In eigener Sache!
Viele Schüler haben den Wunsch geäußert, dass ein Kurs zum Thema Mischen angeboten wird. Kein Wunder – das Mischen von Farben sorgt beim Malen immer wieder für Unsicherheit. Welche Farben passen zusammen? Warum wird die Mischung stumpf? Wie entstehen leuchtende oder natürliche Farbtöne?
Dabei muss das gar nicht kompliziert sein. Wer die Grundlagen versteht, mischt sicherer, gezielter und mit deutlich mehr Freude. Genau darum wird es in diesem Kurs gehen.
https://www.buchbeglinger.ch/veranstaltungen/mischen-ist-kein-zufall-wie-funktioniert-farbe

Es ist heiß! Ich sitze im Schatten, die Tropfen meines Schweißes kullern meinen Körper hinunter und verbinden sich mit dem Genfersee. Der See ist spiegelblank. So ruhig und so heiß, aber die Spiegelungen liegen geschmolzen und still auf dem Wasser.
Gemächlich beginne ich, unzählige Grüntöne zu mischen – von strahlendem Gelbgrün bis zu schlammigem Seegrün …
Grün mischen lernen
Eigentlich hätte ich diesen Artikel gern „Grün mischen lernen mit dem Farbkreis“ genannt, doch bei dem Wort Farbkreis erleiden viele schon vorsorglich den nahen Hirntod. 😉
In jedem Kurs, egal zu welchem Thema, bekomme ich immer wieder Fragen zum Mischen!
- Warum entsteht nicht die Farbe, die ich erwartet habe?
- Warum werden meine Farben schmutzig?
- Welche Farben soll ich wählen?
Diese Fragen zeigen, wie groß die Unsicherheit beim Mischen ist.
Insgesamt sind es etwa 10–15 Fragen, die mir ständig gestellt werden.
Alle beruhen auf Farbtheorie und wirken zunächst kompliziert.
Doch sie sind wie ein Riese, der zu einem Zwerglein schrumpft, wenn man ihm näherkommt.
Kommt man meinen Schülern mit Farbtheorie, fallen viele schon vorausschauend ins Koma!
Dabei ist das totaler Nonsens, denn Wissen macht frei und entspannt.
Viele lernen das Mischen nicht treffsicher, weil sie die Feinheiten des Farbkreises nicht kennen.
Muss ich Farbtheorie wirklich lernen? Die Antwort lautet: Ja!
Die gute Nachricht: Es ist viel einfacher, als die meisten denken.
In vielen Büchern wird Farbtheorie trocken und ohne praktischen Nutzen vermittelt. Dabei ist sie überraschend einfach, wenn man den richtigen Einstieg findet.
Das Ziel ist, völlig frei und sicher mischen zu können.
Doch bevor das gelingt, muss das Wissen erst einmal in den Kopf hinein.
Schauen wir uns das heute einmal am Beispiel von Grün an!
Grün mischen!
Ich beantworte hier mal ein paar Fragen zum Grün mischen.
Warum sieht mein Grün künstlich aus?
Die wohl häufigste Frage überhaupt. Viele mischen ein kräftiges Gelb mit einem kräftigen Blau und erhalten ein leuchtendes, fast neonartiges Grün.
Das erinnert eher an Plastikspielzeug als an etwas Natürliches.
Hier hilft die Farbtheorie:
Kalte Farbtöne, das sind die Gelbtöne und Blautöne, die auf dem Farbrad dem Grün am nächsten liegen, mischen strahlendes, manchmal fast chemisches Grün!
Zum Beispiel Phthaloblau und Zitronengelb. Warum?

Die ganze Farbtheorie ist einfach: Je näher eine Farbe im Farbrad an der zu mischenden Farbe liegt, desto klarer das Ergebnis.
Nah im Farbkreis heißt leuchtend!

Sieh mal hier: ein zitronengelbes Grün oben im Baum.
Wie macht man natürliche Grüntöne?
Möchte man natürlichere Grüntöne, hilft wieder ein Blick in den Farbkreis.
Mischt man jeweils eine kalte und eine warme Grundfarbe, dann wird Grün harmonisch.
Ultramarin und Zitronengelb bilden ein natürliches sommerliches Grün. Warum?
Das Zitronengelb (kalt) ist ganz nah am Grün. Das warme Blau Ultramarin (warm) ist weiter weg vom Grün. Dadurch bricht das Grün und ist nicht mehr grell.

Merkst du etwas? Wenn du die Finger wieder auf den Farbkreis legst: Ein Finger ist nah am Grün, einer weiter weg.
Wir haben hier also in Bezug auf Grün eine nahe und eine fernere Farbe! Das heißt, das Grün ist nicht mehr so intensiv, es ist harmonisch.
Merke: Je weiter eine Grundfarbe von der Mischfarbe weg ist, desto gebrochener das Ergebnis!
Die wärmeren Grundfarben warmes Gelb und warmes Blau sind weiter weg vom Grün.

Phthaloblau (kalt) und Hansa-Gelb (warm) oder Indischgelb (warm) bilden ebenfalls ein schönes natürliches Grün. (siehe im Bild)
Warum werden meine Grüntöne grau oder matschig?
Ultramarin (warm) liegt dem Grün relativ fern, denn es liegt nahe am Violett.
Viele meiner Schüler mischen ihre Grüntöne mit dem schönen Ultramarin (warm), doch dieses kann nur gedämpfte Grüntöne erzeugen.
Das Gleiche gilt für das warme, fast orange Hansa-Gelb oder Indischgelb.
Sie sind weiter weg vom Grün und erzeugen daher gedämpfte Grüntöne. Z.B. Olivgrün

Legst du deine Finger auf den Farbkreis, dann siehst du:
Warmes Blau und warmes Gelb sind sehr weit weg vom Grün.
Weit weg von der Mischfarbe bedeutet: keine Strahlkraft, sehr gedämpft.
Trifft beim Mischen warm auf warm, wird dein Grün müde, herbstlich oder oliv! Je nachdem, wie warm dein Blau und dein Gelb waren, können deine Farben nun ins Olive oder gar Matschige kippen.
Oft werden gekaufte Grüntöne verwendet. Diese Grüntöne sehen ungemischt wunderbar aus. Doch beim Mischen werden sie zur Gefahr.
Alle zu warmen Töne machen Grün matschig, herbstlich und verfallen.
Grün + Rot = Braun oder Grau.
Möchte man ein Grün natürlich wirken lassen, dann gibt man ihm kleine Spuren von rötlichen und Naturpigmenten, und so arbeiten auch die Farbhersteller.
Die korrekte Schreibweise lautet:
Rötliche Töne sehen in Bäumen gut und natürlich aus. Schau in den Baum.

Zuviel Rot macht es aber dunkel oder schlammig!

„Aber Vorsicht: Zu viel Rot lässt die Mischung schnell dunkel und schlammig wirken!“
Wenn du mit fertigen Mischfarben mischst, wirst du deshalb oft hässliche Mischfarben erzeugen. Die in den fertigen Farben verborgenen rötlichen Pigmente machen die grünen Farben oft sehr hübsch! Wenn du aber mit ihnen mischst, können sie üble, matschige Mischungen erzeugen. Mal wird es braun, mal grau.
Wie hilfreich der Farbkreis beim Mischen ist!
Wer den Farbkreis nicht kennt, kann keine Grüntöne in aller Vielfalt mischen.
Nun noch ein paar Fragen, die ich häufig höre:
Welche Grüntöne soll ich kaufen? Gar keine!!!
4 Farben helfen dir, die ganze Bandbreite von Grün zu erzeugen!
Bild!
Schau mal in das Bild, dort finden wir alle Grüntöne. Die strahlenden, harmonischen und sehr dunklen im Baum. Die grauen und matschigen im Wasser. Alles, was man braucht, sind diese 4 Grundfarben.
- Zitronengelb (kalt)
- Indischgelb (warm)
- Phthaloblau (kalt)
- Ultramarin (warm)
Deine Grüntöne werden alles können, von strahlend grell bis gebrochen und herbstlich. Wichtig ist, dass man die Farben untereinander kombiniert.
Schau mal in das Bild, dort finden wir alle Grüntöne. Die strahlenden, harmonischen und sehr dunklen im Baum. Die grauen und matschigen im Wasser. Alles, was man braucht, sind diese 4 Grundfarben.
Nur bei den ganz dunklen Grüntönen reicht dies nicht.
Wie erzeuge ich dunkle Grüntöne?

Schau dir an, wie dunkel die Bäume sind.
Darf ich Schwarz benutzen?
Natürlich darfst du Schwarz benutzen! Dann sieht es halt Scheiße aus!
Fertiges Schwarz ist wieder eine Wundertüte an Pigmenten. Du weißt nicht, was bei den Mischungen herauskommt: dreckiges Grau, schmutziges Braun oder dreckiges Grün?
Fertig gemischtes Schwarz ist wie Heroin vom Dealer an der Ecke – man weiß nie, was drin ist. Gut tut es Bildern jedenfalls nicht!
Schlauer ist es, den Farbkreis zu benutzen!
Zuerst einmal ist es am einfachsten, mehr Blau als Gelb zu benutzen. So wird das gemischte Grün automatisch dunkel.
Doch dies reicht nicht! Das Grün ist nicht dunkel genug!
Jetzt gibt es den Trick mit der Komplementärfarbe. Rötliche Töne lassen die Wellenlängen des Grüns strahlen, weil sie komplementär sind. Andererseits bilden Komplementärfarben starke Dunkelheiten!

Dieser Baum wurde mit Lila und Siena natur dunkler gemischt.
Verstehst du nichts mehr, ist es sinnvoll, den Blog über Komplementärfarben zu lesen!
https://blog.herz-der-kunst.ch/komplementaere-farben-auf-leisen-pfoten/
Also ist der Trick, rötliche Töne zu der Grünmischung zu geben.
Das hat 2 Effekte: Bleiben Spritzer von Rot stehen, leuchtet das Grün schön.
Ohne das Pink würde das Bild langweilig wirken. Gleichzeitig sorgt es beim Mischen dafür, dass das Grün dunkler wird.

Verbindet sich der rötliche Ton mit der Mischung, wird die Farbe dunkel!

Die Mischung ist zum Beispiel:
Ultramarin + Gelb = Grün
Ultramarin + gebranntes Siena = Dunkelheit
Ultramarin + Gelb + gebranntes Siena = dunkles Grün
„Der Farbkreis ist wie ein Kompass für alle, die Farben mischen.
Ganz gleich, ob du ein natürliches Grün, ein leuchtendes Orange oder einen stimmungsvollen Schatten suchst: Die Lösung findest du meist nicht in Rezepten, nicht in fertigen Farben, sondern in den Beziehungen der Farben auf dem Farbkreis.“
Farbtheorie hat ein kleines Imageproblem.
Der Name klingt nach Schulunterricht, dicken Büchern und komplizierten Regeln. In Wirklichkeit sitzen wir aber vor bunten Farben, mischen, experimentieren und staunen. Sobald der Farbkreis auf dem Tisch liegt, wird vieles plötzlich logisch. Fast jede Frage zum Mischen lässt sich beantworten. Und ehe du dich versiehst, entwickelst du ein Gespür für Farben. Nicht durch Auswendiglernen, sondern durch Verstehen. Genau deshalb macht Farbtheorie deutlich mehr Spaß, als ihr Ruf vermuten lässt.
Möchtest du lernen, wie das funktioniert – und dabei noch Spaß haben? Dann komm in meinen Kurs! 😊
https://www.buchbeglinger.ch/veranstaltungen/mischen-ist-kein-zufall-wie-funktioniert-farbe
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