Gouache: Wasserfarbe das volle Programm!

Herzlich Willkommen 2022!

Hier geht´s lang!

Na, da haben wir den Salat.

Wo lang geht´s denn lang?

Keine Ahnung, das weiß wohl niemand. Doch die die es auch nicht wissen, die schreien am lautesten.

Ganz im Gegensatz dazu ist der Winter für mich eine schöne Zeit. Um dem Jahreswechsel herum ist für mich die stille Zeit. Und diese Stille nutze ich liebevoll um das neue Wissen auszubrüten.

Manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken:

Mensch, es soll so sein wie immer! Wie vorher!

Doch das Leben geht nicht rückwärts und das ist auch schön so.

Wir werden was Neues finden müssen! Das Gute erkennen.

In der Malerei muss ich nix Neues finden, ganz im Gegenteil, ich möchte etwas Neues finden und zwar in aller Leidenschaft, denn es macht mir Freude! Komm mit, lass dich begeistern.

Wasserfarbe das volle Programm!

Neues finden ist was Schönes! Es geht nicht um entweder oder sondern um Gouache und Aquarell, es sind ein beides Wasserfarben?

Gouache ist die Mutter des Aquarells und wie man lange meinte: „Ein bisschen in die Jahre gekommen!“ Die einhellige Meinung:

„Heute gibt es Besseres, die ist ja deckend, igitt!“ Das Argument stimmt eindeutig! Doch es ist bescheuert!

Was so merkwürdig daran ist, eine Farbe wird nach Eigenschaften beurteilt, die sie eindeutig nicht hat. Das wäre so als wenn ich dich Fragen würde, ob du die hundert Meter unter 10 Sekunden sprintest. Nein? Dann hast du sicher auch keine tollen anderen Eigenschaften! Das ist doch Quatsch! Wie viele tolle Eigenschaften hast du? Und wie doof wäre es, dich nur nach einzig und allein nach deinem 100 Meter Sprint zu beurteilen?

Das Beste holt man aus Menschen, Material und Zeitgeschichte heraus, wenn man fragt:

Was kann´s denn?

Wer kann was?? Gouache und Aquarell.

Es liegt eine gewisse Weisheit darin, zu erkennen was Dinge können, denn das macht sie großartig.

Viele Aquarellmaler probieren einmal Gouache aus und lassen es dann sofort wieder sein, weil die Farbe sich nicht verhält wie Aquarell.

Obwohl Gouache und Aquarell Geschwister sind, verhalten Sie sich beim Malen wie Hund und Katz.

Die große Stärke des Aquarells ist der Zufall, hier kann man wundervolle und unkontrollierte Farbverläufe machen. Aquarellfarbe ist dann großartig, wenn man sie transparent vermalt. Dann leuchtet und strahlt sie ganz wunderbar. Das Aquarell entwickelt also seine Stärke, wenn es ganz flüssig ist. Kommt Aquarellfarbe mit deckenden Pigmenten in Kontakt, dann verändern sich ihre Eigenschaften stark. Passiert dies unkontrolliert sieht es oft nicht hübsch aus. Deshalb haben die deckenden Pigmente einen sehr schlechten Ruf. Im Gegenteil dazu, wird die Gouache erst wach, wenn sie deckend wird.

Tatsächlich malen aber hunderttausende von Malern und Designern sehr gerne mit deckenden Pigmenten. Warum?

Weil sie diese Eigenschaft nicht als Unfall betrachten, sondern als Erweiterung ihrer Möglichkeiten!

Sie benutzen einfach beides, und das gleichzeitig! Das geht, und erzeugt unglaublich schöne Ergebnisse.

Gouache fängt genau dort an wo die Aquarellfarbe Probleme bekommt.

Aquarellfarbe kann man gut bis zu einer Konsistenz von Sahne malen, danach wird sie zu dickflüssig, um einen schönen Farbauftrag zu erreichen.

Die Ergebnisse sind schlierig, matt und nicht schön. Genau an diesem Punkt entwickelt die Gouache ihre Stärke. Man kann sie prima halb deckend malen, dann ist sie vom Aquarell kaum zu unterscheiden.

Tine Klein Tomate Tutorial Gouache

Die beiden Farben arbeiten also mit völlig unterschiedlichen Wirkmechanismen. Aquarell bringt die Farben durch Transparenz zum Strahlen, Gouache die Farben durch starke Dunkelheiten zum Strahlen. Sie überzeugt durch dichte und strukturierte Farbaufträge. Man kann sie sogar auf schwarzem Papier malen.

Tine Klein Malaga Tutorial Gouache

Während man beim Aquarell weiße Stellen kontinuierlich aussparen muss, kann man diese hellen Stellen in der Gouache einfach oben aufsetzen. Praktisch und die Farbe verzeiht viele Fehler.

Gouache ist so deckend, dass man tatsächlich von dunkel auf hell arbeiten kann.

Gouache wie Aquarell?

Gouache kann man durchaus genauso malen wie Aquarell, bei den mittleren Konsistenzen sind die Farben fast identisch.

Tine Klein Schnee malen, Aquarell Tarasp, gouache

In der mittleren Konsistenz kippt das Aquarell langsam in die deckende Gouache um.

Dass es wahrscheinlich nichts Neues für dich, nur weißt du es nicht! Denn in jedem Aquarellkasten sind auch deckende Farben und das ist Gouache.

Dies kannst du oben Bild sehen. Schnee und Bäume sind lasierend, die Schwärze ist Gouache in reinster Form.

Bei der Tomate sieht man kaum, dass sie nicht mit Aquarellfarbe gemalt ist. Denn ist eine Gouache Farbe sehr flüssig, dann wird sie automatisch auch transparenter.

Tine Klein Tomate Tutorial Gouache

Ganz schön dicke!

Doch Gouache entwickelt seinen ganz eigenen Charme, wenn man es in einer dickeren Konsistenz malt. Die Dichte der Farbe ist die Stärke der Gouache:

Tine Klein Tomate Tutorial Gouache

Tomate auf Jeanshose.

Falls du die dieses Jahr mal wieder vorgenommen hast abzunehmen, dann kann ich dir mit diesem Bild beweisen auch dicke Sachen können ganz schön toll sein!

Dadurch das man die Farbe so dick auftragen wird entsteht ein ganz anderer Look!

Man kann so dicht malen, dass man enorme Dunkelheiten erzeugen kann!

Man kann sehr flüssige und dicke Aufträge machen und trotzdem trocknet die Farbe schnell.

Konsistenz:

Die Kunst daran ist die Gouache so aufzutragen, dass sie zwar deckend ist, aber immer noch flüssig.

Wird die Farbe zu dick flüssig, dann hat sie eine Malkonsistenz in etwa von Nivea Creme oder Mayonnaise, das ist unangenehm und zieht Schlieren. Dann klebt sie.

Malen mit Mayo

Diese Konsistenz ist der Grund, warum viele Aquarellmaler mit Gouache am Anfang nicht klarkommen. Doch es ist einfach Übungssache, die Gouache muss ein klein wenig flüssiger als Mayo gemalt werden und dann wird sie traumhaft. Man kann das Endergebnis kaum von Acryl oder Ölmalereien unterscheiden.

Also merke am besten steuerbar ist die Gouache in einer Konsistenz von Sahne!

In der letzten Schicht kann man die Gouache sehr trocken und deckend malen. So erzeugt man zauberhafte Highlights!

Tine Klein Tomate Tutorial Gouache

Man kann die Gouache auch sehr trocken malen, dann gleicht sie der Ölfarbe. Fast wie Öl, klasse, oder?

Durch Dick und Dünn!

Ich möchte meine Farbe dick und dünn!

Man merkt das Aquarell und Gouache sehr begabte Schwestern sind.
Man sollte Dinge nach ihren Stärken beurteilen und nicht krampfhaft nach den Schwächen Ausschau halten.

Für die Menschen, die ihr Repertoire erweitern wollen, gebe ich dieses Jahr einen Kurs über Gouache Farbe. Da die Farbe viel schneller trocknet als Aquarell ist sie wunderbar zum Illustrieren geeignet.

Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass wir alle Dinge nach ihren Stärken beurteilen! Kein Geschrei, sondern Lösungen.

Hey, das scheint doch bei uns im neuen Jahr die Sonne! Na, wenn das mal kein Zeichen ist! Liebe Grüße ins neue Jahr Tine

 




 

Tine die Konsistenzen von Gouache erkläre ich in meinem nächsten Kurs in den Boesner Ateliers der Schweiz:

https://www.boesner.ch/niederlassungen/unternehmen/geschaeftsfelder/veranstaltungen/events-skizzieren-gouache

 

Das Bild der Woche!

Dies ist der Blick aus meinem Fenster! Und es geht um das Thema dieses Blogs: Das Gute erkennen.

Das Restaurant wurde von 2 ziemlich großen Osteuropäern übernommen.  Ich habe gehört, das am Anfang gelästert wurde. Heute sind die beiden Herren die Lieblinge der Straße, denn Niemand kann so zauberhaft mit alten Leutchen umgehen wie die zwei großen Kerle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grau mischen- Farbenfrohes Grau.

Im Sommer waren wir in Cadaquez malen, jetzt waren wir Ende November noch mal da und ich war überrascht wie sehr sich die Farben verändert haben. Selbst hier am Mittelmeer machen sich die Grautöne breit.

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Gerade stehen wir vor dem Tor zum Winter, jetzt wird das Grau mischen wichtig, den Grau kann eine wunderschöne Farbe sein. Jede Jahreszeit hat ihre Farben nun beginnt die Zeit des Graus.

Grau mischen wird unterschätzt:

Will man tolle Bilder malen dann gibt es nur zwei Dinge:

Licht und Schatten!

Farbe ist im Grunde Licht in Tuben, doch das Licht kann nicht existieren, wenn der Schatten fehlt!

Grautöne sind ein wesentlicher Bestandteil von jedem Bild, sie sind genauso wichtig wie die Farben. Wenn also nur Licht und Schatten im Raum stehen, dann ist es doch so verwunderlich, dass wir uns so ungleich viel mehr um die eine Seite kümmern.

Es ist ein bisschen so wie im Märchen: Aschenputtel, die funkelnde Schönheit liegt im Dreck.

Wir sollten also mal genau hingucken, was bewirkt Grau und wie lernt man großartiges Grau mischen?

Grau ist die Ausdrucksstärke!

Dieser Satz ist ein Paradox, will wollen ja keine Bilder malen die wie die grauen Mäuse wirken.

Viele Menschen suchen immer wieder die richtige Farbe. Zum Beispiel ein leuchtendes Rot, ein strahlendes Blau oder ein feuriges Orange.
Nur scheint es die richtige Farbe nicht zu geben, denn kaum hat man sie gekauft ist sie nicht so toll wie erwartet! Denn das Problem liegt in Wirklichkeit nicht in der Farbe, sondern in der Nachbarschaft. Farben werden erst ausdrucksstark durch ihre Nachbarn:

“Der Nachbar ist die graue Eminenz.“

Grau ist im Wesentlichen für die Ausdrucksstärke der anderen Farben zuständig.

Je dunkler das Grau desto stärker fängt die Nachbarfarbe an zu strahlen. Das Auge hat nun den Vergleich, das grau ist schäbig, schmuddelig oder sogar dreckig, deshalb bewertet es die die richtig farbigen Farben als klar, leuchtend und farbenfroh.
Dadurch fangen Bilder plötzlich an zu strahlen. Der gleiche Effekt funktioniert beim weiß, legt man eine graue Fläche daneben, dann fängt das weiß an zu leuchten.


Dies sieht man wunderbar in Bild. Die weißen Häuserfassaden strahlen, weil klar und deutlich sichtbar wird, dass sie ganz anders sind als die grauen Schattenseiten.
Viele Maler benutzen für diese Schattenseiten gekaufte Grautöne. Die meisten Farbfirmen haben 4-5 Grautöne im Programm.

Ein beliebter Grauton

Grau mischen ist ohne Übung mühsam, deshalb hat jede Farbfirma einige Grautöne im Programm. Der beliebteste Grauton ist wohl Paynes Grau. Paynes Grau ist je nach Marke ein mehr oder weniger blau lastiges Grau. Viele Menschen lieben dieses Grau und haben es im Farbkasten für alle Schatten.

Hauptpigmente von Payensgrau sind Blau und Schwarz. Es gibt Firmen, die haben ein rotes Pigment hinzugemischt, andere Gelb oder Siena, dann wird es grünlich.

Je nach Firma ist die Farbe also eine Wundertüte, die mal bläulicher oder grünlicher ausfällt.

Diese Wundertüte wird dein Bild bestimmen, denn es ist einer der Hauptbestandteile deines Bildes.

Grau besteht aus vielen Farben:

Natürlich arbeitet man immer mit dem Grau oder Schwarz was man in Kasten hat, aber genau hier liegt das Problem:

Die Grautöne sind nicht wirklich neutral und sollen es auch nicht sein!

Hausaufgaben: Schau dir die verschatteten Wände farbiger Häuser an. Die Wand eines gelben Hauses, ist ein gräuliches gelb, die Wand eines weißen Hauses, ist vielleicht ein bläuliches grau.
Ein rotes Haus hat vielleicht, einen blauvioletten Schatten. Schatten in der Nähe von Bäumen oder dem Meer werden grünlich oder türkis.

Das eine Grau gibt es also gar nicht! Grau scheint bei näherer Betrachtung eine ganz schön farbenprächtige Angelegenheit!

Grau ist nämlich nicht die eine Farbe, sondern grau besteht aus vielen Farben.

Grau ist eine Farbe, die sich aus den Umgebungsfarben eines Ortes zusammensetzt.

Merke: Grau besteht immer aus 3 Grundfarben:

Blau, Gelb und Rot; die richtige Mischung treffen ist einfach Übung.

Oft braucht man mehr blau als Rot und noch weniger Gelb. Das Mischverhältnis liegt an den benutzten Farben!

Ohne testen, spielen und Erfahrung kommt man da nicht weiter.

 

Siehe Artikel Simplify!

 

Die grauen Herren im Hintergrund!

Benutzt man ein und dieselbe Farbe, um jeden Schatten zu malen, dann setzt man jedem Bild einen Einheitslook auf. Die Stimmung deines Bildes wird von dem vorproduzierten Grau bestimmt. Das was man malt hat einfach nichts mehr mit der Umgebung zu tun. Jedes Bild was man malt verliert ein wenig an Identität, denn jedes Mal ist der Schatten vollkommen gleich. Das heißt wir malen ein Drittel oder mehr als Einheitsbrei,

Deshalb gibt es in der Malerei eine riesige Diskussion!

Die einen lieben ihr Grau, die anderen sagen dies macht die Schatten völlig tot!

Die eine Argumentation ist: Die gleichförmigen Schatten bringen Ruhe, die anderen sagen das Bild verliert seine Aura, weil das Grau seiner farbigen Eigenschaften beraubt wird.
Ich gehöre zu der Fraktion, die sagt:

Male keine toten Schatten!

Wenn du nun noch mal in mein Bild schaust, dann stellst du fest, dass der Schatten viele unterschiedliche Grautöne hat und dies ist nicht zufällig.

Ich zeige hier das Mittelmeer im November, da mit es nicht trostlos aussieht, mische ich das allgegenwärtige Türkis in meine Schattenfarbe. Aber auch Farbe der Tonziegel findet sich in meinen Schattentönen.

 Grau kommt am besten, wenn es aus den Farben des Ortes besteht.

Grau mischen kalt und warm:

Im Bild gibt es Schattenfarben die sich von reinem Grau, ins Blau, Braun oder Türkis neigen.

Möchte ich warme Farben stärken, lege ich kalte blaue oder grünliche Schatten. Bei Kalten Farben benutze ich dann umgekehrt warme bräunliche Töne. Türkise Schatten benutze ich eher für die Stimmung des Bildes.

Du merkst der Spielraum ist groß!

Ein Anfang, Grau mischen durch kleine Variationen:

Jetzt werden viele von euch sagen, schön und gut, es macht mich aber wahnsinnig, wenn ich die ganze Zeit Grau mischen muss.

Wie ihr sicher wisst, halte ich nichts von Hexenjagd.

In einem anderen Artikel habe ich bereits beschrieben, wie ich Grau mische.

Es gibt jedoch noch eine andere Möglichkeit, die ich heute beschreiben möchte.

Du nimmst deinen Grundton Paynes Grau oder Neutraltinte und gibst ihm kleine Spuren der Farben deines Bildes hinzu.

  • Lila macht sie dunkel und stark
  • Sieana gebrannt macht sie warm und erdig
  • Türkis macht sie frisch
  • Kobalt Azur macht sie weich

Aber alles muss zum Bild passen, die Farben des Bildes sind die beste Wahl.

Nimm dein Grau und gib dein bisschen deines Blaus hinzu. Das nächste Mal kommt eine Spur der Farbe der Dächer hinzu!

Die Schatten werden zum Leben erweckt!

Grau mischen wird dabei zur Freude, denn dadurch bilden alle Farben des Bildes eine Einheit.

Dein Bild wird es dir danken!

Liebe Grüße ins Wochenende Tine!




 

Grundfarben! Simplify!

https://blog.herz-der-kunst.ch/grundfarben-simplify/

https://blog.herz-der-kunst.ch/triste-farben-das-licht-schenken/

 

 

Verlorene Ecken im Aquarell – loslassen!

Verlorene Ecken im Aquarell

Verlorene Ecken sind eine tolle Technik, denn Bilder wirken dadurch federleicht. Die Technik der verlorenen Ecken macht jedoch auch den Maler glücklich, denn er muss seine Kraft nicht in Unnötiges stecken.
Wenn man diese Technik erlernt hat, dann wird vieles einfacher.

Jedoch ist sie im ersten Moment nicht einfach zu erlernen. Nicht nur die Technik ist etwas kniffelig, das eigentliche Problem ist, das man viele mutige Entscheidungen treffen muss.

Ich habe einen Freund der kann einfach nicht glücklich sein, weil er Entscheidungen aussitzt.

Das Problem ist, dass er ein Prinzipienreiter ist, einfache Lösungen liegen ihm nicht.

Und so wartet die Entscheidung.

Die einzige falsche Entscheidung, die es gibt, ist die Ausgesessene!

Alles krampfhaft richtig machen zu wollen, führt nicht ins Glück und führt auch nicht zu guten Bildern.

Denn die Entscheidung sitzt mit ihrem dicken Hintern bei dir und macht dir die ganze Zeit das Leben schwer!

Willst du Glück und Leichtigkeit? Dann entscheide dich dafür!

Verlorene und gefundene Ecken:

Wer diese Technik erlernt hat, kann relativ schnell sehr aufsehenerregende Bilder malen. Man muss sich dafür entscheiden, dass man Dinge, die einen gerade nicht interessieren, ein bisschen vernachlässigt.

Dafür muss man sich tatsächlich für sich selbst herausfinden:

Was will ich hier eigentlich malen?

Was sich in diesem Moment ein bisschen lächerlich anhört, ist eigentlich die schwerste Frage im Leben. Sich selbst zu positionieren ist schwer, man versucht sich einfach durchzuschlängeln und das ist nicht immer die beste Lösung.

Entscheidungen sind schwer:

Die meisten Bilder gehen dadurch kaputt, dass ich in einem Motiv mehrere Motive verbergen.

Pflichtaufgaben machen nicht happy!

Das hört sich jetzt merkwürdig an, aber ich habe den Sachverhalt schon mehrmals erklärt:
Wenn man sich nicht entscheidet, malt alle Dinge gleichbedeutend, daraus zieht der Betrachter seine Schlüsse. Und diese Rückschlüsse sind durchaus nicht positiv.

Letztendlich heißt es, in diesem Bild war nichts wichtig und auch nichts bedeutsam.

Schauen wir mal auf das Foto was hätte man hier malen können:

  • Man hätte die Wiese malen können, dass Heu im Vordergrund hätte ein wunderbares Motiv abgegeben.
  • Man hätte sich auch auf die Bäume der Allee konzentrieren können.
  • Es gibt dort Störche und ein Blumenfeld beides ist so wundervoll, dass es sicherlich für ein Hauptmotiv taugt.
  • Der Blick in die Ferne ist auch nicht zu verachten.

 

Mach Bilder aussagestark:

Manchmal wartet das Glück nur ein kurzes Stück hinter der Entscheidung, die du nicht treffen willst.

Das blöde daran ist, dass es einem auch noch den Spaß am Malen verdirbt, weil die nicht getroffenen Entscheidungen dich ständig verunsichern.

Du kannst eine Münze werfen, die Entscheidung ist egal!

Wenn du wirfst, wirst du wissen was du wolltest.

In dem ganzen Haufen von Motiven habe ich mich dafür entschieden das Haus am Ende der Allee zu meinem Star zu machen.

Alles andere was mich interessierte war das gute Wetter, denn das war dieses Jahr rar und der Tag wunderschön.


Diese Entscheidung hat Konsequenzen, denn jetzt kann ich Dinge sehr schnell und einfach skizzieren. Ich habe entschieden das Haus ist der Star und man soll das gute Wetter sehen!

Gefundene und verlorene Ecken – die Technik:

Das Hauptmotiv die harte Ecke:

In die Dinge, die einem wichtig sind, sollte man seine Kraft stecken. D. h. man arbeitet sein Motiv ordentlich heraus. Dies ist übrigens gar nicht so schwierig, weil man es mit einem feuchten Pinsel auf trockenem Papier malt. Dadurch entstehen gestochen scharfe Ecken und Kanten. Die Kontrolle dieser Maltechnik ist sehr einfach.

Gut geeignet sind hier nicht nur Pinsel mit einer guten Spitze sondern auch Flachpinsel. Weil es dir sehr hilft die Kanten gerade und ordentlich zu setzen.

Harte Ecken findest du im Motiv fast ausschließlich rund ums Haus und am blauen Himmel.

Die Lockerheit und die verlorene Ecke lieben sich:

Die Prinzipien Reiter hassen die verlorene Ecke, denn die verlorenen Ecken sind die ultimative Leichtigkeit des Seins. An diesem Punkt sagt der Maler, es gehört dazu, und ich male es locker und leicht, kleine Fehler interessieren mich nicht!

Die Entscheidung zur Leichtigkeit ist merkwürdigerweise immer schwer!

Dieses Phänomen findet man überall in Kunst und Kultur. Für die Menschen, die genauso gerne lesen wie ich, habe ich eine Buchempfehlung: Ein bittersüßes Buch: Milan Kundera

“Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins.“

Glück und Leichtigkeit haben eines gemeinsam, sie sind eine Entscheidung.

Um diese Entscheidung in der Malerei zu treffen, muss man die Technik wechseln. Was die Leichtigkeit erzeugt sind leicht verwischte und weiche Ecken. In der Fachsprache nennt man sie verlorene Ecken. Schau einmal in den Hintergrund des Bildes, dort findest du viele völlig unkontrollierte Farbverläufe, vielleicht sogar Wasserflecken.
Dies liegt am Wechsel der Technik, Nun wird sehr schnell gearbeitet. Farbflächen gehen fast unkontrolliert ineinander über. Ein rotes Dach hinterlässt Spuren im Hintergrund.

Alles verbindet sich zu einer Einheit.

Ich brauche dort kein Motiv, nur gut Wetter.

Seelisch ist daran schwierig, dass man kleine Fehler einfach tolerieren muss, denn sie gehören zum Gesamtergebnis.

Technik:

Wem die Geschwindigkeit nicht so liegt, der kann das Papier anfeuchten.

Die Feuchtigkeit im Papier gibt einen mehr Zeit und erzeugt weiche Übergänge. Wer allerdings so feucht arbeitet, sollte darauf achten, dass keine Pfützen entstehen, denn dann gibt es viele unschöne Wasserringe.

Eine weitere Schwierigkeit mit den verlorenen Ecken ist, dass man die Farben deutlich kräftiger malen muss, als man denkt.

Die Entscheidung zur Leichtigkeit

Die Technik der verlorenen Ecken ist nicht einfach zu erlernen, dabei geht es im Wesentlichen um die Kontrolle des Wassers. Viel schwieriger ist jedoch die Kontrolle des Geistes, denn der Schritt das man für ein gutes Bild kleine Fehler zulassen muss, ist geistig schwierig.

 

Ich wünsche dir viel Spaß und ein wundervolles Wochenende. Am besten übt man dies mit vielen kleinen Spontanbildern, die man einfach so aus der Hand malt.

Tine sagt: du darfst Fehler machen

Mach dich auf! Leichtigkeit und Glück sind eine Entscheidung.

Urban Sketching: Die Fünf Minuten Skizze!

https://blog.herz-der-kunst.ch/urban-sketching-die-fuenf-minuten-skizze/

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Eine kleine Anleitung:

https://www.johnlovett.com/edges

 

Malen lernen mit Wissen und Intuition

Tutorial Malen lernen von Tine Klein Aquarell Marktplatz in Basel

Tine Klein Marktplatz in Basel

Malunterricht, wann ist er super?

Die Frage stelle ich mir natürlich, du dir auch, oder? Ich schlüpfe deshalb zwei- bis dreimal im Jahr selbst in die Rolle der Malschülerin.

In einem meiner letzten Artikel ging es um die Malblockade. Heute möchte ich darüber schreiben, was eigentlich passiert, wenn es super klappt. Wie funktioniert das mit dem leichten Lernen?

Wann lernt man so richtig super gut?

Bei mir ist es der Umstand, dass ich nichts erwarte. Dazu möchte ich euch die Geschichte des besten Malkurses erzählen, den ich mitgemacht habe.

Die Geschichte zum Blog:

Ich habe LK in Portugal getroffen, eine tolle Woche, power malen mit ganz vielen unterschiedlichen Menschen (vor Corona). Immer wieder sind wir uns begegnet. Ich schätze LKs Kunst! Er ist ein Meister, aber wir sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht! Dann kam eine überraschende Einladung. Obwohl wir Yin und Yang sind. Er sagte, das nächste Mal, wenn ich in Europa bin, besuchst du mich im Kurs.

 

Tine Klein und LK Bing watercolor, urban sketching.

Tine und LK

Ich war verblüfft. Ich liebe LKs Schwarz-Weiß-Skizzen. Die sind so schön, dass sie mich einschüchtern.

Lk Bing „Venedig“

Die sind einfach großartig!  Als wir in Portugal waren, hat er dieses Bild gemalt. Ich hasse Schwarz, aber bei ihm sieht es toll aus.

LK Bing „Der Turm in Porto“

Aber ich war skeptisch, LKs Bilder sind so perfekt, sie sehen pedantisch geplant aus, und das alles bin ich überhaupt nicht!  Auf ins Abenteuer! Ein Jahr später schneite ich in LK Bings Kurs. Im  Kurs ging es um dreckige Farben, kein Witz! Dreckige Farben! Und das bei einer Frau, die die buntesten Kleider der Weltgeschichte trägt!

Malen lernen – keine Erwartungen und Begeisterung!

Beim Malenlernen ist Begeisterung immer eine tolle Voraussetzung, das öffnet das Gehirn.  Malenlernen klappt bei mir am besten, wenn ich den Kopf ausschalte, deshalb war es vielleicht gar nicht so übel, dass ich mir von diesem Kurs nichts erwartete. Ich saß im Kurs und dachte: Ich mach einfach mit, in dreckigen Farben male ich zu Hause nie im Leben!

Also ließ ich mich von LK am Händchen nehmen und folgte ihm brav.

LK Bing

Das ist LKs Bild, meine Varianten, simultan entstanden, seht ihr unten.

Dadurch, dass ich absolut nichts wollte, war das Lernen so einfach. Ich fing schon an, während der Demo mitzumalen. Ich hab es gemacht und es hat  von selber Früchte getragen. Die Begeisterung kam mit dem Tun! Es war, als wenn mir in meinem gigantischen Wissenspuzzel fehlende Steine zugeworfen wurden, sie sind mir einfach im Schoß gelandet, ohne Anstrengung.

Malen lernen durch das einfache Mitmachen

Wer etwas lernen möchte,  muss sich nur in Bewegung setzen.

Tatsächlich ist es oft einfach, wer sich mit Dingen beschäftigt, findet auch etwas. Ich habe im Kurs gemalt wie in Trance! Bild um Bild. Ich war im Leerlauf, ich habe das Wissen einfach aufgenommen und es eingeübt. Ich habe mir dabei gar keine Gedanken darüber gemacht. Ich wollte das Wissen ja eigentlich nicht benutzen.

Zum Malen waren ca, 1.5 Stunden Zeit und ich war wie eine Malmaschine.

Zuerst Vorzeichnungen.

Dann ganze Bilder. Der Kurs hatte 3 Stunden und ich hatte das Gefühl, ich stehe neben mir, ich habe gemalt wie entfesselt.

Tine Klein Malen lernen mit LK Bing

Bei anderen Malkursen und Lehrern war dies anders, ich war hoch interessiert an der Technik. Wollte sofort Ergebnisse sehen! Ich war wie vernagelt. Offensichtlich hat mich der mangelde Stress in LKs Kurs einfach frei gemacht.

Wissen, was ich gar nicht wollte!

Lustigerweise wollte ich auf keinen Fall LKs konservative Techniken in meinen Bildern. Doch ich habe es mir offen und freundlich angehört und mitgemacht!

Wichtig ist, dass man keine Vorurteile gegen Wissen hat! Denn man kann oft Dinge gebrauchen, an die man nicht dachte.

Ich habe nichts erwartet,  aber auch nichts abgelehnt! Das war das reinste Glück!

Hinterher saß ich da UND WAR GESCHOCKT! Das Wissen hatte mich ergriffen und einfach weggetragen.

Wissen ist wie Saatgut!

Die Situation erinnerte mich an meinen Garten, ich habe einmal Tomaten gekauft und aus Versehen war eine Paprika dabei, das war unerwartet, aber super! Denn die Paprika entwickelte sich prächtig.

Sei immer offen für das Wissen!

Sicher kennst du jemanden, der richtig blöd ist und es selbst nicht merkt! Das Problem mit Wissenslücken ist, dass man selbst nicht weiß, wo sie liegen. Gerade beim Malenlernen ist dies leider allzu oft so, denn es gibt unendlich viele Wissensbereiche. Wenn man also Wissen geschenkt bekommt, dann sollte man zugreifen und nicht meckern!

Malen lernen – das Wissen und der eigene Stil

Malen sollte man aus dem Bauch heraus, doch Bauchwissen ist eine Mischung aus Gefühl und Wissen, das so tief verinnerlicht ist, dass man nicht mehr darüber nachdenkt.

Deshalb ist Malenlernen nicht einfach, man muss ja zwei völlig unterschiedliche Dinge verschmelzen: Technik und Gefühl.

Wenn man etwas weiß, dann heißt dies noch lange nicht, dass man es benutzen muss. Und es heißt noch viel weniger, dass man es so benutzen muss, wie der Lehrer es einem beigebracht hat.

Es ist immer wichtig, ein Handwerkszeug den eigenen Bedürfnissen anzupassen.

Der erste Schritt beim Malenlernen ist, etwas völlig klaglos und mit offenem Geist zu lernen.

Es fühlt sich falsch an!

Weil das neue Wissen nicht in dein System passt, fühlt es sich erst mal falsch an.  Wichtig ist, dass man den Geist so freundlich und so weit öffnet wie möglich. Denke, während du lernst,  nicht daran, dass du es anders machen würdest, lern es einfach! Das ist manchmal sehr schwer. Denn unsere Vorurteile sitzen oft tief, und dies ist immer ein Fehler!

Vorurteile sind harte Lernhindernisse.

Der zweite Schritt ist zu begreifen, was man noch damit tun kann. Dafür muss das Erlernte aber fest in dir verankert sein. Du musst es kapiert haben. Also ist beim Malenlernen Schritt 2 das Einüben.

Malen lernen – Rock and Roll

Der zweite Schritt ist es, das erlernte Wissen zu verdauen.

LK Bing „Eine  Kirche in Chuang“, das ist prächig, genial aber nicht mein Style.

Tine Klein Sacre couer Tutorial Malen lernen

Tine Klein  „Sacre Coer in Paris“

Wenn ich meine wilden  fünf Minuten habe, dann zeichne ich eine Kirche auch mal so. Ein kleiner Unterschied zu LKs Kunst. So zeichne ich,  wenn ich als Illustratorin unterwegs bin. Hier hilft LKs Wissen wenig, das ist aber kein Grund, die Ohren zu schließen. Also schaue ich, wobei es sonst noch hilfreich ist.

Malen lernen: Brücken zu den eigenen Ideen schlagen

Bei allen Vorbehalten habe ich schnell begriffen, dass ich mit Lks Wissen mehr Handwerkszeug in den Händen halte. Der Anknüpfungspunkt liegt beim Licht!

Wichtig ist es, wenn man beim  Erwerb von Wissen Ausschau nach Anknüpfungspunkten hält.

Er fängt das Licht  in getragenen Farben, und ich tue dies in leuchtenden und hellen Farben. AHA!

Wenn man vom Lehrer gelernt hat, darf man sich nicht auf die faule Haut legen. Dann heißt es: Was stelle ich den selbst mit dem Wissen an? Mir war klar, die Grautöne helfen mir beim Licht. Nach dem Kurs war ich wie vor den Kopf geschlagen, ich habe gemerkt, wie das Wissen in mir rumort und arbeitet.

Man muss nur den Punkt finden, wo man das Wissen aufsaugen und es für die eigene Kunst lecker schmeckt.

Der erste Schritt ist: Regeln lernen, der zweite Schritt ist: die Techniken einüben. Der dritte Schritt ist es, die Regeln zu brechen. Der vierte Schritt  ist es, Herz und neue Technik zu vereinen!

Ich mache meine Schüler gerne zu Anarchisten, doch…

Künstlerische Freiheit darf keine Ausrede für Unfähigkeit sein.

Auch ich nehme gerne Wissen mit, und dann muss ich es verdauen. Biege die Regeln so lange,  bis sie zu dir passen!

Malen lernen – kein Respekt für fragloses Abkupfern

Das Lernen läuft absolut easy, wenn man sich freundlich öffnet. Mach es einfach mal so, wie der Lehrer es sagt. Techniken und Regeln, die super zu dir passen, darfst du immer übernehmen. Doch du solltest es dir nicht zu bequem machen.  Was funktioniert eigentlich für dich?

Du darfst auf die Regeln einschlagen.

Überlege, was ist mir wichtig? Wie weit kann man Regeln beugen! Ab wann funktioniert der Lehrstoff nicht mehr? Diese Gedankengänge sind wichtig, und das muss man ausprobieren!

Viel Futter für den Papierkorb!

Ist dir schon mal aufgefallen, dass  Menschen, die die Perspektive wirklich verstanden haben, alle perspektivischen Regeln brechen können,  und es sieht auch noch super aus!  Frechheit!? Nein, diese Menschen haben gelernt und dann haben sie alles aussortiert und ihre eigenen Regeln geschaffen!

Kreativität heißt,  eigene Regeln zu erschaffen.

Was ist mir von LKs Kurs geblieben?

Zuerst fand ich die dreckigen Farben inakzeptabel.

Doch dann habe ich genauer hingeschaut und Schönes gefunden.

Ich habe so lange gemischt, bis ich farbige Grautöne gefunden habe, die perfekt zu meinen Farben passen. Ohne dass ich mich vorbehaltlos auf LKs Wissen eingelassen hätte, wäre dieses Wissen an mir vorbei gegangen. Heute benutze ich das Wissen über schmutzige Töne vor allen in den Randbereichen meiner Bilder. Ich mische meine Grautöne aus unheimlich leuchtenden Farben zum Beispiel aus Pink und Türkis.

Wenn ich heute Aquarelle male, dann lege ich immer noch keinen Wert auf Photorealismus, dennoch kann ich dank LKs Kurs auch ganz entspannt mit schmutzigen Farben umgehen. Ich weiß nun, welche schmutzigen Farben ich mag. Mein Grau muss deutlich farbig sein.

Das eigentliche Malenlernen erfolgt also zuhause. Es kann auch vorkommen, dass du etwas nicht willst und brauchst. Das kann man aber erst entscheiden, wenn du den Lehrstoff verstanden hast! Das schwierige am Malenlernen ist, dass sich erst mal jede neue Technik nicht richtig anfühlt.

Beim Lernen gilt: I do it  my way!

Und dies ist keine Ausrede,  sich vor unliebsamem Wissen zu drücken 😀

Jetzt wisst ihr, was mit dem Wissen passierte, das ich gar nicht wollte.

Manchmal male ich heute so, mein Repertoire hat sich erweitert. Nicht dreckig, aber mit viel mehr Wissen über über schönes Grau.

 

Liebe Grüße ins Wochenende

Tine

 

Danke für eure Liebe Unterstützung:


Weiterlesen bei Tine:

https://blog.herz-der-kunst.ch/bildsprache-kurs-des-jahrestreffen-der-deutschen-urban-sketchers/

Hier könnt ihr Anknüpfen der zweite Teil geht um ein Ähnliches Thema:

https://blog.herz-der-kunst.ch/sag-es-in-farbe-bildsprache-teil-2-usk-hamburg/

Sag es in Farbe! Bildsprache Teil 2 USK Hamburg

https://www.facebook.com/bing.lk/videos/10220688534137244

Analoge Harmonie, schöne Bilder leicht gemacht!

Hallo, ihr Lieben,

Tine Klein Aquarell, Zürich, Frauenbadi, Limmat Analoge Harmonie

Heute geht es um die limitierte Palette in der Form der analogen Harmonie, damit möchte ich  das Thema von letzter Woche vertiefen.
Denn leider konnte ich kein weiteres Video drehen, denn das gute Wetter hat einen kleinen Nachteil, Zecken!
Leider habe ich eine infizierte erwischt, und bin ein bisschen schlapp durch das Antibiotika.
Letzte Woche habe ich darüber geschrieben, wie gut es ist, den Kopf einfach frei zu haben, wenn man sich von einer Grundfarbe leiten lässt. Gerade wenn ich ein bisschen schlapp und gestresst bin, dann brauche ich es einfach idiotensicher.
Idiotensicher!  Und schon sind wir bei: analoge Harmonie!
Die wirklich einfachste Art, wunderschöne und harmonische Bilder zu erzeugen, ist die Hälfte des Farbkreises.

Analoge Harmonie, die Hälfte des Farbkreises

Was sind analoge Harmonien? Analoge Harmonien sind Farben, die sich am Händchen halten, d. h. wir sprechen hier über zwei Grundfarben und ihre Mischfarbe, die dazwischen steckt.
Bei der analogen Harmonie kann man so gut wie nichts falsch machen.
Mischt man aus zwei Grundfarben, dann werden die Mischfarben immer automatisch zu den Grundfarben passen. Es wird also nie passieren, dass sich ein Orange mit dem Gelb und dem Rot,  aus dem es gemischt wurde,  beißt.
Einfacher geht es nicht! Das Ergebnis wird ganz supersicher zusammenpassen.
Der kleine Nachteil, die Ergebnisse können enorm unspektakulär aussehen. Alles ist harmonisch, alles ist in Ordnung und doch ist es todlangweilig.
Wird die analoge Farbharmonie falsch eingesetzt, dann wird sie aussehen wie der Nachbar, der sich auch im Privatleben so anzieht,  als würde er morgens zur Buchhaltung gehen.
Die analoge Harmonie muss aber nicht langweilig sein, ganz im Gegenteil, in Meisterhand wird sie zum glitzerndem Superstar.
Der Trick: vielfältig mischen.

Vom Mischen und Kaputtmischen!

Die schönsten Töne erhält man, wenn man klare und transparente Grundfarben miteinander mischt.

Tipp Nummer 1: Mischmuffel tabu

Pfoten weg von vorgemachten Farbtönen. In sehr schönen Farben können sehr unterschiedliche Pigmente stecken. Je mehr Pigmente in einer Farbe sind, desto schlechter lässt sie sich mischen. Das Ergebnis sieht dickflüssig und ein wenig grau aus.

Analoge Harmonie liebt Abwechslung:

Harmonische Farbwelten wirken besonders toll, wenn sie abwechslungsreiche und vielfältige Farbtöne zeigen.
Sie bieten dem Auge Futter, durch die Abwechslung von hell und dunkel und viele kleine farbliche Unterschiede.
Tipp Nummer 2: Die Vielfalt macht’s
Du benutzt in der analogen Harmonie immer zwei Grundfarben. Toll werden die Mischergebnisse, wenn du nicht nur die zwei Grundfarben hast, sondern auch unterschiedliche Töne der beiden Grundfarben benutzt, denn dann kannst du eine unglaubliche Menge an harmonischen Mischfarben erzeugen.
Optimalerweise sollten die beiden verwendeten Varianten deiner Grundfarbe kalt und warm sein.

Das Spiel mit Farbe und Form und Licht

Monotonie vermeiden, das ist die Hauptaufgabe einer brillanten analogen Harmonie.
Wenn man sich auf das Mischen in einer Farbfamilie beschränkt, dann hat man den Kopf frei, um andere raffinierte Dinge zu tun.
Wir haben zwei verschiedene Zellen im Auge, Stäbchen und Zapfen.
Die einen wollen Licht, die anderen sind an Farbunterschieden interessiert!
Tipp Nummer 3:
Gib dem Auge Futter! Verschachtele die Farben so, dass Stäbchen und Zapfen gefüttert werden.  Hell und Dunkel und vielfältige Farbunterschiede müssen ineinandergreifen wie ein Uhrwerk.
Ich finde es wirklich wichtig, dass man die Farbfamilie um etwas Aufregendes bereichert, das kann eine auffällige Zeichnung sein,  aber auch das Spiel mit aufregenden Formen oder dem Licht.
Schauen wir ins Bild.
Zählt einmal, wie viele unterschiedliche Farbtöne ihr in diesem Bild findet, es sind sehr viele.
Besonders wichtig finde ich aber, dass scharfkantig definierte Formen mit sehr unterschiedlichen Farben oder Lichtstärken sich ineinander verschachteln,  das braucht Vorbereitung. Die Untermalung des Bildes ist chaotisch und legt die Grundlage für die Vielfältigkeit.
So wild sieht es aus,  wenn man die Farbunterschiede und Verschachtelungen vorbereitet.
Arbeitsschritt Analoge Harmonie im Aquarell

Der Farbklecks wirkt Wunder!

Der Farbklecks in der Komplementärfarbe, also die Farbe, die auf dem Farbrad auf der anderen Seite liegt, wirkt Wunder.
Das ist so ein bisschen wie: Gib den Affen Zucker!
Der Wellenlängenabstand zur Komplementärfarbe ist einfach so hoch, dass er für das Auge wie Kokain wirkt.
Winzige Kleckse davon reichen, um ein ganzes Bild zu beleben.
Die Frauenbad am Stadthausquai in Zürich Aquarell von Tine Klein
 
Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren und hoffe, dass ich euch das nächste Woche als Videobotschaft nachreichen kann.

Summary:

Analoge Harmonien  passen immer zusammen. Das ist ein bisschen wie Familienkuscheln im Körbchen. Manchmal kann man zu viel Harmonie aber gar nicht aushalten, deshalb braucht man ein bisschen Aufregung.
Wenn es langweilig wird, dann lechzt man nach Abwechslung.
 
Liebe Grüße ins Wochenende wünscht euch Tine, probiert es mal aus.
Kaffeekasse! Wie jede Woche ein fettes DANKE an die Spender.



 

Weiterlesen bei Tine

Wie immer gibt es in der Kunst auch die andere Möglichkeit, die Kunst lebt von der Vielfalt der Möglichkeiten.

Farbenprächtig versus limitierte Palette

Farbenprächtig versus limitierte Palette?

 

 

Aquarellstifte machen tolle Effekte

Aquarellstifte und das Image der Buntstifte

Weiße Gasse in Augsburg Aquarell von Tine Klein mit Buntstiften

Aquarell kleine Gasse hinter dem Rathaus in Augsburg Weiße Gasse

Aquarellstifte haben so ein bisschen das Image von Buntstiften. Ein Kunstmaterial, welches man auch ohne Bedenken seinem vierjährigen Kind in die Hand drücken würde.

Doch die Hände mit Bouquet von Pablo Picasso sehen verdächtig nach Buntstift aus.

Ich konnte schon früh zeichnen wie Raffael, aber ich habe ein leben lang dazu gebraucht, wieder zeichnen zu lernen wie ein Kind.

Doch Aquarellstifte sind ein ziemliches Hightechmaterial, man muss diese Stifte ja nicht benutzen wie eine Vierjährige.

Gerade in Kombination mit Aquarell machen diese Stifte, das Leben viel leichter. Wenn man mit seinen hochwertigen Aquarellfarben ein tolles Bild gemalt hat und dann doch noch einmal sehr kleine Strukturen in dem Bild ergänzen muss, dann steht einem der Schweiß auf der Stirn, denn man weiß ganz genau die Gefahr dieses Bild zu verderben ist sehr hoch.

Aquarellstifte sind kein Kunstmaterial für Kinder, sondern eine sehr clevere Erweiterung von Aquarelltechniken.

Wie kann man Aquarellstifte im Aquarell einsetzen?

Für das Aquarell ist der Aquarellstift sozusagen der beste Kumpel. Aquarellfarbe ist den Stiften in Qualität oftmals ein wenig überlegen. Gerade bei großen Flächen ist es ja logisch, dass sich Farben einfacher verarbeiten lassen als Aquarellstifte.

Spannend wird es jedoch, wenn man den Aquarellstift dafür benutzt, das Aquarell durch Techniken zu ergänzen, die man mit den Pinsel einfach nicht erreichen kann. Besonders gut eignet sich der Aquarellstift für die folgenden Dinge:

  • Licht und Schatten ganz deutlich herauszuarbeiten, auch in kleinen und sehr filigranen Stellen
  • Farbeffekte intensivieren
  • Übergänge weich zu verblenden
  • kleine Fehler ausbessern
  • kleine Überraschungseffekte auf dunkler Farbe zu erzeugen
  • Graphische Effekte und Linien einfügen

Qualität von Aquarellstiften

Damit das auch wunderbar klappt, müssen Aquarellstifte eine gewisse Qualität haben. Viele dieser Effekte kann man ebenso mit sehr preiswerten Aquarellstiften erzeugen. Stifte minderer Qualität haben jedoch drei Eigenschaften die mich regelmäßig ärgern.

Löslichkeit der Aquarellstifte:

Preiswerte Aquarellstifte sind häufig nicht löslich, dann bleiben total hässliche Striche im Aquarell stehen. Das sieht einfach nur dilettantisch aus.

Deshalb ist die erste Forderung die ich an einen Aquarellstift stelle:

Absolute Löslichkeit

Ich möchte selbst entscheiden ob man einen Strich sieht oder nicht.

Bei meinem Test (Siehe unten) mit einem No-Name Produkt und Aquarellstiften, die wirklich Kunstmaterial sind, schnitten beide gut ab im Kritzeltest. Beide ließen sich auflösen, dies ist aber nicht immer so.

Mischen  und Füllstoffe:

Man bezahlt viel Geld, damit man absolut transparente und wunderschöne leuchtende Aquarellfarben hat. Jetzt wäre es ja Wahnsinn diese wunderbaren Farben mit einer minderen Qualität zu vermatschen.

Einige Marken lassen sich nicht gut mischen. Wenn man zwei Farben ganz normal mischt, wie man dies auch beim Aquarell tun würde, entstehen sehr matte und wenig leuchtende Farben.  Das sieht man in dem großen Kasten oben ganz deutlich. Links ist der Stift noch trocken, dort kann man die schlechtere Pigmentierung des billigen No-Name Stifte zwar vermuten, kommt aber Wasser ins Spiel, dann verteilen sich die wenigen Pigmente und man sieht kaum noch Farbe.  Der Stift, der mit K markiert ist, ist das Kunstmaterial, ein Unterschied wie Tag und Nacht. Dies liegt daran, dass die Firmen die Pigmente in den Stiften durch Füllstoffe strecken. Meistens sind die Pigmente durch zinkhaltiges Weiß gestreckt, auch bekannt als Deckweiß.

Wenn man diese Stifte mit normaler Aquarellfarbe mischt, wird sie sofort stumpf, also keine gute Idee. Deshalb sollte man diese schlecht pigmentierten Stifte nicht zum Mischen einsetzen.

Gute Aquarellstifte haben jedoch die gleichen tollen und klaren Pigmente wie Aquarellfarben.

Tolle Farbeffekte:

Die Aquarellstifte besserer Marken verhalten sich anders, in diesen Stiften sind Pigmente extrem stark konzentriert. Man muss erst einmal lernen die Pigmente zu kontrollieren. Der Anfänger trägt oft viel zu viele Pigmente auf. Kommen diese Pigmente mit Wasser in Berührung explodieren sie regelrecht in ihrer Leuchtkraft. Sieht man oben deutlich, die Mischung aus Blau und Gelb gibt eine tolle klare und sehr kräftige Farbe.

Deshalb gilt die Devise zart und nicht hart

Ganz wunderbar ist dies um an einigen wenigen Stellen im Bild unglaublich leuchtende und intensive Farben zu erzeugen.

Die Marken:

Ich bin in diesem Blog neutral, ihr lest keine Werbung. Eine echte Marktübersicht habe ich nicht. Meine Stifte sind meistens die Museum von Caran Dáche, manchmal auch von Faber Castell.  Als ich sie kaufte, habe ich mal in den Foren nachgelesen, welche Stifte Pigmentstark und Lichtecht sind. Im Laden habe ich sie dann ausprobiert, die beiden fand ich Klasse.

Aber Vorsicht vor Testberichten von Laien, die wichtigen Fragen stellen diese nicht. So fallen solche Fragen wie Lichtechtheit, bei selbsternannten Testern oft hintenüber, das die Bilder verblassen werkt man ja erst 3 Monate später.

Ist das wirklich wichtig? Ja, und ob schaut mal meine Aufkleber lagen auf der Fensterbank:

Entschieden habe ich mich für die Museum von Caran Dáche weil sie Lichtecht sind, sie verblassen also nicht so stark in der Sonne.Welche Marken noch lichtechtheit garantieren weiß ich leider nicht.

Tipp, wer seine Bilder im Tageslicht zeigt, muss bei den Stiften auf Lichtechtheit achten, also lesen vorm kaufen.

Die billigen sind oft OK beim Zeichnen oder nur für einfache grafische Effekte. Beim Mischen oder bei Bildern, die an der Wand hängen, hört dann der Spaß auf.

Man braucht übrigens nicht ganze Kästen, das wird richtig teuer. Ich kaufe nicht einfach wahllos. Die Stifte die genau  abgestimmt sind auf meine Lieblingsfarben aus meinem Aquarellkasten, sind die Stifte meiner Wahl. Hellere oder dunklere zu den meist genutzten Farben meines Aquarellkastens. Sie zaubern das Licht in meine Aquarelle. Dann bleibt die Sache auch bei hochwertigen Stiften bezahlbar.

Einen Haken hat die Sache allerdings. Jedes mal wenn ich im Laden bin gibt es wieder einen Stift, den ich ganz sicher noch brauche…..dann hab ich Hornochse doch wieder einen riesen Büschel an Stiften.

Grafische Effekte: Obendrauf anstatt unten drunter

Die Aquarellstifte können allerdings viel mehr als nur Farben intensivieren und kleine Fehler ausbessern. Richtig toll sehen diese Stifte aus, wenn man mit ihm auf dem Aquarell zeichnet.

Das zeichnerische Element bietet neue Möglichkeiten

Besonders schön wird es, wenn man sich traut die Stifte auf dunklem Untergrund einzusetzen. Hoch-Pigmentiert ist das Stichwort. Hier kann man dann etwas erzeugen, was man im Aquarell sonst nie kann:

Hell auf dunkel der Aquarellstift macht es möglich!

Das ermöglicht ganz spielerisches Arbeiten. Von hell auf Dunkel und von Dunkel auf Hell,

Es kann also drunter und drüber gehen

Damit sind einem ganzen Haufen spielerischer Möglichkeiten alle Türen geöffnet. Ich liebe es wenn meine Bilder so wild werden, wie die von Kindern. das macht so richtig Spass.

So bringt man ohne Probleme ein kleines Augenzwinkern in Aquarelle.

Die Bilder werden viel lebendiger, weil man bei der Grundanlage des Aquarelles nicht so um jeden hellen Fleck kämpfen muss.

In diesem Bild sieht man übrigens besonders gut, was die Aquarellstifte können. Schaut einmal wo ich überall obendrauf gearbeitet habe, zum Beispiel bei den Fenstern.

Weiße Gasse in Augsburg Aquarell von Tine Klein mit Buntstiften

Leider kannst du nicht alles sehen, da wo ich durch leichte Schraffuren verblendet habe und dies später mit Wasser verwischt, wird der Aquarellstift unsichtbar.

P.s. Zu dem Bild gibt es eine lustige Geschichte: Gemalt ist es am Montag nach meinem Workshop in Augsburg.

Plötzlich erscheint eine junge Frau mit einem ganzen Bollerwagen voll Kunstmaterial. Sie spricht mich an und ist ganz entzückt von meinen Bild. „Darf ich mal photographieren!?“ sagt sie. “ Das sieht ja ganz toll aus.“ Entspannt holt sie den Fotoapparat raus und plaudert weiter: „Ich  hätte ja auch so gerne einen Platz bei Tine Klein bekommen“ Meine beiden Freunde fangen nun an sich komische Blicke zu zuwerfen. Ich schnalle natürlich mal wieder nichts. „Ach, schade“, sage ich, nicht mal im Ansatz verwundert über die dritte Person im Satzbau.

Sieht toll aus, sagt die junge Frau und tätschelt meine Schulter. „Dass man in so kurzer Zeit so viel lernen kann, sieht echt aus wie ein Tine Klein.“

„So sagt sie und nun muss ich zum Bahnhof, mein Zug geht gleich“ verdattert starre ich ihr nach während die beiden Anderen herzhaft kichern…….

Liebe Grüße Tine

 

Hier eine andere Version von Stift über Farbe ein älterer Blog

Tinte über Farbe einfach andersrum

 

 

 

 

 

 

 

Schwarze Aquarellfarbe: die Dunkelheit

Für meine Freundin Claudia, mit der selbst Regentage Spass machen.

Einige der häufigsten Diskussionen dich mit meinen Studenten habe, ist ob schwarze Aquarellfarbe sinnvoll ist. Vorab möchte ich schon mal sagen, ich benutze kein Schwarz.

Ob man wirklich Schwarz malen will, sollte man sich stark überlegen

Haha, kleines Wortspiel.

Aber ich habe mal bei den Redensarten nachgeschlagen, nichts was wirklich positiv ist, wird mit Schwarz umschrieben: sich schwarz ärgern, da kannst du warten bist du schwarz bist, schwarz arbeiten, schwarz sehen, Schwarzmarkt. schwarze Gedanken, schwarzes Schaf und schwarze Liste

….Peng, Tod umfall, ach du scheiße, die Assoziationen werden nicht besser

Ich habe einfach nix für Happy schwarz gefunden. Sein wir mal ehrlich, willst du deinem Bild wirklich diese Assoziationen geben?

Ja natürlich, falls du gerade an einer tiefen schwarzen Depression leidest, na dann ran an den schwarzen Pinsel, alle anderen dürfen gerne weiter lesen:

Keine schwarze Aquarellfarbe

In der Tuschemalerei kann schwarze Farbe einfach gut aussehen. Dort ist sie der optimale Kontrast.  In der Aquarellmalerei oder in Skizzen ist schwarze Farbe jedoch sehr gefährlich. Wenn man sie entschieden malt, wie in der Tuschemalerei, so ist sie schön, dann hat das Bild jedoch nicht mehr viel mit einem Aquarell zu tun.

Aquarelle bestechen durch ihre schönen und transparenten Farben

Der Grund warum ich keine schwarze Aquarellfarbe benutze ist, dass alle anderen Farben, die mit dieser Farbe in Berührung kommen, verdrecken.

Der andere Grund ist, dass ich Farben liebe und laut Wikipedia ist:

Schwarz das Gefühl der abwesenden Farbe.

Fertiges Schwarz heißt kein Leben in der Farbe

Schwarz heisst  die  Farbe macht gerade Urlaub und wir bleiben im Regen zurück

Claudia und ich haben an einem Regentag eine Windmühle gemalt, wir hatten den Wechsel aus Sonne und Regen.

Claudia benutzt in der Regenphase schwarz, ergänzt es aber mit Indigo und gebranntem Oker, so entsteht Leben im Bild. Indigo ist eine Farbe die dem Schwarz sehr verwandt ist. Umbra oder Siena gebrannt bringen dazu einen kleinen Komplementärkontrast.

Für Maler die gerne in gedeckten Farben arbeiten, hat Claudia eine optimale Kombination für die Dunkelheit gefunden:

Claudia Stichel Windmühle im Regen Tutorial schwarz und dunkle Töne

Claudia Stichel: Windmühle im Regen

Was Claudia richtig macht, ist das sie keine fertigen  Schwarztöne benutzt. Ihr Bild ist regentrüb aber nicht dreckig grau. Im Aquarell ist reines Schwarz sind oft sehr tot. es ist  entweder darauf angelegt extrem dunkel zu sein oder darauf angelegt absolut neutral zu sein, das ist gut, denn es soll ja zu allem passen.

Zu allem passen, heisst keine Aussagekraft

Was zu allem passt, zeigt kein Gesicht, es ist die pure Dunkelheit. Dabei verliert man eine ganze Menge an Aussagekraft.

So bringt zum Beispiel eine große dunkle Fläche, die kalt ist, eine warme Farbe deutlich besser zum Strahlen.

Eine große dunkle Fläche, die warm ist, verbindet sich mit warmen Tönen.

Wer also eine rein schwarze Fläche malt:

Der hat ein Statement

Zu Kosten einer gewissen Isolation, die Bilder fallen auseinander, weil die schwarze Fläche etwas eigenes für sich bildet ohne auf die anderen Teile des Bildes zu reagieren.

Schwarze Aquarellfarbe mischen:

Schwarz lässt sich sehr einfach mischen, man darf dabei nicht viel Wasser nehmen, denn man möchte die Pigmente ja anhäufen, so dicht machen, dass sie schwarz werden. Prinzipiell braucht man um Schwarz zu mischen alle drei Grundfarben. Diese Grundfarben hat jeder von uns im Kasten. Man mischt die Farben aus rot, blau und gelb.

Ich benutze für meine Dunkelheiten gerne

permanent Karmin, Quinacidrome Gold und Ultramarine

Je nach Zusammensetzung erhält man ein sehr dunkles Braun, Grün, Violett oder Violett, alle Töne wirken Schwarz.

In dieser kleinen Skizze sieht man den Effekt genau:

Wirkt Schwarz, ist es aber nicht. Seht ihr die Ausblutungen des Ultramarines in der Dunkelheit?

schwarz und dunkle Töne Aquarellskizze der Windmühle in Amsterdam Tine Klein

Tine Klein: Wind und Wolken schnelle Skizze der Windmühle in Amsterdam

Diese Dunkelheit entstand aus Ultramarine, Umbra gebrannt und einem Hauch Quinacidrome Gold.

Sehr sinnvoll ist es das Schwarz zu mischen in dem du Farben benutzt, die auch in deinem Bild vorkommen. So passt das Schwarz auch immer optimal zu dem was du gemalt hast, ohne einen schwarzen fremdartigen Klotz zu bilden.

Dunkle Motive:

Dieses Wissen ist enorm wichtig, wenn man dunkle Motive malen möchte, in Amsterdam gab es sehr viele schwarze oder dunkle Häuser. Schwarz, Bordeauxtöne und gebrannter Umbra sind die Farben von Amsterdam. Trotz der dunklen Häuser, Amsterdam ist eine Stadt die freundlich wirkt. Keine Spur von Tristesse. Die Herausforderung mit Aquarellfarben ist, diese Töne so zu malen, dass sie auch freundlich wirken. 

Oft muss man nicht wirklich Schwarz mischen, es reicht Dunkelheiten herzustellen. Ich zum Beispiel liebe anstelle von Schwarz die Mischung aus Ultramarin und gebranntem Ocker oder Siena gebrannt.  Dies ergibt ein sehr schönes und warmes violettes Grau. Brauche ich die Farbe etwas kälter, gibt es mehr Blau in der Mischung Und benötige ich eine etwas wärmere Farbe, benutze ich natürlich mehr von der rötlichen Farbe des gebrannten Ockers. In dem folgenden 10 Minuten vor einem Regenschauer gemalt, seht ihr das Spiel aus Ultramarine und Siena gebrannt.

Generell finde ich das es viel besser aussieht, wenn das Schwarz eben nicht Schwarz ist, sondern eine sehr sehr dunkle und satte Farbe.

Dunkle satte Farbe ist aussagekräftiger als ein schwarzes Loch

Schwarz sollte mehr zu bieten haben als nur Dunkelheit

Das Licht vor dem Regen Tine Klein Windmühle in Amsterdam

In der Windmühle seht ihr ganz genau, wie ich mit der Farbe gespielt habe. Große Teile der Windmühle sind eher dunkelblau oder violett. In anderen Teilen sieht man eher die warmen Töne der Mischung. In der schwarzen Windmühle sieht man also starke Kontraste zwischen blau und fast orange also einem Komplementärkontrast, zwischen hell und dunkel und zwischen kalt und warm. Wir haben hier das Spiel von drei Kontrasten und das macht die schwarze Farbe zu einem interessanten Hingucker für das Auge. Und das nicht nur weil die Farbe so enorm dunkel ist, sondern weil sie mehr zu bieten hat als nur Dunkelheit.

Schwarz ist an sich ein Kontrast, zum Star wird sie wenn es noch andere Kontraste um sich versammelt

Versuche dein Schwarz immer abzuhandeln, wenn du ein fertig gemischtes Schwarz im Kasten hast, musst du dies nicht unbedingt wegwerfen. Versuche einmal den folgenden Trick: Gebe jeweils reichlich Pigmente von Blau oder Rot mit in das Schwarz. Wenn du jetzt zum Beispiel ein gelbes Haus gemalt hast, schau dir einmal an wie das Haus mit einem grauen Schatten, einem grauen Schatten mit Blau oder einem grauen Schatten mit Rot aussieht. Du wirst sehr deutliche Unterschiede in der Aussagekraft finden.

Deshalb hier der wichtigste Tipp:

Benutze dein Schwarz niemals pur, mache es immer zu einer Farbe

Viele Menschen malen nicht gerne mit großer Dunkelheit, weil sofort alle Fehler stark betont werden und das was vorher im Bild gut ausgesehen hat, wird plötzlich zu blass.

Auf Dunkelheit zu verzichten ist keine Lösung

Tine Klein Tutorial schwarz und dunkle Farben Im Aquarell

Dunkelheit ist der Lichtschalter des Bildes. Ohne starke Dunkelheit wird dein Bild immer blass bleiben. Sich zu drücken ist keine Alternative.

Wenn man anfängt starke Dunkelheiten einzusetzen, muss man einfach lernen, die anderen Farben anzupassen.

Schwarz oder Dunkelheit hat den den Effekt einer Neonröhre,  der entscheidende Faktor ist welche Tönung hat die Neonröhre

Wir kennen den Effekt von Neonröhren mit Kaltlicht, selbst der gemütlichste Raum wirkt damit wie eine Obdachlosenunterkunft.

Viel Spass beim Mixen

Viele liebe Grüße ins Wochenende

Tine

Der nächste Kurs bei Tine ist am 21.8  bei Boesner Unterentfelden:

Möchtest du noch ein bisschen zum Gegenspieler des Schwarz lesen?

Weiterlesen zur Farbe Weiß

Video zum Schwarz mischen vielleicht auch ganz interessant:

Mérci an meine liebe Freundin Claudia

 

Aquarellpapier ein Beziehungsratgeber!

Tine Klein der Hafen von Stäfa Schweiz, Füllhalter und Aquarell auf Aquarellpapier

Viele meiner Schüler haben Probleme damit, dass ihr Papier beim Malen wellt.

Das Aquarellpapier tut einfach nicht was es soll!

Ich könnte jetzt sehr intelligent gucken und euch einen Haufen Tipps herunterspulen.

Aber wenn ihr mal oben in das Bild auf die Wasserränder schaut, auch mir passiert es, weil Aquarellfarbe einfach Wasser braucht.

Tatsächlich treibt mich dieses Problem aber selber in den Wahnsinn und ich könnte mir dabei die Haare raufen.

Aquarellpapier hat ganz genau die gleichen Eigenschaften wie Männer:

Man träumt davon sich von ihnen in den Wahnsinn treiben zu lassen.

Doch es gibt einige gute Lösungen und Erkenntnisse….smile 🙂

Generell schon mal vorab, genauso wie bei den Männer taugen einige einfach nichts und von diesen lässt man einfach die Finger.

Aber es gibt auch Tolle! Aber auch mit diesen kann es mal Probleme geben, wenn man sie schlecht behandelt! Himmel, Aquarellpapier ist wirklich wie die Jungs!

 Papier wellt, wenn es nass wird

Aber nähern wir uns mal dem Problem, was passiert eigentlich?

Das Papier wellt, weil es zu nass ist. Wenn sich Papier mit Wasser vollsaugt, dann verändert sich seine Struktur und auch sein Volumen. Dort wo das Papier nass wird, dort wird es größer und auch weicher. Das hat zur Folge, dass das Papier übler aussieht als der zelluitische Oberschenkel einer 85-jährigen und all den Löchern bilden sich Farbpfützen, die später zu Flecken werden.

Na, ganz wunderbar! Wie bekomme ich nun das Kopfkino wieder weg…verzweifelt mit dem Kopf schüttel

Ja, du hast mal wieder recht! Tine ist ein bisschen zynisch geworden.

Lösungen, wenn das Papier wellt

Logischerweise gibt es dabei zwei Lösungsansätze.

Lösungsansatz 1: Weniger Wasser benutzen.

Aquarell und Wasser

Ziemlich sinnvoll ist es auszuprobieren, wie viel Wasser man beim Aquarellieren wirklich braucht. Generell ist es klar, dass ein Aquarell feucht sein muss, die Pigmente sollen sich verteilen. Es gibt aber einen deutlichen Unterschied zwischen gleichmäßiger Feuchtigkeit und richtig tiefen Pfützen.

Insbesondere die Pfützen wellen das Papier.

Wer draußen malt, sollte den Pinsel nach dem Abspülen kurz ausschlagen. Zu Hause am Schreibtisch ist es sehr sinnvoll einen Schwamm neben dem Kasten zu haben, dort kann man unnötiges Wasser abstreifen, dann entsteht kein übermäßiges Wellen des Papiers.

Das alles wird dir aber nichts nützen, wenn du auf Papier malst, das unter 200 gr/ Quadratmeter hat.

Faustregel: Ist dein Papier zu dünn, hilft gar nichts.

Die Großen und Starken machen Freude

Liebe und Hiebe! Grade spontane Maler reiten mit dem Papier schon mal ein bisschen Rodeo!

Ich tue in meinen Aquarellen nicht immer das gleiche, mal ist es trocken und mal ganz nass! Manchmal benutze ich das Messer.

Lösungsansatz 2: Papier benutzen, das das auch aushält.

Die einfachste Methode ist dickes Aquarellpapier zu kaufen. Viele Aquarelltechniken brauchen einfach viel Wasser.

Papiere ab 200 gr neigen nicht so stark dazu richtige Wellen auszubilden. Selbst klassische Aquarell-Skizzenbücher haben oft viel zu dünnes Papier. Die Lösung ist es auf richtige Aquarellblöcke zurückzugreifen, die haben meist wesentlich schwereres Papier und sie sind am Rand geleimt.

Tränen lachen beim Malunterricht

Vor ungefähr einem Jahr hatte ich einmal eine Schülerin im Unterricht die einen regelrechten Wutanfall bekommen hat, weil irgendein Idiot die Seiten ihres Aquarellblocks zusammengeklebt hat. Sehr mühsam riss sie nun Seite für Seite des Blocks ab und fluchte dabei fürchterlich. Sie fluchte:

Schau dir das mal an, der muss irgendwie in Kleber gefallen sein, der Block ist hart wie ein Stein.

In dem Moment dachte ich nur, jetzt bloß nicht lachen und ein ganz ernstes Gesicht machen. Tatsächlich sind diese steinhart verleimten Aquarellblöcke Kennzeichen von Qualität. Hier liegt kein Fehler vor, denn die Blöcke sind so hart verleimt, damit sich das Papier bei Wassereinsatz nicht wellt.

Ich kann diese verlangten Blöcke nur empfehlen wenn man wirklich Aquarelle machen möchte. Die Blätter dieser Blöcke lassen sich sehr schlecht lösen, man muss eine kleine Ecke suchen, wo es keinen Leim gibt.

Lustig wenn der ganze Kurs mit Brille am Fenster steht und das unverleimte Eckchen sucht!

 

Hat man sie gefunden, schiebt man am besten eine kleine Kreditkarte oder ein dünnes Lineal zwischen die Papiere und löst nun ganz vorsichtig die oberste Seite vom verleimten Papier vom Block

Zugegeben kniffelig

Trotzdem, gerade Anfängern, die gerne Nasstechniken erlernen wollen, rate ich zu rundherum geleimten Blöcken, denn es ist eine Beschäftigungstheraphie Papiere fachgerecht aufzukleben.

Optimal ist es das Papier nass zu machen und es dann mit Leim oder Nassklebeband aufzukleben.

Ja, es wäre optimal, aber es nervt auf Dauer, denn es ist unspontan und unpraktisch.

Schweres Papier ist besonders wichtig!

Wenn dieser ganze Schnickschnack mit geleimten Blöcken und aufgeklebtem Papier nervt, der wird schweres Papier lieben.

Ich selbst benutze entweder Skizzenbücher mit sehr schwerem Papier oder ich kaufe große 300 g pro qm  Bögen. Mein preiswertes Alltagsaquarellpapier hat auch 250gr.

Dieses  klebe es  ich straff mit Kreppband auf Plastikunterlagen.

Diese Plastikplatten kaufe ich im Modellbau, sie haben luftgefüllte Waben und sind federleicht. Fragt mich nicht wie die heißen, ich weiß es nicht.

Diese Lösung ist zwar nicht 100 Prozentig perfekt, aber Papierstärke und Klebeband halten das Papier relativ glatt.

Das ist die wesentlich einfachere Übung, als Aquarellpapier mit Leim auf Holzunterlagen zu kleben: Da meine Bilder meistens draußen entstehen, habe ich absolut keine Lust mit Holzbrettern in der Tasche rumzulaufen. Mir ist ja schon öfter mal der Gedanke gekommen, dass ich mit meiner Leidenschaft fürs draußen malen, mal dringend ein paar Esel oder Kamele bräuchte, die mein Kunstmaterial transportieren. Aber mein Mann will sie nicht in der Garage schlafen lassen.

Leider gibt es viel zu selten Skizzenbücher mit schwerem Aquarellpapier…selbst renommierte und teuere Marken gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass Menschen die draußen malen nur ein bisschen kolorieren!

Dabei kommt man gerade draußen  klassische Aquarelltechniken  leicht und schnell zu super Skizzen.

Monogame Beziehungen zu Aquarellpapier

Tatsächlich lernt man recht schnell wie viel Wasser ein Aquarellpapier braucht. Gib ihm was es braucht und es frisst dir aus der Hand.

>Es ist eine reine Gewohnheitssache.

Dieses Feingefühl erlangt man aber nicht wenn man ständig das Papier wechselt. Weil Aquarell malen ein extremes timing ist.

Gerade bei Nass in Nass Techniken weiß der Maler, wann er mit der nächsten Schicht loslegen darf.

 Bauchgefühl ist bei wechselnden Partnerschaften extrem schwierig!

Notfallmaßnahmen

Da ich viel mit Malkursen male und ich deshalb unendlich viel Papier benutze, kaufe ich für den Kurs oft billiges Papier. Oft brauche ich 20 Blatt pro Stunde. Die Bilder sollen ja eigentlich nur dazu dienen den Schülern schnell zu zeigen, was sie tun müssen, dabei entstehen ganz nebenbei  oft sehr schöne Bilder und dann wellt sich das Papier.

Man kann Papier bügeln, doch Vorsicht ist geboten.

Zuerst einmal muss das Papier leicht auf der Rückseite befeuchtet werden. Das geht ziemlich gut mit Omas Bügeltrick. Ein Küchenhandtuch ohne Struktur macht man unter dem Wasserhahn feucht. Dann wird das Handtuch ausgewrungen bis es fast wieder trocken ist. Jetzt wird das nasse Küchenhandtuch auf die Rückseite des Papiers gelegt. Man kann einen Moment abwarten bis ein wenig von dem Wasser in das Papier eingedrungen ist. Oder man kann das Aquarellpapier mit dem leicht feuchten Tuch nun ganz vorsichtig von der Rückseite ausbügeln.

Zwei Dinge sind wichtig, keine nassen Lappen auf die Vorderseite des Aquarell legen und Du musst die Bügelunterlage vor dem Aquarell schützen, Andernfalls bügelt man ganz wunderbar seine Aquarellfarben in den Bügeltisch.

Das nächste Herrenhemd wird sich über die farbliche Verschönerung extrem freuen!

D. h. auch unter das Aquarell muss man eine möglichst glatte Unterlage legen, eventuell ein anderes Papier oder auch ein trockenes Küchenhandtuch.

Auch beim Bügeln muss man mit Vorsicht vorgehen, wenn man zu starken Druck gibt, dann kann ich dir garantieren, dass du die Dampfdüsen deines Bügeleisen später auch im Aquarell sehen wirst. Das gleiche gilt für das Gitter unter dem Bügeltisch.

Zart Bügeln und auf keinen Fall mit Gewalt.

Auch das Arbeiten mit den Dampf des Bügeleisen ist nicht sinnvoll, besser ist es das Papier mit dem fast trockenen Handtuch auf der Rückseite zu bügeln.

 

 

Weiterlesen zum Aquarell?

Kleine Tricks zur Farbharmonie

Farbharmonie

Noch 2 Plätze frei:

https://kunstzeit-allensbach.de/kurse/neues-fuer-das-skizzenbuch/

In drei Wochen gehts wieder los in Eutin!

https://www.ln-online.de/Lokales/Ostholstein/Das-Schloss-in-den-eigenen-Farben-malen

Spielerisch Kolorieren

Das Spiel macht dich gut!

Im Unterricht, aber auch hier im Blog, erzähle ich ja immer wieder wie ein Papagei, dass das Spiel einen erst so richtig gut macht. Falls ihr euch nun einen grünen Papagei vorstellt, möchte ich gerne Esmeralda heißen.

Wenn ich immer wieder sage: „Spiel doch mal bitte rum“, dann weiß ich immer nicht so richtig, ob das beim kolorieren wirklich ankommt, deshalb möchte ich in diesem Blog mal einmal nicht so viel schreiben, sondern ich möchte euch mal zeigen, was sich mit ein paar Farben anstellen lässt.

Meine Vorlage ist eine Zeichnung, die ich im Urlaub mit meiner Familie gemacht habe. Da sie nicht warten wollte, konnte ich nur eine schnelle Federzeichnung im Notizbuch machen. Diese habe ich dann auf Zeichenpapier kopiert.

Farb- Setup für das Kolorieren:

Bunte Bilder oder sehr farbintensive Bilder müssen nicht unbedingt aus vielen Farben entstehen. Es ist oftmals gerade für Anfänger viel sinnvoller sich auf ein paar Farben zu beschränken. Denn wenn man nicht so viele Farben hat, dann kann man damit auch so lange spielen bis man, weiß was man damit anstellen kann.

Mein Farb Set-up für dieses kleine Spiel ist:

  • Violett, ich glaube es ist brilliant Blauviolett
  • Lasurorange
  • Opern rosa oder Magenta
  • Burnt Siena
  • Bergblau (Vorsicht Mehrpingmentton)
  • Goldbraun, wirkt wie warmes Gelb
  • Sepia, ein bräunliches Schwarz, weil ich Sepia Tinte  zum Zeichnen benutze, nur in Sspuren eingesetzt
  • Und als Hingucker: Geranienrot (Alle Farben sind von Schmincke)

Am Schluss setze ich noch Akzente in gleichfarbigen Aquarellstiften und ein wenig Türquis. Jetzt fange ich an die Farben bein kolorieren zu kombinieren, mal kombiniere ich die Farbtöne mal ganz bewusst oder einfach aus dem Bauch.

Bild Nummer Eins: Kolorieren in Pastell

Jetzt frage ich mich, wie sieht das denn in dunkel aus?

Oh, auch gut und wie wäre es mit Rot? Sandstein ist ja im Licht sehr wandelbar.

Oder doch lieber ein richtiger Komplementärkontrast? Na, dieses Bild hat ganz schön viele kalte Farben! Fällt mir noch was anderes ein?

Upps, hier bin ich zu nass, jetzt muss ich das Motiv mit Phataloblau aus dem Hintergrund neu aufbauen. Hier sieht man auch den türquisen Aquarellsstift prima. Wer malt muss auch mal eine Überschwemmung retten.

Das Zeichenpapier musste ich hinterher bügeln 😉

Und

Last but not least mit wildem Himmel:

Solche Übungen tüftel ich aus, damit meine Schüler wirklich das freie Kolorieren lernen. Auch wenn das Papier nicht so gut ist wie echtes Aquarellpapier, so kann man doch wirklich lernen Farbe zu benutzen.

Spiel dich ran!

Ich bin mal gespannt, wie die Kolorationen der Schüler darauf ausschauen. Nächste Woche werden 12 Tapfere diese Aufgabe testen, mal schauen was dabei rauskommt.

Liebe Grüße ins Wochenende von eurer Tine

P.S.:

Urban Sketching Gruppen und Kunstvereine können mich direkt ansprechen und ihre Kurse selbst organisieren.

Noch ein anderer Blog zur Farbe:

 

Sag es in Farbe! Bildsprache Teil 2 USK Hamburg

Mit Farbe reden?

Tine Klein Bildsprache und Farbe, Kunsthalle Hamburg, Usk Hamburg 2018 Workshop

Hamburg hat die Farbe von gebrannten Ziegeln, Wasser und den Duft von fernen Ländern. Links gehört der Platz den Jugendlichen, hier wird getanzt und der Wind weht leise arabische Popmusik zu uns herüber. Auf dieser Seite gehört der Platz dem Bürgertum, hihi, gehören wir auch zu den Pfeffersäcken? Auch noch heute hat Hamburg reichlich davon.

Viele Menschen reden mit dem Stift völlig unnatürlich, darum ging es in Teil 1. Anstatt mit dem Stift genauso zu sprechen wie zu Freunden, verwandeln sie sich sobald sie einen Stift in der Hand halten in gnadenlose Buchhalter.

Rede mit dem Stift wie mit deinen Freunden und höre auf Fenster zu zählen

Wer dies nicht gelesen hat, dem empfehle ich  mit den Blogartikel der letzten Woche anzufangen:

Teil 1: der Kurses Bildsprache USK Hamburg 2018

Mit Farbe arbeiten

Wenn man mit Farbe arbeitet, so tritt dieses Problem in einer etwas anderen Form auf. Für viele Menschen ist es eine echte Erkenntnis, dass zum Kolorieren eines Bildes vielmehr gehört als nur das exakte Abmalen von Farben.

Welche Farbe hat die Liebe? Welche Farbe hat der Neid? Und welche Farbe ist die Kälte?

Wusstest du eine Antwort? Ja,natürlich! Deine Antworten waren alle Grundfarben und das führt dazu, dass wir beim Kolorieren in Bedrängnis geraten.

Emotionen haben eine Farbe

Wenn man einen Ort wiedergeben will, dann gehört die Stimmung eines Ortes genauso sehr dazu wie all die Farben der Gegenstände die dort herumstehen. Für uns Maler bedeutet dies:

Es gibt nicht nur die reale Farbe eines Ortes, es gibt auch die emotionale Farbe eines Ortes.

Diese Situation kann manchmal enorm verwirrend sein und das führt nicht selten zu ziemlich schlechten Bildern.

Zeig was du liebst

Die Lösung sieht im Grunde genauso aus wie beim Zeichnen. Stift und Zeichnung müssen in ihrer Erzählweise Hand in Hand gehen. Die Bildsprache, die wir für einen Ort entwickeln wollen, soll genau zeigen, was wir an diesem Ort mögen, was wir fühlen.

Ein wirklich gutes Bild macht den Betrachter zum Teilnehmer einer Szene oder kleinen Geschichte.

Wir müssen zeigen was wir erlebt haben, zeigen wo unsere Augen kleben geblieben sind, dort wo das Motiv auf uns wirkt wie ein Stück Schokolade….da schlägt unser Stift Kapriolen und dort dürfen uns auch mit der Farbe ausleben.

Wenn man zeigt, was die Schokolade im Bild ist, dann wird das Bild großartig.

Hier seht ihr meinen Kurs in Hamburg, es ist Mucksmäuschenstill, denn jeder ist ganz bei sich. Jeder beschäftigt sich mit seiner Bildschokolade.

Tine Klein, Workshop Bildsprache und Farbe, Kunsthalle Hamburg, Usk Hamburg 2018

Denn dein Herz führt zum Erfolg.

Bildschokolade, wir müssen zeigen was wir mögen!

Der erste Teil des Kurses beschäftigte sich weitgehend damit, wie schwierig es ist mit dem Stift ganz normal zu reden.

Tine klein, Zeichnung , Quedlinburg, Schloss, Handzeichnung, Tinte

Dabei ist es überhaupt nicht schwer, man muss sich nur auf das konzentrieren, was man mag. In dieser kleinen Skizze könnt ihr sehen wie stark mein Auge an der Burg in Quedlinburg gehangen hat. In der Straße unterhalb des Schlossberges habe ich so gut wie keine Details gezeichnet, es ist klar, das Schloss ist der Star.

Die Verbindung von Bildsprache und Farbe

Wie man mit dem Stift ein Bildzentrum bildet ist den meisten ziemlich schnell klar, man zeigt das, was man liebt klar und deutlich.

Aber wie handhabe ich das jetzt mit der Farbe?!

Im Prinzip funktioniert es genauso wie mit dem Stift.

Im Bildzentrum setzen Farbe und Stift zum Spurt an!

Man sollte sich hüten die intensivsten Farben außerhalb des Bildzentrums zu benutzen. Pass wie ein Schießhund auf, dass Du nicht durch krasse, reale Farben die Augen vom Bildzentrum wegziehst. Es gibt reichlich Fallen die dazu führen, dass man starke Farben außerhalb des Bildzentrums benutzt. Farbige Autos, farbige Werbetafeln, Mülleimer ,Verkehrsschilder usw.

Dann hilft nur die eine Frage:

Ist dies wirklich wichtig für mein Motiv?

Sein wir doch mal ehrlich 80 % der Maler würden aus Versehen orange Mülleimer zum Hauptmotiv machen, nur weil sie nun mal Orange waren.

Als Faustregel kann man festhalten, man muss lernen interessante und uninteressante Farben zu mischen.

Im Hauptmotiv tanzt die Farbe Tango:

In meinem Hauptmotiv greife ich auf lebhafte Kontraste zurück, denn dort bringe ich mein Motiv zum Leuchten. Ich suche die Farben nach möglichst unterschiedlichen Eigenschaften aus, damit im Bildzentrum Lebhaftigkeit erzeugt wird.

Hier treffen sich kalte und warme Farben und auch hell und dunkel, strahlend oder matt. Im Bildzentrum ziehe ich alle Register um zu zeigen was interessant ist.

Hier seht ihr die Variationen der Schmincke Horodam Farben aus meinem Farbsetup für Hamburg. Man sieht wie sich das Orange und Blau gegenseitig zum Leuchten bringen. Das gesamte Farbsetup findet ihr unten.

Dunkelheit spielt eine besondere Rolle, denn keine Farbe strahlt, wenn sie keinen dunklen Gegenspieler hat.

Im Aquarell gibt es eine Besonderheit, die Farben entwickeln eine besondere Leuchtkraft, wenn sie transparent sind und gleichzeitig einen dunklen Gegenspieler haben.

Das klappt natürlich nur, wenn man im Farbkasten auch kontrastreiche Farben hat: Komplementärkontraste,  aber auch enorm pigmentstarke Farben und  Dunkelheiten braucht man um Farben zum Leuchten zu bringen. Deshalb war die Firma Schminke Horodam so großzügig jedem Teilnehmer des Kurses die Farben zu Verfügung zu stellen.

Der Asphalt vom Kunsthaus verwandelte sich in ein Farblager:

Mein Helfer hatte alle Hände voll zu tun, wir durften fast 200 Näpfchen Farbe abfüllen.

Anhand des farbmetrischen Kreises kann man sehr einfach erklären wie man Farben zum Strahlen bringt. Falls es euch interessiert, ich habe ihn für euch am Ende des Blogs angehängt.

Und tatsächlich klappte es mit den leuchtenden Farben bei jedem Teilnehmer ganz schnell.

Nachdem wir diese enorm leucht starken Farben von der Firma Schminke gesponsert bekamen, fiel uns ein Thema besonders schwer:

Manchmal muss Farbe Aschenputtel sein!

Schaut euch mal die tolle Kunsthalle in Hamburg an, das Motiv ist wirklich interessant, aber hier gibt  eine Menge Bestandteile die in unserem Bild nicht die Oberhand gewinnen sollten.

Im Bildzentrum ist es mit solchen Farben die besonders pigmentstark sind sehr einfach leuchtende Ergebnisse zu erzeugen, besonders der Kontrast zwischen Komplementärfarben sorgt dafür dass die Pigmente so richtig strahlen.

Küssen sich Dunkelheit und Farbe, dann fängt es an zu glühen! Neutraltinte ist auch ein Neutral und wirkt nie dreckig,

Tarnfarben

Dort wo das Bild dem Hauptmotiv nicht die Schau stehlen soll, wird die Farbe zurückhaltend, auch der Stift gibt dort wenig Informationen.

Verrückterweise sind die weniger bedeutenden Bereiche eines Bildes mit den gleichen Farben gestaltet wie das Bildzentrum. Allerdings wird die Farbe hier so gemixt, dass unauffällige Farbtöne und neutrale Farbtöne entstehen.

Die Kunst ist es Tarnfarben zu erzeugen

Im Bildzentrum trenne ich die Komplementärfarben strikt, denn sie sollen nebeneinander leuchten.

Mut zum Neutral, das Grau aus dem Lasur Orange, Türquis und Bergblau von Schmincke gemixt. Für die Bereiche meines Bildes die ich ein wenig tarnen möchte, mische ich genau diese Farben.

Neutrale

So entstehen neutrale Farben und diese neutralen Farben lassen Bildbereiche, die nicht besonders interessant sind, in den Hintergrund treten (siehe oben). Deshalb ist das Mischen von neutralen Farben genauso sinnvoll und wertvoll wie die glühenden und temperamentvollen Farben im Bildzentrum. Im farbmetrischen Kreis der Firma Schmincke kann man ganz genau sehen, welche Farben sich gegenseitig neutralisieren.

Die entstehenden Farben können ein wenig scheußlich sein, dennoch sind sie höchst wichtig, denn sie lassen Bildbereiche, die nicht betont werden sollen, nahezu verschwinden.

Doch Achtung: Anders als die strahlend schönen Farben sollte man die neutralen Farben sehr geplant einsetzen. Im Gegensatz zu meinen wunderschönen, bunten Farbexperimenten gebe ich bei diesen Farben genau acht, dass sie wirklich neutral sind. Ich mixe diese Farben vorsichtig in meiner Palette, denn ich weiß:

Ein Schandfleck kann genauso zum Bildzentrum werden wie eine wundervolle Farbexplosion

An das Mischen von neutralen Tönen musst du dich sehr ruhig machen, denn am Anfang werden sehr viele Farben entstehen, die genauso hübsch sind wie Erbsensuppe. Ohne Übung entwickelst du kein Fingerspitzengefühl.

Wie ihr seht kann man aus dem 10 Schmincke Farben eine ganze Menge mixen. Dieses Thema braucht Fingerspitzengefühl und etwas Übung. Die Geduld lohnt sich, denn die entstehenden neutralen Farben werden mit ein bisschen Übung immer harmonischer.

Ich arbeite gerne mit den Farben von Schminke, nach und nach habe ich  meine neutralen Farben gefunden, die ich immer wieder benutze.  Die Mischung ist schlicht und einfach Übungssache, wenn es nicht von Anfang an klappt hat dies nichts mit der Qualität der Farbe zu tun.

Man muss ein Gespür dafür bekommen, wie viel Farbe man braucht um die andere zu neutralisieren.

Was zuerst sehr scheußlich aussieht, wird nach und nach zu einem echten Erfolgsfaktor von Bildern. Denn die Mischung aus den Farbtönen,  die im Hauptmotiv verwendet wurden, sorgt dafür, dass der Grauton eine optimale Harmonie zum Bildzentrum erzeugt.

Schaut mal hier habe ich noch Beispiele für Euch:

Diese Version ist von Fabian Bartz und im Workshop entstanden, ganz dezent lässt er die Farbe neben dem Bildzentrum auslaufen. Klasse Lösung des Problems.

Danke an alle Organisatoren, doppelten Dank an die vielen fleißige Hände die unsichtbar hinter der Kulisse tätig sind um so etwas Schönes möglich zu machen. Wir arbeiten alle ohne Ausnahme ehrenamtlich und ohne Entgeld.  Danke, auch an alle Sponsoren. Ich möchte mich nochmal ein herzliche bei der Firma Schmincke für die Farben bedanken.

Danke, das wir mit euren guten Farben lernen durften.

Wer seine Ergebnisse zeigen möchte, darf dies gerne hier im Blog tun oder in den sozialen Netzwerken mit dem Hashtag #schmincke_official. Ich freue mich über jedes gesendete Bild.

Alles schon einmal gefragt wurde: Ich arbeite nicht für die Firma Schmincke, aber ich liebe ihre Farben, denn eines verbindet mich mit Schmincke: Wir lieben Farben.

Liebe Grüße  ins Wochenende Tine

Es war so super schön, ich habe gefühlt 200 Sketcher geküsst und bin nun vollgetankt mit Wohlfühl-Hormonen.

Tine Klein, deutsches urban sketcher treffen, Usk Hamburg 2018

 

Hintergrundwissen zur Leuchtkraft von Farben und welche Farben zueinander komplementär sind, findet man hier bei den Profitipps von Schmincke.

Farbmetrischer Kreis Informationen zur Leuchtkraft von Farben

Das Unterrichtsmaterial Teil 1 des deutschen Urban- Sketcher treffens

Teil 1: der Kurses Bildsprache USK Hamburg 2018