
Aber ganz so ist das nicht.
Es geht nicht ums Pauken, sondern um Fähigkeiten!
Ich will dir mal eine kleine Geschichte aus meinem Leben erzählen. Ich wünschte mir in meinem Garten einen kleinen Brunnen. Deshalb verabredeten mein Liebster und ich uns im Garten, um diesen kleinen Brunnen zu bauen.
Zuerst einmal brauchten wir ein Loch. Mein Liebster machte sich rar.
Wie macht man ein Loch? Mit der Schaufel, oder?
Ich begann mit der Schaufel, gab alles, schwitzte, riss mir die Fingernägel ab und zerrte an meinen Muskeln. Und ich war stinksauer auf den Liebsten!
Ich mühte mich ab und das Loch war mickrig, quasi nicht existent.
Das Gartentor schwang auf, der Liebste grinste wie ein Schelm und hatte eine kleine baggerartige Maschine dabei. Er schaute auf seine dreckige, verschwitzte Frau, strahlte charmant und machte mit einer kleinen Schaufel mehr Loch als ich in den zwei Stunden zuvor. Dabei machte ihm das Baggern so viel Spaß, dass ich ihn davon abhalten musste, den ganzen Garten zu verwüsten.
Merke: Es macht Spaß, wenn man die richtige Technik kennt.
Während sich mein Muskelkater entwickelte, hätte ich ihn erschlagen können, weil dieser Mann so ekelhaft schlau und durchdacht ist.
Was ist nun die Moral von der Geschichte?
Mit der richtigen Technik macht Aquarellieren richtig Spaß.
Im Aquarell hat man das gleiche Phänomen. Dadurch, dass viele Menschen, die Aquarell malen, nur mangelhaft ausgebildet sind,
…werden ganz einfache Dinge brutal schwer.
Sie benutzen die falschen Techniken und Werkzeuge. Dadurch werden viele Dinge so kompliziert, dass sie kaum lösbar erscheinen.
Leichte und spontane Aquarellskizzen – Hier ein Beispiel:
Heute zeige ich euch diese kurze Skizze, die ich einmal in 20 Minuten auf der Straße gemacht habe. Sie zeigt prima, warum falsches Werkzeug und mangelhaftes Wissen das Aquarellmalen unnötig kompliziert machen.

Leichte und spontane Aquarellskizzen entstehen durch die richtige Wahl des Pinsels.
Das ganze Bild wird mit der goldenen Farbe der Abendstimmung überzogen. Das dauert vielleicht eine Minute. Gewusst wie: Man benutzt einen sehr dicken Naturhaarpinsel. Ist die Lasur feucht und arbeitet man schnell, dann wird es perfekt.
Zu oft sehe ich aber, dass Lasuren mit kleinen Synthetikpinseln angelegt werden. Das dauert lange, ist mühsam
…und das Ergebnis sieht aus wie bei einem Kind, das zum ersten Mal allein Spaghetti gegessen hat.
Die Lasur hat unglaublich viele Flecken. Sehr frustrierend.
Der große Pinsel hingegen macht die Arbeit leicht und schnell.
Leichte und spontane Aquarellskizzen entstehen mit der richtigen Pinseltechnik.
Pinseltechnik ist kein Zauberwerk. Oft ist sie einfach und unkompliziert. Das Wasser in dieser Skizze zu malen, kostet mich vielleicht zehn Sekunden.
Warum ist das so schnell?
Die meisten Menschen denken, die richtige Art, mit einem Pinsel zu malen, sei die Spitze. Diese Technik ist auch sehr gut.
Nur gibt es für manche Motive effektivere Techniken.
Hier geht es vielen Malern so wie mir damals im Garten mit der Schaufel. Es funktioniert, aber es ist mühsam.
Wenn ich nun das Wasser male, male ich dann Welle für Welle oder jede einzelne Lichtreflexion? Nein.
Ich wechsle die Pinseltechnik zum trockenen Strich. Dafür schlage ich den Pinsel in der Luft aus, bis das Wasser herausfliegt. Im Atelier trockne ich ihn mit einem Handtuch. Dann nehme ich trockene Farbe direkt aus meinem Kasten.
Der Wassertopf wird dabei nicht benutzt.
Anschließend ziehe ich den Pinsel mit hoher Geschwindigkeit über das Papier. Aber ganz wichtig: Der Pinsel wird auf der Seite benutzt.
Plötzlich sieht das Malen des Wassers aus, als würde gezaubert.
Wenn die Handgriffe der Pinseltechnik sitzen, passiert das Ganze in wenigen Sekunden. Oft muss ich dies bei Demonstrationen mehrfach zeigen,
…weil der Prozess so schnell und einfach ist, dass die Menschen ihn beim ersten Mal gar nicht richtig wahrnehmen.
Mehr Beispiele für Vereinfachung!
In diesem Bild gibt es noch zwei weitere Beispiele, bei denen die richtige Pinseltechnik das Leben enorm erleichtert.
Leichte und spontane Aquarellskizzen entstehen nicht durch viel Arbeit, sondern durch Gewusst-wie.
Die Bäume sind normalerweise schwer zu malen. Schiebt man jedoch einen trockenen Pinsel rückwärts gegen seine übliche Malrichtung, die Bäume entstehen sie fast von selbst.
Aufgepasst! Merkst du etwas?
Auch hier wird nicht die schöne Spitze des Pinsels zum Aquarellieren benutzt!
Feine Linien sind schwer?
Feine Linien und Masten sind oft ein Angstthema für Aquarellisten. Der Grund ist, dass man sie häufig mit feinen Pinselspitzen malen möchte. Und wieder ist die Lösung anders, als man denkt.
Oft lassen sich feine Linien durch Stempeln leichter erzeugen.
Was heißt das denn jetzt schon wieder?
Hier benutzt man die Seite des Pinsels. Der Pinsel wird nur kurz mit seiner Seite auf das Papier getippt. So entsteht eine viel feinere Linie, als wenn man sie malt.
Welches Werkzeug eignet sich dafür? Die Kante einer Kreditkarte oder ein Liner.
Der Liner sollte lang sein. Gut geeignet sind synthetische Haare. Warum? Weil sie nicht so viel Wasser aufnehmen und dadurch die Striche dünn bleiben.
Dünne Linien lösen bei vielen Menschen beim Malen regelrecht Schweißausbrüche, Angst und Panik aus!
Schau dir einmal die Stromkabel im Bild an.

Darf man wenigstens davor ein bisschen Angst haben?
Vollkommen unnötig!
Denn es gibt wieder einen kleinen Trick, der dir leichte und spontane Aquarellskizzen ermöglicht, auch wenn du feine Linien ziehen musst.
Du nimmst deinen Liner. Die Farbe darin darf weder zu nass noch ganz trocken sein. Vorher auf einem Blatt Papier testen!
Nun ziehst du den feinen Pinsel hinter deiner Hand her, so wie du eine Kiste ziehst, die zu schwer für dich ist. Die Hand macht die Bewegung zuerst und der Pinsel wird nachgeschleppt.
Die Folge: zarte Linien in Sekundenschnelle!
Liebe Leser, ihr seht also: Aquarell ist nicht schwer! Was uns das Leben schwer macht, ist meist nur mangelndes Know-how.
Was hast du davon?
Einerseits kannst du mit diesen Techniken überall schnell und sicher etwas festhalten. Aber selbst wenn das gar nicht dein Ziel ist, sind sie wichtig.
Denn sie helfen dir dabei, beim Malen eine wunderbare Leichtigkeit zu entwickeln.
Du kannst das!
Und wenn es noch nicht klappt, dann informiere dich, übe weiter oder komm zu mir in einen Kurs.
Liebe Grüße
Tine
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