Schnee malen: Das Gespür für Schnee

Ha! Endlich Schnee wie in der Kindheit!

Tine Klein Tutorial Schnee malen Häuser mit Schnee im Laternen licht, Motiv Männedorf am Zürichsee

Heute Morgen wache ich auf, schaue aus dem Fenster und sehe dieses wunderbare Bild.

Männedorf am Zürisee wacht auf… da krabbelt es doch in den Fingern…Heute muss ich Schnee malen

Im Nachthemd stürze ich an meinen Schreibtisch, krame meine Acrylmarker heraus und beginne den wundervollen Schnee zu malen. Jetzt hocke ich im Schneidersitz in meinem Bett, meine Katzen schnurren, alles ist perfekt. Und, wie das immer so ist, in diesen Momenten funktionieren meine Acrylstifte nicht. Oh wie schade! Dennoch ich habe keine Lust aufzustehen, denn der Kaffee dampft neben mir und das Licht im Schlafzimmer ist Schneegrau. Ohnehin bin ich eigentlich ein Morgentrottel, also tue ich was ich kann, ich zeichne. Der Schnee kann warten, er liegt ja ohnehin auf der Landschaft, also sage ich mir, den Schnee kann ich später zeichnen.

Deshalb schaue ich in die Landschaft und versuche erst mal ein Gespür für den Schnee zu entwickeln.

Könnte man Schnee auch ganz ohne weiße Farbe malen?

Da bin ich mir ziemlich sicher, denn man kann eigentlich alles malen ohne besonderen Einsatz. Ich jedoch habe heute Morgen mein graues Skizzenbuch herausgekramt und da ich jetzt zu faul bin meine Idylle zu verlassen, muss ich irgendwie mit meinem Füllfederhalter und einem grauen Papier klar kommen.

Schnee malen

Schaut euch einmal dieses Foto an, wenn man hinaus schaut, ist die Landschaft natürlich erst mal weiß, aber definiert wird das Weiße durch die dunkleren Farben die unter dem Schnee herausschauen. Was den Schnee so markant macht, das sind zum Beispiel die ganz dunklen Flächen unter den Bäumen und Sträuchern.

Während ich meinen Kaffee schlürfe, male ich jetzt erst mal alles Dunkle. Während man sonst die weißen Flächen mühsam aussparen muss, setzt man den Schnee bei getöntem Papier einfach oben auf.

Ich mache es mir einfach, ich male also alles was unter dem Schnee ist:

Heute arbeite ich von dunkel nach hell

Leider muss ich jetzt aufstehen, weil ich die Kreide holen muss, dann kann ich euch gleich zeigen wie der erste Schritt ausschaut.

Tine Klein Tutorial Schnee malen Häuser mit Schnee im Laternen licht, Motiv Männedorf am Zürichsee, Vorzeichnung mit Tinte

Zugegebenermassen sieht dies noch nicht nach Schnee aus.  Das Material, was ich bis jetzt verwendet habe, ist ein graues Skizzenpapier von Strathmore (Toned Gray). Die Vorzeichnung habe ich mit Füllhalter gemacht.

Der Schatten macht es

In der Vorzeichnung habe ich ganz viele dunkle kleine Punkte gesetzt. Diese Punkte sind die Stellen des Baumes, die unter dem Schnee herausblitzen. Es sind die Grautöne die entstehen, also das, was irgendwo zwischen der Dunkelheit der Gegenstände und dem absoluten Weiß des Schnees liegt.

Obwohl hier bis jetzt natürlich noch überhaupt kein Weiß benutzt wurde, kann man rechts im Bild bei dem Baum oder unten bei den Büschen doch schon erahnen, dass dort vielleicht Schnee liegt.

Das Verrückte ist das man den Schnee nur richtig gut herausarbeitet, wenn man gleichzeitig ein erhöhtes Augenmerk auf die Dunkelheiten legt.

Wenn die Helligkeit oben drüber gemalt wird, braucht man sich mit der Dunkelheit nicht zurückhalten, man braucht mehr als man glaubt.

Schnee malen ist Schatten malen

Schnee malen ist Schatten malen, deshalb ist es erst mal gar nicht schlecht, wenn du mit Dunkelheit beginnst. Natürlich ist mir klar, dass diese Zeichnung jetzt noch überhaupt nicht nach Schnee aussieht bevor das Weiß drin ist.

Denn Schnee ist gleichbedeutend mit Weiss und das funktioniert natürlich auf einem grauen Papier überhaupt nicht gut. wenn man kein Weiss einsetzt. Andererseits wird aber das dunkle Papier den Schnee später leuchten lassen.

Das Arbeiten mit Weiss hat seine Tücken

In diesem Blog habe ich schon mehrfach darüber berichtet, dass das Arbeiten mit Weiss nicht immer ganz einfach ist. Die Acrylstifte trocknen ein oder sie sind nur auf sehr dunklen Untergründen sichtbar. Das Deckweiss aus Aquarellkästen wirkt oft eher schäbig als brillant. Doch es gibt für alles eine Lösung.

Wenn ich mit Weiss arbeite, dann arbeite ich gerne mit zwei sehr unterschiedlichen Materialien. Das eine ist Acryl-Tinte, so wie sie zum Beispiel auch beim Airbrush benutzt wird. Das andere ist Pastell, im Volksmund auch Kreide genannt.

Nun tapse ich zu meinem Schreibtisch, denn ich hab mir gestern winzige Pastellsticks gekauft (von Conte de Paris).

Jetzt werde ich gleich ausprobieren ob die Dinger taugen, sie sind klein und viereckig, so dass man ganz verschiedene Strukturen mit dem kleinen Pastell erzeugen kann.

Tine Klein Tutorial Schnee malen Häuser mit Schnee im Laternen licht, Motiv Männedorf am Zürichsee, Schnee mit Pastellkreide Comte Sticks

Der Stick ist sehr klein, aber extrem handlich, man kann ihn seitlich oder mit der Spitze benutzen. Der Schnee ist in Windeseile gemalt. Das Pastell ist schneller als alles andere, denn ich kann ja auch die breite Seite des Sticks benutzen und trotzdem Strukturen erzeugen.

Erstes Fazit der Comte Stick gefällt mir wirklich gut, er ist nicht nur handlich sondern auch wirklich Pigment stark.

Einen kleinen Nachteil gibt es dennoch, auf der Kreide selbst kann man nur schwer mit Füllfederhalter malen, deshalb steige ich für die Schatten auf einen Bleistift um.

Wenn ihr den Schnee malt, dann achtet darauf, dass ihr den Schnee nicht zu massig malt.

Andererseits braucht man aber auch wirklich genug Weiss, damit es nicht sehr grau aussieht auf dem dunklem Papier. Der Schnee krümmt sich über die Büsche oder er bildet dicke Haufen. An diesen Stellen reflektiert der Schnee das Licht besonders stark. Und dann kommen wir zu dem Thema, dass wir helles Weiss brauchen aber auch dunkles.

Verzichtet man auf etwas Schatten im Schnee, dann liegt der Schnee wie ein Fremdkörper im Bild, deshalb töne ich den Schnee ein wenig mit Bleistift ab. Sicher geht das auch mit  dem Pastell, doch zugegebenermaßen habe ich mir erst mal ein paar Probe Sticks gekauft, weil ich erst mal wissen wollte ob es überhaupt gut funktioniert.

Tatsächlich finde ich, dass man bei der Auswahl des Papiers enorm darauf achten muss, dass das getönte Papier nicht dreckig grau ist. Die Kombination aus grau, weiß und schwarz wirkt wirklich gut.  Ich glaube der wichtigste Verarbeitungstipp auf grauem Papier ist, dass man wirklich darauf achten muss, dass man sehr helle Stellen hat, die im Kontrast zu großer Dunkelheit stehen. Sonst wirkt das grau müde.

Der Härtetest hell auf dunkel

Jetzt bin ich mal gespannt. Angeblich sind die Sticks extra zum Skizzieren gemacht, so dass man in allen Farben mehrere Tonwerte hat, d. h. Lichtstärken.

Ich hab mir erst mal drei gelbe gekauft, Gelb bringt man zum Leuchten in dem man kalte und warme Töne aufeinander treffen lässt und gleichzeitig eine sehr starke Dunkelheit anlegt.

Tine Klein tutorial schnee malen Häuser mit Schnee im Laternen licht

Ein wenig muss ich mich noch an das eckige Format des Sticks gewöhnen. Ich finde es aber besser als Stifte, denn durch die Fläche kann ich regelrechte Strahlenbündel auf das Papier legen. Es klappt und ich bin sehr zufrieden. Nachdem ich das Pastell über die Tinte gelegt habe, muss ich noch einmal nachschwärzen, das ist etwas schwierig, denn der Füllfederhalter streikt ein wenig bei dem puderigen Pigment. Doch das Ergebnis ist durchaus überzeugend. Ich halte es für sinnvoll das Bild hinterher kurz mit  Fixativ anzusprühen. 

Fazit: Schnee lässt sich deutlich einfacher malen, wenn man ihn einfach oben aufsetzt. Das Material, die Comte Sticks, war für mich völlig neu. Sticks haben sich auf dem dunklen Papier gut geschlagen.Was ich daran super schön finde ist, dass es eine kleine Transportbox gibt. Man kann zwölf Sticks in einer winzigen Papierschachtel mit sich herumtragen. Da die meisten meiner Bilder wirklich vor Ort entstehen, finde ich dies einfach großartig. Jetzt im Winter finde ich es prima ein Material zu haben, welches sehr klein ist, aber keine Trocknungszeit hat. Ohne Pinsel ist bei der Kälte einfach praktischer, denn dieses Material kann man auch mit in Cafés oder Museen nehmen.

Tine Klein Material des Tutorial Schnee malen

 

Liebe Grüße ins Wochenende Tine

Der Blick aus meinem Schlafzimmer in Männedorf, wo bekomme ich schnell einen Schlitten?

Wer sich heute einmuckelt:

Ein ähnliches Thema ist die weiße Tinte

 

 

 

 

 

 

 

 

4 commentaires sur “Schnee malen: Das Gespür für Schnee

  1. Wirklich gut gezeichnet, Tine. Schöner Blpgbeitrag. Auch ich merkte bei Schneezeichnungen mit Bleistift, dass die Schatten erst Schnee zu Schnee machen. Liebe Grüße aus dem tiefen Schnee im Süden Bayerns.

  2. Danke für den umfangreichen Beitrag. Er ist wie immer lehrreich und “herzerfrischend “zugleich. …Gespür für Schnee… Das erinnert mich an den spannenden Film von 1997: “Fräulein Smillas Gespür für Schnee.” .Leider fehlt hier im norddeutschen Flachland jegliche Spur von Schnee, um Deine Anregungen umzusetzen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

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