Die richtige Farbauswahl für tolle Bilder

Tine Klein Aquarellskizze mit Tusche Bern ZytgloggeBlog zum Thema farbwahl

Bern Zytglogge Tine Klein

Die richtige Farbauswahl macht so richtig tolle Bilder. Doch jeder der malt weiß, so einfach wie sich das anhört ist es nicht!

„Die Farbe ist der Ort, wo unser Gehirn und das Weltall sich begegnen ! Darum erscheint sie den wahren Malern durchaus dramatisch!“ Paul Cézanne

Die Farbauswahl am Ort:

Es gibt viele Dinge die die Farben eines Motives bestimmen können. Die Farbauswahl ist nicht nur von der realen Farbe der Gegenstände beeinflusst, sondern auch vom Licht und der Emotion und einer irgendwie gewachsenen historische Farbvorstellung. Diese Überlegungen zur Farbauswahl möchte ich noch ein bisschen erläutern.

Wenn wir zum Beispiel im Urlaub in Griechenland ein Bild malen, dann ist die richtige Farbe sicherlich weiß und das berühmte griechische Blau.
Das haben wir schon so oft gesehen, dass diese Farbwahl  einfach  historisch ist. Es entspricht der Wahrheit, und doch ist es häufig ein Klischee, aber kein Mensch erkennt Griechenland, wenn wir dieses Klischee nicht befolgen.
Ein weiteres Beispiel ist das spezielle Licht eines Ortes, das berühmte Taj Mahal ist einfach nur weiß. Und dieses weiß bildet dann die Leinwand für das spezielle Licht dieses wunderschönen Ortes. In unseren Köpfen kann dieses wunderschöne Gebäude jede Farbe haben von rosarot, über leuchtend violett bis ins baby-blau. Die Farben der Verliebten.

Bern wird voller Maler sein.

Bald ist das Urban Sketcher Treffen in Bern. So weit ich weiß sind die Tickets ausverkauft. Doch ich komme zu solchen Treffen oft selbst ohne Ticket, denn das macht auch Spaß, denn viele Menschen werden in der Stadt unterwegs sein und malen.

Welche Farbe hat Bern?

Ein viel nachvollziehbarer Grund für die Farbgebung von Motiven ist das vorherrschende ortsübliche Material. Viele Städte haben die Farbe ihres Materials; Amsterdam oder Manchester sind backsteinrot.

Bern ist wunderschön und hat eine für eine Stadt total ungewöhnliche Farbe.

Bern ist Olivgrün, Türkisgrün und  Gelbgrün

Trotzdem finde ich es nicht ganz logisch warum Bern auf mich so grün wirkt.

Farbauswahl und die Psyche:

Das die Psyche bei der Farbauswahl eine große Rolle spielt, ist kein Geheimnis.  Denn die persönliche Farbauswahl eines Menschen sagt sehr viel über seinen Geist und seine Seele.

Ich habe verwundert gelesen, das die Farbe der Straßenbeleuchtung die Kriminalität und die Selbstmordrate senken kann. Und das andere Farben so attraktiv auf Menschen wirken, dass sie fast zwanghaft auf Links dieser Farbe klicken. Es soll ein 80 Millionen Dollar Blau geben. (Unten gibt’s einen Link zu diesen Thesen)

So eine bezwingende Farbe möchte ich natürlich auch für meine Bilder.

Können wir dann also solche Strickmuster wie das 80 Millionen $ Blau auch für unsere Bilder benutzen? So einfach ist es leider nicht, ein Bild wird immer dann gut, wenn die Farbauswahl auch zum Motiv und Thema des Bildes passt.
Andererseits werden Bilder, die sich absolut nur auf die realen Farben eines Ortes stützen, irgendwie einbeinig.

Über humpelnde Bilder

Was meine ich damit?

Diese Bilder humpeln im wahrsten Sinne des Wortes, denn unsere psychischen Wahrnehmungen zu einem Ort gehören dazu wie der Name an der Haustür.
Natürlich wird eine Situation, die du bedrohlich empfindest, ganz automatisch dunkel oder grau.
Ein Bild bei dem es gute Musik und Sonnenschein gab, wird sicherlich eine ganz andere Farbauswahl auslösen.

Ein gelber Himmel spricht von Sonnenschein, auch wenn er nicht in Wirklichkeit gelb ist.

Die Farbe eines Ortes:

Die Farbauswahl die ganz eng mit dem menschlichen Empfinden verbunden ist.
Ich möchte dies einmal an zwei Städten aus meiner persönlichen Umgebung erklären.
Bern und Zürich sind beide historische Städte mit Altstadt. In dieser historischen Altstadt findet man viel Sandstein und auch Putz.  Trotzdem empfinde ich die Städte völlig anders.

Dies liegt am Licht, aber vor allen Dingen an meiner Seele.

Bevor ich nun wütende Zuschriften bekomme, solche Empfindungen haben oft etwas mit Klischees zu tun, aber eben auch mit dem eigenen Empfinden und den eigenen Erlebnissen in einer Stadt.

Beobachtungen zu Farbe einer Stadt

Zürich und Bern sind beide aus Stein erbaut. Haben diese Städte deshalb für mich die gleiche Farbe? Nein auf keinen Fall!

Bern ist für mich grün und Zürich ist  anzuggrau.

Wenn man auf den Brücken in Bern steht, dann ist das Wasser oft zauberhaft Türkis. Die Kuppeln über Bern leuchten Türkis mit goldenen Reflexen im Abendlicht und der Stein hat einen leichten grünen Stich. Bern hat an seinen Hängen viele Bäume und dies formt eine grüne Stadt. Obwohl man weder die Kuppeln noch die Aare von jedem Punkt der Stadt sieht, bleibt der emotionale Eindruck; Bern ist grün und Bundesflaggen rot.
Auch Zürich liegt zauberhaft am See und obwohl die Wasserfläche in Zürich viel größer ist, scheint das Wasser nicht die gleiche Farbwirkung auf die Stadt zu haben. Der Stein in Zürich erscheint mir viel blauer und  steinfarbener. Das Wasser der Limmat liegt in Zürich näher an den Gebäuden der Altstadt. Das Wasser reflektiert bläulich. Der Stein wirkt kühler fast bläulich ein Stich ins Blaugrau.

Tine Klein Aquarell Zürich Frauenbadi zum Thema Farbauswahl.

Zürich Frauenbadi Tine Klein

Fast die gleichen Farben wie in Bern, trotzdem wird meine Hand bei Bern etwas spielerischer. Hat Zürich ein herrschaftliches Grau? Eigentlich ist der Stein in Zürich sandsteinfarben.  Ich kann diese Wirkung nicht genau erklären, ich vermute das es auch damit zusammenhängt, dass in Zürich viele Menschen im Finanzsektor arbeiten und dementsprechend ist das Straßenbild von gedeckten Farben geprägt.

Da spielt die Seele mit? Ich weiß es nicht!

Bern ist für mich olivgrün, ich vermute das dieser Eindruck durch 2 Dinge verstärkt wird. Der Stein ist grünlich, die Kuppeln sind Türkis und der Fluss ebenso. Dazu kommen die vielen grünen Bäume.

Farbwahl für Bilder:

Ich versuche für meine Bilder eine Grundfarbe zu finden. Dafür fühle ich genauso in mich hinein, wie ich auf das Motiv schaue. Ich nenne das:

Die Farbe des Ortes.

Andere Künstler beschreiben dies noch leidenschaftlicher:

„Der Künstler ist nur ein Aufnahmeorgan, ein Registrierapparat für Sinnesempfindungen, aber, weiß Gott, ein guter, empfindlich komplizierter, besonders im Vergleich zu den andern Menschen.“
Paul Cézanne

Diese Farbe sehe ich dann großflächig durch das gesamte Bild. Meine Theorie ist das eine Farbe erst so richtig wirkt, wenn sie das verbindende Element in einem Bild ist.
Die wichtigste Erkenntnis ist wohl, dass einzelne Motivanteile nicht voneinander getrennt sind.  Diese Reflexionen und Strahlen machen natürlich vor nichts halt.

Sehen lernen mit Kopf und Herz! Schaut euch die Farbe eurer Stadt an, wie verändert sie sich mit dem Wetter und euerer Stimmung? Wie kann man die Farbe durch ein ganzes Bild ziehen? Ich bereite den Workshop für das Schweizer Urban Sketchers Meeting vor. Ich freue mich auf euch!

Liebe Grüße Tine




 

Zum Thema weiterlesen bei Tine:

Farbstimmung ist das Gefühl eines Ortes

https://blog.herz-der-kunst.ch/farbstimmung-ist-das-gefuehl-eines-ortes/

 

Interessante und Kurioses über die Wirkung von Farben:

https://karrierebibel.de/farbpsychologie/

 

 

Sketching ist Geschichten erzählen!

 

Sketching ist das schnelle Erfassen von Alltagssituationen. Die gute Skizze ist oft die unverzichtbare Grundlage eines guten Bildes. Warum?

Was ist das Wichtigste an einem Bild?

Fragt man die richtig teuren Maler, was das Wichtigste an einem guten Bild ist, dann sagen alle:

Die Geschichte!

Die Wahrheit dahinter ist, ein Bild kann noch so schlecht sein, wenn es gut erzählt ist, dann lieben es die Leute.

Wir alle kennen dies von Baggern, Haustierbildern oder dem Bild der ersten Autos! Das Herz öffnet sich. Weil Kindheitserinnerungen, die Liebe zum Haustier oder eine tolle Phantasie darin stecken.

Wenn ich das Bild eines VW- Käfers sehe, dann bin ich hin und weg! Ich verbinde damit eine großartige Zeit in meinem Leben!

Da kann man sich einfach nicht wehren!

Denk mal kurz darüber nach! Wir alle haben das Gefühl, wir müssen unsere Maltechnik verbessern, dabei müssen wir vielleicht nur unsere erzählerische Kraft verbessern.

Maler, die viel Sketching betreiben, neu-deutsch für Skizzieren, gewinnen oft viel Kraft in ihren Bildern, weil sie beobachtet haben, was für Geschichten sich an einem bestimmten Platz abspielen.

Gefühle sind effektiver als kalte Technik:

Wer seine Zuschauer packen will, der muss ihre Gefühle ergreifen.  Es ist also sinnvoll, mal über die Atmosphäre und die Stimmung eines Bildes nachzudenken.

Viele erfolgreiche Maler betonen immer wieder, wie wichtig es ist, draußen zu malen, und dies mit drei Ausrufezeichen dahinter.  Sie empfehlen, sich einen Wasserfarbkasten zu schnappen und vor Ort zu beobachten, was man sieht und fühlt.

Denn der reale Ort ist der einzige Platz, wo man die wahre Stimmung beobachten kann.

Ich liebe es aus diesem Grund, Plätze zu malen, die ich sehr gut kenne:

Zum Beispiel die Kreuzung von Aeschenvorstadt und St. Alban-Graben. Hier treffen 5 Straßenbahngleise aufeinander, eine Straßenbahn kommt immer!

Auf einem Foto ist dies unsichtbar.

 

Sieh dich mal um:

Sieh dich einmal aufmerksam um:

Wer sind hier die Hauptakteure?

Wie viele Straßenbahngleise liegen auf dem Boden?

Wie sieht es hier wohl zum Arbeitsschluss aus?

Wenn du den Link anklickst, stehst du auf dem Platz:

Spaziergang über den Platz:

 

Tine Klein Sketching: Malen ist Geschichten erzählen.

Ich beschreibe dir jetzt meine Gefühle zu dem Ort.

Die Sonne sinkt, die Leute eilen mit Einkaufstaschen nach Hause. Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs. Ich husche wie ein panisches Karnickel mit dem Fahrrad über die unübersichtliche Kreuzung in Aeschen, eine Straßenbahn jagt mich:

Wie ein klingelnder wilder Stier!

Und jetzt rennt auch noch einer, ohne zu gucken, über den Radweg.

Ich fühle mich wie Don Quijote und die neonfarbene Bahn ist meine Windmühle.

Jetzt ist nur noch die Frage zu klären, wer hier wen auf die Hörner nimmt, die Bahn mich oder ich den Fußgänger?

Dieses tiefe Wissen über einen Platz schlägt sich dann in meinen Bildern nieder. Ich kann und darf diesen Platz nicht ohne Aktion malen?

Dieser Platz wäre ohne vor Straßenbahnen flüchtenden Passanten völlig irreal!

Ich wette, der Straßenbahnfahrer bekommt bestimmt alle drei Monate frei, wegen Nervenzusammenbruchs!

Sketching und die Geschichte

Wikipedia sagt zum Thema Story Telling;

Eine lebendig erzählte Geschichte gewinnt die Aufmerksamkeit und Konzentration anderer Menschen leichter als eine logisch-sachliche Darlegung von Fakten.

Wenn du ein aufmerksamer Beobachter warst, dann weißt du:

Wenn wir diesen Platz zeigen wollen, dann ist mitnichten das tolle Haus die Geschichte des Bildes. Was wir brauchen sind die Hauptakteure:

  • Straßenbahn
  • jede Menge Passanten
  • Fahrräder
  • und ein bisschen Hektik

Malen lernen ist wie Vokabellernen, lerne mit einfachen Mitteln die Hauptakteure festzuhalten. Sketching ist dabei das einfachste Mittel! Ein kleines Skizzenbuch hilft dir die Aktionen einzufangen.

Es muss nicht jedes Mal ein Kunstwerk sein!

Eine Geschichte muss nichts Weltbewegendes sein

Das Malen beginnt in dem Moment, wo du über ein Motiv nachdenkst.

Schon wenn du darüber nachdenkst, was hier los ist, beginnt die Geschichte. Man muss lernen, einen Ort in Symbole und Metaphern umzusetzen.

Erzähl die Geschichte vom Feierabend!

Sprich, ich male nur, was den Ort ausmacht! Auch wenn jetzt zufällig ein Auto dort stand, Autos sind hier unwichtig! Die Bahn ist der Hauptakteur dieses Ortes!

Ich empfehle, so zu malen, als seiest du auf einem neuen Planeten gelandet. Versuche zuerst mal die wichtigsten Spieler auf dem Platz zu ermitteln.

 Diese Miniübungen werden später deine Bilder großartig machen. Denn Bilder bekommen durch reale Beobachtungen etwas Frisches und Glaubwürdiges. Der kleine Nebeneffekt:  Durch die Skizzen, wird das Bild später gelingen!

Farbe ist Stimmung und Fotos täuschen

Kleine Farbskizzen helfen dir, das Gefühl des Ortes in Farbe zu übersetzen. Bein Storytelling mit Pinsel ist die Farbe der Träger der Emotionen.

Ich habe euch doch vorhin über den Platz laufen lassen. Das Haus war weiß, oder? Tatsächlich ist es gelb und abends beginnt es in der Sonne zu glühen.

Die Straßenbahnen in Basel sind meistens grün oder gelb, meine wurde orange, damit man sie vor dem gelben Haus besser sieht.

Abends werfen die hohen Beton-Häuser lange Schatten über den Platz, während das gelbe Haus in der Sonne steht. Ich fahre ins Licht.

Ich denke über solche Dinge nicht hochtrabend nach, ich erspüre sie! Gutes Sketching und Geschichten erzählen ist, wenn man ganz emotional seinen eigenen Gefühlen folgt.

Liebe Grüße in Wochenende

Tine

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Weiterlesen bei Tine:

https://blog.herz-der-kunst.ch/rot-was-man-ueber-aquarellfarbe-wissen-muss/

https://blog.herz-der-kunst.ch/urban-sketching-die-fuenf-minuten-skizze/

https://blog.herz-der-kunst.ch/urban-sketching-die-fuenf-minuten-skizze/

 

 

 

 

 

Die Macht der Farbfläche !

Aquarell Basel Markt Tutorial zur Macht der Farbfläche Tine Klein

Eine Farbfläche ist mächtig! – Tine Klein: Basel Rathaus  Markt

 

Über die Freude an der Farbe!

Wer ein Motiv mit einer richtig großen Farbfläche gefunden hat, darf sich glücklich schätzen!

Die Farbfläche ist so mächtig, dass man im Motiv eigentlich nicht mehr viel tun muss, um ein tolles Ergebnis zu erzielen.
Doch eines muss einem klar sein, wer flächig mit Farbe malt, der muss sein Mal- oder Zeichenstil umstellen.
Eine große Farbfläche ist so dominant, dass sie kaum Gegenspieler verträgt. Je mehr man diese Fläche beschneidet, desto weniger Kraft entwickelt sie.
Eigentlich ist es nicht logisch, dass man sein Malen oder Zeichenstil umstellen muss, wenn man mit einer großen Farbfläche arbeitet.

Aber wie immer: Viel hilft nicht viel!

Doch aus eigener Erfahrung kann ich dazu ein paar Tipps geben.

Wie gestaltet man eine große Farbfläche?

Der Pinsel machts!

Tipp Nummer 1:

Immer mit großem Pinsel arbeiten!

Wenn man eine große Farbfläche angelegt, dann darf man keinen kleinen Pinsel haben. Arbeitet man zu langsam oder mit kleinem Pinsel, dann hat man ständig irgendwelche hässlichen Ansatzpunkte in der Farbe. Möchte man die Farbfläche ganz gleichmäßig gestalten, muss man das Papier anfeuchten, dies verschmilzt die Farben miteinander.

Im Gegenzug ist es aber ein Trugschluss, dass eine große Farbfläche einfarbig ist.

Auf Häusern findet man ständig Reflexionen, oben und unten sind Häuser gerne verschattet, andererseits werfen bestimmte Gegenstände Lichtreflexe. Die Folge ist, dass man zwar nur eine Hauswand malt, aber ganz und gar nicht mit einer Farbe! Die Farbe wird ständig modelliert. Wichtig ist hierbei, dass man niemals in der Farbe herumrührt.
Die Pigmente werden wütend, wenn du sie von A nach B scheuchst, damit es tolle Verläufe gibt, muss man die Farbe selbst arbeiten lassen.
Baselfischmarkt Aquarell von Tine Klein Tutorial Blog Herz-der-Kunst Farbflächen
Tine Klein Basel Fischmarkt
Wenn du die Farbe aufträgst, musst du selbstbewusst und zügig arbeiten.
Dies ist die größte Herausforderung an dieser Technik. Ich nenne das die Hände-Weg-Phase.
Im Grunde bräuchte man eine kleine Domina auf dem Schreibtisch, die einem sofort, wenn man ungeduldig wird, mit ihrer kleinen Lederpeitsche auf die Hände patscht.
Könnte man dieses kleine fiese Biest als Kunstmaterial verkaufen, würde es viel mehr gelungene Bilder geben, denn die meisten Bilder werden dadurch zerstört, dass man die Farbe viel zu früh weiterverarbeitet.

Einfarbig?

Tipp Nummer 2:
Farbe darf modelliert werden, solange sie feucht ist, Farbflächen sehen am besten aus, wenn man sie von kalt nach warm, von hell nach dunkel oder von strahlend nach matt variiert. Dann lässt man die Farbe trockenen und kann darauf vertrauen, dass ganz weiche Übergänge entstehen.

Die Macht der Farbe entsteht durch die Fläche.

Entsprechend gilt hier das biblische Gebot:

Ich dulde keine anderen Götter neben mir.

Tipp Nummer 3:
Ein Bild mit einer Farbfläche sieht dann am besten aus, wenn man mit einer Farbharmonie arbeitet. Die Farbe wirkt am besten, wenn man sie mit verwandten Farben verarbeitet. Würde man das gleiche Bild mit einem kunterbunten Farbchaos auf dem Marktplatz malen, dann würde einem das Bild die Augen auskratzen.
Deshalb kann es durchaus sinnig sein, die Details in neutralen Farben einzufügen.

Ein bisschen Streit tut gut!

Farbharmonie sind etwas Wunderbares. Sie erzeugen Harmonie!
Manchmal bemerkt man jedoch, dass ein Bild das ausschließlich in einer Farbharmonie gestaltet wurde ein bisschen langweilig wird. Dann schreit es nach einer Prise Komplementärfarbe, denn das ist alles andere als langweilig.

Tipp Nummer 4:

Eine Prise Komplementärfarbe bringt die Farbe zum Leuchten.

Diese Strategie ist etwas für Mutige.

Ein bisschen zu viel und das Bild ist ruiniert.

Tipp Nummer 5:

An schrille Farbkombinationen langsam rantasten.

Die Vorteile der Farbfläche:

Bilder mit großen Farbflächen sind so ausdrucksstark, dass man vieles nicht braucht,
oftmals braucht man nicht mal eine Perspektive, denn das Auge ist von der Farbe fasziniert. Auch zu viele Details sind hinderlich, insbesondere dann, wenn Sie die Farbflächen stören.
Trotzdem muss man eine sehr große Fläche immer durch kleinere Objekte ausbalancieren, sonst wirkt das Bild als würde es umkippen und wirkt zu schwer.

Ich kann dich nur ermuntern dir einmal ein Motiv zu suchen bei dem das ganze Blatt eine große Farbfläche ist. Du wirst feststellen so zu malen ist eine Herausforderung, aber andererseits macht es auch vieles leichter. Diese Bilder wirken immer enorm ausdrucksstark und gleichzeitig harmonisch und zusammengehörig.

Du wirst damit dein Repertoire um eine sehr ausdrucksstarke Methode erweitern, die obendrein auch noch sehr leicht zu lernen ist.

Viel Spaß beim ausprobieren. Bei mir zu Hause in Basel findet man ein Motiv was dafür wunderbar geeignet ist, der Marktplatz vor dem Roten Rathaus in Basel. Viel Spaß ins Wochenende

Liebe Grüße Tine

Weiterlesen bei Tine



https://blog.herz-der-kunst.ch/rot-was-man-ueber-aquarellfarbe-wissen-muss/https://blog.herz-der-kunst.ch/rot-was-man-ueber-aquarellfarbe-wissen-muss/

Verlorene Ecken im Aquarell – loslassen!

Verlorene Ecken im Aquarell

Verlorene Ecken sind eine tolle Technik, denn Bilder wirken dadurch federleicht. Die Technik der verlorenen Ecken macht jedoch auch den Maler glücklich, denn er muss seine Kraft nicht in Unnötiges stecken.
Wenn man diese Technik erlernt hat, dann wird vieles einfacher.

Jedoch ist sie im ersten Moment nicht einfach zu erlernen. Nicht nur die Technik ist etwas kniffelig, das eigentliche Problem ist, das man viele mutige Entscheidungen treffen muss.

Ich habe einen Freund der kann einfach nicht glücklich sein, weil er Entscheidungen aussitzt.

Das Problem ist, dass er ein Prinzipienreiter ist, einfache Lösungen liegen ihm nicht.

Und so wartet die Entscheidung.

Die einzige falsche Entscheidung, die es gibt, ist die Ausgesessene!

Alles krampfhaft richtig machen zu wollen, führt nicht ins Glück und führt auch nicht zu guten Bildern.

Denn die Entscheidung sitzt mit ihrem dicken Hintern bei dir und macht dir die ganze Zeit das Leben schwer!

Willst du Glück und Leichtigkeit? Dann entscheide dich dafür!

Verlorene und gefundene Ecken:

Wer diese Technik erlernt hat, kann relativ schnell sehr aufsehenerregende Bilder malen. Man muss sich dafür entscheiden, dass man Dinge, die einen gerade nicht interessieren, ein bisschen vernachlässigt.

Dafür muss man sich tatsächlich für sich selbst herausfinden:

Was will ich hier eigentlich malen?

Was sich in diesem Moment ein bisschen lächerlich anhört, ist eigentlich die schwerste Frage im Leben. Sich selbst zu positionieren ist schwer, man versucht sich einfach durchzuschlängeln und das ist nicht immer die beste Lösung.

Entscheidungen sind schwer:

Die meisten Bilder gehen dadurch kaputt, dass ich in einem Motiv mehrere Motive verbergen.

Pflichtaufgaben machen nicht happy!

Das hört sich jetzt merkwürdig an, aber ich habe den Sachverhalt schon mehrmals erklärt:
Wenn man sich nicht entscheidet, malt alle Dinge gleichbedeutend, daraus zieht der Betrachter seine Schlüsse. Und diese Rückschlüsse sind durchaus nicht positiv.

Letztendlich heißt es, in diesem Bild war nichts wichtig und auch nichts bedeutsam.

Schauen wir mal auf das Foto was hätte man hier malen können:

  • Man hätte die Wiese malen können, dass Heu im Vordergrund hätte ein wunderbares Motiv abgegeben.
  • Man hätte sich auch auf die Bäume der Allee konzentrieren können.
  • Es gibt dort Störche und ein Blumenfeld beides ist so wundervoll, dass es sicherlich für ein Hauptmotiv taugt.
  • Der Blick in die Ferne ist auch nicht zu verachten.

 

Mach Bilder aussagestark:

Manchmal wartet das Glück nur ein kurzes Stück hinter der Entscheidung, die du nicht treffen willst.

Das blöde daran ist, dass es einem auch noch den Spaß am Malen verdirbt, weil die nicht getroffenen Entscheidungen dich ständig verunsichern.

Du kannst eine Münze werfen, die Entscheidung ist egal!

Wenn du wirfst, wirst du wissen was du wolltest.

In dem ganzen Haufen von Motiven habe ich mich dafür entschieden das Haus am Ende der Allee zu meinem Star zu machen.

Alles andere was mich interessierte war das gute Wetter, denn das war dieses Jahr rar und der Tag wunderschön.


Diese Entscheidung hat Konsequenzen, denn jetzt kann ich Dinge sehr schnell und einfach skizzieren. Ich habe entschieden das Haus ist der Star und man soll das gute Wetter sehen!

Gefundene und verlorene Ecken – die Technik:

Das Hauptmotiv die harte Ecke:

In die Dinge, die einem wichtig sind, sollte man seine Kraft stecken. D. h. man arbeitet sein Motiv ordentlich heraus. Dies ist übrigens gar nicht so schwierig, weil man es mit einem feuchten Pinsel auf trockenem Papier malt. Dadurch entstehen gestochen scharfe Ecken und Kanten. Die Kontrolle dieser Maltechnik ist sehr einfach.

Gut geeignet sind hier nicht nur Pinsel mit einer guten Spitze sondern auch Flachpinsel. Weil es dir sehr hilft die Kanten gerade und ordentlich zu setzen.

Harte Ecken findest du im Motiv fast ausschließlich rund ums Haus und am blauen Himmel.

Die Lockerheit und die verlorene Ecke lieben sich:

Die Prinzipien Reiter hassen die verlorene Ecke, denn die verlorenen Ecken sind die ultimative Leichtigkeit des Seins. An diesem Punkt sagt der Maler, es gehört dazu, und ich male es locker und leicht, kleine Fehler interessieren mich nicht!

Die Entscheidung zur Leichtigkeit ist merkwürdigerweise immer schwer!

Dieses Phänomen findet man überall in Kunst und Kultur. Für die Menschen, die genauso gerne lesen wie ich, habe ich eine Buchempfehlung: Ein bittersüßes Buch: Milan Kundera

“Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins.“

Glück und Leichtigkeit haben eines gemeinsam, sie sind eine Entscheidung.

Um diese Entscheidung in der Malerei zu treffen, muss man die Technik wechseln. Was die Leichtigkeit erzeugt sind leicht verwischte und weiche Ecken. In der Fachsprache nennt man sie verlorene Ecken. Schau einmal in den Hintergrund des Bildes, dort findest du viele völlig unkontrollierte Farbverläufe, vielleicht sogar Wasserflecken.
Dies liegt am Wechsel der Technik, Nun wird sehr schnell gearbeitet. Farbflächen gehen fast unkontrolliert ineinander über. Ein rotes Dach hinterlässt Spuren im Hintergrund.

Alles verbindet sich zu einer Einheit.

Ich brauche dort kein Motiv, nur gut Wetter.

Seelisch ist daran schwierig, dass man kleine Fehler einfach tolerieren muss, denn sie gehören zum Gesamtergebnis.

Technik:

Wem die Geschwindigkeit nicht so liegt, der kann das Papier anfeuchten.

Die Feuchtigkeit im Papier gibt einen mehr Zeit und erzeugt weiche Übergänge. Wer allerdings so feucht arbeitet, sollte darauf achten, dass keine Pfützen entstehen, denn dann gibt es viele unschöne Wasserringe.

Eine weitere Schwierigkeit mit den verlorenen Ecken ist, dass man die Farben deutlich kräftiger malen muss, als man denkt.

Die Entscheidung zur Leichtigkeit

Die Technik der verlorenen Ecken ist nicht einfach zu erlernen, dabei geht es im Wesentlichen um die Kontrolle des Wassers. Viel schwieriger ist jedoch die Kontrolle des Geistes, denn der Schritt das man für ein gutes Bild kleine Fehler zulassen muss, ist geistig schwierig.

 

Ich wünsche dir viel Spaß und ein wundervolles Wochenende. Am besten übt man dies mit vielen kleinen Spontanbildern, die man einfach so aus der Hand malt.

Tine sagt: du darfst Fehler machen

Mach dich auf! Leichtigkeit und Glück sind eine Entscheidung.

Urban Sketching: Die Fünf Minuten Skizze!

https://blog.herz-der-kunst.ch/urban-sketching-die-fuenf-minuten-skizze/

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Eine kleine Anleitung:

https://www.johnlovett.com/edges