Gouache, Wasserfarbe oder was?

Tine Klein Bern Bundeshaus in Goache

Bern in Gouache


Gouache? Geht doch gar nicht !?


Alles fing mit einer Tube oder Gouache Farbe an. Ich merkte in Chicago, dass meine Aquarellfarbe nicht in der Lage war die Verkehrslichter entsprechend darzustellen. Also ging ich in den größten Kunstladen Chicagos um mir eine Tube leuchtender Aquarellfarbe in rot zu kaufen. Die Verkäuferin war typisch amerikanisch, überschwänglich und nett und quatschte mir drei unterschiedliche Tuben Gouache auf. Sie meinte damit sei ich bestens gerüstet gegen all die Probleme des Aquarells.


Gouache hat einen schlechten Ruf!


Wenn ich eins hasse, dann ist es billige Wasserfarbe. Es ist der billige Mist aus dem Supermarkt, der reihenweise die Bilder meiner Schüler zerstört. Das ist keine Farbe, das ist eine Verschmutzung! Sowas würde ich niemals kaufen! Soweit so gut, das war meine vorgefasste Meinung zu Gouache. Ich kaufte die Farben, aber nicht weil ich sie haben wollte, sondern weil die Verkäuferin so nett war. Es war mir zu peinlich nein zu sagen.


Gouache – Wunder in Tuben?


Überrascht stellte ich fest, dass meine drei Tübchen Wunder wirkten! So wundervoll Aquarellfarben sind, manchmal sind sie die Hölle!

Ist das Licht einmal übermalt, ist es weg.

Meine drei Tuben ließen die Verkehrslichter auch in der Dunkelheit strahlen, das brachte mich zum grübeln.

Aquarellfarbe lässt sich nur schwer korrigieren. Das ist bei vielen Themen in der Malschule ein echtes Problem. Der Schüler soll fröhlich und frei zu Werke gehen ohne das Gefühl zu haben:

“ Ein Fehler, und das Ding es versaut!“

Ich fühlte mich wie ein Trüffelschweinchen, hatte ich eine Farbe gefunden die alles Möglich macht? Die Amerikaner waren von Gouache sehr begeistert. Ich hingegen hatte so meine Vorurteile. Aber eine Farbe die viel verzeiht das lockt….es verführt…es ruft!

Kurz um ich musste zuschlagen….. Als ich mich im Netz einlas, wurde schnell klar es gibt viel Schrott. Die Qualität liegt zwischen Supermarkt und Profifarben. Aber es muss ja einen Grund haben warum so viele Designer mit Goache arbeiten. Ich entschied mich bei einer Firma zu bleiben, im Aquarell habe ich gute Erfahrungen mit Schmincke gemacht.

Nun starre ich gierig auf 24 brandneue Tuben und es kribbelt in den Fingern


Wunder oder Wehe?


Die ersten Versuche waren total kläglich und all meine Vorteile waren bestätigt ,denn ich malte die Farbe genauso wie Aquarellfarbe und dann verhalten sich die Farben wie die billige kleine Schwester der Aquarellfarbe.

Sind die Farben mist?…Nö! Ich konnte sie einfach noch nicht richtig malen!


 

Das doppelte Lottchen


Aquarell Farbe und Gouache Farbe sind sich so ähnlich wie das doppelte Lottchen wenn man sie nass vermalt.

Für beide Farben kann man genau das gleiche Equipment benutzen. Beide Farben brauchen ein wassertaugliches Papier, am besten geleimt. Und beide Farben lassen sich wunderbar mit Aquarellpinseln vermahlen.

Nass verarbeitet ist die Aquarellfarbe strahlender als die Gouache Farbe,dennoch stellte schnell fest  mein Künstlergouache hat nichts mit dem Dreck aus dem Supermarkt zu tun. Sie ist zwar matt, aber total Pigment stark. Das sieht man auch an meiner Palette, da tobt nicht grade die Tristesse:

Tine Klein Gouache Palette

 

Nach und nach merkte ich das einiges für Gouache als Material spricht

Toll war insbesondere das ich beim Malen absolut spontan bleiben konnte, denn ähnlich wie bei Acrylfarbe konnte ich bedenkenlos Schicht über Schicht setzen. Mir wurde klar, Du kannst Fehler völlig unproblematisch beheben.

Ich hatte meinen Aquarellfarbe Kasten eins zu eins mit Gouache nachgebaut, das war nicht hilfreich.

Die ersten guten Ergebnisse erzielte ich, als ich den Gedanken losließ dass die Gouachefarbe das gleiche ist wie Aquarell.


Farbwirkung


Aquarellfarben können im Optimalfall klar und strahlend sein wie ein Kirchenfenster. Überall dort wo Farben Leuchtkraft entwickeln soll sind Aquarellfarben ungeschlagen. Ihre Stärke liegt darin, dass das Licht vom weißen Blatt zurück reflektiert.

Gouache wirkt er samtig fast etwas Puderig, Leuchtkraft entwickelt das Gouache, wenn man aufhört es wie Aquarellfarbe zu malen sondern mutig ist und die leuchtenden, konzentrierten Pigmente auf die Dunkelheit setzt! Im Gegensatz zu Aquarell werden diese Farben echt cool auf dunklem Papier.


Praktisch und völlig anders herum


Die Farbe malt sich einfach, wenn man sie genau so malt, wie man Aquarellfarbe auf keinen Fall malen sollte. Die Farbe ist so pigmentstark das man einfach ein helles rosa auf dunkel schwarz setzt und es sieht wunderbar aus.

Man kann mit ihr in feinen Abstufungen arbeiten, und Fehler sind überhaupt kein Problem denn man übermalt sie einfach.


Eine Farbe die verzeiht


Gouache Farbe ist ein wundervolles Medium um Malen zu lernen, denn es verzeiht. Im Skizzenbuch ist das Gouache die natürliche Ergänzung zu Aquarellfarbe.

Was die Aquarellfarbe nicht kann das kann Gouache und umgekehrt.

Motive in denen man korrigieren muss sind unglaublich gut für diese Farbe geeignet.  Ob Gouache wirklich so fehlerresistent ist habe ich für euch getestet . Ein großes Problem sind Portraits, denn ein winziger Fehler kann das gesamte Gesicht zerstören, also habe ich es mal ganz brutal getestet.


Porträtieren mit Gouache


Gouache wirkt so samtig Pastell, das ist gerade für Hauttöne richtig super.

Man arbeitet von dunkel nach hell.  Dass ich mir meinen Aquarellkasten in Gouache nachgebaut hatte, nützte überhaupt nichts, denn die Pigmente wirken völlig anders wenn man auf dunklem Papier oder von dunkel nach hell arbeitet.

Ich hatte mit der  Gouache schwer zu kämpfen, denn die Abläufe des Aquarell waren mir in Fleisch und Blut übergegangen. All das was bei Aquarellfarbe streng verboten ist muss man unbedingt tun um besondere Ergebnisse mit den Farben zu erzielen.

Aber es tut der Kunst gut wenn man ab und zu frech Regeln bricht.

Ich glaube Gouache hat einen völlig falschen Ruf weil sie einfach immer so verarbeitet wird wie Aquarellfarbe.

Gouache entwickelt seine Stärke am besten im Zusammenhang mit Dunkelheit. Man kann das Motiv ganz langsam aus der Dunkelheit heraus modellieren. Man braucht nicht so genau sein, denn man kann sich völlig frei herantasten.

Schicht für Schicht arbeitet man sich weiter und kann hell auf dunkel aber auch dunkel auf hell setzen.


 

Zerstören und aufbauen


Da ich aber wissen wollte ob die Farben wirklich so veränderlich sind habe ich nun das Auge dreimal total zerstört. Bei Aquarellfarbe könnte man dies niemals retten.

Zuerst habe ich die Augen mit Wasser vermatscht!  Ließ sich retten.

Dann habe ich abstrus helle Lieder gemalt.

Es ließ sich retten. Ok dann hauen wir einfach mal mit extrem viel weiß drauf!

So schaut die Augenpartie am Ende aus! Unglaublich oder man sieht gar nicht wie sehr ich gepfuscht und zerstört habe. Die Farbe lässt sich immer wieder aktivieren!

Ich war ziemlich happy mit der Farbe, die Investition in die Schmincke – Designer Goache hat sich gelohnt. Mich würde sehr interessieren wer von euch Erfahrungen mit Gouache gesammelt hat. Wo habt ihr positives und negatives erlebt?

Deshalb machen sie im Skizzenbuch vieles möglich was mit Aquarellfarbe gar nicht zu machen ist dieser Artikel hatte den Grundgedanken Aquarellfarben versus Gouache.

Doch am Ende muss ich sagen gerade für solche kniffligen Fragen wie das porträtieren oder das Erlernen von Perspektive in der Stadt ist die Gouachefarbe wundervoll geeignet. Sie ermöglichen möglich dir das angstfreie lernen. Sie ist prima dafür geeignet den Zusammenhang von Licht und Schatten zu erkunden, weil man keine Angst haben muss das Bild durch die Dunkelheit zu zerstören.

Wenn ich mir das nächste Mal Farben kaufe werde ich nicht so tun als wäre die Gouache Aquarellfarbe, ich werde zu viel krasseren und dunkleren Tönen greifen, weil ich genau weiß das ich diese Pigmente ganz wunderbar durch Weiß verdünnen kann.

Ich selbst male mit Schmincke Pigmenten, die waren sofort super intensiv.  Mein Irrglaube Gouache könnte nicht strahlen wurde geheilt. Mein Highlight ist, dass man die Farbe so malen kann wie Öl oder Acryl, das Skizzenbuch wird zur Leinwand und die ganz großen Techniken der alten Meister werden mit dieser Farbe im Skizzenbuch möglich.

Was geht und was nicht werde ich Euch in einer Artikelserie berichten, ich bin selbst noch gespannt was alles geht. Was sind die Tops und Flops der Gouache?

Ganz herzliche Grüße aus dem Herz der Kunst

Tine

Nächste Woche kommt der Blog nicht am Freitag, denn in den nächsten 14 Tagen werde ich live berichten wie das Malen im hohen Norden zu dieser Jahreszeit ist. Schaut mal rein,  es wird viel zu sehen geben.

Am 12. 5 bin ich im Boesner in Düsseldorf: http://www.kurse-duesseldorf.de/kurs/4509

Endlich mal wieder Zuhause!

Das kleine Geheimnis der Farbe


Wir und die Farbe


Es war schön und der Trubel ist vorbei, die Stille kehrt ein. Ich stehe in Bern auf einer Aussichtsplattform und schaue ins sanfte Abendlicht hinaus. Es ist 18:00 Uhr und bis gerade eben habe ich Malunterricht gegeben. Heute Nachmittag ging es um Farben.

Jetzt werde ich ruhig und nach dem Lehren kann ich der eigenen Sehnsucht nach der Farbe verfallen, auch wenn die Zeit nur für eine schnelle Skizze reicht.

Nach und nach lernt man die Farbe zu sehen. Ganz anders als man am Anfang glaubt, sind Farben in das große System des Lichts eingebettet. Man glaubt man malt nur ein Haus und dabei ist es ein ganzes System von Lichtstrahlen. Hinter jeder einzelnen Farbe steht ein Konzept, aber dieser Gedanke ist am Anfang viel zu verwirrend.


Farben brauchen ein Konzept


Das spontane Aquarell gilt als die freieste Art der Malerei. Sie ist wild und farbig und Regeln werden sehr oft gebrochen. Es ist also ein Wunder, dass diese Machwerke harmonisch aussehen. Diese enorme Freiheit der Farbe kann man realisieren, weil es im Hintergrund der Bilder eine kleine Organisation gibt. Dieses Grundmuster ermöglicht es dem Maler Farben im Bild sehr lebhaft zu kombinieren ohne dass dabei die Augen des Betrachters bluten.

Muster erzeugen Harmonie

Die Harmonie entsteht dadurch, dass die Farben in großen Blöcken organisiert werden. Man kann auf diese Art und Weise sehr, sehr farbig malen ohne das es in irgendeiner Art und Weise grell oder unnatürlich wirkt.

Googelt einmal meine Kollegen Wilhelm Fikisz, Voka oder Simon Fletcher und betrachtet ihre Bilder. Diese Maler malen sehr farbig und trotzdem sehr harmonisch. Die Harmonie entsteht dadurch, dass große Flächen mit verwandten Farben verwendet werden, innerhalb dieser Flächen findet ihr überwiegend Farben die ineinander übergehen, d.h. blau, grün und gelb oder gelb, orange, rot.

Hinter dem farblichen Chaos liegt also eine verborgene Ordnung.

 


Diese Flächenbildung ist das ganze Geheimnis


Eine Schülerin sagte mir, das ist so unglaublich schwer zu realisieren, wenn ich nicht auf mein Motiv gucken kann und dort sofort die Farbe sehe, die ich malen muss

Du musst nicht! Du kannst! Du darfst! Lass dich inspirieren.

Tatsächlich ist es aber gar nicht so schwer, hole doch erst mal 1 Sekunde Luft. Wenn du einmal in das Motiv schaust, dann wirst du sehen, dass man, dafür nicht lügen muss. Diese Farbgruppen sind einfach da. Sie sind das abstrakte Farbmuster hinter dem Motiv. Diese Gruppen lassen sich mit etwas Ruhe ganz einfach sehen:Tine Klein, Blog Herz der Kunst, Motiv und Organisation der Farbe, das kleine Geheimnis der Farbe

Ich zeige dir jetzt das Motiv an dem wir am letzten Samstag gestanden haben. Es ist der Blick von der Aussichtsplattform am Bundeshaus entlang. Schau mal in das Bild und analysiere.

Die Kuppeln des Hauses sind türkis, oxidiertes Kupfer, die Bundesgebäude sind aus leicht grünlichen Sandstein und der Himmel ist blau. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass wir in dieser Ecke des Bildes eine blaugrüne Fläche bilden können.

Im hinteren Bereich des Bildes nahe der Brücke schauen wir auf die roten Dächer der Altstadt, in der warmen Abendsonne gibt es hier viele sanfte und rötliche Reflexe. Leider sieht man dies auf dem Foto nicht so genau wie in der Realität.

Tine Klein, Blog Herz der Kunst, Motiv und Organisation der Farbe, das kleine Geheimnis der Farbe

Wenn man genau hinsieht, sieht man es ziemlich gut. Jeder erfahrene Maler weiß nun, ich kann im Bild zwei Blöcke bilden, einen blaugrün gelben Block und einen rotgelben Block.

Es  gibt eine Farbe, die dient als Brücke


Eine Brücke zwischen den Farben bilden


Die Farbe, die ich in beiden Bildbereichen finde, ist gelb. Gelb ist der Sandstein. Diese Farbe bildet die ganz natürliche Brücke zwischen den beiden Fachbereichen. Über das Gelb kannst du ganz harmonische Übergänge bilden: Willst du also ins Rot, dann bildest du einen allmählichen Übergang, gelb, orange erst dann  rot. Auf der anderen Seite bildet das Gelb die Brücke über Grün bis hin zum Blau.

Dinge verbinden anstatt sie zu spalten

Eine Schülerin war überrascht, dass hinter den Farben ein Konzept liegt, sie sagte:

Du arbeitest also gar nicht mit realen Farben!

Tine Klein, Bern Bundeshaus, Blog Herz der Kunst, Motiv und Organisation der Farbe, das kleine Geheimnis der Farbe

Doch, natürlich! Die Farben sind da und diese Beobachtung mache ich für meine Betrachter nur deutlich sichtbar. Ich verstärke die Farben ein wenig und lasse dann die eine Farbe sanft und an allmählich in die Andere übergehen.

Dabei gibt es natürlich immer mehr als nur einen Weg, das Konzept gibt mir eine große Freiheit, in der ich mich mit der Farbe bewegen kann.

In dieser Skizze zeige ich nur im Hauptmotiv die reale Farbe und bin im Rest viel zurückhaltender, hier benutze ich den Schatten als “Brückenfarbe“:

Tine Klein, Bern Bundeshaus, Blog Herz der Kunst, Motiv und Organisation der Farbe, das kleine Geheimnis der Farbe

Licht verhält sich anders als bauliche Strukturen. Dem Licht ist egal ob ein Haus zu Ende ist, es reflektiert einfach auf die andere Wand. Wenn man eine Stadt nicht konstruiert, sondern sie als Licht sieht, dann wird alles weich. Man braucht nicht alles verändern, man betont nur den einen oder anderen Aspekt, eben das was einem Bild gut tut.

Gelb ist nicht einfach Gelb, tatsächlich steht in jeder Farbe eine ganze Bandbreite von unterschiedlichen Farben zu Verfügung.

Oftmals ist dies das Spiel mit kalten und warmen Farbtönen einer Farbe

Es kommt immer darauf an, was ich sagen möchte. Bilder werden ganz lebendig durch Kontraste. Indem man die Kontraste aber in große Flächen einbettet, wirkt das Ganze immer harmonisch und trotzdem nicht langweilig.

Paul Cézanne [Public domain oder Public domain], via Wikimedia Commons

Einige meiner Schüler finden es sehr gewagt, die Farben ein wenig abzuändern. Ich möchte dich jedoch darauf hinweisen, dass diese Arbeitsweise ein ziemlich alter Schuh ist.

Schau einmal was Paul Cezanne hier macht! Kommt es dir bekannt vor?


Paul Cezanne und die Organisation der Farbe


Paul Cezanne, Organisation der Farbe, mit Zwiebeln

Paul Cézanne [Public domain oder Public domain], via Wikimedia Commons

Auch bei Paul Cezannes zweitem Bild siehst du die beschriebene Arbeitsweise ganz deutlich. Auf den ersten Blick mag es so wirken als sei der Hintergrund einfach leer, die blaugrüne Farbe hat aber als Fläche die Aufgabe das Rot leuchten zu lassen.

Dies ist das ganze Geheimnis einer erfolgreichen Malerei, sie ist äußerst simpel aufgebaut, findet aber die großen Zusammenhänge, so dass sich die Farbflächen untereinander stützen. Paul Cezanne arbeitet hier äußerst klassisch, der Vordergrund ist warm und geht in einen Hintergrund über in dem kalte Farben verarbeitet sind. Diese Art der Darstellung suggeriert Tiefe und Entfernung.


Kein Einheitsbrei


In einer der Skizzen habe ich mit dieser  Regel gebrochen , obwohl ich sie verstanden habe. Merkt euch eins:

Regeln in der Malerei sind zum Brechen da.

Jedoch sollte man wissen was man tut, denn die Kunst ist eins der ältesten Handwerke der Welt. Hätte ich Bern ohne jeden Farbkontrast gemalt, dann wette ich, dass die wunderschöne Kulisse ausgesehen hätte wie eine Schüssel Grießbrei . Die Idee Farben in großen Blöcken zu organisieren ist also nicht neu und auch keine Erfindung der spontanen Aquarellisten, sondern sie gehört zum  alten Know-How der Malerei.

Liebe Grüße an die wundervolle Urban Sketching Gruppe in Bern

und Euch und allen anderen wünsche ich viel Spaß beim Malen in der Frühlingssonne.

wünscht euch Tine aus dem Herz der Kunst

Mehr zur Wirkung der Farben

 

 

 

Grosszügig malen im Mini-Format

Tine Klein, frei malen, großzügig malen, freie Malerei im Scheckkartenformat


Generös malen


Hallo Kirsten, Hallo all ihr Anderen! Großzügig malen, das ist ein Traum, den viele mit mir teilen, du vielleicht auch?

Ja, ja, generös malen das wollen wir alle! Aber damit mein ich jetzt natürlich nicht die Scheckkarte. Letzte Woche gab es in der deutschsprachigen Urban Sketcher Facebook Gruppe eine Frage:

Was zum Teufel kann ich tun, um etwas freier und abstrakter zu werden?


Was kann ich machen um groszügiger zu werden?


Es gab natürlich unendlich viele Tipps, aber um die Wahrheit zu sagen, ich glaube viele dieser Tipps sind unnütz. Nicht weil sie nicht wahr oder gut sind, einfach weil die Zielperson sie in dieser Phase des Malen- und Zeichnen lernen gar nicht umsetzen kann. Man begreift einfach nicht wofür es gut ist.

Mein Tipp war, nimm einfach einen dicken Pinsel.

Hinterher habe ich mir überlegt dass dieser Tipp eigentlich dumm ist, denn der Pinsel allein macht natürlich niemand frei. Trotzdem ist der Tipp gut. Bilder sind dann aussagekräftig, wenn die groben Grundzüge präzise sitzen.

Wenn die grobe Grundform stimmt, dann gewinnt man enorme Freiheit, weil man machen kann was man will  und der Betrachter sieht trotzdem was los ist.

Wer die Grundform kennt, lernt zügig malen.


Grundmuster erkennen


Dafür muss man die wesentlichen Grundmuster identifizieren, was natürlich nicht einfach ist. Wenn man aber einen dicken Pinsel benutzt, ist das sehr hilfreich, weil man muss zwangsweise mit Grundformen arbeiten, so dass man nicht auf die blöde Idee kommt wieder auf alles Unnötige hereinzufallen.

Zusammenfassen ist das wichtigste Stichwort. Ich habe mal gehört, dasS sich die Impressionisten Seidenpapier vor die Augen gehalten haben um die groben Grundmuster eines Motivs zu erkennen.  Wer keine Details erkennt, kann natürlich großzügig malen. Augen zusammenkneifen kann sehr gut helfen, denn auch in dieser Sichtweise fallen viele Details weg. letztlich funktioniert es am besten, wenn man eine Zusammenfassung findet, der Garten besteht nicht aus 1000 Grashalmen und Pflanzen, sondern ist einfach eine Grünfläche und dann wird das Wichtigste betont.

Wenn man dennoch nicht mit Pinseln in der Größe des Hof-Besens unterwegs sein möchte, kann man den gleichen Effekt durch eine lustige Umkehrung inszenieren:


Klein aber fein, eine Freiheitsübung


Du kannst mit deinem normalen Pinsel das Gleiche trainieren, wenn man auf sehr kleine Formate ausweicht, man malt dann ebenfalls mit einem riesigen Pinsel, weil ja das Format auf dem man malt nur ein wenig größer ist als eine Briefmarke.

Eine Briefmarke wäre jetzt natürlich übertrieben, aber die Größe von Visitenkarten ist für diese kleine Übung wunderbar.

In diesem Format ist ein normaler Pinsel natürlich ein Riese. Du wirst feststellen, wenn du mit diesem Pinseln malst wird es sehr leger.

Jetzt bleibt dir gar nichts anderes mehr übrig, als dich auf die grobe Grundform zu konzentrieren.

Die Visitenkarten sind für einen normalen Pinsel so winzig, dass man es recht schnell lernt das Motiv auf die Größe zu zuschneiden. Es gilt die Devise:

If I can make it there
I’m gonna make it anywhere
It’s up to you

Mach Frank Sinatra an und hört das Lied “New York, New York”, es ist ein bisschen größenwahnsinnig und damit die perfekte Musikuntermalung um das freie Malen zu lernen. Ich hoffe die Musik macht dich nicht nur größenwahnsinnig, sondern lehrt dich auch das großzügige Malen.

Wenn du siehst, dass man die Szene erkennt, ohne jedes Detail, dann weißt du, du hast es geschafft!

Du hast das Grundmuster eines Bildes erkannt! Wenn du das schaffst, bist du ein Riesenschritt weiter! Dann schaffst du es auch großzügig zu malen.  Hier heißt es dann wirklich:

If I can make it there
I’m gonna make it anywhere

Das Erkennen von Grundform und Grundmustern hat noch einen ganz anderen entscheidenden Vorteil, weil du ganz schnell lernst deine Fehler zu erkennen.

Tine Klein, frei malen, grosszügig malen, freie Malerei im Scheckkartenformat

Durch die grobe Grundform sieht man sehr schnell, das etwas nicht stimmt.

Wenn etwas in so groben Grundzügen nicht stimmt, dann lässt es sich natürlich recht einfach beheben. Und so lernst du nach und nach sehr schnell von dir selbst. Diese Sicherheit, die du gewinnst, die macht sich zu einem freien Maler.

Das Arbeiten mit Grundform ist also ein Zwiegespräch mit dir selbst.

Tine Klein, frei malen, freie Malerei im Scheckkartenformat


Die Kür: Grundform und Detail


Zum Schluss kommt die Kür, man nimmt die groben Grundform und fängt an sie durch kleine Details zu ergänzen, das macht man entweder mit dem Stift oder mit einem viel feineren Pinsel. Schnell wirst du erkennen, man kann nicht alles ins Bild malen. Du wirst dich entscheiden müssen, welche kleinen Details du in die winzige Szene einfügst.

Tipp:

Lass bloß nicht weg, was dir besonders gut gefällt.

Wenn du ein paar Dinge hinzugefügt hast, die dir unverzichtbar erschienen, wirst du ganz schnell feststellen: Mehr geht  nicht.


Mehr geht einfach nicht!


Es geht einfach nicht alles, man stellt fest, es ist nur Platz für das da, was man wirklich gut findet.

Das auf sich selbst konzentrieren ist ein riesen Sprung ins frei malen. Wenn du angefangen hast so zu malen, wirst du feststellen, dass du vorher von den Dingen regiert wurdest.

Wenn man anfängt zu malen, dann versucht man alles korrekt zu machen und dabei geht nicht selten die Seele des Bildes verloren, weil es im Bild nur noch um korrekte Buchhaltung geht.

Das Haus hat sechs Fenster, das nächste Haus hat neun Fenster usw. und so fort…

Stell dir mal die Frage, ob man Venedig nicht erkennen würde, weil ein Haus ein Fenster weniger hat?

Tine Klein, frei malen, freie Malerei im Scheckkartenformat

Schau mal hier! Venedig auf der rechten Seite hat ein deutlich sichtbares Fenster und es ist trotzdem Venedig. Tun was man will, das ist frei malen.

Es ist wichtig, dass du den Kopf frei bekommst für das Wesentliche. Die Bildaussage und das Gefühl sind das Allerwichtigste, der dicke Pinsel hilft dir also dich nicht von all den kleinen Dingen regieren zu lassen. Versuche also wegzukommen von dem “ Richtig oder Falsch-Denken“ und das Große und Ganze so zu gestalten, dass es zauberhaft ist.

Es ist auf ganz erstaunlich, was man auf diesen kleinen Visitenkarten hinbekommt. Wenn man dann später in großen Formaten genauso arbeitet, hat man viel gewonnen, denn man kann das Unnötige ignorieren und sich auf seine eigenen Wünsche konzentrieren.


Frei Malen im Miniformat


 

Das winzige Format ist also eine kleine Erkenntnis! Der erste Schritt zum großzügig malen!

Ich wünsche euch liebe Grüße ins Wochenende

Tine aus dem Herz der Kunst

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Ihr findet mich jetzt auch in der Kunstfabrik Hannover!