeiten, einfach unschlagbar.

Dennoch ist dies in der ersten Phase des Lernens gar nicht so einfach miteinander zu vereinbaren, denn wer zu viel nachdenkt, der arbeitet nicht mehr aus dem Bauch heraus.

Blöderweise kann man aber auch nicht lernen ohne nach zu denken.

Eigentlich bräuchte ich in meinem Atelier ein Regal für all die Köpfe. Fröhlich würde ich rufen, “So! Jetzt haben wir den ganzen Theorie Scheiß gelernt, leg mal eure Köpfe ins Regal, die müssen jetzt ausruhen”. Es wäre so hilfreich, wenn alle meine Schüler fröhlich ohne nachzudenken im Unterricht loslegen, dummerweise ist bei den meisten der Kopf angewachsen.

Als Lehrer steckt man also ganz gewaltig in der Zwickmühle, denn man muss beides lehren, Viele meiner Kollegen sind da anderer Ansicht, sie sind scharfe Verfechter der einen Richtung oder der Anderen.

Die einen sagen, du musst dich quälen und ganz viel Theorie lernen und Techniken, die Anderen sagen, dass dies dir gar nicht hilft, weil du zu dir selbst finden musst. Dabei lernt man dann aber nix.

Persönlich betrachte ich diesen Zusammenhang ganz einfach, denn ich glaube ein Körper kann weder ohne Kopf noch ohne Bauch funktionieren. Oft wird Fachwissen das am Anfang recht mühsam war, im Laufe der Zeit zum Bauchgefühl…ich vermute so muss es sein.

Der Bildentwurf und der Kopf

Liest man in zeitgenössischer Literatur über Malen und Zeichnen, dann scheint es für den Bildentwurf nur ein Thema zu geben:

Der goldene Schnitt

Dann legt man das Bildzentrum statisch auf einen der 4 Punkte des goldenen Schnitts? Nein so läuft es nicht, dein Entwurf muss zum Thema passen.

Heute möchte ich euch einmal ein ganz anderes Entwurfsthema vorstellen. Es ist die Bewegung. Ich meine jetzt nicht Bewegung im Sinne von einem Jogger läuft durchs Bild, sondern ich meine Bewegung im Sinne von wie sind Gegenstände im Bild angeordnet.

Bewegungen sind als Entwurfselement richtig klasse, denn die Bewegung ermöglicht es uns besonders einfach Geschichten zu erzählen.

Die Herzen deiner Zuschauer müssen mit dir auf Reise gehen

Bildentwurf und Geschichte

Das Hintergrundwissen: Als ich dieses Bild anfing, war strahlender Sonnenschein, es war ziemlich warm. Der Schnee fing an zu schmelzen und das Licht brach sich in der Flüssigkeit. Das an sich graue Winterdorf zeigte sich im besonderen Farbglanz. Während ich malte, zog jedoch über die Berge eine Regenfront herein, diese krassen Wetterwechsel sind in den Alpen ziemlich normal. Um ehrlich zu sein geht es in diesem Bild um den Wechsel von strahlendem Wintersonnenschein zu der nächsten Wetterfront, die mit Regen und Hagel gerade eben ankommt.

Also der Wechsel von einem wunderschönen Schneetag zu Schneematsch.

Wie gehe ich jetzt bei meinem Bildentwurf vor?

Mal ganz ehrlich? Ich hab wollte ein ganz anderes Bild malen zuerst faszinierte mich die herrliche S-Kurve die das Dorf macht, wenn es sich den Berg heraufschlängelt. Also schon mal der erste Ansatz zu Dynamik durch Bewegung im Bildentwurf.

Tine Klein Treppe zum Marktplatz Tessin Bildentwurf Dynamik durch Bewegung

Ich denke diesen Bildentwurf seht ihr noch ganz deutlich wenn in das Bild hineinschaut.

Wer aber in der Schweiz wohnt oder in den Alpen, hat ja den krassen Wetterwechsel der letzten Tage mitbekommen.

Wer einem Bild Gefühle geben will, der muss seine Bilder abändern wenn er diese Gefühle gefunden hat.

Dummerweise passiert Erkenntnis erst während des Malens, das ist ja das Tolle daran. Wir schauen uns etwas sehr lange an und dann finden wir etwas sehr wundervolles darin. Dies ist der Punkt wo ein neutrales schönes Bild zu etwas sehr Persönlichem wird. Dieser Punkt ist sehr wundervoll.  Ein Künstler erschafft Neues und er reagiert.

 Bildentwurf ein wenig wie einparken auf hoher See

Natürlich weiß man wie man ein Schiff anlegt, dennoch ist es nie wirklich reine Theorie, denn das Wasser und der Wind haben ihr Eigenleben.

Und genau das macht man beim Malen, man balanciert aus. Jetzt muss noch die heranrauschende Wetterfront ins Bild.

In Bild  mit Thema entwickeln

Mein Thema ist: Die Sonne geht, der Schneematsch kommt, Menschen im Winter.

Zuerst teile ich nun das Bild in zwei Hälften, rechts habe ich die Sonne und von links schiebt sich der graue Winter herein. Am besten schräg, das ist dynamischer und stützt den Gedanken der Bewegung.

Man legt diese Teilung in Europa tatsächlich von links nach rechts an, ich glaube aufgrund unserer Richtung beim Lesen, betrachten wir Dinge die von links kommen automatisch als beginnend.

Viele kleine Einzelheiten im Bildentwurf

Der wesentliche Schritt ist geschafft, mich fasziniert der Wetterumschwung und diesen habe ich jetzt durch die Teilung des Bildes erzeugt. Der Bildentwurf wird meistens erst gut, wenn viele kleine Dinge mit dem Hauptthema zusammenarbeiten.

Was gibt es noch zu *Funkelschnee und  *Schneematsch   Zu sagen?

Zwei Gruppen von Menschen stehen im Licht und im Schatten.

Der Weg geht ins Licht

Hört sich jetzt an wie bei einer durch geknallten Esoterik Tante, aber jetzt mal ganz ehrlich, wir hier in unseren Breitengraden, wir sehnen uns doch im Winter nach Licht…deshalb formuliere ich das auch. Links und rechts oben von der Treppe mache ich es Dunkel, denn ich will zum Licht. Die Treppe soll mich zum Licht führen.

Tatsächlich denke ich über all das wenig nach…

Es steckt entwerferisches Fachwissen in den Bildern, wie zum Beispiel die Teilung oder das eine schräge Teilung immer dynamischer wirkt als eine gerade. Fachwissen ist auch, dass es für Menschen immer angenehmer ist ins Licht zu gehen als ins Finstere.

Doch es geht nicht ohne das Bauchgefühl, es bildet das Thema. Bildentwurf ist ein Zwiegespräch mit sich selbst. Wenn man solche Bildentwürfe konstruiert, dann wird es steif. Fachwissen ist dazu da es später intuitiv zu benutzen

Theorie wird zu Bauchgefühl

Liebe Grüße ihr Lieben

Tine

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Mehr zum Bildentwurf:

 

Blick, Realität und Bildentwurf

 

 

 

 

 

Schnee malen: Das Gespür für Schnee

Ha! Endlich Schnee wie in der Kindheit!

Tine Klein Tutorial Schnee malen Häuser mit Schnee im Laternen licht, Motiv Männedorf am Zürichsee

Heute Morgen wache ich auf, schaue aus dem Fenster und sehe dieses wunderbare Bild.

Männedorf am Zürisee wacht auf… da krabbelt es doch in den Fingern…Heute muss ich Schnee malen

Im Nachthemd stürze ich an meinen Schreibtisch, krame meine Acrylmarker heraus und beginne den wundervollen Schnee zu malen. Jetzt hocke ich im Schneidersitz in meinem Bett, meine Katzen schnurren, alles ist perfekt. Und, wie das immer so ist, in diesen Momenten funktionieren meine Acrylstifte nicht. Oh wie schade! Dennoch ich habe keine Lust aufzustehen, denn der Kaffee dampft neben mir und das Licht im Schlafzimmer ist Schneegrau. Ohnehin bin ich eigentlich ein Morgentrottel, also tue ich was ich kann, ich zeichne. Der Schnee kann warten, er liegt ja ohnehin auf der Landschaft, also sage ich mir, den Schnee kann ich später zeichnen.

Deshalb schaue ich in die Landschaft und versuche erst mal ein Gespür für den Schnee zu entwickeln.

Könnte man Schnee auch ganz ohne weiße Farbe malen?

Da bin ich mir ziemlich sicher, denn man kann eigentlich alles malen ohne besonderen Einsatz. Ich jedoch habe heute Morgen mein graues Skizzenbuch herausgekramt und da ich jetzt zu faul bin meine Idylle zu verlassen, muss ich irgendwie mit meinem Füllfederhalter und einem grauen Papier klar kommen.

Schnee malen

Schaut euch einmal dieses Foto an, wenn man hinaus schaut, ist die Landschaft natürlich erst mal weiß, aber definiert wird das Weiße durch die dunkleren Farben die unter dem Schnee herausschauen. Was den Schnee so markant macht, das sind zum Beispiel die ganz dunklen Flächen unter den Bäumen und Sträuchern.

Während ich meinen Kaffee schlürfe, male ich jetzt erst mal alles Dunkle. Während man sonst die weißen Flächen mühsam aussparen muss, setzt man den Schnee bei getöntem Papier einfach oben auf.

Ich mache es mir einfach, ich male also alles was unter dem Schnee ist:

Heute arbeite ich von dunkel nach hell

Leider muss ich jetzt aufstehen, weil ich die Kreide holen muss, dann kann ich euch gleich zeigen wie der erste Schritt ausschaut.

Tine Klein Tutorial Schnee malen Häuser mit Schnee im Laternen licht, Motiv Männedorf am Zürichsee, Vorzeichnung mit Tinte

Zugegebenermassen sieht dies noch nicht nach Schnee aus.  Das Material, was ich bis jetzt verwendet habe, ist ein graues Skizzenpapier von Strathmore (Toned Gray). Die Vorzeichnung habe ich mit Füllhalter gemacht.

Der Schatten macht es

In der Vorzeichnung habe ich ganz viele dunkle kleine Punkte gesetzt. Diese Punkte sind die Stellen des Baumes, die unter dem Schnee herausblitzen. Es sind die Grautöne die entstehen, also das, was irgendwo zwischen der Dunkelheit der Gegenstände und dem absoluten Weiß des Schnees liegt.

Obwohl hier bis jetzt natürlich noch überhaupt kein Weiß benutzt wurde, kann man rechts im Bild bei dem Baum oder unten bei den Büschen doch schon erahnen, dass dort vielleicht Schnee liegt.

Das Verrückte ist das man den Schnee nur richtig gut herausarbeitet, wenn man gleichzeitig ein erhöhtes Augenmerk auf die Dunkelheiten legt.

Wenn die Helligkeit oben drüber gemalt wird, braucht man sich mit der Dunkelheit nicht zurückhalten, man braucht mehr als man glaubt.

Schnee malen ist Schatten malen

Schnee malen ist Schatten malen, deshalb ist es erst mal gar nicht schlecht, wenn du mit Dunkelheit beginnst. Natürlich ist mir klar, dass diese Zeichnung jetzt noch überhaupt nicht nach Schnee aussieht bevor das Weiß drin ist.

Denn Schnee ist gleichbedeutend mit Weiss und das funktioniert natürlich auf einem grauen Papier überhaupt nicht gut. wenn man kein Weiss einsetzt. Andererseits wird aber das dunkle Papier den Schnee später leuchten lassen.

Das Arbeiten mit Weiss hat seine Tücken

In diesem Blog habe ich schon mehrfach darüber berichtet, dass das Arbeiten mit Weiss nicht immer ganz einfach ist. Die Acrylstifte trocknen ein oder sie sind nur auf sehr dunklen Untergründen sichtbar. Das Deckweiss aus Aquarellkästen wirkt oft eher schäbig als brillant. Doch es gibt für alles eine Lösung.

Wenn ich mit Weiss arbeite, dann arbeite ich gerne mit zwei sehr unterschiedlichen Materialien. Das eine ist Acryl-Tinte, so wie sie zum Beispiel auch beim Airbrush benutzt wird. Das andere ist Pastell, im Volksmund auch Kreide genannt.

Nun tapse ich zu meinem Schreibtisch, denn ich hab mir gestern winzige Pastellsticks gekauft (von Conte de Paris).

Jetzt werde ich gleich ausprobieren ob die Dinger taugen, sie sind klein und viereckig, so dass man ganz verschiedene Strukturen mit dem kleinen Pastell erzeugen kann.

Tine Klein Tutorial Schnee malen Häuser mit Schnee im Laternen licht, Motiv Männedorf am Zürichsee, Schnee mit Pastellkreide Comte Sticks

Der Stick ist sehr klein, aber extrem handlich, man kann ihn seitlich oder mit der Spitze benutzen. Der Schnee ist in Windeseile gemalt. Das Pastell ist schneller als alles andere, denn ich kann ja auch die breite Seite des Sticks benutzen und trotzdem Strukturen erzeugen.

Erstes Fazit der Comte Stick gefällt mir wirklich gut, er ist nicht nur handlich sondern auch wirklich Pigment stark.

Einen kleinen Nachteil gibt es dennoch, auf der Kreide selbst kann man nur schwer mit Füllfederhalter malen, deshalb steige ich für die Schatten auf einen Bleistift um.

Wenn ihr den Schnee malt, dann achtet darauf, dass ihr den Schnee nicht zu massig malt.

Andererseits braucht man aber auch wirklich genug Weiss, damit es nicht sehr grau aussieht auf dem dunklem Papier. Der Schnee krümmt sich über die Büsche oder er bildet dicke Haufen. An diesen Stellen reflektiert der Schnee das Licht besonders stark. Und dann kommen wir zu dem Thema, dass wir helles Weiss brauchen aber auch dunkles.

Verzichtet man auf etwas Schatten im Schnee, dann liegt der Schnee wie ein Fremdkörper im Bild, deshalb töne ich den Schnee ein wenig mit Bleistift ab. Sicher geht das auch mit  dem Pastell, doch zugegebenermaßen habe ich mir erst mal ein paar Probe Sticks gekauft, weil ich erst mal wissen wollte ob es überhaupt gut funktioniert.

Tatsächlich finde ich, dass man bei der Auswahl des Papiers enorm darauf achten muss, dass das getönte Papier nicht dreckig grau ist. Die Kombination aus grau, weiß und schwarz wirkt wirklich gut.  Ich glaube der wichtigste Verarbeitungstipp auf grauem Papier ist, dass man wirklich darauf achten muss, dass man sehr helle Stellen hat, die im Kontrast zu großer Dunkelheit stehen. Sonst wirkt das grau müde.

Der Härtetest hell auf dunkel

Jetzt bin ich mal gespannt. Angeblich sind die Sticks extra zum Skizzieren gemacht, so dass man in allen Farben mehrere Tonwerte hat, d. h. Lichtstärken.

Ich hab mir erst mal drei gelbe gekauft, Gelb bringt man zum Leuchten in dem man kalte und warme Töne aufeinander treffen lässt und gleichzeitig eine sehr starke Dunkelheit anlegt.

Tine Klein tutorial schnee malen Häuser mit Schnee im Laternen licht

Ein wenig muss ich mich noch an das eckige Format des Sticks gewöhnen. Ich finde es aber besser als Stifte, denn durch die Fläche kann ich regelrechte Strahlenbündel auf das Papier legen. Es klappt und ich bin sehr zufrieden. Nachdem ich das Pastell über die Tinte gelegt habe, muss ich noch einmal nachschwärzen, das ist etwas schwierig, denn der Füllfederhalter streikt ein wenig bei dem puderigen Pigment. Doch das Ergebnis ist durchaus überzeugend. Ich halte es für sinnvoll das Bild hinterher kurz mit  Fixativ anzusprühen. 

Fazit: Schnee lässt sich deutlich einfacher malen, wenn man ihn einfach oben aufsetzt. Das Material, die Comte Sticks, war für mich völlig neu. Sticks haben sich auf dem dunklen Papier gut geschlagen.Was ich daran super schön finde ist, dass es eine kleine Transportbox gibt. Man kann zwölf Sticks in einer winzigen Papierschachtel mit sich herumtragen. Da die meisten meiner Bilder wirklich vor Ort entstehen, finde ich dies einfach großartig. Jetzt im Winter finde ich es prima ein Material zu haben, welches sehr klein ist, aber keine Trocknungszeit hat. Ohne Pinsel ist bei der Kälte einfach praktischer, denn dieses Material kann man auch mit in Cafés oder Museen nehmen.

Tine Klein Material des Tutorial Schnee malen

 

Liebe Grüße ins Wochenende Tine

Der Blick aus meinem Schlafzimmer in Männedorf, wo bekomme ich schnell einen Schlitten?

Wer sich heute einmuckelt:

Ein ähnliches Thema ist die weiße Tinte

 

 

 

 

 

 

 

 

Pinsel, Souveränität und Alter

Das habe ich mir anders vorgestellt!

Tine Klein blaue Hütte auf Langkawi Malaysia Bon Ton Temple Tree Aquarellskizze mit Reisepinsel

Mit 15 habe ich mir das Altern folgendermaßen vorgestellt: Mit spätestens 35 ist man hässlich, alt und ignorant und alle müssen tun was man will! Ständig zwingen mich meine Eltern zu tun, was ich nicht will! Das habe ich mit 16 gedacht und ich wollte natürlich zu den Coolen gehören die im Alter unendlich schlau, seriös, würdevoll und wahnsinnig souverän sind.

Jawohl! Ich würde natürlich zur zweiten Gruppe gehören, aber bis dahin war ja noch 1 Million Jahre Zeit. Dummerweise bin ich über diesen Zeitraum irgendwie in Lichtgeschwindigkeit hinausgeschossen.

Pinsel und das Alter haben eins gemeinsam, hier ist absolut nichts so ist, wie ich mir das vorgestellt habe und Keiner tut was ich will!

(Für Kai genervt nach dem Pinselkauf)

Keiner tut was ich will!

Ich dachte zum Beispiel mit spätestens 40 bin ich total souverän. Natürlich bin ich souverän! Ich kann ganz souverän mit meinen Oberarmen winken. Das ist aber ganz und gar nicht das, was ich mir vorgestellt habe.

Und was ist mit: Jeder muss tun was ich will?

Hier tut keiner was ich will, nicht meine Waage, nicht mein Spiegelbild und auch nicht meine Pinsel.

Das Leben und Pinsel kaufen ist die pure Anarchie.

Ich habe immer gedacht, wenn ich erst mal genug Geld habe um mir coole Pinsel zu kaufen, dann tun die auch was ich will. Blöderweise sieht es mit meinem Leben und den Pinseln total anders aus. Es ist nicht so, das du dir den asiatischen Traumpinsel kaufst und der ist mega! Oft ist das was cool ausschaut beim Malen nur die halbe Freude. Die unscheinbaren vor der Kiste machen die Kunst.

Es ist eher wie Montagmittag, du guckst in den Kühlschrank und denkst:

“Ach du Sch…., wie ist denn das da alles da reingekommen und was kann ich aus dem Chaos kochen (malen).“

Das was ich mir vorgestellt habe, dass was ich bekommen habe und dass was ich will, sind drei völlig unterschiedliche Sachen.

Denn tatsächlich läuft es meistens völlig anders, z.B.: Ich kaufe einen Pinsel, denke dass sie ist die neueste Version des synthetischen Marderhaars und ich bin total entzückt. Während ich nach Hause laufe, habe ich das Gefühl, ich trage den besten Pinsel der Welt nach Hause. Synthethisches Maaderhaar! Und dafür musste noch nicht mal einem niedlichen, kleinen, armen und pelzigen Kuscheltier ein Haar aus seinem Hinterteil gerissen werden. Ich strahle, ach die Welt es großartig!

Der anarchische Pinsel und seine grausamen Angewohnheiten

Dann komme ich zu Hause an, stelle fest dass dieser blöde Pinsel überhaupt nicht das ist, was ich mir vorgestellt habe. Natürlich kann der nicht gegen meine Pinselsammlung anstinken, denn siehe oben, Eva ist eine Sünderin und die hat ein paar Pinselchen. Der Pinsel ist nicht weich und unendlich saugfähig.

Aber halt stop, das Ding hat eine unzerstörbare Spitze, großartig!

Das ist, als wenn man ein Schweden heiratet, und schokoladenbraune Babys bekommt.

Du kannst dich jetzt auf den Fußboden werfen und schreien, oder feststellen, dass die himmlische Macht mal wieder gnädig mit dir war und dir nicht das gegeben hat, was du willst, sondern das, was du brauchst.

Pinsel, die anders waren als gedacht

Ich möchte euch nun zwei Pinsel vorstellen, die völlig anders waren als gedacht. Ihr seht sie oben unter der Schachtel.

Dumm gelaufen und Glück gehabt in diese Gruppe fallen die folgenden Pinsel

Escoda Reisepinsel

Der erste Pinsel ist der Escoda Synthetic Sabel Reisepinsel. Er wurde in diversen Foren sehr kontrovers diskutiert. Genau den Pinsel hat Kai gekauft und fand ihn zum würgen…

Die Zusammenfassung: Die ein Lieben ihn, die anderen hassen ihn.

Ich mag den Pinsel, obwohl er absolut nicht das tut, was ich mir vorgestellt habe. Ein ruhiges Verteilen von Farbe ist mit diesem Pinsel einfach nicht möglich.

Seine Stärke ist eine unzerstörbare Spitze und er ist absolut reisetauglich.

Ich benutze ihn ein bisschen wie einen Stift. Er gibt Wasser eher wie ein Stift ab, ich stelle mit ihm viele kleine unruhige Strukturen her:

Tutorial Tine Klein blaue Hütte auf Langkawi Malaysia Bon Ton Temple Tree Aquarellskizze mit Reisepinsel

Von kleinen feinen Strukturen, wie bei den Blumen neben dem blauen Haus oder den Blättern des Ingwers hinter dem Zaun,  der Pinsel malt entweder sehr sehr fein oder auch mal mit dickem Strich. Für Flächen ist dieser Pinsel überhaupt nicht geeignet. Dafür hatte ich ihn eigentlich gekauft. Das Wort Marderhaar hatte bei mir die Vorstellung von einem Pinsel geprägt mit dem man gut lasieren kann.

Pustekuchen, trotzdem bin ich mit im glücklich, wegen der großartigen, stabilen, und trotzdem flexiblen Spitze

Das ist jedoch durchaus wundervoll, denn man kann mit diesem Pinsel großartige Bilder machen. Ich warte noch auf genau die gleiche Erleuchtung, was ich mit meinen Augenringen tun könnte, es wäre doch großartig, wenn ich die am Finger tragen könnte.

So sieht es dann mit dem kleinen Strukturen des Escodas aus:

 

Mein heiß geliebter Flächenkünstler : Da Vinci Cosmotop

Eine Liebesehe mit dem Blödian

Ein anderes Beispiel für einen solchen Pinsel ist der große Flachpinsel Cosmotop von Da Vinci. Diesen Pinsel habe ich geschenkt bekommen und dachte:

Na, der ist ja voll idiotisch!

Wer schenkt denn einer Skizzenbuchkünstlerin mit klitzekleinen Motiven einen Pinsel der Größe Anstreicherpinsel?

Der vermeindliche Anstreicherpinsel entpuppte sich in meinen Händen als künstlerisches Feinwerkzeug.

Tutorial Tine Klein blaue Hütte auf Langkawi Malaysia Bon Ton Temple Tree Aquarellskizze mit Reisepinsel

Dieser Pinsel ist großartig wenn es um rhythmische Strukturen geht, die Palmblätter oben rechts sind mit diesem breiten Anstreicherpinsel getupft, genauso wie der Zaun oder die Brettstrukturen auf dem hellblauen Haus.

Die Stärke dieses Pinsel liegt in der Fläche und in der absolut  feinen Pinselspitze.

Ja, Pinselspitze, natürlich ist es ein Flachpinsel, aber dadurch dass der Flachpinsel vorne auf der Längsseite so gebunden ist, dass die Haare fast wie eine bei einem Messer zusammenlaufen, kann man ganz feine Strukturen erzeugen. Mit anderen Flachpinseln geht es übrigens nicht so gut, es funktioniert bei mir nur mit diesem roten Pinsel von Da Vinci am besten. Eben weil genau dieser Pinsel ein bisschen ist wie ein Messer.

Zur Hochform läuft dieser Pinsel auf, wenn er das tut was man eigentlich mit einem Marderhaarpinsel tun würde, grosse Flächen lasieren. Er lässt der Farbe die Freiheit einfach auf einem großen ruhigen Wasserbett zu verlaufen.

Das gibt Bildern eine einzigartige und sehr klare Schönheit.

Der Witz ist, das man, wenn man mit dem dicken Pinsel arbeitet, extrem schnell und fokussiert ist, solche Skizzen entstehen in wenigen Minuten:

Tine Klein blaue Hütte auf Langkawi Malaysia Bon Ton Temple Tree Aquarellskizze mit Flachpinsel

80 Prozent des Bildes sind mit dem breiten Flachpinsel von Da Vinci gemalt.  So breit wie ein Drittel des Bildes. Die sehr feinen roten Striche und auch sehr feinen anderen Strukturen wurden wiederum mit dem Escoda, den ich eigentlich für dich Flächen gekauft hatte, eingefügt.

Pinsel lernt man mit der Erfahrung zu schätzen

Kein Mensch würde denken dass dieser Flachpinsel ein großartiger Reisepinsel ist, aber das ist er, denn er ist so kurz, dass man ihn einfach bei den Stiften verstauen kann.

Seither hab ich viel mit den Flachpinseln experimentiert. Zuerst habe ich sie gehasst, bin dann aber bei dem Roten hängen geblieben.

Dieser Pinsel ist wie mein Ehemann, ich habe ihn mit 4 Jahren im Sandkasten mit der roten Schuppe verdroschen, nachdem er mir einen Eimer Sand in die Hose gekippt hat  (Schön die in die Brötchen rieseln lassen). Ich habe ihn gehasst. Erst viel später habe ich gemerkt, was er noch so zu bieten hat.

Herauskriegen was geht!

In dem Weihnachts- und Neujahrblog habe ich jeweils darüber geschrieben, wie man mit Erwartungen umgeht oder das ich in Ruhe Dinge auch mal mehrfach tue um einfach rauszukriegen was geht. Genau das habt ihr oben gesehen. Zweimal das gleiche Bild und trotzdem völlig anders gemalt. Jedesmal mit den gleichen 2 Pinseln, dennoch 2 ganz unterschiedliche Ergebnisse.

Ich glaube nicht das die Frage bei einem Pinsel ist:

Was kann er nicht?

Die Frage ist: Was kann der Pinsel in meinen Händen?

Was kann der Pinsel für mich tun?

Ist der Pinsel blöd, finde raus wo er charmant wird. Ich habe diesen Pinsel gehasst nun habe ich ihn vor liebe “abgegrabbelt”:

Liebe Grüße ins neue Jahr Tine

P.S.: Lieber Kai Lust und Frust Meine Pinselsammlung ist so heikel wie Eva´s Äpfel.

Noch mal ein Blick auf Tines Marschgepäck

Marschgepäck

 

Kleines Marschgepäck Reisekunstmaterial