Farbharmonie – Analoge Farbpalette

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Heute möchte ich über das Malen mit einer erweiterten analogen Farbpalette schreiben.

Klingt erst einmal ein bisschen nach Farbtheorie – ist aber eigentlich ganz einfach.

Und beim Malen ausgesprochen praktisch.

Was ist überhaupt eine analoge Farbharmonie?

 

Eine analoge Farbpalette bewegt sich nur auf einer Seite des Farbkreises. Du benutzt also Farben, die dort mehr oder weniger nebeneinanderliegen, zum Beispiel:

 Gelb-Grün -Blau.

Das Schöne daran:

Diese Farben verstehen sich untereinander sehr gut.

Denn sie sind durch das Mischen miteinander verwandt. Das Bild wirkt angenehm, ruhig und wie aus einem Guss. Schrille Gegensätze und starke Komplementärkontraste fehlen. Ein kräftiges Blau, das einem Orange ordentlich Konkurrenz macht, kommt beispielsweise gar nicht erst ins Spiel.

Das bedeutet natürlich nicht, dass solche Bilder langweilig sein müssen. Ganz im Gegenteil. Die Farbwirkung kann ausgesprochen reich und lebendig sein – nur eben harmonischer und geschlossener.

Und beim Malen hat das enorme Vorteile. Man muss nicht ständig aufpassen, ob sich die Farben gegenseitig beißen. Vieles darf ineinanderlaufen, sich auf dem Blatt mischen und ganz selbstverständlich miteinander verbinden. Hier sieht man das in Gelb-Orange-Rot

Doch nur Gelb, Orange und Rot?

Der Vorteil ist, dass die Farben ohne Störung stark wirken. Doch wenn man mit solchen nah verwandten Farbpaletten malt, kann einiges schiefgehen:

Denn fehlen die Kontraste, wird es langweilig!

Und genau deshalb wird es interessant: Wir erweitern die analoge Farbpalette um gebrochene Farben, Grau, Braun und Violett.

Damit bekommen wir plötzlich Dunkelheiten, Schatten und wunderbar zurückhaltende Zwischentöne – ohne die gemeinsame Farbstimmung des Bildes zu zerstören.

Und genau darum geht es heute.

Farbharmonie braucht Kontraste!

Die Falle für analoge Farbharmonien liegt in ihrer Kontrastarmut, denn alle Farben sind miteinander verwandt. Genau das macht sie so schön harmonisch – und kann gleichzeitig zum Problem werden.

Denn ein Bild braucht Kontraste!

Fehlen sie, wird aus harmonisch ganz schnell langweilig. Die Farben liegen zu nah beieinander, Flächen beginnen miteinander zu verschwimmen und dem Auge fehlt etwas, woran es hängen bleiben kann. Das Bild ist zwar schön einheitlich, aber es passiert einfach zu wenig.

Auch hier sieht man: Die Kontraste machen es! Durch die Komplementärfarbe Lila wirkt das Ganze viel intensiver.

Bei einer analogen Farbpalette, also wenn ein solcher Farbkontrast fehlt, ist es umso wichtiger, andere Kontraste gezielt einzusetzen.

…der Hell-Dunkel-Kontrast besonders wichtig.

Wenn starke Farbkontraste fehlen, müssen Licht und Dunkelheit die Arbeit übernehmen. Ein tiefdunkler Schatten neben einer hellen, leuchtenden Fläche bringt sofort Spannung ins Bild.

Doch es gibt noch andere Möglichkeiten. Leuchtende Farben können neben gebrochenen Farben stehen, warme neben kühleren, kräftige neben grauen oder braunen Tönen. Auch harte und weiche Kanten schaffen Kontraste.

Das Wichtigste ist: Harmonie bedeutet nicht, dass alles ähnlich aussehen muss. Ein gutes Bild braucht Gegensätze. Gerade bei einer analogen Farbpalette muss man sie ganz bewusst erzeugen.

Und hier kommt die erweiterte analoge Farbpalette ins Spiel.

Farbharmonie: Welche Farben wurden benutzt?

  • Indischgelb
  • Zitronengelb
  • Permanent Rose
  • Alizarin Crimson

Und nun kommt die erweiterte Farbpalette ins Spiel:

  • Ultramarinblau

Farbharmonie die Erweiterung durch Kontrast:

Aus den gelben und roten Farbtönen lassen sich zauberhafte Farbverläufe zwischen Gelb, Orange und Rot erzeugen.

Diese Farben eignen sich besonders gut für eine analoge Farbpalette, denn Rot ist an sich schon aufregend und bringt ordentlich Spannung ins Bild.

Aber warum wurde dieser Farbpalette nun Ultramarin hinzugefügt ?

– also ausgerechnet eine Farbe von der anderen Seite des Farbkreises? Und warum sieht man das Blau im fertigen Bild eigentlich gar nicht?

Genau hier kommt die erweiterte analoge Farbpalette ins Spiel.

Das Ultramarin ist nicht dazu da, als Blau sichtbar zu werden. Es wird benutzt, um die vorhandenen Farben zu verändern.

Besonders wichtig ist die Dunkelheit!

Denn mit Gelb und Rot allein lässt sich keine richtige Dunkelheit mischen.

Mehr Farben verderben den Effekt. In diesem Bild sind exakt die gleichen Farben unterwegs. Doch es wirkt viel unruhiger, weil die analoge Farbharmonie nicht mehr im Vordergrund steht. Die Farben werden nicht mehr wie durch einen Leitfaden miteinander verbunden.

Gebrochene Töne:

Ein weiterer Punkt sind die gebrochenen Töne. Erst im Zusammenspiel mit gebrochenen Farben werden strahlende Farben als besonders aufregend wahrgenommen. Wir kennen diesen Kontrast in vielfältiger Form:

Denn die Schöne wirkt neben dem Biest erst so richtig schön!

Im Grunde arbeiten wir ein bisschen wie Hollywood.

Wir werfen dem Auge eine gebrochene Farbe hin, damit es die strahlenden Farben als besonders schön empfindet.

Wir brechen also Gelb, Rot und Orange zu neutralen Tönen wie Grau, Braun und Grauviolett, damit der Rest so richtig schön strahlen kann.

Dabei zerstören wir die Farbharmonie aus Gelb, Rot und Orange nicht. Wir machen sie interessanter – durch den Kontrast zwischen strahlend und gebrochen.

Kultur lebt nicht von Klicks. Sie lebt von Menschen, die sie unterstützen.

Liebe Grüße Tine


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Weiterlesen bei Tine – ein ganz alter Blog, trotzdem hilfreich:

https://blog.herz-der-kunst.ch/farbharmonie/

Mischen auf dem Blatt – wenn der Zufall mitmalt

Schluss mit Zufall beim Mischen! 🎨
Noch 2 Plätze frei in Zürich. Lerne, warum Farben funktionieren – oder eben nicht. Dieses Wissen begleitet dich bei jedem Bild.

Aktuelle Kurse mit Tine Klein

 

Tine Klein Scheune Baselland – mit dem Velo entdeckt.

Ich mag Victoria Prishedko sehr. Sie ist die Königin der fließenden Farben und der Mischungen auf dem Blatt.

Viktoria Prischedko sagt: „Wenn eine Mischung auf der Palette nicht sofort klappt und du zu lange rühren musst, dann wirf sie weg!“

Das ist natürlich krass! Und vermutlich ist es auch ein bisschen überspitzt.

Aber hinter diesem Satz steckt eine wichtige Beobachtung. Einerseits liegt das Problem sicher an zu vielen Pigmenten. Je mehr unterschiedliche Pigmente wir miteinander vermischen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich gegenseitig neutralisieren.

Die Mischung verliert ihre Leuchtkraft und wird stumpf.

Andererseits könnte Prischedkos Meinung noch einen ganz anderen Grund haben: Gut verrührte Farbmischungen sind absolut homogen.

Das heißt, sie sind perfekt – vielleicht sogar zu perfekt.

Ein Blaugrün, das auf der Palette gründlich verrührt wurde, ist überall dasselbe Blaugrün. Auf dem Papier passiert nichts mehr. Die Farbe ist fertig.

Doch gerade diese Gleichförmigkeit kann einem Aquarell Lebendigkeit nehmen.

Denn eine unfertige Mischung wäre Blau, Gelb und Grün. Das ist einfach viel mehr.

Warum liebt unser Auge Abwechslung?

Unser Auge ist neugierig.

Gleichförmige Flächen erfassen wir erstaunlich schnell – und dann verlieren wir das Interesse. Kleine Veränderungen dagegen halten unsere Wahrnehmung wach. Ein Grün, das an einer Stelle etwas gelblicher und warm, an einer anderen etwas blauer und kühl ist, bietet dem Auge ständig neue kleine Reize.

Besonders reizvoll ist der Wechsel zwischen warm und kalt.

Schau dir einmal an, was ich meine. In meinem Bild sind die Bäume im Hintergrund in einer blassen, türkisen Farbe gemalt. Dennoch trennt sich die Farbe: An einigen Stellen erscheint ein warmes Gelb, während der Löwenanteil Türkis ist.

Das Interessante dabei:

Wir brauchen dafür gar keine großen Farbunterschiede.

Schon kleine Schwankungen innerhalb einer Farbfamilie lassen eine Fläche lebendig erscheinen. Genau deshalb wirken manche Aquarelle so wunderbar selbstverständlich und andere trotz technisch perfekter Ausführung ein wenig steril.

Nach der Arbeit: Murten Ch im Abendlicht

Schau mal, wie hier die Gelb- und Rosatöne in den Hauswänden wechseln.

 

Palette oder Papier – wo soll die Mischung entstehen?

Beides hat seine Berechtigung.

Das Mischen auf der Palette gibt Sicherheit. Ich kann meine Wunschfarbe kontrollieren, ihre Helligkeit prüfen und größere Mengen eines bestimmten Farbtons vorbereiten. Das ist besonders hilfreich, wenn ich eine ruhige, zusammenhängende Fläche brauche. Ein Himmel, eine große Schattenfläche oder eine Lasur profitieren häufig davon.

Wer Probleme hat, schnell zu arbeiten, und wem die Farbe zu schnell wegtrocknet, der sollte auf jeden Fall einige Farben auf der Palette mischen. Denn das verschafft einem enorm viel zusätzliche Zeit, weil man nicht jedes Mal während des Malens neu mischen muss.

Ein gestresster Maler ist schließlich kein guter Maler.

 

Der Nachteil: Je länger ich rühre, desto gleichförmiger wird die Mischung. Außerdem steigt bei komplizierten Mischungen die Gefahr, dass immer mehr Pigmente zusammenkommen und die Farbe stumpf wird.

Beim Mischen auf dem Blatt passiert etwas völlig anderes.

Hier setze ich beispielsweise zuerst Gelb und lasse Blau hineinlaufen. Beide Farben vermischen sich – aber eben nicht überall gleich. An einer Stelle bleibt mehr Gelb stehen, an einer anderen entsteht Grün, daneben schimmert vielleicht noch reines Blau.

Das Ergebnis ist weniger kontrollierbar, dafür wesentlich lebendiger.

Die Palette schenkt uns Kontrolle. Das Papier schenkt uns Variation.

Und ein gutes Aquarell braucht meistens beides.

Die glücklichen Unfälle

Ich liebe diese kleinen „Unfälle“ beim Aquarellieren. Eine Farbe läuft ein paar Millimeter weiter als geplant. Zwei Pigmente treffen sich und bilden plötzlich einen wunderschönen Rand. Ein Blau schiebt sich ins Braun und erzeugt genau dort ein kühles Grau, wo ich es niemals bewusst hingemischt hätte.

Das sind keine Fehler. Das sind Angebote.

Es regnet in Girona: Aquarell Tine Klein

Natürlich geht dabei gelegentlich etwas schief. Aber genau darin steckt ein Teil der Kreativität des Aquarells. Wenn wir jede Mischung vorher auf der Palette vollständig kontrollieren, bekommen wir vor allem das, was wir bereits kennen. Beim Mischen auf dem Papier kann dagegen etwas entstehen, auf das wir selbst nicht gekommen wären.

Der Zufall wird zum Mitarbeiter.

Man muss ihm allerdings erlauben mitzuarbeiten – und gleichzeitig wissen, wann man ihn wieder stoppen sollte.

Was muss man beim Mischen auf dem Blatt beachten?

Die wichtigste Regel lautet: Wasser entscheidet darüber, wie stark sich Farben miteinander vermischen.

Treffen zwei sehr nasse Farben aufeinander, vermischen sie sich kräftig. Liegt eine Farbe bereits etwas ruhiger auf dem Papier und kommt eine zweite, konzentriertere Farbe hinzu, bleibt diese stärker an ihrem Platz.

Deshalb ist das Mischen auf dem Blatt keine vollkommen unkontrollierte Technik.

Im Gegenteil: Mit zunehmender Erfahrung steuern wir über Feuchtigkeit, Pigmentmenge und Timing, wie viel Zufall wir zulassen.

Mein Tipp: Benutze immer das gleiche Papier, denn wer mit feuchten Techniken arbeitet, braucht ein gutes Timing. Das Papier ist dabei von entscheidender Bedeutung.

Früher hieß es immer, man brauche unbedingt Baumwollpapier. Aber es gibt auch gute heißgepresste Papiere, auf denen diese Technik tadellos funktioniert. Wichtig ist, dass du nicht zu dünnem oder ganz billigem Papier greifst. Denn hier kann ich dir garantieren, dass die Technik nicht funktioniert:

Das Papier wellt sich brutal, und damit wird die Feuchtigkeit unkontrollierbar.

Von hell nach dunkel – und vom Nassen zum Trockeneren

Beim klassischen Aquarell arbeiten wir häufig von hell nach dunkel. In den ersten hellen Lasuren dürfen Farben großzügig ineinanderlaufen – vorausgesetzt, diese Mischung ist erwünscht.

Diese Technik siehst du bei den Bäumen im Hintergrund und bei dem großen Baum rechts. Die Farben dürfen hier einfach ineinanderfließen. Man setzt immer dunklere Farben in die feuchten, helleren Farben.

 

Doch was passiert, wenn ich nur noch wenig Mischung möchte?

Dann muss sich die Arbeitsweise verändern.

Je dunkler wir werden, desto trockener sollte der Pinsel im Verhältnis zum Papier werden.

Gleichzeitig brauchen wir mehr Pigment. Der Pinsel wird also nicht mit dünner, wässriger Farbe gefüllt, sondern mit einer konzentrierten, pigmentreichen Mischung.

Auch diese Technik siehst du im Baum rechts. Die dunkle Farbe fließt sehr sämig in die hellere Farbe. Sie muss dabei richtig mit Pigmenten gesättigt sein, denn sonst entsteht in der Feuchtigkeit keine ausreichende Dunkelheit.

Das ist entscheidend beim Mischen auf dem Blatt:

Setzen wir eine sehr wässrige dunkle Farbe in eine feuchte Fläche, breitet sie sich unkontrolliert aus.

Die Dunkelheit verliert ihre Kraft und überschwemmt womöglich genau die schönen Farbunterschiede, die wir vorher geschaffen haben.

Mit zunehmender Dunkelheit heißt es deshalb: weniger Wasser, mehr Pigment und genaueres Timing.

So entsteht ein wunderbares Wechselspiel. Am Anfang dürfen die hellen Farben miteinander tanzen. Später setzen die dunkleren Töne Grenzen, Akzente und Struktur.

Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit: Eine Dunkelheit wird von einer hellen, leuchtenden Farbe überschwemmt, dabei wird die dunklere Farbe leicht angelöst. Der Effekt ist wunderbar. Das siehst du sehr schön in der großen gelben Fläche. Die helle, leuchtende Farbe fließt über die bereits gemalte Dunkelheit und löst sie dabei leicht an. So entstehen ganz von selbst weiche, unregelmäßige Schatten.

Tine Klein Aquarell Baselland. Tutorial Aquarell, Mischen auf dem Blatt

Und vielleicht ist genau das der eigentliche Reiz des Mischens auf dem Blatt: Wir bestimmen die Farben – aber wir schreiben ihnen nicht jeden Schritt vor.

Ein bisschen Freiheit sollte man dem Aquarell schon lassen.

Liebe Grüße Tine

Du spendest nicht für mich. Du förderst deine eigene Kultur.
Kultur braucht Budget – und wir sind dringend auf dich angewiesen.


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Die Sprühflasche im Aquarell – unverzichtbar!

Die Sprühflasche im Aquarell – klein, günstig und erstaunlich wichtig

Tutorial Tine Klein Sprühflasche im Aquarell

ei uns reißt das Thermometer inzwischen regelmäßig die 40-Grad-Marke. Für Aquarellmaler bedeutet das: Das Papier trocknet oft schneller, als man den Pinsel zur Hand nehmen kann. Gerade die Nass-in-Nass-Technik wird dadurch zu einer echten Herausforderung. Was im Frühjahr noch entspannt funktioniert hat, verlangt im Hochsommer plötzlich deutlich mehr Tempo.

Zum Glück gibt es ein Hilfsmittel, das kaum Platz in der Malkiste braucht und trotzdem einen enormen Unterschied macht: die Sprühflasche.

Sie kostet fast nichts, verlängert das ideale Feuchtigkeitsfenster und sorgt dafür, dass man auch an heißen Tagen ruhig und kontrolliert arbeiten kann. Für mich gehört sie deshalb inzwischen genauso selbstverständlich zur Grundausstattung wie Pinsel und Farben.

Statt gegen die Hitze anzumalen, lässt sich die Feuchtigkeit des Papiers gezielt steuern. Das macht das Malen nicht nur einfacher, sondern oft auch deutlich entspannter.

 

Warum überhaupt eine Sprühflasche?

Viele glauben, eine Nass-in-Nass-Technik bedeute einfach nur: möglichst viel Wasser. Das Gegenteil ist der Fall.

Entscheidend ist eine gleichmäßig feuchte Oberfläche.

Genau dabei hilft die Sprühflasche.

Mit einem feinen Sprühnebel lässt sich eine Lasur länger im idealen Feuchtigkeitsbereich halten. Man gewinnt Zeit, kann ruhiger arbeiten und muss nicht ständig neues Wasser mit dem Pinsel auftragen. Gerade große Himmel, Wasserflächen oder weiche Landschaften gelingen dadurch wesentlich entspannter.

Ein weiterer Vorteil: Das Papier trocknet gleichmäßiger.

Das Geheimnis eines gelungenen Aquarells ist oft erstaunlich unspektakulär:

ausreichend Wasser.

Nur wenn genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, können sich die Pigmente gleichmäßig verteilen. Fehlt Wasser, wird das Aquarell schnell strichig, schmierig und verliert seine Leichtigkeit.

Die Sprühflasche ist im Aquarell unverzichtbar. Sie hält Papier und Farben feucht und macht das Malen deutlich entspannter.

Text zum Bild: Die Woche war es im Gellertpark  (Basel) ganz schön heiß – und trotzdem wunderschön. ☀️ Ich saß im strohtrockenen Gras und war fasziniert vom Kontrast zwischen dem verbrannten Gelb der Wiese, den violetten Schatten und den dunklen Bäumen. Die Halme wiegten sich sanft im Wind, während ich malte. Wegen der Hitze wurde es zwar nur ein schnelles Aquarell, aber manchmal haben gerade diese flüchtigen Momente ihren ganz eigenen Zauber. Liebe Grüße Tine

So wird richtig gesprüht

Die Sprühflasche ersetzt den Pinsel nicht – sie ergänzt ihn.

Gehalten wird sie etwa 30 bis 50 Zentimeter über dem Papier. Der Sprühstrahl sollte nicht direkt auf die Malfläche treffen – schließlich möchte man das Aquarell nicht erschießen. Lieber etwas in die Luft sprühen, sodass das Wasser wie ein feiner Nebel sanft auf das Papier rieselt.

Wichtig ist, nicht lange auf eine Stelle zu halten. Stattdessen wird mit einer fließenden Bewegung über das Papier gesprüht.

Lieber zwei bis drei feine Sprühstöße als einen kräftigen Wasserregen.

Das Ziel ist kein nasses Papier mit Tropfen, sondern ein gleichmäßiger, feiner Feuchtigkeitsfilm. Das Papier soll sanft glänzen, ohne dass sich Pfützen bilden.

Also: Weniger ist mehr! Dafür aber regelmäßig sprühen.

Ich beobachte dabei immer den Glanz der Oberfläche. Wird das Papier matt, genügt oft schon ein kurzer Sprühstoß, um wieder das ideale Zeitfenster für weiche Verläufe zu erreichen.

Die richtige Sprühflasche

Ist wirlich Problematisch!

 

Die meisten Sprühflaschen aus dem Kunstbedarf erzeugen einen relativ groben Wasserstrahl. Statt eines feinen Nebels landen einzelne große Tropfen auf dem Papier. Genau diese Tropfen können Blüten, Flecken oder harte Ränder verursachen.

Ich kann mir das nur so erklären, dass diese Sprühflaschen von Menschen eingekauft werden, die selbst kein Aquarell malen.

Sehr viel besser funktionieren Pumpzerstäuber aus der Haarpflege. Sie erzeugen einen unglaublich feinen, gleichmäßigen Nebel. Viele Friseure verwenden sie täglich, und genau diese Qualität macht sie auch für Aquarellmaler interessant.

Einfach das Badezimmer plündern!

Wer größere Formate malt, kann zu den großen, einstellbaren Sprühflaschen aus dem Friseurbedarf greifen. Dort lässt sich häufig regulieren, ob ein sehr feiner Nebel oder ein etwas kräftigerer Sprühstrahl gewünscht wird. Für großformatige Landschaften oder Himmel ist das äußerst praktisch.

Doch diese Sprühflaschen haben einen deutlichen Nachteil: Sie sind oft erstaunlich grob. Der Wasserstrahl ist so kräftig, dass man damit ein Aquarell regelrecht wegschießen kann.

Gezielt eingesetzt, kann dieser Effekt großartig aussehen.

Trifft der Wasserstrahl allerdings empfindliche Stellen im Aquarell, ist das Bild schnell ruiniert.

Zum Glück lässt sich der Sprühstrahl bei vielen Modellen einstellen. Mit etwas Übung und genügend Abstand zum Papier entsteht dennoch ein feiner Nebel, der sich gut zum Nachbefeuchten eignet.

Die kräftige Einstellung hat allerdings ebenfalls ihren Reiz. Mit ihr kann man große Tropfen über das Papier fliegen lassen. In farbigen Lasuren können dadurch lebendige, spannende Strukturen entstehen. Diese Technik verlangt allerdings etwas Erfahrung. Bis man sie beherrscht, wird man vermutlich die eine oder andere Lasur opfern müssen.

Ein bisschen Zerstörung inklusive.

Doch genau daraus lernt man, wie Wasser im Aquarell wirklich funktioniert.

Ein kleiner Helfer mit großer Wirkung

Die Sprühflasche gehört für mich inzwischen zur Grundausstattung – genau wie Pinsel und Farben.

Sie verlängert das Zeitfenster beim Nass-in-Nass-Malen, sorgt für gleichmäßig feuchte Lasuren und gibt deutlich mehr Kontrolle. Gerade Anfänger profitieren davon, weil sie nicht gegen die Uhr arbeiten müssen.

Und noch ein kleiner Sommertipp zum Schluss: Wenn die Temperaturen wieder Richtung 35 Grad klettern, bekommt bei mir nicht nur das Aquarell einen feinen Sprühnebel. Ich selbst liebe es, mir mit der Sprühflasche eine kleine Abkühlung zu verpassen! Malerin und Farbe arbeiten dann deutlich entspannter.

Aber es gibt noch einen dritten im Bunde, der sich über zwei oder drei kräftige Sprühstöße besonders freut: die Aquarellfarbe.

Bei großer Hitze trocknet sie im Farbkasten oder auf der Palette erstaunlich schnell aus. Dadurch wird es schwieriger, genügend Pigmente aufzunehmen. Die Farben wirken blasser, und leuchtende Lasuren gelingen nicht mehr so leicht.

Deshalb bekommen bei mir nicht nur das Papier, sondern auch der Farbkasten regelmäßig eine kleine Dusche.

Liebe Grüße
Tine

Ohne dich geht es nicht.

Dieser Blog lebt von der Begeisterung der Aquarell-Community. Öffentliche Fördergelder gibt es dafür nicht! Wenn jeder Leser einen kleinen Beitrag leistet, können wir gemeinsam weiterhin kostenlos Wissen, Inspiration und Freude am Aquarell teilen.


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