Wasser malen – immer zappelt es!

Manchmal macht mich Generation Internet wahnsinnig! So wahnsinnig, dass ich fast glaube, das irrsinnig blöde Macarena-Tanzen meiner Generation nach drei Pina Colada sei eine super vernünftige und sehr sachliche Sache gewesen!
Ja, tatsächlich bin ich geboren, als die letzten Dinosaurier schlüpften. In den siebziger Jahren hüpfte ich im Wohnzimmer mit einer Antenne über dem Kopf rum, damit mein Vater mit dem brandneuen Fernseher Fußballweltmeisterschaft gucken konnte. Und ja, damals gab es noch kein Internet.
Unser Fernseher war Schwarz-Weiß, und das hatte riesige Vorteile! Man musste sich nämlich selbst vorstellen, welche Farbe etwas hatte.
Und an dieser Stelle kommen wir zum Wasser malen!
Heute werden die Menschen von einer Bilderflut umgehauen, und sie glauben, jedes einzelne Bild sei die absolute Wahrheit! Ein Standbild, das den Tatsachen entspräche!
Was an irrsinnigen Wahnsinn grenzt, gerade in Zeiten von KI, wo so ziemlich jedes zweite Bild vollkommen manipuliert ist.
Das ist mindestens so wahnsinnig wie volltrunken mit einem Mitteleuropäer ohne Taktgefühl Macarena zu tanzen!
Die meisten Menschen suchen irgendwie einen Halt. Sie wünschen sich Zusagen:
Ja, so ist es! So muss ich es zeichnen oder malen!
Doch die wirkliche Ruhe kommt:
Wenn man sich der Schönheit des Beobachtens hingibt. Der eigentliche Genuss am Wasser malen ist die Beobachtung!
Stell dir mal vor, du bist am Wasser. Du riechst das Frühjahr! Die Wellen schaukeln, und das Licht reflektiert auf dem Wasser. Das Wasser wirft dir ganz unterschiedliche Farben entgegen. Es wird langsam dunkel, die Kälte schleicht sich heran.
Wie genau muss ich also die Farbe des Wassers jetzt malen?
Lustig an dieser Frage ist, dass Wasser gar keine Farbe hat!
Wasser ist meist nur ein Spiegel. Wenn sich die Kälte heranschleicht,
wechselt die Farbe des Wassers rasant, von Sekunde zu Sekunde!
Der größte Anteil der Farben, die du siehst, wird aus der Umgebung reflektiert.
Oft ist Wasser blau. Das ist der Farbanteil, der aus dem Himmel stammt.
Die Schwebstoffe wie Sand oder Schlamm machen es grün.
In den frühen Morgen- und Abendstunden reflektiert das Wasser das Licht, und es entstehen warme Farbtöne.
Je flacher du über das Wasser schaust, desto mehr reflektierte Farbe hat es. Schaust du steil ins Wasser, schaust du hinein.
Und zu allem Überfluss bewegt sich das Wasser auch noch.
Diesen Sommer wirst du viele Artikel über das Wasser malen lesen. Weil ich im Herbst eine Kursserie Wasser malen gebe.
https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse-tine-klein/
Falls du Interesse hast, melde dich bitte jetzt schon an! Dann können wir besser planen. Anfänger wie Fortgeschrittene sind herzlich willkommen.
Wasser malen – es gibt sehr unterschiedliche Methoden!
Beim Malen des Wassers gibt es sehr unterschiedliche Methoden. Eine, die mir am besten gefällt, ist das Reduzieren.
Wasser malen klappt gut , wenn man es auf die eigenen Sinneseindrücke reduziert!
Wenn ich da also in der feuchten Luft am Lago sitze, dann zögere ich nicht! Ich werfe mit aller Macht meine Sinneseindrücke auf das Papier.
Sehen! Und drauf damit, nicht nachfragen.
Ich bin die Göttin meines Blattes, und ich entscheide!
So ist Wasser malen immer eine Vielzahl von Entscheidungen. Wenn das Wasser mich nicht interessiert, dann reicht es mir, das Wasser auf wenige Striche zu reduzieren:

Wasser malen kann einen wahnsinnig machen.
Weil es einfach viel zu viel ist. Deshalb ist es sinnvoll, das Wasser auf die eigenen Sinneseindrücke zu reduzieren:

Hier sitze ich am Ende des Winters am Lago Maggiore. Die Dunkelheit und Kälte krabbeln so langsam über die Berge. Aber auf dem Wasser spiegelt noch das goldene Licht.
Ich fange meine Sinneseindrücke ein wie ein Radio.
Deshalb wird mein Wasser gelb. Es ist das Abendlicht, was mich interessiert.
Ich beobachte die Spiegelung des Ufers im Wasser, und deshalb zeige ich sie. Besonders spannend finde ich die Poller am Anlegesteg, deshalb sind dort die Spiegelungen besonders ausgeprägt.
Ich reduziere also das Wasser malen auf meine eigenen Eindrücke, auf das, was mich interessierte. Dadurch wird es machbar.
Wie hier am Mont Saint-Michel. An diesem Tag wird das Wasser bretonisch grau!

Wasser malen – die rasante Methode:
Der trockene Strich ist unzweifelhaft die schnellste Methode, um Wasser zu malen. Wie funktioniert es? Mit einem großen Pinsel zieht man sehr schnelle Striche.

So fängt man die Reflektionen des Wassers ein. Diese Methode ist schön und spektakulär, das Wasser lässt sich mühelos in wenigen Sekunden malen!
Wasser malen über vertikale Reflektionen:
Dies ist auch eine ganz einfach zu bewerkstelligende Methode. Man spiegelt Motivanteile ins Wasser und verwischt sie dann.
Im Prinzip malt man das Motiv in einer sehr abgespeckten Version und verwischt es dann zusätzlich noch horizontal, dies funktioniert einfach und schnell.

Basel Rochetürme
Weniger ist dabei mehr!
Wasser malen nass in nass!
Wasser malen in der Nass-in-Nass-Technik ist sicherlich die am kompliziertesten zu handhabende Technik.
Diese Technik ist nicht nur eine Technik, sondern ein ganzes Bündel von Techniken.
Tatsächlich sind diese Techniken viel einfacher als ihr Ruf.
Schon der Name dieser Technik ist ein Fehler!
Denn nass in nass funktioniert diese Technik überhaupt nicht! Sie müsste trocken in feucht heißen!
Die ganze Pinselsteuerung kann ich euch hier leider nicht erklären! Ich würde mich sehr freuen, euch im Herbstkurs zu sehen! Das Ganze ist jedoch kein Zauberwerk, man arbeitet mit trockenen Pinseln auf feuchtem Untergrund, und dann klappt es!
Costa Brava. Das Wasser wurde mit Siena Natur angelegt. Darauf kam eine Schicht Türkis, und in diese Schicht wird feuchtes, dunkleres Blau gemalt. Es wird mit einem nicht zu nassen Pinsel Dunkelblau in die Flüssigkeit aufgetragen.

Costa Brava.
Beim Bild unten, Basel Mittlere Brücke, werden ein paar Farbakzente in eine einfache Untermalung getropft. Die Farben lehnen sich an das Motiv an, so werden Wasser und Motiv verschmolzen.

Basel Mittlere Brücke.
Eines hat die Nass-in-Nass-Technik gemeinsam, es wird immer in feuchter Farbe gearbeitet. Je nach Wunsch oder Meisterschaft kann die Technik einfach oder höchst kompliziert sein.

Wer so etwas lernen möchte, wird sich damit auseinandersetzen müssen, wie man einen Pinsel steuert!
Fazit:
Der Erwerb dieser Fähigkeit ist ein Schlüsselerlebnis! Wer das kann, hat Wasser malen im Griff!
Plötzlich kann man ohne Mühe festhalten, was man sieht, lebt und fühlt!
Der Erwerb dieser Technik lohnt sich!!
Doch die eigentliche Schlüsselfähigkeit, die dich gut und spontan malen lässt, ist das Beobachten und
….dann darfst du wie eine Gottheit schnell und ohne Reue Entscheidungen treffen!
Liebe Grüße
Tine
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