Große Aquarelle malen – so gelingt der Sprung aufs große Papier

Große Aqzuarelle malen Tine Klein Prag

Klein kann flott. Groß kann Wumms.

Fast jeder von uns hat irgendwann Lust, so richtig groß zu malen. Kein Wunder:

Große Aquarelle wirken einfach enorm viel stärker als kleines Gekritzel.

Sie wirken schon aus der Entfernung, ziehen den Blick auf sich und sind wunderbar an der Wand.

Aber der Umstieg auf ein großes Format ist so eine Sache. Ich zum Beispiel habe mich an das kleine Gekritzel ziemlich gewöhnt. Ich bin Aquarelllehrerin und zeige oft Techniken. Dafür brauche ich kein riesiges Format. Im Gegenteil: Je einfacher und manchmal auch je kleiner die Übung ist, desto besser.

Ich male aber nicht nur klein, weil das beruflich praktischer ist. Ich liebe diese schnellen, leichten und problemlosen Skizzen.

Doch wenn ich selbst auf ein großes Format umsteige, passiert etwas Merkwürdiges:

Plötzlich ist meine Sicherheit weg.

Denn groß zu malen bedeutet nicht, einfach alles ein bisschen größer zu machen. Mit dem Format verändert sich auch die Art, wie wir malen.

Schaffe ich es, dass meine XXL Aquarelle genauso locker aussehen wie meine kleinen?

Große Aquarelle malen – was sich verändert

Auf unserem Lieblingsformat haben wir uns eine bestimmte Motorik angewöhnt. Hand und Auge sind ein eingespieltes Team. Wir wissen fast automatisch, wie groß eine Form werden muss, damit unser Motiv aufs Blatt passt.

Ist das Blatt plötzlich doppelt oder dreimal so groß, ist diese wunderbare Automatik weg.

Große Aquarelle malen - Vom Skizzenbuch zum xxl Format

Das kleine Bild unten ist eine Seite aus meinem Reiseskizzenbuch – flott und locker gemalt. Das große Bild bedeutet dagegen nicht einfach nur doppelt so viel Arbeit.

Und wenn etwas nicht klappt, was ich sonst mit Leichtigkeit meistere, ist bei mir das Meckern nicht weit. Dann wird geschimpft! Doch Unsicherheit macht vorsichtig – und vorsichtiges Herumstochern ist das Letzte, was ein großes Aquarell gebrauchen kann.

Große Formate malen braucht Übung – unser Gehirn lässt sich schließlich nicht einfach auf XXL umschalten.

Große Formate malen – Arbeitsabläufe und Techniken

Wenn ich groß male, arbeite ich fast viermal größer als sonst. Entsprechend riesig werden meine Farbflächen. Während ich unten noch male, kann die Farbe oben schon trocken sein.

Deshalb muss ich meinen Arbeitsablauf verändern.

Ich teile das Blatt in Bereiche, die ich nacheinander bearbeite.

„Große Dinge entstehen durch eine Reihe kleiner Dinge, die zusammenkommen.“
– Vincent van Gogh

Ich unterteile mein Blatt in Flächen, die ungefähr der Größe entsprechen, die ich sonst auch bearbeite.

Große Aquarelle malen - Tipps zur Arbeitsweise

Damit das fertige Aquarell nicht wie ein Flickenteppich aussieht, brauche ich etwas, das diese Bereiche verbindet:

dieselben Farbmischungen.

Deshalb mische ich von Anfang an größere Mengen Farbe an.

Große Aquarelle malen -Tipps und Tricks

Muss ich während des Malens ständig nachmischen, trocknet mir währenddessen die Fläche weg.

Große Farbmengen auf der Palette nehmen mir diesen Stress und sorgen gleichzeitig dafür, dass sich dieselben Farben durch das gesamte Bild ziehen.

Ein Beispiel aus meinem Aquarell

Schau mal hier auf das Foto meines Bildes. Ich habe zuerst den linken Uferbereich gemalt und danach den rechten. Die Farben auf beiden Seiten sind identisch, weil ich sie vorher in größeren Mengen auf der Palette angerührt habe und während des Malens jederzeit darauf zugreifen kann.

Das macht mich ruhig. Während ich male, kann ich mich ganz aufs Malen konzentrieren.

Ich muss nicht zwischendurch hektisch neue Farben mischen, während mir auf dem Papier schon die Flächen trocknen.

Es ist übrigens enorm wichtig, dass die Aquarellfarbe feucht bleibt. Denn sonst verliert das Aquarell eine seiner schönsten Eigenschaften: dieses Strahlende, Flüssige und Leichte.

Ist die Farbe erst einmal trocken, bildet jeder neue Farbauftrag eine harte Kante. Das Weiche, Lockere und wunderbar Fließende entsteht dagegen, wenn ich in leicht feuchter Farbe weitermale. Genau deshalb spielt das richtige Timing beim großen Format eine so entscheidende Rolle.

Große Aquarelle malen – die Sprühflasche

Große Flächen bleiben leider nicht freiwillig feucht. Sie trocknen schneller, als man gucken kann.

Deshalb wird die Sprühflasche wichtig. Das Wasser sprühe ich nicht direkt auf das Aquarell, sondern fein in die Luft darüber. Dabei bleibt die Flasche in Bewegung. So legt sich ein feiner Wassernebel auf das Papier.

Sprüht man zu nah oder mit einer schlechten Sprühflasche, können größere Tropfen Einschlagspuren in der Farbe hinterlassen.

Mein Tipp: Schaut euch im Kosmetikbereich um. Leider sind diese Sprühflaschen oft viel besser als alles, was man im Kunsthandel kaufen kann. Föhnlotion!

Große Aquarelle malen – die Verführung des Details

XXL verführt dazu, plötzlich viel mehr Details zu malen. Und genau dadurch sehen großformatige Aquarelle oft schlechter aus als unsere flotten, lockeren Skizzen.

Ein einfacher Trick hilft enorm: große Pinsel!

Beim großen Format muss der Pinsel mitwachsen. Ist er zu klein, zerfallen die schönen großen Farbflächen schnell in viele kleine, schmierige Striche.

Kauf dir zunächst die Pinsel, die du wirklich liebst, mehrere Nummern größer. Du kennst sie bereits und weißt, wie sie reagieren. Das gibt Sicherheit.

Trotzdem kann es sinnvoll sein, auf andere Pinselformen umzusteigen.

Kleine Aquarellskizzen lassen sich wunderbar mit Rundpinseln malen. Sie sind kontrollierbar und geben nicht zu viel Wasser ab.

Auf großen Formaten brauchen wir jedoch Pinsel, die viel Wasser und Farbe speichern und große Flächen schnell versorgen können.

XXL-Format und der Lasurpinsel

Dafür sind große Lasurpinsel ideal.

Sie sehen Rundpinseln ähnlich, sind aber nicht wesentlich größer und können trotzdessen viel mehr Wasser und Farbe aufnehmen.  Links Rundpinsel rechts Lasurpinsel. Oft erkennt man sie an weichem Naturhaar oder Naturhaar-Mix und an der französischen Drahtbindung.

Diese Pinsel entwickeln oft keine ausgeprägte Spitze. Deshalb wurden sie von so manchem Maler wahrscheinlich längst aussortiert:

Der taugt nichts!

Dabei haben wir ihm nur den falschen Job gegeben. Lasurpinsel sind nicht für Details gemacht. Ihre Stärke ist die Fläche. Sie sollen große Mengen Wasser und Farbe aufnehmen und schnell, satt und großzügig wieder abgeben.

Große Aquarelle malen – warum Naturhaar plötzlich wichtig wird

Ich bin kein großer Freund von Naturhaarpinseln. Auf kleinen Formaten ist es überhaupt nicht notwendig, viel Geld dafür auszugeben. Dass ein Pinsel dort nicht Unmengen Wasser abgibt, ist sogar hilfreich, denn so lassen sich Wasserflecken leichter vermeiden.

Beim großen Format sieht das anders aus. Jetzt brauchen wir Pinsel, die viel Wasser und Farbe speichern und schnell wieder abgeben können, bevor die Fläche trocknet.

Ein großer Flachpinsel mit Naturhaar kann deshalb extrem hilfreich sein. Mit ihm lassen sich große Flächen schnell und möglichst ansatzfrei lasieren.

Die nötigen Details kann man später mit einem sehr großen Rundpinsel auftragen.

XXL-Aquarell – erst die Orga, dann die Muße

Große Aquarelle malen bedeutet auch, den Arbeitsplatz neu zu organisieren.

Wir brauchen mehr Platz, eine größere Palette und vielleicht Tubenfarben, weil der normale Farbkasten bei XXL irgendwann an seine Grenzen kommt.

Der Sprung aufs große Papier braucht Zeit und Ruhe. Fang deshalb nicht gleich mit einem superteuren, riesigen Bogen Aquarellpapier an und setz dich damit unnötig unter Druck.

Mach erst einmal große Skizzen. Misch genügend Farbe an, leg dir große Pinsel zurecht und organisiere deinen Arbeitsplatz so, dass du entspannt malen kannst.

Gib deiner Hand ein bisschen Zeit, sich an XXL zu gewöhnen.

Denn irgendwann soll sich das große Format genauso leicht und selbstverständlich anfühlen wie das kleine.

Jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Ausprobieren! Ich hoffe, dass dir auch der heutige Beitrag etwas gebracht hat. Wenn du keinen neuen Artikel verpassen möchtest, freue ich mich, wenn du den Blog abonnierst.

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Liebe Grüße
Tine

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