Locker Zeichnen und Kolorieren.

Wir möchten alle locker zeichnen und kolorieren.

Zeichnen und Kolorieren wirken auf den ersten Blick wie klar definierte Tätigkeiten. Man zeichnet etwas, danach wird es ausgemalt. Diese Vorstellung ist tief verankert und begleitet viele Menschen seit der Kindheit. Sie ist vertraut, logisch – und gleichzeitig erstaunlich einschränkend.

Anders ist dies in meinen Kursen: https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse/

Ich saß in meiner Kindheit am Küchentisch und habe Malhefte ausgefüllt. Meine Mutter kochte, und wenn ich nicht ordentlich ausgemalt habe, gab es ein bisschen Gemecker.

Die erste Vorstellung von Zeichnen und Kolorieren ist bei vielen stark vom Ausmalen geprägt.

Und ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die diese Erfahrung aus Kindheit und Schule in sich trägt.

Diese Erfahrung ist begrenzend.


Sie setzt uns von Anfang an Grenzen im Kopf. Grenzen, die sich später schwerwiegend in unseren Zeichnungen zeigen und auch unsere Malerei einschränken.

Denn Zeichnen und Kolorieren können weit mehr sein als das saubere Ausfüllen vorgegebener Formen. Sie können ein offener, spielerischer Prozess sein, in dem Linie, Fläche und Farbe miteinander tanzen, sich annähern, trennen und neu verbinden.

Serendipity beschreibt den glücklichen Zufall, der entsteht, obwohl man ihn nicht geplant hat. In der Zeichnung und beim Malen zeigt er sich im Zusammenspiel von Linie und Farbe: Ein Verlauf läuft anders als gedacht, eine Linie trifft unerwartet auf eine Farbfläche – und plötzlich entsteht etwas Lebendiges. Freilich ist dieser Glücksgriff nicht wirklich zufällig.

Er entsteht aus Erfahrung, Offenheit und der Fähigkeit, das Unerwartete nicht als Fehler zu verwerfen, sondern als Chance zu erkennen und weiterzuführen.

Zeichnen und Kolorieren ist ein Tanz.

Serendipity nutzen heißt zu entdecken, dass die Verbindungen zwischen Zeichnung und Farbe viel vielfältiger sind, als man denkt.

Trotzdem bedeutet lockeres Zeichnen und Kolorieren nicht Beliebigkeit.

Es bedeutet bewusste Freiheit.

Tatsache ist: Man braucht keine harte Linie, um die Farbe zu begrenzen.

Linie und Farbe können sich voneinander trennen. Auch wenn sie sich nicht an die gleichen Linien und Formen halten, können sie dennoch zusammenwirken.

Wenn sich Linie und Farbe trennen.

Aus herkömmlicher Sicht wird das oft als Unsauberkeit wahrgenommen.

Aus künstlerischer Sicht hat es jedoch riesige Vorteile. Denn Farbe und Linie können dann so eingesetzt werden, dass sie ihre Möglichkeiten optimal ausschöpfen.

Man kann die Kombination von Farbe und Linie neu zusammensetzen. Das eröffnet dem lockeren Zeichnen und Kolorieren ganz neue Möglichkeiten.

Freiheit:

Trennen sich Farbe und Linie, kann man ganz einfach Fehler korrigieren.
Hat man zum Beispiel etwas zu groß gemalt, dann zeichnet man es einfach kleiner – siehe Turm 1.

Dieser lockere Umgang macht den Zeichner frei.
Er führt zu einzigartigen, freien Kunstwerken.

Man könnte meinen, ich korrigiere meine Fehler dabei eher schlecht als recht. Doch es ist anders: Ich kann zwei verschiedene Sichtweisen auf einmal zeigen. Das macht das Motiv unglaublich spielerisch und interessant.

Trennt man Fläche und Linie, öffnet sich ein Raum für neue Möglichkeiten. Die Farbe darf größer, kleiner, freier sein als die Zeichnung. Sie darf über Ränder hinauslaufen oder sich bewusst zurückhalten. Die Linie wiederum kann unabhängig reagieren:

Sie kann korrigieren, kommentieren oder sogar widersprechen.

Deshalb ist es erstaunlich klug, nicht immer alles einförmig und korrekt zu machen.

Tipp: Locker werden ist leicht, wenn Fehler erlaubt sind.

Interessante Effekte:

Apropos interessant!

Wenn ich zum Beispiel einen Turm anders zeichne als male, bekommt das Zeichnen und Kolorieren einen zweiten Aspekt.

Der spielerische Umgang mit der Form erzeugt Interesse.

Der vermeintliche Fehler wirkt spannend und stärkt damit die Bildaussage.

Tipp: Gerade im Hauptmotiv wirken interessante Effekte Wunder.

Was als „Fehler“ empfunden wurde, wird plötzlich zu einem Gestaltungsmittel.

Neue Informationen durch freies Zeichnen und Kolorieren:

Laufen Linie und Farbe absolut parallel, wirkt alles sehr ordentlich.
Ordentlich sein ist oft wünschenswert, doch in der Kunst kann es hinderlich sein, weil es uns um Ausdrucksmöglichkeiten beraubt.

Beispiel:
Links neben dem ersten Turm gibt es ein Dach. Die Dachlinie wurde quer durch die Farbe geschwungen. Ein Fehler? Nein.

Besonders interessant wird es, wenn Fläche und Linie unterschiedliche Informationen transportieren. Die Farbe kann Masse, Material oder Alter zeigen, während die Linie Bewegung, Instabilität oder Licht andeutet. Ein Dach, dessen Linie durch die Farbe hindurchläuft, erzählt mehr als eine saubere Kontur: Es wirkt eingesunken, alt, müde.

Das Bild beginnt zu sprechen.

Tipp: Der Stift kann auf der Farbe oder Fläche neue Details zeigen, ohne dass es zu auffällig wird.

Interesse steuern beim Zeichnen und Kolorieren:

Unterhalb von Turm 1, am unteren Rand der Zeichnung, gibt es eine ganze Reihe Häuser. Diese Häuser würden das Bild zerstören.

Warum?
Weil ein neues Motiv unter einem Hauptmotiv die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzieht.

Bilder zerbrechen daran, dass sie chaotisch wirken.

Die Lösung:
Ich male mit brauner Tinte auf brauner Farbe. Das Motiv ist vollständig vorhanden, aber die Aufmerksamkeit bleibt im Bildzentrum.

Läuft eine Linie neben der Farbe, erzeugt sie viel mehr Aufmerksamkeit als eine Linie, die ohne großen Tonwertunterschied auf einem farblichen Untergrund verläuft.

Eine Linie mit starkem Kontrast ist laut.

Beim zweiten Turm rechts verläuft die rechte Turmlinie durch das weiße Papier. Das erzeugt deutlich mehr Aufmerksamkeit, als wenn sie fast unsichtbar an die Farbe gekoppelt wäre.

Ob der Strich also mit der Farbe verläuft oder sich von ihr löst, macht einen starken Unterschied in der Wahrnehmung des Betrachters.

Tipp:
Eine Linie auf weißem Papier zieht sofort Aufmerksamkeit auf sich. Sie wirkt klar, präsent, fast laut. Wird dieselbe Linie auf einer ähnlich dunklen oder farbnahen Fläche gesetzt, tritt sie zurück. Sie ist noch da, aber sie drängt sich nicht auf.

Das Licht einfangen:

Das Entkoppeln der Linie von der Farbe hat noch einen weiteren wunderbaren Effekt.
Entkoppelt man die Linie, fängt man das Licht ein.

Das sieht man beim zweiten Turm rechts. Er wirkt viel lichter als die braune Turmspitze daneben.

Tipp: Die Linie auf der Lichtseite entkoppeln oder ganz weglassen.

Doch es geht auch anders.
Ganz links im Bild gab es kaum noch Licht, das Bild wirkte trist.
Ein kleiner Schwung mit der Linie ins weiße Papier holt das Licht zurück ins Motiv.

Tipp: Wird die Linie bewusst vom Farbauftrag gelöst, entsteht Helligkeit. Das Motiv atmet.

Zeichnen und Kolorieren wird viel vielfältiger durch die Entkopplung von Farbe und Linie.

Die Farbe gibt das Gefühl, die Linie wirkt stärker in der Formgebung.

Die Linie macht den Klecks zum Baum. Besonders spannend ist dieser Effekt in natürlichen Formen. Ein Farbklecks allein ist abstrakt. Erst die Linie macht ihn lesbar. Ein paar gezielte Striche – und der Klecks wird zum Baum. Die Farbe liefert das Gefühl, die Linie gibt Form und Charakter.

Locker zeichnen und kolorieren – weniger ist mehr.

Locker zeichnen und kolorieren heißt also nicht, weniger zu können, sondern mehr zuzulassen. Fehler werden zu Möglichkeiten. Korrekturen werden sichtbar und damit ehrlich. Das Bild zeigt nicht nur ein Motiv, sondern auch den Weg dorthin. Doch eine Linie ist eine starke Aussage.

In unwichtigen Bereichen lässt man Linien bewusst weg.

Sei ehrlich und zeige, was du liebst. Bei den Dingen, die du nicht liebst, machst du weniger. Das ist hochinteressant, denn so zeigst du, wie du die Welt siehst.

Liebe Grüße ins Wochenende
Tine

Deutschsprachige Kultur entsteht nicht von allein.
Sie braucht Zeit, Erfahrung – und Menschen, die sie möglich machen.

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Weiterlesen bei Tine:

Kolorieren: 5 Tipps zum lockeren Kolorieren

https://blog.herz-der-kunst.ch/kolorieren-5-tipps-zum-lockeren-kolorieren/

Gestisch Zeichnen – Kandinsky hilft.

Kann dir ein 100 Jahre alter Zeitungsartikel helfen, besser zu zeichnen und zu malen?

Oh ja, denn man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Das, was jetzt folgt, ist nicht langweilig und schon gar nicht veraltet.  In meiner neuen Unterrichtsserie lehre ich unter anderem gestisches Zeichnen. Braucht du Unterstützung komm in den Kurs: https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse/

Gestisches Zeichnen ist eine Art des Zeichnens, die nicht über viele kleine Linien zur fertigen Zeichnung führt.

Gestisch Zeichnen – man sucht die große Bewegung!

Deine spontanen Zeichnungen und Pinselskizzen werden durch diese Technik sofort besser.

Weil man mit zwei, drei Strichen das Wesentliche festhält, bleibt die wirkliche Aussage erhalten. Die Zeichnung oder auch die Pinselskizze bekommt dadurch eine enorme Stärke! Gleichzeitig lernt man sogar, Bewegungen festzuhalten, weil man sich auf den wesentlichen Schwung konzentriert.

Und damit füllt sich dein Skizzenbuch mit aufregenden und lebensechten, lebendigen Zeichnungen.

Ich kenne den besagten Artikel schon sehr lange. Er lag im Kämmerchen meiner Großmutter und stammt aus dem Nachlass meines Großvaters. Er hat wahrscheinlich nur überlebt, weil sie ihn als Schrankpapier benutzt hat. Für die Jüngeren von euch: Was ist Schrankpapier? Das macht man auf Regalbretter, damit das Holz nicht verschmutzt.

Es ist also die Ironie der Geschichte, dass der Artikel, der mich künstlerisch am meisten beeinflusste, unter den selten genutzten Schuhen meiner Großmutter lag.

Gestisch zeichnen – die Tanzkurven von Kandinsky.

„Tanzkurven: Zu den Tänzen der Palucca“ (1926)

Leider kann ich hier das Werk nicht hochladen, weil ich nicht weiß ob es copyrightfrei ist!es trotz allem noch nicht copyrightfrei ist. Aber auf Pinterest findet ihr alles.

Die Tanzkurven findet ihr auf Pinterest.

Der Artikel von Wassily Kandinsky entstand aus seiner Zusammenarbeit mit der Tänzerin Gret Palucca. Ausgangspunkt waren Fotografien ihrer Tanzbewegungen.

Kandinsky nutzte diese Fotos jedoch nicht, um den Tanz zu dokumentieren, sondern um ihn für die Zeichnung zu analysieren.

Er zeigt die Bewegung der Tänzerin ohne jegliches anatomische Detail.

Kandinsky findet die einfachste Linie. Dies ist fast brutal.

 Und die entstehenden Striche und Kurven sind erstaunlich erzählerisch.

Wir können davon lernen, wie wenig man braucht, um das Wesentliche in Zeichnung und Malerei festzuhalten. Das gestische Zeichnen wird dich überraschend stark und schnell machen, weil du Dinge ohne großen Aufwand zeigen kannst.

Es geht nicht um Äußerliches, sondern um die innere Gesetzmäßigkeit der Bewegung.

Und das macht es so gut und so einfach!

Tanzkurven: Diese Linien folgen nicht der Kontur des Körpers, sondern der Richtung, dem Schwung und der Spannung der Bewegung.

Gestisch Zeichnen -so geht es.

Ich selbst benutze dieses System, wenn ich gestisch zeichne.

Wenn ich eine Person zeichne, dann halte ich die Körperposition in zwei Linien fest.

Die eine Linie geht vom Kopf bis zum Boden.

Diese kann noch durch ein zweites Bein ergänzt werden.

Die andere Linie ist der Winkel der Arme zueinander.

Zwei Linien, und ich habe die Position! Das macht mich schnell und spontan! Ich konzentriere mich auf das Wesentliche, und damit sitzt es!

Gestisches Zeichnen – die innere Ordnung.

Einfach!

Für Menschen, die zeichnen und malen, ist dies besonders wichtig. Denn es lässt dich das Wesentliche sehen.

Ein zentraler Gedanke des Artikels ist, dass jede Bewegung einer inneren Ordnung folgt.

Kandinsky betont, dass diese Kurven keine dekorativen Linien sind. Sie sind Analyseinstrumente.

Sie reduzieren die Bewegung so weit, dass nur noch ihr Kern übrig bleibt.

Und dies mache ich mir beim gestischen Zeichnen zunutze!

Gestisches Zeichnen sorgt also dafür, dass alles verständlicher wird.

Schnickschnack macht deine Zeichnungen kaputt.

Mit dem gestischen Zeichnen kann man schnell Serien erstellen.

Und natürlich: Wenn man flott zeichnet oder malt, dann entstehen Fehler. Die eine schnelle Skizze wird gut, eine andere eben nicht!

Die rechte finde ich gruselig, die linke richtig gut!

Die meisten Zeichner, die nicht gut zeichnen können, scheitern nicht an ihrer Unfähigkeit und auch nicht an mangelndem Talent. Sie scheitern daran, dass sie sich in ihren vielen kleinen Linien verirren. Alles wird schwer und kompliziert. Dadurch gehen die wesentlichen Proportionen und die wesentliche Aussage flöten!

Die meisten Bilder und Zeichnungen gehen durch zu viel kaputt!

Legst du aber zuerst die grundlegende Geste auf das Blatt, dann verdichtest du die grundlegende Aussage und hast es dann später beim Zeichnen einfacher!

Du kannst schnelle Serien malen und zeichnen, und nichts macht dich besser!

Tine Klein gestisch Zeichnen. Grupp von Tänzerinnen

Gestisches Zeichnen – jeder Zeichner und Maler muss neu sehen lernen.

Die Tanzkurven stehen exemplarisch für eine neue Form des Sehens. Sie zeigen, dass Kunst nicht abbilden muss, um zu erfassen. Sie kann reduzieren und ordnen – und dadurch zu größerer Klarheit gelangen.

Und deshalb solltest du zuerst lernen, die wesentlichen Linien und Schwünge zu beobachten.

Zusammengefasst würde ich über Kandinskys Artikel sagen:

Der Artikel ist keine Tanzkritik und auch kein kunsthistorischer Text, sondern eine methodische Untersuchung, wie man schnell und effektiv Bewegung festhält.

Kandinskys Ideen sind nützlich und übertragbar, egal auf welche Kunstrichtung.

Hier sieht man ein Drei-Minuten-Aquarell, darunter liegt in Beige die Tanzkurve. Kannst du Reste der Tanzkurve erkennen?

Der große Fortschritt liegt nicht darin, immer mehr richtig zu machen, sondern darin, das Wesentliche nicht zu verwässern.

Es einfach rauszuhauen!

Kandinsky selbst hätte das Hinzufügen von Details wahrscheinlich als Verwässerung empfunden!

Ich jedoch sage:

Mach mit diesem wertvollen Wissen, was du möchtest, aber nutze es!

Sei pragmatisch. und das bedeutet benutze einfaches Material!

Sei pragmatisch. Und das bedeutet: Benutze einfaches Material!

Ein praktisches und schnelles Werkzeug ist angesagt.

Wir brauchen zuerst eine grobe Linie, die die Geste, das Strichmännchen, festhält.

Dann sollte der Stift oder Pinsel in der Lage sein, der Linie Volumen zu verleihen.

Ich benutze deshalb dicke Werkzeuge. Gerne arbeite ich mit japanischen Pinselstiften, gefüllt mit Tusche, Zimmermannsbleistiften oder dicken Pinseln.

Wichtig ist: Feine Stifte oder Pinsel eignen sich für diese Technik nicht! Sie können die Tanzkurve nicht in eine Fläche umwandeln. Noch schlimmer: Sie verleiten zu vielen Linien und Details!

Gestisch zeichnen heißt, dass man sich vom absoluten Minimum an das richtige Maß an Detail herantastet.

Und weniger ist mehr, deshalb lieber dicke Werkzeuge!

Fügt man Detail hinzu, wird die Skizze an einem Punkt umkippen. Sie wird verwässert, überfrachtet, hässlich und aussagelos. Der Kipppunkt ist überschritten, die Zeichnung zerfällt.

Lasse gute Skizzen so, wie sie sind! Diese hier wurde mit einem Tuschepinsel mit Tank gemacht.

Liebe Grüße
Tine

Liebe Grüße Tine!

Wertvolles Wissen!

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Schnee zeichnen – eine kleine Zumutung!

Die neuen Zeichenkurse sind da!

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Schnee zeichnen ist eine kleine Zumutung, die trotzdem Spaß macht.

Ähh, wie zeichnet man ein reflektierendes Nichts? Eigentlich möchte man sich dabei am Kopf kratzen.

Gerade mit Tinte geht es für mich gefühlt gar nicht. Dieses typische Schneegefühl stellt sich nur ein, wenn man unglaublich viel Zeit hineinsteckt.

Lasst uns mal einen kleinen Schlenker machen. Dieser Blog wird ja von Menschen gelesen, die gerne zeichnen und malen. Und ein kleiner Blick über den Tellerrand kann enorm helfen!

Schnee malen ist einfacher als Schnee zeichnen.

Beim Malen hat man es einfacher.

Denn Schnee ist beim Malen nicht nur weiß. Beim Malen kann man zu einem kleinen Trick greifen.

Schnee ist kalt.

Und das kann sich jeder Maler zunutze machen.

Denn möchte man Schnee malen, dann kann man einfach zu blauer Farbe greifen, und der Betrachter merkt: Ah, da ist etwas auf dem Boden, und es ist kalt.

Der kleine Trick mit der blauen Farbe macht es uns einfach!

Doch auch Aquarellmaler sollten diesen Artikel lesen, denn das kleine Philosophieren über das Schneezeichnen hilft uns, auch beim Malen viele Fehler auszubügeln.

Schnee ist eigentlich nichts!?

Das ist natürlich Quatsch. Wer schon mal Schnee geschaufelt hat, weiß:

Ders hat eine ganze Menge Volumen, und Schnee ist schwer.

Und genau hier beginnt das Problem beim Malen und Zeichnen. Man muss sich zwingen, das Blatt weiß zu lassen. Malt und zeichnet man den Schnee aber nur weiß, dann ist das Blatt leer.

Trotzdem: Finger weg! Ist das weiße Papier weg, ist auch der Schnee weg!

Schnee zeichnen ist schwarz-weiß!

Ist ja schon verrückt, weißen Schnee mit einem schwarzen Stift zu zeichnen!

Das geht nur mühsam. Also gucken wir uns doch mal das Aquarellbild in Schwarz-Weiß an, vielleicht hilft dies.

Schnee zeichnen und malen ein Tutorial von Tine Klein

Hier steckt unglaublich viel drin, das uns beim Zeichnen hilft.

Aha, da ist also noch eine Menge heller Fläche, obwohl da vorher Farbe war!

Aber schaut mal genau hin!

Der Schnee hat Kanten!

Der Schnee hat eine ganze Menge Volumen, und an den Kanten des Schnees entstehen Schatten.

Also entstehen an den Schattenseiten des Schnees zarte Schattentöne. Denn selten haben wir bei Schneewetter strahlenden Sonnenschein.

Aber eines bleibt sicher:

Die Kante malt und zeichnet den Schnee.

Schnee zeichnen ein Tutorial von Tine Klein

Schnee zeichnen – Schnee ist schnell dreckig:

Wer den Schnee flächig zeichnet oder malt, erhält schnell schwere, graue oder dreckige Bilder.

Der bessere Tipp ist, sich auf die Kanten am Schnee zu konzentrieren.

Und dieser Tipp ist beim Aquarellieren genauso gut wie beim Zeichnen.

Wer beim Schnee zu viel zeichnet, gibt ihm Gewicht und macht ihn dreckig. Dies gilt auch fürs Aquarell.

Besonders wichtig sind für mich die Kanten.

Schnee lebt von Übergängen.

Manche sind weich und verlaufen so sanft, dass man sie kaum wahrnimmt. Andere sind plötzlich scharf:Eine verdichtete Spur, ein gebrochener Rand. Diese Wechsel zeichne ich bewusst. Nicht mit mehr Linien, sondern mit verändertem Druck.

Struktur ist gefährlich. Sie verführt. Ein paar Striche zu viel – und der Schnee ist weg.

Schnee liegt auf dem Gelände:

Struktur gebe ich beim Zeichnen nur dort, wo der Schnee eine Richtung hat.

Schnee zeichnen ein Tutorial von Tine Klein

Schnee häuft sich an. Er liegt über dem Gelände und Gegenständen. Schnee liegt selten zufällig. Er folgt Gelände, Wind, Gewicht.  Flächen kippen leicht. Und deshalb hat der Schnee oft eine Richtung, und es macht Schneezeichnungen häufig besser, wenn man das Volumen des Schnees zeigt.

Aber Vorsicht: Trotz der Strukturen muss genug Weiß bleiben.

Schnee zeichnen – zuerst die großen Strukturen und Kanten.

Ich arbeite lange ohne Radiergummi. Das zwingt mich, klare Strukturen und Formen anzulegen. Dann jedoch ist Radieren kein Werkzeug zum Reparieren.

Das Radiergummi ist praktisch zum Schnee zeichnen.

Schnee ist ein Reflektor. Er bricht und reflektiert das Licht, und deshalb wirkt die Landschaft bei Schnee so wie weichgezeichnet.

Mit dem Radiergummi kann ich nun dunkle Flächen und Linien brechen.

Das verstärkt den Eindruck von Schnee.

Beim Aquarellieren muss man oft Kanten brechen und auswaschen, um guten Schnee zu malen.

Beim Schnee zeichnen mit Graphit und Radiergummi hat man es einfacher.

Schnee zeichnen und malen – Dunkelheit spielt eine Schlüsselrolle.

Die dunklen Farben, zum Beispiel das Holz, das am Haus meiner Freundin Helena hervorblitzt, spielen eine Schlüsselrolle beim Zeichnen von Schnee.

Schnee zeichnen gelingt nicht, wenn man keine Dunkelheit hat.

Denn Schnee wirkt nur weiß, wenn es auch Schwärze im Bild gibt. Ich zeichne sie klarer, entschiedener. Sie geben dem Weiß Raum, sichtbar zu werden.

Schnee zeichnen ist ein Wechselspiel zwischen hell und dunkel.

Der größte Fehler beim Schneezeichnen ist, gleichmäßig hellgrau zu schraffieren. Warum? Wie schon oben erklärt, liegt der Schnee über der Landschaft und den Gegenständen. Deshalb braucht man beim Schneezeichnen viele Grautöne. Beim Aquarellieren benutze ich viele verschiedene graue, violette und blaue Schattierungen.

Schnee zeichnen – Zurückhaltung lohnt sich:

Obwohl der Schnee lebendig ist und viele Schattierungen hat, müssen doch große zusammenhängende weiße Flächen bleiben. Rhythmus ist sehr wichtig, um Schneebilder zu gestalten. Was ist Rhythmus? Rhythmus ist die Abfolge von hellen und dunklen Flächen. Kein Schnee ohne Formen – und diese entstehen durch den Wechsel von hell und dunkel.

Doch merke: Wer Schnee nur hell zeichnet, erzeugt gähnend langweilige Bilder.

Oder der Schnee bleibt unsichtbar. Könnte auch im Sommer sein.

Liebe Grüße Tine:

Und die Zeichenkurse beginnen bald!

Aktuelle Kurse mit Tine Klein

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Weiterlesen zum Thema Schnee:

Schnee malen – so wird’s frostig auf dem Papier

https://blog.herz-der-kunst.ch/schnee-malen-so-wirds-frostig-auf-dem-papier/

Zeit fürs Malen und Zeichnen – Frohes neues Jahr

Frohes neues Jahr. Schön, dass du hier bist und dir Zeit nimmst, das hier zu lesen.

Übrigens, die neuen Zeichenkurse sind da!

https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse/

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist für viele voller Glanz und Wärme. Für andere ist sie anstrengend. Auf diesen Tagen lastet ein enormer Erwartungsdruck. Harmonisch?

Ich persönlich finde diese Zeit herausfordernd. Lange Wege, alte familiäre Spannungen, Eifersucht, politische und soziale Gegensätze, die plötzlich ungefiltert am Tisch liegen. Eine Mischung, die man kaum kontrollieren kann. Man bemüht sich – und scheitert trotzdem daran, es allen recht zu machen.

Und genau hier berührt sich das Leben mit der Kunst.

Du kannst es nicht allen recht machen und das musst du auch nicht.

So sehr wir uns an Rückmeldungen, Anerkennung und Likes gewöhnt haben: Kunst ist etwas zutiefst Persönliches.

Irgendwann tauchen diese Fragen auf – leise oder sehr laut: Warum mache ich Kunst? Was gibt sie mir? Wohin will ich damit?

Ich mache Kunst, weil sie mich bereichert:

Sonntagmorgen, sehr früh, eile ich durch das eisige neue Jahr zum Bahnhof, noch tut mir als Morgenmuffel alles weh!

Mein Ziel? Kreativ sein, was erleben!

Meine Freundin und ich nutzen den Wintertag, um zu malen, wir gehen zum Neujahrstreffen der Urban Sketchers in Zürich. Aber das eigentliche Ziel sind schöne Beobachtungen. Der Zug fährt durch eine gefrorene Landschaft. Über dem Fluss stehen geisterhafte Schwaden, ein Ruderer rudert tapfer auf der Reuss, es sieht aus, als würde er in gefrorene, glitzernde Kristallluft rudern.

In Zürich bin ich deutlich früher als erwartet da, mittlerweile ist die Sonne aufgegangen, und das Licht fällt zauberhaft in die kalte Halle.

Und das alles nehme ich in mir auf!

Jetzt kommt meine Freundin, ich werde mit einer Umarmung belohnt! Wir starten bei eisigem Wetter zu einer Malexpedition!

Für mich hat das Kunstmachen drei zentrale Bedeutungen und deshalb brauche ich mehr Zeit fürs Malen und Zeichnen..

Die erste ist innere Ruhe.

Wenn ich male oder zeichne, verlagert sich meine Aufmerksamkeit vollständig ins Beobachten. Ich beobachte mit Haut und Haaren.

Gedanken, die sonst kreisen, werden still. Der Kopf wird ruhig, der Körper entspannt sich.

Ärger verliert an Gewicht.

Mit etwas Abstand werden Dinge, über die ich mich geärgert habe, unwichtig, und das ist eine schöne Sache, die mir sehr gut tut.

Strich für Strich gehe ich auf die Zufriedenheit zu.

Es ist kalt, wir sind dick verpackt, und die Sonne scheint uns auf den Pelz. Schöner als erwartet! Im Botanischen Garten ist es ländlich, ein Motiv, das man nicht in Zürich erwartet!

Ich genieße diese Zeit mit Gleichgesinnten. Aber woher nimmt man die Zeit?

Der zweite Aspekt ist die Naturbeobachtung.

Natur gibt es selbst in der Innenstadt (Botanischer Garten)

Draußen zu malen verändert alles. Licht, Kälte, Wind, Gerüche – die Welt drängt sich nicht auf, sie öffnet sich.

Farben werden intensiver, Formen klarer.

Ich fühle mich lebendig.

Selbst im Winter, wenn die Sonne tief steht und kalt ist, liegt darin ein unglaublicher Reichtum. Wer regelmäßig so arbeitet, verändert seinen Blick auf die Welt.

Und auf lange Sicht auch den Blick auf sich selbst.

Ich stelle fest, die winterliche Landschaft ist erstaunlich abwechslungsreich!

Genuss und Selbsttherapie liegen hier erstaunlich nah beieinander.

Der dritte Punkt ist Entwicklung.

Ich möchte besser werden.

In mir ist eine Triebfeder, die mich vorantreibt. Ich würde es nicht als Ehrgeiz beschreiben, eher als die Frage:

Was ist für mich möglich?

Wie geht es Dir dabei? Ich bin mir sicher, du kannst besser werden als du denkst!

Lernen empfinde ich nicht als Pflicht, sondern als Spiel.

Die Leute beim Treffen sind überrascht: Tine, hast du das Schwarz-Weiße gemacht? Toll, aber ich hab dich nicht erkannt!

Aufwärmen im Trophenhaus – Wintersketching ist auf dauer kalt XD.

Ich arbeite immer wieder bewusst in Schwarz-Weiß. Weil es die Kernfrage aller Maler und Zeichner berührt! Der Tonwert, das Licht ist eine lebenslange Herausforderung, die nicht langweilig wird.

Für Maler genauso wie für Zeichner.

Wer sich darauf einlässt, wächst – leise, aber nachhaltig.

Ich würde dir empfehlen, dich immer phasenweise auf bestimmte Dinge zu konzentrieren. Ich arbeite im Moment viel in Schwarz-Weiß für die neuen Zeichenkurse, und ich merke, wie es die Bilder und Zeichnungen stärkt.

Merkst du, dass du gestresst bist, dann würde ich mich eher auf die schönen Aspekte des Malens konzentrieren.

Male draußen, male Motive, die dir gut tun.

Hast du jedoch Zeit zu lernen, dann würde ich dir vorschlagen, dich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen.

Zeit fürs Malen und Zeichnen heißt auch: Wohin möchte ich!

Nimm dir die Zeit, kritisch zu hinterfragen, was du gerne verbessern möchtest. Da reicht einmal an etwas herumdoktern nicht.

Malen und Zeichnen brauchen Muße und Zeit.

Es ist oft besser, sich auf eine Sache beim Malen oder Zeichnen zu fokussieren. Warum? Es ist nicht nur so, dass dein Kopf begreifen muss, wie etwas funktioniert. Beim Malen und Zeichnen muss die Erkenntnis auch in Feinmotorik umgesetzt werden.

Die Erkenntnis muss in die Finger!!!!

Dein Gehirn muss genau wissen, wie es deinen Arm zu bewegen hat. Ein hochkomplizierter Weg zwischen dem Sehen, deinem Gehirn, der Kreativität und deiner Fähigkeit, es in eine Technik oder Bewegung umzusetzen.

Dein Wachstum braucht drei Dinge: dranbleiben, Zeit und die Akzeptanz, dass etwas nicht auf Anhieb klappen kann.

Mut, alte Gewohnheiten zu hinterfragen. Keine Angst vor Fehlern und die Zeit, um neue Wege wirklich zu gehen.

Zeit fürs Malen und Zeichnen hat oft etwas mit Aufräumen im Leben zu tun.

Und hier kommt das Thema Verzicht ins Spiel. Nicht als Mangel, sondern als bewusste Entscheidung.

Für jedes Plus braucht es ein Minus, denn das Budget ist nicht unbegrenzt.

Viele Ratgeber erklären ausführlich, was man alles tun sollte, um besser zu werden.

Kaum jemand spricht darüber, woher die Zeit dafür kommen soll.

Ich selbst kenne chronischen Zeitmangel gut. Beruf, Haushalt, Verpflichtungen, gesundheitliche Themen – der Tag ist schnell voll. Und trotzdem bleibt dieses leise Wissen:

Wenn ich wirklich malen will, muss ich mir Raum und Zeit dafür schaffen.

Und hier kommt das Thema Verzicht ins Spiel. Nicht als Mangel, sondern als bewusste Entscheidung.

Für jedes Plus braucht es ein Minus, denn das Budget ist nicht unbegrenzt.

Zeit fürs Malen und Zeichnen – nicht durch mehr Leistung, sondern durch Weglassen.

Es gibt erstaunlich viele Dinge im Alltag, die wir aus Gewohnheit tun. Einkaufen, Medienkonsum, Termine, die nichts nähren. Wenn man ehrlich hinschaut, lässt sich hier Zeit zurückholen.

Kleine Entscheidungen, die in Summe viel verändern.

Ein fester Malplatz. Materialien griffbereit. Eine Tasche im Auto mit Zeichenmaterial. Ein Sonntagmorgen draußen statt im Bett.

Ein bewusstes Nein an anderer Stelle.

Zeit fürs Malen fällt nicht vom Himmel. Sie ist eine Entscheidung.

Wer malen will, braucht Gelegenheit – und was wäre das bei dir? Wo könnte man etwas streichen, am besten etwas Dummes, um diese Zeit zu gewinnen?

Zeit fürs Malen und Zeichnen – Ich zeige dir meine Rechnung:

Einmal weniger einkaufen gehen pro Woche = 1 Stunde
Ein monatliches Treffen mit meiner Freundin zum Draußenmalen = 3 Stunden
Einmal pro Woche früher aufstehen = 1 Stunde

Hört sich wenig an? Sind aber 11 Stunden pro Monat!

Und ich finde, 11 Stunden für etwas, was mich glücklich macht, sind ganz schön viel! Hast auch du Tricks, wo du Zeit zum Malen herbekommst? Schreib mir dies auf Instagram!

Ich freue mich sehr auf deine Anregungen. Gib uns deine Detox-Tipps: Was tun wir weniger, um mehr Zeit fürs Malen und Zeichnen zu bekommen?

Bitte gib deine Kommentare hier ab:

https://www.instagram.com/tine.klein/?hl=de

Kultur stirbt nicht laut. Sie verschwindet leise.

Dieser Blog wird von über 5000 Menschen gelesen. Und doch reicht das nicht, um gegen Empörung, Hetze und künstlich erzeugte Reizvideos anzukommen.
Das ist kein Zufall, sondern menschliche Psychologie: Laut schlägt leise. Schnell schlägt tief. Wenn du willst, dass Malerei, Zeichnen und echtes Wissen eine Zukunft haben, dann braucht es dich.
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Ein anderes Thema ist Budget.


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Liebe Grüße Tine

Noch ein unterhaltsamer Artikel zum Thema:

Zeit zum Malen lernen

https://blog.herz-der-kunst.ch/zeit-zum-malen-lernen/

 

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