Kolorieren: 5 Tipps zum lockeren Kolorieren

Locker Kolorieren, das wünschen wir uns alle!

Kolorieren lernen Tine Klein, Aquarell, urban sketching, Mittlere Brücke Basel,

In letzter Zeit habe ich so viel gemalt, dass ich fast vergessen habe, wie schwierig es für viele Menschen ist, die Farbe aufs Papier zu bekommen. Wenn man  einfach und schnell etwas malen möchte, dann ist Kolorieren die beste Methode.

Was bedeutet Kolorieren?

Kolorieren bedeutet, eine Druckgrafik ausmalen!

Die in die Jahre gekommene Definition!

Dieser Definition würde ich allerdings nicht zustimmen!

Diese Definition geht auf unsere Geschichte zurück, man muss bedenken, dass man früher nur mit sehr hohem Aufwand farbige Reproduktionen machen konnte.

Die Ursprünge der Technik liegen also darin, dass man früher in Buchdruck und auch Fotografie immer nur schwarz-weiße Reproduktionen hatte.

Diese Definition trifft heute aber nicht mehr zu. Wenn wir Kolorieren, dann arbeiten wir natürlich nicht in einem gedruckten Malbuch, sondern wir erschaffen unser Bild selbst.

Ich halte die Definition, dass man etwas Gedrucktes ausmalt,  für sehr gefährlich. Denn sie widerspricht  allem, was ich über das Erlernen von lockerem Kolorieren weiß.

Definition unter Zeichnern:

Unter Malern und Zeichnern bedeutet Kolorieren etwas komplett anderes, es geht darum, Farbe ohne großen Aufwand aufs Papier zu bringen!

Hey, und darum gehts!  Wir wollen Farbe locker leicht aufs Papier werfen und nicht ausmalen.

Die Idee hat sich weiterentwickelt, es ist wunderschön, es geht überhaupt nicht mehr darum, etwas auszumalen, sondern es geht darum, eine Zeichnung oder Skizze um Farbe zu bereichern. Das Kolorieren ist zu einer echten Kunstform geworden!

Dabei gibt es keine Regeln, alles, was gut aussieht, ist auch erlaubt.

Wenn du das gerne möchtest, lies die folgenden Tipps.

Wie koloriert man locker?

Wer locker kolorieren möchte, braucht etwas Übung. Gute Nachricht ist, dass man sich keine Sorgen machen muss, ob man etwas zu ungenau gemalt hat. Der Trick daran ist, es einfach zu tun.

Dieser sorglose Umgang mit der Farbe hat seine Berechtigung, denn es gibt andere Methoden, um Genauigkeit zu erzeugen.

Beim Kolorieren arbeiten wir im Zusammenspiel   mit Stiften. Die Ursprungsidee des Kolorieren ist es, Linien um Farbe zu bereichern.

Der Stift ist deutlich dunkler als die Farbe. Deshalb kann die Linie einem Farbklecks immer im Nachhinein eine schöne Form geben.

Das solltest du im Kopf behalten, denn die Versuchung, aus purer Gewohnheit auszumalen,  ist gross!

Wie du in unserem Bild siehst, wurden die Häuser nicht wie kleine Kästchen umrahmt.

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Warum wirkt Ausgemaltes steif?

Das Ausmalen hat einen Haken, denn es wirkt immer etwas verkrampft. Dieser Eindruck entsteht, weil die Hand des Malers ständig an den Linien stoppt, dadurch wird der Auftrag von Farbe unterbrochen und zögerlich.

Der Eindruck verstärkt sich, weil an den Linien immer harte Kanten entstehen. Hier trocknet die Farbe und bildet Grenzlinien, der ganze Farbauftrag wirkt hart.

Weichheit kann erst entstehen, wenn man der Hand erlaubt, sich frei zu bewegen.

Dies verlangt Mut und etwas Übung.

Tipp Nummer 1: Abstrakte Farbe!

urban sketching, Mittlere Brücke Basel,

Erstens: Man braucht Bilder nicht ausmalen, man braucht nicht mal eine genaue Form.

Schau dir einmal den kleinen Turm ganz rechts an. Die Farbe ist nicht viel mehr als ein Klecks, der Stift macht daraus allerdings einen Turm.

Wenn man die Farbe, die man mit einem Gegenstand in Verbindung bringt, völlig abstrakt aufs Papier bringt und den Gegenstand dann darauf zeichnet, entstehen sehr schöne Effekte, ohne dass man sich Sorgen über die Farbe machen muss.

Tine Klein tipps zum Kolorieren. Randen Illustration.

Kolorieren, Tipp Nummer 2: Zuerst die Farbe!

Du darfst die Farbe zuerst auf das Papier bringen.. Ob du nun abstrakt oder gegenständlich arbeitest, wenn du zuerst die Farbe aufs Papier bringst, dann wirkt alles lockerer, als wenn du eine Linie ausmalst.

Am lockersten wirkt es, wenn du einfach frei loslegst.

Wie im Stadtbild, dort habe ich in einem Zug, ohne Pause, lauter farbige Rechtecke aneinandergelegt. Mithilfe der Dunkelheiten und des Stiftes entsteht dann eine Stadt von selbst.

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Natürlich darf man eine Vorzeichnung machen, aber sie sollte nicht dazu benutzt werden, den Pinsel zu stoppen.

Male locker drüber, in dem sicheren Bewusstsein, dass deine Zeichnung erst im nächsten Schritt kommt.

Nicht alles muss hundertprozentig stimmen. Der dunkle Fleck rechts neben dem farbigen Haus hat keine genaue Form, der Betrachter wird ihn als Schatten interpretieren.

Der wichtigste Schritt ist nun zu erkennen, dass sich der Stift von der Farbe trennen darf.

Der Stift muss nicht an den Außenlinien der Farbe entlang gleiten, sondern du darfst dem Ganzen jetzt auch eine ganz andere Form geben, wenn der erste Farbauftrag nicht gefällt.

Tipp Nummer 3: Grundformen machen Kolorieren locker!

Es sieht sehr schön aus, immer mit der Farbe nur grobe Grundformen aufs Papier zu bringen.

Viele Gegenstände zu einer einzigen, großen, farbigen Fläche zusammenfassen.

Man muss sich dabei merken, dass die Farbe die Stimmung und das Gefühl gibt und der Stift die Form und Präzision.

D. h. auch wenn ich gegenständlich arbeite, brauche ich beim Kolorieren nicht mehr als die grobe Grundform des Körpers. Schau einmal:  Über dem dunklen Fleck am Ende der Brücke hat der Stift aus einem einzigen großen Farbfleck zwei Häuser gestaltet.

Lass alle Bedenken fallen!

Locker Kolorieren, nicht zu genau werden!

Wenn man unsicher ist, sollte man am Anfang zu dunkle Farben und Signalfarben meiden. Sehr dunkle Farben kann man mit dem Stift nicht mehr deutlich verändern.

Generell sollte man am Anfang des Kolorierens nicht zu konkret werden.

Dunkelheit kommt A durch den Stift,  und B sollte man dunkle Farben und Signalfarben erst dann verwenden, wenn man weiß, in welche Richtung die Skizze gehen soll.

Leuchtende und dunkle Farben sind also der zweite Schritt.

 

Tipp Nummer 4: Kenne deine Farbe!

Kenne deine Farbe! Wer mit einem Farbkasten arbeitet, bei dem er nicht ganz genau weiß, welche Farben darin sind, wird beim Kolorieren immer verzweifeln.

Arbeite mit wenigen Farben, denn es ist sehr wichtig, dass du auswendig weißt, welche Farben sich beim Mischen ergeben.

Nur wenn du deine Farben kennst, kannst du zügig und locker arbeiten.

Der letzte Tipp für das lockere Kolorieren!

Benutze für das Zeichnen wasserfeste Stifte oder Tinte. Die Wirkung der Farbe verändert sich total, wenn der dunkle Stift auf die Farbe kommt. Dann ist man oft überrascht, wie blass oder grell die Farbe plötzlich wirkt. Dann muss man noch mal etwas am Farbauftrag arbeiten. Ist der Stift wasserlöslich, würde alles verschmieren.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße Tine

EUR

 

https://blog.herz-der-kunst.ch/eine-zeichnung-kolorieren/

Eine Zeichnung kolorieren!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Komposition , das Auge leiten

Jede Kunst ist Komposition – das ist der Schlüssel zu allem.

Pierre Bonnard

Tine Klein Basel Wettsteinplatz Aquarell, Watercolor, Aquarelle Basel. Guide Komposition

Komposition, die Wurzeln eines Bildes

Kunst ist etwas, das keine Regeln hat. Ich persönlich liebe es, aus dem Chaos ein Bild zu entwickeln. Ich mag es, zuerst meine Gefühle aufs Blatt zu bringen, dann zu schauen, was ich daraus machen kann.

Das Leben ist das, was passiert, während man große Pläne schmiedet.

Man kann nicht alles planen!

Und trotzdem haben wir alle die gleiche Erfahrung gemacht:

Wenn etwas so richtig in die Hose gegangen ist, dann kann man es auch nicht mehr richten.

Wenn man Dinge ohne Sinn und Verstand angeht, dann kann man sie auch oft nicht entwickeln. Es gibt einen Unterschied zwischen etwas Unkonventionellem, Lebhaftem und Frischem, das auch mal Regeln bricht,  und einem absoluten Chaos, in dem alle Entwicklungschancen verspielt wurden. Die Türen sind zugeschlagen!

 Immer wieder sehe ich bei einigen Schülern, dass sie beim Malen ins Schleudern geraten, und dann einfach irgendwas machen. Der Strich wird hart und zögerlich. Das Bild wird immer wieder übermalt, bis es alle Schönheit verliert.

Schaut man dann genauer hin, dann ist es zwar sicher so, dass die Bilder durch die Fehler beim Malen kaputt gegangen sind. Doch der eigentliche Grund für die Unsicherheit und den Stress lag im Bildentwurf.

Die schlechte Komposition ist der Auslöser für die Probleme beim Malen.

Ein schlechter Bildentwurf ist katastrophal, denn die Grundlagen eines Bildes kann man während des Malens nicht ändern.

Komposition wird oft vernachlässigt

Noch häufiger werden die vermeintlich  unwichtigen Bestandteile des Bildes in der Komposition vernachlässigt. Deshalb möchte ich heute über die vermeintlich unwichtigen Dinge in einem Bild sprechen.

Diese Dinge haben mehr Macht, als du denkst!  In Wirklichkeit übernehmen Sie in einem Bild die Regie.

Komposition heißt, Einzelteile zusammenbringen:

Jedes Bild besteht aus vielen kleinen Einzelteilen. Diese einzelnen Bildelemente sehen nur gut aus, wenn sie zusammenarbeiten.

Man muss die einzelnen Puzzle-Teile eines Bildes zusammenführen, bis man das Große und Ganze sieht.

Man braucht also Techniken, die das Auge begreifen lassen, was es sehen soll.

Die Verständlichkeit eines Bildes ist das Mindestmaß!

Optimal ist es gelaufen, wenn ich die Gegenstände meines Bildes so anordne,  dass alles verständlich ist und am Ende auch noch großartig aussieht.

Für diesen Fakt sind zu einem großen Teil die ganz unscheinbaren Teile eines Bildes zuständig. Oft sind es die absolut unbedeutenden Bestandteile eines Kunstwerkes, die dafür sorgen, dass das Ganze großartig wirkt. Ich spreche hier über das Unbeachtete, über die Bordsteine, den Straßengraben oder die Dachfirste, ein paar Zaunpfähle oder einen staubigen Weg, denn diese geben mir die Möglichkeit, wie mit einem Pfeil auf mein Motiv hinzuweisen.

Dadurch sorgen die unbedeutenden Bestandteile für ein ausdrucksstarkes Motiv.

Die besondere Kraft dieser unbeachteten Motive bestehen darin, das Auge zu leiten und Tiefe zu erzeugen.

Siehst du, wie die Pöller hier die Tiefe entwickeln?

Hast du schon mal eine Abhandlung über Zuleitungslinien gelesen? Nein? Schade, denn kein Mensch hat darüber nachgedacht, weil diese Dinge so unscheinbar sind.

Es ist wie mit den wertvollen Menschen, die starken oder stillen, die man niemals beachtet, die aber die ganze Familie und die Gesellschaft zusammenhalten.

Den Dingen, die man auf den ersten Blick für nicht so wertvoll erachtet, den muss man immer einen zweiten und auch einen dritten Blick schenken.

Die Beweglichkeit von zuleitenden Linien

Die Wirklichkeit ist viel dynamischer als ein Foto. Bewege ich mich ein Stück auf der Straße, dann steht eine Laterne plötzlich nicht mehr vor dem Haus, sondern daneben. Bordsteine führen ganz automatisch auf mein Motiv zu, denn das Haus steht an der Straße.

Jedoch eins muss man sich klarmachen, die genaue Linienführung von Bordsteinen, Kabeln oder Pfosten ist vollkommen egal. Erstens bewegen sich die Dinge, wenn man durch die Straße läuft, kontinuierlich. Die Perspektive verändert sich mit jedem Schritt.

Niemand achtet auf eine Bordsteinkante. Diese Anteile des Motivs sind völlig unwichtig für den Wiedererkennungswert eines Ortes.

Dadurch werden aber genau diese Anteile des Motivs zu deinem Handwerkszeug. Du hast sie zur freien Verfügung und kannst sie so einsetzen, dass dein Motiv bestens gestützt wird.

Zuleitende Linien:

Nicht jede Linie oder Fläche leitet das Auge des Betrachters an den richtigen Fleck im Bild.

Doch alle Linien oder schrägen Flächen haben das Potenzial dazu. Was diese Linie genau macht, das liegt in deiner Hand. Jede Straßenecke oder jedes Fleckchen mit Rasen kann wie ein Pfeil wirken.

Die erste Handlungsanweisung, die ich dir geben kann,  ist, dass man nebensächliche Motivanteile nicht wahllos im Bild verteilt. Sobald klar ist, worum es im Bild geht, und du ein Bildzentrum entwickelst, sollten sich viele Linien und Flächen unmerklich in Richtung dieses Bildzentrums ausrichten.

So nach dem Motto: „Alle Wege führen nach Rom, Objekte sollten generell nicht zum Bildrand zeigen, sondern zu dem, für das du dich interessierst!

Zuleitungslinien interessant gestalten:

Die wichtigste Möglichkeit, das Auge zu leiten, ist ein zentraler Fluchtpunkt. Also wenn alle Linien auf einen Punkt zu führen.

Tine Klein Tutorial kannst du dir dein Bild vorstellen, Aquarell Bern Münsterplattform

Das hier ist die brachiale Methode, eine gerade Linie steuert unbeirrbar auf ein Ziel!

Diese Möglichkeit ist zwar die stärkste, jedoch nicht unbedingt für jedes Motiv geeignet.

Wenn du mal in mein Bild schaust, dann wirst du sehen, dass alle Linien mehr oder weniger in die Straße hinter der Tram führen.

Trotzdem sollte man darauf achten, dass diese Linienführung abwechslungsreich ist.

Wenn jede Linie eine starke schwarze Linie wäre, die in die Mitte führt, dann wäre der Eindruck zwar deutlich, aber streng und wenig spielerisch.

Am besten sind die zuleitenden Linien, wenn sie abwechslungsreich gestaltet sind.

Achte darauf, dass die Linien nicht alle die gleiche Stärke oder Struktur haben!

Zarte oder gebrochene Linien wirken deutlich eleganter als harte breite Striche.

Betrachte,  welche Vielfalt die zuleitenden Linien haben.

Hauptsache, die Richtung stimmt!

Dem Auge ist es egal, ob es einer Linie folgt. Du kannst genauso gut die Bäume oder die Dächer in die zuleitenden Linien integrieren. Auch das siehst du im Bild.

Abwechslung ist für das Auge alles!

Besonders gut wirken zuleitenden Linien, wenn sie gebrochen sind, zackig oder kurvig!

Der Betrachter ist nicht dumm, er schafft es, auch Linien zu verfolgen, die nicht gerade und nicht ununterbrochen auf ein Motiv zulaufen.

Schwünge entwickeln so etwas wie Magie fürs Auge, es folgt wie auf Befehl!

Der Draht der Tram bewegt sich schwungvoll um die Ecke. Diese interessanten Linienführungen liebt der menschliche Betrachter. Er begreift, wohin die Hauptrichtung geht, bekommt aber noch eine zusätzliche und interessante Variation.

Der Schwung der Linien sollte interessant sein, oft ist es sinnvoll, solche geschwungenen Linien nicht gleichförmig zu gestalten. Eine knackige Zick- Zack Linie wirkt ebenfalls!

Man muss nicht glauben, dass sich solche zuleitenden Linien nur aus einem Gegenstand bilden lassen. Auf der linken Seite siehst du eine ganze Reihe von Gegenständen, Menschen, Tische, Fahrräder oder Verkehrsschilder, das alles bildet zusammen eine Linie und diese sollte zum Ziel führen.

Wer in seinen Bildern Regie führen möchte, der hat ein mächtiges Instrument durch die unwichtigen Gegenstände in Bildern zur Verfügung. All diese Gegenstände können so aufgereiht werden, dass sie dem Auge eine Richtung vorgeben.

Du hast es in der Hand! Werde Regisseur -in!

Liebe Grüße  Tine

 

Vielen lieben Dank an die Spender! Ihr helft sehr!

CHF

 

Noch mehr bei Tine lesen?

https://blog.herz-der-kunst.ch/bildentwurf-ohne-goldenen-schnitt/

 

Bildentwurf ohne goldenen Schnitt?