Grün mischen lernen!

In eigener Sache!

Viele Schüler haben den Wunsch geäußert, dass ein Kurs zum Thema Mischen angeboten wird. Kein Wunder – das Mischen von Farben sorgt beim Malen immer wieder für Unsicherheit. Welche Farben passen zusammen? Warum wird die Mischung stumpf? Wie entstehen leuchtende oder natürliche Farbtöne?

Dabei muss das gar nicht kompliziert sein. Wer die Grundlagen versteht, mischt sicherer, gezielter und mit deutlich mehr Freude. Genau darum wird es in diesem Kurs gehen.

https://www.buchbeglinger.ch/veranstaltungen/mischen-ist-kein-zufall-wie-funktioniert-farbe

Tine Klein Aquarell im Blog grün mischen! Schweiz, Genfersee Burg Chillon, Aquarell, Aquarellblog, Watercolor, Watercolor Tutorial.

Es ist heiß! Ich sitze im Schatten, die Tropfen meines Schweißes kullern meinen Körper hinunter und verbinden sich mit dem Genfersee. Der See ist spiegelblank. So ruhig und so heiß, aber die Spiegelungen liegen geschmolzen und still auf dem Wasser.

Gemächlich beginne ich, unzählige Grüntöne zu mischen – von strahlendem Gelbgrün bis zu schlammigem Seegrün …

Grün mischen lernen

Eigentlich hätte ich diesen Artikel gern „Grün mischen lernen mit dem Farbkreis“ genannt, doch bei dem Wort Farbkreis erleiden viele schon vorsorglich den nahen Hirntod. 😉

In jedem Kurs, egal zu welchem Thema, bekomme ich immer wieder Fragen zum Mischen!

  • Warum entsteht nicht die Farbe, die ich erwartet habe?
  • Warum werden meine Farben schmutzig?
  • Welche Farben soll ich wählen?

Diese Fragen zeigen, wie groß die Unsicherheit beim Mischen ist.

Insgesamt sind es etwa 10–15 Fragen, die mir ständig gestellt werden.

Alle beruhen auf Farbtheorie und wirken zunächst kompliziert.

Doch sie sind wie ein Riese, der zu einem Zwerglein schrumpft, wenn man ihm näherkommt.

Kommt man meinen Schülern mit Farbtheorie, fallen viele schon vorausschauend ins Koma!

Dabei ist das totaler Nonsens, denn Wissen macht frei und entspannt.

Viele lernen das Mischen nicht treffsicher, weil sie die Feinheiten des Farbkreises nicht kennen.

Muss ich Farbtheorie wirklich lernen? Die Antwort lautet: Ja!

Die gute Nachricht: Es ist viel einfacher, als die meisten denken.

In vielen Büchern wird Farbtheorie trocken und ohne praktischen Nutzen vermittelt. Dabei ist sie überraschend einfach, wenn man den richtigen Einstieg findet.

Das Ziel ist, völlig frei und sicher mischen zu können.

Doch bevor das gelingt, muss das Wissen erst einmal in den Kopf hinein.

Schauen wir uns das heute einmal am Beispiel von Grün an!

 

Grün mischen!

Ich beantworte hier mal ein paar Fragen zum Grün mischen.

Warum sieht mein Grün künstlich aus?

Die wohl häufigste Frage überhaupt. Viele mischen ein kräftiges Gelb mit einem kräftigen Blau und erhalten ein leuchtendes, fast neonartiges Grün.

Das erinnert eher an Plastikspielzeug als an etwas Natürliches.

 

Hier hilft die Farbtheorie:

Kalte Farbtöne, das sind die Gelbtöne und Blautöne, die auf dem Farbrad dem Grün am nächsten liegen, mischen strahlendes, manchmal fast chemisches Grün!

Zum Beispiel Phthaloblau und Zitronengelb. Warum?

 

 

Die ganze Farbtheorie ist einfach: Je näher eine Farbe im Farbrad an der zu mischenden Farbe liegt, desto klarer das Ergebnis.

Nah im Farbkreis heißt leuchtend!

Sieh mal hier: ein zitronengelbes Grün oben im Baum.

Wie macht man natürliche Grüntöne?

Möchte man natürlichere Grüntöne, hilft wieder ein Blick in den Farbkreis.

Mischt man jeweils eine kalte und eine warme Grundfarbe, dann wird Grün harmonisch.

 

Ultramarin und Zitronengelb bilden ein natürliches sommerliches Grün. Warum?

Das Zitronengelb (kalt) ist ganz nah am Grün. Das warme Blau Ultramarin (warm) ist  weiter weg vom Grün. Dadurch bricht das Grün und ist nicht mehr grell.

Merkst du etwas? Wenn du die Finger wieder auf den Farbkreis legst: Ein Finger ist nah am Grün, einer weiter weg.

Wir haben hier also in Bezug auf Grün eine nahe und eine fernere Farbe! Das heißt, das Grün ist nicht mehr so intensiv, es ist harmonisch.

Merke: Je weiter eine Grundfarbe von der Mischfarbe weg ist, desto gebrochener das Ergebnis!

 

Die wärmeren Grundfarben warmes Gelb und warmes Blau sind weiter weg vom Grün.

Phthaloblau (kalt) und Hansa-Gelb (warm) oder Indischgelb (warm) bilden ebenfalls ein schönes natürliches Grün. (siehe im Bild)

Warum werden meine Grüntöne grau oder matschig?

Ultramarin (warm) liegt dem Grün relativ fern, denn es liegt nahe am Violett.

Viele meiner Schüler mischen ihre Grüntöne mit dem schönen Ultramarin (warm), doch dieses kann nur gedämpfte Grüntöne erzeugen.

Das Gleiche gilt für das warme, fast orange Hansa-Gelb oder Indischgelb.

Sie sind weiter weg vom Grün und erzeugen daher gedämpfte Grüntöne. Z.B. Olivgrün

 

Legst du deine Finger auf den Farbkreis, dann siehst du:

Warmes Blau und warmes Gelb sind sehr weit weg vom Grün.

Weit weg von der Mischfarbe bedeutet: keine Strahlkraft, sehr gedämpft.

Trifft beim Mischen warm auf warm, wird dein Grün müde, herbstlich oder oliv! Je nachdem, wie warm dein Blau und dein Gelb waren, können deine Farben nun ins Olive oder gar Matschige kippen.

Oft werden gekaufte Grüntöne verwendet. Diese Grüntöne sehen ungemischt wunderbar aus. Doch beim Mischen werden sie zur Gefahr.

Alle zu warmen Töne machen Grün matschig, herbstlich und verfallen.

Grün + Rot = Braun oder Grau.

 

Möchte man ein Grün natürlich wirken lassen, dann gibt man ihm kleine Spuren von rötlichen und Naturpigmenten, und so arbeiten auch die Farbhersteller.

Die korrekte Schreibweise lautet:

Rötliche Töne sehen in Bäumen gut und natürlich aus. Schau in den Baum.

Zuviel Rot macht es aber dunkel oder schlammig!

„Aber Vorsicht: Zu viel Rot lässt die Mischung schnell dunkel und schlammig wirken!“

Wenn du mit fertigen Mischfarben mischst, wirst du deshalb oft hässliche Mischfarben erzeugen. Die in den fertigen Farben verborgenen rötlichen Pigmente machen die grünen Farben oft sehr hübsch! Wenn du aber mit ihnen mischst, können sie üble, matschige Mischungen erzeugen. Mal wird es braun, mal grau.

Wie hilfreich der Farbkreis beim Mischen ist!

Wer den Farbkreis nicht kennt, kann keine Grüntöne in aller Vielfalt mischen.

Nun noch ein paar Fragen, die ich häufig höre:

Welche Grüntöne soll ich kaufen? Gar keine!!!

4 Farben helfen dir, die ganze Bandbreite von Grün zu erzeugen!

Bild!

Schau mal in das Bild, dort finden wir alle Grüntöne. Die strahlenden, harmonischen und sehr dunklen im Baum. Die grauen und matschigen im Wasser. Alles, was man braucht, sind diese 4 Grundfarben.

  • Zitronengelb (kalt)
  • Indischgelb (warm)
  • Phthaloblau (kalt)
  • Ultramarin (warm)

Deine Grüntöne werden alles können, von strahlend grell bis gebrochen und herbstlich. Wichtig ist, dass man die Farben untereinander kombiniert.

Schau mal in das Bild, dort finden wir alle Grüntöne. Die strahlenden, harmonischen und sehr dunklen im Baum. Die grauen und matschigen im Wasser. Alles, was man braucht, sind diese 4 Grundfarben.

Nur bei den ganz dunklen Grüntönen reicht dies nicht.

Wie erzeuge ich dunkle Grüntöne?

Schau dir an, wie dunkel die Bäume sind.

Darf ich Schwarz benutzen?

Natürlich darfst du Schwarz benutzen! Dann sieht es halt Scheiße aus!

Fertiges Schwarz ist wieder eine Wundertüte an Pigmenten. Du weißt nicht, was bei den Mischungen herauskommt: dreckiges Grau, schmutziges Braun oder dreckiges Grün?

Fertig gemischtes Schwarz ist wie Heroin vom Dealer an der Ecke – man weiß nie, was drin ist. Gut tut es Bildern jedenfalls nicht!

Schlauer ist es, den Farbkreis zu benutzen!

Zuerst einmal ist es am einfachsten, mehr Blau als Gelb zu benutzen. So wird das gemischte Grün automatisch dunkel.

Doch dies reicht nicht! Das Grün ist nicht dunkel genug!

Jetzt gibt es den Trick mit der Komplementärfarbe. Rötliche Töne lassen die Wellenlängen des Grüns strahlen, weil sie komplementär sind. Andererseits bilden Komplementärfarben starke Dunkelheiten!

Dieser Baum wurde mit Lila und Siena natur dunkler gemischt.

Verstehst du nichts mehr, ist es sinnvoll, den Blog über Komplementärfarben zu lesen!

https://blog.herz-der-kunst.ch/komplementaere-farben-auf-leisen-pfoten/

Also ist der Trick, rötliche Töne zu der Grünmischung zu geben.

Das hat 2 Effekte: Bleiben Spritzer von Rot stehen, leuchtet das Grün schön.

Ohne das Pink würde das Bild langweilig wirken. Gleichzeitig sorgt es beim Mischen dafür, dass das Grün dunkler wird.

 

Verbindet sich der rötliche Ton mit der Mischung, wird die Farbe dunkel!

Die Mischung ist zum Beispiel:

Ultramarin + Gelb = Grün

Ultramarin + gebranntes Siena = Dunkelheit

Ultramarin + Gelb + gebranntes Siena = dunkles Grün

„Der Farbkreis ist wie ein Kompass für alle, die Farben mischen.

Ganz gleich, ob du ein natürliches Grün, ein leuchtendes Orange oder einen stimmungsvollen Schatten suchst: Die Lösung findest du meist nicht in Rezepten, nicht in fertigen Farben, sondern in den Beziehungen der Farben auf dem Farbkreis.“

Farbtheorie hat ein kleines Imageproblem.

Der Name klingt nach Schulunterricht, dicken Büchern und komplizierten Regeln. In Wirklichkeit sitzen wir aber vor bunten Farben, mischen, experimentieren und staunen. Sobald der Farbkreis auf dem Tisch liegt, wird vieles plötzlich logisch. Fast jede Frage zum Mischen lässt sich beantworten. Und ehe du dich versiehst, entwickelst du ein Gespür für Farben. Nicht durch Auswendiglernen, sondern durch Verstehen. Genau deshalb macht Farbtheorie deutlich mehr Spaß, als ihr Ruf vermuten lässt.

Möchtest du lernen, wie das funktioniert – und dabei noch Spaß haben? Dann komm in meinen Kurs! 😊

https://www.buchbeglinger.ch/veranstaltungen/mischen-ist-kein-zufall-wie-funktioniert-farbe

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Die grüne Falle: Warum Bäume malen so schwer ist.

Wie ihr schon mitbekommen habt, war ich im Urlaub, und es gibt nichts Herrlicheres, als die Düfte der Natur tief einzusaugen und ein kleines, einfaches Landschaftsmotiv zu malen.

Ein paar Büsche, einige Bäume, eine Wiese. Nichts Spektakuläres.

Doch nach den ersten Pinselstrichen wurde mir wieder bewusst, warum natürliche Vegetation zu den schwierigsten Motiven überhaupt gehört.

Der Grund ist verblüffend einfach: Alles ist grün.

Unser Gehirn erkennt sofort einen Baum als Baum oder eine Wiese als Wiese. Es sortiert automatisch Formen, Tiefen und Lichtverhältnisse.

Und klar, hier im Grünen zu sitzen ist super und wunderschön!

Sobald wir aber versuchen, das Ganze auf Papier zu bringen, merken wir, dass wir plötzlich vor einer riesigen grünen Masse sitzen.

Und das, was wir auf das Papier bringen, ist nicht mehr so wunderschön.

Und nun wird das vermeintlich einfache Bäume-Malen zum Problem.

Doch das ist nicht nötig. Ein paar einfache Tricks helfen. Was wir tun müssen, ist im Kopf ein wenig zu sortieren, bevor wir mit dem Malen beginnen.

Bäume malen: Grün muss abwechslungsreich sein

Oft versuchen meine Schüler es mit fertig gemischten Grüntönen. Die Farbe ist wunderbar. Und warum klappt es dann nicht?

Na, das Grün ist einfach nur grün!

Der Baum wird langweilig und undefiniert!

Ein Baum besteht nicht aus einem Grün. Er besteht aus Hunderten von Grüntönen. Kühles Grün im Schatten. Warmes Grün im Sonnenlicht. Gelbliche Blätter an den Spitzen.

Was Grün wirklich interessant macht, ist das volle Ausschöpfen des Spektrums zwischen Dunkelblau, fast Violett, über alle Grüntöne bis hin in zartes Gelb.

Dies ist besonders wichtig, wenn wir es mit vielen unterschiedlichen Bäumen und Büschen zu tun haben, denn die Vielfalt der Grüntöne ist unsere stärkste Waffe gegen die Langeweile!

Aber das wichtigste ist:

In der Malerei muss man oft mit der Farbe arbeiten, um Motivanteile sauber voneinander zu trennen. Malt man Grün auf Grün in sehr ähnlichen Grüntönen, wird das Motiv unübersichtlich und langweilig.

Gestaltet man einzelne Motivanteile jedoch farblich anders, trennen sie sich deutlich voneinander und das Bild wird sofort einfacher zu malen.

Nur durch die Vielfalt wird man einem natürlichen Baum gerecht, denn er hat grüne Blattflächen im Licht und Äste im Schatten und dunkle Löcher. Deshalb brauchen wir das volle Programm an Grün-, Blau-, Gelb- und Brauntönen, um der Natur gerecht zu werden.

Das Problem ist, dass unser Verstand ständig vereinfacht.

Er sagt: Bäume malen, das macht man in Grün!

Und da sollen wir mit zwei fertigen Grüntönen auskommen? Pustekuchen!

Deshalb muss der Maler lernen zu sehen, wie er die Kontraste aus dem Grün herauskitzelt.

Oft wird gesagt, dass man einfach nur hingucken muss. Aber das stimmt nicht.

Ein Maler muss immer auf der Jagd sein nach den stärksten Kontrasten! Ein Maler darf die Kontraste zuspitzen!   Was passiert, wenn der Baum plötzlich einen Lichtstrahl bekommt? Dieses kurze Aufglühen macht ein Motiv lebendig!Oft muss man übertreiben, bis es kracht!

Warum?

Besonders im Aquarell wird die Farbe beim Trocknen schwächer!

Wenn du das malst, was du siehst, wird die Farbe trocknen, und du hast in deinem Aquarellbild hinterher einen langweiligen grünen Brei.

Bäume malen gelingt, wenn man sich dies zu Herzen nimmt.

Die hellste Farbe im Baum muss viel gelber sein, als man denkt. Fängt man nun an, Grün zu malen, hat man bereits den ersten Kontrast.

Bäume malen – immer selber mischen!

Dadurch, dass man am besten mit jeweils einem kalten und einem warmen Blau sowie einem kalten und einem warmen Gelb auf dem Blatt mischt, entstehen vielfältige Grüntöne, genau wie in der Natur.

Versuche, in deinem Baum die gesamte Palette von Gelb über Grün bis Blau auszunutzen. Mit diesem Trick erhältst du vielfältige und abwechslungsreiche Grüntöne!

Bäume malen: Der Schatten verblasst

Bäume sind im Gegenlicht oft sehr dunkel. Man hat das Gefühl, sie seien tiefschwarz.

Diese Dunkelheiten erreicht man beim Bäume-Malen nicht, wenn man im normalen Spektrum der Grüntöne bleibt. Selbst ein sehr dunkles Grün wird zu blass, wenn man auf feuchtem Papier oder in feuchter Farbe malt.

Sehr dunkles Grün gelingt nur, wenn man sehr dicke Aquarellfarbe mischt. Denn diese verläuft, wenn sie in die Feuchtigkeit gerät, und verblasst dabei.

Zusätzlich braucht man beim Mischen der Dunkelheiten für Bäume oft Rot.

Ich muss lächeln, denn ich stelle mir die überraschten Gesichter von einigen Lesern vor!

Was hat denn Rot in grünen Bäumen zu suchen?

Nichts ist dunkler als ein Komplementärkontrast, denn dieser wirkt fast schwarz!

Anders als fertig gemischtes Schwarz bringen die Dunkelheiten, die aus Rot und Grün angerührt wurden, den Baum zum Leuchten! Das hat etwas mit den Wellenlängen des Lichts zu tun. Denn Rot macht Grün leuchtender.

Deshalb wirst du in meinen Bäumen immer rotbraune oder lila Reflexe finden.

Denn die rötlichen Dunkelheiten wirken natürlich und haben zwei Kontraste, die den Baum wirken lassen:

Den Hell-Dunkel-Kontrast wie auch den Komplementärkontrast.

Grün auf Grün! Ist nicht die Mutter der Kontraste

Kontraste machen Bilder schön.

Wenn nun ein grüner Baum vor grünem Grund steht, ist dies nicht gerade förderlich für dein Bild.

Besonders schwierig wird es, wenn verschiedene Pflanzenarten nebeneinander stehen. Die Wiese ist grün. Der Strauch ist grün. Der Baum ist grün.

Jetzt muss man dafür sorgen, dass sich die einzelnen Motivanteile voneinander trennen.

Profis achten zuerst auf die Tonwerte – also auf Hell und Dunkel. Der Trick ist einfach, man  malt Hauptmotiv, Nebenmotive und Hintergrund in unterschiedlichen Stufen von Hell und Dunkel, wird das Bild sofort lebendig, mehrdimensional und nicht flach. Die Tiefenwirkung entsteht vor allem durch Kontraste, nicht durch die exakte Farbe.

Tine Klein Blog Herz der Kunst Bäume malen

Das heißt, Vordergrund und Hintergrund müssen passend zum Hauptmotiv aufgehellt oder abgedunkelt werden, sodass sich die Motivanteile trennen. In diesem Bild ist der Hintergrund nun deutlich heller!

 

Versuche, in deinem Baum die gesamte Palette von Gelb über Grün bis Blau auszunutzen. Mit diesem Trick erhältst du vielfältige und abwechslungsreiche Grüntöne!

Deshalb sollte man sich beim Bäume-Malen vor allem auf das Licht konzentrieren und einzelne Motivbestandteile aus dem grünen Dschungel lösen! Wir müssen entscheiden, was uns wichtig ist. Das eine malen wir stärker, das andere drosseln wir ein wenig.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Vegetation so faszinierend ist. Sie zwingt uns dazu, wirklich hinzusehen. Nicht einfach nur Grün zu malen, sondern ein ganzes Orchester aus Hell und Dunkel sowie unzähligen faszinierenden Grüntönen zu erschaffen.

Liebe Grüße

Tine

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Naples , Buff oder Titanium… die Bad Boys im Aquarell

Naples , Buff oder Titanium – die Bad Boys in der Aquarellgeschichte.

Jahrelang waren diese Farben im Aquarell strengstens verboten. Und dahinter steckt eine sehr lange Geschichte.

Dahinter steckt eine Ideologie. Das ist fast wie eine politische Kampagne, bei der man einen bestimmten Lebensstil ausgrenzt. Was du machst, ist anders!

Raus mit dir!!!!

Titanium White (Titanweiß), Naples Yellow (Neapelgelb, meist die moderne Mischung) und Buff Titanium waren lange Zeit bei vielen traditionellen Aquarellisten verpönt, weil sie deckend sind. Das widerspricht dem klassischen Aquarellverständnis, denn Aquarell ist transparent.

Das Weiß kommt vom Papier.
Licht entsteht durch ausgesparte Flächen.
Farben sollen möglichst transparent sein.

Wenn du Weiß brauchst, dann kannst du nix!!!! ?

Und zum Teil sind diese Ansichten einfach eine Modeerscheinung, aber es gibt gute Gründe, warum diese Farben tabu waren!

 

Buff Titanium, Neapelgelb und Titanweiß machen Farben matt.

Eines haben diese Farben gemeinsam: Sie enthalten Titanweiß.

Titanweiß (PW6) ist eines der deckendsten Pigmente überhaupt. Mischt man es mit anderen Farben, werden diese:

  • heller,
    milchiger,
    weniger transparent.

Genau das wollte man im klassischen Aquarell vermeiden.

Neapelgelb hatte ein ähnliches Problem. Das ursprüngliche historische Pigment war sogar hochgiftig und bestand aus Blei-Antimon-Verbindungen. Die heutigen Neapelgelb-Töne sind meist Mischungen aus Titanweiß mit Gelb- und Ockerpigmenten.

Sie enthalten also häufig einen hohen Anteil deckender Pigmente und wirken deshalb eher pastellig.

Buff Titanium wurde noch später eingeführt. Es basiert meist auf Titanpigmenten mit einem warmen Beige-Ton. Auch diese Farbe ist halbdeckend bis deckend und erzeugt sofort sanfte, gedämpfte Mischungen. Viele Puristen empfanden das als „Abkürzung“, weil man damit sehr schnell natürliche Sand-, Stein- oder Hauttöne erzeugen kann.

Die Ächtung dieser Farben hatte gute Gründe!

Kann jemand nicht richtig mischen und hat auch so schon Probleme, schöne, saubere Farben zu erzeugen, und wird bedenkenlos gemischt, dann entstehen nicht nur dreckige Farben, sondern auch noch schlammig-matte Farben.

Schon mal Erbsensuppe wie schon  gegessen!

Warum macht Bad Boys küssen dann so viel Spass?

Interessanterweise hat sich die Sichtweise in den letzten 20 bis 30 Jahren deutlich verändert.

Ich kenne nur noch wenige renommierte Aquarellkünstler, die keine Farben mit Titan verwenden.

Die Effekte, die man dadurch erzeugen kann, machen das Malen vielfältiger und spannender, weil die Farben, vorsichtig eingesetzt, wunderbare Effekte erzeugen.

Heute werden diese Farben ganz bewusst eingesetzt, und sie sorgen für tolle Effekte.

Ich benutze sie oft, um Teile eines Bildes zurückzunehmen. Hier möchte ich, dass das Interesse auf der Klippe, den Bäumen und dem Meer bleibt. Deshalb dämpfe ich die Villa und das Grün drumherum mit ganz wenig Titan. Um genau zu sein: mit Buff Titanium.

Naples , Buff oder Titanium... wie man sie im Aquarell einsetzt.

Wanderweg zwischen Palamos und Sant Feliu de Guixols Tine Klein

Eines ist klar: Buff Titanium, Neapelgelb und Titanweiß sind im Prinzip genau dasselbe, bis auf ein bisschen Färbung!

Titanium ist weiß, Neapelgelb leicht gelblich und Buff gräulich-sandig.

 

 

Titanweiß – der stärkste Stoff!

Im Grunde ist Titanweiß der Grundbaustein.

  • extrem deckend
  • sehr stark aufhellend
  • kühlt Mischungen leicht ab
  • höchste Deckkraft der drei Farben

Buff Titanium – wo setzt man es ein?

Sehr vorsichtig. Titanweiß pur setzt man im Grunde nur als winziges Lichtpünktchen ein. Es wirkt großartig, wenn man es für kleine Lichtreflexe verwendet. Gut geeignet ist es auch für winzige nachträgliche Korrekturen.

Großflächig eingesetzt wirkt es schmierig und hässlich.

Aber auch beim Mischen kommt es gut, wenn man es einfach benutzt, um Farben zu brechen.

Gerade helle Farben werden heute viel mit Titanium gemischt, damit zum Beispiel ein helles Haus nicht durchsichtig aussieht. Die Farben werden dadurch sandig, pastellig und gebrochen.

Zum Beispiel prima, um kaltes Wetter darzustellen.

Oder hier einen Sommerhimmel voller Staub.

Buff titanium:

„Es ist die gräuliche Version von Titanium und eher ein fertiger, warmer Neutralton.“

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Schau dir mal hier die Schatten an. Buff Titanium entsättigt Farben, macht sie schwächer und neutraler. Das ist super bei Schatten. Die Schatten werden weich und unaufdringlich.

Die Farbe kann alle Töne zwischen gräulich und sandig annehmen.

Bei Fassaden, Steinen oder Schatten ist sie wunderbar!

Mischt man jedoch zu viel damit, wird alles matt! Dein Bild wird zum Langweiler.

Neapelgelb – das unaufdringliche Licht!

Neapelgelb ist kein Beige, sondern ein sehr helles, cremiges Gelb.

Man setzt es ein, um sanfte gelbliche Töne zu erzeugen. Während ich Buff Titanium oft einsetze, um Schatten zu erzeugen, setze ich Neapelgelb eher im Licht ein. Es erzeugt gelbliche, gebrochene und sanfte Farben – prima für mediterrane Architektur oder wenn man in der Altstadt malen geht.

Auch zartes Abendlicht kann diese Farbe gut.

Es lässt sich gut mit warmen Farben kombinieren.

Braucht man Buff Titanium, Neapelgelb und Titanweiß?

Als fertige Mischfarben eigentlich nicht nötig, doch beim Malen sind sie eine nette Abkürzung!

Denn wer Titanweiß hat, kann die beiden Farben natürlich in Sekundenschnelle erzeugen.

Trotzdem benutze ich die Farben des Öfteren! Warum?

Weil sie einfach eine schnelle Möglichkeit sind, Farben zu brechen. Bestimmte Stimmungen bekommt man ohne sie einfach nicht hin! Alle Farben, die etwas müde und sandig wirken sollen, gelingen damit besonders gut. Winterlandschaften, Morgen- und Abendlicht oder Altstädte mit schäbigen Fassaden sind die perfekten Einsatzorte für diese Farben.

Doch eine Warnung!

Wer vergisst, was für Farben das sind und wie Titan alle Farben bricht, tut sich keinen Gefallen!

Wer damit großzügig mischt, bekommt keine strahlenden Farben mehr hin!

Tipp:

Titanhaltige Farben haben Vorteile, aber auch Nachteile!

Deshalb ist es sehr wichtig, titanhaltige Farben im Farbkasten zu isolieren! Sie haben eine eigene Ecke, damit man nicht vergisst, was sie machen!

Und übrigens: Viele beliebte Modefarben enthalten Titan. Lavender oder Royalblau. Auch diese gehören in die Titanecke! Denn sie haben die gleichen Nachteile.

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Liebe Grüße

Tine!

Wer geben kann, gibt. Denn nur so bleiben die Dinge erhalten, die einem persönlich am Herzen liegen.


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Leichte und spontane Aquarellskizzen durch Pinseltechnik!

 

Tine Klein Aquarell Isar, München, Leichte und spontane Aquarellskizzen

Aber ganz so ist das nicht.

Es geht nicht ums Pauken, sondern um Fähigkeiten!

Ich will dir mal eine kleine Geschichte aus meinem Leben erzählen. Ich wünschte mir in meinem Garten einen kleinen Brunnen. Deshalb verabredeten mein Liebster und ich uns im Garten, um diesen kleinen Brunnen zu bauen.

Zuerst einmal brauchten wir ein Loch. Mein Liebster machte sich rar.

Wie macht man ein Loch? Mit der Schaufel, oder?

Ich begann mit der Schaufel, gab alles, schwitzte, riss mir die Fingernägel ab und zerrte an meinen Muskeln. Und ich war stinksauer auf den Liebsten!

Ich mühte mich ab und das Loch war mickrig, quasi nicht existent.

Das Gartentor schwang auf, der Liebste grinste wie ein Schelm und hatte eine kleine baggerartige Maschine dabei. Er schaute auf seine dreckige, verschwitzte Frau, strahlte charmant und machte mit einer kleinen Schaufel mehr Loch als ich in den zwei Stunden zuvor. Dabei machte ihm das Baggern so viel Spaß, dass ich ihn davon abhalten musste, den ganzen Garten zu verwüsten.

Merke: Es macht Spaß, wenn man die richtige Technik kennt.

Während sich mein Muskelkater entwickelte, hätte ich ihn erschlagen können, weil dieser Mann so ekelhaft schlau und durchdacht ist.

Was ist nun die Moral von der Geschichte?

Mit der richtigen Technik macht Aquarellieren richtig Spaß.

Im Aquarell hat man das gleiche Phänomen. Dadurch, dass viele Menschen, die Aquarell malen, nur mangelhaft ausgebildet sind,

…werden ganz einfache Dinge brutal schwer.

Sie benutzen die falschen Techniken und Werkzeuge. Dadurch werden viele Dinge so kompliziert, dass sie kaum lösbar erscheinen.

Leichte und spontane Aquarellskizzen – Hier ein Beispiel:

Heute zeige ich euch diese kurze Skizze, die ich einmal in 20 Minuten auf der Straße gemacht habe. Sie zeigt prima, warum falsches Werkzeug und mangelhaftes Wissen das Aquarellmalen unnötig kompliziert machen.

Leichte und spontane Aquarellskizzen entstehen durch die richtige Wahl des Pinsels.

Das ganze Bild wird mit der goldenen Farbe der Abendstimmung überzogen. Das dauert vielleicht eine Minute. Gewusst wie: Man benutzt einen sehr dicken Naturhaarpinsel. Ist die Lasur feucht und arbeitet man schnell, dann wird es perfekt.

Zu oft sehe ich aber, dass Lasuren mit kleinen Synthetikpinseln angelegt werden. Das dauert lange, ist mühsam

…und das Ergebnis sieht aus wie bei einem Kind, das zum ersten Mal allein Spaghetti gegessen hat.

Die Lasur hat unglaublich viele Flecken. Sehr frustrierend.

Der große Pinsel hingegen macht die Arbeit leicht und schnell.

Leichte und spontane Aquarellskizzen entstehen mit der richtigen Pinseltechnik.

Pinseltechnik ist kein Zauberwerk. Oft ist sie einfach und unkompliziert. Das Wasser in dieser Skizze zu malen, kostet mich vielleicht zehn Sekunden.

Warum ist das so schnell?

Die meisten Menschen denken, die richtige Art, mit einem Pinsel zu malen, sei die Spitze. Diese Technik ist auch sehr gut.

Nur gibt es für manche Motive effektivere Techniken.

Hier geht es vielen Malern so wie mir damals im Garten mit der Schaufel. Es funktioniert, aber es ist mühsam.

Wenn ich nun das Wasser male, male ich dann Welle für Welle oder jede einzelne Lichtreflexion? Nein.

Ich wechsle die Pinseltechnik zum trockenen Strich. Dafür schlage ich den Pinsel in der Luft aus, bis das Wasser herausfliegt. Im Atelier trockne ich ihn mit einem Handtuch. Dann nehme ich trockene Farbe direkt aus meinem Kasten.

Der Wassertopf wird dabei nicht benutzt.

Anschließend ziehe ich den Pinsel mit hoher Geschwindigkeit über das Papier. Aber ganz wichtig: Der Pinsel wird auf der Seite benutzt.

Plötzlich sieht das Malen des Wassers aus, als würde gezaubert.

Wenn die Handgriffe der Pinseltechnik sitzen, passiert das Ganze in wenigen Sekunden. Oft muss ich dies bei Demonstrationen mehrfach zeigen,

…weil der Prozess so schnell und einfach ist, dass die Menschen ihn beim ersten Mal gar nicht richtig wahrnehmen.

Mehr Beispiele für Vereinfachung!

In diesem Bild gibt es noch zwei weitere Beispiele, bei denen die richtige Pinseltechnik das Leben enorm erleichtert.

Leichte und spontane Aquarellskizzen entstehen nicht durch viel Arbeit, sondern durch Gewusst-wie.

Die Bäume sind normalerweise schwer zu malen. Schiebt man jedoch einen trockenen Pinsel rückwärts gegen seine übliche Malrichtung, die Bäume entstehen sie fast von selbst.

Aufgepasst! Merkst du etwas?

Auch hier wird nicht die schöne Spitze des Pinsels  zum Aquarellieren benutzt!

Feine Linien sind schwer?

Feine Linien und Masten sind oft ein Angstthema für Aquarellisten. Der Grund ist, dass man sie häufig mit feinen Pinselspitzen malen möchte. Und wieder ist die Lösung anders, als man denkt.

Oft lassen sich feine Linien durch Stempeln leichter erzeugen.

Was heißt das denn jetzt schon wieder?

Hier benutzt man die Seite des Pinsels. Der Pinsel wird nur kurz mit seiner Seite auf das Papier getippt. So entsteht eine viel feinere Linie, als wenn man sie malt.

Welches Werkzeug eignet sich dafür? Die Kante einer Kreditkarte oder ein Liner.

Der Liner sollte lang sein. Gut geeignet sind synthetische Haare. Warum? Weil sie nicht so viel Wasser aufnehmen und dadurch die Striche dünn bleiben.

Dünne Linien lösen bei vielen Menschen beim Malen regelrecht Schweißausbrüche, Angst und Panik aus!

Schau dir einmal die Stromkabel im Bild an.

Darf man wenigstens davor ein bisschen Angst haben?

Vollkommen unnötig!

Denn es gibt wieder einen kleinen Trick, der dir leichte und spontane Aquarellskizzen ermöglicht, auch wenn du feine Linien ziehen musst.

Du nimmst deinen Liner. Die Farbe darin darf weder zu nass noch ganz trocken sein. Vorher auf einem Blatt Papier testen!

Nun ziehst du den feinen Pinsel hinter deiner Hand her, so wie du eine Kiste ziehst, die zu schwer für dich ist. Die Hand macht die Bewegung zuerst und der Pinsel wird nachgeschleppt.

Die Folge: zarte Linien in Sekundenschnelle!

Liebe Leser, ihr seht also: Aquarell ist nicht schwer! Was uns das Leben schwer macht, ist meist nur mangelndes Know-how.

Was hast du davon?

Einerseits kannst du mit diesen Techniken überall schnell und sicher etwas festhalten. Aber selbst wenn das gar nicht dein Ziel ist, sind sie wichtig.

Denn sie helfen dir dabei, beim Malen eine wunderbare Leichtigkeit zu entwickeln.

Du kannst das!

Und wenn es noch nicht klappt, dann informiere dich, übe weiter oder komm zu mir in einen Kurs.

Liebe Grüße

Tine

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