Das kleine Geheimnis der Farbe


Wir und die Farbe


Es war schön und der Trubel ist vorbei, die Stille kehrt ein. Ich stehe in Bern auf einer Aussichtsplattform und schaue ins sanfte Abendlicht hinaus. Es ist 18:00 Uhr und bis gerade eben habe ich Malunterricht gegeben. Heute Nachmittag ging es um Farben.

Jetzt werde ich ruhig und nach dem Lehren kann ich der eigenen Sehnsucht nach der Farbe verfallen, auch wenn die Zeit nur für eine schnelle Skizze reicht.

Nach und nach lernt man die Farbe zu sehen. Ganz anders als man am Anfang glaubt, sind Farben in das große System des Lichts eingebettet. Man glaubt man malt nur ein Haus und dabei ist es ein ganzes System von Lichtstrahlen. Hinter jeder einzelnen Farbe steht ein Konzept, aber dieser Gedanke ist am Anfang viel zu verwirrend.


Farben brauchen ein Konzept


Das spontane Aquarell gilt als die freieste Art der Malerei. Sie ist wild und farbig und Regeln werden sehr oft gebrochen. Es ist also ein Wunder, dass diese Machwerke harmonisch aussehen. Diese enorme Freiheit der Farbe kann man realisieren, weil es im Hintergrund der Bilder eine kleine Organisation gibt. Dieses Grundmuster ermöglicht es dem Maler Farben im Bild sehr lebhaft zu kombinieren ohne dass dabei die Augen des Betrachters bluten.

Muster erzeugen Harmonie

Die Harmonie entsteht dadurch, dass die Farben in großen Blöcken organisiert werden. Man kann auf diese Art und Weise sehr, sehr farbig malen ohne das es in irgendeiner Art und Weise grell oder unnatürlich wirkt.

Googelt einmal meine Kollegen Wilhelm Fikisz, Voka oder Simon Fletcher und betrachtet ihre Bilder. Diese Maler malen sehr farbig und trotzdem sehr harmonisch. Die Harmonie entsteht dadurch, dass große Flächen mit verwandten Farben verwendet werden, innerhalb dieser Flächen findet ihr überwiegend Farben die ineinander übergehen, d.h. blau, grün und gelb oder gelb, orange, rot.

Hinter dem farblichen Chaos liegt also eine verborgene Ordnung.

 


Diese Flächenbildung ist das ganze Geheimnis


Eine Schülerin sagte mir, das ist so unglaublich schwer zu realisieren, wenn ich nicht auf mein Motiv gucken kann und dort sofort die Farbe sehe, die ich malen muss

Du musst nicht! Du kannst! Du darfst! Lass dich inspirieren.

Tatsächlich ist es aber gar nicht so schwer, hole doch erst mal 1 Sekunde Luft. Wenn du einmal in das Motiv schaust, dann wirst du sehen, dass man, dafür nicht lügen muss. Diese Farbgruppen sind einfach da. Sie sind das abstrakte Farbmuster hinter dem Motiv. Diese Gruppen lassen sich mit etwas Ruhe ganz einfach sehen:Tine Klein, Blog Herz der Kunst, Motiv und Organisation der Farbe, das kleine Geheimnis der Farbe

Ich zeige dir jetzt das Motiv an dem wir am letzten Samstag gestanden haben. Es ist der Blick von der Aussichtsplattform am Bundeshaus entlang. Schau mal in das Bild und analysiere.

Die Kuppeln des Hauses sind türkis, oxidiertes Kupfer, die Bundesgebäude sind aus leicht grünlichen Sandstein und der Himmel ist blau. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass wir in dieser Ecke des Bildes eine blaugrüne Fläche bilden können.

Im hinteren Bereich des Bildes nahe der Brücke schauen wir auf die roten Dächer der Altstadt, in der warmen Abendsonne gibt es hier viele sanfte und rötliche Reflexe. Leider sieht man dies auf dem Foto nicht so genau wie in der Realität.

Tine Klein, Blog Herz der Kunst, Motiv und Organisation der Farbe, das kleine Geheimnis der Farbe

Wenn man genau hinsieht, sieht man es ziemlich gut. Jeder erfahrene Maler weiß nun, ich kann im Bild zwei Blöcke bilden, einen blaugrün gelben Block und einen rotgelben Block.

Es  gibt eine Farbe, die dient als Brücke


Eine Brücke zwischen den Farben bilden


Die Farbe, die ich in beiden Bildbereichen finde, ist gelb. Gelb ist der Sandstein. Diese Farbe bildet die ganz natürliche Brücke zwischen den beiden Fachbereichen. Über das Gelb kannst du ganz harmonische Übergänge bilden: Willst du also ins Rot, dann bildest du einen allmählichen Übergang, gelb, orange erst dann  rot. Auf der anderen Seite bildet das Gelb die Brücke über Grün bis hin zum Blau.

Dinge verbinden anstatt sie zu spalten

Eine Schülerin war überrascht, dass hinter den Farben ein Konzept liegt, sie sagte:

Du arbeitest also gar nicht mit realen Farben!

Tine Klein, Bern Bundeshaus, Blog Herz der Kunst, Motiv und Organisation der Farbe, das kleine Geheimnis der Farbe

Doch, natürlich! Die Farben sind da und diese Beobachtung mache ich für meine Betrachter nur deutlich sichtbar. Ich verstärke die Farben ein wenig und lasse dann die eine Farbe sanft und an allmählich in die Andere übergehen.

Dabei gibt es natürlich immer mehr als nur einen Weg, das Konzept gibt mir eine große Freiheit, in der ich mich mit der Farbe bewegen kann.

In dieser Skizze zeige ich nur im Hauptmotiv die reale Farbe und bin im Rest viel zurückhaltender, hier benutze ich den Schatten als “Brückenfarbe“:

Tine Klein, Bern Bundeshaus, Blog Herz der Kunst, Motiv und Organisation der Farbe, das kleine Geheimnis der Farbe

Licht verhält sich anders als bauliche Strukturen. Dem Licht ist egal ob ein Haus zu Ende ist, es reflektiert einfach auf die andere Wand. Wenn man eine Stadt nicht konstruiert, sondern sie als Licht sieht, dann wird alles weich. Man braucht nicht alles verändern, man betont nur den einen oder anderen Aspekt, eben das was einem Bild gut tut.

Gelb ist nicht einfach Gelb, tatsächlich steht in jeder Farbe eine ganze Bandbreite von unterschiedlichen Farben zu Verfügung.

Oftmals ist dies das Spiel mit kalten und warmen Farbtönen einer Farbe

Es kommt immer darauf an, was ich sagen möchte. Bilder werden ganz lebendig durch Kontraste. Indem man die Kontraste aber in große Flächen einbettet, wirkt das Ganze immer harmonisch und trotzdem nicht langweilig.

Paul Cézanne [Public domain oder Public domain], via Wikimedia Commons

Einige meiner Schüler finden es sehr gewagt, die Farben ein wenig abzuändern. Ich möchte dich jedoch darauf hinweisen, dass diese Arbeitsweise ein ziemlich alter Schuh ist.

Schau einmal was Paul Cezanne hier macht! Kommt es dir bekannt vor?


Paul Cezanne und die Organisation der Farbe


Paul Cezanne, Organisation der Farbe, mit Zwiebeln

Paul Cézanne [Public domain oder Public domain], via Wikimedia Commons

Auch bei Paul Cezannes zweitem Bild siehst du die beschriebene Arbeitsweise ganz deutlich. Auf den ersten Blick mag es so wirken als sei der Hintergrund einfach leer, die blaugrüne Farbe hat aber als Fläche die Aufgabe das Rot leuchten zu lassen.

Dies ist das ganze Geheimnis einer erfolgreichen Malerei, sie ist äußerst simpel aufgebaut, findet aber die großen Zusammenhänge, so dass sich die Farbflächen untereinander stützen. Paul Cezanne arbeitet hier äußerst klassisch, der Vordergrund ist warm und geht in einen Hintergrund über in dem kalte Farben verarbeitet sind. Diese Art der Darstellung suggeriert Tiefe und Entfernung.


Kein Einheitsbrei


In einer der Skizzen habe ich mit dieser  Regel gebrochen , obwohl ich sie verstanden habe. Merkt euch eins:

Regeln in der Malerei sind zum Brechen da.

Jedoch sollte man wissen was man tut, denn die Kunst ist eins der ältesten Handwerke der Welt. Hätte ich Bern ohne jeden Farbkontrast gemalt, dann wette ich, dass die wunderschöne Kulisse ausgesehen hätte wie eine Schüssel Grießbrei . Die Idee Farben in großen Blöcken zu organisieren ist also nicht neu und auch keine Erfindung der spontanen Aquarellisten, sondern sie gehört zum  alten Know-How der Malerei.

Liebe Grüße an die wundervolle Urban Sketching Gruppe in Bern

und Euch und allen anderen wünsche ich viel Spaß beim Malen in der Frühlingssonne.

wünscht euch Tine aus dem Herz der Kunst

Mehr zur Wirkung der Farben

 

 

 

Grosszügig malen im Mini-Format

Tine Klein, frei malen, großzügig malen, freie Malerei im Scheckkartenformat


Generös malen


Hallo Kirsten, Hallo all ihr Anderen! Großzügig malen, das ist ein Traum, den viele mit mir teilen, du vielleicht auch?

Ja, ja, generös malen das wollen wir alle! Aber damit mein ich jetzt natürlich nicht die Scheckkarte. Letzte Woche gab es in der deutschsprachigen Urban Sketcher Facebook Gruppe eine Frage:

Was zum Teufel kann ich tun, um etwas freier und abstrakter zu werden?


Was kann ich machen um groszügiger zu werden?


Es gab natürlich unendlich viele Tipps, aber um die Wahrheit zu sagen, ich glaube viele dieser Tipps sind unnütz. Nicht weil sie nicht wahr oder gut sind, einfach weil die Zielperson sie in dieser Phase des Malen- und Zeichnen lernen gar nicht umsetzen kann. Man begreift einfach nicht wofür es gut ist.

Mein Tipp war, nimm einfach einen dicken Pinsel.

Hinterher habe ich mir überlegt dass dieser Tipp eigentlich dumm ist, denn der Pinsel allein macht natürlich niemand frei. Trotzdem ist der Tipp gut. Bilder sind dann aussagekräftig, wenn die groben Grundzüge präzise sitzen.

Wenn die grobe Grundform stimmt, dann gewinnt man enorme Freiheit, weil man machen kann was man will  und der Betrachter sieht trotzdem was los ist.

Wer die Grundform kennt, lernt zügig malen.


Grundmuster erkennen


Dafür muss man die wesentlichen Grundmuster identifizieren, was natürlich nicht einfach ist. Wenn man aber einen dicken Pinsel benutzt, ist das sehr hilfreich, weil man muss zwangsweise mit Grundformen arbeiten, so dass man nicht auf die blöde Idee kommt wieder auf alles Unnötige hereinzufallen.

Zusammenfassen ist das wichtigste Stichwort. Ich habe mal gehört, dasS sich die Impressionisten Seidenpapier vor die Augen gehalten haben um die groben Grundmuster eines Motivs zu erkennen.  Wer keine Details erkennt, kann natürlich großzügig malen. Augen zusammenkneifen kann sehr gut helfen, denn auch in dieser Sichtweise fallen viele Details weg. letztlich funktioniert es am besten, wenn man eine Zusammenfassung findet, der Garten besteht nicht aus 1000 Grashalmen und Pflanzen, sondern ist einfach eine Grünfläche und dann wird das Wichtigste betont.

Wenn man dennoch nicht mit Pinseln in der Größe des Hof-Besens unterwegs sein möchte, kann man den gleichen Effekt durch eine lustige Umkehrung inszenieren:


Klein aber fein, eine Freiheitsübung


Du kannst mit deinem normalen Pinsel das Gleiche trainieren, wenn man auf sehr kleine Formate ausweicht, man malt dann ebenfalls mit einem riesigen Pinsel, weil ja das Format auf dem man malt nur ein wenig größer ist als eine Briefmarke.

Eine Briefmarke wäre jetzt natürlich übertrieben, aber die Größe von Visitenkarten ist für diese kleine Übung wunderbar.

In diesem Format ist ein normaler Pinsel natürlich ein Riese. Du wirst feststellen, wenn du mit diesem Pinseln malst wird es sehr leger.

Jetzt bleibt dir gar nichts anderes mehr übrig, als dich auf die grobe Grundform zu konzentrieren.

Die Visitenkarten sind für einen normalen Pinsel so winzig, dass man es recht schnell lernt das Motiv auf die Größe zu zuschneiden. Es gilt die Devise:

If I can make it there
I’m gonna make it anywhere
It’s up to you

Mach Frank Sinatra an und hört das Lied „New York, New York“, es ist ein bisschen größenwahnsinnig und damit die perfekte Musikuntermalung um das freie Malen zu lernen. Ich hoffe die Musik macht dich nicht nur größenwahnsinnig, sondern lehrt dich auch das großzügige Malen.

Wenn du siehst, dass man die Szene erkennt, ohne jedes Detail, dann weißt du, du hast es geschafft!

Du hast das Grundmuster eines Bildes erkannt! Wenn du das schaffst, bist du ein Riesenschritt weiter! Dann schaffst du es auch großzügig zu malen.  Hier heißt es dann wirklich:

If I can make it there
I’m gonna make it anywhere

Das Erkennen von Grundform und Grundmustern hat noch einen ganz anderen entscheidenden Vorteil, weil du ganz schnell lernst deine Fehler zu erkennen.

Tine Klein, frei malen, grosszügig malen, freie Malerei im Scheckkartenformat

Durch die grobe Grundform sieht man sehr schnell, das etwas nicht stimmt.

Wenn etwas in so groben Grundzügen nicht stimmt, dann lässt es sich natürlich recht einfach beheben. Und so lernst du nach und nach sehr schnell von dir selbst. Diese Sicherheit, die du gewinnst, die macht sich zu einem freien Maler.

Das Arbeiten mit Grundform ist also ein Zwiegespräch mit dir selbst.

Tine Klein, frei malen, freie Malerei im Scheckkartenformat


Die Kür: Grundform und Detail


Zum Schluss kommt die Kür, man nimmt die groben Grundform und fängt an sie durch kleine Details zu ergänzen, das macht man entweder mit dem Stift oder mit einem viel feineren Pinsel. Schnell wirst du erkennen, man kann nicht alles ins Bild malen. Du wirst dich entscheiden müssen, welche kleinen Details du in die winzige Szene einfügst.

Tipp:

Lass bloß nicht weg, was dir besonders gut gefällt.

Wenn du ein paar Dinge hinzugefügt hast, die dir unverzichtbar erschienen, wirst du ganz schnell feststellen: Mehr geht  nicht.


Mehr geht einfach nicht!


Es geht einfach nicht alles, man stellt fest, es ist nur Platz für das da, was man wirklich gut findet.

Das auf sich selbst konzentrieren ist ein riesen Sprung ins frei malen. Wenn du angefangen hast so zu malen, wirst du feststellen, dass du vorher von den Dingen regiert wurdest.

Wenn man anfängt zu malen, dann versucht man alles korrekt zu machen und dabei geht nicht selten die Seele des Bildes verloren, weil es im Bild nur noch um korrekte Buchhaltung geht.

Das Haus hat sechs Fenster, das nächste Haus hat neun Fenster usw. und so fort…

Stell dir mal die Frage, ob man Venedig nicht erkennen würde, weil ein Haus ein Fenster weniger hat?

Tine Klein, frei malen, freie Malerei im Scheckkartenformat

Schau mal hier! Venedig auf der rechten Seite hat ein deutlich sichtbares Fenster und es ist trotzdem Venedig. Tun was man will, das ist frei malen.

Es ist wichtig, dass du den Kopf frei bekommst für das Wesentliche. Die Bildaussage und das Gefühl sind das Allerwichtigste, der dicke Pinsel hilft dir also dich nicht von all den kleinen Dingen regieren zu lassen. Versuche also wegzukommen von dem “ Richtig oder Falsch-Denken“ und das Große und Ganze so zu gestalten, dass es zauberhaft ist.

Es ist auf ganz erstaunlich, was man auf diesen kleinen Visitenkarten hinbekommt. Wenn man dann später in großen Formaten genauso arbeitet, hat man viel gewonnen, denn man kann das Unnötige ignorieren und sich auf seine eigenen Wünsche konzentrieren.


Frei Malen im Miniformat


 

Das winzige Format ist also eine kleine Erkenntnis! Der erste Schritt zum großzügig malen!

Ich wünsche euch liebe Grüße ins Wochenende

Tine aus dem Herz der Kunst

Mehr zum Thema Mini Zeichnungen:

Ihr findet mich jetzt auch in der Kunstfabrik Hannover!

Einfach loslassen: Kunst vorm Frühstück

Für Prof. Doktor M.

Letzte Woche habe ich einen Workshop am Bodensee geleitet. Wie immer waren sehr gute Maler dabei, aber auch blutige Anfänger. Viele meiner Schüler lieben es sich die Bilder von mir fertig malen zu lassen. Einerseits mache ich das zum Teil gerne, andererseits bekomme ich aber ein wenig Gänsehaut. Eine Schülerin von mir sagte:

„Mal das mal eben fertig, ich möchte keine Fehler mit nach Hause nehmen“

Ich kenne es nur zu gut das Gefühl, wenn es nicht klappt und ich ausrasten möchte: So sehe ich dann aus!

Tine Klein: Krise beim Zeichnen loslassen ist gar nicht so einfach

Tine Klein: Kleine Krise am Stift

Der Moment in dem ich platze, das ist der Moment in dem ich loslasse und die besten Sachen mache!

Natürlich male ich gerne für dich in dein Bild, die Show ist ja auch gut, dass, was man vermeintlich zu viele Fehler gehalten hat, wird plötzlich zur Basis von etwas Schönem. Und die Sichtweise, dass man plötzlich sehen kann, dass das eigene Bild nicht nur Schrott und Fehler ist, sondern nur eine Zwischenstation zum Schönen ist wunderbar.

Fertig malen ist nur dann sinnvoll, wenn du siehst, dass du was Gutes gemacht hast, die Plattform die mit etwas Hilfe zu etwas Tollem wird.

Dieses Gefühl soll dich stark machen, so stark, dass du dich traust deine eigenen Fehler zu machen. So stark, dass du das nächste Mal nicht aufgibst, wenn dein Bild blöd aussieht.

Das Fehler beheben macht uns zu großartigen Malern!

Kaum zu glauben, aber der Fehler und das erkennen der Fehler, ist das was den Meister formt. Doch ich weiß, meine Schülerin kann diesen Zustand einfach nicht ertragen.

Kannst du so machen: Sieht aber Scheiße aus!

Kunst ist immer ein Balanceakt, zwischen Intuition und Handwerk. Für mich und auch für meine Schülerin ist ganz klar das Handwerk muss stimmen. Es nützt nichts um den heißen Brei zu reden, wir wollen das können und wir werden es auch.

Doch gerade mit den Menschen, die die Tendenz zum Rennpferd haben, muss man mal ein ernstes Wort reden, denn es gibt die dritte Dimension der Kunst.

Danny Gregory Kunst vor dem Frühstück: Blog Herz der Kunst loslassen für die Kunst

Danny Gregory: Kunst vor dem Frühstück


Die dritte Dimension der Kunst


Das was man gerne Intuitionen nennt, entsteht oft erst, wenn man loslässt. Loslassen ist ja leichter gesagt als getan, das geht nicht wenn man lauter Regeln befolgt.

Danny Gregory Kunst vor dem Frühstück: Blog Herz der Kunst loslassen für die Kunst

Danny Gregory: Kunst vor dem Frühstück

Der Einstieg in die Intuition wird viel leichter, wenn man sich selbst aufbaut und die Seele füttert.

Der Zugang zu Seele ist durch ständige Stresssituationen vollkommen vernagelt.

Die dritte Dimension der Kunst ist das Füttern der Seele

Heute möchte ich euch ein tolles Buch vorstellen, zwei Zeichnungen daraus hast du schon gesehen. Das Buch ist von Danny Gregory und heißt „Kunst vor dem Frühstück“ und es geht ums loslassen und loslegen.

Vorneweg, das Buch ist nicht jedermanns Sache. Wer ein geordnetes und strukturiertes Kunstanleitungsbuch erwartet, wird sehr enttäuscht werden.

Aber wir sind nicht jedermann, wir sind wir und darum geht es. In diesem Buch geht es um die Weltsicht, die einem hilft malen zu lernen und das auch zu genießen.


Kunst passt in jeden Alltag


Das Buch ist eher eine wilde Ideensammlung, wie man es schafft im Alltag zeichnen zu lernen. Loslassen von dem Anspruch der Perfektion, erst dann finden sich gemütliche Gelegenheiten im Alltag.

Danny Gregory Kunst vor dem Frühstück: Blog Herz der Kunst loslassen für die Kunst

Danny Gregory: Kunst vor dem Frühstück

Was ich an dem Buch wirklich schätze, ist das, was zwischen den Zeilen steht, das Menschlich sein, das Fehlerhafte, ich empfinde das Buch als bittersüß. Was ich an dem Buch ganz wundervoll finde ist, dass es mit mir liebevoller umgeht als ich es selbst tue.

Es tastet sich ganz langsam ans zeichnen, da wo mich mein Ehrgeiz schmerzhaft voran treiben würde.

Genau das hätte ich gebraucht. Ich selbst habe Malen gelernt, als ich mit Verlaub gesagt, in einer beschissenen Lebenssituation steckte. Ich war krank, hatte Schmerzen und war bis in die letzte Haarspitze vollgepumpt mit Opiaten. Meine Welt war grau und ich konnte  meinen eigenen Ansprüchen nicht standhalten.

Ich starrte auf mein Blatt und dachte: das ist beschissen, ich muss besser zeichnen, ich brauche besseres Material und ich muss bessere Motive finden, denn alles was um mich herum ist, ist Krankenhaus und hässlich.

Danny Gregory Kunst vor dem Frühstück: Blog Herz der Kunst loslassen für die Kunst

Danny Gregory: Kunst vor dem Frühstück

Die hässliche Wahrheit, der ich nicht ins Auge schauen wollte, war, mein Leben war hässlich und nicht das Zeichnen.


Der Wechsel der Sichtweise


Ich muss, ich muss….ich darf, ICH KANN!

Was ich an Danny Gregorie’s Buch so liebe, ist das er Dir sagt, dass Du all dies nicht brauchst. Es geht um loslassen, loslegen, langsam und liebevoll anfangen.

Die ganze Welt ist dein Skizzenbuch und es gibt tausend Gelegenheiten, das ist die Kernaussage von Danny Gregory.

Das kleine gelbe Tier auf unserer Schulter, genannt Ehrgeiz und Selbstkritik, ist das, was einem ganz viele Chancen im Leben nimmt.

Gedanken wie: Lass das, du bist nicht gut genug, die werden lachen und hier ist es zu hässlich, sind einfach absolut nicht hilfreich.

Es gibt eine ganz maßgebliche Weisheit beim Malen und Zeichnen lernen:

Wer es nicht tut, wird es nicht lernen

Dieses Buch öffnet dir die Augen, wo es überall die Chance gibt zufrieden und in Ruhe zu malen. Danny nimmt einem das harte Anspruchsdenken und zeigt, dass die Welt voller Gelegenheiten ist.

Wer nicht hinschaut, wird auch nichts Schönes finden

Es muss nicht das Postkartenmotiv sein, das dir das Zeichnen beibringt. Vertane Zeit ist eine Gelegenheit, es gibt kein Warten mehr, nur noch genussvolle Zeichenzeit.

Dieses Buch ist insbesondere etwas für Menschen, die es mit solchen Gedanken schwer haben:

Weil sie denken, ich will besser zeichnen, perfekter malen und viel exakter sein und außerdem habe ich für so einen Quatsch gar keine Zeit.

Gerade die Menschen, die dieses Buch wahrscheinlich nicht leiden können, brauchen dieses Buch am Allerdringendsten.  Wenn du ein Perfektionist bist, gib dir 5 Minuten Zeit und schau das nächste mal in der Buchhandlung rein.

Ich weiß, es wird so Manchen schütteln, weil sein Anspruch viel höher sein wird und doch gebt dem Gedanken eine Chance.

Der Gedanke nicht zu werten, keine enormen Ansprüche zu stellen, genau das ist Philosophie oder das Denken der Wissenschaft.


Der Einstieg ins Vergnügliche


Lachen ist besser als sich selbst ständig zu kritisieren:

Danny Gregory Kunst vor dem Frühstück: Blog Herz der Kunst loslassen für die Kunst

Danny Gregory: Kunst vor dem Frühstück

Genauso denken Wissenschaftler, kurz bevor sie Großes entdecken, denn dafür muss man alles was einem den Kopf vernagelt über Bord werfen.

Danny Gregory öffnet den sanften Zugang zur Kunst, den Zugang den wir brauchen, ohne Anspruchsdenken, ohne den gleichen Stress aufzubauen, wie in der Arbeitswelt und gerade dadurch lernt man neue in der Kunst zu entdecken.

 

Ich wünschte ich hätte dieses Buch gekannt als ich es brauchte….

Ganz ganz liebe Grüße

Tine

Ich danke ganz herzlich Danny Gregory und meiner Lektorin Barbara aus dem D.Verlag das ich Euch diese Seiten zeigen darf. Viel Spaß damit…

Demnächst bin ich auch mal wieder im Norden oder Zuhause mit Skizzenbuch unterwegs, ich freu mich auf Euch in Bremen und in Düsseldorf.

Düsseldorf

Bremen

Mehr lesen hier zum Artikel: Kunst trifft Alltag

 

 

 

 

 

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