Alles eine Frage der Perspektive!

Tine Klein Perspektive im Hafen Uetikon

Tine Klein: Altweibersommer im Hafen von Uetikon

Häuser stehen doch ganz fest auf dem Boden und wieso ist es dann so schwer sie zu zeichnen, es sind doch einfach Kisten!

Letzte Woche schrieb mir Kathrin dies: Ich habe manchmal das Gefühl, die Häuser halten sich nicht immer dran – sie stehen ja nicht in Reih und Glied, sondern Kreuz und quer…


Wenn die Häuser zappeln


Wenn du mal wieder das Gefühl hat du bist wirr im Kopf und die Häuser wollen mal wieder nicht still stehen, dann bist du nicht zwingend betrunken…..sondern einfach nur ein guter Beobachter.

Tatsächlich stehen Häuser nicht still wenn wir sie zeichnen. Schon leichte Bewegungen beim Messen und Beobachten verändern alles. Eigentlich müssten wir ja gewarnt sein! Denn es heißt ja: Betrachte die Dinge doch mal aus einer anderen Perspektive…Ein Perspektivwechsel würde dir gut tun…..


Nichts ist so veränderlich wie eine Perspektive


Fluchtpunkt und Kopfbewegung 1

So schaut die Kirche aus wenn ich ganz normal  stehe und jetzt bin ich ein braves Mädchen und mache mal einen Knicks.

Fluchtpunkt und Kopfbewegung 2

Mein Kopf ist jetzt auf der Höhe der Holzlehnen. Seht ihr wie krass 30 cm Bewegung im Bild alles verändert haben?

Deshalb ist es kein Wunder wenn Du Perspektive nicht auf Anhieb siehst.

Die obere Kante der Bänke lief im ersten Foto steil nach oben, nun sind sie alle auf einer Linie!

 


Warum tanzen Häuser rum?


Perspektive Horizontlinie muss Augenhöhe heißen von Tine Klein

In Fachbüchern wird die Linie die auf der sich alle Fluchtpunkte entstehen Horizontlinie genannt und dies ist total irreführend, weil es uns  nicht klar macht, dass wir das Zentrum der Perspektive sind.

Die Linie müsste Augenlinie heißen!

Bei normaler Sichtweise fluchten alle Linien auf die Höhe  deine Augen zu!  Und damit bilden sich bei normalem Blick alle Fluchtpunkte auf der Höhe deiner Augen.

Im Foto kannst du das genau sehen. Mein Fotoapparat steht genau auf der Brüstung in der 2 Etage und das Haus fluchtet genau auf die Höhe meiner Augen. (Auf der Horizontlinie)

Das heißt, bewegst Du deinen Kopf, dann spielst du mit den Winkeln, du bewegst die  Winkel im Bild. Wenn du dabei zeichnest, sieht dein Haus aus,  als wäre es von  Dick und Doof zusammen gezimmert worden.

Arno Hartmann drückt das wie folgt aus:


Perspektive sehen ist nur etwas für Einäugige Leichen….


Als Arno diesen Spruch im Auto brachte, musste ich mitten in der Rush-hour- von München vor Lachen Schlangenlinien fahren! Und hab mich zur echten Verkehrsgefährdung entwickelt.

Da hat er mich voll erwischt! Ertappt guck….Ich bin ein Zappelphilipp und habe immer mindestens einen heftigen Fehler in meinen Zeichnungen, weil ich mich zusehr bewegt habe.

Erklärung: willst du Perspektiven ganz genau Zeichnen und sie evtl. sogar messen, dann musst du dich an Arno’s Anleitung halten und so still sitzen wie eine Leiche, dabei ist es extrem hilfreich, wenn man ein Auge verloren hat.


Messen von Perspektiven, so geht es ohne sich das Auge auszustechen


Tine Klein perspektive messen lernen

Tine misst die Gebäude im Hafen von Uetikon

Ich mach es so:

Ich suche mir eine Körperhaltung, die ich beim Messen immer wieder exakt einnehmen kann. Wichtig ist das ich mich anlehnen kann um den Körper immer wieder in der gleichen Position zu fixieren. Ich lege meinen Kopf auf die rechte Schulter und strecke meinen rechten Arm zum Messen völlig durch und dann kneife ich ein Auge zu.


Und schon bin ich die von Arno geforderte einäugige Leiche!


Durch diese komische Körperhaltung erreiche ich folgendes:

Ich schalte alle Fehlerquellen beim Messen aus:

  1. Die Haltung hindert mich am zappeln, das heißt die Winkel verändern sich nicht mehr, deshalb kann ich sie nun einfach auf mein Blatt übernehmen.
  2. Meine Hand ist selbst immer auf der Höhe meiner Augen und ich schalte damit perspetkivische Fehler aus.
  3. Mein Arm ist immer gestreckt, dadurch schalte ich aus, das die gemessene Strecke mal kleiner und mal größer wirkt, jede Messung ist dann gleich.
  4. Durch das zugekniffene Auge gibt es kein Steriosehen mehr.

(Anmerkung von der Redaktion: Dabei ist es enorm wichtig souverän zu gucken, sonst wirkt man wie ein Idiot XD)


Ich zwinge die Häuser still zu stehen!


Ich übernehme mit wenigen Strichen die Winkel und hole sie aus der Realität  1:1 auf mein Blatt. Perspektive ruhig sichtbar machen ist der Schlüssel zum Erfolg. Sichtbar mache ich mir die Winkel mit dem Stift, dadurch kann ich in  wenigen Sekunden die groben Umrisse auf das Blatt übertragen.

Hafen Uetikon schwarz weiß

Wie ihr seht besteht das Haus nur aus wenigen Grundlinien. Ich zeichne wirklich nur die obere Kante und die untere Kante. Mehr Informationen brauche ich für Perspektive nicht, da die Winkel den Fluchtpunkt zeigen.

Es ist simpel und davor braucht man keine Angst haben. Und so sieht es in Farbe und etwas Schnickschnack aus. ..mit etwas Übung könnt ihr es natürlich auch.

 

Hafen in Uetikon dunkel

Reizüberflutung und Angst verhindern das man Perspektiven ohne Mühe zeichnet

Ich mache mir gar keinen Stress und natürlich sitze ich nicht die ganze Zeit mit einem Pinn im Rücken rum, aber falls ich unsicher werde, kann ich diese Körperhaltung wieder einnehmen und nachschauen wo ich das Problem habe.

Da man am Anfang noch nicht gut sehen kann, brauchst du regelmäßig Praxis, gehe es ruhig und ganz simpel an, dies ist das wirksame Geheimrezept sich nicht in  1000 Details zu verlieren.

Ganz herzliche Grüße ins Wochenende

Tine

Genießt den die Sonne auf der Haut und  die Farben des Indianersommers.

Reben

Und wie üblich, wenn es euch gefällt, teilt mich.

6 commentaires sur “Alles eine Frage der Perspektive!

  1. Hallo Tine,
    aus dem urlaub zurück habe ich Dich, wie versprochen, gleich abonniert. Was soll ich schreiben? super gut erklärt. Nun heißt es dran bleiben und üben.
    Danke :)))
    LG Bine

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