Menschen malen einfacher als gedacht

Menschen malen lernen das wo du es liebst.

Das Schöne ist Zuhause nur einen Herzschlag entfernt.

Tine Klein, Aquarell, Menschen malen, Zürich Bürkliplatz

Am Leben teilnehmen macht bessere Bilder:

Es gibt im Amerikanischen einen Spruch:

Participate in life instead of just watching it!

Stimmt genau! Das hier ist mein Markt: Zuhause am Bürkliplatz. Ich liebe Krammärkte! Für Maler gilt noch mehr als für alle Anderen am Leben teilnehmen. Aber anders als dieser ein wenig einfache amerikanische Spruch gilt dabei: Augen auf und die Szene einsaugen bis in die Seele.

Teilnehmen, gucken, verstehen und dann Umsetzen

Jedes Bild ist besser mit Menschen! Warum?

Einfach weil die Stadt dann nicht ausschaut als sei Grad eine Gasleitung geplatzt und die Notevakuierung hat schon Stattgefunden. Eine Stadt ohne Autos und Menschen schaut einfach geisterhaft aus.

Menschen malen ist einfach

Wer dies nicht glaubt, der sollte einmal den Artikel http://blog.herz-der-kunst.ch/menschen-zeichnen/ lesen, dort beschreibe ich wie man die einfache Grundform des Menschen erstellt. Dies ist nicht viel mehr als ein Dreieck mit Klecks.

Die Szene oder die Geschichte des Bildes unterstützen

Was ist typisch für einen Wochenmarkt oder einen Flohmarkt?
Das ist die Frage, mit der ich mich auf meinen Beobachtungsposten begebe.
Für eine gute Geschichte sucht man Dinge die ganz typisch oder wiederverwendbar sind. Die Antworten sind oft überraschend einfach.

Klassische Accessoires der Szene?

Taschen, auf einem Markt hat fast jeder Einkaufstaschen dabei. Malerisch ist die ganz einfach umzusetzen.

Typische Körperhaltung und Aktion

Die Frage ist was machen die da? Am Marktstand stehen alle ein bisschen über die Wäre gebückt.
Menschen malen, die Lösung ist einfach:

Alle Menschen werden als Haken gemalt.

Es kommt nicht drauf an, dass man den Menschen kompliziert malt, er braucht einfach einen Buckel.

Soziale Interaktion

Was machen Menschen, das ist doch die Kernfrage. Wir haben jetzt die Menschen am Stand und die Menschen mit ihren Einkaufstaschen, im Prinzip reicht das. Mir fällt jedoch auf das viele Leute auch über die Ware ein Schwätzchen halten.

Das heißt 2 Personen neigen sich zueinander.

 

Der Star der Szene

Toll ist es, wenn man etwas Außergewöhnliches oder ein Klischee findet.

Momentchen? Klischee, ist das nicht sch.. äh was absolut Verabscheuungswürdiges?

Ach was, wir lieben Klischees! Es wirkt prima. Das Außergewöhnliche oder Witzige finde ich toll, weil es den Betrachter überrascht, aber das Klischee ist ebenso prima weil Menschen im Kopf selber weitermachen lässt. Ein Klischee bestätigt sie in ihrer Phantasie.
Das macht es gemütlich für den Betrachter, er liebt das, weil er gefunden hat, wonach er sucht.
Ich habe mein Klischee schnell gefunden. Menschen machen sich gern selbst zum Klischee.

Der Verkäufer mit der Schlägerkappe.

Diesen Typ Mann findet man auf jedem Markt. Ich lache, irgendwie scheint die Kappe Pflicht für Verkäufer. Warum  tragen sie alle Kappen?  Auf dem Wochenmarkt macht man das, damit keine Haare auf die Nahrungsmittel fallen, aber auch auf den Flohmarkt gibt es den Mann mit Kappe.

Ich glaube der Mann mit Kappe ist das Verkäuferklischee.

Habe ich die Type gefunden, die mein Suget in Szene setzt, dann male ich genau diesen intensiver als alle anderen Figuren. Die anderen sind Statisten. Er ist der Star des Marktes.

Tipps zur Umsetzung:

Der räumliche Tipp:

Es ist gut, sich für die Szene den besten Winkel zu suchen, das heißt oft steht man direkt am Eingang des Marktes und malt die Kulisse. Das macht man am besten bevor es voll wird, denn man steht frontal im Weg. Hat man die Anlage des Bildes schnell skizziert, kann man sich auf ein gemütliches Fleckchen am Rande verziehen und den Treiben in Ruhe zusehen.  Dann wird die Kulisse durch Menschen verfeinert. Aus der Kulisse mit den Menschen entsteht dann ganz im Ruhe am Rande des Marktes das Bild.

Generell ist der Prozess des Begreifens das Genüssliche.

Wenn man eine Szene einmal begriffen hat, dann kann man sie lebenslang einfach aus dem Kopf malen, weil man das Typische erkannt hat.

Kein Trara um die Menschen

Menschen malen ist so schwer, weil man Angst davor hat.

Tine Klein, Aquarell, Menschen malen, Zürich Bürkliplatz

Bitte schau noch mal ins Bild? Welche Formen haben die meisten Menschen?

Im Hintergrund sind es nur schräge Ovale mit einem Tupfen für den Kopf.

Der ganze Mensch hat die Form eines Rüblis oder einer Möhre.

Selbst mein Star im Vordergrund ist nicht mehr als ein Dreieck mit Köpfchen.

Also hör auf mit der Dramaqueen  und fülle deine Bilder mit Leben

Liebe Grüße ins Wochenende
Tine

Liebe Grüsse,
Tine

Hier zur einfachen Methode des Menschen zu zeichnen:

Menschen zeichnen

Menschen zeichnen ein Thema was uns schon hunderte von Jahren beschäftigt…

selbst Leonardo hat schon ein System gesucht:

Wiki

P.S.: Es geht auch einfacher ……..kicher

 

Reisetagebuch oder während das Leben passiert

Berühmte Reisetagebücher

Es gibt berühmte Reisetagebücher, ja es gibt sogar Reisetagebücher die die Welt veränderten. Die Reisetagebücher von Goethe lösten ein Fernweh in einer ganzen Generation aus. Die Reisetagebücher von Humboldt haben sicherlich nicht nur wissenschaftlich die Welt verändert.

Natürlich möchte jeder von uns etwas Großartiges erstellen, aber…

dann merkt man das diese tollen Bücher nichts Hochtrabendes sind, sondern nur:

Ein Mensch sieht und beobachtet, er versucht die Welt zu begreifen.

Das Resultat dieser Reisetagebücher ist nicht immer die hohe Kunst. Was darin steckt ist Intelligenz und Beobachtungsgabe.

Die Gedanken dahinter sind wunderschön.

Reistagebuch oder Skizzenbuch

Was das Besondere ausmacht, sind ganz und gar die persönlichen Gedanken die ein Mensch hat. Das Besondere und Faszinierende an diesen Tagebüchern ist, dass da wirklich etwas passiert.

Es steckt Leben drin.

Ob man diese Gedanken nun einfach aufschreibt oder ob ob man zeichnet oder malt ist einfach Geschmackssache.

Das Wertvolle sind die eigenen Gedanken und diese Gedanken gehören dir.

Geistiges Eigentum

Eine meiner mal Schülerinnen macht wunderschöne kleine Bilder, eine Touristin fällt über sie her und möchte, dass sie ein Bild aus ihrem Skizzenbuch reisst um es zu kaufen. Meine Schülerin möchte das nicht. Die Frau ist empört, es ist ja immerhin eine Ehre, dass sie das Bild kaufen möchte. Was diese Frau nicht versteht, ist das eine Skizze irgendwie ist wie ein Baby, man verkauft sie nicht, denn sie ist ein Stück von einem selbst

Ich kann meine Schülerin sehr gut verstehen, nach wie vor habe ich einen enormen Widerstand dagegen meine Kunst zu verkaufen. Ich fühle mich als würde man mich in 1000 kleine kleine Stücke schneiden und in alle Welt zerstreuen.

Eine Skizze ist ein Stück von Dir

Jetzt hat die Frau meine Malgruppe umrundet, dass sie den Unterricht dabei stört, stört sie mal knapp die Hälfte. Jetzt schaut sie im mein Skizzenbuch und ist entsetzt, anders als meine Schüler mache ich keine schönen Bilder, meine Skizzen sind die reinsten Comics. In meinen Skizzen passiert einfach das, was ich erlebt habe, da sitzen vor wunderschöner Kulisse Menschen, die sich die Haare raufen oder Stifte gegen Himmel heben um die Perspektive zu verstehen. Also sowas will sie schon ganz und gar nicht kaufen, was sollen denn all die hässlichen Menschen in den Skizzen.

Ich hingegen liebe diese lustigen kleinen Skizzen, sie zeigen was mir an dem Tag passiert ist. So sieht für mich ein echtes Reisetagebuch aus, das Leben steckt drin.

Reisetagebuch: Geschichte eines Lebens

Hinter jedem Reisetagebuch steht die Geschichte eines Menschens.

Vielleicht macht es euch Spaß, wenn ich euch die private Geschichte hinter dem Bild zeige.

Die Farbskizze der Kirche habe ich tags zuvor im Unterricht schnell skizziert. Bis jetzt ist sie nur eine kleine Postkarte, da ich mich im Unterricht um meine Schüler kümmere, fehlen noch all die kleinen Details und Beobachtungen.

Es ist 6:30 Uhr und vor dem Trubel des Tages versuche ich noch ein bisschen Ruhe zu finden. Seitdem ich in der Schweiz lebe sind solche Uhrzeiten für mich normal. Während ich den See umrunde, stürzen die ersten Gänse auf mich zu. Der frühen Vogel fängt den Wurm! Quatsch, der frühe Vogel  hat Hunger und hofft auf ein Brötchen vom Frühstücksbuffet. Es sieht sehr lustig aus wie der Vogel im Laufschrift auf mich zu eilt.

Diese Woche lehre ich in einem Seminarzentrum, auf der anderen Seite des Sees steht der Sportworkshop und hampelt wie wild auf Befehl. Die Gans und ich sind einer Meinung wir hassen Frühsport.

Dafür macht mich aber meine Hausgans darauf aufmerksam, dass es hier Sumpfdotterblumen gibt. Das ist eine kleine gelbe Blume, die im feuchten wächst und die Gans findet sie offensichtlich schmackhaft.

Während ich die Gans füttere, schaue ich mir in Ruhe die Sumpfdotterblumen an.

Das Wetter schlägt um, die ganze Woche hatten wir großartiges Wetter, doch nun rauschen dicke Wolken heran.

Das alles steckt in einer kleinen Skizze, ich lasse mich dabei nicht hetzen, die Kirche ist am Vortag entstanden, jetzt gesellt sich zu ihr der gesamte Sportkurs, die Gans und die Blumen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe.

Die Freude am beobachten

Tatsächlich empfinden viele Menschen die ein Reisetagebuch führen eine kindliche Freude am Beobachten. Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt, wo noch jede Pfütze etwas Spannendes war, wo man nirgendwo entlang laufen konnte ohne etwas Neues zu entdecken. Das Zeichnen bringt mir diese Freude zurück.

Beobachtung und kindliche Freude

Ich glaube das ist der Grund warum so viele Menschen ein Reisetagebuch führen, es ist das Hände ausstrecken nach dem Glück.

Bei mir führt das auch dazu, dass ich gerne male wie im Kinderbuch. Es ist eine Lebenseinstellung die Welt zu erkunden. Ich hoffe mein Geist ist auch noch mit 99 offen und frisch um die Welt lernbereit zu erkunden.

Reisetagebuch ein Anfang

Chuck Close, einer der bekanntesten fotorealistischen Maler Amerikas, sagt zu dem Thema anfangen:

Laien suchen verzweifelt nach Inspiration, der Rest steht einfach auf und macht es.

Das trifft den Nagel auf den Kopf, Reisetagebücher enstehen am besten dadurch, dass man sie macht. Schau mal in die Welt bewegenden Tagebücher von Humboldt, ein Ausbund an Schönheit sind die nicht. Darum geht es auch gar nicht, denn sie sind nur ein Sammelalbum für eigene Erlebnisse. Solche persönlichen Erlebnisse festzuhalten ist natürlich eine Frage der Erfahrung. Aber man kann auch ganz klein anfangen. Es ist ziemlich schön, wenn man viele kleine Skizze macht und die dann zusammen mit Fundstücken in ein kleines Reisetagebuch klebt. Wichtig ist das man sich dabei keinen Stress macht. Das kann mal etwas ganz einfaches sein, zum Beispiel das tägliche Menü, Eintrittskarten oder die Reiseroute in Form einer Karte. Aber genau an diesem Punkt sollte man einmal darüber diskutieren ob es sich nicht lohnt, trotz der Gefahr, dass man etwas nicht perfekt malen kann, wirklich die eigenen Erlebnisse in eine Reisetagebuch steckt. Die eigenen Erinnerungen sind so wertvoll, dass man einen Weg finden sollte sie auch wirklich festzuhalten. Seien wir doch mal ehrlich, hättest du nur eine schöne Postkarte gewollt hättest du die doch für 0,50 € an jeder Ecke kaufen können. Aber eine Postkarte ist bei weitem nicht so wertvoll wie deine eigenen Erfahrungen. 

Erinnerung und Reisetagebuch

Wenn man den Mut hat ein bisschen unkonventionell vorzugehen, dann wird man belohnt. Noch Jahre später werde ich wissen, dass ich mir an diesem Tag in Ruhe die kleinen Blumen im Sumpf angesehen habe.

Der Strom der Zeit

Alles was man in einem Reisetagebuch gesammelt hat, ist  davor geschützt im Strom der Zeit weggerissen zu werden.

Viel Spaß wünsche ich euch und ein schönes Wochenende

Tine

WERK

Humbold´s Tagebücher

Tines nächster Kurs in der Schweiz:

https://www.boesner.ch/niederlassungen/muenchwilen/kurse

Warum wir Malen!

Warum malen eigentlich alle Kinder und viele Erwachsene nicht mehr?

Oder anders formuliert, warum malen eigentlich so viele Erwachsene, obwohl Malen so nutzlos ist?

Tine Klein Aquarell Fraueninsel Chiemsee Aquarell sketch rund ums malen

Ja, malen wird als nutzlos betrachtet. Mein eigener Vater brachte es ziemlich grob auf den Punkt:

Ein Beruf muss keinen Spaß machen, ein Beruf muss ernähren!

Und so geht es uns Künstlern, denn wir werden bewundert oder verachtet. je nachdem wie wichtig das Geld ist.

Ich selbst habe dem Beruf gewechselt, ich verdiene heute nicht mehr so viel, wie als Ingenieur.

Doch ich finde Lebensglück ist unbezahlbar

In meinem Leben bin ich schon in so manches Land gekommen, Kinder sehe ich dort  überall malen. Egal wo man hinkommt auf der Welt, so hängt immer stolz ein Kunstwerk der lieben Kleinen am Kühlschrank.

Fast jedes Kind malt kräftig und selbstbewusst in kühnen und freundlichen Farben.

Jetzt frage ich mich doch als denkender Mensch, was verändert sich da eigentlich, wie so können nicht alle Menschen diesen Schwung und Elan mit ins Erwachsenenalter nehmen?

Malen ist eine Weltsprache

Malen ist nicht beschränkt. Es gibt Maler jeder Altersklasse, es gibt Maler jeder Hautfarbe, ich kenne kein Land in dem nicht gemalt wird und ich kenne auch keine Epoche in der nicht gemalt wurde. Dies beweist jeder Besuch in einem Museum für Frühgeschichte, egal was da liegt, ein wenig Kunst ist dabei. Eine kleine Verzierung, ein kunstvolles Muster in einem Pfeil, nichts geht ohne Kunst. Dinge die uns wichtig sind, müssen wir einfach zum Ausdruck bringen.

Die Venus von Willendorf 30.000 Jahre alt

File:Venus von Willendorf 01.jpg Urheber des Fotos: User:MatthiasKabel [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

Urheber des Fotos: User:MatthiasKabel [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

(Facebook würde dich bei den Brüsten direkt rauswerfen, aber es ist doch beruhigend das Herr Feuerstein genauso tickte wie mein Liebster)

Halten wir mal fest: Malen und Kunst machen ist ein Grundbedürfnis.

Jeder malt oder moduliert eben das, was ihm im Kopf herumschwirrt.

Die Bilder von Kindern sind meistens freundlich und fantasievoll. Die wirklich bedeutenden Zeichnungen von Erwachsenen sprechen über Gefühle, die wir sonst nie ausdrücken. Hemmungslos, überschäumend und beobachtend.

Aber nicht jeder scheint diese Fähigkeit zu behalten.

Kunst ist eine Sprache

Aber noch mal zurück zur Frage. Die Frage war doch, warum malen wir? Oder warum malen wir nicht mehr?

Im Gegensatz zu Kindern haben Erwachsene oft Hemmungen einfach loszulegen. Ja, man kann das regelrecht Blockade nennen. Und jetzt frage ich mich doch, warum blockieren wir uns in zunehmendem Alter.

Ich glaube es liegt an zwei Dingen:

Wissen und Ansprüche

In zunehmendem Alter entwickeln wir ein Wissen über die Welt, wir glauben dass wir wissen wie die Welt tickt. Und dieses Wissen macht uns nicht weitsichtig, sondern es raubt uns die Möglichkeit zu beobachten. Wissen kann bei Menschen sehr zweischneidig sein.

Der eine Mensch lernt durch sein Wissen, dass es immer mehr zu wissen und zu beobachten gibt. Dummerweise wird Wissen aber ganz oft als Regel vermittelt. Zu harte Regeln öffnen aber nicht, sondern sie schließen.

Ich vermute irgendwann kommt der Punkt an dem das Wissen so stark überhand nimmt, dass man nicht mehr beobachten kann. Jeder von uns hat so Glaubenssätze im Kopf, die uns ein gehämmert wurden und die uns dann jeder Spontanität nehmen.

Und dann sind da ja auch noch die Ansprüche, es muss großartig sein, fehlerlos und brillant und natürlich muss es hohe Preise bringen.

Denn nichts was nicht ernährt ist etwas wert.

Meine Schüler erzählen mir immer wieder unglaubliche Geschichten, Was Ihnen alles den Spaß am Malen verdorben hat. Jeder Laie scheint ganz genau zu wissen, was Kunst darf und was Kunst nicht darf:

  • Es muss immer ausschauen wie ein großer Meister den schon gibt, am besten ist der große Meister schon tot und ganz teuer.
  • Hässliches darf auf keinen Fall ins Bild, Sex geht auch nicht
  • die Realität ist doch anders
  • Kreativität ist etwas für Frauen und Kinder
  • Du bist Untalentiert
  • brotlose Kunst
  • usw. und so fort

Die Folge ist jetzt das viele Erwachsene vor einem Blatt sitzen und total vernagelt sind.

Zucht und Ordnung

Wenn ich meine Schüler frage: Warum sie eigentlich malen oder nun endlich wieder mal, dann kommen die unglaublichen Geschichten zutage.

Schöne Geschichten und enorme Traurigkeit

Ich frage mich oft was ist eigentlich in den Familien los? Kindern wird oft mit einer enormen Brutalität die Kreativität ausgetrieben. Wenn jetzt meine Malschüler anfangen zu erzählen, dann weiß ich manchmal nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Eine Schülerin von mir ist Sportlehrerin, ehemals war sie die Kleinste in der Familie. Sie hat aufgehört zu malen wegen solcher Sätze:

Hör sofort auf, das sieht scheußlich aus!

Jetzt denkt man natürlich, dumm gelaufen, aber das ist natürlich eine Ausnahme. Ganz und gar nicht, etwas Erfahrung ist eher die Regel. Ich höre die abstruseren Dinge, von Vätern die ihren Kindern verbieten Farbstifte zu benutzen. Von Jungs die streng ermahnt werden, dass malen nur etwas für Mädchen und Frauen ist. Aber das Häufigste ist, dass vielen jungen Menschen künstlerische Berufe verboten werden.

Ich hoffe immer das so einen Mist schon lange vergangen ist. Doch erschreckender Weise liegen diese Geschichten oft nur 20 oder 30 Jahre in der Vergangenheit.

Dabei gibt es einen ganzen Haufen von Gründen, warum wir auch entzückt und frei im Erwachsenenalter malen sollten:

1. Malen entspannt

Wenn ich mal frage warum meine Schüler malen, dann ist es das häufigste Argument, dass man dabei super den Kopf abschalten kann. Wann man einfach Ruhe und Zeit für sich selbst hat.

2. Malen öffnet die Augen

Ein großes Argument, ist für viele Menschen die unglaubliche Klarheit des Sehens. Gerade Menschen aus vielen hochwertigen Berufen werden von Malen angezogen, weil sie es sehr schätzen die verkrusteten Glaubenssätze und Befehle abzuschütteln. Frei und klar sehen ist nicht nur in den meisten Berufen sehr hilfreich, es hilft auch enorm bei der Persönlichkeitsentwicklung. Das klare Sehen ermöglicht uns die Möglichkeit zur Revolution. Vielleicht ist genau dies der Punkt, warum so viele Menschen Künstler verachten oder bewundern.

3. Malen macht leistungsfähiger

Wer klarer sieht, einen freien Geist hat und eine bessere Feinmotorik ist oft auch deutlich leistungsfähiger. Gerade Leistungsträger schätzen diese Fähigkeiten. Vor allem wird die Konzentrationsfähigkeit durch Malen gestärkt. Wer ein gutes Bild malen möchte, muss einen Fokus finden. Die Fähigkeit ein Thema interessant und klar und deutlich herauszuarbeiten ist fast in jedem Beruf hilfreich. Aber reden wir nicht nur für den Menschen die im Beruf stecken. Sehr viele ältere Menschen betreiben das Malen, weil es Menschen im Kopf sehr lange leistungsfähig und fit hält. Ich selbst habe einen Großteil meiner Fähigkeiten von einer 94-jährigen Malerin gelernt. Dies lässt sich auch per Schichten-Tomografie im Gehirn nachweisen, die Gehirne von Malern altern langsamer und heilen schneller.

4. Bewunderung

Wenn man einmal den Mut gefunden hat und nur ein wenig besser wird, dann wird man merken wie die Stimmung der anderen plötzlich umschlägt. Plötzlich ist man nicht mehr der verachtete Habenichts, sondern der geniale Künstler. Es lohnt sich also den eigenen Kopf durchzusetzen. Plötzlich wird man bewundert. Sein wir mal ganz ehrlich, in einer Gesellschaft wo wenig gelobt wird, tut das doch so richtig gut! Oder?

5. Lebensfreude

Wer all die Verbote und Gebote mal mit den Besen vor die Haustür kehrt und seine Augen auf Schönes richtet, der wird feststellen wie schnell sich die Heiterkeit ins Leben schleicht. Verbote und Gebote lassen viele Menschen ganz schön krumm laufen. Wie oft höre ich in der Sprache:

Ich muss! Ich muss! Ich muss!

In der Kunst musst du gar nichts, außer zu machen auf was du Lust hast und das macht Lebensfreude. Alles ist erlaubt, ein Satz den ich mir selbst hinter die Ohren schreiben musste.

6. Die Macht des Erschaffens

,,Es gibt den Maler, der aus der Sonne einen gelben Fleck macht, aber es gibt auch den, der mit Überlegung und Handwerk aus dem gelben Fleck eine Sonne macht’’ (Pablo Picasso).

Habt ihr euch schon mal überlegt? Wie mächtig das erschaffen ist? Was man erschaffen will ist sehr unterschiedlich. Mir reicht oft ein Lächeln oder eine Erinnerung.

Tatsächlich eröffnet die Kunst einen Raum, in dem wir völlig frei und hemmungslos sehen erschaffen und denken dürfen!

Na, wenn das mal nicht mächtig ist!

Wundervolle Grüße in ein hoffentlich schönes Frühlingswochenende.

Das Bild was ihr heute sieht heißt: Frisch geborenes Grün. Eigentlich habe ich es gemalt, um die Blätter zu feiern, die hier gerade mal einen Tag alt waren. Doch dann traf ich diesen genialen Kunstpädagogen.

Making of

Die Geschichte dahinter,

Letzte Woche habe ich einen unglaublich schönen Mal-Kurs am Chiemsee gegeben.

Meine Gruppe war einfach großartig. Wir saßen auf der Fraueninsel hinter einem der ältesten Gebäude Deutschlands, ließen uns die Sonne aufs Haupt scheinen und plötzlich kam eine Familie. Der Sohn war so richtig begeistert und sagte im vorbeigehen: Oh toll, ich glaube ich möchte auch mal Maler werden. Vater brüllt im nasalstem bayrisch: Naaaahh! Alles Habenichtse! Kunst ist nichts Gescheits!

Dazu kann ich nur sagen, hier liegt ein klassischer Fall von Betriebsblindheit. Denn die Habenichtse, die dort auf dem Boden hockten, hatten schätzungsweise jeder Einzelne ein Einkommen was dreimal so hoch war wie das des Vaters. Hätte der Mann die Augen aufgeklappt so hätte er gesehen, das dort zehn Stützen der Gesellschaft auf dem Fußboden zufrieden im Staub sitzen.

Zwei Theologen, ein Zahnärztin, eine Rechtsanwältin, eine Kunsttherapeutin, eine Sportlehrerin, eine Orchestermusikerin, eine Apothekerin, eine Logopädin, eine Städtebauerin und eine Tiefbauerin, die klassische Ansammlung der Habenichtse.

Ich möchte dem jungen Mann dringend traten Den Rat seines Vaters in den Wind zu schlagen . Auch wenn dieser vor dem 13 jährigen aufbaut als sei er Napoleon persönlich.

Malen lohnt sich immer. Ob jetzt nun als Profi oder nur als Ausgleich. Interesse und Malen ist Interesse macht dich lebenslang schlauer und glücklicher.

Das kann man sogar auf Gehirnsscans nachweisen. Diesen Artikel habe ich bei einer Rescherche in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift gefunden:

https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0101035

Wenn ich das mal zusammen fassen darf in verständlicher Sprache:

Kunst machen beschert dir eine deutlich verbesserte Hirnfunktion….rate das mal dem Vater, er braucht es dringend……

Noch ein Artikel zu warum wir malen:

Urban Sketching Teil 1

Urban sketching