Tine Klein Tutorial wie man Weißes in der Malerei belebt

Weisses ist wunderschön

Tine Klein Tutorial wie man Weißes malt

Weisses ist wunderschön, doch es treibt meine Malschüler immer wieder in den Wahnsinn.

Das Weiss bringt Licht, es lässt andere Farben klar und fröhlich wirken und gibt der ganzen Skizze eine unglaubliche Leichtigkeit oder auch Sauberkeit.

 

Weisses hat eine besondere Eigenschaft

Weiss, Kalkweiss, Kreideweiss, Käseweiss, Kaltweiss,  ohne Farbe, strahlend Weiss, Wollweiss

Fällt die hier etwas auf? Wir sprechen hier einfach nur über Weiss!

Weiss, heisst das keine Farbe?

Es würde wohl kaum so viele Worte für Weiss geben, wenn Weiss nur keine Farbe wäre.

Weiss ist ein Chamäleon

Weisses hat eine besondere Eigenschaft, es verändert seinen Farbton ganz krass je nachdem, welche anderen Farben es in der Nachbarschaft gibt.

Einerseits kann man dies damit erklären, dass Weisses eben sehr hell ist und damit die umgebenden Farben reflektiert.

Aber das erklärt nicht alles, das Weiss ist ein Chamäleon. Wie kennen das Phänomen auch von einer anderen Nicht-Farbe. Man kennt das Phänomen von Dunkelblau und Schwarz. Kein Mensch kann sagen und ob etwas dunkelblau oder schwarz ist, es sei denn man hält die beiden Farben nebeneinander.

Versucht man Weiss in Bildern zu bearbeiten, stellt man ganz schnell fest, Weiss kann ganz schön viele Farben sein.

Ein Wollweisser Pullover entspricht wohl vielmehr einem zarten Gelb als einem wirklichen neutralen Weiss.

Mach dir in deinen Überlegungen klar, dass jede Farbe Weiss werden kann, wenn sie nur hell genug ist.

Wenn Weisses ein Loch ist.

Wenn Weisses ein Nichts ist, dann wirkt es auf uns ganz unangenehm. Der Fakt, das Weiss also oftmals gar nicht weiss ist, erklärt auch, warum wir immer dieses Bedürfnis haben jede weisse Fläche in unseren Bildern zu zu malen. Irgendwie sind weisse Flächen in Skizzen, Aquarellen oder Bildern oft einfach Löcher. Sie sehen künstlich aus. Man merkt, dass sie sich nicht ins Bild einfügen. Eine weisse Fläche kann in einem Bild völlig unnatürlich wirken und das hinterlässt uns ratlos.  Wenn das Weiss plötzlich weg ist, dann bemerken wir, dass unsere Bilder schlechter geworden sind. Wer von uns kennt die Situation nicht, ein Pinselstrich, das Weiss ist weg und man weiss sofort:

“Ach du liebe Güte, dass Weiss hätte es dringend gebraucht!“

Das erinnert ein bisschen an das tragisch schräge und schöne so mancher Beziehung, sie konnten nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander.

Hiebe und Liebe mit Weiss

Beziehungs-Ratgeber Weiss

Mir scheint es also, als bräuchten wir dringend mal einen Beziehung Ratgeber zum Weiss.

Das Erste was du beachten musst, wenn du Weisses in deine Bilder einfügst ist, dass es sich harmonisch in die Umgebung einpassen muss. Mitunter ist dein Weiss also gar kein Weiss, sondern es braucht eine ganz leichte Tönung in einer anderen Farbe um harmonisch zu wirken.

Weiss sieht immer dann aus wie ein chemischer Fleck, wenn es nicht in seiner Tönung zur Umgebung passt.

Die leichte Schattierung des Weisses, zum Beispiel mit der umgebenden Farbe, wird dafür sorgen, dass das Weiss nicht mehr wie aufgeklebt wirkt.

Weisses ist eine Leinwand

Wir wollen das Weiss, weil es so unglaublich frisch und sauber wirkt, aber vergessen wir nicht, es gibt uns das Licht.

Damit sich die Farbe Weiss definiert, braucht sie in der Regel den Schatten. Wenn meine Schüler an Schatten denken, dann greifen sie oft zu schwarz oder zu grau.

Und hier bin ich nun an einem Punkt bei dem mir traditionelle Methoden wunderbar gefallen, als wichtigste Massnahme um das Weiss zu schützen, würde ich nun Teufelsaustreibung empfehlen.

Wenn ich könnte, dann würde ich die meisten Farbkästen erst einmal in punkto Schwarz exorzieren, d. h. ich würde das Schwarz aus dem Kasten austreiben und danach würde ich die schwarze Farbe verbrennen, damit der Dämon nicht noch mal einmal sein Unwesen treiben kann.

Jede Farbe hat einen natürlichen Fressfeind

Benutzt man im Aquarell oder im Zusammenhang mit Farbe Schwarz als Schattenton, dann wird das Weiss grau und schmuddelig. Tatsächlich weiss ich nicht, wie alle meine Schüler auf die Idee kommen, dass Schatten grau sind. Im Schatten werden die warmen Bestandteile des Lichts herausgefiltert, dennoch ist der Schatten alles andere als grau. Nur weil dort weniger Licht ist, verliert der Gegenstand natürlich nicht insgesamt seine Farbe, das Licht unter Bäumen zum Beispiel ist immer noch grünlich, aber weil die warmen Bestandteile gefiltert werden, ist es auch oft bläulich.

Benutzt man Schwarz, dann ersetzt man nur das eine Problem, durch ein völlig gleichartiges Anderes.

Eine Lösung muss her

Die Lösung haben wir eigentlich schon besprochen. Das Weiss sieht aus wie ein chemischer Fleck, wenn es nichts von seinen Umgebungsfarben widerspiegelt.

Der grosse weisse Fleck, zum Beispiel ein Haus, wirkt umso harmonischer ,wenn er seine Umgebungsfarben aufnimmt, dafür kann man das Weiss ganz sanft abtönen.

Soll das Weiss wirklich Weiss bleiben, dann ist dies die beste Lösung. Dabei muss man aber nicht immer nur sanft vorgehen,  In meinem Bild habe ich kräftig das Blau des Himmels ins Weiss gekleckert.

Schau doch noch mal hinein ins Bild, wie viel ist denn Weiss vom weissen Haus?

 

Wenn man jedoch mutig ist, dann das Weiss auch einfach zur Leinwand machen, hier kann man all die Farben, die in der Umgebung vorhanden, sind reflektieren lassen.

Jetzt werden einige sagen, sie hat doch sowas gegen schwarz gewettert, die Schatten sind doch grau. Ja, ich habe das weisse Haus sehr stark durch Schatten definiert, aber die Schatten bestehen aus einer ganzen Reihe von Blau- und Lilatönen. Dies könnt ihr im Blog der letzten Woche noch einmal nachlesen, da ging es um die Variation von Farben.

Die Schattenfarben, die man verwendet, sollten in der Regel kühl sein, kühles Gelb, kühles Violett und besonders gut eignen sich bläuliche Schattierungen ja selbst Türkis.

Auch der schwarze Strich im Haus sorgt dafür, dass das Weiss schön hell wirkt. Striche verschmuddeln Weisses nicht, im Gegenteil der Kontrast stärkt das Weisse. .

Wem es dann immer noch zu langweilig ist:

Der hat in Weiss die perfekte Leinwand gefunden, kleckern und spritzen sieht auf Weiss besonders schön aus.

Tine Klein Tutorial wie man Weißes in der Malerei belebt

Schaut einmal, das Weiss wurde durch Spritzer und durch farbige Schatten belebt.

Für viele meiner Leser wird der Gedanke, das Weiss überhaupt nicht Weiss ist mal wieder sehr befremdlich sein. Deshalb möchte ich euch mal auffordern, Winterbilder mit Schnee oder Wolkenbilder zu googeln. Schaut einmal wie Weiss die Wolke wirklich ist.

Schaut einmal wie oft zum Beispiel eine Wolke oder Schnee völlig Weiss gemalt wurde. Die Farbe Weiss definiert sich eigentlich nur durch ihre Nachbarschaft.

Liebe Grüsse ins Wochenende Tine:

Ich habe noch eine Bitte, der Blog hat bei der Umstellung auf den europäischen Datenschutz alle Follower verloren, bitte meldet euch einfach noch einmal an.

 

 

 

Farbvariation – Farbe ist Licht in Tuben

Farbe ist Licht in Tuben

Tine Klein, Porto Praca da liberdade, Aquarell zum Thema Farbvariation

Letzte Woche haben wir ja über Farbstimmungen gesprochen, die Schweiz ist dafür ein ganz besonderes Trainingslager, denn hier gibt es besonders krasse Temperatur- und Lichtwechsel im Laufe des Tages. In meinem ersten Jahr in der Schweiz war mein Auto eine Altkleidersammlung, weil ich dort lauter Kleidungsstücke liegen hatte. Aber auch in anderen Ländern , wie hier in Porto, ist das Licht ein Geschenk für Maler. Die Umgebung kann innerhalb von Sekunden völlig anders aussehen. Diese starken Licht- und Farbwechsel machen das Malen besonders reizvoll.

Die Farbe ist das Gefühl

Wer malt sollte ein Ziel haben, ich meine das natürlich nicht in dem Sinne, dass man alles wie verrückt planen sollte. Aber dieses Bauchgefühl zu einem Ort, die Stimmung, das ist der Kern jedes guten Kunstwerkes. Wenn ich mit Farbe arbeite, dann trägt die Farbe dieses Gefühl. Die Farbstimmung ist also der Kern unserer Bildaussage. Soweit waren wir auch schon letzte Woche im Blog.

Je Abwechslungsreicher die Farbe ist, desto attraktiver ist sie.

Oft sehen Bilder total zusammengewürfelt aus, weil sich die Maler von realen Farben durch die Gegend treiben lassen und dabei die Farbstimmung des Ortes aus dem Auge verlieren.

Ein Motiv ist nicht ein Haufen von Einzelgegenständen!

Dies war die Kernaussage der letzten Woche. Vielmehr geht es darum, dass Gesamtmotiv durch die Stimmung festzuhalten. Jetzt wäre es natürlich sehr dumm das ganze Bild in einer Farbe anzustreichen. Wir sind ja keine Anstreicher im Sinne von: “Hier hast du 80 Kübel Farbe, ich komme in drei Tagen wieder und guck ob du das Haus angemalt hast.“ So! Läuft das nicht!

Farbvariation

Ich bin dem Licht verfallen

Das Licht verwandelt ein und dieselbe Farbe.

Ein Baum ist nicht einfach grün.

Ein Baum hat in seinen Blättern mindestens drei verschiedene Grüntöne dort wo die Blätter das Licht reflektieren sind sie sehr hellgrün manchmal reflektieren sie das Licht auch blau oder weiß. Im unteren Teil des Baumes wo alle Blätter verschattet sind dort kann das Grün sehr dunkel sein, manchmal ist es blau oder violett. Es lohnt sich einmal zu beobachten wie viele Farbtöne es tatsächlich gibt. Deshalb rate ich immer wieder wird davon ab vorgefertigte Farbtöne zu benutzen, mischen macht die lebhafteren Töne und damit meine ich vor allen Dingen das Mischen auf dem Papier

Farbvariationen machen Bilder sexy

Wenn man einen 1 Millionen Dollar Tipp ein Maler verteilen sollte wie man Bilder sofort viel schöner macht dann ist das die Farbvariation. Je abwechslungsreicher die Farbe und je mehr das Licht tanzt desto attraktiver sind die Bilder für den Betrachter.

Wer so starke Licht und Farbvariationen im Bild haben will wie oben, der muss im Aquarell sehr sehr diszipliniert sein, denn die Farben laufen ineinander.

Gouache kann mehr Schichten vertragen als eine Zwiebel

Eine gute Möglichkeit die Licht und Farbvariationen zu üben sind Gouachefarben.

Das Tolle an Gouachefarbe ist, dass man mit ihnen ganz spontan von hell auf dunkel genauso arbeiten kann, wie von dunkel auf hell.

Man kann also völlig spontan loslegen und wenn dann ein Lichtstrahl durch die Wolken bricht, kann man völlig unproblematisch diese Sekunde festhalten.

Man kann mit Gouachefarben eine enorme Farbvariation erzeugen, das macht die Gouache für Maler die das Licht lieben sehr, sehr sexy.

Lichtreflexe gar kein Problem

Die Farbvariation ist so toll, weil man völlig hemmungslos auch auf ganz dunkle Farben absolut helle Farben aufsetzen kann, d.h. selbst wenn man schwarz gemalt hat, kann man jederzeit leuchtend helle Farben wieder obenauf setzen.

Wer sich traut die Farbwechsel wirklich auszunutzen, der wird mit sehr sehr ausdrucksstarken Bildern belohnt.

Wer jetzt denkt blöd! Ich habe ja gar keine Gouachefarben Eine Tube Deckfarbe oder weiße Gouachefarbe reicht um deine Aquarellfarben mal anders zu benutzen.

Mein Tipp versucht das doch einfach einmal auf total verdorbenen Bildern, denn die sind ja das beste Spielfeld. Hier braucht man nun wirklich keine Angst zu haben, dass man irgendetwas kaputt macht.

Farbvariation und Grundfarbe

Viele Anfänger haben das Problem das ihre Skizzen wie zusammengewürfelt aussehen,  das liegt daran, dass sie versuchen jede Einzelne der realen Farben abzubilden. Das Bild hat jedoch keine Grundfarbe die Harmonie erzeugt. Dieses Problem hat man mit Gouachefarben überhaupt nicht wenn man auf farbigen Papier arbeitet. Ich wähle das Papier nach der Farbstimmung der Umgebung.

Mein Motiv liegt im Gegenlicht, d. h. es liegt im tiefen Schatten.

Schatten sind aber nicht grau. Schatten reflektieren all die Umgebungsfarben, die Farbe des Himmels und die Farben die heute die die Häuser einmal hatten. Im Wesentlichen vernichtet der Schatten die rötlichen Töne im Lichtspektrum. Deshalb sieht es immer sehr gut aus, wenn man in seinen Schattentönen nicht unbedingt Grau benutzt sondern eine ganz attraktive Vielfalt von verschiedenen Farbtönen.

Tine Klein Tutorial Farbvariation Motiv: Rathaus in Zürich

Schmincke Gouache auf blauem Papier

Wer in einer Farbe malt, der fängt niemals das Licht.

Faustregel je abwechslungsreicher desto interessanter

Tatsächlich sind  einfarbige Blöcke zwar sehr ruhig, aber auch sehr langweilig. Wer jemals versucht hat eine Kugel mit einer Farbe zu malen, der weiß, das geht nicht. Erst mit Licht und Schatten kommt auch die Räumlichkeit. Erst die Abwechslung, also die Farbvariation, erzeugt die Attraktivität für das Auge.

Tipp: Ein schneller Weg zu super attraktiven Bildern ist sich einfach nicht zu benehmen wie ein Maler und Anstreicher. Vergiss mal ganz schnell deine gesamte Farbe aus einem Eimer zu holen und die Wand einfach anzustreichen. Beginne auf dem Blatt zu mischen.

Der Unterschied von einem Kunstmaler zu einem Anstreicher ist das tiefe Gefühl der Farbe.

 

Der Vorteil ist der Nachteil

Ich glaube diese Gouache ist das perfekte Mittel um zu lernen wie man Licht und Farbvariationen darstellt.

Benutzt man die Farbe wie ein Anstreicher wird man sofort bestraft, denn dann wird die Farbe sehr sehr öde.

Gouache ist allerdings geduldig im Ausbügeln dieser Fehler

Die Farbe ist wirklich geduldig, der Mutige wird belohnt, denn der kann jedes Mal einen neuen Anlauf nehmen .

Wer es gelernt hat Farbe zu variieren, der wird mit solch abwechslungsreichen Farben belohnt. Das Titelbild ist allerdings eine Variation aus Aquarellfarben und Aquarellstiften.

Hier sieht man wie die Farbvariation, zum Beispiel in den Dächern oder Bäumen, das Licht einfängt. Nicht das ganze Bild muss ein- und dieselbe Farbstimmung haben. Aber mit nur einer Farbe ohne Farbvariation fängt man niemals das Licht.

Tine Klein, Porto Praca da liberdade, Aquarell zum Thema Farbvariation

Im Aquarell braucht man für die Farbvariation allerdings viel mehr Geduld und Disziplin.

Liebe Grüße ins Wochenende Tine

Der Witz des Tages: Meine Autokorrektur machte regelmäßig aus dem Wort Gouachefarben… Cora Schwaben oder Chorschwaben…. Singende Schwaben die durch meine Bilder hüpfen…..Meine Welt ist doch vielseitiger als ich dachte

 

Teil eins des Beitrags:

https://blog-herz-der-kunst.ch/farbstimmung-ist-das-gefuehl-eines-ortes/

https://blog-herz-der-kunst.ch/farbstimmung-ist-das-gefuehl-eines-ortes/

 

Farbstimmung ist das Gefühl eines Ortes

Die Seele eines Ortes

Tine Klein, Herz der Kunst, Gemüsebrücke in Zürich gemalt auf einem Sketchwalk zum Thema FarbstimmungTine Klein: Gemüsebrücke in Zürich: Der Herbst ist da (hat sich in Zürich noch nicht rumgesprochen 🙂 24 Grad heute, letzte Woche war aber ein Tag Herbst zu Besuch)

Sehr viele Bilder gehen dadurch kaputt, dass sich die Maler von realen Farben durch die Gegend scheuchen lassen. Sie rennen mit ihrem Pinsel wie angestochen durchs Bild und  hinterlassen eine wirre Spur an Farben, weil das ja so real ist.

Die Farbstimmung eines Ortes ist etwas sehr Spontanes, sie kann sich je nach Wetterlage oder Beleuchtung innerhalb von Sekunden oder Minuten ändern.

Und deshalb muss man die Grundfarbe und ihre Farbstimmung durchziehen wie ein Schmetterball  im Tennis

Farbstimmung durchziehen

Es ist merkwürdig, dass Bilder umso harmonischer wirken, desto aggressiver man diese Grundstimmung durchgezogen hat.

Sehr schnelle, selbst aggressive Pinselbewegungen, die ganze Bild mit einer Farbe bedecken, sorgen später dafür, dass eine enorme Harmonie entsteht. Denn diese Farbe sorgt dafür, dass das Bild einen Zusammenhalt hat.

Wer Harmonie in seinen Bildern möchte und wirklich die Seele eines Ortes einfangen will, der muss aufhören Farben isoliert zu betrachten.

Die Farben hängen zusammen, es geht nicht um einzelne Teile, es geht um die Farbe des gesamten Motivs. Ein Bild braucht ein Rückgrat und deine einzelnen Knochen würden dir auch nichts nützen, wenn diese nicht verbunden wären.

Die Ruhe und Identität eines Ortes stellt man dadurch da, dass man die einzelnen Farben mit einer Grundfarbe verbindet.

Hat man die Farbstimmung erst mal eingefangen, dann kann man Kapriolen schlagen, denn die Farbstimmung wirkt wie ein Beruhigungsmittel.

Naja, ich würde es nicht ein schweres Beruhigungsmittel nennen, eher ein ein gutes Glas Wein, das einen in Stimmung versetzt.

Die Farbstimmung gibt der Freiheit

Die Farbstimmung gibt einem eine enorme Freiheit, einerseits ist man natürlich gebunden, weil man die Hauptfarbe durch das Bild sieht und alles ignoriert, was nicht in dieses Bild passt. Andererseits jedoch kann man die verrücktesten Einfälle umsetzen, weil das Bild ein gewisses Rückgrat hat und dieses Rückgrat stützt auch bei verrückten Einfällen.

Wie findet man die richtige Farbstimmung?

Erst einmal ist es sehr sinnvoll davon auszugehen, was man eigentlich um sich herum sieht. Wenn eine Stadt wie sie Siena  also schon gelb heißt, dann ist es sicherlich sehr einfach die passende Farbstimmung zu finden.

Eine sehr schöne Aufgabe ist es, sich einfach mal, wenn man sich bewegt oder irgendwo sitzt, zu fragen: Welche Farbstimmung habe ich hier eigentlich? Welche Farben herrschen vor?

Ein anderer Ansatz ist es, sich an der gleichen Stelle zu fragen, welche Farben müssten eigentlich vorherrschen, um das was sich hier besonders liebe besonders gut zu zeigen?

Andererseits gibt es natürlich auch emotionale Farbstimmungen, immer wenn Tage sehr heiß sind, dann neige ich dazu gelb zu malen, weil der Tag für mich heiß und gelb ist.

Farbstimmungen sind veränderlich

Farben sind Stimmungen und Stimmungen verändern sich. Natürlich sind es auch die Wettereinflüsse oder Reflexionen, die dafür sorgen, dass sich Farben in Bildern stark verändern.

Farbstimmungen werden durch Wetter und Licht verändert

Hinzu kommt, dass Malen etwas sehr Emotionales und Persönliches ist. Die Wenigsten begreifen, wie stark ihre Wahrnehmung die Welt verändert. Es ist in Bildern enorm wichtig, dass man sich die Freiheit nimmt.

Die Kunst ist der einzige Platz auf dieser Welt in der du keinen Regeln unterliegst.

Und deine Emotionen sollten schon gar nicht irgendwelchen Regelungen unterliegen. Bewertungen und wie wir Dinge wahrnehmen, dies liegt ganz stark an unseren Emotionen.

Unsere Emotionen verändern Tatsachen

Farben sind Emotionen, denn sie tragen in unseren Bildern die Stimmung. Oft haben Schüler enorme Hemmungen Bilder nach ihren Emotionen zu verändern, dabei ist ihnen überhaupt nicht klar, dass wir das alle jeden Tag tun.

Wir sehen doch nur, was wir sehen wollen!

Es ist doch zum Brüllen, dass einige Hemmungen haben Bilder nach ihren Gefühlen zu verändern,  andererseits aber ihren neuen Partner Sexgott betrachten und der schon wenige Wochen später ein grauer Vollidiot im Unterhemd ist. So verändert Wahrnehmung unsere Umwelt.

Wer malt regiert

Tatsächlich regieren also unsere Gefühle die Ansicht zu einer Sache. Nur unser Gefühl kann aus einem Sexgott einen Vollidioten machen. Um jetzt noch einmal zur Malerei zurückzukommen, ist also unsere wichtigste Aufgabe uns zu fragen, was fühlen wir eigentlich zu diesem Motiv?

Denn in der Kunst ist es ganz wichtig, dass wir unsere Emotionen und Gefühle herauslassen, denn dann werden die Bilder stark.

Natürlich weiß ich das es vielen Menschen schwer fallen wird sich von den realen Farben eines Motive zu lösen. Und das will oder soll man mitunter auch gar nicht. Ich muss mich nicht von der Farbe eines Motive lösen, denn genau die kann ja sein ,die meine Emotionen dazu ausgelöst.

Vergiss niemals sensibel zu sein. Die Stärke von Künstlern ist ja zu reagieren.

Aber wenn du auf jede einzelne Farbe im Bild so reagierst, ist das, als wenn du dich durch die Gegend scheuchen lässt, wie ein kopfloses Huhn. Dann wird dein Bild, den Ort oder dein Gefühl dazu nicht wiedergeben können.

Im Grunde schwankt ein guter Künstler in seinen Bildern immer zwischen regieren und reagieren.

Die Kunst ist es letztendlich dafür ein Fingerspitzengefühl zu entwickeln.

Was will ich? Was kann ich? Und was darf ich?

Das wirst du selbst ausprobieren müssen.

Letztendlich kann ich dir nur den einen Tipp geben: Versuch mal die Farbe des Ortes oder das Gefühl zu einem Ort in eine Grundfarbe zu kleiden. Du wirst dann wahrscheinlich merken, dass deine Bilder sehr viel ruhiger und stärker werden.

Finde deinen eigenen Weg, je persönlicher desto besser. In der Regel finden Menschen die Farbstimmung wie Schlafwandler. Wenn ihr hier mal in den Weihnachtsblock schaut, dann betrachtet mal all die gesammelten Bilder unter dem Aspekt Farbstimmung.

https://blog-herz-der-kunst.ch/merry-x-mas-and-a-happy-new-year/

Zieh dein Farbstimmung durch wie Schmetterball…

Tine Klein, Herz der Kunst, Gemüsebrücke in Zürich gemalt auf einem Sketchwalk zum Thema Farbstimmung

Tine Klein, Herz der Kunst, Gemüsebrücke in Zürich gemalt auf einem Sketchwalk zum Thema Farbstimmung Variation in Blau

Welche Farbe hat sie denn nun? Welche Farbe hat die Gemüsebrücke? Na, beide! Denn die Welt ist so wie sie ist, die Wirklichkeit ist veränderlich.

 

 

Liebe Grüße ins Wochenende Tine

Wie Gedanken die Welt verändern:

Sehr hilfreich für die Kunst ein Vortrag von Paul Watzlawick aus dem Jahr 1963. Frag dich mal, was dies für die Kunst heißt?

Paul Watzlawick: Wie wirklich ist die Wirklichkeit

 

 

 

 

 

 

 

Intuitiv Zeichnen lernen!

Tine Klein Zeichnet die Altstadt von Porto. Blog zum Thema intuitiv Zeichnen lernen.

Augen auf das Motiv! Und spontan losgelegt…

Heute möchte ich mit euch über das intuitiv Zeichnen lernen sprechen!

“Wir halten inne, um einfach da zu sein, um mit der Welt und uns selbst zu sein. Wenn wir fähig zum Innehalten sind, beginnen wir zu sehen, und wenn wir sehen können, verstehen wir auch.“

Thich Nhat Hanh aus Intuitiv Zeichnen lernen Thomas Lüchinger

Ja, solche Sprüche sind wundervoll und sie stecken durch und durch voll mit Weisheit. Aber, wer jemals versucht hat meditieren zu lernen, der merkt spätestens dann, wenn er in die weise Pose wirft, dass Weisheit nicht auf Knopfdruck kommt. Sitzt man erst mal im Lotussitz, dann fängt es fürchterlich irgendwo an zu jucken und man muss sich kratzen, aus ist es mit der würdevollen Meditation.

Weisheit ist prima, aber was will uns das Ganze jetzt übers Zeichnen lernen sagen. Ich übersetze diesen Spruch jetzt mal ins 21. Jahrhundert:

“Wer gehetzt ist, ist blind wie ein Maulwurf, denn dann springt ein Sehzentrum im Gehirn an, was nur in Icons sieht”

Die schlichte und einfache Wahrheit ist:

“Wer gehetzt ist, sieht Nix und wer sich zum Sehen zwingen will, der kommt damit nicht ans Ziel! “

Für mich ist dieser Mechanismus oft eine Strafe, ich selbst leide darunter, weil ich ein Mensch bin, der sich selbst gern anfeuert und je mehr Ehrgeiz dahinter steckt, desto schneller scheitert man. Als Mallehrerin ist dieser Mechanismus für mich geradezu tragisch, weil die motiviertesten Schüler ganz ironische Bauchlandungrn machen.

Intuitiv, gar nicht so einfach

Wer intuitiv Zeichnen lernen will, der muss locker werden,

“Sprüche wie, jetzt sei doch mal bitte locker….Sei jetzt sofoooort LOCKAAAAAA….machen Schüler garantiert sofort verspannt und sofort blind.“

Gerade Schüler, die es gewohnt sind die Zügel in der Hand zu halten, scheitern beim spontanen Zeichnen gewaltig an ihren eigenen Ansprüchen. Sie haben Mechanismen entwickelt, in denen sie immer besser sind als alle anderen, notfalls mit Gewalt.

Wer Kunst macht, braucht andere Wahrnehmungsprozesse als im Beruf. Als Mallehrerin frage ich mich natürlich immer wieder, wie kann ich es schaffen, dass sich Schüler auf einen neuen Wahrnehmungsprozess einlassen?

Etwas Neues bauen!

Erfolgreiche Menschen haben das Gefühl, man kann alles nur mit der nötigen Willensstärke erzwingen. Ich hatte neulich eine Apothekerin im Kurs, die nicht begreifen konnte, dass man die Zügel lockert nur um schnell voranzukommen.

Das Gehirn funktioniert etwas anders als unsere anderen Körperteile, das Gehirn funktioniert eher wie ein Werkzeugkasten. Erst wenn es merkt, dass es mit einer Art des Sehens nicht zurechtkommt, dann schaltet es die nächste Art hinzu und wenn es dann merkt das nicht voran kommt, dann entwickelt es ein neues Werkzeug.

Das Fiese ist, dass ich mit dem Kopf  alles begreifen kann, es braucht aber eine Zeit bis das neue Werkzeug in mir heranwächst.

Wenn ich mich jetzt versuche zu zwingen, dann kann ich den Nagel trotzdem nicht mit der Hand einschlagen.

Es ist eine Frage des Respekts vor sich selbst, dass man sich die Zeit gibt, sich selbst zu entwickeln!

Es macht Spaß!

Die gute Nachricht daran ist, dass das Trainieren des Gehirns deutlich mehr Spaß macht als Nägel mit der Hand einzuschlagen.

Das Ziel ist es den Stift nach unserem inneren Rhythmus und den äußeren Eindrücken völlig entspannt und intuitiv über das Papier sausen zu lassen.

Das Knifflige daran ist, dem Gehirn beizubringen, dass es hier ein schwieriges Problem gibt, was wir entspannt lösen möchten.

Jetzt ist das größte Problem nicht sofort alles durch Bewertung kaputt zu machen. Du darfst jetzt nicht nach 10 Sekunden aufs Blatt gucken und sagen:“ Oh Gott, sieht das Scheiße aus! Sondern bleibe spielerisch und entspannt. Zeig deinem Gehirn wie es richtig geht.

Halt die Augen auf dem Motiv, schau selten auf das Papier

Zugegebenermassen sind Zeichnungen, bei denen man die Augen auf dem Motiv hält, immer etwas chaotischer, aber es ist ein Spiel:

Tine Klein Zeichnet die Altstadt von Porto. Blog zum Thema intuitiv Zeichnen lernen.

Spielerische, intuitive Zeichnungen stecken voller Leben!

Zeig dem Gehirn das lernen soll spielerisch und entspannt Probleme zu lösen ohne großen Zwang.

Das Ziel ist es den Stift übers Blatt sausen zu lassen, wie eine kleine Eistänzerin und wir geben unserem Kopf die Gelegenheit das zu lernen!  Anders als eine Eistänzerin hat der Zeichner eine viel schwierigere Aufgabe, denn sein Stift muss die ganze Choreografie, die Sprünge die Drehungen und den Rhythmus ganz ohne eine einstudierte Kür aufs Papier legen. Was dabei passiert, habe ich ganz wundervoll in einem Buch gelesen und das erste Mal habe ich gedacht:“ Ja, besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können!“

Buchempfehlung

Der Bildhauer Alex Schaufelbühl hat mich beim Plaudern im Atelier auf das folgende Buch aufmerksam gemacht: Thomas Lüchinger  “ Intuitiv Zeichnen“

“Zeichnen heißt hier nicht Kopie, Abklatsch von Vorstellungen, von Begriffen, Ideen; es ist nicht Nachahmung, sondern bedeutet eintauchen in die Rhythmen der inneren und äußeren Natur. Neue geheimnisvolle Wege werden eingeschlagen. Freiheit statt Gefälligkeit, Intuition statt Analyse, Risiko statt Konformität.“ Thomas Lüchinger

Macht den Kopf aus!

Eine der einfachsten Übungen mit denen man starten kann, ist die Augen auf dem Motiv zu halten und trotzdem zu zeichnen ohne sich ständig zu kontrollieren.

Das Eerste was du feststellen wirst, ist das loslassen enorm schwierig ist, obwohl du genau weißt das du jetzt nicht ständig aufs Papier schauen sollst, wirst du es tun, denn wir alle sind Kontrollfreaks. Damit deine Zeichnung mal irgendwann so aussehen kann, musst du aber deinem Gehirn so viel Futter geben, dass es lernt Hand und Auge und auch den inneren Rhythmus der aus dir selbst herauskommt so zu koordinieren, das es trotzdem schön aussieht.

Dies geht aber nicht in dem du ständig mogelst oder dir ständig Regeln auferlegt und vor allen Dingen geht es nicht, wenn man sich ständig selbst fertig machst und Aufgaben mit dem Gedanken: “Ich kann das nicht!”angehst. Deshalb hier mein kleiner Tipp, schnapp dir einen kleinen Papierteller, stich deinen Bleistiften durch und zeichne so, dads du nicht sehen kannst, was du tust.Macht deinem Gehirn gleich klar, hier geht es nicht um Kontrolle, hier geht es um Spaß und um Bewegung.

Kontrolle ist schädlich

Die Kontrolle ist wie ein kleines gelbes Tier was in deinem Nacken sitzt und dir ständig Zügel angelegt.

Die Kontrolle ist insofern sehr schwierig beim Skizzieren lernen, weil wir dem Gehirn erlauben uns beständig in den Gehirnbahnen zu halten, die wir schon kennen. Beim Zeichnen und Skizzieren lernen, ist es enorm wichtig dem Gehirn Wachstumsimpulse zu geben. Das Gehirn braucht die Information, hier bin ich überfordert, ich brauch hier neue Synapsen. Und genau dazu sind solche Übungen da.

Nach und nach entwickelt sich dadurch eine großartige Hand und Augen-koordination, das hilft dir Zeichnungen und Skizzen jeder Art in enorm kurzer Zeit aufs Papier zu bringen.

Das Skizzieren lernen auf diese Art und Weise hat einen weiteren ganz enormen Vorteil, die Zeichnungen, die mit den Augen auf dem Motiv entstehen, sind meistens die Lebhaftesten, denn es sind Aufnahmen wie du die Stadt in einer ganz kurzen Zeit gesehen hast. Meistens sind diese schnellen hingekritzelten Skizzen viel lebendiger als alles geplante.

Und noch mal eine Anregung zum Schluss, alles im Leben was wirklich wertvoll ist, müssen wir uns erarbeiten. Es wird dich ermüden, manchmal wird es schwer sein und trotzdem muss es sein wie ein Tag in der Kindheit. Es muss Spaß machen! Und abends sollst du ins Bett fallen und und du warst sehr sehr zufrieden.

Liebe Grüße

Tine

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