Die neuen Zeichenkurse sind da!
https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse/
Schnee zeichnen ist eine kleine Zumutung, die trotzdem Spaß macht.
Ähh, wie zeichnet man ein reflektierendes Nichts? Eigentlich möchte man sich dabei am Kopf kratzen.
Gerade mit Tinte geht es für mich gefühlt gar nicht. Dieses typische Schneegefühl stellt sich nur ein, wenn man unglaublich viel Zeit hineinsteckt.

Lasst uns mal einen kleinen Schlenker machen. Dieser Blog wird ja von Menschen gelesen, die gerne zeichnen und malen. Und ein kleiner Blick über den Tellerrand kann enorm helfen!
Schnee malen ist einfacher als Schnee zeichnen.
Beim Malen hat man es einfacher.
Denn Schnee ist beim Malen nicht nur weiß. Beim Malen kann man zu einem kleinen Trick greifen.
Schnee ist kalt.
Und das kann sich jeder Maler zunutze machen.
Denn möchte man Schnee malen, dann kann man einfach zu blauer Farbe greifen, und der Betrachter merkt: Ah, da ist etwas auf dem Boden, und es ist kalt.
Der kleine Trick mit der blauen Farbe macht es uns einfach!

Doch auch Aquarellmaler sollten diesen Artikel lesen, denn das kleine Philosophieren über das Schneezeichnen hilft uns, auch beim Malen viele Fehler auszubügeln.
Schnee ist eigentlich nichts!?
Das ist natürlich Quatsch. Wer schon mal Schnee geschaufelt hat, weiß:
Ders hat eine ganze Menge Volumen, und Schnee ist schwer.
Und genau hier beginnt das Problem beim Malen und Zeichnen. Man muss sich zwingen, das Blatt weiß zu lassen. Malt und zeichnet man den Schnee aber nur weiß, dann ist das Blatt leer.
Trotzdem: Finger weg! Ist das weiße Papier weg, ist auch der Schnee weg!
Schnee zeichnen ist schwarz-weiß!
Ist ja schon verrückt, weißen Schnee mit einem schwarzen Stift zu zeichnen!

Das geht nur mühsam. Also gucken wir uns doch mal das Aquarellbild in Schwarz-Weiß an, vielleicht hilft dies.

Hier steckt unglaublich viel drin, das uns beim Zeichnen hilft.
Aha, da ist also noch eine Menge heller Fläche, obwohl da vorher Farbe war!
Aber schaut mal genau hin!
Der Schnee hat Kanten!
Der Schnee hat eine ganze Menge Volumen, und an den Kanten des Schnees entstehen Schatten.
Also entstehen an den Schattenseiten des Schnees zarte Schattentöne. Denn selten haben wir bei Schneewetter strahlenden Sonnenschein.
Aber eines bleibt sicher:
Die Kante malt und zeichnet den Schnee.

Schnee zeichnen – Schnee ist schnell dreckig:
Wer den Schnee flächig zeichnet oder malt, erhält schnell schwere, graue oder dreckige Bilder.
Der bessere Tipp ist, sich auf die Kanten am Schnee zu konzentrieren.
Und dieser Tipp ist beim Aquarellieren genauso gut wie beim Zeichnen.
Wer beim Schnee zu viel zeichnet, gibt ihm Gewicht und macht ihn dreckig. Dies gilt auch fürs Aquarell.
Besonders wichtig sind für mich die Kanten.
Schnee lebt von Übergängen.
Manche sind weich und verlaufen so sanft, dass man sie kaum wahrnimmt. Andere sind plötzlich scharf:Eine verdichtete Spur, ein gebrochener Rand. Diese Wechsel zeichne ich bewusst. Nicht mit mehr Linien, sondern mit verändertem Druck.
Struktur ist gefährlich. Sie verführt. Ein paar Striche zu viel – und der Schnee ist weg.
Schnee liegt auf dem Gelände:
Struktur gebe ich beim Zeichnen nur dort, wo der Schnee eine Richtung hat.

Schnee häuft sich an. Er liegt über dem Gelände und Gegenständen. Schnee liegt selten zufällig. Er folgt Gelände, Wind, Gewicht. Flächen kippen leicht. Und deshalb hat der Schnee oft eine Richtung, und es macht Schneezeichnungen häufig besser, wenn man das Volumen des Schnees zeigt.
Aber Vorsicht: Trotz der Strukturen muss genug Weiß bleiben.
Schnee zeichnen – zuerst die großen Strukturen und Kanten.
Ich arbeite lange ohne Radiergummi. Das zwingt mich, klare Strukturen und Formen anzulegen. Dann jedoch ist Radieren kein Werkzeug zum Reparieren.
Das Radiergummi ist praktisch zum Schnee zeichnen.
Schnee ist ein Reflektor. Er bricht und reflektiert das Licht, und deshalb wirkt die Landschaft bei Schnee so wie weichgezeichnet.
Mit dem Radiergummi kann ich nun dunkle Flächen und Linien brechen.
Das verstärkt den Eindruck von Schnee.
Beim Aquarellieren muss man oft Kanten brechen und auswaschen, um guten Schnee zu malen.
Beim Schnee zeichnen mit Graphit und Radiergummi hat man es einfacher.
Schnee zeichnen und malen – Dunkelheit spielt eine Schlüsselrolle.
Die dunklen Farben, zum Beispiel das Holz, das am Haus meiner Freundin Helena hervorblitzt, spielen eine Schlüsselrolle beim Zeichnen von Schnee.
Schnee zeichnen gelingt nicht, wenn man keine Dunkelheit hat.
Denn Schnee wirkt nur weiß, wenn es auch Schwärze im Bild gibt. Ich zeichne sie klarer, entschiedener. Sie geben dem Weiß Raum, sichtbar zu werden.
Schnee zeichnen ist ein Wechselspiel zwischen hell und dunkel.
Der größte Fehler beim Schneezeichnen ist, gleichmäßig hellgrau zu schraffieren. Warum? Wie schon oben erklärt, liegt der Schnee über der Landschaft und den Gegenständen. Deshalb braucht man beim Schneezeichnen viele Grautöne. Beim Aquarellieren benutze ich viele verschiedene graue, violette und blaue Schattierungen.
Schnee zeichnen – Zurückhaltung lohnt sich:
Obwohl der Schnee lebendig ist und viele Schattierungen hat, müssen doch große zusammenhängende weiße Flächen bleiben. Rhythmus ist sehr wichtig, um Schneebilder zu gestalten. Was ist Rhythmus? Rhythmus ist die Abfolge von hellen und dunklen Flächen. Kein Schnee ohne Formen – und diese entstehen durch den Wechsel von hell und dunkel.
Doch merke: Wer Schnee nur hell zeichnet, erzeugt gähnend langweilige Bilder.
Oder der Schnee bleibt unsichtbar. Könnte auch im Sommer sein.

Liebe Grüße Tine:
Und die Zeichenkurse beginnen bald!

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Ihr seid die stillen Heldinnen und Helden im Hintergrund.
Danke, dass ihr Kultur nicht nur genießt, sondern tragt.
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Weiterlesen zum Thema Schnee:
https://blog.herz-der-kunst.ch/schnee-malen-so-wirds-frostig-auf-dem-papier/