Lockere Pinselstriche – Der nervöse Pinsel

Lockere Pinselstriche? Köpfchen statt Kampf!

Jeder von uns möchte locker skizzieren oder aquarellieren. Doch der lockere Pinselstrich hat einen kleinen Haken:

Wenn man einem Menschen sagt, er solle sich bitte locker machen, ist er augenblicklich verspannt.

Und beim Malen ist das nicht anders!

Lockerheit lässt sich nicht erzwingen. Sie entsteht durch Übung, Sicherheit und einen selbstverständlichen Umgang mit dem Pinsel.Doch bei manchen Menschen stellt sich diese Lockerheit trotz fleißiger Übung einfach nicht ein.

Denn wer immer wieder dieselben verkrampften Bewegungen wiederholt, wird darin zwar geübter – aber nicht unbedingt lockerer!

Lockere Pinselstriche? Flotte Skizzen

Hinter lockeren Pinselstrichen steckt mehr, als man denkt: Motorik, Wahrnehmung, Bewegungsfreiheit und eine gehörige Portion Psychologie.

Viele Menschen glauben, locker malen bedeute, die Kontrolle aufzugeben.

Und genau das macht ihnen Angst. Aus Sorge, unkontrollierte Striche aufs Papier zu bringen, verkrampfen sie.

Dabei entstehen lebendige Pinselstriche nicht durch absolute Kontrolle, sondern durch eine gut geschulte Motorik.

Mein Tipp: Lieber viele kleine, flotte Skizzen malen, als sich an einem perfekten Kunstwerk abzuarbeiten!

Eine flotte Skizze:

Flotte Aquarellskizze ohne Vorzeichnen – entstanden in Basel, gleich hinter dem Aldi.

Diese kleine, verlassene Straße liegt irgendwo im Niemandsland zwischen Schweiz und Frankreich.

Während ich dort gemütlich malte, tauchte plötzlich die Zollpolizei auf.

„Was machen Sie denn hier?“, fragte mich ein Zollpolizist.

„Malen“, antwortete ich.

Er schaute sich um und meinte völlig verdutzt:

„Du liebe Güte, was will man denn hier malen?“

Doch flotte Skizzen allein reichen nicht. Denn wer immer wieder dieselben Fehler macht, übt sie sich nur noch gründlicher ein.

Spiegelneuronen nutzen – bei den Profis abgucken!

Unser Gehirn lernt nicht nur durch eigenes Tun, sondern auch durch Beobachten.

Dabei werden unter anderem Nervenzellen und Netzwerke aktiv, die sowohl auf eigene als auch auf beobachtete Bewegungen reagieren.

Hier spielen sogenannte Spiegelneuronen eine Rolle.

Es kann deshalb helfen, sich auf YouTube einen geschätzten Maler bei der Arbeit anzusehen. Aber bitte nicht nur auf das entstehende Bild schauen!

Beobachte ganz bewusst seine Pinselführung:

  • Wie spielerisch bewegt er den Pinsel?
  • Wie verändert er den Druck?
  • Malt er mit der Spitze oder mit der Seite?
  • Führt er den Pinsel in einer einzigen schwungvollen Bewegung, fast wie beim One-Line-Drawing?

Wichtig ist, die beobachteten Bewegungen anschließend selbst auszuprobieren.

Denn Zuschauen ist schön und gut, aber davon allein wird die eigene Pinselführung noch nicht besser!

Raus aus der Betriebsblindheit!

Die Pinselarbeit, also der Pinselduktus, wird nicht von allein locker und flüssig. Dazu gehört Übung. Doch genauso wichtig ist es, aus der eigenen Betriebsblindheit herauszukommen.

Ich merke es selbst: Sobald ich nicht mehr bewusst auf meine Pinselführung achte, falle ich in alte Bewegungsmuster zurück.

Und die sitzen verdammt tief!

Hier kann ein Pinselwechsel helfen.

Manche Pinsel reagieren extrem empfindlich auf jede Bewegung deiner Hand. Ihre Spitzen sind regelrecht nervös! Plötzlich musst du wieder bewusst darauf achten, was deine Hand eigentlich macht.

Mehr Druck? Der Strich wird dicker. Weniger Druck? Er wird feiner.

Genau solche Erfahrungen helfen deinem Gehirn, die Bewegungen besser abzustimmen und deine Pinselführung zu verfeinern.

Eine nervöse Pinselspitze ist wie eine Diva: hochsensibel, eigenwillig und immer für eine Überraschung gut!

Und damit beginnt ein zweiter wichtiger Lernprozess. Normalerweise bewerten wir alles, was nicht unseren Vorstellungen entspricht, sofort als Fehler.

Doch ein solcher Pinsel hat seinen eigenen Kopf. Seine Striche werden oft lebendiger und interessanter, aber längst nicht immer so, wie wir sie geplant haben.

Die eigentliche Übung besteht darin, kleine Abweichungen nicht als Fehler, sondern als Bereicherung zu betrachten.

Ein Pinsel, der macht, was er will!

Ich habe einen Pinsel, der beim Malen ziemlich genau das Gleiche bewirkt wie eine Kalligrafiefeder beim Zeichnen.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal genau, wie er heißt!

Schwertliner in Lockere Pnselstriche

 

Er sieht aus wie eine längere, spitzere Variante eines Schwertpinsels. Im Grunde ist es ein Flachpinsel, der in einer unglaublich feinen Spitze endet.

Dieser Pinsel reagiert geradezu gierig auf deine Bewegungen.

Mal zieht er hauchfeine Linien, mal dickere Striche und dann wieder richtig breite Pinselspuren. Drehst du ihn nur ein wenig, verändert sich sein Strich vollkommen.

So wirst du dir plötzlich deiner eigenen Pinselführung bewusst. Ein wunderbares Trainingsgerät!

Alle Pinsel, die dir ein Stück weit die Kontrolle nehmen, sind großartige Werkzeuge, um deine Hand-Auge-Koordination zu trainieren.

Denn plötzlich musst du Bewegungen bewusst steuern, die sonst ganz automatisch ablaufen.

Siehst du die beiden Pinsel ganz rechts? Diese Pinselform nennt man Schlägleiner. Ich benutze sie besonders gerne, wenn ich kleine Details male. Warum? Weil ich mit ihnen gar nicht genau kontrollieren kann, was ich tue! Und genau das ist der Trick. Die kleinen Details werden dadurch wunderbar locker. Gerade Fenster, die sonst schnell steif und akkurat aussehen, bekommen so eine herrlich lebendige, unregelmäßige Form. Ein bisschen Kontrollverlust tut unseren Aquarellen eben manchmal richtig gut!

In dieser kleinen Aquarellskizze, die übrigens ganz frei und ohne jede Vorzeichnung entstanden ist, siehst du, wie sich beim Zeichnen mit dem Pinsel eine ganz eigene Handschrift entwickelt. Ja, ich sage hier ganz bewusst „zeichnen“ und nicht „malen“! Denn vieles, was wir als persönliche Handschrift eines Malers wahrnehmen, hat in Wirklichkeit zeichnerische Elemente.

Mit dem kleinen Schwertpinsel erledige ich unglaublich viel zeichnerische Arbeit. Gerade weil ich ihn nicht hundertprozentig kontrollieren kann, entsteht ein wunderbar lockerer, lebendiger Pinselduktus. Die Linien werden unregelmäßiger, spontaner und bekommen dadurch ihren ganz eigenen Charakter.

Schwertliner in Lockere Pnselstriche

Für den eigenen Pinselduktus, also die persönliche Handschrift mit dem Pinsel, ist spielerisches Experimentieren enorm wichtig. Und genau dazu lädt dieses kleine Wunderding ein!

Leider sind solche Pinsel schwer zu finden. Meinen habe ich vor drei Jahren auf einem Malfestival bei einem No-Name-Anbieter gekauft. Und jetzt habe ich den Salat! Ich würde gerne mehrere nachbestellen, weiß aber nicht einmal mehr, woher er stammt.

Mehr Mut zu kleinen Entgleisungen!

Zum Schluss möchte ich euch noch einen Blogartikel über das Schraffieren empfehlen. Diesmal aber nicht, um eine neue Technik zu lernen, sondern um den Mut zu kleinen Entgleisungen zu entdecken!

Von Zeichnern können wir lernen, dass nicht jeder Strich ordentlich und korrekt sein muss.

Denn Ausdrucksstärke entsteht nicht durch absolute Kontrolle. Manchmal wird ein Bild gerade dann lebendig, wenn wir den Pinsel von der Leine lassen und zeigen, was in uns steckt.

Auch den kleinen Sturm, der manchmal in uns tobt!

Viele liebe Grüße und ganz viel Spaß beim Ausprobieren und Nachmachen!

Eure Tine

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Schraffur! Alles andere als Langweilig!

 

 

Große Aquarelle malen – so gelingt der Sprung aufs große Papier

Große Aqzuarelle malen Tine Klein Prag

Klein kann flott. Groß kann Wumms.

Fast jeder von uns hat irgendwann Lust, so richtig groß zu malen. Kein Wunder:

Große Aquarelle wirken einfach enorm viel stärker als kleines Gekritzel.

Sie wirken schon aus der Entfernung, ziehen den Blick auf sich und sind wunderbar an der Wand.

Aber der Umstieg auf ein großes Format ist so eine Sache. Ich zum Beispiel habe mich an das kleine Gekritzel ziemlich gewöhnt. Ich bin Aquarelllehrerin und zeige oft Techniken. Dafür brauche ich kein riesiges Format. Im Gegenteil: Je einfacher und manchmal auch je kleiner die Übung ist, desto besser.

Ich male aber nicht nur klein, weil das beruflich praktischer ist. Ich liebe diese schnellen, leichten und problemlosen Skizzen.

Doch wenn ich selbst auf ein großes Format umsteige, passiert etwas Merkwürdiges:

Plötzlich ist meine Sicherheit weg.

Denn groß zu malen bedeutet nicht, einfach alles ein bisschen größer zu machen. Mit dem Format verändert sich auch die Art, wie wir malen.

Schaffe ich es, dass meine XXL Aquarelle genauso locker aussehen wie meine kleinen?

Große Aquarelle malen – was sich verändert

Auf unserem Lieblingsformat haben wir uns eine bestimmte Motorik angewöhnt. Hand und Auge sind ein eingespieltes Team. Wir wissen fast automatisch, wie groß eine Form werden muss, damit unser Motiv aufs Blatt passt.

Ist das Blatt plötzlich doppelt oder dreimal so groß, ist diese wunderbare Automatik weg.

Große Aquarelle malen - Vom Skizzenbuch zum xxl Format

Das kleine Bild unten ist eine Seite aus meinem Reiseskizzenbuch – flott und locker gemalt. Das große Bild bedeutet dagegen nicht einfach nur doppelt so viel Arbeit.

Und wenn etwas nicht klappt, was ich sonst mit Leichtigkeit meistere, ist bei mir das Meckern nicht weit. Dann wird geschimpft! Doch Unsicherheit macht vorsichtig – und vorsichtiges Herumstochern ist das Letzte, was ein großes Aquarell gebrauchen kann.

Große Formate malen braucht Übung – unser Gehirn lässt sich schließlich nicht einfach auf XXL umschalten.

Große Formate malen – Arbeitsabläufe und Techniken

Wenn ich groß male, arbeite ich fast viermal größer als sonst. Entsprechend riesig werden meine Farbflächen. Während ich unten noch male, kann die Farbe oben schon trocken sein.

Deshalb muss ich meinen Arbeitsablauf verändern.

Ich teile das Blatt in Bereiche, die ich nacheinander bearbeite.

„Große Dinge entstehen durch eine Reihe kleiner Dinge, die zusammenkommen.“
– Vincent van Gogh

Ich unterteile mein Blatt in Flächen, die ungefähr der Größe entsprechen, die ich sonst auch bearbeite.

Große Aquarelle malen - Tipps zur Arbeitsweise

Damit das fertige Aquarell nicht wie ein Flickenteppich aussieht, brauche ich etwas, das diese Bereiche verbindet:

dieselben Farbmischungen.

Deshalb mische ich von Anfang an größere Mengen Farbe an.

Große Aquarelle malen -Tipps und Tricks

Muss ich während des Malens ständig nachmischen, trocknet mir währenddessen die Fläche weg.

Große Farbmengen auf der Palette nehmen mir diesen Stress und sorgen gleichzeitig dafür, dass sich dieselben Farben durch das gesamte Bild ziehen.

Ein Beispiel aus meinem Aquarell

Schau mal hier auf das Foto meines Bildes. Ich habe zuerst den linken Uferbereich gemalt und danach den rechten. Die Farben auf beiden Seiten sind identisch, weil ich sie vorher in größeren Mengen auf der Palette angerührt habe und während des Malens jederzeit darauf zugreifen kann.

Das macht mich ruhig. Während ich male, kann ich mich ganz aufs Malen konzentrieren.

Ich muss nicht zwischendurch hektisch neue Farben mischen, während mir auf dem Papier schon die Flächen trocknen.

Es ist übrigens enorm wichtig, dass die Aquarellfarbe feucht bleibt. Denn sonst verliert das Aquarell eine seiner schönsten Eigenschaften: dieses Strahlende, Flüssige und Leichte.

Ist die Farbe erst einmal trocken, bildet jeder neue Farbauftrag eine harte Kante. Das Weiche, Lockere und wunderbar Fließende entsteht dagegen, wenn ich in leicht feuchter Farbe weitermale. Genau deshalb spielt das richtige Timing beim großen Format eine so entscheidende Rolle.

Große Aquarelle malen – die Sprühflasche

Große Flächen bleiben leider nicht freiwillig feucht. Sie trocknen schneller, als man gucken kann.

Deshalb wird die Sprühflasche wichtig. Das Wasser sprühe ich nicht direkt auf das Aquarell, sondern fein in die Luft darüber. Dabei bleibt die Flasche in Bewegung. So legt sich ein feiner Wassernebel auf das Papier.

Sprüht man zu nah oder mit einer schlechten Sprühflasche, können größere Tropfen Einschlagspuren in der Farbe hinterlassen.

Mein Tipp: Schaut euch im Kosmetikbereich um. Leider sind diese Sprühflaschen oft viel besser als alles, was man im Kunsthandel kaufen kann. Föhnlotion!

Große Aquarelle malen – die Verführung des Details

XXL verführt dazu, plötzlich viel mehr Details zu malen. Und genau dadurch sehen großformatige Aquarelle oft schlechter aus als unsere flotten, lockeren Skizzen.

Ein einfacher Trick hilft enorm: große Pinsel!

Beim großen Format muss der Pinsel mitwachsen. Ist er zu klein, zerfallen die schönen großen Farbflächen schnell in viele kleine, schmierige Striche.

Kauf dir zunächst die Pinsel, die du wirklich liebst, mehrere Nummern größer. Du kennst sie bereits und weißt, wie sie reagieren. Das gibt Sicherheit.

Trotzdem kann es sinnvoll sein, auf andere Pinselformen umzusteigen.

Kleine Aquarellskizzen lassen sich wunderbar mit Rundpinseln malen. Sie sind kontrollierbar und geben nicht zu viel Wasser ab.

Auf großen Formaten brauchen wir jedoch Pinsel, die viel Wasser und Farbe speichern und große Flächen schnell versorgen können.

XXL-Format und der Lasurpinsel

Dafür sind große Lasurpinsel ideal.

Sie sehen Rundpinseln ähnlich, sind aber nicht wesentlich größer und können trotzdessen viel mehr Wasser und Farbe aufnehmen.  Links Rundpinsel rechts Lasurpinsel. Oft erkennt man sie an weichem Naturhaar oder Naturhaar-Mix und an der französischen Drahtbindung.

Diese Pinsel entwickeln oft keine ausgeprägte Spitze. Deshalb wurden sie von so manchem Maler wahrscheinlich längst aussortiert:

Der taugt nichts!

Dabei haben wir ihm nur den falschen Job gegeben. Lasurpinsel sind nicht für Details gemacht. Ihre Stärke ist die Fläche. Sie sollen große Mengen Wasser und Farbe aufnehmen und schnell, satt und großzügig wieder abgeben.

Große Aquarelle malen – warum Naturhaar plötzlich wichtig wird

Ich bin kein großer Freund von Naturhaarpinseln. Auf kleinen Formaten ist es überhaupt nicht notwendig, viel Geld dafür auszugeben. Dass ein Pinsel dort nicht Unmengen Wasser abgibt, ist sogar hilfreich, denn so lassen sich Wasserflecken leichter vermeiden.

Beim großen Format sieht das anders aus. Jetzt brauchen wir Pinsel, die viel Wasser und Farbe speichern und schnell wieder abgeben können, bevor die Fläche trocknet.

Ein großer Flachpinsel mit Naturhaar kann deshalb extrem hilfreich sein. Mit ihm lassen sich große Flächen schnell und möglichst ansatzfrei lasieren.

Die nötigen Details kann man später mit einem sehr großen Rundpinsel auftragen.

XXL-Aquarell – erst die Orga, dann die Muße

Große Aquarelle malen bedeutet auch, den Arbeitsplatz neu zu organisieren.

Wir brauchen mehr Platz, eine größere Palette und vielleicht Tubenfarben, weil der normale Farbkasten bei XXL irgendwann an seine Grenzen kommt.

Der Sprung aufs große Papier braucht Zeit und Ruhe. Fang deshalb nicht gleich mit einem superteuren, riesigen Bogen Aquarellpapier an und setz dich damit unnötig unter Druck.

Mach erst einmal große Skizzen. Misch genügend Farbe an, leg dir große Pinsel zurecht und organisiere deinen Arbeitsplatz so, dass du entspannt malen kannst.

Gib deiner Hand ein bisschen Zeit, sich an XXL zu gewöhnen.

Denn irgendwann soll sich das große Format genauso leicht und selbstverständlich anfühlen wie das kleine.

Jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Ausprobieren! Ich hoffe, dass dir auch der heutige Beitrag etwas gebracht hat. Wenn du keinen neuen Artikel verpassen möchtest, freue ich mich, wenn du den Blog abonnierst.

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Liebe Grüße
Tine

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Auf dem Papier mischen – Spektakulär!

Auf dem Papier mischen – spektakulär!

Ich glaube, wir haben beim Aquarell alle einen kleinen Widerspruch im Kopf.

Wir möchten locker malen. Aber bitte mit einem kontrollierten Ergebnis.

Wir möchten den Farben Freiheit geben – aber natürlich sollen sie genau dorthin fliessen, wo wir sie haben wollen.

Und wir lieben den Zufall – solange er sich gefälligst an unsere Pläne hält.

Kommt dir das bekannt vor?

Mir jedenfalls sehr.

Auf dem Papier mischen – die locker-leichte Aquarellskizze

Ich liebe es, Farben direkt auf dem Papier zu mischen. Denn sobald wir nicht jede Farbe fertig auf der Palette anrühren, passiert etwas Spannendes:

Das Wasser übernimmt einen Teil unserer Arbeit.

Farben laufen ineinander, Übergänge und kleine Unregelmässigkeiten entstehen.

Das Bild bekommt Eigenleben.

Location: Rheinfelden an der Brücke.

Das sieht man hier wunderbar: Die Farben des Baumes laufen ganz von selbst ineinander. Ein grosser Pinsel, ein paar Farben locker aufs Blatt und dunklere Töne hinein.

Das ist schnell und Spass pur!

Wer das Mischen auf dem Blatt beherrscht, erzeugt spektakuläre Ergebnisse. Aber ich kenne auch die andere Situation: Plötzlich macht sich das Wasser selbstständig und Farbe läuft quer durchs Bild.

Oh nein! Was passiert denn jetzt?

Dabei weiss ich es eigentlich besser. Ich unterrichte Aquarellmalerei und erkläre anderen Menschen, dass sie Wasser und Pigmente arbeiten lassen sollen.

Ich weiss das alles!

Und trotzdem geht irgendwo in meinem Kopf die Alarmanlage los:

Das wird nichts!

Also greife ich ein. Mein Pinsel schiesst vor und matscht in der Farbe herum. Eigentlich möchte ich doch nur das zarte Grau des Mastes in die Wellen ziehen.

Hier ein bisschen. Da ein bisschen. Noch ein bisschen!

Und aus einer wunderschönen, lebendigen Mischung wird langsam eine kontrollierte Pampe. Schau dir den Mast im Wasser an!

Grauenhaft!

Ich hätte mich in den Arsch beissen können. Und vielleicht musst du gerade lachen, weil du genau weisst, wovon ich spreche.

Denn oft wissen wir ganz genau, was wir tun müssten.

Wir trauen uns nur nicht, es geschehen zu lassen.

Auf dem Papier mischen – Loslassen mit Gefühl

Aquarell malen und gleichzeitig die Kontrolle abgeben – das kann Panikattacken auslösen. Wenn da die Farbe mitten im Bild läuft, müsste ich eigentlich die Hände über die Augen schlagen, damit ich das ertragen kann.

Vielleicht ist genau das unser Problem: mangelndes Grundvertrauen.

Ich kann das gar nicht aushalten, wenn die Farbe da so wild runterläuft.

Dabei muss man sich unter uns Aquarellmalern immer wieder in Erinnerung rufen, dass gerade die schwer auszuhaltenden Techniken oft die besten Aquarellbilder machen.

 

Die Lösung kann also nicht sein, den Zufall abzuschaffen.

Wir müssen ihm nur einen Rahmen geben. Nicht so viel Kontrolle, dass wir dem Aquarell sein Eigenleben nehmen – aber genug, damit wir nicht die Hände über die Augen schlagen müssen.

Auf dem Papier mischen – Wasser ist der kleine Unruhestifter

Das größte Chaos entsteht beim „Auf dem Papier mischen“ meistens gar nicht durch die Farbe.

Es ist das Wasser.

Ist davon zu viel auf dem Papier, ist es irgendwann, als hätte man einen Farbeimer mitten ins Bild gekippt. Die Farbe suppt los und nimmt keine Rücksicht mehr auf das, was wir eigentlich vorhatten.

Das ist der Moment, in dem aus erwünschtem Zufall schlicht Chaos wird.

Und sofort kommt dieser wunderbare Reflex:

Pinsel rein und retten!

Eins kann ich dir schon mal ganz genau sagen: In den allermeisten Fällen ist hier der beste Tipp einfach:

Pfoten weg!

In 90 Prozent der Fälle ruinierst du das ganze Bild mit deiner Rettungsaktion! Wenn du jetzt in der Farbe herumrührst, erzeugst du einen matschigen Farbbrei – und der ist wirklich nicht schön anzusehen.

Dabei lässt sich das Problem erstaunlich einfach vermeiden:

Wir brauchen ein bisschen Wasserkontrolle.

Ausgerechnet der Wassertopf kann beim „Auf dem Papier mischen“ zum größten Mörder werden. Eigentlich machen wir alles richtig: Wir spülen unseren Pinsel sorgfältig aus, weil wir klare, schöne Farben möchten.

Vollkommen löblich, aber nicht hilfreich!

Denn der Pinsel kommt nicht allein zurück aufs Papier. Er bringt jedes Mal Wasser mit – und davon haben wir dort ohnehin schon genug.

Deshalb mache ich etwas ganz Einfaches: Wenn ich mit dem Pinsel in den Wassertopf gehe, schüttele ich ihn danach aus oder drücke ihn ein wenig aus.

Der Pinsel soll keineswegs trocken sein. Die Farbe soll ja laufen!

Aber sie soll nicht davonrennen.

Ist die Farbe etwas trockener und nicht mehr klatschnass, vermischen sich die beiden Farben sehr schön. Natürlich passieren auch dann kleine Unfälle, aber die bleiben im Rahmen – und genau sie geben dem Aquarell seine spektakuläre Optik.

Klatschnass schaut so aus! Kann aber auch zauberhaft sein!

Feucht gibt dir Kontrolle. Schau in die Bäume!

Bei sehr viel Wasser ist es dagegen wie Milch im Kaffee: Einmal hineingekippt, lässt sich die Mischung nicht mehr aufhalten.

Beim Aquarell möchten wir genau den kleinen Moment davor erwischen. Die Farben sollen sich begegnen, ineinanderfließen – und trotzdem noch etwas von sich selbst behalten.

Nicht weniger Mut. Nur ein bisschen weniger Wasser.

Auf dem Papier mischen – hilfreiche Tipps

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Hier noch weitere Tipps:

Die zweite Farbe darf etwas sämiger sein.

Ist das Papier schon feucht, brauchst du nicht noch mehr Wasser. Setze die nächste Farbe etwas konzentrierter hinein. So entstehen schöne Farbinseln, statt dass alles davonschwimmt.

Schau auf den Glanz.

Glänzt das Papier stark, läuft die Farbe wie verrückt. Wird der Glanz seidig, wird sie ruhiger. Wird das Papier matter, läuft sie kaum noch. Der Glanz ist unsere kleine Fernbedienung für den Zufall.

Pfoten weg vom Pinsel!

Setze die Farbe hinein und lass sie machen. Sobald du anfängst herumzurühren, mischst du wieder selbst – und aus den schönen Zufälligkeiten wird schnell Farbbrei.

Kippe lieber das Blatt.

Will die Farbe nicht dorthin, wo du sie haben möchtest, dann schiebe sie nicht mit dem Pinsel. Kippe das Papier ein wenig. Die Schwerkraft kann erstaunlich gut malen.

Ein letzter Tipp:

Und vielleicht ist das heute mein wichtigster Tipp an dich: Wenn du das nächste Mal vor deinem Bild sitzt und denkst:

„Oh Gott, das wird nichts!“, dann denk an mich.

Mit dem Pinsel in der Hand, dem dringenden Wunsch, irgendetwas zu retten – und hoffentlich inzwischen mit genug Verstand, ihn einfach wieder hinzulegen.

Wir müssen beim Malen nicht immer alles im Griff haben. Vielleicht verbindet uns genau das: Wir lernen gemeinsam, der Farbe ein bisschen mehr zu vertrauen.

Probier es aus. Lass sie laufen.

Ganz liebe Grüße
Tine

P.S.

Du darfst dir diese Grafik sehr gerne ausdrucken oder speichern. Sie stammt aus meinem Unterrichtsmaterial, denn ich möchte, dass du aus diesem Blog wirklich etwas für dein Malen mitnimmst.

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