Weißt du, wie dein Bild aussehen wird?

Aquarell im Tutorial: Weißt du wie dein Bild aussehen wird von Tine Klein, Münsterplattform in Bern
Kannst du dir eigentlich vorstellen, wie dein Bild aussehen wird, wenn du es gemalt hast?
Jetzt mal ganz ehrlich, ich kann das nicht.
Und ich denke, ich bin nicht die Einzige, der das so geht.
Natürlich bin ich eine Malerin, die sehr viel Erfahrung hat,  und trotzdem kann ich ein Bild in meiner Fantasie nicht bis in jedes Detail planen. Warum? Ich kippe hier Farbe ins Bild, ich bin ja keine Wahrsagerin!

Hilfe ich kann mir mein Bild nicht vorstellen!

Viele Menschen denken, man malt ein Motiv einfach ab.

Obwohl ich das Motiv vor der Nase habe, weiß ich trotzdem nicht, wie mein Bild hinterher aussehen wird.

Viel zu viele Faktoren spielen mit,

ich erschaffe etwas Neues.

Damit zum Beispiel Bäume locker und luftig ausschauen,  kippe ich die Farbe ins Bild. Der Aufprall der Farbe im Bild erschafft den Baum.
Es ist doch klar, dass ich dies nicht steuern kann! Ich bin zwar eine Göttin! Haha, dennoch kann ich die Flugbahn eines Tropfens in der Luft nicht verändern!
Ich male das Bild, aber das Bild malt auch mit mir!
Viel zu viele Faktoren spielen mit, es ist quasi wie Segeln oder Wellenreiten, natürlich segele ich dahin, wo ich hin will, und trotzdem spielt der Wind mit! Ich muss ihn einbinden,  sonst komme ich nicht ans Ziel!
Was heißt dies denn Konkret, wenn ich male?
Ich mache mich darauf gefasst, dass was passiert! Ich hebe das Papier und steuere wie die Farbe auf dem Blatt verläuft. Ich kann es aber nicht 100 prozentig im Griff haben.

Wie ein Bild entsteht!

Laien glauben, man könne ein Bild nochmal malen!
Dies stimmt auch in einem gewissen Maße , denn je öfter man ein bestimmtes Bild malt, desto mehr bekommt man die Unwägbarkeiten in den Griff.
Du bist nicht dumm, wenn du dir dein eigenes Bild nicht vorstellen kannst!
Man muss ein Motiv in eine Bildsprache umsetzen, erst dann kann der Betrachter das Bild aufnehmen und verstehen. Logischerweise müssen wir deshalb viele Dinge ganz anders malen,  als sie eigentlich sind.
Diese Bildsprache setzt sich aus vielen kleinen Faktoren zusammen, einerseits ist es Technik, Material,  hinzu kommt die ganz eigene Motorik der Hand und die emotionale Wirkung von Farben auf die Seele, das Wetter und natürlich die Tagesform.

Ein kreativer Prozess ist kaum planbar.

An manchen Tagen bin ich einfach ein Trottel!
Und deshalb entstehen in meinen Bildern auch immer wieder Fehler. Mit der Zeit wird man als Malerin jedoch so erfahren, dass man diese Fehler in den Malprozess einbezieht und diese neue wundervolle Ergebnisse erzeugen.
Durch all dies können Hunderte von kleinen Faktoren zusammenwirken und Neues erzeugen.
Schau mal ins Bild,  dort mischen sich im unteren Bereich drei Farben: Aquamarin feinst, Indischgelb und Permanent Rose, mal wird es Braun, mal Blau, mal Rosa, ich weiß, wie es geht,  aber wie die Pigmente ganz genau verlaufen,  kann ich dir nicht sagen! 
Am Ende kommt ein Bild mit einer ganz speziellen Wirkung heraus. Das Endergebnis hat es noch nie gegeben und seine Wirkung bleibt auch für die Erzeugerin überraschend.
Jetzt wird der eine oder die andere sagen:
Aha, sie kann das nicht! Deswegen kommt hinten immer was anderes raus.
Diese Annahme liegt natürlich nahe, wenn man in einer Welt aufgewachsen ist,  in der das Ausdrucken von Bildern normal ist.
Wie die Pigmente an diesem Tag verlaufen,  liegt sogar an der Luftfeuchtigkeit.

Genaue Planbarkeit bleibt eine Illusion.

Natürlich habe ich eine Vision von meinem Bild.

Und ähnlich wie auf einem Surfbrett, surfe ich genau  in meine Richtung. Doch wenn etwas
passiert,  dann Ungeplantes, dann muss ich reagieren, und plötzlich ist im Bild alles anders.

Und diese Fehler oder Ungeplantes sind gut! Bei einem richtig guten Maler malt  das Unterbewusstsein mit. Dies bringt wichtige Dinge zur Sprache. Das Unterbewusstsein erkennt aus abstrakten Formen plötzlich Dinge und bringt diese ins Bild!

Des halb ist nicht alles Ungeplante ein Fehler!

Nicht grübeln, einfach machen.

Wer sich bei einem Motiv nicht sicher ist, sollte eine kleine Vorzeichnung machen. In dieser kleinen Vorzeichnung kann man klären, ob der Bildentwurf sitzt!
Dies macht einen im eigentlichen Bild sehr locker.
Denn wenn ich dann Farbe hinein kippe,  sitzt zumindest theoretisch alles am richtigen Platz.
Wenn dann etwas anders ist, reagiert du!
Der wichtigste Tipp:
Das Leben geht immer vorwärts!
Du darfst niemals einen Gedanken daran verschwenden, wie es gewesen wäre, wenn es doch anders gekommen wäre.
Die Zeit,  die du mit Gejammer verbringst, wird dein Bild zerstören!

Heute, hier, jetzt! Jetzt! So entstehen gute Bilder!

Haha! Ich wäre jetzt bereit für eine Verkettung glücklicher Umstände!
Das ist mein Zeichen und Lebensmotto!
Die glücklichen Umfälle machen Kunst gut, sie erlauben Künstlern Unerwartetes und Ungewöhnliches zu erschaffen. Damit man damit umgehen kann, gibt es ein paar Tricks.

Sofort reagieren:

Mach dich startklar und sei allzeit bereit. Wenn etwas passiert,  bist du nicht geschockt,  sondern du reagierst. Ganz am Anfang kann man oft noch die Notbremse ziehen, dafür musst du das Material bereitgelegt haben,  z.B. Lappen und einen sauberen Pinsel zum Aufsaugen von Farbe.

Risiko zuerst:

Risikoreiche Techniken wie die Bäume mache ich zuerst,  um mir die Angst zu nehmen, dass ich die Bäume ruiniere.

Platz lassen:

Ich male immer ein etwas kleineres Format als das größere Format des Papiers, so kann ich im Bildentwurf auf Unerwartetes reagieren!

Gut trocknen lassen!

Warte ab! Rührst du in Unerwünschtem herum, entstehen beim Reparieren schlimme Matschflecken.

Abwarten und beobachten: Ist das, was passierte,  wirklich ein Fehler? Oder ein glücklicher Zufall?

Wenn es trocken ist,  kann man Farbe auf gut geleimten Papieren einfach abheben. Dabei entstehen wunderschöne Effekte und das Licht kommt zurück ins Bild.

Diese kleinen Tipps werden dir helfen, beim Malen wie ein cooler Surfer auf der richtigen Welle zu reiten. Ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende und viel Spaß.

Liebe Grüße Tine

Letzte Woche musste ich herzhaft lachen. Eine Frau schrieb mich an und sagte: Wie gut kann man von dem Blog leben? Ich musste so lachen! Gar nicht! Der Blog trägt seine eigenen Unkosten! Er ist für Menschen gedacht, die wenig Geld haben. Wenn du regelmäßig liest, bin ich dir also sehr dankbar, wenn du eine Spende hinterlässt. Damit es weiterhin kostenlose Kulturangebote für jedermann gibt.




 

Weiterlesen bei Tine

Schüttung oder Nass in Nass Technik

https://blog.herz-der-kunst.ch/schuettung-oder-nass-in-nass-technik/

 

#USKBern2021 – Malen auf dem Festival!

Tine Klein Aquarell In basel bei #uskbern2021 Bern, Cafe, Aquarell, Laube

Das Abendmahl der Sketcherin Tine Klein

Wir waren Sketchen

 in Bern. USKBern2021

#USKBern2021

Wenn ihr euch anschauen möchtet, was all die vielen Menschen gemalt haben, dann solltet ihr das #USKBern2021 benutzen.
 
It is time to inspire!
 
Für die Menschen unter uns, die nicht besonders technikbegeistert sind, erkläre ich noch, wie man es benutzt:
Das Rautensymbol #kann man in sozialen Netzwerken mit einem Wort dahinter eingeben, dann filtert eine Suchmaschine genau das heraus, was man sehen möchte. Äußerst praktisch!

Zeichnen auf dem Festival, warum?

Man trifft viele Leute:

Für die einen ist das Zeichnen auf dem Festival einfach Nebensache, sie treffen gerne ihre Freunde. Wenn man Interessen teilt, dann versteht man sich oft auf Anhieb.

Tine und Brinda

Für mich ist das immer besonders wundervoll, weil die Urban Sketcher als Menschen, die draußen malen, eine große internationale Familie sind.
 
Man sollte jedoch nicht unterschätzen, dass man von jedem Zeichen- oder Mal-Festival absolut wertvolle Tipps mit nach Hause bringt.
 
 
Man erfährt viel über das Material der anderen.
 
Auf den Zeichen-Festivals lernt man im Vorbeigehen, welches Material sich besonders gut für bestimmte Dinge eignet.
 
 
Man darf Malern über die Schulter schauen und lernt dabei immer.
Aber nicht nur das Material ist interessant, ich finde bestimmte Geisteshaltungen, die zu anderen Bildentwürfen führen, toll.
 
Jeder Künstler tippt den Pinsel in seine eigene Seele und du siehst, wie er eine Welt erschafft.
 
Man darf für einen Moment durch die Augen des anderen schauen, und dies ist eine der schönsten Erfahrungen überhaupt.
All dies sind die Gründe, warum ich Mal- & Zeichen-Festivals liebe.

 

Malen auf dem Festival:

Auf einem Festival malt man meistens nicht die besten Bilder der Welt.
Einfach, weil der Austausch im Vordergrund steht. Aber man darf fragen und sich dazugesellen. Der Blick hinter die Kulisse ist absolut hilfreich und zauberhaft.
Heute möchte ich die mir am häufigsten gestellten Fragen beantworten (FAQ)

FAQ`s bei Tine:

Phase 1:

Ich starte mit einem riesigen Pinsel.
Tipp: Flachpinsel
Dies ruft bei den Betrachtern Irritation hervor. Meine Herangehensweise an ein Bild ist völlig anders, ich starte nicht mit klein, sondern ich setze zuerst einen riesigen Farbfleck aufs Bild. Dieser Farbfleck entspricht der Farbe, die ich am Ort wahrnehme und fühle.
An diesem Punkt entgleiten meinen Betrachtern die Gesichter. Denn ich fange nicht zart an, mit einem Bleistift zu skizzieren, sondern ich haue ein riesiges, grünes Rechteck aufs Papier. Vorher habe ich nur kurz markiert, wo Weiß und Signalfarben ungefähr hinkommen. Dann tropfe ich zur Erschütterung meiner Betrachter leuchtend rote Farbe ins Bild, die sich mit dem Beige und Grün mischt.
Siehst du es in meinem Bild?
Die häufigste Frage ist: Wie zum Teufel soll aus dem Fleck ein Bild entstehen?

Phase zwei:

In dieser Phase beginne ich das Bild zu modellieren wie ein Töpfer.
Die häufigste Frage, die mir hier gestellt wird, ist, ob man aus diesem Chaos noch ein Bild entstehen lassen kann.
Ja, natürlich, denn nun benutze ich Schatten und Dunkelheiten, um dem Bild eine Struktur zu geben. Dazu brauche ich Schattentöne, die gut zum Bild passen. Denn andernfalls würde mein Bild mit der großen Farbfläche schlampig und grell wirken. In dieser Phase wird mir oft die Frage gestellt:
 
Welchen Grauton hast du gekauft?
Ich habe gar keinen Grauton gekauft, das Grau entsteht aus den Farben, die ich auf der Palette habe.
 
Maler nennen das Palettendreck und diese Technik ist eine der wichtigsten der Malerei.

Mein Tipp:

Mindestens eine der dominanten Farben deines Bildes sollte im Grauton enthalten sein. Dann mit der Komplementärfarbe oder zwei Farben, die miteinander komplementär sind, mischen.

Wie entstehen Grautöne?

Meistens höre ich lauter Ahhs und Ohhs, wenn ich die dunkle Farbe ins Bild male. In Bern gibt es sehr viele Laubengänge. In den Gängen ist es dunkel, dies macht es mir einfach.

Ich male nun hinter dem eigentlichen Motiv mit dem Flachpinsel und gestochen scharf.

Für die Betrachter wirkt dies wie ein Zauber, denn wenn ich den dunklen Pinsel ansetze, werden plötzlich in Sekunden eine Lampe, die Säulen, der Sonnenschirm und die Menschen sichtbar.
Dann prasselt es sofort Fragen:

Welche Farben kaufst du, damit sie so leuchtend sind?

Keine besonderen, meistens sind sie transparent, das Leuchten entsteht im Zusammenklang mit der Dunkelheit.

Die nächste Frage ist, welches Schwarz hast du gekauft?

Meine Antwort:  Gar keins, ich mische das.
Dann lautet die nächste Frage, wie zum Teufel bekommst du die Farben so dunkel?
Ich benutze die Farben des Bildes, jedoch füge ich jeweils die allerdunkelste Version dieser Farben hinzu und füge dann die Komplementärfarben hinzu, meistens beruhen meine Schwarztöne auf Siena gebrannt und einem dunkleren Blauton plus dunklem Violett.
Ich erkläre es an diesem Bild. Die Basis der Hausfarbe ist Siena, ein Gelb, dieses wird durch Lila zum Strahlen gebracht, deshalb ist die Basis meines Schwarztons ein dunkles Violett. Jetzt füge ich noch ein dunkles Blau hinzu, bei dem ich mir ganz sicher bin, dass es zu Siena gebrannt komplementär ist. Diese Kombination erzeugt ganz automatisch einen sehr dunklen Ton. Das Schwarz, das eigentlich ein dunkles Violett ist, wirkt besonders strahlend und extrem dunkel, weil es speziell auf die Umgebungsfarbe gemischt wurde.

Gelb und Violett sind komplementär, dadurch entsteht das Strahlen.

Phase 3: Linien:

Die nächste Frage, die ich gestellt bekomme ist:  Wie bekommst du die tollen Linien hin? Ich mische einen hellen Grauton, manchmal benutze ich das Schwarz verdünnt und gebe noch das helle Blau hinzu, mit dem ich den Grünton gemischt habe. Dann mache ich den Pinsel ganz trocken, teste, ob die Farbe passt. Und zeichne die Details in einer enorm hohen Geschwindigkeit. Dadurch bricht mein Strich und die Pinsel-Zeichnung sieht nicht so massiv aus.

Mogeln ist erlaubt.

Andererseits habe ich einen grauen Pinselstift, winzige Strichstärke. Dies hilft mir bei kleinen Details, zum Beispiel bei den Stühlen. Aquarelllisten fallen nun in Ohnmacht, aber wieso sollte ich es mir schwerer machen als nötig?

Denkst du: Oh Gott, oh Gott, noch so viel zu lernen?

Dann bedenke:

Jeder Künstler war zuerst ein Amateur.

Komm, begleite mich beim Lernen!

Tine

Wenn du: #USKBern2021 nutzt, wird auch bei vielen anderen lernen können.

Auf Wunsch einer Schülerin noch mal die Farbpalette aus Hamburg mit den Erklärungen zum Mischen.

https://blog.herz-der-kunst.ch/sag-es-in-farbe-bildsprache-teil-2-usk-hamburg/

Sag es in Farbe! Bildsprache Teil 2 USK Hamburg

Einen ganz herzlichen Dank an alle Mitwirkenden, insbesondere ans Orga-Team, leider nicht alle drauf!

#UskBern2021

So, jetzt sind alle drauf:

Gruppenbild 2021 #UskBern2021

Schaut mal rein.

https://symposium.usk-switzerland.ch/




 

Nicht vergessen das Hashtag ist: #USKBern2021

#USKBern2021

 

Der Mensch im Bild?

Heute möchte ich euch Tipps für den Menschen im Bild geben.
Wenn man Menschen darstellen möchte, dann stellt man schnell fest, dass die Art, wie man Menschen im Bild zeigte, von Epoche zu Epoche sehr unterschiedlich war oder gar verboten. Aber eines bleibt über alle Zeiten und Kulturen, es interessiert uns:

Was machen die da?

Tine Klein Aquarell zum Thema der Mensch im Bild, Motiv Basel Fischmarkt

Mein Bild kannst du interpretieren, denn es gehört zu deinem Alltag.

Bei anderen menschlichen Darstellungen wird es schwerer.

Kein Kopf, aber dafür unendlich viel Busen!

Mein erster Gedanke war,  Alice Schwarzer würde ausrasten! Der Mensch in der Steinzeit dachte: Prachtweib!?

Danke an: Nina Paley, CC0, via Wikimedia Commons

Eine Frau sagte: “ Himmel,  die Kerle haben noch immer auf dicke Brüste gestanden!”
Diese Aussage wurde umso lustiger, weil die kulturhistorische Interpretation,  die neben der Statue stand, so unglaublich hochtrabend war.

Wir liegen wohl beide falsch! Wir sind Kinder unserer Zeit.

In der Ausstellung erfuhr ich, dass die dicke Frau mit dem katastrophalen Body-Mass -Index durchaus ein Massenprodukt war und dass die Statuen über hunderte von Kilometern transportiert wurden! Als Künstler zieht man daraus den Schluss, dass es seit jeher ein starkes Bedürfnis gegeben hat, den Menschen in der Kunst zu  zeigen.

Twiggy war wohl nicht das Schönheitsideal?

Aber interessant ist es schon, oder? Was heißt das für uns,  wenn wir malen?

Der Mensch im Bild. Mal ihn einfach!

Solange man erkennt, was Menschen machen, ist dies auch interessant für andere Menschen, deshalb darfst du dich ruhig trauen, Menschen zu malen.
Darstellungen müssen überhaupt nicht hochtrabend sein, die einfachen ägyptischen Zeichnungen faszinieren uns noch heute, sie zeigen den Alltag und die Mythologie einer längst untergegangenen Kultur. Die einfachen und oft gekritzelten Skizzenbücher der frühen Forscher in Südamerika sind noch heute interessant und wichtig. All diese Bilder sind nicht perfekt.
Mach dir klar, dass du etwas Wertvolles erstellst, auch wenn es nicht perfekt ist.

Alltägliche Dinge reichen, sie werden wertvoll:

Oft unterschätzt man die Wichtigkeit der alltäglichen Dinge.  Wichtig ist es, den Menschen in seine Zeit einzubinden, sonst gibt es so komische Gedanken wie oben. Auch wenn ich in meinem Alltag in Basel leider nicht mit Inbrunst  eine Jagdgesellschaft beschreiben und malen kann, die eine rasende Antilopenherde verfolgt. Wie gerne würde ich die donnernden Hufe malen!
Was sind denn meine Alltagskleinigkeiten wert? 
Ich stelle mir gerne vor, wie in 500 Jahren mein Atelier ausgegraben wird und die Menschen staunend über meinen Alltagsskizzen stehen!
Tine Klein Aquarellskizze mit Tusche Bern ZytgloggeBlog zum Thema der Mensch im Bild
Und sich fragen:
Was haben sie da gemacht?
War das ein Jagdhund? Eine Jagdgesellschaft im Bern für uns, kaum glaubhaft.  Wir wissen, es sind Passanten. Menschen werden erst im Zusammenhang interpretierbar.
Vielleicht hält man in 1000 Jahren meine Pinsel für Kultgegenstände?
Ja! Mein Pinsel ist Kult!
Weil im Jahr 100 nur noch digital gemalt wird. Wahrscheinlich denken die Menschen, ich hätte mir den Pinsel durch die Nase gesteckt und dabei wirre Gebete in die Nacht hinausgeschleudert. 
Aber sie werden von meinem Alltag genauso fasziniert sein, wie ich jetzt vom Steinzeitmann.
Ein unerklärlicher Ruf aus der Vergangenheit!

Tipps für den Mensch in Bild:

Motivwahl:  Der Mensch im Bild.

Tine Klein Aquarell zum Thema der Mensch im Bild, Motiv: ältere Dame auf einem Fahrrad

Wir haben oft keine Wertschätzung für die alltäglichen Dinge. Immer wieder stelle ich genervt fest, dass Menschen tausendfach Klischees aus Büchern abmalen. Vielen Menschen erscheint ein Massai unter einer Schirmakazie in Afrika offensichtlich viel interessanter als der eigene Alltag.
Wie wär’s mit Oma auf E-Bike?
Ist das nicht exotisch genug?
Überlegt einmal, wie viele Informationen von Generation zu Generation verloren gehen! Den einfachen Alltag festzuhalten, ist sehr wichtig.
Du wirst überrascht sein, wie dankbar die Menschen für Motive aus ihrem Alltag sind.

 

Die Geste macht es

Man denkt immer, man müsse viel tun, um ausdrucksstarke Menschen zu malen oder zu zeichnen. Dabei lässt man absolut außer Acht, dass uns Menschen nur interessiert, was der andere macht. Deshalb reicht es oft, Streichholzmännchen zu zeichnen, Hauptsache, die Geste stimmt. Wenn der Mensch sich zum anderen neigt, dann sieht man,  dass die Menschen reden! Unterschätze niemals die Macht der einfachen Körperhaltung, denn dies werden die Menschen in 500 Jahren immer noch verstehen.
Körperhaltung ist wichtiger als Schnick-Schnack!

Tätigkeiten machen den Menschen im Bild magisch:

Tine Klein Aquarell zum Thema der Mensch im Bild, Motiv Basel Fischmarkt

Was werden die Menschen in 500 Jahren hier denken? Kultische Handlungen bei den Weihnachtssaturnalien?  Gott sei Dank malen wir für heute…grins!

Nimm dir die Zeit und die Ruhe, Menschen bei bestimmten Tätigkeiten zu beobachten. Du wirst schnell feststellen, dass es ganz typische Gesten gibt.  Irgendwer steht wie ein Stock auf den Schlittschuhen und im Gegensatz dazu werden die Kinder übermütig. Es muss gar nicht perfekt sein, Bewegungen machen dem Betrachter generell Spaß.

Eine zackige Bewegung verzeiht viele kleine Fehler.

Die Beziehung zwischen dem Menschen im Bild und den Gegenständen

Der Mensch im Bild wird erst gut, wenn er zu den Gegenständen seiner Umgebung passt. Bei einem Fischerort passen Blaumann und Bikini ganz wunderbar zusammen.
Tine Klein Aquarell cadaques, Tutorial Schatten, Stand mit Booten
An einer Bushaltestelle brauchst du vielleicht weniger.
Hier reicht die Silhouette, um die Geschichte zu erzählen. Der Mensch im Bild wird neben einer Straßenbahn ganz automatisch zum Passagier.
Tine Klein Blog Herz-der-Kunst Bern Strassenbahn, Tutorial Farbflächen,Aquarell
Als Faustregel gilt, die Tätigkeit oder Körperhaltung sollte zu den Gegenständen im Bild passen.

Die Masse macht’s:

Oft kann man Menschen auch ineinander verschwimmen lassen. Gibt es an einem Ort viele Menschen, dann reicht schon die Andeutung der Körperform. Wie viele Köpfe und Beine da sind, ist völlig uninteressant. Ab einem gewissen Punkt malt man einfach eine Menschenmenge. Hier ist es oft sogar gefährlich, zu viel zu malen. In einem Stadion zählen wir nicht Hände und Füße! Mit dieser  Erkenntnis kann man entspannt Menschen malen.

Verkünstle dich nicht!

Mein wichtigster Tipp beim Menschenmalen jenseits der Technik ist: Verkünstle dich nicht.
Ich habe im Malunterricht hunderte von Bildern sterben sehen, weil ein Schüler eben noch ein Detail einfügen wollte.
Schaut man in eine Menschenmasse, dann interessieren uns die Gesichter nicht!
Wir würden in der Stadt wahnsinnig.
Weniger ist mehr – mach´s dir nicht schwer!
Liebe Grüße Tine



 

Mehr lesen:
Zum, Menschen:
malen oder zur Venus. 

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/schon-in-der-eiszeit-gab-es-grosse-transporte-13387170.html