Komposition – Das Auge leiten

Usk Workshop Teil 2

Fischertor Augsburg Aquarell von Tine Klein usk workshop Augsburg

Letzte Woche haben wir über Bildentwurf mit Farbe gesprochen. Diese Woche sprechen wir über Komposition mit Augenbewegung.

Hoppala, das hört sich ja trocken an. Aber, das Augen leiten, ist niemals eine trockene Materie. Denn das Auge folgt nur interessanten Dingen. Zum Beispiel dem hübschen Hinterteil..uhlala…, da gucken wir doch automatisch hin.

Am besten folgt das Auge Bewegungen und aufregenden Dingen.

Dummerweise bewegen sich unsere Bilder nicht und wir haben auch keine nackten Männer zur Verfügung, deshalb müssen wir das Auge mit ein wenig Bewegung im Bild auf Trab bringen und gleichzeitig mit toller Farbe.

Das Prinzip der Komposition

Das Prinzip des Bildentwurfs beruht, wie schon oben beschrieben, auf einer sehr einfachen Grundlage. Man macht es dem Auge bequem und man bietet dem Auge eine Bewegung an, der es folgen kann. Ein gelungenes Bild ist so einfach, dass es jeder verstehen kann, also im Prinzip so einfach wie die Beschilderung zu einem Parkplatz.

Parken wollen wir das Auge dort , wo es unserer Ansicht nach hingucken soll!

Auf diesem Prinzip beruhen alle Bildentwürfe, entweder hat man deutlich zu gleitende Linien, eine klar erkennbare Geometrie, die man nicht übersehen kann, oder eine Trennung im Bild, die es einem unmöglich macht,  am Gegenstand vorbeizuschauen, zum Beispiel einen festen Rahmen.

Bildentwürfe sind so einfach,  die Strategie kann man in winzigen Bildern erklären:

Komposition je einfacher, desto besser

Die Faustregel ist: Je einfacher diese Bewegung im Bild oder dessen Geometrie zu verstehen ist,  desto besser ist das Bild. Wenn das Auto dort bequem hin findet,  noch besser.

Wenn ich das mal wieder in einem Tine Klein Spruch ausdrücken sollte, dann würde ich sagen:

Das Bild muss so einfach sein, dass ein besoffener Affe mit drei Gin intus es begreifen kann.

Malen, was da ist

Viele Menschen meinen, es reicht völlig, wenn sie malen,  was da ist. Damit unterliegst du den Irrtum, dass andere Menschen genau das sehen, was du siehst. Früher dachte man, das Auge sei ein neutrales Instrument zur Wahrnehmung der Umwelt. Heute weiß man das besser, jeder sieht nur, was ihn interessiert und was zu seiner Vorerfahrung passt.

Wenn du nun glaubst, du könntest einfach ohne Hinweisschilder eine Szenerie abmalen, so muss ich dir leider sagen, dass dein Bildentwurf in den meisten Fällen grandios scheitern wird.

Denn dann übernimmt der Zufall die Regie und

die verwirrte Augenoma kommt nicht über die Straße.

Was du also tun musst,  ist, das Auge am Händchen zu nehmen, du geleitest es charmant dorthin, wo es hin soll.

Ist Bildentwurf Lug und Betrug?

Nein, das ist es ganz und gar nicht. Wenn du nicht zur Generation iPhone gehörst und schon mal mit offenen Augen selbst über die Straße läufst, dann wirst du wissen, dass sich eine Straße innerhalb von 20 cm dramatisch bewegt. Eine Kopfneigung kann darüber entscheiden, ob eine Laterne links oder rechts von einem Haus steht. Wenn du einmal, vorausgesetzt es gibt keinen Verkehr!, über die Straße läufst und einmal schaust, wie sich der Bordstein auf ein Motiv zubewegt, dann wirst du feststellen, dass es dafür – ungelogen -Hunderte von verschiedenen Winkeln gibt.

Dazu gibt es einen ganz wunderbaren Blog, den werde ich später anhängen.

Wenn also eine Kopfneigung darüber entscheidet, wie etwas in einer Straße steht, dann liegt es in meiner völlig freien Entscheidungsmöglichkeit,  den Winkel des Straßenverlaufs ein wenig zu verändern, so dass mein Auge den Punkt des Interesses wunderbar findet.

Jetzt höre ich schon einige Leute schreien: Das ist Manipulation!

Manipulation ist besser als ihr Ruf

Viele Menschen denken , Manipulation sei etwas Schlechtes, sie denken an üble Werbung , die Menschen in dumme Opfer verwandelt und Bedürfnisse und auch Gefühle erzeugt, die überhaupt nicht da sind.

Sicher kann Manipulation widerwärtig sein, und gerade wir  als Künstler sollten darauf aufpassen.

Dennoch ist Manipulation viel besser als ihr Ruf. Manipulation ist sozusagen die Grundlage eines friedlichen Zusammenlebens. Man kann Dinge brutal erreichen oder sehr liebevoll.

Meine Katze und ich folgen immer diesem Prinzip, ich zum Beispiel sage meinem Mann jeden Morgen, dass er der großartigste Mann auf der Welt ist, schlängele mich heran und gebe ihm einen Kuss im Bett. Die Katze wirft sich ebenso heran und macht klar,  dass sie schmusig, weich und liebevoll ist.

Ist das Manipulation? Aber ja, denn mein Mann steht sehr gut gelaunt auf, das Resultat: Kaffee und Katzenfutter. Passt doch……..

Manipulation ist ein Prinzip,  auf dem unsere Gesellschaft beruht

Unsere Gesellschaft beruht auf einem gewissen Maß der Manipulation. Oder was glaubt ihr, wie ich im Gegenzug darauf reagieren würde,  wenn man mir direkt nach dem Aufwachen sagen würde, dass mein Bauch im Laufe der Jahre ganz schön fett geworden ist. Für den Überbringer solcher Nachrichten würde es keinen Kaffee im Bett geben, sondern einen handfesten Ehestreit.

Halten wir mal fest:

Ein bisschen Beschiss macht glücklich!

Halten wir auch fest, Bildentwurf ist dann gut, wenn wir einfach und gut verführen.

Die pure Verführung

Seien wir doch mal ehrlich, jeder wird gerne angeflirtet und ein bisschen verführt.

Bei Bildentwurf mit Farbe geht es darum, wunderbare Farben ins Zentrum des Interesses zu setzen. Der Betrachter soll ganz bequem durch unseren Bildentwurf lernen,  wo die Schönheit ist. Am oben genannten Beispiel kann man sehen, dass man mit etwas Charme viel mehr erreicht als mit Grobheit.

Gib die meisten Kontraste dorthin, wo der Betrachter hingucken soll.

Eine andere Strategie ist, den Weg dorthin mit schönen oder interessanten Dingen zu pflastern. Das Auge wird zum Beispiel Menschen tief in das Bild hinein folgen, denn Menschen interessieren uns immer. Diesen Bildentwurf nennt man den Repoussoir.

D.h. du gestaltest den Weg zum Ziel deutlich sichtbar und angenehm.

Ich mache dies in diesem Fall mit Menschen,  die ziehen immer Blicke an.

Fischertor Augsburg Aquarell von Tine Klein usk workshop Augsburg

Ich benutze  einen Repoussoir-Bildentwurf,  ich locke das Auge durch im Vordergrund groß dargestellte Menschen hinnein ins Bild. Oder ich locke das Auge durch eine Kette von Menschen mit roten Köpfen zum Tor hindurch zu einem sattem Rot-Grün Komplementärkontrast im Zentrum des Bildes.

Dennoch ist Bildentwurf kein Lug und Betrug, denn fast immer sind die Dinge,  die man braucht, in einem schönen Motiv schon angelegt.

Das Motiv ist sehr frontal und man hält Ausschau nach Hilfe,  die Bahngleise sind wunderbar, die ziehen das Auge schwungvoll mit S- Kurve hin zum Motiv.

Schau mal in die kleinen schwarzweißen Bilder, sie sind ein kleiner Spickzettel für Bildentwürfe und Augenbewegungen.

Am Anfang ist das nicht unbedingt leicht, aber es ist wie beim  einem schönen Flirt, er macht beiden Parteien viel mehr Spaß, wenn man charmant ist.

Versuch es mal mit unterschiedlichen Strategien!

Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende

Tine

Bitte beachtet noch einmal meine besten beiden letzten Kurse in diesem Jahr:

Der Kurs in Aarberg bei Bern ist besonders wichtig , weil dort die Grundlagen der freien Malerei und des Zeichnens gelegt werden, Basistechniken, die dir erst mal ermöglichen, etwas Tolles zu machen.

https://www.boesner.ch/niederlassungen/aarberg/veranstaltung/spontan-locker-frei-2

Im Kurs in Allensbach geht es nur ums Zeichnen.  Was heißt denn hier „nur“, denn das Zeichnen ist die Grundlage allen künstlerischen Schaffens, hier werden wir viel mit Skizzenbuch und Stift unterwegs sein.

https://kunstzeit-allensbach.de/kurse/zeichnen-intensivspielerisch-zum-erfolg/

In diesem Artikel lest ihr warum wir Linien für die Komposition einfach verändern dürfen.

Blickwinkel, ein Meter verändert die Welt!

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USK Augsburg 2019: Bildentwurf mit Farbe

Danke an alle, die mit angepackt haben

Wir machen gemeinsam Kultur, dafür braucht man viele Hände!

Abschlussfoto der usk Augsburg

Und so schaut es aus, wenn 200 Menschen strahlen! Ja, das sind all die Maler,  ein paar davon durfte ich im Workshop zum Schwitzen bringen.

Zum Workshop in Augsburg auf dem deutschen Urban Sketcher

Treffen, Teil 1

Workshob Bildentwurf mit Farbe, Tine Klein Augsburg Brockelmann Haus Tine Klein Augsburg der Brockelmann

Viele meiner Schüler möchten, dass ihre Farben genauso aussehen wie meine. Dann heißt es immer , sag’ mir doch mal bitte,  welche Farben du genau im Kasten hast.

Ich möchte mir die auch kaufen

Dann versucht man genau diese Farben zu kaufen, doch zuhause ist die Enttäuschung groß, denn die gleichen Farben sehen völlig anders aus. Was ist hier los? Die Farbe ist doch die gleiche, wie kann das sein?

Oder ist hier ein Betrug unterwegs?

Ja, hier ist ein Betrug unterwegs, ein ganz dicker Augenbetrug,  denn Farbe wirkt in Kombination ganz anders. Du kannst immer wieder versuchen, die richtige Farbe zu kaufen, doch du musst deine eigene Strategie entwickeln.

Wie eine Farbe wirkt, liegt nicht an ihren Pigmenten

Die richtigen Farbfreaks haben ihre eigenen Tricks, sie sind Nerds, die es gelernt haben, Farben im Kopf der anderen Menschen zu mischen.

Farben mischen im Kopf des Betrachters?

Als ich für den Workshop in Augsburg angefragt wurde, wurde ich inständig gebeten,  doch mal ganz genau zu erklären,  wie ich die Farben so zum Strahlen bringe. Da habe ich mich gewunden wie ein Wurm, denn ich wusste ganz genau, dieser Workshop wird schwierig, nein, das ist nicht das richtige Wort. Eigentlich hatte ich die  Hoffnung, das ist ein der Workshop, der ein bisschen zwischen Esoterik und Neurologie liegt.

Das Klientel dieses Workshops sollte also am besten ein bisschen verrückt sein, einen medizinischen Abschluss in Neurologie haben oder in Seelsorge, Psychatrie und Sozialarbeit beschäftigt sein.

Denn auch diese Menschen können Sichtweisen verschieben

Als ich mit meinem dicken Rucksack zum Ort des Workshops lief, hoffte ich inständig, dass ich dort einen Haufen leicht Wahnsinniger antreffe, denn diese würden es am einfachsten haben, die Workshop Materie zu begreifen.

Bildentwurf mit Farbe

Die eigentliche Kunst liegt nicht nur im Mischen der Farben, sondern ganz wesentlich im Bildentwurf, denn durch die spezielle Zusammenstellung der Farben wird die Farbwirkung beeinflusst. Tatsächlich ist es so,  dass die Nachbarschaft der Farben die Farben enorm beeinflusst. Prinzipiell kann man sagen, dass sich durch den Bildentwurf

die Farben im Kopf des Betrachters völlig neu mischen!

Zugegebenermaßen ist dies mein Lieblingssport, Farben mischen im Kopf des Betrachters erzeugt völlig andere Ergebnisse, als die, die man  gemeinhin sieht, denn

im Kopf gemischte Farben kann man nicht kaufen

Der Bildentwurf mit Farbe

beruht im Wesentlichen darauf, dass man Vergleichsmaßstäbe setzt. Mit diesem Effekt kann man so gut wie alle Stimmungen erzeugen, nicht nur strahlende Farben, sondern auch alle anderen Eigenschaften.

Wie bin ich auf die Idee gekommen?

Ich war von Beruf Dipl-Ing. Rp. Raumplaner, das ist so etwas Ähnliches wie ein Städtebauer, der Beruf bestimmt , wie Städte in der Zukunft aussehen werden. Der Beruf des Raumplaners ist es zu begreifen, was Menschen brauchen oder wie sie es wahrnehmen, was die Bevölkerung glücklich oder unglücklich macht und dies dann später in die Gesetze zur baulichen Struktur umzusetzen.

Dabei bemerkt man sehr schnell,  dass die Sinne der Menschen niemals eigenständig funktionieren; das, was Menschen antreibt und beeinflusst, ist immer der Vergleich zu anderen oder dem/der anderen

Upps, war der Satz schwer verständlich? Ich erkläre es: So kann sich zum Beispiel eine Friseurin, die jeden Tag Menschen schön macht und dafür jeden Tag gelobt wird,  mit ihrem Beruf wunderbar und reich beschenkt fühlen, obwohl sie nur ganz wenig Geld verdient.

Eine hochspezialisierter Patentrechtsgehilfin, die hochqualifiziert ist und das Fünffache von der Friseurin verdient,  kann sich jedoch elend fühlen,  weil die Rechtsanwältinnen um sie herum mit ihrem Wissen in der Öffentlichkeit stehen und auch noch besser bezahlt werden.

Wie man etwas wahrnimmt,  liegt also am Vergleichsmaßstab der Sinne

Unsere Augen, unsere Ohren, unsere Nase, unser Geschmackssinn und insbesondere auch unsere Seele sind absolut abhängig vom Vergleichsmaßstab.

Ein Salat schmeckt auch nur durch Essig , Salz und Pfeffer, wer will ihn denn schon pur essen, dann könnte man ja gleich auf die Wiese gehen und Gras futtern.

Der Salat schmeckt durch die Kontraste, die Farbe auch.

Genauso funktioniert es bei Farben, hier wirkt die Einzelfarbe nur aufgrund der Stimulierung durch die Umgebungsfarben.

Intuition und Augenfunktion

Maler,  die wundervolle Farbstimmungen erzeugen, spielen mit der Augenfunktion.

Die Kunst ist, das Auge denken zu lassen, dort, wo es hinblickt, sei diese unglaublich einzigartige, wundervolle und großartige Farbe.

Die Augenfunktion macht das Auge anfällig für Fehler und falsche Einschätzung.

Dieser Fakt ist die große Chance für uns Maler, aber auch das große Leid für viele Anfänger.

Das Fachwissen darüber steht nicht in Büchern, es ist eigentlich so kompliziert, dass es sich Maler intuitiv über Jahre in ihrer ureigenen Weise aneignen.

Das Auge manipulieren, so geht es:

Die Basis ist extrem einfach, man manipuliert das Auge über Vergleichsmöglichkeiten.

Meiner Klasse in Augsburg auf dem deutschen Urban Sketchertreffen rauchten die Köpfe, denn diese Vergleichsmöglichkeiten für das Auge herzustellen und zu mischen, ist  am Anfang alles andere als einfach.

Danke an die mutigen Teilnehmer dieses Kurses.

Farbe im Kopf des Betrachters verändern

Die Menschen, die Farbe in den Köpfen der Betrachters verändern können, sind eine Elite, doch das Prinzip ist einfach, wie schon erwähnt:

Der Maler bietet einen Vergleichsmaßstab.

Er schiebt die Wirkung der Farbe in die richtige Richtung.

Soll eine Farbe schön leuchten, wird eine der Farben in der Nachbarschaft schön dunkel. Sind die Farben schön warm und gemütlich, dann müssen die Farben beim Blick aus dem Fenster ein wenig kalt und unfreundlich sein.

So begreift das Auge nach und nach, um welche Geschichte es hier geht. Hat das Auge erst mal begriffen, hilft dir das Gehirn deines Betrachters freudig mit.

Die große Manipulation

Der Maler macht es dem Auge leicht, er verführt es. Er macht es dem Auge leicht, dort hinzuschauen, wo es soll. Er erzeugt Punkte, die das Interesse des Auges anziehen wie Honig die Bienen. Genau dort setzt er die Vergleichsmöglichkeiten für das Auge und bringt den Betrachter dazu zu denken,  diese Farbe dort sei einzigartig.

Ich nenne das Kontrastverschiebung oder Kontrastmanipulation.

Dies ist ein Bild,  was mit Kontrastmanipulation gemalt wurde:

Tine Klein Gasthof im Glanerland

Lies den Text und versuche zu erkennen, wie ich es im Bild angewendet habe.

Das Ganze funktioniert in zwei Schritten.

Schritt 1: Der Maler wählt einen Bildentwurf, mit dem das Auge ganz eindeutig geführt wird. Das siehst du hier daran, dass der Blick  zum Haus geführt wird.  Im zweiten Schritt benutzt der Maler nun die Farbkontraste, um die entsprechende Wirkung seiner Farbe zu erzeugen. Dafür stehen die folgenden Farbkontraste zur Verfügung:

Tonwert

Tonwert  wird der Kontrast aus Licht und Schatten genannt. Dieser Kontrast ist der allerwichtigste und alle weiteren Kontraste funktionieren meist nicht,  wenn die Lichtverhältnisse im Bild nicht stimmen. Dieser Licht -Kontrast also Tonwert bestimmt im Wesentlichen, ob ein Bild spannend ist. Das wirklich Verzwickte an diesem Kontrast ist,  dass wir Farben nicht richtig beurteilen können.

Es braucht Erfahrung. Doch Faustregel: Helle Farben fangen an zu leuchten, wenn dort auch Dunkelheit ist. Siehe das Orange und Gelb im Bild. Das siehst du im Bild  mit dem Gasthof sehr deutlich.deutlich.

Wellenlänge

 

Faustregel: Komplementärfarben geben Bildern Frische

Die Farbe,  die neben der ausgewählten Farbe steht, bestimmt, wie die andere Farbe wirkt. Ist die Farbe mit der anderen Farbe verwandt, also auf der gleichen Seite des Farbkreises,  werden die Farben miteinander sehr harmonisch. Je weiter die Farbe im Farbkreis entfernt ist, desto greller wird die Wirkung. Die Komplementärfarbe liegt auf der anderen Seite des Farbkreises und kann je nach Dosierung entweder sehr frisch, freundlich und fröhlich wirken oder auch grell.

Auch in dem Bild mit dem Haus siehst du, alles ist blaugrün, nur das Dach ist orange, deshalb fängt das Orange an zu schrillen. Es wird frech.

Strahlkraft

Workshob Bildentwurf mit Farbe, Tine Klein Augsburg Brockelmann Haus

Man kann Farben klar und leuchtend vermalen, meistens sind dies Farben,  die nur ein Pigment haben und damit eine ganz klare Aussage. Transparente, leuchtende Farben haben eine hohe Strahlkraft. Stark gemischte oder deckende Farben wirken in der Regel viel matter.  Setzt man nun eine matschige oder matte Farbe neben eine strahlende, wird die strahlende zum Star. Den Effekt siehst du beim Brockelmann Hus oder auch bei dem Bild mit dem Gasthaus, denn dort ist das Hellbau im Berg oder ein Teil der Bäume ohne Leuchtkraft gemalt.

Kalt und Warm

In diesem Bild wurden Kalt und Warm als Ordnungsprinzip angelegt, oftmals gehen Bildentwürfe mit Kalt und Warm Hand in Hand mit Komplementärfarben. Überall dort, wo man hinschauen soll,  ist die Farbe kalt, dies ist besonders auffällig, weil das gesamte Bild in einer sehr warmen Erdfarbe lasiert wurde: Noch auffälliger ist es, weil sonst alles, wo man hingucken soll, rot ist. Verstärkt wird der Effekt durch den Einsatz einer leuchtenden Komplementärfarbe, in diesem Fall Saturn-Orange.

Kalte und warme Farben sind der Farbkontrast, der von vielen Menschen nicht verstanden wird, sie denken,  eine warme Farbe sei Feuerrot und eine kalte Farbe sei z. B. Eisblau. Dieser Gedankengang ist wunderbar und auch richtig, das sieht man ja hier im Bild, dennoch haben alle Farben kalte und warme Töne. Selbst beim Rot gibt es kalte und warme Farbtöne.

Das Rot wird kühler, sobald es in Richtung Blau geht. Die Kombination von warmen und kalten Farben wird für das Auge stets sehr anregend, das Bild wird frischer. Wenn man zum Beispiel ein Bild malt, das sehr einfarbig ist, so wirkt dieses Bild immer noch leuchtend und fröhlich, wenn man die eine Farbe mit Licht und Schatten,  aber auch mit Kalt und Warm kombiniert Leider kann ich so etwas nur im Kurs zeigen, denn der Aufwand im Blog wäre zu groß.

Einen Star inszenieren

Grundlegend kann man sagen, dass das Arbeiten mit Kontrasten ziemlich einfach ist, es wird dir in Fleisch und Blut übergehen. Dennoch wird dir der Kopf am Anfang ziemlich qualmen, denn an vier Dinge zu denken und dazu noch ein harmonischen Bildentwurf zu machen, treibt einen in den Wahnsinn,  weil sich alle Farben mit der jeweiligen Veränderung eines Kontrastes wiederum verändern.

Ein Star wird zum Star, weil er einfach anders  ist als die Statisten.

Dennoch ist das Prinzip einfach, dem Auge wird gesagt,  wer der Star ist.

Hier hat eine Farbe Kontraste zu allen anderen Farben, ein Star definiert sich dadurch, dass er immer anders ist als alle anderen.

Nicht so heiß gegessen wie gekocht

Die Technik funktioniert nur, wenn der Maler mit absoluter Sicherheit weiß, welche Eigenschaft seine Hauptfarbe haben soll.

Danach beginnt er ganz langsam  die Nachbarfarben ein wenig zu manipulieren.

Wenn man an dieser Stelle zu viel will, produziert man unglaublich gruselige Bilder.

Am besten erlernt man diese Technik nicht mit Aquarellfarben, sondern indem man das Aquarell hinterher mit Aquarellstiften noch ein wenig manipuliert. Man überlegt, welche Farbkontraste man haben will.

Schau mal, meine Lieblingsfarbe ist ein warmes Orange, die Komplementärfarbe dazu ist ein schönes Türkis, den Stift habe ich klein geliebt.

Kontrastmanipulation  mit stark pigmenthaltigen Aquarellstiften ist viel leichter und schneller als mit dem Pinsel. Schon ein passender Aquarellstift mit straken Pigmenten als Kontrast zur Grundfarbe des Bildes wirkt kleine Wunder.

So lernst du dann ganz langsam, das Bild in die richtige Richtung zu biegen, es ist wie beim Würzen, du gibst nur ein wenig Salz hinzu und schaust, ob sich der Geschmack verbessert.

Im Bild gibt man ein wenig Kontrast hinzu und schaut, ob sich das Bild in die richtige Richtung verschiebt.

Mit Gewalt kann man dies nicht erlernen , sondern mit Fingerspitzengefühl wie beim Salzen.

 

Viel Spaß wünscht euch Tine

Das nächste Symposium ist zu meiner großen Freude in meiner Geburtsstadt Dortmund

und noch ein bisschen von dem Workshopsmaterial gibt es nächste Woche.

In eigener Sache:

Der wichtigste Kurs des Jahres: In diesem Kurs bringe ich spontane Aquarell-und Zeichentechniken bei. Hier erkläre ich, wie man Farbe überhaupt steuern kann, wie Nass in Nass-Techniken wunderschöne spontane Ergebnisse bringen.  Aber auch, wie man mit einfachen Mitteln, zum Beispiel Kugelschreibern, Tolles macht:

https://www.boesner.ch/niederlassungen/aarberg/veranstaltung/spontan-locker-frei-2

Die Location in Aarberg bei Bern ist ein zauberhaftes mittelalterliches Städtchen