Deine Stift- und Pinselhaltung bremst deine Kunst – nicht dein können!

Bei mir daheim: Basel Sehr einfach und doch spektakulär: eine Zeichnung mit Zimmermannsbleistift.

Es gibt einen Fehler, den ich beim Zeichnen und Malen immer wieder sehe.
Er ist unspektakulär, alltäglich und so tief verankert, dass wir ihn kaum hinterfragen.

Und genau deshalb wirkt er so zerstörerisch auf Linie, Farbe und Ausdruck.

Der heimliche Killer deiner Bilder ist deine Handhaltung!

Stift- und Pinselhaltung und ihre Tücken:

Der Stift wird fest und nah an der Spitze gehalten, der Pinsel ebenso.  Die gesamte Last liegt auf der Spitze des Werkzeugs. Die Hand klammert, das Handgelenk wird fixiert, der Arm ausgeschaltet.

Alles konzentriert sich auf diesen einen Punkt: Die Spitze.  Was zunächst nach Kontrolle aussieht, ist in Wahrheit das Gegenteil.

Beim Zeichnen führt diese Haltung fast zwangsläufig zu harten, dunklen Linien. Der Druck auf die Spitze ist zu hoch, die Linie wird gleichförmig, schwer,  zu präsent.  Das ist perfekt für das leserliche Schreiben.

Aber für die Kunst?

Eine harte Linie macht Korekturen schwierig! Die Linie verliert ihre schwingende Heiterkeit!

Schau dir dieses Video auf Instagram an, dann siehst du, wie ein Stift tanzen kann:

Und noch etwas! Das Gute und Schöne hat es in sozialen Netzwerken extrem schwer, weil wir seltener geteilt und kommentiert werden als das Chaos der Welt. Also teil mich, kommentiere – so kann ich auch mit dir ins Gespräch kommen!

https://www.instagram.com/p/DUfaL1IjbYB/?next=%2Ftine.klein%2F&hl=de

Du siehst, ich halte den Stift weit hinten, halte mit der Hand Abstand vom Blatt, damit der Stift tanzt und nicht beschwert wird!

Beim Malen wird das Problem noch deutlicher.
Ein Pinsel, der unter zu viel Druck steht, kann nicht mehr halten, was er trägt. Er beginnt zu spucken. Wasser und Farbe entladen sich unkontrolliert. Es entstehen dicke Linien und  Wasserflecken.

Viele versuchen dann, dieses Problem durch noch mehr Kontrolle zu lösen.

Sie greifen fester, korrigieren langsamer, arbeiten vorsichtiger. Doch genau das verschärft die Situation.

Denn die Ursache liegt nicht im Werkzeug. Sie liegt im Kontrollfreak der dahinter sitzt!

Stift- und Pinselhaltung macht unsere Kunst klein.

Solange die Führung des Stifts oder Pinsels aus einer verkrampften, statischen Haltung heraus geschieht, kann keine delikate, spielerische Linie entstehen. Die Bewegung bleibt klein. Die Linie bleibt gefangen. Die Malerei verliert Leichtigkeit.

Und hier zeigt sich das nächste, tiefere Problem:

Wir sind auf die Spitze fixiert.

Unsere Handhaltung zwingt uns geradezu, ausschließlich mit der Spitze zu arbeiten. Sie erlaubt uns kaum, den Stift oder Pinsel wirklich zu bewegen.

Statt eines Instruments haben wir plötzlich ein starres, gut fixiertes Werkzeug in der Hand. Mehr Hammer als Taktstock!

Zahlreiche Wege um Pinsel und Stift zu bewegen:

Dabei liegen abseits der Spitze ungeahnte Zeichen- und Malmöglichkeiten.

Ein Stift kann kippen und damit kann er flächig arbeiten, weich, suchend, tastend. Ein Pinsel kann das gleichen. Doch viele Techniken bleiben uns verschlossen, solange alles halten wie eine fixierte Säge.

Professionelle Zeichnungen und Malereien entstehen nicht durch maximale Kontrolle, sondern durch ein vielfältiges Repertoire an Bewegungen.

Wer professionell zeichnen und malen möchte, muss bereit sein, diese Haltung zu verändern.

Wer weiter hinten greift , hat nicht das gesamte Gewicht des Armes auf dem Stift liegen.

Sobald sich die Last von der Spitze löst, verändert sich alles. Die Linie wird heller, lebendiger, variabler. Sie darf dünn sein, dann wieder verschwinden, dann wieder dick werden.

Wer den Druck auf der Hand reduziert, kann sich besser bewegen. Die Hand liegt nicht mehr auf dem Tisch, ergeben sich unzählige neue Bewegungsmöglichkeiten.

Plötzlich ist die Hand nicht mehr kontrolliert und fixiert! Mann kann aus der Hand, aus dem Handgelenk und mit dem Arm arbeiten. Wer sich hinstellt, wird völlig frei. Nun kann man die Zeichnung und Malerei wie Musik in Bewegung umsetzen. Dein Körper kann die Zeichnung fühlen und Die Gefühle in Bewegung umsetzen und dadurch wird die Zeichnung ausdrucksstark. Das wichtigste an der neuen Stift- und Pinselhaltung ist, das sie Bewegung zulassen muss.

Also nicht statisch und gebeugt über dem Stift oder Pinsel hocken! Ihm die Haltung einer Königin an! Und ihr Jungs dürft Herrscher sein!

Stift- und Pinselhaltung -Bewegung fühlt sich an, wie der Verlust der Kontrolle:

Wenn wir beginnen, den Stift oder den Pinsel weiter hinten zu fassen, passiert zunächst etwas sehr Verunsicherndes:

Wir verlieren scheinbar die Kontrolle.

Die Linie fühlt sich ungenau an, der Strich wird größer, die Bewegung weniger berechenbar. Viele beschreiben dieses Gefühl als unkontrollierbar oder fremd. Und das ist völlig normal.

Diese Handhaltung ist ungewohnt, weil wir sie im Alltag kaum benutzen.

Wir wurden auf Kontrolle trainiert, nicht auf Freiheit, Feingefühl oder Wildheit XD.

Doch dieses Gefühl gibt sich. Du erlangst einfach mehr Repertoire. Nicht sofort, aber spürbar.


Denn was wir anfangs als Kontrollverlust empfinden,

ist in Wahrheit nur der Verlust einer sehr engen, begrenzenden Kontrolle.

Tipp 1: Fass denn Stift im hinteren Drittel an und beginne zu Zeichnen. Aber Obacht, deine Hand wird immer wieder nach unten rutschen!

Sobald sich der Körper an diese andere Handhaltung gewöhnt, zeigen sich deutliche, positive Veränderungen.

Zunächst wird die Bewegung größer.
Nicht nur die Finger arbeiten, sondern das Handgelenk, der Unterarm, manchmal sogar der ganze Arm. Linien entstehen aus Schwung, nicht aus Druck. Sie werden ruhiger, klarer, lebendiger.

Der Druck auf die Spitze nimmt ab.
Das ist entscheidend. Linien werden heller, variabler. So kann man suchend arbeiten, den die zarten hellen Linien stören später nicht. Beim Malen hört der Pinsel auf zu spucken.  Wasser und Farbe werden gehalten statt herausgepresst. Der Farbauftrag wird kontrollierter –

paradoxerweise gerade weil wir weniger kontrollieren wollen.

Plötzlich werden ganz feine Linien möglich und unser Pinselstrich wird delikat.

Mehr Möglichkeiten durch neue Stift und Pinselhaltung:

Besonders spannend wird es, wenn man beginnt, mit den verschiedenen Bereichen des Werkzeugs zu arbeiten.  Hält man Stift und Pinsel weiter hinten, kann man die Hand drehen und kann das Werkzeug von der Seite benutzen.

Dadurch erhält man in einer Bewegung nicht nur eine starke Veränderung der Strichstärke und dies wird deine Bilder enorm ausdrucksstark machen.

 Ein Stift kann flächig eingesetzt werden, weich, suchend, skizzenhaft.  So kann man rasant Schraffieren. Oder einen Schatten in einer Linie setzen ohne abzusetzen.

Ein Pinsel kann streifen, kippen, gleiten. Er kann in einem Moment lasieren und mit einer drehung des Handgelenkes ausdrucksstarke gebrochene Striche erzeugen. Diese Vielfalt erschließt sich erst, wenn die Handhaltung Bewegung erlaubt.

So ist es sinnvoll mehrere Hand- und Körpehaltungen auszuprobieren.

Stift- und Pinselhaltung – Hand- und Körperhaltung -nicht eine sondern mehrere:

  • Wenn ich wild ind frei arbeite- halte ich das Werkzeug hinten! Lasse es schwingen wie einen Taktstok.
  • Wenn ich Flächig arbeite und schnelle gebrochene Linien möchte dann liegt mein Pinsel oder Stift in meiner Hand wie in einem Korb. So erreiche ich, das das Werkzeug auf der Seite liegt.
  • Bei Langen feinen Linien stehe ich neben dem Blatt und schleife, schleppe den Stift oder Pinsel ohne druck auf mich zu. Die Bewegung kommt aus meinem Arm und mein Körper ist weit weg vom Blatt.

Meisterhafte Zeichnungen und Bilder brauchen eine trainierte und Abwechslungsreiche Motorik. Und das schwierigste daran ist nicht dein Mangeldes Talent, sondern eine Motorik die uns nicht erlaubt gut zu malen und zu Zeichnen!

Oft braucht man Hilfe um aus diesen Mustern herraus zu kommen. Mit etwas glück sind noch plätze in den nächsten Kursen frei!

Kurs

Ein oft unterschätzter Aspekt ist dabei die Zeichengeschwindigkeit.

Langsam zeichnen wirkt zunächst sorgfältig. Doch zu langsames Zeichnen ist häufig ein Zeichen von Unsicherheit. Die Linie wird zögerlich, mehrfach angesetzt, korrigiert. Sie verliert ihre Klarheit.

Der Mensch sieht leider sofort wenn ein anderer Mensch unsicher ist!

Mit einer geöffneten Körperhaltung kann man schnell und stark arbeiten.

Eine gute Handhaltung ermöglicht Geschwindigkeit.

Nicht Hast – sondern Fluss.

Schnellere Linien entstehen aus dem Arm, nicht aus den Fingern. Sie sind entschiedener, ehrlicher.  Paradoxerweise sehen sie oft richtiger aus als mühsam konstruierte Linien.

Die Handhaltung ist nicht nur Technik! Sie ist innere Freiheit!

Wer großartig Zeichnen und Malen will braucht 2 Grundzutaten:

Eine gute Haltung und Furchtlosigkeit!

Lebendigkeit schlägt Perfektion!

Liebe Grüße Tine

Wie du selbst weißt, ist Kunst nicht nur ein schönes Ergebnis – sie bedeutet Zeit, Hingabe und unzählige Stunden Arbeit. Dahinter stecken Begeisterung, Erfahrung und ganz viel Herzblut. Genau so ist es auch bei mir. Und gerade deshalb brauchen kreative Projekte ein Budget, damit sie weiter wachsen und entstehen können.

Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, freue ich mich über deine Spende. Du hilfst damit, für Dich zu schreiben! Danke, dass du Teil davon bist.


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Zeichnen mit Graphit

Möchtest du mitmachen?

https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse/

Hast du Lust im neuen Jahr deine Zeichnungen und Aquarelle direkt besser zu machen?

Dann lege ich dir Zeichnen mit Graphit ans Herz.

Graphit ist der normale Bleistift, also eine Sache die dich preiswert und schnell gut macht! Aber Graphit gibt es  in den unterschiedlichsten Formen! Als Staub oder als Aquarellfarbe!

Auch Aquarellisten sollten diesen Artikel ruhig lesen, denn die Tonwerte sind nicht nur der häufigste Fehler beim Zeichnen, sondern auch eine kniffelige Sache mit Aquarell.

Im Aquarell kann man die Grundlagen des Tonwertes kaum lernen, denn  es ist extrem schwierig sich auf das Aquarellieren und den Tonwert gleichzeitig zu konzentrieren. Oft gilt, ein gutes Aquarell braucht eine gute Tonwertskizze und so sind wir beim Thema Zeichnen mit Graphit.

Warum wirken so viele Zeichnungen schwach, obwohl sie sauber gezeichnet sind?


Fast immer liegt es an fehlenden oder zu zaghaften Tonwerten.

Eine Zeichnung ohne Tonwerte ist wie ein Satz ohne Betonung.

Es gibt ja auch keine Musikstücke, die man nur mit einer Note spielt, selbst eine Trommel hat unter schiedliche Klänge.

Das Auge hat Sensoren für Hell und Dunkel, sie heißen Stäbchen. Und wenn man diese gut reizt, wirkt ein Bild immer gut!

Barcelona aquarell Aquarella, aquarelle, Tine Klein. Tutorial feine Linien

das hier ist ein Bild mit flüssigem Graphit, also wie Aquarell vermalbar.

Hat man keine Tonwertunterschiede, dann wirken Bilder immer ausdruckslos und das kennen Zeichner und Aquarellisten sehr gut! Stuft man aber die Grautöne, wie oben im Bild stark ab, wird es nicht langweilig.

Zeichnen mit Graphit! Fehlende Tonwerte haben Auswirkungen.

Zeichnungen mit fehlenden Tonwerten bleiben flach, weil sie dem Auge keine Abstufungen anbieten. Alles ist gleich hell, gleich wichtig, gleich laut. Das menschliche Sehsystem funktioniert jedoch über Kontraste. Alle Objekte im Licht haben eine helle und eine dunkle Seite. Wir erkennen Formen nicht über Linien, sondern über Hell-Dunkel-Unterschiede.  Ist das Licht gleich gibt es keinen Raum.

Deshalb stehen Kontraste und Licht im Zentrum jeder starken und räumlichen Zeichnung.

Warum sind Zeichnungen mit Licht so attraktiv?


Weil Licht sexy macht! Sexy ist, dass unser Auge an Licht gewöhnt ist! Das Auge erkennt die Art von Schatten genau. Wir sehen sie ja seitdem wir das erste Mal die Augen aufgeschlagen haben.

Lichtseite, Halbschatten, Kernschatten, Reflexlicht.

Das ist das was uns Informationen über den Raum gibt! Hast du diese 4 Lichtstufen, dann erwacht eine Zeichnung zum Leben!

Selbst Zeichnungen, die ganz einfach sind oder auch massiv fehlerhaft, werden durch Licht zum Leben erweckt.

Licht ist die Sprache des Auges!

Also merke, deine Zeichnungen brauchen immer 3 bis 4 Tonwertstufen.

Beim Zeichnen mit Graphit ist das besonders einfach machbar. Graphit kann extrem Zart, aber auch tief dunkel sein. Dieses Spannungsfeld macht den Reiz aus.

Das Material beim Zeichnen mit Graphit:

Zarte Tonwerte:

Also ist es wichtig unterschiedliche Graphit Stifte zu benutzen.

Die etwas härteren Graphit Stifte sind zart und silbergrau. Mann kann jeden Graphitsift durch Druck in der Helligkeit variieren. Ich empfehle hier Hb , H, 2B, 4B

Tipp: Aufgepasst bei jeder Firma sind die Härten anders!

Der zarte Ton ist alleine langweilig und ausdruckslos, wird aber beim Zeichnen mit Graphit gebraucht um eine Brücke zwischen Hell und Dunkel zu bauen.

Also sollte man mindestens 2 Stifte haben.

Einen der heller ist und einen ganz weichen Stift, mit dem man die dunklen und scharzen Tonwerte erzeugt.

Lichter beim Zeichnen mit Graphit:

Lichter kann man bei Graphit im nachhinein in die Zeichnung radieren. Wunderbar sind auch Knetradierer, die das Graphit besonders gut radieren und die man in jede beliebige Form bringen kann.

Besonders gut sind ebenfalls harte eckige Radierstifte, mit ihnen kann man auch helle Linien in die Zeichnung einfügen.

Das sieht man wunderbar in dem Bild was gleich kommt! Das sieht enorm attraktiv aus. Und entfaltet in deiner Zeichnung eine starke Wirkung.

Ein Radierstift oder ein Knetradierer ist dabei Gold wert. Du kannst Licht regelrecht zurückholen. Zeichnen mit Graphit ist kein Einbahnstraßenprozess, sondern ein Dialog zwischen Auftragen und Wegnehmen.

Zeichnen mit Graphit, der Mittelton, oft sind dies die großen Flächen!

Um schwierigsten sind übrigens die großen mausgrauen Flächen im Mittelton zu gestalten.

Hier sollte man eher malerisch Zeichnen, denn Flächen werden oft ungewollt zum Killer guter Zeichnungen, weil sie hässliche Strukturen enthalten.

Du bist genervt von der Fläche und schon kritzelst du los!

Ein normaler Papierwischer für ein paar Rappen oder Cent hilft dir gleichmässige Flächen mittleren Tonwertes anzulegen. Mit ihm lassen sich Tonwerte weich verteilen, Flächen verbinden und Übergänge erzeugen. Viele haben Angst davor, weil sie denken, das sei „Schummeln“. Ist es nicht. Es ist Zeichentechnik.

Der vierte Tonwert ist Schwarz.

Und Schwarz ist wie Salz und Pfeffer.

Ein bisschen davon hebt alles an, zu viel zerstört das Gericht. Schwarz setzt man sparsam ein, gezielt, bewusst. Es ist kein Flächenfüllton, sondern ein Akzent. Dort, wo maximale Tiefe gebraucht wird: in Kernschatten,.

Für diesen Schatten braucht man weiche Graphit stifte oder einen Graphitstift den man flüssig vermalen kann.

Im Härtegrad arbeite ich gern mit 6B und 8B oder…. mit wasserlöslichem Graphit.

Tipp: Taucht man einen Löslichen Graphitstift kurz ins wasser erzäugt er, eine enorme Schwärze!

Tonwerte sind kein Beiwerk.

Tonwerte sind das Fundament für lebendige Aquarelle und Zeichnungen. Das Zeichnen mit Graphit hift dir zu erkennen wie du Bilder mit Licht und Schatten attraktiv gestaltes.

Warum bügeln Tonwerte selbst bei lockeren Zeichnungen so viele Fehler aus?
Weil Tonwerte Struktur schaffen, wo Linien unsicher sind. Eine Zeichnung darf wackelig, skizzenhaft oder frei sein – wenn die Tonwerte stimmen, wirkt sie trotzdem überzeugend.

Weil das Licht wie im Leben ist.

Tonwerte stabilisieren eine Zeichnung. Sie halten sie zusammen.

Liebe grüße Tine

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Die ausdrucksstarke Linie

Die ausdrucksstarke Linie, meine Lust und mein Laster!

Seit Jahren suche ich ein Werkzeug für die ultimative, ausdrucksstarke Linie.

Und je länger ich suche, desto klarer wird mir:

Das Werkzeug ist nur ein Teil der Wahrheit.

Ich habe einen Berg von Stiften angehäuft. Bald wird die Schweiz einen neuen, schneebedeckten Berg haben. Und die meisten dieser Stifte benutze ich nicht!

Die Linie ist beim Zeichnen wie eine Handschrift.

Sie soll schön sein – ja. Aber vor allem soll sie laufen.

Ohne Grübeln. Eine Linie, die nicht darstellt, sondern erzählt, was ich fühle.

Ich bin ziemlich sicher:

Diese Linie werde ich bis an mein Lebensende suchen.

Die Linie bin ich, und sie wächst und verändert sich mit mir.

Was ist eigentlich eine interessante Linie?

Eine interessante Linie ist keine perfekte Linie. Sie ist auch keine saubere Linie im schulischen Sinn.

Eine interessante Linie hat Charakter. Sie verrät etwas über die Hand, die sie gemacht hat.

Unser Auge reagiert unglaublich stark auf Spuren menschlicher Bewegung. Das ist gut erforscht. Wir lesen Tempo, Druck, Zögern und Mut aus einer Linie heraus – oft unbewusst.

Deshalb wirkt eine gleichmäßige, technisch perfekte Linie leblos.

Eine ausdruckstarke Linie ist mit ihrem Schöpfer verbunden!

Eine gute Linie darf variieren.

Sie darf dicker werden, dünner, schneller, langsamer. Sie darf sich trauen, an einer Stelle laut zu sein und an einer anderen leise.

Wenn ich, wie hier, einen normalen Füllhalter benutze, dann mache ich das mit Schwung. Ich drehe ihn, rolle ihn, denn ich weiß, der Mensch ist angezogen von emotionaler und schwungvoller Bewegung.

Tine Klein, Zeichnen lernen, ausdrucksstarke Linie, Murten Schweiz

Noch lieber mag ich Werkzeuge, die variabel sind. Die sich mit meiner Handbewegung verändern – dazu aber später!

Oft verspüre ich beim Zeichnen Spannung. Das, was ich sehe und tue, wühlt mich auf. Man glaubt immer, man müsse eine ruhige und fehlerfreie Linie erzeugen. Doch gerade die innere Unruhe, das Gefühl, ist es, das den Betrachter anzieht.

Deine Linie sollte so sein wie Du, mit allen stärken und schwächen, denn genau das nennt man den eigenen Stil!

Wie erzeugt man eine ausdrucksstarke Linie?

Der größte Feind der Linie ist das Nachdenken während des Zeichnens. Sobald der Kopf übernimmt, wird die Linie vorsichtig.

Und Vorsicht ist selten ausdrucksstark.

Eine gute Linie entsteht, wenn Beobachtung und Bewegung zusammenfallen. Sehen und Zeichnen müssen zu einem Prozess werden, ohne ständig zu korrigieren. Entscheidungen treffen und sie stehen lassen.

Tine Klein, Zeichnen lernen, ausdrucksstarke Linie, Murten Schweiz

Oft ist eine gute Linie Timing. Und deshalb arbeite ich immer noch am liebsten mit meinem uralten, billigen Füllhalter.

Dieses Werkzeug macht eine gute Linie, weil ich daran gewöhnt bin!

Wenn nur die Übung fehlt…

Ohne Übung kann niemand ausdrucksstark zeichnen.

Hilfreich ist es, größer zu zeichnen, schneller zu zeichnen, den Stift mal bewusst nicht abzusetzen. Alles, was verhindert, dass du dich in Mini-Korrekturen verlierst, hilft der Linie.

Der Stift und der Zeichner erzeugen gemeinsam die Ausdruckskraft.

Deshalb ist es sinnvoll, Werkzeuge zu benutzen, die auf Geschwindigkeit, Druck und Handbewegung sensibel reagieren.

Tine Klein, Zeichnen lernen, ausdrucksstarke Linie, Tuschepinsel

Hier siehst du eine Zeichnung mit einem Tusche-Pinselstift. Dieses Werkzeug wird dunkel, wenn es langsam und präzise geführt wird. Wird der Zeichner jedoch rasanter, schneller, bricht die Linie spektakulär.

Eine Linie hat etwas von Musik – sie ist mal flüssig und mal rhythmisch!

Der Stift muss in der Lage sein, das umzusetzen. Werkzeuge, die nur Sauberkeit und Gleichmäßigkeit erzeugen, sind im technischen Zeichnen besser aufgehoben.

Ja, Fehler gehören dazu.

Mehr noch – sie sind oft der Kern der Ausdrucksstärke. Wir ärgern uns über sie, weil sie nicht „richtig“ sind.

Andere lieben sie, weil sie ehrlich sind, weil sie Stärke erzeugen.

Was ist eine starke Zeichnung?

Sie ist selbstbewusst, und das sehen die anderen!

Tine Klein, Zeichnen lernen, ausdrucksstarke Linie, Zimmermannsbleistift

Hier siehst du eine Zeichnung mit Zimmermannsbleistift und flüssigem Graphit.

Dieses Material ist äußerst wandelbar. Besonders der breite Zimmermannsbleistift ist sehr empfehlenswert:

Mit der breiten Seite entstehen satte, dunkle Striche, mit der scharfen Kante feine, fast zarte Linien.

Aber Vorsicht: Es darf kein gewöhnlicher Zimmermannsbleistift sein. Entscheidend ist eine weiche Mine. Diese Stifte sind selten, aber online zu finden – und die Suche lohnt sich.

Meine Schüler arbeiten im nächsten Kurs damit. Die Ergebnisse sind wunderbar.

https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse/

Merkwürdigerweise eignen sich auch sehr feine Strichstärken für ausdrucksstarke Zeichnungen. Die Feinheit der Linie ist dabei nicht dominant.

So kann der Stift oder Füllhalter in der Hand des Zeichners Kapriolen schlagen.

Ach, das lernst du in der aktuellen Kursreihe.

Welche Werkzeuge passen zu einer ausdrucksstarken Linie?

Werkzeuge sind Verstärker. Sie machen sichtbar, was ohnehin in deiner Hand passiert.

Ein zu kontrollierbares Werkzeug verzeiht nichts – und nimmt dir gleichzeitig die Möglichkeit, loszulassen. Deshalb eignen sich für ausdrucksstarke Linien oft Stifte, die reagieren:
Bleistifte mit weicher Mine, Tusche mit Feder, Füller mit besonderen Spitzen, Pinselstifte, sogar einfache Fineliner, wenn man ihnen genug Freiheit gibt!

Oder eben ein Stift, der nichts Besonderes ist, der dir aber so vertraut wie deine ausgelatschten Lieblingssneaker.

Die Handhaltung ist ein echter Gamechanger.

Wer den Stift verkrampft wie ein chirurgisches Instrument hält, bekommt kontrollierte Linien – aber selten lebendige.

Je weiter du die Hand öffnest, je mehr aus dem Arm und nicht nur aus den Fingern kommt, desto freier wird die Linie.

Probiere verschiedene Griffe!

Die Handhaltung, die wir alle kennen, ist nicht gut geeignet für das Zeichnen!

Probier es aus: weiter hinten anfassen, lockerer greifen, aus dem Unterarm zeichnen. Plötzlich verändert sich alles.

Die Linie wird mutiger, unperfekter – und genau dadurch interessanter.

Wie kommen Gefühle in die Zeichnung?

Gefühle entstehen nicht, weil wir sie hineinlegen wollen.

Sie entstehen, wenn wir aufhören, sie zu verhindern.

Wenn du zeichnest, um korrekt zu sein, bleibt die Zeichnung höflich. Wenn du zeichnest, wie Du bist, wird sie lebendig.

Kunst darf lügen. Sie darf übertreiben. Sie darf zuspitzen. Und oft wirken genau diese „falschen“ Linien echter als jede korrekte Darstellung.

Eine ausdrucksstarke Linie entsteht dort, wo Vertrauen größer ist als Angst.

Vertrauen in die eigene Wahrnehmung. In die Hand. In den Moment.

Komm in meinen Kurs. Gemeinsames Arbeiten, Lachen und Weiterentwickeln gehören dazu.

https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse/

Aktuelle Kurse mit Tine Klein

Hier gibt’s Inhalte statt Klickfallen, Tiefe statt Werbung und Kunst ohne Hintergedanken. Klingt gut? Finde ich auch. Aber so ein Ort entsteht nicht von allein. Farben, Papier, Zeit, Energie – all das kostet. Wenn du willst, dass es diesen Raum weiterhin gibt, dann unterstütz ihn. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil du ihn magst.


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