Granulierende Farben:
Lebhaft zu sein bedeutet, das Leben laut zu lieben.
Granulierende Farben wirken sehr lebhaft. Sie machen Bilder lebendig.
Granulierende Farben sind Aquarellfarben, deren Pigmente sich beim Trocknen nicht gleichmäßig verteilen.
Stattdessen sammeln sie sich in den Vertiefungen des Papiers und bilden eine körnige, lebendige Struktur.
Deshalb sehen die Bilder aus, als wären sie von Impressionisten gemalt. Genau dieser Effekt ist der Grund, warum sie derzeit so beliebt sind.
Granulation erzeugt fast von selbst Strukturen, die an Stein, Felsen, Erde oder verwitterte Mauern erinnern.
Gerade Landschaftsmaler profitieren davon. Die Bilder sehen natürlicher und lebendiger aus!
Wer Granulation beherrscht, malt lebendige Bilder.
Granulierende Farben sind Charakterköpfe.
Sie haben manchmal ihren eigenen Willen. Viele Hobbymaler haben festgestellt: Bei Profis sehen granulierende Farben toll aus. Malt man selbst damit, ist das Ergebnis oft nicht so schön – oder die Granulation tritt erst gar nicht auf. Warum?
Man muss also ein bisschen Fachwissen haben, um granulierende Farben zu beherrschen.
Die folgenden Absätze helfen dir, den Effekt besser zu verstehen.
Nicht jede Farbe granuliert.
Es gibt nur einige wenige Farben, die wirklich granulieren. Das sind die folgenden Pigmente:
Wenn man nur die wichtigsten granulierenden Pigmente nennen möchte, sind es:
- PB29 – Ultramarin (der Klassiker schlechthin)
- PB28 – Kobaltblau
- PB35/PB36 – Cerulean Blue
- PG50 – Kobalttürkis
- PV14 – Kobaltviolett
Meistens sind dies Blautöne. Es gibt aber auch ein paar Naturtöne, die granulieren. Meistens steckt Eisenoxid in den Pigmenten.
Granulierende Gelbtöne
| Farbe | Pigment | Granulation |
|---|---|---|
| Ockergelb | PY43 | mittel |
| Goethit | PY43 | mittel bis stark |
Warum?
Gelboxide und Ocker sind natürliche oder synthetische Eisenoxide. Ihre Pigmente sind relativ grob und erzeugen deshalb eine feine Körnung.
Granulierende Rottöne
| Caput Mortuum | meist PR101 | stark |
| Indian Red | PR101 | stark |
Granulierende Naturtöne:
| Gebrannte Umbra | PBr7 | mittel bis stark |
| Van Dyck Braun* | je nach Hersteller | unterschiedlich |
Es gibt nur wenige Pigmente, die von Natur aus stark granulieren. Meist handelt es sich um Blautöne, aber auch einige Rot-, Gelb- und Naturtöne zeigen diesen Effekt. Der Grund ist fast immer derselbe: Die Pigmente sind entweder besonders grob oder enthalten Eisenoxide. Dadurch setzen sie sich beim Trocknen in den Vertiefungen des Papiers ab und erzeugen die charakteristische körnige Struktur.
Granulierende Farben können oft den Eindruck erwecken, als würden sie gar nicht granulieren.
Meist liegt das jedoch an der Verarbeitung.
Aquarellfarben brauchen viel Wasser – granulierende Farben sogar noch etwas mehr. Warum? Die Pigmente müssen im Wasser „schwimmen“ können, damit sie sich beim Trocknen ungleichmäßig in den Vertiefungen des Papiers absetzen. Wer die Farbe zu pastos oder mit zu wenig Wasser verwendet, wird kaum einen Granulationseffekt erzielen.
Das Pigment granuliert, wenn es schwimmt!
Ein weiterer Grund ist die Haltung des Aquarellpapiers. Normalerweise ist es sinnvoll, das Brett leicht schräg zu stellen, damit das Wasser eine Fließrichtung erhält. Granulierende Farben benötigen jedoch etwas Zeit, damit sich die meist schweren Pigmente absetzen können. Ist das Papier zu steil geneigt, fließen die Pigmente mit dem Wasser mit, anstatt sich auf dem Blatt niederzulassen.
Der Trick:
Wer eine möglichst starke Granulation erzielen möchte, sollte das Blatt möglichst waagerecht oder nur ganz leicht geneigt halten.
So haben die Pigmente genügend Zeit, sich abzusetzen und ihre charakteristische körnige Struktur zu entwickeln.
Granulierende Farben und die Gefahr von Dreck!
Natürlich haben die Hersteller von Aquarellfarben mittlerweile bemerkt, dass granulierende Farben schwer im Trend liegen. Deshalb kann man unendlich viele granulierende Töne kaufen.
Granulierende Farben kann man recht einfach selbst mischen, denn ist eine granulierende Farbe in der Mischung enthalten, granuliert auch der Mischton – wenn auch nicht so stark wie das ursprüngliche granulierende Pigment.

Hier granuliert Französisches Ultramarin.
Besonders eignen sich PB29 (Französisches Ultramarin) sowie PB35 und PB36 (Cobalttöne), um andere Farben zum Granulieren zu bringen.
Granulierende Farben und die Marktwirtschaft.
Ich möchte jedoch von gekauften granulierenden Mischfarben ein wenig abraten.
Die Hersteller haben nämlich das gleiche Problem wie du. Sie müssen ein stark granulierendes Pigment in ihre Farbmischungen bringen.
Sehr häufig ist dies Französisches Ultramarin, denn diese Farbe granuliert besonders stark.
Französisches Ultramarin ist allerdings der wärmste Blauton. Deshalb kann man damit zum Beispiel kein schönes Grün mischen. Jetzt beginnt man zu tricksen, und in den gekauften Farben stecken dann zwei oder sogar vier Pigmente.
Wenn du beginnst zu mischen, stecken dann drei, vier oder sechs Pigmente in deinem Farbton. Die Folge ist, dass sich einige der Pigmente gegenseitig neutralisieren. Das heißt:
Du produzierst beim Mischen Dreck!
Hinzu kommt, dass auch Eisenoxidpigmente in den granulierenden Erdtönen deine Farben dämpfen.
Viele der granulierenden Farben haben sehr schöne, bildhafte Namen. Oft erinnern sie an Natur und Wüste, weil sie Erdpigmente und Oxide enthalten.
Im Grunde heißt das: Diese Farben dämpfen die Leuchtkraft deiner Mischungen garantiert!
Generell kann man die granulierenden Mischfarben der Hersteller benutzen. Es gibt auch einige sehr gelungene Farbtöne.
Aber man bezahlt dafür mit dem Verlust der Leuchtkraft beim Mischen.
Granulation mit Gefühl statt Zufall.
Generell möchte ich gar nicht über die Farbhersteller schimpfen. Sie folgen schließlich nur den Bedürfnissen des Marktes.
Dennoch haben die Hersteller wesentlich bessere Farben im Programm. Es gibt wunderschöne granulierende Farbtöne, die nur aus einem oder wenigen Pigmenten bestehen. Deshalb ist es deutlich sinnvoller, sich eine kleine Auswahl solcher Farben zuzulegen.
Wer die einzelnen Pigmente kennt, kann ihre Wirkung beim Mischen gezielt steuern. Das ist wesentlich besser, als fertige Mischfarben mit vielen Pigmenten zu kaufen.
Die wichtigsten granulierenden Farben.
PB29 – Französisches Ultramarin
Der Klassiker unter den granulierenden Pigmenten. Es granuliert besonders stark und eignet sich hervorragend zum Mischen vieler granulierender Farbtöne. Dies ist die Basisfarbe aller granulierenden Aquarelle. Es mischt allerdings nur matte, dumpfe Grüntöne.
PG50 – Kobalttürkis
Eines der leuchtkräftigsten granulierenden Pigmente. Ideal für Wasser, Himmel und frische Türkistöne mit faszinierenden Strukturen. Es gleicht die Schwächen des Französischen Ultramarins beim Mischen von Grüntönen aus.
PR101 – Caput Mortuum
Ein stark granulierendes Eisenoxidpigment. Perfekt für warme Rot-, Braun- und Violetttöne sowie Felsen, Dächer und Mauern. Doch diese Farbe empfehle ich nur mit Bauchschmerzen. Sie muss mit viel Fingerspitzengefühl angewendet werden. Es ist eine Farbe, die in kleinen Mengen Struktur verleiht.
PY43 – Goethit
Ein natürliches Erdpigment mit schöner Granulation. Hervorragend für Sand, Erde, Herbstlandschaften und warme Gelbtöne.
PB35 oder PB36 – Cerulean
Ein klassisches Himmelblau mit feiner bis kräftiger Granulation. Unverzichtbar für atmosphärische Himmel, Wasser und kühle Mischungen.
Dies ist eine kleine Liste granulierender Farben, die beim Erstellen von Bildern sehr hilfreich sein können. Mit dieser eher kleinen Auswahl kann man viele Mischfarben granulieren lassen.
Viel Spaß beim Ausprobieren!
Ach, stopp! Noch ein kleiner Tipp.
Nicht immer ist Granulation erwünscht. Granulierende Farben sprenkeln besonders stark, wenn viel Wasser im Spiel ist – also ausgerechnet bei Himmel und Wasserflächen. Und ein Himmel voller Flecken ist nicht jedermanns Sache!
Deshalb kann es sinnvoll sein, eine nicht oder weniger granulierende Alternative im Farbkasten zu haben. Sie sieht farblich fast gleich aus, macht aber deutlich weniger Krümel.
Bei French Ultramarin ist das zum Beispiel Ultramarin feinst, bei Cerulean kann Lavender eine Alternative sein.
Und noch ein Tipp, für den ich selbst sehr dankbar war: Wasser wechseln! Granulation ist nämlich ansteckend. Pigmentteilchen landen im Malwasser und wandern von dort in die nächste Farbe. Wer nicht möchte, dass plötzlich alles sprenkelt: frisches Wasser!
So, jetzt weißt du, warum es in manchen Farben heimlich glitzert, krümelt und sprenkelt. Probier es einfach aus – denn am Ende lernt man Aquarellfarben am besten kennen, wenn man sie machen lässt.
Ich wünsche dir ganz viel Freude beim Malen, ein bisschen Mut zum Zufall und natürlich genau die richtige Menge Krümel im Bild.
Bis nächste Woche und liebe Grüße
Tine
Kostenloses Fachwissen ist eine feine Sache. Besonders für den, der es liest. 😉
Fachwissen frei zugänglich zu machen, ist allerdings nicht ganz kostenlos. Irgendjemand muss Farben kaufen, ausprobieren, recherchieren und diesen ganzen Kram auch noch aufschreiben. Seltsamerweise erledigen das die Heinzelmännchen nicht.
Damit es hier weiterhin jede Woche Wissen, Experimente und neue Ideen gibt, braucht dieser Blog Menschen, die sagen: Das ist mir etwas wert!
——





































