Farbiges Papier, Tipps und Tricks

Tine Klein Gouache auf dunklem Papier


Heiße Nächte und farbiges Papier


Farbiges Papier ist toll! Wenn helles Licht auf blauer Nacht funkelt, dann verwandelt sich die Stadt in eine romantische Zauberwelt, blöd ist nur, dass das extrem schwer zu aquarellieren ist. Auf farbigen Papier kann man solche Stimmungen jedoch sehr einfach einfangen. Vielleicht ist dies der Grund dass in letzter Zeit immer mehr farbiges Papier auf den Markt kommt. Letzte Woche habe ich euch ja schon weiße Tinte vorgestellt, die man ganz wunderbar auf sehr dunklem Papier benutzen kann.

Die Zeichnung auf farbigen Papier, werden in der Regel viel beeindruckender als die Zeichnung auf normalem Papier.

Einfach weil diese Zeichnungen nicht alltäglich sind. Vieles verhält sich auf dunklem Papier völlig anders als auf weißem Papier, dies bringt den Zeichner oder Maler völlig aus dem Takt, denn er muss verstärkt völlig umgekehrt denken. Auf dunklem Papier muss alles betont werden was hell ist. Auf hellem Papier arbeitet man verstärkt mit Dunkelheit. Beides ist natürlich gleich gut, aber aus meiner Erfahrung heraus weiß ich, dass Kreative immer dann besser sind wenn sie nicht im Alltagstrott gefangen sind.

Deshalb sind Zeichnungen auf dunklem Papier oft absolut beeindruckend, weil sie unsere Gewohnheiten auf den Kopf stellen.


Von der Verarbeitung bis zum Einkauf


Damit du das richtige Papier einkaufen kannst,brauchst du zuerst ein paar Informationen über die Verarbeitung. Die wichtigste Information ist das man logischerweise auf dunklem Papier mit sehr hellen Farben malt, ist das Papier also nur ein bisschen dunkel, im Sinne von ein bisschen schwanger, dann wirken die Kontraste nicht wirklich gut.

Viele Zeichnungen und Bilder wirken deshalb auf sehr dunklem Papier besonders gut.

Die Dunkelheit bringt die Farben zum Strahlen

Arbeitet man auf dunklem Papier sind dafür besonders Pastellfarben oder Gouache geeignet.

Eine andere Variante ist das man ein Papier wählt, das einen absolut mittleren Farbton hat, dann kann man ganz wunderbar mit hell und dunkel auf dem Papier arbeiten, muss aber darauf achten, dass man wirklich etwas von dem Papier stehen lässt.In diesem Fall kann man ganz besonders gut mit schwarzen und weißen Markern sehr eindrucksvolle Arbeiten erstellen.

Fazit: Farbiges Papier sollte einen sehr dunklen oder absolut mittleren Farbton haben.


Der Einkauf


Du wirst relativ leicht Papier finden das zum Zeichnen geeignet ist, es gibt eine ganze Menge Skizzenbücher mit farbigen Papier. Dennoch ist farbiges Papier einkaufen nicht besonders leicht, denn die Auswahl in den jeweiligen Kunstgeschäften ist nicht groß.

Besonders aufpassen muss man in Bastelgeschäften, denn diese sind eher auf das Kunstmaterial für Kinder eingerichtet und sie achten nicht darauf, ob Papiere mit Säure angereichert wurden. Gerade bei den braunen Papieren, die aussehen wie Packpapier, gibt es enorm viele die einen Säuregehalt haben. Die Kunst auf diesem Papier sieht absolut wundervoll aus, jedoch zersetzt die Säure die Farbe nach und nach. Du solltest deshalb im Kunstgeschäft auf jeden Fall darauf bestehen, dass die Papiere säurefrei sind.

Säurefrei muss auch farbiges Papier sein

Am leichtesten wirst du fündig werden, wenn du nach Pastellpapier fragst. Es gibt einige Pastellpapiere die so schwer sind, dass man auf ihnen auch mit feuchten Farben malen kann.


 

Zwei Lieblingspapiere und eine preiswerte Lösung:


  •  Dorée Pastellblock 170 gr/Quadratmeter. Der Block hat ein sehr schönes warmes Packpapier-Braun.  Besonders schön ist, dass zwischen den einzelnen Seiten gewachstes Transparentpapier ist, deshalb kann man auch wunderbar mit Kohle, Kreiden oder Pigmenten arbeiten.
  • Daler Rowney, Ingress Pastell, 160 gr/Quadratmeter. Das tolle an diesem Skizzenblock ist, dass man ihn in sehr unterschiedlichen Farbmischungen bekommt. Man bekommt das Papier in warmen Farben, kalten Farben und in einer sehr dunklen Farbmischung. Weil man dieses Papier in sehr unterschiedlichen Farben bekommt, kann man an ihm optimal ausprobieren, welche Wirkungen man mit Papier erzielen kann
  • Die preiswerte Lösung zum Ausprobieren von farbigen Papier ist Tonpapier. Anders als die farbigen Mischungen die man bei Künstlerpapier bekommt, sind diese Papiere oft sehr schrill, denn sie sind für Kinder gedacht. Arbeitet man auf ihnen mit Gouache, kann man jedoch enorm schöne Resultate erzielen. Ich arbeite auf dem Boesner Fotokarton, dieser hat ein Gewicht von 300 gr/Quadratmeter und erlaubt mir auch mit sehr nasser Farbe zu arbeiten. Wer das Arbeiten auf farbigen Papier ausprobieren möchte, ist sicher mit dieser preiswerten Variante am besten beraten.

Farbauswahl


Die Farbauswahl ist wie immer Geschmackssache. Jedoch habe ich mit einem gewissen Vergnügen beobachtet, dass all meine Malschüler solches Papier immer in den Farben einkaufen in denen sie ohnehin malen.

Tine Klein Gouache auf dunklem Papier

Der Untergrund des farbigen Papiers soll natürlich durch die Farbe durchblitzen, die Folge ist das die Zeichnungen oder Malereien am besten aussehen, wenn das Papier eine harmonische Kontrastfarbe zum Kunstwerk hat.


Farbiges Papier braucht deckende Farbe


Wer  gerne mit Aquarellfarben arbeitet, weiß Aquarellfarben sehen am schönsten aus, wenn sie transparent sind. Farbiges Papier braucht allerdings anderes Material. Wenn du farbiges Papier benutzt, ist deckende Farbe besonders wichtig, denn ist die Farbe transparent mischt sie sich mit dem Untergrundfarbton und Orange wird zum Beispiel auf blauem Papier grau. Auch weiße Marker oder Stifte sehen überhaupt nicht hübsch aus, wenn das weiß nicht strahlt. Wenn man farbiges Papier benutzt, ist das A und O dass man richtig pigmentstarke Materialien benutzt. Wie weiße Tinte auf dunklem Papier wirkt, könnt ihr euch in dem Blog von letzter Woche anschauen. Besonders gut funktionieren deckende Acryl-Tinten. Wer lieber malt, ist gut beraten auf deckendes Material umzusteigen. Pastellstifte oder auch deckende Aquarellstifte sehen auf dem dunklem Papier zauberhaft aus.

Besonders gut wirken Gouachefarben auf dem dunklen Papier. So bringt sich farbiges Papier und die Gouachefarbe gegenseitig zum Strahlen.

Das Vorurteil, dass Goachefarbe matt und farblos ist, erledigt sich bei sehr dunklem Papier sofort.

Hier siehst du ein Gouache Bild das ich in der Altstadt  von Malaga auf dunkelbraunem Papier gemalt habe. Gerade wenn ich im Süden bin ist, es sehr schwer die Stimmung bei Nacht mit Aquarell zu zeigen. Die Farbe wurde in unkompliziertenrTrockentechnik bei einem gemütlichem Tapasessen gemalt, wie das geht, dazu gibt es demnächst einen Blog.

Tine Klein Gouache auf dunklem Papier

 

Verwendet habe ich reine Gouchefarben von Schmincke und mein farbiges Skizzenbuch von Dawler Rowney.

Liebe Grüße ins Wochenende

Tine

P.S.: Leider hat der Blog schon vor einiger Zeit alle Abonnenten verloren, weil WordPress wegen der EU-Datenschutzverordnung alle Abonnenten löschte, deshalb einfach nochmal oben anmelden!

Wer noch mehr zum Thema lesen möchte:

Gouache super auf farbigem Papier 

Weiße Tinte im Skizzenbuch

 

Silhouette malen und die verborgene Stadt

Tine Klein Silhouette von Düsseldorf

Eine Silhouette malen ist eine Aufgabe, denn die Übersicht behalten, ist keine leichte Aufgabe. Oft gibt es Hunderte von Häusern und Details zu sehen.

Was davon soll man malen?

Noch schwerer wird es, wenn man sich die Silhouette anschaut, während man sich ein wenig bewegt,  denn dann tauschen die Teile der Silhouette plötzlich die Plätze, weil man sie perspektivisch anders sieht.


Was soll ich malen?


Das ist die häufigste Frage im Malunterricht. Die Antwort auf diese Frage kommt aus einer ganz anderen Disziplin, dem Städtebau. Tatsache ist, dass man, wenn man nicht die Supersicht des Malens hat, nicht die ganze Stadt sieht und dies kann die Probleme, die wir bei der Malerei haben, einfach lösen. In diesem Artikel geht es um die unsichtbare Stadt. Gerade beim Malen der Silhouette wird diese Erkenntnis besonders hilfreich.


Die unsichtbare Stadtsilhouette


Ich möchte euch heute mit einem Phänomen bekannt machen, das viele Menschen beim Malen verunsichert.

Es gibt eine unsichtbare Stadt.

Als junge Frau bekam ich die Aufgabe eine Stadt im Ruhrgebiet zu kartieren, diese Stadt hatte enorme strukturelle Probleme und man wollte herausfinden, welche Häuser man dem Strukturwandel opfern könne. Es ging also nicht darum eine genaue Karte zu malen, sondern eine Karte der Highlights. Wir wollten die Bürger nicht mit Fragen beeinflussen und so entwarfen wir ein Experiment.
Wir liefen mit Klemmbrettern bewaffnet durch die betroffene Gegend und baten die Bürger aus dem Kopf die Gegend zu malen.


Man sieht nur, was einem wichtig ist


Das Ergebnis war überraschend bis erschreckend, hunderte von Bürgern zeichneten die Umgebung und die Ergebnisse waren fast identisch. Dabei stellten wir fest, es gibt eine sichtbare und eine unsichtbare Stadt. Einige Gebäude wurden von allen Bürgern ignoriert, sie waren unsichtbar. Diese Gebäude waren nur für Menschen sichtbar, die dort wohnten oder arbeiteten.

Sichtbar ist fast nur was auffällt oder was dem Betrachter wichtig ist

Besonders wichtig waren auffällige Gebäude oder Gebäude mit denen die Menschen kulturell oder geschichtlich verbunden waren. Ärger oder Freude über ein Gebäude machte es auf der inneren Landkarte der Menschen sichtbar.

Keiner der befragten Männer vergaß die Brauerei zu malen! Bei Frauen könnte sie durchaus fehlen.

Die Realität sah also so aus, dass die Stadt in der Wahrnehmung der Bürger völlig anders war als in der gebauten Realität der Stadt.


Innere Landkarte: Eine Technik für Maler und Zeichner


Beim Malen kann man sich dies wunderbar zu nutze machen.
Man kann  Zeichnen und Malen dazu benutzen Verborgenes zu entdecken und das macht einen großen Teil des Charmes des Urban Sketchings aus.

Der Zeichner wird zum Marco Polo und zum Entdecker der eigenen Umwelt.

 

Wer Zeichnen oder Malen lernt, entwickelt einen Röntgenblick, alles wird wichtig.


Durch Zeichnen zum echten Blick zurückkehren


Dieser Röntgenblick ist wundervoll, kann aber Bilder zerstören, denn er zeigt nicht die wahrgenommene Realität. Obwohl das Gezeichnete die Realität exakt abbildet, ist es in irgendeiner Art eine Lüge, denn es zeigt nicht das was Menschen wirklich sehen und empfinden.
Diese Tatsache ist enorm hilfreich, wenn es darum geht eine Zeichnung zu entwerfen. Schon ganz am Anfang muss man entscheiden was man will, eine Abbildung der gebauten Realität oder  ein genaues und wahres Abbild des eigenen Blicks.

Oft sind Bilder die die Wahrnehmung zeigen sehr viel erfolgreicher als die genauen Bilder, denn der Künstler zeigt, was er sieht und das teilt er mit vielen anderen Menschen.  Denn die Anderen sehen die Stadt möglicherweise genauso, wie der vermeintliche Lügner am Zeichenstift.

 

Besonders wichtig wird diese Tatsache, wenn man zum Beispiel auf eine Stadtsillhouette schaut, wo es so unglaublich viele Dinge zusehen gibt, dass man sie nicht malen kann.


Was sieht das innere Auge?


Eine sehr einfache Technik bringt Abhilfe. Nach dem du dir dein Motiv recht kurz angesehen hast, malst du es aus der Erinnerung.Es funktioniert nur wenn du dich wirklich umdrehst und nicht auf das Motiv schaust.

Alles an das Du dich erinnerst, ohne das Motiv zu sehen ist wirklich in deinem Kopf angekommen.

Wenn ich von meinem Platz am Rhein auf Düsseldorf schaue, dann sehe ich den Rhein, die Brücke und den Fernsehturm. Erstaunlicherweise erinnere ich noch die schönen Alleen, bevor ich mich an die Hochhäuser die Schaltzentralen der Macht erinnere.

Am Deutlichsten sehe ich aber die Altstadt, obwohl die von meinem Standort gesehen am Kleinsten ist. Mein Hirn sieht dort Dinge, die ich liebe, deshalb entwickelt sich in mir ein Symbol für die Altstadt.


Mind Mapping…malen was man wirklich sieht


Mind Mapping; ich male wenn es angebracht ist nur an was ich mich erinnere.

Tatsächlich schließe ich oft beim entwerfen meine Augen! Was für eine Frechheit!

Wenn ich mich nun wieder öffne, dann kann mich die Realität nicht mehr überwältigen, ich weiß haargenau, wie für das dritte Auge die sichtbare Stadt aussieht.

Was unsichtbar ist darf unsichtbar bleiben.

Diese Bilder sind für die meisten Menschen viel erkennbarer, denn sie zeigen das was Menschen sehen, die sichtbare Stadt.

In drei Schritten zum Mind Mapping in der Malerei:
Schritt eins: Worum geht’s? Düsseldorf, Silhouette und der Rhein
Schritt zwei: Schlüsselerinnerungen finden: An welche Häuser oder Gegenstände erinnere ich mich?  Brücke, Rhein, Hochhäuser und Fernsehturm und die wunderbaren Alleen
Schritt 3: Oberbegriffe finden: Altstadt
Schritt 4: Verfeinern, welche Details sind wichtig um das Gesamtbild zu stützen?

Tatsächlich möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass das haargenaue Abzeichnen eines Ortes nicht schlecht ist. Dieser Artikel soll nur die Augen öffnen, das es völlig gleichberechtigt nebeneinander mindestens 2 Realitäten gibt.

 

Liebe Grüsse,
Tine

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