Der sprechende Strich


Wir sollten uns einen *sprechenden* Strich zulegen!


Langweilige Zeichnungen will keiner von uns machen! Deshalb stellten wir letzte Woche fest: Wir brauchen einen *sprechenden Strich* um unsere Zeichnungen ausdrucksstark zu machen. Aber leichter gesagt als getan? Wie macht man das eigentlich? Heute darf ich euch mit JP Schwarz von der Schwarzmalerei noch mal zeigen wie es geht.

Der Schlüssel liegt in Deiner Beobachtungsgabe! Lasst uns mal zusammen in die Zeichnungen gucken!

Kiefer von JP Scharz

Jp Schwarz Kiefer mit Feder

Bei dieser Kiefer ist der Strich natürlich rau und ein wenig urwüchsig, bei der Technik dafür technisch, gerade klar und hart.

Jp Schwarz Technik Blog Herz der Kunst Schwarz-Weiß-Zeichnung

Jp SchwarzStraßenbahn mit Fineliner

Vielleicht ist es Euch aufgefallen JP wechselt den Stift, weil der Fineliner einfach das bessere Zeichenwerkzeug ist um Präzision darzustellen.

JP:
Bevor ich ein Motiv beginne, nehme ich mir immer kurz Zeit, mir die Umstände klar zu machen. Für manche Motive und Kompositionen drängen sich bestimmte Techniken auf. Auf welches Werkzeug und (damit meist verbunden) welchen Stil habe ich gerade Lust, wie bequem ist mein Sitzplatz, bin ich vor dem Wetter geschützt und wie viel Zeit habe ich für das Bild? Wenn man bis zu drei Stunden an einem Bild sitzt, dann lohnt es sich, diese Gedanken zu machen. Erst dann beginne ich mit dem Bild, während einige andere schon längst fertig sind…
Ich hetz mich halt nicht gern. 🙂


Eine Linie darf nicht Einfallslos sein!


Für mich ist wichtig, das eine Linie nicht total Einfallslos ist. Die Linie stiehlt dem Gegenstand seine Identität, wenn sie nichts von seiner Eigenart und Struktur wiedergibt. Wichtig ist, dass wir unseren Strich freilassen und die wundervollen Strukturen in einem Motiv einfangen. Am Besten übt sich das das durch Experimente. Sie helfen uns Beweglichkeit und Ausdrucksstärke für unsere Schwarz-Weiß-Zeichnungen zu trainieren

Bei der nächsten Zeichnung von JP könnt ihr sehen, wie toll der Strich in seiner Stärke, Härte und Ausdruckskraft wechselt je nach Eigenart der Pflanzen.

Haptik klein

Jp Schwarz Ausschnitt aus einer Federzeichnung


Der Strich muss die Form unterstreichen


JP:
Ich lasse den Strich gern der Form des Objekts folgen, das ich zeichne. Meist unterstreicht der Strich damit die Form und Textur. Die Feder hat dabei im Gegensatz zu fast allen anderen Zeichenutensilien einen großen Vorteil: Sie kann breit und schlank zeichnen, kann dunkel und mit viel Tinte und hell mit wenig Tinte zeichnen, mal kleckst sie, mal kratzt sie, mal ergeben sich Zufälle, mal ist sie ganz sauber – je nachdem wie man mit ihr umgeht. So läßt sich auf der Lichtseite ein dünner Strich ziehen, auf der Schattenseite dafür ein dicker. Und schon hat der Stein oder Baum eine Licht- und Schattenseite.

Dabei ist die Art des Striches nicht alles. Jeder eignet sich im Laufe der Zeit Kürzel an. So habe ich für Blätter und Steine ein einfaches Kürzel, das für mich gut funktioniert und hilft, das Gezeichnete schnell zu erkennen.


Die Feder schön und ein bisschen gefährlich


JP:
Tine, Du hast die Feder so schön angepriesen, ich kann Dir da nur zustimmen. Für mich ist sie das schönste und spontanste Werkzeug geworden. Gleichzeitig ist sie aber auch schwerer als andere Stifte zu handhaben. Ständig muß man ins Tintenfass tunken, man muß aufpassen sich nicht einzusauen und – ganz wichtig – man sollte nicht auf die Uhr sehen oder Fliegen verscheuchen, während man das Tintenfass in der Hand hält…

Wenn man dann für sich die richtige Federspitze gefunden hat und mit der Handhabung zurecht kommt, wird man mit einem ungewöhlich lebendigen Strich belohnt. Ich liebe es, wenn die Feder hakt und kratzt und kleckert. Sie hilft mir dabei, selbst bei einer genauen Zeichnung aus der angelernten Kindheitsausmalgenauigkeit auszubrechen.

Die Feder hat die Strichästhetik jedoch nicht für sich allein gepachtet. Schönheit kann in jedem Strich stecken, sei es eine grobe Skizze wie die von der Kiefer, deren Rotzigkeit von der Farbe noch verstärkt wird, oder eine gänzlich unschattierte, spröde aber toll komponierte Linienzeichnung.

Tine: Für mich ist das eindeutig zu gefährlich, weil meine Zeichnungen von einer gewissen Wildheit leben deshalb wird mir ein offenes Tintenfass oft zum Verhängnis. Mein Kater hat sich dadurch diverse Male mondän Blau eingefärbt. 

Es gibt alternative Federn, es sind asiatische Kalligraphie-Füllhalter, diese erzeugen sehr abwechslungsreiche Striche.  Diese Stifte sind allerdings nicht Jedermanns Sache, denn sie Verhalten sich nicht so kontrollierbar wie Federn, sie sind oft spröde und ein wenig anarchistisch. Ich mag sie sehr, denn sie geben mir den Zufall den Du so an der Feder liebst.


Freiheit für die Linie! Übungen


Übung für einen schönen Strich:

Versuchs einfach mal selbst, man lernt es nur durch tun! Lass deinen Strich regelmäßig freien lauf. Es kommt bei den Übungen nicht auf das gelungene Ergebnisse an sondern auf den Rock´n´Roll, der dich die nötigen Erfahrungen sammeln lässt. Hinweis: Überspitze in dieses Übungen die Eigenschaften, zeichne Übertrieben um die Effekte zu begreifen: dick, dünn, hart, zart oder gar körnig? Und benutze verschiedene Stifte um herauszufinden was deinen Strich stärkt.


Entfesselter Rhythmus


Ich achte nicht in erster Linie auf den Umriss. Anders als bei Dir ist mein Fokus die Bewegung, es ist wie ein Lied das in meinem Kopf spielt, ich trommele den Rhythmus mit dem Stift. Ich gebe meinem Strich Freiheit, werfe die Hemmungen über Bord. Muss ich auch denn mein Leihhund Vodka bewegt sich ständig.Dabei halte ich meine Augen auf dem Hund und  zerlege ihn in Bündel von Strichen.

Tine Klein, Scotchterrier, der Strich, Zeichnung

Tine Klein: Wodka und der Jagdtrieb, Zeichnung mit Japan Kalligrafie Füllhalter


Augen auf das Objekt!


Das A und O ist die Kommunikation von Auge zur Hand und zum Strich. Eine weitere wichtigste Übung zum ausdrucksstark Zeichnen lernen, ist es die Augen auf dem Motiv zu halten und nicht aufs Blatt zu gucken. Lass den Strich einfach laufen und versuche das was du siehst auf das Blatt zu holen. Das Ergebnis ist nicht wichtig, wichtig ist das Training deines Gehirns, du wirst sehen du wirst schnell besser!

Diese kleinen Übungen sind es, die Augen und Hände eines Zeichners zusammenschweißen.

Schwarzmalerei, Blindzeichnung JP schwarz, Blog.Herz-der-Kunst.ch

Jp Schwarz Blindzeichnung

Wenn deine Blindzeichnung nicht so ausschaut, wie die von JP, lass dich nicht frustrieren. Die Augen und Hände von erfahrenen Zeichner sind eine Einheit. Du wirst auch so gut werden, wenn du dir eine Chance gibst. Nimm den Spaß und mach Dich auf den Weg!

Einen super Einblick in das Thema Strich, Textur und Schraffur gibt Albrecht Rissler in seinem Buch Zeichnen in der Natur.

Jan P. und Tine freuen sich, das ihr uns Besucht habt. Zeichnen ist unser Herzblut, viel Spaß dabei. Zeigt uns Eure Ergebnisse!  Wir freuen uns!

Bitte verteilt uns fleißig denn das ist der Lohn für unsere Arbeit!

 


Aufruf in eigener Sache:

In Männedorf, 15 min von Zürich wird ein neuer Zeichenkurs aufgebaut! Wenn Du Interesse hast oder einfach gerne in den Verteiler für die Spaziergänge mit Stift möchtest, dann melde Dich bei Tine, die freut sich!

http://www.herz-der-kunst.ch/kontakt.html


 

Das Herz der Kunst dankt der Schwarzmalerei ganz herzlich! Schaut Euch die wundervollen Zeichnungen von JP an!   😯 

www.schwarzmalerei.com

www.facebook.com/schwarzmalerei.jp/

 

 

 

 

 

3 commentaires sur “Der sprechende Strich

  1. JP vielen Dank das Du für die Feder eine Lanze brichst. Mir ist sie auch mit Abstand das liebste Zeichengerät, allerdings eher im Atelier.
    Einige von meinen Bekannten scheuen vor der Feder zurück u.a. auch weil mit ihr keine Korrektur möglich ist. Ich persönlich finde aber das dieser „Fehler“ mir eine wunderbare Freiheit in der Gestaltung gibt. Du hast es hier ja auch sehr eindrucksvoll vorgestellt.
    Nochmal vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
    Ein schönes kreatives Wochenende wünscht Bine

  2. Hallo Bine, freut mich, daß Dir der Beitrag gefallen hat. Die Feder ist ja nun wirklich nicht das einfachste Werkzeug, aber der Strich ist so einzigartig, daß sich immer mehr für sie begeistern lassen. Man muß sich nur mal rantrauen. Und dran bleiben. Federzeichnungen können zu Beginn sehr entmutigend sein. Ich habe zuerst mit einer Feder gezeichnet, die einfach nicht die richtige für mich war. Es hat dann fast zehn Jahre gedauert, bis ich mich nochmal an der Feder versucht habe und dann hat’s auf einmal gefunkt. 🙂

  3. Ich zeichne schon lange mit unterschiedlichen Federn und bin immer begeistert über die Gestaltungsmöglichkeiten die eine Feder zu bieten hat. Auch in Zusammenhang mit Lavierungen ist sie ganz stark. Im Atelier benutze ich sie mit Rohrer&Klingner Antiktusche. Es gibt diese Tusche in vielen verschiedenen Farben und sie trocknet wasserunlöslich auf. Deshalb ist sie auch gut geeignet in verbindung mit wasserlöslichen Farben.
    Ich denke in der nächsten Freiluftsesion werde ich Federzeichnungen auch mal draußen probieren.
    Liebe Grüße Bine
    +

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