
Nass-in-Nass gilt als eine der anspruchsvollsten Techniken im Aquarell. Oft hört man, sie sei nur etwas für Könner. Ich sehe das anders.
Am Anfang wirkt sie kompliziert, weil sie vor allem eines verlangt: gutes Timing.
Und ein Gefühl für das richtige Timing entsteht nicht über Nacht.
Unser Gehirn lernt jedoch erstaunlich gut. Es ist wie eine Kiste voller Legosteine – Stein für Stein, entsteht etwas Neues.
Wie entwickelt man also das nötige Fingerspitzengefühl für die Nass-in-Nass-Technik?
Wissbegierig? Perfekt! Genau für solche Menschen sind meine Kurse gemacht.
https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse-tine-klein/
Dranbleiben! Der Schlüssel zum Erfolg.
Dranbleiben! Der Schlüssel zum Erfolg.
Wer etwas lernen möchte, braucht Übung.
Das klingt banal, ist aber einer der wichtigsten Bausteine beim Malen.
Oft erlebe ich, dass meine Schüler eine Technik im Unterricht wunderbar beherrschen. Sechs Monate später funktioniert sie plötzlich nicht mehr. Warum?
Ganz einfach: Ein einmaliger Erfolg reicht nicht aus. Unser Gehirn muss Bewegungen, Abläufe und Entscheidungen immer wieder wiederholen, damit daraus eine dauerhafte Fähigkeit wird. Erst durch Wiederholung entstehen sichere Verbindungen im Gehirn.
Genau deshalb ist Üben so wichtig.
Nicht stundenlang, sondern kurz und regelmäßig.
Also keine großen Motive, sondern nur zielgerichtet üben, was man braucht.
Keine Verwirrung! Timming braucht stabile Grundlagen:
Wer im Aquarell Fingerspitzengefühl entwickeln möchte, braucht vor allem eines: verlässliche Bedingungen.
Nass in Nass ist eine dieser Techniken, man muss beim Malen merken, wann der richtige Zeitpunkt ist, eine feuchte Farbe in eine feuchte Lasur zu geben.
Dieses Gefühl entsteht jedoch nicht, wenn ständig Papier und Pinsel gewechselt werden.
Stell dir vor, du möchtest Klavierspielen lernen. Nach jeder Übungsstunde werden die Tasten anders angeordnet. Niemand käme auf die Idee, dass man so Fortschritte machen könnte.
Genau das passiert jedoch vielen Aquarellmalern.
Heute ein Papier, morgen ein anderes.
Dann wieder ein neuer Pinsel. Dabei verändert sich jedes Mal, wie viel Wasser gespeichert wird und wie schnell es wieder abgegeben wird.
Wechselst du ständig Papier und Pinsel, werden deine Lernversuche zur Nass in Nass Technik krachend scheitern.
Das Gehirn sucht nach Mustern. Es möchte verstehen: »Wenn ich das tue, passiert jenes.« Bekommt es jedes Mal andere Voraussetzungen, kann es diese Zusammenhänge nicht zuverlässig lernen.
Das richtige Material für Nass in Nass:
Beim Thema Nass in Nass hält sich ein Mythos besonders hartnäckig:
Ohne teures Baumwollpapier gehe gar nichts??
Doch das Material entscheidet nicht darüber, ob die Technik funktioniert – es verändert lediglich das Zeitfenster, in dem sie funktioniert.
Baumwollpapier speichert Wasser länger. Dadurch bleibt die Lasur länger offen,
und du hast mehr Zeit, den richtigen Moment zu erwischen.
Das kann gerade am Anfang angenehm sein. Manchmal wartet man allerdings gefühlt eine Ewigkeit auf genau den richtigen Feuchtigkeitsgrad.
Ein gutes heißgepresstes Papier kann genauso hervorragende Ergebnisse liefern.
Hier läuft die Uhr nur etwas schneller.
Wer das weiß, passt seine Arbeitsweise einfach an.
Wichtiger als der Preis ist deshalb die Qualität. Das Papier sollte stabil sein und mindestens 300 g/m² besitzen. So verhält es sich zuverlässig und gibt dir eine gute Grundlage zum Üben.
Auch der Pinsel spielt eine entscheidende Rolle. Er bestimmt, wie viel Wasser und Farbe tatsächlich auf dem Papier landen.
Deshalb ist der Begriff „Nass in Nass“ eigentlich etwas irreführend. In der Praxis arbeitet man meist mit einer relativ cremigen Farbe in einer feuchten Lasur. Würde beides tropfnass sein, würden die Farben unkontrolliert ineinanderlaufen. Oder anders gesagt: Wenn du Milch in den Kaffee gießt, entsteht kein schönes Bild.
Sanfte Wellen – Nass in Nass mit Fingerspitzengefühl

Sanfte Wellen gehören zu den schönsten Anwendungen der Nass-in-Nass-Technik. Das Geheimnis liegt dabei nicht im Pinselstrich, sondern im richtigen Zeitpunkt.
Zuerst legst du eine gleichmäßige, feuchte Lasur an.
Sie sollte überall denselben Feuchtigkeitsgrad haben. Achte darauf, dass keine Pfützen entstehen und die Oberfläche gleichmäßig glänzt. Ist eine Stelle trockener als die andere, verlaufen die Farben später unterschiedlich.
Preiswerter Tipp: Sprühflaschen für Haarpflegeprodukte erzeugen einen viel feineren Nebel als herkömmliche Wassersprühflaschen. Damit bleibt deine Lasur gleichmäßig feucht. Plündere dein Badezimmer!
Nun beginnt der wichtigste Teil: das Warten.
Beobachte das Papier genau. Direkt nach dem Auftragen ist die Lasur zu nass. Würdest du jetzt die Wellenschatten malen,
würden sie sofort auseinanderlaufen und ihre Form verlieren.
Das Wasser übernimmt die Kontrolle.
Nach kurzer Zeit verändert sich der Glanz. Die Oberfläche glänzt nicht mehr spiegelnd, sondern wirkt seidig. Genau jetzt beginnt das Zeitfenster, in dem die Nass-in-Nass-Technik gut klappt. Das Papier ist feucht aber nicht nass.
Nimm nun einen Pinsel, der fast cremige Farbe enthält, aber nicht nass ist. Er sollte Farbe enthalten, jedoch nur wenig zusätzliches Wasser. Der Pinsel darf die Lasur nicht erneut fluten.
Die Aufgabe des Pinsels ist es lediglich, Pigmente in den feuchten Farbfilm einzubringen.
Male jetzt mit ruhigen Bewegungen die Wellenschatten. Die Linien dürfen ruhig unregelmäßig sein, denn Wasser bewegt sich niemals mathematisch exakt.
Während du malst, werden die Striche von selbst etwas weicher.
Genau das ist erwünscht. Die feuchte Lasur nimmt die Farbe langsam auf und lässt harte Kanten verschwinden.
Sollten die Striche dagegen scharf stehen bleiben, war das Papier bereits zu trocken.
Dieses Problem entsteht auf heißgepresstem Papier. Also Sprühen!
Verlaufen deine Wellen zügig zu breiten Flecken, war die Lasur noch zu nass. DIes Passier auf Baumwollpapier oft!Genau zwischen diesen beiden Zuständen liegt der ideale Moment.
Je näher eine Welle am Betrachter liegt, desto kräftiger und kontrastreicher darf ihr Schatten sein. In der Ferne werden die Schatten immer feiner, heller und flacher.
So entsteht ganz von selbst räumliche Tiefe.
Fazit!
Viele glauben, die Nass-in-Nass-Technik sei unberechenbar. Tatsächlich folgt sie klaren Regeln. Das Papier bestimmt den richtigen Zeitpunkt, der Pinsel liefert die passende Farbmenge und Feuchtigkeitsmenge. Du musst lernen, wann beides zusammenpasst.
Genau deshalb ist Nass in Nass weniger eine Frage des Talents als des Beobachtens.
Liebe Grüße Tine
Die neuen Kurse sind da!
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