Menschen zeichnen und die richtige Proportion


Wie groß sind eigentlich 1,70 dahinten in meinem Bild?


Tine Klein, Aquarell, Skizze. Menschen zeichnen, Zeichnen lernen, kolorieren

Tine Klein schnelle Skizze mit Aquarell und I-Pad

 

Diese Woche stellte eine Schülerin von mir eine sehr schlaue Frage:

Wie groß muss ich eigentlich Menschen  in meinem Bild zeichnen?  Der Schüler neben ihr brummt: Zwischen einem Meter Sechzig und einem Meter Achzig, und grinst schelmisch.  Was natürlich mal wieder bewiesen hat, dass es keine dummen Fragen gibt, sondern nur blöde Antworten!

Jetzt steht die Frage im Raum : Wie groß ist ein Meter und Siebzig Zentimeter dahinten im Bild? Also sprich, wie groß muss ich Menschen zeichnen?

Das ist natürlich irgendwie irrsinnig….normalerweise antworte ich auf die Frage: „Wie groß muss ich einen  Mensch zeichnen?“:

Na, der Kopf muss durch die Tür passen!

Klar, ich bin da ziemlich praktisch gestrickt, da wo wir Menschen im Bild zeichnen, muss er zu der Größe der Autos und der Türen passen. Das ist die verrückte Welt der Zeichenlehrer. Ich grinse; man macht sich das Leben schwer, wenn man um zu viele Ecken denkt!

Aber selbst wenn das nicht passt, wie unten, sieht ein Bild mit Menschen immer eindrucksvoller aus als ohne:

Tine Klein, Aquarell, Skizze. Menschen zeichnen, Zeichnen lernen, kolorieren

Tine Klein Zürich Unterstadt Aquarell und I Pad

Jetzt aber gucken mich 10 Leute höchst interessiert an und fragen ja wo ist den so 1,70 genau im Bild!

Die Frage ist ein bisschen irre, jedoch sehr sehr gut, denn bei Menschen scheint die Perspektive ja viel kniffeliger als bei Häusern. Wir haben ja keine Hauskante, die man mal eben auf den Fluchtpunkt durchziehen kann. Da passiert es wie hier schnell mal, dass einer der Menschen ein wenig zu groß ist:

 


Drei-Dimensional


Die Frage ist wirklich super gut, denn wir wollen ja auf einem 2 dimensionalen Blatt die Illusion von Tiefe entstehen lassen. Wir brauchen also einen Vordergrund, einen Mittelgrund und einen Hintergrund und überall haben die Menschen im Bild eine andere Größe.

Da wir die Menschen ja nicht fluchten können, wissen wir nur das die Menschen im Hintergrund kleiner sein müssen und im Vordergrund viel größer und detaillierter.

Ist es ein Mysterium oder wissen wir doch mehr?


Die Augenhöhe hilft immer


Wer den Blog öfter liest, weiß es jetzt schon mehr. Die Augenhöhe ist die exakte Höhe deiner Augen beim Zeichnen. Sie ist in den meisten Büchern als Horizontlinie beschrieben.

Die Augenlinie ist so hilfreich weil, es auf ihr keinerlei perspektivische Verzerrung gibt. Um das jetzt mal vom Fachchinesisch zu übersetzen, alle köpfe sind im Bild brav aufgereiht, wie die Wäsche an der Leine.

Deshalb ist es so super praktisch Menschen perspektivisch zu malen, wenn wir selbst stehen!

Schau mal oben im Bild; die Köpfe sind ja nach Körpergröße alle mehr oder weniger auf einer Linie.


Die Köpfe der Menschen in einem Bild sind auf gereiht Vögel auf dem Stromkabel


Dies macht es in Bildern sehr einfach, die Menschen werden zwar in der Entfernung kleiner, die Köpfe bleiben aber auf einer Höhe.

Tine Klein, Aquarell, Skizze. Menschen zeichnen, Zeichnen lernen, kolorieren

Tine Klein, Aquarell, Straßenszene Zürich

Selbst wenn die Proportion mal nicht ganz richtig ist, sieht es immer irgendwie passend aus wenn die  Köpfe auf einer Höhe sind. Die kleinen Höhenunterschiede entstehen durch die unterschiedliche Größe der Menschen in dem Bild.

Du musst dich also nur grob an die Proportionen halten. Ober- und Unterkörper sind gleich lang und schon passt es.

Achtung, dies gilt nicht wenn du auf dem Fußboden sitzt, dann sind alle Kniescheiben auf einer Höhe! Nur schön für Sitzriesen oder Knie-Fetischisten !


Hilfe, ich hab einen Alien gesehen!


Der häufigste und scheußliche Fehler in der Anwendung dieses praktischen Phänomens ist, dass die Zeichner die Köpfe nicht schrumpfen. Achte also beim Menschen zeichnen auch darauf, dass wir alle die Neigung haben Köpfe zu groß zu zeichnen, das passiert ganz leicht und sieht sehr merkwürdig aus. Du wirst sehen, das passiert fast jedem! Auch mir manchmal! Wenn ich solche Bilder sehe, muss ich lächeln, da kommen ganze Raumschiffe mit Hunderten von von ET´s und gehen bei uns in der Fußgängerzone einkaufen! Wie cool ist das denn?

Viele Liebe Grüße ins Wochenende

Tine

Seid letzter Woche kann man sich im Blog anmelden, so erhaltet ihr eine Email, wenn der Blog veröffentlicht wird.

 

 

Der Bleistift ist der Klassiker


Der Bleistift  macht dich gut


Wir fangen an mit einem kleinem Geheimnis. Wo habe ich den Bleistift in dieser Skizze verborgen? Wie gut kennst du den Bleistift wirklich?

Bleistifte sind toll, denn Übung macht den Künstler gut. Dabei geht es um das Ausloten von Möglichkeiten und dies lernt man nur, wenn man es auch tut. Also braucht man Material, was stets zur Verfügung steht, deshalb ist es eine ziemlich schlaue Idee das Material so einfach wie möglich zu halten!

Also greif Dir deinen Bleistift und steck ihn schnell in die Tasche!
Was man in der Tasche hat, kann man auch immer benutzen!


Der Bleistift ist unbekanntes Kunstmaterial!


Ja, das meine ich ernst, wir alle glauben alles zu Wissen, weil wir Bleistifte aus Kindheitstagen kennen und sind deshalb total überzeugt, dass wir alles über den Stift wissen. Ich zum Beispiel habe den Bleistift gehasst. Dieses ständige Radieren, die Zögerlichkeit die dadurch ensteht und die relativ harmlosen Skizzen die dann entstehen.

So habe ich zumindest gedacht bis mir das gute Zeug in die Hand gefallen ist.

Doch Graphite so heißt der Bleistift als Kunstmaterial, entfaltet eine ungeahnte künstlerische Wucht.


Die meisten verdorbenen Zeichnungen beim Bleistift entstehen durch mangelndes Fachwissen


Es gibt 2 verschiedenen Bleistifte die sich toll im Skizzenbuch einsetzen lassen.

Der weiche und der ganz harte Bleistift.

Es gibt eine Härtegrad Skala von 9 h – 9B, tatsächlich nützt einem dies aber sehr wenig, denn die Skala ist nicht normiert. Es gibt einen guten Wikipedia Artikel  dazu den verlinke ich euch am ende des Artikels.

Die Firmen nennen ihren weichsten Bleistift einfach 8 oder 9 Hb und den härtesten einfach 1 oder 2 H.

Die Materialeigenschaften der Stifte sind aber enorm unterschiedlich. Während der eine 8 HB fast cremig und sehr schwarz ist, ist ein ist eine andere Marke viel härter.


Der harte Typ


Ein lockerer Strich ist das was was eine Zeichnung schön macht! Man sieht alle Unsicherheiten im Strich! Deshalb gebe ich meinen Schülern den folgenden Tipp:

Mach mit einem einem harten Druckbleistift die Vorzeichnung, denn dieser Stift ist präzise und bleibt fast unsichtbar, wenn du nicht aufdrückst. Ein härterer Bleistift wird niemals Schwarz. Dann machst du die richtige Zeichnung darüber und lässt deinem Strich hemmungslos freien Lauf!

Doch ein Tipp zu unserem Anfangsrätsel, nein in dem Bild wurde nicht vorgezeichnet!


Der sinnliche Bleistift


Der Bleistift, der sich als echtes Kunstmaterial eignet, ist der weiche Bleistift, er ist in seiner Eigenschaft fast cremig. Wenn man ihn aufdrückt, dann wird er rabenschwarz und wenn man in nur sanft über das Papier gleiten lässt, dann ist er nur zart Grau.

Diese Bleistifte sind Künstlerbleistifte, denn sie fangen das Licht.

Erst als ich diese Bleistifte entdeckte begann mein Versöhnungsprozess mit dem Bleistift, denn wenn etwas Licht fangen kann, dann ist es zauberhaft.

Übung: Durch Druck lässt sich die Linie in ihrer Stärke und in Ihrer Dunkelheit verändern. Wenn du also etwas zeichnest, dann musst du nicht absetzen um einen Schatten zu erzeugen, du gibst einfach Druck und schon ist der Schatten da.Dies siehst Du hier, der Stift ist erst grau als ich zögerlich war und schwarz als ich drückte. Dadurch gewinnt der Strich selbst in so einem 3 Minuten Akt Ausdrucksstärke und Licht.

Tine Klein 3 Minuten Skizze wasserlöslicher Bleistift

 


Holz versus Vollmine


Der Holzbleistift ist einfach die sinnvollste Version, fällt er hin, bleibt er heil und die Hände bleiben sauber.

Doch meine Liebe gilt den Vollminen-Stiften, sie zerbrechen ständig und ich bin dauernd dreckig, aber ich kann sie auch anders einsetzen. Ich kann den Stift oder die Mine auf voller Länge nutzen, was ganz andere Effekte erzeugt.

Wenn mann mit Graphite Blöcken oder Bleistiften ohne Holzummantelung arbeitet wird man mit lebendigen rauen Flächen belohnt, die enstehen wenn man das Graphite ohne Spitze flächig benutzt.

Tine Klein Art Graf Graphite

Nicht nur mit der Spitze zeichnen!


Wasserlöslicher Bleistift


Jetzt mal zur Auflösung des Rätsels: Ich habe mit wasserlöslichem Bleistift gearbeitet!

Wasserlöslicher Graphite ist ein extrem cooles Kunstmaterial, es gibt ihn in unterschiedlichen Grau und Brauntönen. Als Stift habe ich ihn bei Faber-Castell gefunden, dann heißt er Graphite Aquarelle. Er ist so toll, weil man mit etwas Wasser tolle Schatten erzeugen kann, doch Vorsicht!: Wenn ihr es noch mal mit Wasser oder Farbe überarbeiten wollt, kann es grau werden, oder sehr schwarz den das Graphite färbt!

Tine Klein Graphite Skizze Bleistift

Es gibt Bleistift aus der Dose oder als dicken Block  z.B. von Art Graf, das erklärt warum ich mit Graphite genauso arbeiten kann wie mit Aquarellfarben oder Kreiden.

Es braucht ein wenig Übung und Mut! 3 Starke Möglichkeiten, die Spitze, die Seite oder der Pinsel stehen zur Verfügung! Ich habe gestaunt und spielerisch gelernt.

Wenn ihr damit noch mal eine langweilige Bleistiftzeichnung macht, dann fresse ich einen Besen!

Ganz liebe Grüße ins Wochenende

Tine

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Noch mehr Wissen? Bleistift Wiki 

Wir stürmen das Museum mit Stift

Im Museum mit  Stift


Die Ausstellung ist wunderschön, in gedämpften Licht wirken die Giacometti Kunstwerke beeindruckend. Künstler im Museum sind etwas anderes als normales Publikum. Wir sehen mit den Augen und wir sehen mit der Seele und mit der Verbindung zwischen Hand und Hirn, wir wollen mehr als alle anderen das Geheimnis des Erschaffenen ergründen.

Ich möchte Geheimnisse von Giocometti eintauchen, was genau passiert zwischen Auge, Seele und Hand des Künstlers? Um das zu ergründen, male im Museum. Manchmal kopiere ich um die Zusammenhänge zu begreifen, doch meistens denke ich mit Stift darüber nach. Über Alberto Giacometti scheint eine dunkle Wolke zu hängen. Ich bin auf der Suche nach Licht, doch Licht ist nicht sein Thema.

Das Vergleichen lässt mich verstehen!

Tine Klein Stift Zeichnung Giacometti


Das Erlebnis Museum wird mit Stift zur Erfahrung


Ich kann jeden Menschen nur empfehlen mit Stift und Skizzenbuch ins Museum zu gehen.

Zeichnest du im Museum, ist das Erlebnis unglaublich viel tiefer. In dem du selbst Kunst machst, öffnest du im Gehirn die gleichen Prozesse und Vorgänge, du klinkst dich ein in den Prozess des Erschaffens und das gibt auf einen Schlag mehr Informationen als ganze Bücher.


Erst mit Stift scheine ich den Künstler zu begreifen


Als ich mich öffne, ergreift mich eine Wolke der Melancholie. Den die intuitiven und sensiblen Kanäle des Wahrnehmens sind offen: Während ich in den Strich des Anderen eintausche, erfahre ich viel über mich und den Anderen. Ich merke, wie wichtig mir das Licht in meiner eigenen Kunst ist. Während ich Giacomettis Strich ausprobiere, merke ich wie mein Strich ausbrechen will. Mein Stift ist mehr Freiheit und Lebensfreude gewohnt.

So fällt mir in dem guten Licht der Ausstellung zum ersten Mal auf wie eigenartig vernarbt die Kunst von Giacometti ist.

Ich stehe vor einer Statue und starre im sanften Licht auf die riesigen Füße. Eigenartig denke ich, die Füße kleben. Die kleine Statue scheint die Füße kaum vom Boden zu bekommen, Die Hände erinnern an Edward mit den Scherenhänden. Die Statue ist elegant und doch eigenartig hilflos, zart und schwer.

Plötzlich schrecke ich auf!

Der Kunstkritiker zu meiner linken, ein Pickelgesicht im „Jeder-vergisst- seinen-Kinderwunsch- Alter“, wirft ein:

Was sind das denn für Hackfressen!?

Lästerung in den Heiligen Hallen? Nein, ich grinse, Kunst braucht immer ein bisschen Revolution. Es wäre jetzt nur schön, wenn wir der kleinen Großmaul mal zeigen könnten wie schwer es ist selbst etwas Ausdrucksstarkes zu erschaffen!

Menschen müssen mitmachen um mit zu fühlen! Im Atelier wäre ich in drei Schritten bei ihm würde ihm einen Klumpen Ton auf den Tisch werfen und ihm dem Kampf mit der eigenen Kreativität ausliefern…hier mach selber!

Leider sind die wenigsten Museen auf Mitmacher eingerichtet…


Tine Klein Zeichnung mit Stift nach Giacometti

Tine Klein Zeichnung nach Giacometti!

Die meisten Museen sind nicht auf Macher eingerichtet, das kann man ja auch verstehen. Schade ist es trotzdem, denn zu sehen wie Kunst entsteht würde allen Beteiligten die Augen öffnen und viel Spaß bereiten.

Ein trockner Stift, mehr ist nicht erlaubt! Meine Museumsausstattung ist wirklich kein Luxus:. Harte Kunstmappe, Graphit, Rötel, Ölstift und Klemme für das Skizzenbuch. Aber die Kunst kommt aus dem Menschen, auch einfaches Material macht Spaß.

 

Wir bringen die Kunst mit ins Museum


Wir holen die Kunst ins Museum!  Künstlerisch arbeiten füllt die heiligen Hallen mit Leben! Das hier sind Macher! Mit ein paar Handgriffen verwandeln wir das Kunsthaus zum Atelier!

Herz-der-Kunst Gruppe, Zeichnen im Museum

Wir können jeden Menschen nur empfehlen mit Stift und Skizzenbuch ins Museum zu gehen, das Erleben ist anders. Es ist ein Unterschied wie Kino oder reales Leben. Mit Stift bist du drin im Kunstprozess und Du machst mit!


Kunst im Café


Viele Anfänger haben Angst mit ihren ungelenken Strichen in den heiligen Hallen so etwas wie „Gotteslästerung“ zu begehen. Die Gruppe gibt Schutz in den Massen der Kunstinteressierten, gerade Fachleute schüchtern ein, deshalb verteilen wir es am Anfang erst mal ein paar Tipps und Tricks und ein bisschen seelische Stärkung.

Alles was in der Ausstellung stören könnte, machen wir im Café.  Das Caféhaus war stets Keimzelle der Kunst. Trotzdem gibt es überraschte Gesichter, wenn die Kunst das Museum stürmt.

Hier wird diskutiert und vor allem auch gezeigt. Kunst in Aktion. Wie hat er das gemacht? Wir tauchen ab in Giacomettis Geheimnisse.

Das Handwerk ist die eine Seite der Kunst, die Seele gehört dazu wie der Name an der Tür.

 


Kunst mit Stift bring Ruhe und Zufriedenheit


In der Ausstellung ist Ruhe angesagt! Das Erste, was man bemerkt; Menschen mit Stift genießen die Ausstellung viel mehr. Viele Besucher wandern  rastlos von Exponat zu Exponat.

Wir sehen und erforschen in Seelenruhe. Die meisten Museen haben für die Besucher sehr bequeme leichte Klappstühle. Danach sollte man auf jeden Fall fragen, denn sie stehen manchmal nicht in der Ausstellung.

Schämen braucht man sich nicht! Auch Anfänger bekommen im Museum viel Zuspruch. Man merkt ganz deutlich, wie viele der Besucher würden gerne mitmachen würden! Für die Kinder sind wir oft die letzte  Rettung. Kunst ist die Brücke zwischen Jung und Alt.


Kleine Knigge für Museumsstürmer


Ruhige Plätzchen…


sind extrem wichtig, sonst regst du dich nur über Drängler auf.

Wenn wir vor den Infotafeln des Museums sitzen, müssen wir uns nicht wundern, wenn wir ständig gestört werden. Wir stören dann ja auch die Anderen.. Während sich in den Gängen der Führung die Leute drängen, haben wir am Rand völlige Ruhe. Achte einem Moment darauf wohin die Audio-Führung die Leute leitet, abseits davon finden sich gute Plätze zum Kunst machen.

In den Strich eines Anderen einzutauschen ist wie ein Selbsterfahrungstrip, dabei vergisst man so einiges! Man weiß das Kunst machen einen Flow erzeugt. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Macht Euch klar, dass wir einen Museumsbesuch  ganz anderes empfinden als normale Besucher.

Ein Künstler will  im Museum miterleben, lernen und sich austoben!  Ein Museum ist plötzlich lebendig, ein Abenteuerspielplatz. Zauberhafte Gedankenwelten durchblitzen das Gehirn.

Letztens in der Modern Tate hatte ich das dringende Bedürfnis nach einem Schneidbrenner, weil mir schlagartig klar war, dass sich der künstlerische Ausdruck  eines Metallkunstwerkes dramatisch verbessern würde, wenn….Gott sei dank war der  Schneidbrenner in der Ausstellung grade nicht zu finden.


I have a Dream!


Aber jetzt mal Spaß beiseite, da ich ja ganz oft Menschen zum Zeichnen in Museen begleite, sehe ich wie gerne viele Menschen mitmachen möchten.

Ich finde die Trennung von Kunst machen und Museum als unnatürlich.

Einerseits lieben es viele Besucher den Künstlern zuzusehen. Nach dem Besuch habe ich 4 Zuschriften bekommen. Ein Wildfremder hat ein Portrait von mir gemalt. Ein Besucher aus Hongkong hat mich angeschrieben! Alles Menschen die in der Ausstellung gern mitgemacht hätten.

Andererseits ist es auch gruselig den Kunstunterricht vom Museum zu trennen, denn die Qualität Kunst und Kunstunterricht driften auseinander. In manchen Kursräumen wird Kunstunterricht gemacht, der wäre schon 1917 verstaubt gewesen.

Nur einmal habe ich es in London erlebt, dass Kunst machen ganz natürlich in eine Kunstaustellung integriert wurde, damit schließt sich der Kreis

Nächsten Monat darf ich in der Augsburger Puppenkiste malen, das Theater hat ganz selbstverständlich Räume für Zeichner! Wie wundervoll!

Wir Danken den Kunsthaus Zürich für seine Gastfreundschaft und die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Bilder.

Hier noch ein paar Ergebnisse aus unserer Zeichen Aktion:

Kunsthaus Zürich, Skulptur von Giacometti

Kunsthaus Zürich Skulptur von Giacometti

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Giacometti hat sehr Ausdrucksstarke Skulpturen gemacht, das macht es leicht loszulassen.

Hie hat Tine eine freie Linien Zeichnung gemacht. Mit 2 Stiften gleichzeitig.

Tine Klein freie Linienzeichnung einer Skulptur nach Giacometti

Es ist merkwürdig, Leienkünstler finden Freiheit bei Künstler extrem lässig,

sich selbst setzen sie aber enge Grenzen.

Tine Klein freie Linien Zeichnung nach einer Skulptur von Giacometti

Tine Klein Freiheitsübung nach einer Skulptur von Giacometti

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin so extrem stolz auf meine Schüler sie ihre Eigenen Lösungen finden. Leider kann ich nicht jeden Namentlich erwähnen….Alle Zeichnungen sind nach Giacometti Skulpturen entstanden.

Liebe Grüße, seid glücklich und entspannt im neuen Jahr!

Tine

Seid ihr in der Schweiz? Hier kannst du dich unverbindlich in den Verteiler für den Spaziergang mit Stift eintragen, dann gibt es Infos wann was  los ist… 

Hier geht es zum Kunsthaus….

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Frei Malen braucht Revolution im Kopf


Frei Malen lernen ist schwer


Nicht etwas weil freies Malen oder Zeichen schwer ist, sondern weil es eine Sperre im Kopf gibt. Richtig und Falsch ist in unserem Kopf so tief verankert

Wenn etwas anders ist als erwartet, dann sind wir gefrustet, wir haben das Gefühl das wir total falsch liegen !!! Und das erzeugt dieses Gefühl von:

Ein Striche und schon habe ich es verdorben Gefühl

Kunst und Wissenschaft funktionieren nach Pipi Langstrumpf:

2 x 3 macht 4
Widdewiddewitt und Drei macht Neune !!
Ich mach‘ mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt ….

3 x 3 macht 6 – widdewidde
Wer will’s von uns lernen ?
Alle groß und klein
trallalala lad‘ ich zu uns ein.

Was wirst Du jetzt sagen 3 X 3 macht 6 das ist ja eine tolle Wissenschaft! Die wirklichen Denker jedoch haben sich an so etwas nie gehalten. Ich sag nur Einstein, es gibt keine berechenbare Erdanziehungskraft, sondern die Erde liegt in einer Raum-Zeit-Vertiefung, deshalb rollt fällt dein Stift auf die Erde zu, ist ja logisch da ist ne delle im Raum-Zeit-Kontinuum.

Oftmals ist um die Ecke denken ganz vergnüglich und was scheinbar wirklich Hässliches sieht mit anderer Perspektive ganz anders aus.


Kennst du noch das Gefühl des unerschrockenen Entdeckers?


Es ist dieses Gefühl, das man als Kind hatte, wenn man gut gelaunt mit Freunden draußen spielte. Als Erwachsener ist das alles viel schwieriger geworden, weil wir Angst haben beim Entdecken einen Fehler zu machen.

Man kann nichts entdecken, wenn man es von Anfang an verneint!

Letzte Woche habe ich euch ja erzählt wie sehr es mich ärgert, das mein Strich im Alltag manchmal vor Stress so hart wird.

Früher hätte ich gedacht so eine Minuten-Zeichnung ist völlig Wertlos…ihr Zweck ist die Übung und ich hätte meinen harten Strich verflucht.

schnelle-skizze

Mit einer veränderten Geisteseinstellung wirft der Fehler Dich das nicht aus der Bahn, Du macht einfach eine kleine Schönheit daraus. Auf hart gib sanft und schon sieht die Zeichnung oben ganz anders aus. Vergleich es ruhig, es ist die gleiche Zeichnung die blauen Linien sind nur beim Scannen verschwunden.

schnelle-skizze-kolloriert-1

Das ist zwar immer noch kein Meisterwerk aber nichts worüber man sich ärgern müsste.

Die meisten wirklichen Fehler entstehen aus unserer ERWARTUNGSHALTUNG:


Mach Dir den Fehler zum Freund


Fehler sind nicht Schlimmes, sie sind die Basis des Lernens und das scheinen wir ab einem gewissen Alter nicht mehr zu vertragen.

Jeder Versuch muss ein Erfolg sein!  Das erzeugt einen Wahnsinnsdruck, und macht uns mal ganz klar heraus gesagt schlecht.


Wie bringt man frei Malen bei?


Wir Zeichenlehrer sagen immer, du musst einfach loslassen. Fehler sind nicht schlimm, mach einfach mal!

Um ehrlich zu sein, dass hinterlässt Mallehrer und Malschüler hilflos zurück. Der Schüler sieht ja an Punkt x , das sein Bild blöd aussieht.

Kann man Freiheit überhaupt beibringen?

Die einzige Möglichkeit ist das Experiment und dann ausloten, wo die eigenen Grenzen und Möglichkeiten liegen.

 


Das Zeichenlabor Frei Malen lernen


Ausgangspunkt: Ich habe die Hürlimann Villa in der Mittagspause 1mal gezeichnet und 3 Farbstudien gemacht. Die Zeichnungen sind nicht zusammen gezeichnet, es sind 4 Originale die hinten und vorne nicht zusammen passen.

Viel Spaß bei der Entdeckungsreise:

Diese Zeichnung ist der Ausgangspunkt der Reise die Hürlimann Villa.

zeichnung-mit-hintergrund


Kolorieren mit dem Würfelbecher


Jetzt füge jetzt  Kolorierungungen mit dem Würfelbecher hinzu und wir schauen gemeinsam was passiert. Diese hier ist viel zu groß, aber lustiger weise wirkt es gar nicht so extrem falsch, denn der Geist des Bildes bleibt.

zeichnung-mit-motiv-1-gross

Jetzt mach ich die Kolorierung mal zu klein und der Turm  und der Baum passen gar nicht zur Zeichnung.

zeichnung-motiv-1-kleiner

Das Erste was wir uns merken können, hier passt doch gar nichts, wieso sehen die Zeichnungen nicht völlig verdorben aus? Wenn du das nächste Mal genervt bist bist, weil du wieder mal einen unverzeihlichen Fehler gemacht hast, dann denk dran es gibt keine unverzeihlichen Fehler.


Ein Fehler ist nur eine Wegkreuzung


Ich kann Dinge auf 1000 Wegen tun, wenn ein Fehler passiert, dann ist das nur eine Wegkreuzung zu anderen Möglichkeiten.

Ich kann in völlig anderen Farben arbeiten, hier zum Beispiel ist die Kolorierung viel zu klein und ob ich den Baum genau treffe ist dem Gehirn völlig egal, denn es erledigt selbst den Rest.

huerlirosa-unpassend


Selbst völlig Überzogenes geht


Die meisten würden diese Skizze ganz ordnungsgemäß in den Linien kolorieren, natürlich viel ähnlich und auch viel ordentlicher.


huerlimann-strucktur

Aber was passiert, wenn ich ähnlich und ordentlich auf den Kopf stelle? Wir machen es nun abstrus groß, ich vergrößere jetzt die Farbe mal um 300 Prozent…. und koloriere die Skizze mit dem Turm und einem riesigen Fenster.


Und wo liegt die Grenze?


Das herauszufinden ist jedesmal wieder ein Abenteuer! Wo deine Grenze liegt kann niemand für Dich entscheiden, wir finden es heraus durch Überraschung und ein wenig am Kopf kratzen.

huerliriesig

Das Haus hat eine Weihnachtsmannmütze, das ist jetzt extrem, aber trotzdem nicht schrecklich.

Unsere Angst vor Fehlern, ist völlig lächerlich, frei malen ist viel fehlertoleranter als gedacht. Der Spaß liegt darin sich wie ein Entdecker im eigenen Bild zu bewegen.

Unverhofftes ist kein Fehler sondern ein Geschenk

Ich hoffe ich konnte uns als Weihnachtsgeschenk die Angst vor Fehlern nehmen, wenn das nächste Mal was schief geht, lach und denk an mich. Versuch was draus zu machen anstatt die Flinte ins Korn zu werfen.

Genüsslich im Skizzenbuch stöbern

Eine Muße-Stunde mit dem Skizzenbuch von Detlef Surrey. Bei Anderen im Skizzenbuch zu stöbern ist einfach wundervoll. Für mich ist das wie ein Kochbuch zu lesen, auf der Suche nach guten Rezepten. Während die Sketcher sich munter im Pub unterhielten, habe ich mich mit Detlefs Skizzenbüchern in eine Ecke gekuschelt und mir geschworen, wenn ich mal über das Menschen zeichnen schreibe, dann möchte ich mit Euch in Detlefs Büchern stöbern.

Detlef Surrey kann mit wenigen Strichen Geschichten erzählen und das so gut, dass er seit Jahren in dem harten Geschäft des Illustrierens erfolgreich ist. Was ich an seiner Arbeit schätze? Seine freundlichen Augen, er zeigt das Menschliche und das Komische des Alltags. Wenn er mich zeichnet, dann fühle ich mich liebevoll ertappt.


Total erwischt!


Sizzenbuch von Detlef Surrey: Tine Kleins Workshop

Sizzenbuch von Detlef Surrey: Tine Kleins Workshop

Detlef hat mich schon häufiger gezeichnet und das sorgt immer wieder für heftige Lacher in meinem Umfeld.

Schon wieder mit Breitseite erwischt. Mein Atelierkollege meint, ich sei von Natur aus eine Comicfigur. Ich jedoch denke, es gehört extrem viel Können dazu einen Menschen erkennbar in ein 1 cm großes Strichmännchen zu verwandeln über dem ein Leuchtpfeil mit der Aufschrift: * schaut her dies ist… Tine!* hängt


Besser als Fahndungsfotos


Solche Bilder sind tatsächlich einprägsamer als Fahndungsfotos, weil sie extrem viel über Menschen erzählen.

Sie machen einen Menschen ganz deutlich erkennbar, weil sie kurz und knackig Eigenheiten und Umfeld beleuchten. Viel hilft dabei nicht viel, sondern es muss das Wesentliche sein, damit der Mensch erkennbar wird.

Ich muss Lachen wenn ich sehe wie gekonnt Detlef meinen Fahndungsbrief schreibt:

Blonde, kurvige Mallehrerin gesucht, mit einem Hang zu bunten Sommerkleidern (die Macht der englischen Gene)…Sie kann die Augen nicht von ihren Malschülern lassen und wacht wie eine Glucke über sie wie über die Entchen. Da muss ich selbst lachen, wenn ich das sehe. Oft ist das zwingende Erkennungsmerkmal die Körperhaltung: Ich habe vor Jahren mal eine Gehbehinderung gehabt und obwohl ich schon lange keine Probleme mehr habe, stabilisiere ich immer noch mit beiden Hände mein Becken wenn ich stehe…es ist ein Tick aus meiner Schmerzzeit…

Wieso wird der Mensch erkennbar?


Wie macht man einen Klecks zum Menschen und zur Story?


Hier geht es ja nicht um mich, sondern darum zu erkennen, wie man eine Story in einem Bild erzählt. Detlef reduziert gekonnt auf die wesentlichen Merkmale. Es sind einige wenige Eckpunkte:

Außerliches: Blond und Rund

Körperhaltung: Hände in die Hüfte gestemmt.

Accessoires: Immer im Happy -Kleidchen

Blick: Total fixiert auf die Gruppe

Umwelt: Stifte, Blätter, sichtbare Zeichenmaterial stützen die Story der Zeichenlehrerin

Was heißt das für unsere Skizzen?

Durch das Verdichten von Informationen wird eine Skizze zur Story…

Wenn ihr so arbeiten wollt, dann müsst ihr Indizien-Spuren legen. Ein rennender Mann wird durch Uhr und Aktenkoffer zum gestressten Geschäftsmann.


Good Vibrations  im Skizzenbuch


Good vibrations und ein paar Zusatzinformationen machen eine Skizze zu einer schönen Geschichte.

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Drink and Draw von Detlef Surrey

Das was wir uns von Detlefs Arbeit merken können, ist das man einfach nicht viel braucht, es geht um das Wesentliche

Diese kleine Zeichnung hat mich sofort angesprochen, die gute Stimmung bei einem Drink & Draw. Der Kern ist die freundliche Stimmung: Also 2 nette zugeneigte Gesichter, 2 Gläser Wein und ein Stift…fertig ist der Drink & Draw.

Beim zeichnen von Geschichten geht es nicht  um einen Anatomie-Wettbewerb, sondern um Menschliches.


Ja, das Menschliche


Der Alltag liefert uns immer wieder gute Stories, die wir oft ganz schnell vergessen. Diese Skizzenbuchgeschichte lebt vom Kontrast: Hinten tobt die Party, vorne stehen die Spassbremsen.

surrey-fr-perp-sardana-, Blog.herz- der- Kunst

Detlef Surrey: Fest in Frankreich

Natürlich ist diese Version schon etwas für Fortgeschrittene, aber das Prinzip kann man sich merken. Zeichnungen werden oft enorm klar durch Blicke und Gesten, ich glaube neben dem Blick, ist die Geste für Zeichner das wichtigste Werkzeug im Skizzenbuch.

 


Die kleine Geste


Die kleine Geste erzählt oft die eine ganze Geschichte, mehr braucht man nicht um den Kontakt zum Zuschauer herzustellen.

nachdenklich

von Detlef Surrey

Die Hand zeigt wie er nachgrübelt, nicht mal mehr der Blick ist notwendig.

Die Geste ist wichtig, um zu zeigen was ein Mensch denkt oder wie er sich fühlt, sie kommt von innen.


Der Blick


Der Blick ist unerlässlich überall dort wo Interesse signalisiert wird.

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Detlef Surrey: Straßenszene in Manchester mit Daniel Nies und Tine Klein

Daniel Nies hat einen wunderschönen Strich und ich schaue ihm immer wieder gerne beim Zeichnen zu. Detlef hat das eingefangen. Jeder sieht, dass mich Daniels Zeichnung interessiert. Warum?

Eine Besonderheit des Menschen ist, das er dem Blick eines Anderen folgt und daraus Informationen gewinnt, das ist so natürlich, dass wir alle vergessen wie besonders dies ist.

In unseren Zeichnungen können wir diesen Zusammenhang ganz einfach nutzen, der Zuschauer wird dem Blick unserer Zeichenfiguren folgen und damit können wir super zeigen was uns interessiert. In der Zeichnung zeigt man dann die Figuren ein wenig von der Seite. Eine eine kleine Drehung des Kopfes und die Blickrichtung wird sichtbar. Dafür müssen wir den Kiefer zeichnen, denn dann sieht man, wie jemand seitlich auf etwas schaut. ( wurde im Artikel der letzten Woche beschrieben)

Wenn wir auf Blick und Geste achten, dann werden unsere Zeichnungen lebhaft und belebt. Ich selbst habe losgelassen, Zeichnen ist für mich kein Anatomie-Wettbewerb. Ich liebe Zeichnungen, die die Geschichte des Lebens erzählen…

Was denkst du dazu? Wir wünschen Dir ein schönes Wochenende.

Vielen herzlichen Dank an Detlef Surrey.

 

Viel Spaß dabei ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende.

Tine

P.s. Hier könnt ihr noch in Detlefs- Blog und seinem Skizzenbuch stöbern

http://surrey-skizzenblog.blogspot.ch/

Das Wimmelbild fürs Skizzenbuch


Hoppla, da ist ja was los!


Hallo ihr Lieben, ich möchte Euch heute die Kunst meiner lieben Freundin Karin Schliehe vorstellen.

Wimmelbild, Karin Schliehe,Blog.Herz-der-Kunst.ch

Karin Schliehe Wimmelbild -Skizze Rivert. 

Karin pfeift auf starre Regeln.

Karins Bilder sind so voll Leben. Echt gruselig finde ich langweilige Bilder ohne Aussage, deshalb *predige* ich wie eine kleine *Inquisitorin* gegen Bilder ohne Bildzentrum.

Die Aufgabe der Kunst ist es heute, Chaos in die Ordnung zu bringen.

Theodor W. Adorno

Wieso das denn?

Was der gute Adorno uns sagen will, ist doch nichts anderes, als dass unsere hilfreiche Ordnung manchmal auch zur Zwangsjacke werden kann. Wenn es nur eine Sichtweise in dieser Welt geben würde, dann würden wir doch alle in einer Diktatur hocken! Eine vitale Welt muss einfach verschiedene Herangehensweisen haben.

Und deshalb macht es mir diebische Freunde mir regelmäßig zu widersprechen, denn wer an seine eigenen Leitsätze glaubt ist verloren. Künstlerische Freiheit gibt es nur, wenn man auswählen kann.

Heute stelle ich euch den lebendigen Gegenbeweis zum Bildzentrum vor:

Es lebe das Wimmelbild ! Mit seinem wackeligen Strich und seinem Chaos, seiner Frohnatur, seinem Leben, seiner Unordnung und seiner Wirrnis.

Karin: Aber mir scheint nirgendwo ist es noch gern gesehen in dieser ordentlich-geregelten, standardisierten, klaren, von Qualitätskontrollen gespickten, so wunderbar hübsch aufgeräumten Wirklichkeit.

Tine: Stimmt doch gar nicht, die Leute lieben Dich dafür, das Du ausbrichst! Ich hab dir ja auch sofort mein Herz nach geworfen!!


Heute räumen wir mal auf, mit klarer Realität, es wird wimmelig!

 


Wenn ihr jetzt mal oben in Karin´s Skizze schaut, dann wimmelt es da nur vor Leben. Ich wette, ihr findet auch beim zweiten oder dritten hinschauen noch etwas Neues und Verstecktes.

Anders als beim Bild mit Bildzentrum, bei denen ich meinen Betrachter mit der Nase darauf stoße was toll ist, entwickelt das Wimmelbild seinen Charme durch die überreiche Fülle an interessanten Dingen die darin verborgen sind!

Wenn man mit der Nase drüber hängst und immer wieder was Neues findet, dann sind Wimmelbilder gut.

Eine Königin dieses Metiers ist Karin, ihre Bücher wurden in 9 Ländern veröffentlicht, weil Kinder und Erwachsene immer wieder gerne reinschauen. Karin hat eine ganz liebenswerte Strategie, sie tanzt ihrem Betrachter auf der Nase herum!


Wimmelbilder müssen Lust auf mehr machen


Klarheit und Plakativität sind heute visuelle Normen. In der Zeit der Smartphones und des visuellen Overkills hat ein Bild nur noch Sekundenbruchteile um Aufmerksamkeit zu erregen.

Doch hier liegt oft das Problem der Wimmelbilder: Gehetzte Erwachsene nehmen sich nicht mehr die nötige Zeit, dadurch entgeht ihnen das Beste in dieser Bilderflut:

Musst Du deinen Betrachter wie einen Hund auf die Fährte setzen!

Gestresste und Gehetzte brauchen einen Aufhänger um ins Bild zu finden. Karin macht dies im ersten Bild mit dem knallroten Kopf, der lockt das Auge ins Bild und gleich nebenan, findet man die nächsten tollen Dinge. Was zeigt, dass Wimmelbilder zwar völlig intuitiv sind, aber nicht strategielos.

Merke: Einen Lockruf ins Bild geben ist wirklich praktisch, damit der Betrachter verweilt. Dieser Lockruf ist aber etwas anderes als ein Bildzentrum, der Lockruf ist die Tür in eine andere Welt.

wald

Karins Sirenenruf in dieses Bild ist der frech bunte Baum und erst bei näherer Betrachtung erschließt sich die Geschichte im Bild. Das Strandleben und die Hunde sind das Entzücken auf den zweiten Blick.


Ein Wimmelbild ist ein Spiel!


Es macht Spaß verborgene Dinge zu finden. Dein Betrachter wird zu Sherlock Holmes. Es gibt ganz verschiedene Strategien Wimmelbilder zu machen:

Es muss viel zu gucken geben!

Bei einer enormen Fülle von Dingen, die du zeichnen musst, wird du versucht sein dich dauernd zu wiederholen. Das kann gefährlich sein.

Es darf frech sein!

Alles was Aufmerksamkeit erregt ist gut! Karin´s Hingucker – Baum ist nicht nur frech bunt, nein, der Ast ganz rechts macht auch noch einen Looping.

Charme, Witz, Überraschung und Herausforderung – die besten Freunde des Wimmelbildes.

Kurzum, unterhaltsam soll es sein, es muss Spaß machen in ein Wimmelbild zu gucken!

Was kannst du daraus mitnehmen? Selbstbewusstsein!


Aufruf an Egoisten: Macht das Denken mal aus und zeichne nur zum eigenen Glück.


Karin: Wir wenden uns nicht zuallererst an den Konsumenten und Betrachter, dessen Augen gerade am ertrinken sind. Wir denken einfach an uns. Zeichnen weltentrückt und selbstgenügsam , detailverliebt und überbordend…haben heute mal keine Regeln.


Coole Lokations sind…..


Am besten kann man Wimmelbilder zeichnen wo es wimmelt, zum Beispiel vor Menschen. Party, laute Musik, Menschenmengen oder angehäuftes Durcheinander!

Alle Locations, wo ein wenig das Chaos tobt, sind bestens!

Tipp: Finde eine kleine Nische der Zuflucht! Und dann starte in die ungezügelte Welt der Wimmelbildmacher. Lass dich mitreißen, schaue tiefer und mach einfach! Ratio Adé


Am besten ist es, wenn Planung nicht möglich ist!


Das was im Bild entsteht hat nichts mit einem Foto zu tun, die Akteure wechseln ja ständig.

Trau Dich: Karin Schliehe, Wimmelbild, Blog Herz-der-Kunst

Locker bleiben ist alles, gerade die Dynamik und die ständige Wandlung geben den Skizzen ihren Charme.


Der Charme des Unberechenbaren so macht es Karin:


 

In der Menschenmenge gibt es keinen Platz für Höckerchen, man muss im Stehen zeichnen, das lockere Zeichnen aus dem Handgelenk ist unerlässlich und dies gibt der Linie seine eigene Art von Instabilität, was das Ganze reizvoll macht!

Der eigentliche Trick ist Lockerheit.

(Anmerkung von Tine : Man muss sich auf jeden Fall Fehler verzeihen und unverzagt weiter machen! Dann wird man mit tollen Zeichnungen belohnt.)


Wimmelbild in der Fussgängerzone


 

Mein Blick schweift umher, hangelt sich den dicken Mann mit dem ausgefransten Schnauzer, um ihn mittels Stift groß in die linke Bildecke zu stellen.

Verfängt sich an der aufgehübschten Dame mit der Turmfrisur. Die setz ich gleich neben den Schnauzer-Herren.

Sieht vorbei eilende Passanten mit Kapuzen und Mützen, einen an der Leine zerrenden Hund, um mit allen zusammen die Bildlücken zu füllen.

Die Linien laufen hin und her, verwuseln, verstricken sich und verschlingen das Dargestellte zu einem munteren Miteinander.

Wie gut, dass die Menschen nicht stehen bleiben wollen, sich nicht vor mir zu einem Gruppenfoto aufstellen oder noch schlechter, damit ich sie in Ruhe und überlegt auf das Papier setze.

So kann ich beschwingt ans Werk gehen und der Bewegung sei Dank, mit meinem zeichnerischen Schmetterlingsnetz hinterherhüpfen, um sie einzufangen in meinem nächsten Wimmelbild.

schmuckfarben: Karin Schliehe, Wimmelbild, Blog Herz-der-Kunst

 


Menschen sind Schmetterlinge wir fangen sie mit Netzen!


 

Versuchs doch mal! Gerade im Herbst und Winter ist diese Technik eine gute Idee um Skizzenbuchseiten nach und nach zu füllen.

Du wirfst dein Netz aus wann immer und wo du Lust hast und lässt das Motiv auf deine Seite flattern.

Nur zum eigenen Vergnügen!

Ein ganz lieber Gruß von den beiden blonden, Sirenen ins Wochenende. Hat uns mal wieder richtig Spaß gemacht!

Tine und Karin

Das Herz der Kunst veranstaltet im Aargau und rund um den Zürichsee Ausflüge mit Zeichenunterricht: Der Spaziergang mit Stift. Tine ist immer dabei. So einfach ist es: Ihr sendet Eure E-mail, dann kommt ihr in den Verteiler. Einmal bis 2 mal im Monat gibt Info´s über Zeichenevents. Wenn du Lust hast kommst du einfach mit. Wenn nicht, hat du keine Verpflichtungen: http://www.herz-der-kunst.ch/kontakt.html

am 26. Nov. geht es auf in den Botanischengarten traumhafte Winter-Sketching-Location:

Botanischergarten , Tine Klein, Spaziergang mit Stift


Die beste Idee der Welt


Karin hat einen Kunstautomat, sie sitzt drin und zeichnet Fotos, was für eine Gaudi! Belohnt Karin durch eifriges Teilen!

Man kann Karin´s Kunstautomat für Veranstaltungen buchen!

Das ist die schönste Idee von der ich jemals gehört habe:

Hier geht´´s zu Karins Kunstautomat:

Hier geht´s zu Karin bei Instagramm: