Malen lernen, eine Expedition ins Unbekannte

 


Wir sind eine Expedition


Für Markus, Thomas und Albin  aus Zürich

Während eines guten Gespräches und einem Glas Wein steckte mir Thomas ein Büchlein zu. Das kleine Büchlein enthielt Künstlersprüche. Einer davon hat mir ganz genau erklärt, warum ich so gerne Male.


Ein Bild ist eine Expedition ins Unbekannte


 

Mals hülerin von Tine Klein im Wald vor der Kunstschau in Worpswede

Irgendwo stand: Ein Bild ist eine Expedition ins Unbekannte, das hat mich mitten ins Herz getroffen!

Ich liebe es! Denn es ist der Alltagstrott, der mich am schnellsten innerlich tötet. Ich suche jeden Tag den abenteuerlichen Blick auf die Welt. Wahrscheinlich male ich deshalb jeden Tag so gerne denn es ist immer anders. ich kann meinen Alltag sehen und er ist so aufregend wie der Dschungel am Amazonas.

Natürlich plant man ein Bild ebenso wie eine Expedition genauestens, doch genauso wie bei einer Expedition fehlt einem im Bild die Fantasie um auch nur zu erahnen, was in einem unerforschten Gebiet passiert. Wenn man  die Füße das erste Mal auf die Ufer des Amazonas setzt und einem aus den tiefen des unerforschten Smaragd grünen Waldes goldene Augen anfunkeln, dann ist alles anders, das Herz rutscht in die Hose und plötzlich wissen wir:

Buchwissen nützt Dir gar nichts!

Genauso ist Malen eine Expedition ins Unbekannte. Man fängt an, alles ist geplant und wenige Sekunden später weißt du:

Oh Schiet! Alles ist Anders!

Planen ist gut, das braucht es auch, aber die Realität sieht ganz anders aus.

Die unglaubliche Masse der Dinge, die man beim Malen sieht, erschlägt einen, von einer Sekunde auf die andere steht man mitten im Dschungel.


Der Dschungel der Dinge


Malen lernen fasziniert mich seid je her, denn ich sehe plötzlich Dinge! Es ist als hätte man Halluzinationen, es tauchen Dinge auf die ich vorher niemals gesehen habe, obwohl, alles natürlich immer schon da war! Allerdings braucht man bei dieser Form des Sehens keine Tabletten vom Arzt; ein Stift und ein Skitzenblog helfen genauso.

Will ich all den Krempel sehen? Ja, ich will!

Gerade das ist ja die Faszination des Malens, eine neue Sicht auf die Welt und das man so unglaublich viel mehr sieht. Aber ich will mich trotzdem nicht von der Masse der Dinge ,die ich plötzlich sehe, erschlagen lassen, denn dann wird der Dschungel zum undurchdringlichen Dickicht.


Die süßen Früchte finden


Jetzt muss ich die Dinge im dem Chaos finden die richtig gut sind. Bei einer Expedition ins Unbekannte ist es immer gut, genau hinzusehen. Bei der Malerei auch, denn wenn man nicht nachdenkt, dann muss man die bittere Frucht schlucken, dass das Bild nicht wird was man will. Genauso wie bei einer Expedition mache ich einen Plan, der mich genau dahin führt wo ich hin will.

Hinwerfen oder ins Skizzenbuch beißen, könnten viele meiner Schüler, wenn mal wieder alles nicht so ist wie geplant

Doch welcher Forscher wirft schon hin, wenn der Amazonas anders ist als der Vorgarten?


Pläne ändern sich!


Es gibt zwei Varianten der Schüler, die einen planen überhaupt nicht. Sie machen zwar eine absolut genaue Vorzeichnung, aber dann gerät alles beim kolorieren außer Kontrolle. Die andere Art des Schülers ist so vorsichtig, das man Vorzeichnung und Farbe kaum sieht.

Diese Art des Forscher würde sich nur im schweren Schutzanzug einer Mücke am Amazonas nähern.

>Leg los du kannst Dich nicht vor dem Unbekannten schützen!

Das ist eine meiner Expeditionsplanungen, Farben und Motiv sind analysiert. Eine 3 min Skizze hilft mir mich in meinem Bild zu orientieren..

Regelmässig passiert es mir, das der Plan sich nach wenigen Sekunden ändert!

Planänderung bringt Freude und Frust

Eine Schülerin sagte, ich könnte jedesmal weinen, wenn es nicht so ist wie ich will.

Tatsächlich verändern sich Bilder aber so schnell, dass man sich ständig fragen muss: Was brauche ich jetzt!

Man darf Pläne ändern, Sie sind nur eine Orientierungshilfe!

Trotz des Plans verändern sich meine Bilder ständig. Oft sind es die Bilder die am besten werden von denen ich dachte sie sind total versaut.

Ein bisschen vom Plan steckt drin. Und 20 Minuten später gibt es wieder ein Bild in dem ein bisschen Plan steckt.

Motto des Tages: Was interessiert mich meine blöde Meinung von Gestern!

Eines ist wichtig, das Genießen beim malen nicht vergessen! Forscher müssen die süßen Früchte suchen und es wäre sehr idiotisch all die Zwänge der Zivilisation mit in den Dschugel zu nehmen

 

Liebe Grüße von uns aus Worpswede.

 

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