Naples , Buff oder Titanium – die Bad Boys in der Aquarellgeschichte.
Jahrelang waren diese Farben im Aquarell strengstens verboten. Und dahinter steckt eine sehr lange Geschichte.
Dahinter steckt eine Ideologie. Das ist fast wie eine politische Kampagne, bei der man einen bestimmten Lebensstil ausgrenzt. Was du machst, ist anders!
Raus mit dir!!!!
Titanium White (Titanweiß), Naples Yellow (Neapelgelb, meist die moderne Mischung) und Buff Titanium waren lange Zeit bei vielen traditionellen Aquarellisten verpönt, weil sie deckend sind. Das widerspricht dem klassischen Aquarellverständnis, denn Aquarell ist transparent.
Das Weiß kommt vom Papier.
Licht entsteht durch ausgesparte Flächen.
Farben sollen möglichst transparent sein.
Wenn du Weiß brauchst, dann kannst du nix!!!! ?
Und zum Teil sind diese Ansichten einfach eine Modeerscheinung, aber es gibt gute Gründe, warum diese Farben tabu waren!
Buff Titanium, Neapelgelb und Titanweiß machen Farben matt.
Eines haben diese Farben gemeinsam: Sie enthalten Titanweiß.
Titanweiß (PW6) ist eines der deckendsten Pigmente überhaupt. Mischt man es mit anderen Farben, werden diese:
- heller,
milchiger,
weniger transparent.
Genau das wollte man im klassischen Aquarell vermeiden.
Neapelgelb hatte ein ähnliches Problem. Das ursprüngliche historische Pigment war sogar hochgiftig und bestand aus Blei-Antimon-Verbindungen. Die heutigen Neapelgelb-Töne sind meist Mischungen aus Titanweiß mit Gelb- und Ockerpigmenten.
Sie enthalten also häufig einen hohen Anteil deckender Pigmente und wirken deshalb eher pastellig.
Buff Titanium wurde noch später eingeführt. Es basiert meist auf Titanpigmenten mit einem warmen Beige-Ton. Auch diese Farbe ist halbdeckend bis deckend und erzeugt sofort sanfte, gedämpfte Mischungen. Viele Puristen empfanden das als „Abkürzung“, weil man damit sehr schnell natürliche Sand-, Stein- oder Hauttöne erzeugen kann.
Die Ächtung dieser Farben hatte gute Gründe!
Kann jemand nicht richtig mischen und hat auch so schon Probleme, schöne, saubere Farben zu erzeugen, und wird bedenkenlos gemischt, dann entstehen nicht nur dreckige Farben, sondern auch noch schlammig-matte Farben.
Schon mal Erbsensuppe wie schon gegessen!
Warum macht Bad Boys küssen dann so viel Spass?
Interessanterweise hat sich die Sichtweise in den letzten 20 bis 30 Jahren deutlich verändert.
Ich kenne nur noch wenige renommierte Aquarellkünstler, die keine Farben mit Titan verwenden.
Die Effekte, die man dadurch erzeugen kann, machen das Malen vielfältiger und spannender, weil die Farben, vorsichtig eingesetzt, wunderbare Effekte erzeugen.
Heute werden diese Farben ganz bewusst eingesetzt, und sie sorgen für tolle Effekte.
Ich benutze sie oft, um Teile eines Bildes zurückzunehmen. Hier möchte ich, dass das Interesse auf der Klippe, den Bäumen und dem Meer bleibt. Deshalb dämpfe ich die Villa und das Grün drumherum mit ganz wenig Titan. Um genau zu sein: mit Buff Titanium.

Wanderweg zwischen Palamos und Sant Feliu de Guixols Tine Klein
Eines ist klar: Buff Titanium, Neapelgelb und Titanweiß sind im Prinzip genau dasselbe, bis auf ein bisschen Färbung!
Titanium ist weiß, Neapelgelb leicht gelblich und Buff gräulich-sandig.
Titanweiß – der stärkste Stoff!
Im Grunde ist Titanweiß der Grundbaustein.
- extrem deckend
- sehr stark aufhellend
- kühlt Mischungen leicht ab
- höchste Deckkraft der drei Farben
Buff Titanium – wo setzt man es ein?
Sehr vorsichtig. Titanweiß pur setzt man im Grunde nur als winziges Lichtpünktchen ein. Es wirkt großartig, wenn man es für kleine Lichtreflexe verwendet. Gut geeignet ist es auch für winzige nachträgliche Korrekturen.

Großflächig eingesetzt wirkt es schmierig und hässlich.
Aber auch beim Mischen kommt es gut, wenn man es einfach benutzt, um Farben zu brechen.
Gerade helle Farben werden heute viel mit Titanium gemischt, damit zum Beispiel ein helles Haus nicht durchsichtig aussieht. Die Farben werden dadurch sandig, pastellig und gebrochen.
Zum Beispiel prima, um kaltes Wetter darzustellen.

Oder hier einen Sommerhimmel voller Staub.

Buff titanium:
„Es ist die gräuliche Version von Titanium und eher ein fertiger, warmer Neutralton.“

Schau dir mal hier die Schatten an. Buff Titanium entsättigt Farben, macht sie schwächer und neutraler. Das ist super bei Schatten. Die Schatten werden weich und unaufdringlich.
Die Farbe kann alle Töne zwischen gräulich und sandig annehmen.
Bei Fassaden, Steinen oder Schatten ist sie wunderbar!
Mischt man jedoch zu viel damit, wird alles matt! Dein Bild wird zum Langweiler.
Neapelgelb – das unaufdringliche Licht!
Neapelgelb ist kein Beige, sondern ein sehr helles, cremiges Gelb.
Man setzt es ein, um sanfte gelbliche Töne zu erzeugen. Während ich Buff Titanium oft einsetze, um Schatten zu erzeugen, setze ich Neapelgelb eher im Licht ein. Es erzeugt gelbliche, gebrochene und sanfte Farben – prima für mediterrane Architektur oder wenn man in der Altstadt malen geht.
Auch zartes Abendlicht kann diese Farbe gut.
Es lässt sich gut mit warmen Farben kombinieren.

Braucht man Buff Titanium, Neapelgelb und Titanweiß?
Als fertige Mischfarben eigentlich nicht nötig, doch beim Malen sind sie eine nette Abkürzung!
Denn wer Titanweiß hat, kann die beiden Farben natürlich in Sekundenschnelle erzeugen.
Trotzdem benutze ich die Farben des Öfteren! Warum?
Weil sie einfach eine schnelle Möglichkeit sind, Farben zu brechen. Bestimmte Stimmungen bekommt man ohne sie einfach nicht hin! Alle Farben, die etwas müde und sandig wirken sollen, gelingen damit besonders gut. Winterlandschaften, Morgen- und Abendlicht oder Altstädte mit schäbigen Fassaden sind die perfekten Einsatzorte für diese Farben.
Doch eine Warnung!
Wer vergisst, was für Farben das sind und wie Titan alle Farben bricht, tut sich keinen Gefallen!
Wer damit großzügig mischt, bekommt keine strahlenden Farben mehr hin!
Tipp:
Titanhaltige Farben haben Vorteile, aber auch Nachteile!
Deshalb ist es sehr wichtig, titanhaltige Farben im Farbkasten zu isolieren! Sie haben eine eigene Ecke, damit man nicht vergisst, was sie machen!
Und übrigens: Viele beliebte Modefarben enthalten Titan. Lavender oder Royalblau. Auch diese gehören in die Titanecke! Denn sie haben die gleichen Nachteile.
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Liebe Grüße
Tine!
Wer geben kann, gibt. Denn nur so bleiben die Dinge erhalten, die einem persönlich am Herzen liegen.

























