Das kleine Atelier für Zuhause!

Das kleine Atelier für Zuhause! Aquarell Basel Spalen. Tine Klein Spalentor Basel, Basel Spalen

Basel Spalen, Blick zum Spalentor

Kunst und Chaos!

Meine kreative Kraft ziehe ich aus dem Zufall.

Muss deshalb mein Atelier die Brutstätte der nächsten Seuche sein?

Ich kann mich an das erste Bild erinnern, das ich teuer in einer Galerie verkaufte. Die Entstehung war der reine Zufall. Ich hatte einen Anteil an einem Atelier gemietet, und die Malerin vor mir hatte einen Haufen Farbreste und Verwüstung hinterlassen. Während ich versuchte, ein wenig Platz zu schaffen, kippten zwei Farbtöpfe um und hinterließen große Flecken auf meiner Leinwand. Meine Wut war groß, doch die Mustererkennung in meinem Kopf machte daraus ein Bild und ich musste dieses nur noch schnell auf die Leinwand bringen.

Diese Idee ist mir sozusagen aus dem Chaos zurückgeflogen.

Ich kann mich erinnern, wie ich glücklich zwischen all diesem Müll saß und mit dem Föhn Farbflecken durch die Gegend trieb. Ein eindrückliches Erlebnis, das meinen Stil prägte. Bis heute sind diese Flecken mein Markenzeichen.

Ich und das Chaos sind blutsverwandt

Ich und das Chaos, wir sind zwei gute und liebevolle Schwesterherzen. Meine Wohnung wird niemals aussehen wie ein  Möbelhaus.

Ganz im Gegenteil, ich ziehe meine Macht aus dem Chaos.

Aus einem chaotischen unaufgeräumten Kühlschrank entstehen die hochgelobten und unerwartet guten Reste-Dinner. Das, was andere lähmt, scheint mich  erst so richtig auf Touren zu bringen.

Liegt das Chaos in der DNA der Kreativen?

Ich vermute, dass der Zusammenhang etwas anders gestrickt ist. Kreative basteln in ihrem Kopf sehr gerne an vielen Dingen herum. Sie erschaffen neue Dinge im Geist. Diese geistigen Räume sind hochinteressant, farbenfroh und bunt. In dem Moment, wo man in dieser wunderbaren farbenfrohen Welt steckt, wird der reale Raum unbedeutend. Vermutlich könnte man viele Kreative einfach in die Ecke setzen und sie hätten trotzdem ihren Spaß.

Während der Kreative jedoch in seiner Geisteswelt steckt, hinterlässt er in der realen Welt eine Spur der Verwüstung.

Ich wache auf und denke:

Oh  Gott,  ich bin Gozilla!

In vielen Beratungsbüchern steht, man solle immer im Jetzt und Hier sein. Nur, so funktioniert mein Gehirn nicht!

Ich brüte das Neue in meinen inneren Räumen aus.

Diese Räume haben nichts mit der realen Welt zu tun, und mein kreativer Prozess wird unterbrochen, sobald ich immer wieder rückwärts in die reale Welt gezogen werde.

 

Kreativität funktioniert bei mir wie ein Bach, der sprudelt!

Was reißt uns aus dem kreativen Prozess?

Wenn es optimal läuft, sind Kunst und Malen Prozesse, die weitgehend unterbewusst ablaufen. Die Gedanken und Ideen strömen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem man plötzlich und ungewollt aus diesem herrlichen Zustand des Flows gerissen wird.

Für mich fühlt sich das so an, als wenn ich gerade schön fliege und dann mit dem Kopf vor eine Fensterscheibe pralle.

“Mein Beileid an alle Stadtvögel.“

Der häufigste Grund, warum ich aus meinem Schaffensfluss erwache, ist,  dass mir irgendetwas fehlt, was sich gerade dringend brauche. 

Kunst braucht Ordnung

Ich ziehe meine Kraft oft aus dem Unerwarteten, und gerade deshalb sollte ich  in dem Moment nicht herumsuchen müssen!

Deshalb sollte man sich kurz darüber Gedanken machen, wie man seinen Arbeitsplatz organisiert, damit  die kreative Arbeit ungestört verlaufen kann.

Ich möchte wie ein Schlafwandler arbeiten können.

Das Atelier oder der Malarbeitsplatz:

Prinzip Nummer 1: Weniger ist mehr!

 

 

Ich besitze nur eine kleine Kiste, in der ich Kunstmaterial aufbewahre.

Ich wünschte,  das wäre so, denn meine Kiste heißt Haus und irgendwie gibt es überall ein bisschen Kunstmaterial. Trotzdem gilt der Grundsatz:

Weniger ist mehr.

An meinem direkten Arbeitsplatz gibt es nur Kunstmaterial, was ich wirklich brauche.

Auch wenn ich gerne mit sehr unterschiedlichem Graphit arbeite, so bewahre ich an meinem Arbeitsplatz nur meinen Lieblingsbleistift auf und nicht die gesammelten Errungenschaften meines Lebens. Keine Kohle, keine Vollminen-Bleistifte, keine Druckbleistifte, einfach nur meinen abgenutzten Lieblingsbleistift.

Sonst gilt: Ein Griff und die Sucherei geht los!

Das wichtige Material muss in Sekundenschnelle griffbereit sein.

Mein Arbeitsplatz ist clean. Ich brauche keine Gestaltung, denn die sehe ich im kreativen Prozess nicht!

Mein Tipp: Arbeite mit wenig und nur dem Kunstmaterial, das du kennst!

Kunst ist zum großen Teil Timing, sehr häufig kommt es bei Kunsttechniken auf die Geschwindigkeit an. Also muss das Kunstmaterial griffbereit sein. Und noch viel wichtiger, man darf nicht jedes Mal mit anderem Material arbeiten, denn dann kennst du das Timing des Materials nicht!

Vom Schreibtisch zum Atelier!

Oft sind es sehr einfache Dinge, die einen normalen Schreibtisch in einen großartigen Arbeitsplatz verwandeln.

Der Schreibtisch sollte so aufgebaut werden, dass bestimmte Dinge immer den gleichen Platz haben und auch ergonomisch sind. Das hört sich jetzt vielleicht völlig selbstverständlich an. Steht ein Wasserbehälter immer gleich und richtig, kannst du ihn benutzen wie ein Schlafwandler.

Meine Tipps sind alle unglaublich einfach:

• ein Haken unter dem Schreibtisch sorgt dafür, dass ein Lappen jederzeit griffbereit ist

• ein Loch in der Arbeitsplatte sorgt dafür, dass das Wasser stets an der gleichen Stelle ist und niemals umkippen kann. Diese Löcher erzeugt man mit einem einfachen Aufsatz für die Bohrmaschine. Diese gibt es preiswert im Baumarkt.

Das kleine Atelier Zuhause. Tine klein zum optimalen Schreibtisch für Maler, Urban Sketcher und Aquarellisten.

• Das Arbeitsmaterial, das man braucht, sollte sichtbar und griffbereit sein! Ich benutze dafür einen Mauerstein: Pinsel, Stifte stehen hier griffbereit in den Löchern. Eine andere Variante ist es, Löcher in die Arbeitsplatte zu bohren. Hier stehen dann Stifte und Pinsel wie die Zinnsoldaten.

• Gutes Licht, wer nicht sehen kann, kann auch nicht gut malen. Früher waren gute Arbeitslampen extrem teuer. Heute ist dies überhaupt kein Problem mehr, es gibt Glühbirnen, die man per Fernsteuerung auf die optimale Lichttemperatur einstellen kann. Diese gibt es in jedem Baumarkt oder sogar bei Ikea.

• Wer mit Farbe arbeitet, braucht auf dem Schreibtisch eine schräge Fläche. Wie leider so häufig bei seltenem Kunstmaterial gibt es dafür keinen echten Fachbegriff. Man findet diese Schreibtischaufbauten unter den Begriffen : Malbrett, Tabeleasel, Workstation oder Laptop -Desk. Die schräge Fläche steigert die Qualität von Kolorationen enorm. Kostet nicht viel. Meines hat ca. 30 Franken oder Euro gekostet.

Das tragbare Atelier -Immer griffbereit!

Viele Menschen haben in ihren Wohnungen wenig Platz, erst recht für ihr Hobby. Meine Schüler berichten mir, dass sie sofort weniger malen, wenn das Kunstmaterial nicht griffbereit ist.

Ein fest aufgebautes Heim-Atelier ist also sehr sinnvoll.

Die Malplatten sind aber auch ein Geheimtipp für ein fest aufgebautes Heim-Atelier. Man macht mit der Bohrmaschine ein paar Bohrungen in die schräge Platte, dann kann man  alles, was man zum Malen braucht, auf diesem Mini-Schreibtisch befestigen. Pinsel, Stifte und Wasserbehälter finden Platz in den Bohrungen. Papier und Farbkasten können darauf liegen.

Dieser Arbeitsplatz ist mobil, die Platte wiegt ja nichts und man kann sich jederzeit zur Seite stellen, oder unter Bett und Sofa verschwinden lassen.

Ich wünsche euch ein wundervolles Wochenende!

Liebe Grüße Tine.

Übrigens mein Atelier ist nicht clean, es gibt eine Kuschelecke mit Schaukelstuhl, Blumen und Chaoshaufen XD.

Hier findet ihr Anleitungen auf Pinterest Pnterest.https://www.pinterest.de/kritzeltine/kunstmaterial-und-schreibtisch/

 

 

 

 

 

4 commentaires sur “Das kleine Atelier für Zuhause!

  1. Liebe Tine

    Danke für diesen schönen Post. Er inspriert mich mein Atelier/Büro aufzuräumen. Nur hab ich noch eine Frage: Du schreibst man brauche für die Farbe eine schräge Fläche auf dem Tisch. Aber wieso genau? Läuft dann nicht die ganze (Wasser-)Farbe runter?

    • Guten Morgen Kathy, eine sehr gute Frage. Ja die Farbe läuft, aber nur wenn es viel ist. Ansonsten hält sie sich selbst durch Adhesion. Falls du es nicht kennt, das ist der kleine Berg über dem Rand vom Wasserglas. Es gibt 3 Gründe: 1. Farbverläufe die kannst du durch die Schräge erzeugen. 2 Du kannst damit kontrollieren wohin die Farbe läuft, soll der Himmel blau bleiben kannst du schon im der nassen Farbe mit grün oder Gelb weiterarbeiten, das Grün bleibt unten der Wald entsteht im Blau des Himmels ohne, das der ganze Himmel grün wird. 3. Und am wichtigsten es entstehen weniger Wasserräder, weil sich keine Pfützen bilden. Wenn die Farbe läuft dann wartet unten ein Papiertaschentuch. Liebe Grüße Tine. Danke für die tolle Frage.

      • Danke vielmals für die Erklärungen, liebe Tine! Ich werde das definitiv ausprobieren. Sobald ich mal wieder meine Schreibtischplatte sehe, werd ich sie upgraden und eine Brettkonstruktion drauf machen. V.a. das mit dem weitermalen ohne dass der Himmel grün wird überzeugt mich. Das Warten ist doch eher nicht so für much bis der Himmel trocken ist.

  2. Ich schaue von meinem Arbeitszimmer (ich hab tatsächlich ein ganzes Zimmer nur zum Malen) zu deinem tollen Schreibtisch und kriege einen Schreikrampf. Mein ganzes Haus ist ordentlich, aber im Atelier krieg ich das nicht hin 🙂
    Ich bin allerdings dabei, Frieden mit meinem Chaos zu schliessen: weil ich sonst eine sehr strukturierte Person bin, brauch ich wohl im kreativen Raum ein Gegengewicht (man findet doch immer gute Ausreden).
    Danke für deine Posts, die mir jedesmal ein Grinsen und zustimmendes Nicken entlocken.
    glg, Silvia

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