Gouache, Wasserfarbe oder was?

Tine Klein Bern Bundeshaus in Goache

Bern in Gouache


Gouache? Geht doch gar nicht !?


Alles fing mit einer Tube oder Gouache Farbe an. Ich merkte in Chicago, dass meine Aquarellfarbe nicht in der Lage war die Verkehrslichter entsprechend darzustellen. Also ging ich in den größten Kunstladen Chicagos um mir eine Tube leuchtender Aquarellfarbe in rot zu kaufen. Die Verkäuferin war typisch amerikanisch, überschwänglich und nett und quatschte mir drei unterschiedliche Tuben Gouache auf. Sie meinte damit sei ich bestens gerüstet gegen all die Probleme des Aquarells.


Gouache hat einen schlechten Ruf!


Wenn ich eins hasse, dann ist es billige Wasserfarbe. Es ist der billige Mist aus dem Supermarkt, der reihenweise die Bilder meiner Schüler zerstört. Das ist keine Farbe, das ist eine Verschmutzung! Sowas würde ich niemals kaufen! Soweit so gut, das war meine vorgefasste Meinung zu Gouache. Ich kaufte die Farben, aber nicht weil ich sie haben wollte, sondern weil die Verkäuferin so nett war. Es war mir zu peinlich nein zu sagen.


Gouache – Wunder in Tuben?


Überrascht stellte ich fest, dass meine drei Tübchen Wunder wirkten! So wundervoll Aquarellfarben sind, manchmal sind sie die Hölle!

Ist das Licht einmal übermalt, ist es weg.

Meine drei Tuben ließen die Verkehrslichter auch in der Dunkelheit strahlen, das brachte mich zum grübeln.

Aquarellfarbe lässt sich nur schwer korrigieren. Das ist bei vielen Themen in der Malschule ein echtes Problem. Der Schüler soll fröhlich und frei zu Werke gehen ohne das Gefühl zu haben:

“ Ein Fehler, und das Ding es versaut!“

Ich fühlte mich wie ein Trüffelschweinchen, hatte ich eine Farbe gefunden die alles Möglich macht? Die Amerikaner waren von Gouache sehr begeistert. Ich hingegen hatte so meine Vorurteile. Aber eine Farbe die viel verzeiht das lockt….es verführt…es ruft!

Kurz um ich musste zuschlagen….. Als ich mich im Netz einlas, wurde schnell klar es gibt viel Schrott. Die Qualität liegt zwischen Supermarkt und Profifarben. Aber es muss ja einen Grund haben warum so viele Designer mit Goache arbeiten. Ich entschied mich bei einer Firma zu bleiben, im Aquarell habe ich gute Erfahrungen mit Schmincke gemacht.

Nun starre ich gierig auf 24 brandneue Tuben und es kribbelt in den Fingern


Wunder oder Wehe?


Die ersten Versuche waren total kläglich und all meine Vorteile waren bestätigt ,denn ich malte die Farbe genauso wie Aquarellfarbe und dann verhalten sich die Farben wie die billige kleine Schwester der Aquarellfarbe.

Sind die Farben mist?…Nö! Ich konnte sie einfach noch nicht richtig malen!


 

Das doppelte Lottchen


Aquarell Farbe und Gouache Farbe sind sich so ähnlich wie das doppelte Lottchen wenn man sie nass vermalt.

Für beide Farben kann man genau das gleiche Equipment benutzen. Beide Farben brauchen ein wassertaugliches Papier, am besten geleimt. Und beide Farben lassen sich wunderbar mit Aquarellpinseln vermahlen.

Nass verarbeitet ist die Aquarellfarbe strahlender als die Gouache Farbe,dennoch stellte schnell fest  mein Künstlergouache hat nichts mit dem Dreck aus dem Supermarkt zu tun. Sie ist zwar matt, aber total Pigment stark. Das sieht man auch an meiner Palette, da tobt nicht grade die Tristesse:

Tine Klein Gouache Palette

 

Nach und nach merkte ich das einiges für Gouache als Material spricht

Toll war insbesondere das ich beim Malen absolut spontan bleiben konnte, denn ähnlich wie bei Acrylfarbe konnte ich bedenkenlos Schicht über Schicht setzen. Mir wurde klar, Du kannst Fehler völlig unproblematisch beheben.

Ich hatte meinen Aquarellfarbe Kasten eins zu eins mit Gouache nachgebaut, das war nicht hilfreich.

Die ersten guten Ergebnisse erzielte ich, als ich den Gedanken losließ dass die Gouachefarbe das gleiche ist wie Aquarell.


Farbwirkung


Aquarellfarben können im Optimalfall klar und strahlend sein wie ein Kirchenfenster. Überall dort wo Farben Leuchtkraft entwickeln soll sind Aquarellfarben ungeschlagen. Ihre Stärke liegt darin, dass das Licht vom weißen Blatt zurück reflektiert.

Gouache wirkt er samtig fast etwas Puderig, Leuchtkraft entwickelt das Gouache, wenn man aufhört es wie Aquarellfarbe zu malen sondern mutig ist und die leuchtenden, konzentrierten Pigmente auf die Dunkelheit setzt! Im Gegensatz zu Aquarell werden diese Farben echt cool auf dunklem Papier.


Praktisch und völlig anders herum


Die Farbe malt sich einfach, wenn man sie genau so malt, wie man Aquarellfarbe auf keinen Fall malen sollte. Die Farbe ist so pigmentstark das man einfach ein helles rosa auf dunkel schwarz setzt und es sieht wunderbar aus.

Man kann mit ihr in feinen Abstufungen arbeiten, und Fehler sind überhaupt kein Problem denn man übermalt sie einfach.


Eine Farbe die verzeiht


Gouache Farbe ist ein wundervolles Medium um Malen zu lernen, denn es verzeiht. Im Skizzenbuch ist das Gouache die natürliche Ergänzung zu Aquarellfarbe.

Was die Aquarellfarbe nicht kann das kann Gouache und umgekehrt.

Motive in denen man korrigieren muss sind unglaublich gut für diese Farbe geeignet.  Ob Gouache wirklich so fehlerresistent ist habe ich für euch getestet . Ein großes Problem sind Portraits, denn ein winziger Fehler kann das gesamte Gesicht zerstören, also habe ich es mal ganz brutal getestet.


Porträtieren mit Gouache


Gouache wirkt so samtig Pastell, das ist gerade für Hauttöne richtig super.

Man arbeitet von dunkel nach hell.  Dass ich mir meinen Aquarellkasten in Gouache nachgebaut hatte, nützte überhaupt nichts, denn die Pigmente wirken völlig anders wenn man auf dunklem Papier oder von dunkel nach hell arbeitet.

Ich hatte mit der  Gouache schwer zu kämpfen, denn die Abläufe des Aquarell waren mir in Fleisch und Blut übergegangen. All das was bei Aquarellfarbe streng verboten ist muss man unbedingt tun um besondere Ergebnisse mit den Farben zu erzielen.

Aber es tut der Kunst gut wenn man ab und zu frech Regeln bricht.

Ich glaube Gouache hat einen völlig falschen Ruf weil sie einfach immer so verarbeitet wird wie Aquarellfarbe.

Gouache entwickelt seine Stärke am besten im Zusammenhang mit Dunkelheit. Man kann das Motiv ganz langsam aus der Dunkelheit heraus modellieren. Man braucht nicht so genau sein, denn man kann sich völlig frei herantasten.

Schicht für Schicht arbeitet man sich weiter und kann hell auf dunkel aber auch dunkel auf hell setzen.


 

Zerstören und aufbauen


Da ich aber wissen wollte ob die Farben wirklich so veränderlich sind habe ich nun das Auge dreimal total zerstört. Bei Aquarellfarbe könnte man dies niemals retten.

Zuerst habe ich die Augen mit Wasser vermatscht!  Ließ sich retten.

Dann habe ich abstrus helle Lieder gemalt.

Es ließ sich retten. Ok dann hauen wir einfach mal mit extrem viel weiß drauf!

So schaut die Augenpartie am Ende aus! Unglaublich oder man sieht gar nicht wie sehr ich gepfuscht und zerstört habe. Die Farbe lässt sich immer wieder aktivieren!

Ich war ziemlich happy mit der Farbe, die Investition in die Schmincke – Designer Goache hat sich gelohnt. Mich würde sehr interessieren wer von euch Erfahrungen mit Gouache gesammelt hat. Wo habt ihr positives und negatives erlebt?

Deshalb machen sie im Skizzenbuch vieles möglich was mit Aquarellfarbe gar nicht zu machen ist dieser Artikel hatte den Grundgedanken Aquarellfarben versus Gouache.

Doch am Ende muss ich sagen gerade für solche kniffligen Fragen wie das porträtieren oder das Erlernen von Perspektive in der Stadt ist die Gouachefarbe wundervoll geeignet. Sie ermöglichen möglich dir das angstfreie lernen. Sie ist prima dafür geeignet den Zusammenhang von Licht und Schatten zu erkunden, weil man keine Angst haben muss das Bild durch die Dunkelheit zu zerstören.

Wenn ich mir das nächste Mal Farben kaufe werde ich nicht so tun als wäre die Gouache Aquarellfarbe, ich werde zu viel krasseren und dunkleren Tönen greifen, weil ich genau weiß das ich diese Pigmente ganz wunderbar durch Weiß verdünnen kann.

Ich selbst male mit Schmincke Pigmenten, die waren sofort super intensiv.  Mein Irrglaube Gouache könnte nicht strahlen wurde geheilt. Mein Highlight ist, dass man die Farbe so malen kann wie Öl oder Acryl, das Skizzenbuch wird zur Leinwand und die ganz großen Techniken der alten Meister werden mit dieser Farbe im Skizzenbuch möglich.

Was geht und was nicht werde ich Euch in einer Artikelserie berichten, ich bin selbst noch gespannt was alles geht. Was sind die Tops und Flops der Gouache?

Ganz herzliche Grüße aus dem Herz der Kunst

Tine

Nächste Woche kommt der Blog nicht am Freitag, denn in den nächsten 14 Tagen werde ich live berichten wie das Malen im hohen Norden zu dieser Jahreszeit ist. Schaut mal rein,  es wird viel zu sehen geben.

Am 12. 5 bin ich im Boesner in Düsseldorf: http://www.kurse-duesseldorf.de/kurs/4509

Endlich mal wieder Zuhause!

4 commentaires sur “Gouache, Wasserfarbe oder was?

  1. Das ist ja klasse! Habe ich mir doch gestern Gouache Farben bestellt um sie mal auszuprobieren! Da kommt dieser Beitrag wie gerufen! Jetzt bin ich noch gespannter auf die Farben!
    Liebe Grüße
    Claudia

  2. Hallo Tine,
    das freut mich, dass die Gouache nun auch bei den Sketchern so langsam entdeckt wird! Ich male mit Begeisterung damit seit einiger Zeit.
    Klar, mit Aquarellmalerei hat das nichts zu tun, und wenn man mit deren Methoden rangeht, ist man irritiert und höchstwahrscheinlich unzufrieden. Ich benutze die Gouache in der deckenden Malerei als Alternative zu Acryl und Öl für unterwegs. Das ist ungemein praktisch und unkompliziert. und da sich die Farben schnell wieder anlösen lassen, malt recht sauber und ohne größere Farbverluste. Allerdings ist es doch am schönsten, wenn man die Farbe frisch aus der Tube gedrückt hat und man frisch und pastos losmalen kann….
    Jede ernst zu nehmende Farbfirma hat eine eigene Gouacheserie, und da gibt es viel zu entdecken. Gerne später mal mehr dazu, wenn es dich und euch interessieren sollte.

  3. Seit vielen Jahren gebe ich vhs-Kurse für Gouache (manche kennen die Farbe auch unter dem Begriff „Tempera“). Vorteilhaft ist, dass diese Farbe vieles verzeiht, weil sie Unschönes zuverlässig abdecken kann. Korrigieren zu können befreit weniger geübte Maler*innen.

    Auch wenn man die Farben sehr wässrig einsetzen kann (dann verhalten sie sich ähnlich wie Aquarellfarbe), entfalten sie ihr ganzes Können erst, wenn sie mit weniger Wasser aufgetragen werden – gerne auch mit einem Borstenpinsel direkt aus der Tube.
    Tuben sind den gepressten Farbtabletten, wie man sie aus dem Schulunterricht kennt, IMMER vorzuziehen, denn die weichere Tubenfarbe lässt sich wunderbar zu einem „Farbbrei“ in subtilen Farbtönen mischen.
    Trägt man die Farbe ohne viel Wasser auf, dann deckt sie nicht nur sehr gut, sondern es lassen sich so mit etwas Übung schöne „schummerige“ Farbübergänge erzielen. Ich bevorzuge ebenfalls Schmincke-Produkte (z.B. HKS Designers Gouache). Profis kommen tatsächlich mit vier Grundfarben aus (gelb, rot, blau, weiß), denn alle anderen Farbtöne lassen sich ermischen.
    Es gibt übrigens „Mischweiß“ und „Deckweiß“: Ersteres hellt die Farbtöne auf, ohne sie „dicht“ zu machen. Zweiteres deckt sehr zuverlässig. Wie beim Aquarellmalen sollte man aber nicht hektisch werden: Die Farben decken dann gut, wenn sie etwas Zeit hatten, um zu trocknen. Andernfalls löst sich immer wieder die untere Farbe mit an…

    Gouache läßt sich auch prima mit Farbstiften und Kreiden ergänzen und übermalen, wenn feine Strukturen gewünscht werden.

    Meine Empfehlung an Anfänger: Im Zweifel die gewünschte Fläche in einem „mittleren“ Farbton anlegen, denn dann kann diese Fläche problemlos sowohl zum helleren als auch zum dunkleren Farbton (bzw. zum wärmen/ kälteren) verändert und angepasst werden.

    Wer unterwegs mit Gouache arbeiten will, braucht einen Pappteller o.ä. (als Palette, zum Farben mischen) und einen Wasserbecher – die Wassermenge im AquashBrush genügt nicht, um die Farbe beim Farbwechsel zuverlässig aus dem Pinsel zu spülen.
    Die starke Deckkraft der Gouache übermalt übrigens auch die Linien des Füllers/Fineliners – will man sie erhalten, sollte man zuerst die Farbe, dann die Linien setzen.

    Beim USk-Treffen in Chicago hat die Künstlerin Maru Godas einen fröhlichen, spielerischen Workshop zum Thema „USk mit Gouache“ gehalten. Ich war leider nicht dabei, habe dies aber im Internet entdeckt…
    Ich hoffe, ich konnte ein wenig Mut machen für diese tolle Farbe – doch wie immer gilt: Erst wenn man die Farbe selbst ausprobiert hat, weiß man, ob man sie mag… 🙂

  4. Pingback: Farbiges Papier, Tipps und Tricks - Atelier Herz der Kunst

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