Verfluchter Fluchtpunkt!

Hast du Probleme mit den Fluchtpunkt beim Zeichnen? Na, dann bist du in bester Gesellschaft!

Von einer Freihand gezeichneten Perspektive träumen viele, aber es scheint unerreichbar. Es ist jedoch nicht schwer, wenn man die ganze komplizierte Materie auf drei kleine Sachverhalte zusammen schrumpft.


Die merkwürdigen Effekte der Perspektive


Letzte Woche waren wir mit Freunden spazieren, mein Mann ärgert die Kinder damit, dass er behauptete man würde regelmäßig den Zürichsee ablassen, um ihn zu reinigen wie die Badewanne.

Wir liefen ganz langsam den Berg hinab zum Zürichsee und mein Mann behauptete, man könnte heute ja deutlich sehen, dass sie den Zürichsee auslassen würden, er verstehe nur nicht warum sie das am Wochenende machen würden, denn den ganzen Zürichsee zu schrubben sei ja eine Menge Arbeit.

Tatsächlich waren die Kinder total verblüfft, denn je mehr wir den Berg hinab liefen, desto tiefer sank der Wasserspiegel. Nach kurzer Zeit fragte der erste Erwachsene ob der Zürichsee ein Stauwehr habe? Ich musste mich innerlich vor Lachen krümmen, denn das ist Perspektive.

Weißt du woran dieser Effekt liegt?

Wenn nicht, dann wird es jetzt Zeit! Denn der verblüffende Effekt mit dem Wasserspiegel, hilft sehr beim Zeichnen.


Augenhöhe und Fluchtpunkt, wie mein Einfaches absolut komplizieren kann


Wenn ich Fachbücher über Perspektiven lese, weiß ich leider nicht, ob ich lachen oder weinen soll, hier versuchen Menschen anderen Menschen Perspektive zu erklären, die diese offensichtlich nicht verstanden haben.

Es wäre zum brüllen komisch, wenn es nicht so traurig wäre.

Solche Fachbücher fangen bei Perspektive häufig so an:

„Gerade Linien die im Orginal parallel zueinander laufen, treffen sich in einem gemeinsamen Fluchtpunkt. (Ähhm, ich dachte parallele Linien treffen sich nicht?) Blickst Du direkt von vorne auf das Objekt, benötigst Du einen Fluchtpunkt, der genau in der Mitte liegt. ( Bla,bla bla, was heisst hier benötigt, es gibt einfach einen Fluchtpunkt). Blickst Du seitlich auf das Objekt, benötigst Du zwei Fluchtpunkte, die links und rechts des Objekts liegen. (Oh ha ! Schnelldenker!). Auch senkrechte Linien treffen sich in einem Fluchtpunkt, der aber meist weit außerhalb des Bildes liegt und nicht auf der Horizontlinie, sondern auf einer senkrechten Linie liegt. (Ja ich malte mir als Anfängerin immer den Fluchtpunkt auf die Uni-Tische, verratet es aber nicht weiter. Ist wie bei Murphy´s Law mit dem Butterbrot, Fluchtpunkt liegt gefühlt 2 Meter weiter). Die Horizontlinie zeigt an, ob der Betrachter von unten, von vorne oder von oben auf das Objekt sieht. (Komplizierter konntest du es nicht ausdrücken?) Die Fluchtpunkte der waagerechten Linien liegen alle auf der Horizontlinie. (Aber sicher, und jetzt hast du immer noch nicht gesagt warum!)“

Aus einen Blog zum Thema kopiert, den ich nun aus Respekt nicht nennen möchte

Erst Fachtexte sorgen dafür, dass man meint der Wortstamm von Fluchtpunkt kommt von fluchen!

Bla,bla,bla,blahhhhhhhh und dann folgen 1000 unnütze Schaubilder die so kompliziert sind das man Augenkrebs bekommt!

Falls dein Kopf vor Müdigkeit, beim dritten Satz auf den Tisch geknallt ist, dann hast du ganz normale Reflexe!

Das ist nicht nur zum Gähnen langweilig, so kann man einfach keine Perspektive erklären! Was viele Autoren gerne Horizontlinie nennen, ist schlicht und einfach die Höhe deiner Augen.


Perspektive ist dein Sehfehler


 

Wenn es um Sehen geht, bist Du das Zentrum der Welt!

Du brauchst also gar nicht lange suchen, wo die Horizontlinie ist, sie ist genau auf der Höhe deiner Augen und bei einem Foto ist sie genau auf der der Kameralinse. Und genau da sind alle Fluchtpunkt. Hier steht die Kamera auf dem Balkon.

Augenhöhe ist die Horizontlinie

Das alles in der Entfernung kleiner wird ist leider ein Sehfehler unserer Augen! Also findet sich der Fluchtpunkt als Summe unseres Sehfehler genau auf unserer Augenhöhe und das nennen die Vollpfosten in Fachbüchern hochtrabend Horizontlinie.

Die Kameralinse steht hier auf der Balkonbrüstung und magischerweise verschiebt sich der Horizont auf genau diese Höhe. Das ist der Grund warum mein Liebster den Kindern auch ganz glaubhaft versichern kann, der Wasserstand im See würde sinken, wenn wir den Berg herunter laufen. Denn die Horizontlinie ist unsere Augenhöhe und sind wir tiefer am Berg, dann schaut es so aus als hätte der See  weniger Wasser!

Es ist doch logisch, du siehst mit deinen Augen und deine Augen sind  das Zentrum des Bildes.

Auch wenn Perspektive uns oft fühlen lässt als sein wir totale Deppen, es ist ganz einfach.

Wenn du mal verwirrt bist hältst du dich an diesen 3 simplen Leitsätze.

  • Über meinen Augen fällt es in der Entfernung
  • Unter all meinen Augen steigt es in der Entfernung
  • Auf der Höhe meine Augen ist alles gerade, da tut sich gar nichts und dort bilden sich die Fluchtpunkte.

Tomaten auf den Augen!  Nein, du bist nicht völlig verblödet, wenn du es nicht siehst, denn das ist ganz normal!

Anders als auf dem Foto, wenn alles auch noch mit deutlich sichtbaren Linien markiert ist, ist es im Alltag total schwer zu sehen ob eine Linie fällt oder steigt.

Dann erinnere dich bitte an das Schaubild oben, alles über deinen Augen sinkt und alles unter deinen Augen steigt.


Man muss sich sichtbar machen!


Wenn du es nicht sehen kannst dann mach es dir einfach mit dem Stift sichtbar, das funktioniert so:

http://blog.herz-der-kunst.ch/alles-eine-frage-der-perspektive/

Ohne den Stift hättest du nicht sehen können, das das Dach leicht abfällt.

Schau mal hier man sieht es einfach nicht!

Fluchtpunkt und Perspektive sieht man nicht, Tine Klein

So schön ist es bei uns, liebe Grüße an den Künstlerverein in Bremgarten AG

Schau mal so würde es ohne Stift aussehen. Würdest du bei dem Dach mit dem Pfeil sehen, dass die Linie fällt?

Nö?, Na dann ist alles OK du siehst Normal!

 

Also schnapp Dir einen Stift und mach Dir die Perspektive sichtbar. Falls du die verfluchten Fluchtpunkte suchst, sie sind auf Höhe der Uferpromenade, ich stehe tiefer als die Brücke.

Freihandzeichnen Tipp:

Mach dir klar wo die Augenlinie steckt. Am besten im Bild markieren, alles drüber fällt in der Entfernung, alles drunter steigt in der Entfernung.

Bei meinem Bild vom Zürichsee ganz oben, brauchte ich  keine Perspektive zeichnen, weil mein Kopf genau auf einem dieser der Dächer ist. Dadurch fluchtet nichts, das macht das Zeichnen luxuriös einfach!

Merke je genauer du bist, desto genauer wird das Sehen des Betrachters!

Schönes Wochenende wünscht die Tine.

Mehr Info´s zum Thema: Perspektive

(P.S.: Das Bild oben ist „Two in One“. Zwei meiner Lieblingsplätze in meinem Skizzenbuch war noch eine alte Skizze von Bora Cay, Schiffe vor der Insel in der Abenddämmerung. Die sind doch nie fertig geworden, darauf habe ich den Bauernhof mit Hühnerstall über dem Zürichsee gemalt, an der Straße ist eine Bank, dort halte ich gern abends um den Sonnenuntergang am Zürichsee zu bewundern. Die Stelle liegt sehr hoch über dem Zürichsee, durch die großen Schiffe wirkt das Wasser jedoch ganz nah.)

 

 

 

 

 

Materialliste, was brauche ich bei Tine!

Danke schön für die vielen Anmeldungen!


Aus einem Kurs wurden aufgrund der vielen Anmeldungen 3, vielen lieben Dank dafür!

Wer bei uns am Zürichsee ist, darf deshalb gerne schnuppern kommen, ebenfalls die Schüler noch eine Freikarte für den Spaziergang mit Stift haben.

Am Samstag Nachmittag ab 16 Uhr findet sich nach Voranmeldung bestimmt ein Platz.


Kein Kaufrausch


Generell geht es in Tine´s Kursen herzlich wenig um Material, denn das Wissen ist wichtig, Das Material ist Mittel zum Zweck. Euer eigenes Lieblingsmaterial, ist im Kurs herzlich willkommen. Es geht darum, dass ihr euch wohl fühlt.


Materialliste


 

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

 

  • Aquarellkasten alle Grundfarben in kalt und warm sollten vorhanden sein. Hast du keinen Kasten bekommst du Notfalls einen Leihkasten und eine Einkaufsberatung.
  • § Pinsel,bitte nicht zu klein, oben ein Rundpinsel wie der oben mit guter Spitze reicht, Wassertankpinsel sind auch OK, so winzige wie der blaue Pinsel oben bitte nicht! Wenn ihr ihn habt ein eckiger flacher Syntetikpinsel ca. Daumenbreit.
  • Falls vorhanden Buntstifte oder Aquarellstifte zum aufhübschen von blassen Farben (nur 2-3 in leuchtenden Farben)
  •  Aquarellblock oder Multimediapapier min 185gr§ Steckt auch sehr preiswertes Papier ein, Für Experimente ist es sehr ratsam, nicht immer auf edlem Papier zu zeichnen.
  •  Ein weißer Gelstift von Signo  ist sehr hilfreich aber kein muss
  • Weicher Bleistifte, Radiergummi und ein Spitzer sind natürlich auch immer gut
  •  Ein Lappen Oder Papiertaschentücher
  •  Mein Herz schlägt für den für die Füllhalter. Preiswert und super gut ist der Lamy Safari (siehe oben) , den gibt es überall. Der Füllhalter und eine schöne Tintenfarbe wirken Wunder in jedem Skizzenbuch. Alternativ könnt ihr auch mit Feinlinern arbeiten zum Beispiel von Stabilo oder Copic.

 

Summery


Farbkasten, Stift, Bleistift und Aquarellpapier und preiswertes Suddelpapier

Tipp: nicht in einen Kaufrausch ausbrechen ihr dürft im Kurs auch Material ausprobieren. Nach dem Kurs kaufen ist oft sinniger, denn Materialkunde gehört dazu.

Kuss und Gruß Das wird eine super Zeit! Und ich freu mich total auf Euch

Tine

wer mit machen möchte darf sich gerne in den Verteiler eintragen:

Bitte schreibt mir ob ihr aus der Schweiz oder aus anderen Ländern kommt;) es gibt unterschiedliche Verteiler.

Verteiler

Rhythmus im Blut, Zeichnen und Takt

Tine klein Skizze Dächer von Barcelone Rhythmus Chaos und Tackt sind in Zeichnungen wunderbar erinnerbar.

Rhythmus: Ist die Wiederholung und und Anordnung von bestimmten Ereignissen, Gegenständen oder Tönen

Und was hat das jetzt mit Malen oder Zeichnen zu tun?

Heute möchte ich mit euch über ein Thema reden, was sehr oft vernachlässigt wird: Es ist der Rhythmus in der Zeichnung. Das Thema vergisst man immer wieder und manchmal braucht man einen kleinen Tritt um daran erinnert zu werden, wie zauberhaft die Unterbrechung und Variation ist.

Regelmässiges kann schnell langweilig werden, unterbricht man es aber und gibt ihr einen Takt dann wird es fast magnetisch.

 


Making of des Bildes


Mit meiner Zeichenausrüstung bewaffnet, schleppe ich mich die Stufen der Casa Batló hinauf.

Eine meiner vielen Fehler ist, dass sich ein schrecklicher Morgenmuffel bin. Das trifft es allerdings nicht, ich bin kein Morgenmuffel, ich bin ein Morgentrottel. Jetzt trottete ich mit dem Schlaf in den Augen, die Treppenstufen der Villa hinauf, für das funkelnde Treppenhaus habe ich noch keinen Blick, mein Ziel ist die prachtvolle Aussicht von der Dachterrasse der Villa.

Entsetzt schaue ich in das Panorama, um diese Uhrzeit habe ich meine rosa Brille noch nicht auf. Was ich in Front dieses wundervollen Kulturgutes sehe, ist nicht nur das prachtvolle Panorama von Barcelonas Bell Epoque, sondern ich Glotze betroffen auf hunderte Klimaanlagen und Lüftungsschächte.

Wie konnte mir das beim letzten Mal entgangen sein?

Schlagartig ist mir als Morgenpessimist klar, das kann man nicht malen. Allerdings zücken ich nun meinen Füller und kritzele mich erst mal ein.

Erfahrungsgemäß weiß sich, irgendwann findet der Blick etwas, was mich fasziniert und dann ist es aus mit dem Pessimismus.

Heute packt mich erstaunlicherweise, die scheußliche Pracht des Technikmülls auf Barcelonas Dächern. Anders als erwartet, ist das Motiv nicht unhaltbar, sondern seine Andersartigkeit und Scheußlichkeiten ist das was mich packt.

Die Klimaanlagen und Schornsteine sind alle gleich und doch anders, es gibt regelmässige Gruppen und Tackte aber auch mal gar keine.

Meiner Hand wird klar es ist eine Melodie, es gibt einen Takt und Rhythmus ehe mein Kopf überhaupt wach ist.

Tatsächlich ist es gar nicht scheußlich, es ist anders als erwartet und es ist rhythmisch wie ein Takt, es ist Musik. Das hier ist kein Musikstück von Bach, das hier ist Bach mit einem fetten Rap davor.

Der Rhythmus ist unwiderstehlich


Rhythmus, Änderung und Variation


Dies sind starke Mächte beim Zeichnen. Wenn sich Formen eintönig wiederholen, dann vergisst man sie viel leichter als Dinge, die scheinbar anarchisch ihren eigenen Takt angeben.

Oft sind Motive von denen man glaubt sie seien unmalbar, die besten Motive.

Wenn sich eine Form immer und immer wieder wiederholt, dann wird es für das Auge unglaublich langweilig.

Wenn sich Formen beständig verändern und doch einen kleinen gemeinsamen Nenner haben, dann ist dies unglaublich attraktiv, ohne dabei zu chaotisches zu wirken.

Alles verändert sich und doch ist ein gemeinsamer Takt da. Auf so etwas sollte man achten.

Diese Gestaltung und Harmonieregel findet sich nicht nur bei technischen Gegenständen, jeder Wald ist eine Herausforderung für den Zeichner, die Versuchung exakt gleiche Formen immer wieder zu reproduzieren ist hoch.

Aber dafür bezahlt man einen hohen Preis, denn das Bild wird auf jeden Fall langweilig und monoton. Es ist wie eine Tapete an der Wand eines Zimmers, die sich immer wieder wiederholt, man vergisst sie einfach.


Das reinste Chaos: Wunderbar-Erinnerbar!


Die Grundform gibt die Ruhe, das Chaos den Rhythmus und Tackt!

Rhythmus Chaos und Tackt sind in Zeichnungen wunderbar erinnerbar. Tine Klein

Schöne Chaos hat jedoch eine innerliche Ordnung

Wiederholungen, Unterbrechungen und Variationen des gleichen Thema sind aber wie eine „Marching Band“ mit vielen unterschiedlichen Trommeln, aber es gibt für den unterbrochenen Rhythmus einen Takt wie in der Musik, ist es kein reines Chaos, sondern geordnetes Chaos und das mag das Auge. Das Zeichnen ist überhaupt nicht schwer, weil es immer wieder die gleiche Grundform ist doch, die Variation gibt dem Auge richtig was zu tun.

Mit Bach hat das nichts zu tun aber vielleicht etwas mit Bebob oder Rap.

Liebe Grüße ins Wochenende

Tine

Passend zum Thema:

blog.herz-der-kunst.ch/schoen-was-ist-schon-schoen

 

 

Tricks zum Zeichnen von Bewegung

Letzes Jahr war bei mir so viel los, dass ich gar nicht dazu gekommen bin zu berichten. Eines der schönsten kleinen Events bei meinem Spaziergang mit Stift war das Slow-Up. Ein Slow-Up ist ein Event bei dem die Straßen gesperrt werden, damit sie frei sind für Fahrradfahrer und Rollschuhlfahrer.

Wir setzten uns mit Stühlen auf die Straße und trainierten das Zeichnen in Bewegung.

Man sind die schnell und zack sind sie weg!

Bewegungen zeichnen, macht einen am Anfang ratlos. Es ist doch schon auf dem Foto schwer genug!

Hier hocken wir wie die Hühner auf der Leiter und warten auf unsere rollenden Opfer.

Das war ein wundervolles und buntes Treiben, jedoch ist es für den Zeichner der absolute Horror, denn auf einem Slow-Up hält niemand still.

Der beste Tipp ist sich nicht von dem Getümmel unter Druck setzen zu lassen

Also erst einmal gemütlich hinsetzen, sich das Treiben ansehen und dann herauszufinden was hier eigentlich die typische Bewegung ist. Wenn viele Menschen das Gleiche tun, dann machen auch alle immer mal wieder die gleichen typischen Bewegungen.

Gut zu wissen, alle machen irgendwie das Gleiche!

Das Erste ist das man herausfindet, wie das Ganze ungefähr zusammenhängt.


Das Grundmuster finden


Fahrradfahrer machen immer wieder die gleiche Bewegung. Sie hängen mit einem Buckel auf ihrem Drahtesel und die Beine strampeln sich unten ab.

Die Bewegungen ähneln sich immer wieder Buckel, ein gestecktes Bein und ein langes Bein.

Da die Bewegung unglaublich schnell ist, darf man sich einfach nicht treffen lassen. Der beste Tipp ist nicht nur eine Person zu malen, sondern das Gemalte ganz in Ruhe aus mehreren Personen zusammenzusetzen.

Super geeignet dafür ist gestisches Zeichnen. Um sich klarzumachen wieso eine Person auf dem Fahrrad aussieht, malt man sie einfach in der Luft, während man die Fahrradfahrer beobachtet. Dadurch dass man praktisch in der Luft eine Geste malt, wird einem ziemlich schnell klar was die Grundform ist. Die Grundform eines Fahrradfahrers ist einfach ein Haken. Der Buckel mit dem langen Bein, dazu kommt noch ein angewinkeltes Bein.

Die Geste vereinfacht die Sache!

Macht man sich dies klar, ist die Sache gar nicht mehr so brutal schwer.

Hat man erst mal begriffen, dass man eine Bewegung in einen einfachen Pinselschwung oder Strich umsetzen kann, dann kann man auf dieser einfachen Basis enorm lebendige Bilder oder Zeichnungen machen.


Vereinfachen ist das A und O


Oft hilft es sich das Leben so einfach wie möglich zu machen! Wenn man erst mal versucht, die Dinge von hinten zu malen. Schon hat man viel länger Zeit sich das Ganze anzusehen.

Opi auf dem Rad, Atelier Herz-der-Kunst, Malen und Zeichnen von Bewegung

Tine Klein: Opi auf dem Fahrrad

Auch hier sieht man das Grundmuster, das gestreckte und das abgewinkelte Bein. Diese Vereinfachung und etwas mehr Zeit nimmt einem enorm den Stress.

Mutig vereinfachen ist das A und O des schnellen Zeichnen. Aus einem Reifenprofil wird einfach eine Zickzacklinie, aus einem angewinkelten Bein ein Dreieck. Vom Fahrrad sieht man nicht mehr als den Reifen und die Lenkergriffe.

Wenn man von hinten malt, hat man sich auch den Stress gespart die Fahrradkonstruktion von der Seite zu malen.

Gerade das Einfache sorgt dafür, dass man das Typische einfängt

 

Zu viele Details gehen bei dieser Art und Weise des Malens überhaupt nicht. Besonders notwendig ist es sich auf die wichtigsten Dinge zu spezialisieren.

Also kein Schnickschnack, sondern das Nötigste.


Nur Wer wagt, der gewinnt


Es gibt kein Weg daran vorbei, wer es nicht ausprobiert, wird es auch nicht lernen

Doch es gibt Hoffnung, beim Zeichnen von Bewegung hat man einen ganz enormen Vorteil, dieser Vorteil ist das Bewegung gerne mehrere Linien toleriert. Eine falsche Bewegung ist, anders als in einer normalen Zeichnung, nicht unbedingt ein Fehler sondern nur ein Anzeichen für die Bewegung. D. h. deine Versuche und auch kleinen Fehler sehen mitunter sogar extrem cool aus

Fahrradfahrer mit Navi, Atelier Herz-der-Kunst, Malen und Zeichnen von Bewegung

Rennfahrer mit Navi, lustig bei der Seestrasse am Zürichsee, die 30 km lang völlig gerade ist

Schau noch mal in meine erste Zeichnung, das erste Hinterrad passte so wenig zum Fahrrad, dass ich das Blatt am liebsten weggeschmissen hätte.

Nicht beim ersten Fehler Skizzenbuch beißen

Suchende Linien sind beim Zeichnen von Bewegung kein Fehler, das Rad bewegt sich und die Linie bewegt sich und so werden deine vermeintlichen Fehler oftmals zum Design!


Wie man mit Schüchternheit umgeht


Obwohl ich es gewohnt bin vor Menschen zu malen, kriege ich immer noch Hitzewellen, wenn die Menschen so nah ran kommen. Wenn ich dann Fehler mache, bekomme ich Angst und natürlich geht das erst recht meinen Schülern so.

Atelier Herz-der-Kunst, Malen und Zeichnen von Bewegung

(diese Fahrradfarbe hat mich inspiriert siehe oben)

Aber wenn man das Gespräch aufnimmt, dann merkt man 99,9 Prozent der Menschen sind positiv, sie kommen weil sie es toll finden, das wir malen. Sie wollen mitmachen.

Einfach machen ist das Rezept, erst dann  wird man bestärkt

 

Bewegung -Material und Technik


Schaut mal, dieser junge Mann hängt auf seinem Rennrad wie Sancho Panza auf seinem Esel.

Fahrradfahrer auf RennradBlog Herz der Kunst, Malen und Zeichnen von Bewegung

Tine Klein: Drahtesel und Sancho Panza in Zürich auf der Seestraße

Aber wie kann es sein, dass ich Ihnen so kurzer Zeit malen kann.

Die schlichte Wahrheit ist: „Ich kann es nicht!“

Auf der Strecke kommen hunderte von Fahrradfahrern, wenn ich einmal etwas Typisches gesehen  habe, dann schärft sich mein Auge dafür. Ich lege mich auf die Lauer bis der nächste Radfahrer kommt.

Den Malprozess zerlegen


  • Zuerst male ich in Ruhe den Lenker und die Fahrradlampe, dann warte ich bis der nächste Rennradfahrer kommt.
  • Jetzt habe ich schon im Kopf welche Pose ich malen will, dann male ich nur die absolute Grundform in einem dicken Block, oft sogar wie oben ganz grob nur in Farbe.
  • Jeder folgende Fahrradfahrer steuert nun einen kleinen Teil zu Motiv bei. Bewusst schaue ich auf Details zum Beispiel die Hände.
  • Wenn etwas ganz besonders schön war, dann versuche ich es im Kopf zu behalten. Ich schließe zwei dreimal die Augen, und versuche mir das Bild intensiv einzublenden. Diese Etappendetails wie zum Beispiel das Gesicht oder die Brille ergänze ich dann ganz in Ruhe aus dem Kopf.

Das Wesentliche aber ist die Haltung und dies habe ich oft schon beim ersten Fahrradfahrer festgehalten.

Die Technik auf gefärbten Papier


Beim Skizzieren von Bewegung ist der Papierverbrauch hoch. Am Einfachsten fällt es, wenn man mit Mut ans Werk geht. Dabei muss man sich einfach zugestehen, dass man Fehler macht.

Viel Material braucht man nicht. Hier habe ich mit Aquarellfarben, meinem Füllhalter, einem Bunstift und weißer Tusche gearbeitet.

Was man allerdings braucht ist viel Papier, denn Abfall und Schwund gehören dazu. Wenn ich jetzt, wie bei mir, jede Menge gelungene Skizzen seht, dann macht euch klar jeder macht Fehler, auch ich produziere jede Menge Schrott.

Zum schnellen Zeichnen sind in der Regel sehr glatte Papiere geeignet.

Glattes getöntes Zeichenpapier

Das Papier was ich hier benutzt habe ist Paint On Multitechniques, es wurde auf dem Deutschen-Urban- Sketcher -Meeting von Boesner Glinde, Hamburg-Kiel gesponsort, vielen lieben Dank dafür, denn das hilft uns Kunstmaterial zu erkunden.

Ich selber hatte bis dahin nur selten auf getönten Papier gearbeitet, ich war sehr positiv überrascht, weil das Papier mit 250 g/Quadratmeter sehr dick ist und deshalb ist es sehr fehlertolerant. Man kann auch noch mal drüber malen.

Was ich diesmal mit der weißen Tusche reichlich gemacht habe, dass das Papier so robust war hat gute Ergebnisse ermöglicht.

Da Fehler beim schnellen zeichnen unvermeidlich sind, habe ich mit weißer Tusche gearbeitet, so konnte ich allzu auffällige Fehler abdecken. Durch die Dicke des Papiers hat sich dann auch nichts gewellt.

Dieses Papier ist auf jeden Fall großartig für das Zeichnen und Malen geeignet.

Wichtig ist aber, dass man sich die Angst vor dem Material zerstören nimmt, der Fehlversuch gehört dazu. Einige Schüler arbeiten auch gerne auf Suddelpapier, das ist der Schweizerische Ausdruck für Schmierpapier, denn das macht frei im Kopf.

Ein Bekannter von mir arbeitet auf zerknitterten Butterbrotpapier, das macht ihn frei. Ich bevorzuge Multimedia-Papier, denn mein Malstil ist sehr robust.

Eine Schülerin malt auf Probeblättern, die Angst das gute Papier zu verderben ist weg!

Blog Herz der Kunst, Malen und Zeichnen von Bewegung


Es geht nicht ums Kunstwerk, sondern um das Erfahrungen sammeln


Die Schülerin oben hat es goldrichtig gemacht, sie hat sich Papierproben genommen und macht jetzt ihre Erfahrungen damit.  Sie weiß hinterher, welches Papier sie mag und welches nicht.  Wobei natürlich Echt-Bütten-Suddelpapier von Hahnenmühle die totale Luxusvariante ist 😉 All das was man aus Erfolgen und Fehlern lernt, das ist das schönste Kunstmaterial der Welt.

Denn das schönste Kunstmaterial bist Du!

Du wirst mit all diesen Erfahrungen besser und deine Bilder schöner!

Liebe Grüße ins Wochenende

Tine

Das A und O zur Vereinfachung ist die Abstraktion hier kannst du weiter lesen

 

 

 

 

 

Es gibt keine Einfarbigkeit.

Tine Klein Häuser nahe Cinque Terre, Einfarbigkeit ist unnatürlich

Einfarbigkeit ist unnatürlich, deshalb sieht sogar so ein Farbklecks natürlicher aus als…

Wenn man Anfängt zu malen, stolpert man schnell über einen Effekt. Man malt etwas und gibt ihm ganz genau die Farbe, die man beobachtet und doch sieht es total unnatürlich aus.

Im besten Fall sieht das Objekt aus wie eine Grafik, schön, sauber und irgendwie total künstlich. Man schaut schaut verzweifelt auf das Motiv, versucht es noch einmal und wieder sieht es völlig angestrichen aus.

Der Effekt liegt daran, dass es keine Einfarbigkeit in der Natur gibt. Natürlich sind Häuser oder auch Autos absolut künstliche Objekte.

Aber gerade bei Autos mit ihrem künstlichen Lack ist absolut keine Einfarbigkeit gegeben, denn sie reflektieren kontinuierlich ihre Umgebung. Der Lack ist ein Spiegel.

Ich sehe es einfach nicht!

Unser Gehirn ist darauf programmiert alles unwichtige nicht zu sehen und so blenden wir diese Reflexionen kontinuierlich aus. Diese Funktion des Gehirns ist sehr sinnvoll, denn sie bewahrt uns vor Reizüberflutung und so ist ein blaues Auto für uns blau. Tatsächlich jedoch spiegelt das Auto viele Farben der Umgebung und es ist alles andere als nur blau.

Bei einem so spiegelnden Lack ist es natürlich noch klar, warum es keine Einfarbigkeit geben kann.

Macht euch einmal den Spaß beim nächsten Spaziergang oder auf dem Arbeitsweg darauf zu achten, was sich alles in Auto spiegelt.

Aber wie ist es bei einer schlichten Hauswand?Man sollte doch meinen, dass das Haus rein gar nichts reflektiert.

Prinzipiell wirken Hauswände meist auf uns völlig einfarbig, aber so einfarbig ist eine Wand nicht.

Deshalb fällt dem Gehirn auf das mit deiner einfarbigen Hauswand im unseren Bildern etwas nicht stimmt.

Selbst wenn es absolut keine farbigen Reflexionen gibt, so gibt es doch immer irgendwo eine Verschattung auf der Hauswand,  unter den Dachüberstanden, in der Nähe von Fenstern, Türen oder Objekten. Alles was verschattet ist, ist schon mal ein wenig dunkler oder blauer als die originale Farbe.

Generell sind Häuser oben meist wesentlich heller als unten in der Straßenschlucht, das gleiche gilt für Licht und Schattenseite.


Das geschickte Spiel mit dem Licht


In Barcelona gibt es die Villa Casa Batlló. Die Villa wurde von Anthony Gaudi erbaut und der Architekt spielt immer wieder mit einem Effekt der Natur.

In Barcelona haben fast alle Häuser einen Lichtschacht, dieser Schacht ist dazu gemacht Licht und Luft in die Häuser zu bringen ohne sich in der Hitze auf zuheizen.

Oftmals sind diese Lichtschächte grauenhaft hässlich, graue Löcher. Antonio Gaudi hingegen spielt in seinen Lichtschächten meisterhaft mit dem Licht. Das Thema ist hier Schatten:

Blog Herz der Kunst, Barcelona Casa Batlo, Farbigkeit und Streulicht

Er verkleidete seine Lichtschächte mit tausenden kleiner Fliesen. Die Fliesen variieren alle leicht in der Farbe und werden allmählich von oben nach unten immer heller. So entsteht in Antonio Glaudis Lichtschächten ein zauberhaftes und völlig natürliches Licht.

Die Natürlichkeit entsteht durch die Variation des Lichts

Andererseits entsteht ein völlig merkwürdiger Effekt, denn der Architekt schafte es entgegen der Naturgesetze mit seiner Farbspielerei auf jeder Etage exakt die gleiche Farbigkeit zu erzeugen, dabei haben die Fliesen je nach Etage ganz stark unterschiedliche Farben.

Dort wo das Licht am hellsten ist, benutzt er dunkelblaue Fliesen, so dass auch in den oberen, heißen und sehr hellen Etagen der Effekt von Kühle und Schatten entsteht. Unten in den Tiefen und verschatteten Etagen, werden die Fliesen immer heller bis sie zum Schluss weiß sind und so entsteht der Effekt, dass der ganze Lichtschacht eine Farbe hat, obwohl er oben dunkelblau und unten weiß ist.

Ein Farbverlauf umgekehrt zu Natur erzeugt Einfarbigkeit

In der Malerei kann man von den Beobachtungen des Meisters einfach nur lernen.

Um noch einmal zurück zu unserem Ausgangsproblem zukommen, völlig einfarbige Häuser oder Strukturen sind absolut unnatürlich. Sie sehen für das Auge so künstlich aus, weil das Auge seine ganz natürlichen Anhaltspunkte und Farbverläufe sucht.

Der Architekt Gaudi erzeugt immer Streulicht, deshalb fühlt man sich in den Zimmern so unglaublich wohl.

Blog Herz der Kunst, Barcelona Casa Batlo, Farbigkeit und Streulicht

Streulicht in der Casa Batló, Einfarbigkeit wirkt unnatürlich, Streulicht gemütlich.

Diesen Effekt kann man 1:1 in die Kunst übertragen.


Farbverläufe geben Freiheit


Diese Erkenntnis gibt uns in der Malerei eine ganze Menge Freiheit. Wenn ich ein einfarbiges Haus nun in hellen und dunklen Variationen einer Farbe male, so wird das Auge diese wilde und eigentlich völlig abstruse Farbkomposition als viel natürlicher empfinden als eine einfarbig angestrichene Wand.

Unser Gehirn akzeptiert eine variierende Farbanordnung als völlig natürlich und findet selber Erklärungen. Wird eine Hauswand dunkel, so ist unserem Gehirn ganz klar dass sich dort ein Dachfirst befindet. Ist das Haus in der Mitte heller, so wird das Gehirn argumentieren, dass näher heller bedeutet, da dieser Teil des Hauses ja nun mal näher am Licht ist. Ist das Haus trotzdem dunkler, so wird das Gehirn argumentieren dass das Haus an dieser Stelle einfach verschattet ist. Wir können ein weißes oder gelbes Haus sogar grün malen, weil das Gehirn die für eine völlig natürliche Reflexion der Umgebung hält.

Obwohl solche krassen Farbverläufe ja eigentlich völlig unnatürlich sind, wirkt ein solches Bild insgesamt immer viel stimmiger als alles Einfarbige.

Ich erkläre mir das so, dass man als Maler völlige Freiheit besitzt, wenn man mit den Spielregeln der Natur arbeitet.

Mir hat einmal ein Leser geschrieben, ich verstehe überhaupt nicht wieso deine total unnatürlichen Farben immer wirklich logisch wirken. Lieber Leser jetzt weißt du es, ich spiele mit unserem natürlichen Sehmuster. Beigebracht hat mir das Antonio Gaudi als sich in seinem wundervollen Lichtschacht stand.

Antonio Gaudi baute nicht nur Häuser, sondern er spielte auch mit Licht, noch heute strömen die Menschen zu Tausenden in seine Häuser, weil diese Häuser nicht nur aus Stein sind, sondern aus Licht und Farbe. Jedes Zimmer hat ein wundervolles und angenehmes Licht, so wie es in der Natur ist, oft fühlt man sich so wie unter einem Blätterdach oder man hat das Gefühl man steht in der Nähe eines funkelnden Teichs. All dies ist natürlich nicht real, denn der Architekt malte in seinen Zimmern mit Licht.

Blog Herz der Kunst, Barcelona Casa Batlo, Farbigkeit und Streulicht

Auch hier verschwindet die Farbigkeit, weil sie natürlich wirkt. Schau mal bewusst auf den Fußboden, siehst du nun die Farben?


Lass die Sonne scheinen


Von Gaudi können wir lernen, dass es absolut magisch wird sobald man das Licht spielen lässt.

Ein natürliches Streulicht, erzeugt in Menschen Wohlgefühle.

Sobald du das benutzt, werden auch deine Skizzen und Bilder magische Anziehungskraft erzeugen.

Letztendlich ist Farbe nichts anderes als dem Licht enthoben und Licht ist völlig frei!

Deine Augen und das Gehirn werden wir nahezu alles verzeihen, wenn du anfängst mit den Reflexionen des Lichts zu malen.

Variiere die Farbe kontinuierlich und du wirst sehen, dass deine Bilder viel ausdrucksstarker werden.

Besonders harmonisch wird Licht und damit die Farbvariation, wenn es die Geschichte eines Ortes erzählt.

Ich weiß nicht einmal wie dieser Ort hieß, ich bin auf ihn gestoßen als ich mit meinem Motorroller kreuz und quer durch die Berge hinter der Amalfiküste gefahren bin.

Was mir geblieben ist ist das mediterrane, genau richtige Mass an Verfall und das wunderschöne warme Licht des Gesteins.

Liebe Grüße ins Wochenende von Tine und ich wünsche euch viel Spaß.

Hier habe ich noch etwas wunderschönes für Euch…

Eine virtuelle Tour durch die Casa Batlló leider ist das Licht nicht zu sehen, jedoch achtet mal darauf wie der Architekt die Farben in Fenster und Fliesen streut.

www.casabatllo.es/de/virtuelle-tour/

Wie man traumhafte Farbe erzeugt kannst du hier lesen: Blog.herz-der-kunst.ch/im-rausch-strahlenden-farben/