Menschen malen einfacher als gedacht

Menschen malen lernen das wo du es liebst.

Das Schöne ist Zuhause nur einen Herzschlag entfernt.

Tine Klein, Aquarell, Menschen malen, Zürich Bürkliplatz

Am Leben teilnehmen macht bessere Bilder:

Es gibt im Amerikanischen einen Spruch:

Participate in life instead of just watching it!

Stimmt genau! Das hier ist mein Markt: Zuhause am Bürkliplatz. Ich liebe Krammärkte! Für Maler gilt noch mehr als für alle Anderen am Leben teilnehmen. Aber anders als dieser ein wenig einfache amerikanische Spruch gilt dabei: Augen auf und die Szene einsaugen bis in die Seele.

Teilnehmen, gucken, verstehen und dann Umsetzen

Jedes Bild ist besser mit Menschen! Warum?

Einfach weil die Stadt dann nicht ausschaut als sei Grad eine Gasleitung geplatzt und die Notevakuierung hat schon Stattgefunden. Eine Stadt ohne Autos und Menschen schaut einfach geisterhaft aus.

Menschen malen ist einfach

Wer dies nicht glaubt, der sollte einmal den Artikel https://blog.herz-der-kunst.ch/menschen-zeichnen/ lesen, dort beschreibe ich wie man die einfache Grundform des Menschen erstellt. Dies ist nicht viel mehr als ein Dreieck mit Klecks.

Die Szene oder die Geschichte des Bildes unterstützen

Was ist typisch für einen Wochenmarkt oder einen Flohmarkt?
Das ist die Frage, mit der ich mich auf meinen Beobachtungsposten begebe.
Für eine gute Geschichte sucht man Dinge die ganz typisch oder wiederverwendbar sind. Die Antworten sind oft überraschend einfach.

Klassische Accessoires der Szene?

Taschen, auf einem Markt hat fast jeder Einkaufstaschen dabei. Malerisch ist die ganz einfach umzusetzen.

Typische Körperhaltung und Aktion

Die Frage ist was machen die da? Am Marktstand stehen alle ein bisschen über die Wäre gebückt.
Menschen malen, die Lösung ist einfach:

Alle Menschen werden als Haken gemalt.

Es kommt nicht drauf an, dass man den Menschen kompliziert malt, er braucht einfach einen Buckel.

Soziale Interaktion

Was machen Menschen, das ist doch die Kernfrage. Wir haben jetzt die Menschen am Stand und die Menschen mit ihren Einkaufstaschen, im Prinzip reicht das. Mir fällt jedoch auf das viele Leute auch über die Ware ein Schwätzchen halten.

Das heißt 2 Personen neigen sich zueinander.

 

Der Star der Szene

Toll ist es, wenn man etwas Außergewöhnliches oder ein Klischee findet.

Momentchen? Klischee, ist das nicht sch.. äh was absolut Verabscheuungswürdiges?

Ach was, wir lieben Klischees! Es wirkt prima. Das Außergewöhnliche oder Witzige finde ich toll, weil es den Betrachter überrascht, aber das Klischee ist ebenso prima weil Menschen im Kopf selber weitermachen lässt. Ein Klischee bestätigt sie in ihrer Phantasie.
Das macht es gemütlich für den Betrachter, er liebt das, weil er gefunden hat, wonach er sucht.
Ich habe mein Klischee schnell gefunden. Menschen machen sich gern selbst zum Klischee.

Der Verkäufer mit der Schlägerkappe.

Diesen Typ Mann findet man auf jedem Markt. Ich lache, irgendwie scheint die Kappe Pflicht für Verkäufer. Warum  tragen sie alle Kappen?  Auf dem Wochenmarkt macht man das, damit keine Haare auf die Nahrungsmittel fallen, aber auch auf den Flohmarkt gibt es den Mann mit Kappe.

Ich glaube der Mann mit Kappe ist das Verkäuferklischee.

Habe ich die Type gefunden, die mein Suget in Szene setzt, dann male ich genau diesen intensiver als alle anderen Figuren. Die anderen sind Statisten. Er ist der Star des Marktes.

Tipps zur Umsetzung:

Der räumliche Tipp:

Es ist gut, sich für die Szene den besten Winkel zu suchen, das heißt oft steht man direkt am Eingang des Marktes und malt die Kulisse. Das macht man am besten bevor es voll wird, denn man steht frontal im Weg. Hat man die Anlage des Bildes schnell skizziert, kann man sich auf ein gemütliches Fleckchen am Rande verziehen und den Treiben in Ruhe zusehen.  Dann wird die Kulisse durch Menschen verfeinert. Aus der Kulisse mit den Menschen entsteht dann ganz im Ruhe am Rande des Marktes das Bild.

Generell ist der Prozess des Begreifens das Genüssliche.

Wenn man eine Szene einmal begriffen hat, dann kann man sie lebenslang einfach aus dem Kopf malen, weil man das Typische erkannt hat.

Kein Trara um die Menschen

Menschen malen ist so schwer, weil man Angst davor hat.

Tine Klein, Aquarell, Menschen malen, Zürich Bürkliplatz

Bitte schau noch mal ins Bild? Welche Formen haben die meisten Menschen?

Im Hintergrund sind es nur schräge Ovale mit einem Tupfen für den Kopf.

Der ganze Mensch hat die Form eines Rüblis oder einer Möhre.

Selbst mein Star im Vordergrund ist nicht mehr als ein Dreieck mit Köpfchen.

Also hör auf mit der Dramaqueen  und fülle deine Bilder mit Leben

Liebe Grüße ins Wochenende
Tine

Liebe Grüsse,
Tine

Hier zur einfachen Methode des Menschen zu zeichnen:

Menschen zeichnen

Menschen zeichnen ein Thema was uns schon hunderte von Jahren beschäftigt…

selbst Leonardo hat schon ein System gesucht:

Wiki

P.S.: Es geht auch einfacher ……..kicher

 

Warum wir Malen!

Warum malen eigentlich alle Kinder und viele Erwachsene nicht mehr?

Oder anders formuliert, warum malen eigentlich so viele Erwachsene, obwohl Malen so nutzlos ist?

Tine Klein Aquarell Fraueninsel Chiemsee Aquarell sketch rund ums malen

Ja, malen wird als nutzlos betrachtet. Mein eigener Vater brachte es ziemlich grob auf den Punkt:

Ein Beruf muss keinen Spaß machen, ein Beruf muss ernähren!

Und so geht es uns Künstlern, denn wir werden bewundert oder verachtet. je nachdem wie wichtig das Geld ist.

Ich selbst habe dem Beruf gewechselt, ich verdiene heute nicht mehr so viel, wie als Ingenieur.

Doch ich finde Lebensglück ist unbezahlbar

In meinem Leben bin ich schon in so manches Land gekommen, Kinder sehe ich dort  überall malen. Egal wo man hinkommt auf der Welt, so hängt immer stolz ein Kunstwerk der lieben Kleinen am Kühlschrank.

Fast jedes Kind malt kräftig und selbstbewusst in kühnen und freundlichen Farben.

Jetzt frage ich mich doch als denkender Mensch, was verändert sich da eigentlich, wie so können nicht alle Menschen diesen Schwung und Elan mit ins Erwachsenenalter nehmen?

Malen ist eine Weltsprache

Malen ist nicht beschränkt. Es gibt Maler jeder Altersklasse, es gibt Maler jeder Hautfarbe, ich kenne kein Land in dem nicht gemalt wird und ich kenne auch keine Epoche in der nicht gemalt wurde. Dies beweist jeder Besuch in einem Museum für Frühgeschichte, egal was da liegt, ein wenig Kunst ist dabei. Eine kleine Verzierung, ein kunstvolles Muster in einem Pfeil, nichts geht ohne Kunst. Dinge die uns wichtig sind, müssen wir einfach zum Ausdruck bringen.

Die Venus von Willendorf 30.000 Jahre alt

File:Venus von Willendorf 01.jpg Urheber des Fotos: User:MatthiasKabel [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

Urheber des Fotos: User:MatthiasKabel [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

(Facebook würde dich bei den Brüsten direkt rauswerfen, aber es ist doch beruhigend das Herr Feuerstein genauso tickte wie mein Liebster)

Halten wir mal fest: Malen und Kunst machen ist ein Grundbedürfnis.

Jeder malt oder moduliert eben das, was ihm im Kopf herumschwirrt.

Die Bilder von Kindern sind meistens freundlich und fantasievoll. Die wirklich bedeutenden Zeichnungen von Erwachsenen sprechen über Gefühle, die wir sonst nie ausdrücken. Hemmungslos, überschäumend und beobachtend.

Aber nicht jeder scheint diese Fähigkeit zu behalten.

Kunst ist eine Sprache

Aber noch mal zurück zur Frage. Die Frage war doch, warum malen wir? Oder warum malen wir nicht mehr?

Im Gegensatz zu Kindern haben Erwachsene oft Hemmungen einfach loszulegen. Ja, man kann das regelrecht Blockade nennen. Und jetzt frage ich mich doch, warum blockieren wir uns in zunehmendem Alter.

Ich glaube es liegt an zwei Dingen:

Wissen und Ansprüche

In zunehmendem Alter entwickeln wir ein Wissen über die Welt, wir glauben dass wir wissen wie die Welt tickt. Und dieses Wissen macht uns nicht weitsichtig, sondern es raubt uns die Möglichkeit zu beobachten. Wissen kann bei Menschen sehr zweischneidig sein.

Der eine Mensch lernt durch sein Wissen, dass es immer mehr zu wissen und zu beobachten gibt. Dummerweise wird Wissen aber ganz oft als Regel vermittelt. Zu harte Regeln öffnen aber nicht, sondern sie schließen.

Ich vermute irgendwann kommt der Punkt an dem das Wissen so stark überhand nimmt, dass man nicht mehr beobachten kann. Jeder von uns hat so Glaubenssätze im Kopf, die uns ein gehämmert wurden und die uns dann jeder Spontanität nehmen.

Und dann sind da ja auch noch die Ansprüche, es muss großartig sein, fehlerlos und brillant und natürlich muss es hohe Preise bringen.

Denn nichts was nicht ernährt ist etwas wert.

Meine Schüler erzählen mir immer wieder unglaubliche Geschichten, Was Ihnen alles den Spaß am Malen verdorben hat. Jeder Laie scheint ganz genau zu wissen, was Kunst darf und was Kunst nicht darf:

  • Es muss immer ausschauen wie ein großer Meister den schon gibt, am besten ist der große Meister schon tot und ganz teuer.
  • Hässliches darf auf keinen Fall ins Bild, Sex geht auch nicht
  • die Realität ist doch anders
  • Kreativität ist etwas für Frauen und Kinder
  • Du bist Untalentiert
  • brotlose Kunst
  • usw. und so fort

Die Folge ist jetzt das viele Erwachsene vor einem Blatt sitzen und total vernagelt sind.

Zucht und Ordnung

Wenn ich meine Schüler frage: Warum sie eigentlich malen oder nun endlich wieder mal, dann kommen die unglaublichen Geschichten zutage.

Schöne Geschichten und enorme Traurigkeit

Ich frage mich oft was ist eigentlich in den Familien los? Kindern wird oft mit einer enormen Brutalität die Kreativität ausgetrieben. Wenn jetzt meine Malschüler anfangen zu erzählen, dann weiß ich manchmal nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Eine Schülerin von mir ist Sportlehrerin, ehemals war sie die Kleinste in der Familie. Sie hat aufgehört zu malen wegen solcher Sätze:

Hör sofort auf, das sieht scheußlich aus!

Jetzt denkt man natürlich, dumm gelaufen, aber das ist natürlich eine Ausnahme. Ganz und gar nicht, etwas Erfahrung ist eher die Regel. Ich höre die abstruseren Dinge, von Vätern die ihren Kindern verbieten Farbstifte zu benutzen. Von Jungs die streng ermahnt werden, dass malen nur etwas für Mädchen und Frauen ist. Aber das Häufigste ist, dass vielen jungen Menschen künstlerische Berufe verboten werden.

Ich hoffe immer das so einen Mist schon lange vergangen ist. Doch erschreckender Weise liegen diese Geschichten oft nur 20 oder 30 Jahre in der Vergangenheit.

Dabei gibt es einen ganzen Haufen von Gründen, warum wir auch entzückt und frei im Erwachsenenalter malen sollten:

1. Malen entspannt

Wenn ich mal frage warum meine Schüler malen, dann ist es das häufigste Argument, dass man dabei super den Kopf abschalten kann. Wann man einfach Ruhe und Zeit für sich selbst hat.

2. Malen öffnet die Augen

Ein großes Argument, ist für viele Menschen die unglaubliche Klarheit des Sehens. Gerade Menschen aus vielen hochwertigen Berufen werden von Malen angezogen, weil sie es sehr schätzen die verkrusteten Glaubenssätze und Befehle abzuschütteln. Frei und klar sehen ist nicht nur in den meisten Berufen sehr hilfreich, es hilft auch enorm bei der Persönlichkeitsentwicklung. Das klare Sehen ermöglicht uns die Möglichkeit zur Revolution. Vielleicht ist genau dies der Punkt, warum so viele Menschen Künstler verachten oder bewundern.

3. Malen macht leistungsfähiger

Wer klarer sieht, einen freien Geist hat und eine bessere Feinmotorik ist oft auch deutlich leistungsfähiger. Gerade Leistungsträger schätzen diese Fähigkeiten. Vor allem wird die Konzentrationsfähigkeit durch Malen gestärkt. Wer ein gutes Bild malen möchte, muss einen Fokus finden. Die Fähigkeit ein Thema interessant und klar und deutlich herauszuarbeiten ist fast in jedem Beruf hilfreich. Aber reden wir nicht nur für den Menschen die im Beruf stecken. Sehr viele ältere Menschen betreiben das Malen, weil es Menschen im Kopf sehr lange leistungsfähig und fit hält. Ich selbst habe einen Großteil meiner Fähigkeiten von einer 94-jährigen Malerin gelernt. Dies lässt sich auch per Schichten-Tomografie im Gehirn nachweisen, die Gehirne von Malern altern langsamer und heilen schneller.

4. Bewunderung

Wenn man einmal den Mut gefunden hat und nur ein wenig besser wird, dann wird man merken wie die Stimmung der anderen plötzlich umschlägt. Plötzlich ist man nicht mehr der verachtete Habenichts, sondern der geniale Künstler. Es lohnt sich also den eigenen Kopf durchzusetzen. Plötzlich wird man bewundert. Sein wir mal ganz ehrlich, in einer Gesellschaft wo wenig gelobt wird, tut das doch so richtig gut! Oder?

5. Lebensfreude

Wer all die Verbote und Gebote mal mit den Besen vor die Haustür kehrt und seine Augen auf Schönes richtet, der wird feststellen wie schnell sich die Heiterkeit ins Leben schleicht. Verbote und Gebote lassen viele Menschen ganz schön krumm laufen. Wie oft höre ich in der Sprache:

Ich muss! Ich muss! Ich muss!

In der Kunst musst du gar nichts, außer zu machen auf was du Lust hast und das macht Lebensfreude. Alles ist erlaubt, ein Satz den ich mir selbst hinter die Ohren schreiben musste.

6. Die Macht des Erschaffens

,,Es gibt den Maler, der aus der Sonne einen gelben Fleck macht, aber es gibt auch den, der mit Überlegung und Handwerk aus dem gelben Fleck eine Sonne macht’’ (Pablo Picasso).

Habt ihr euch schon mal überlegt? Wie mächtig das erschaffen ist? Was man erschaffen will ist sehr unterschiedlich. Mir reicht oft ein Lächeln oder eine Erinnerung.

Tatsächlich eröffnet die Kunst einen Raum, in dem wir völlig frei und hemmungslos sehen erschaffen und denken dürfen!

Na, wenn das mal nicht mächtig ist!

Wundervolle Grüße in ein hoffentlich schönes Frühlingswochenende.

Das Bild was ihr heute sieht heißt: Frisch geborenes Grün. Eigentlich habe ich es gemalt, um die Blätter zu feiern, die hier gerade mal einen Tag alt waren. Doch dann traf ich diesen genialen Kunstpädagogen.

Making of

Die Geschichte dahinter,

Letzte Woche habe ich einen unglaublich schönen Mal-Kurs am Chiemsee gegeben.

Meine Gruppe war einfach großartig. Wir saßen auf der Fraueninsel hinter einem der ältesten Gebäude Deutschlands, ließen uns die Sonne aufs Haupt scheinen und plötzlich kam eine Familie. Der Sohn war so richtig begeistert und sagte im vorbeigehen: Oh toll, ich glaube ich möchte auch mal Maler werden. Vater brüllt im nasalstem bayrisch: Naaaahh! Alles Habenichtse! Kunst ist nichts Gescheits!

Dazu kann ich nur sagen, hier liegt ein klassischer Fall von Betriebsblindheit. Denn die Habenichtse, die dort auf dem Boden hockten, hatten schätzungsweise jeder Einzelne ein Einkommen was dreimal so hoch war wie das des Vaters. Hätte der Mann die Augen aufgeklappt so hätte er gesehen, das dort zehn Stützen der Gesellschaft auf dem Fußboden zufrieden im Staub sitzen.

Zwei Theologen, ein Zahnärztin, eine Rechtsanwältin, eine Kunsttherapeutin, eine Sportlehrerin, eine Orchestermusikerin, eine Apothekerin, eine Logopädin, eine Städtebauerin und eine Tiefbauerin, die klassische Ansammlung der Habenichtse.

Ich möchte dem jungen Mann dringend traten Den Rat seines Vaters in den Wind zu schlagen . Auch wenn dieser vor dem 13 jährigen aufbaut als sei er Napoleon persönlich.

Malen lohnt sich immer. Ob jetzt nun als Profi oder nur als Ausgleich. Interesse und Malen ist Interesse macht dich lebenslang schlauer und glücklicher.

Das kann man sogar auf Gehirnsscans nachweisen. Diesen Artikel habe ich bei einer Rescherche in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift gefunden:

https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0101035

Wenn ich das mal zusammen fassen darf in verständlicher Sprache:

Kunst machen beschert dir eine deutlich verbesserte Hirnfunktion….rate das mal dem Vater, er braucht es dringend……

Noch ein Artikel zu warum wir malen:

Urban Sketching Teil 1

Urban sketching

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Triste Farben – das Licht schenken

Tine Klein Triste farben Mischen und pimpen

 Uni Zürich Material: Farbe Gouache von Schmincke,  Highlights Conte a Paris Sticks

Ich will dein Sonnenschein sein, wenn der Himmel mal grau ist.

Hallo ihr Lieben,

im Moment sind die Wetterwechsel wirklich krass, Aprilwettter. Zeit mal über Sonnenschein und das genaue Gegenteil zu sprechen.Ja zum April gehören auch die grauen trüben Farben.  Ja, richtig gehört, heute sprechen wir über das Mischen von grusigen Farben, denn nicht nur im Winter ist es grau.  Für alle die nicht aus der Schweiz kommen, grusig heißt scheußlich,grässlich…oder zum würgen.

Unfarben mischen

Egal wo man ist wenn einem Bild das Licht fehlt dann fehlt der Pepp. Ich lebe am Zürichsee. Dort gibt es eine sehr wundervolle Architektur.  In Zürich, wie fast überall in der Schweiz, gibt es eine wundervolle Tradition der Steinmetzarbeiten und hier kommen wir zu einem Problem, dass Maler in jeder Stadt rund um die Welt haben.

Große Steinbauten haben oft keine schönen Farben

Bei schlechtem Wetter sind sie  genauso attraktiv ist wie Altpapier. Jeder Urban Sketcher oder Open Air Maler kennt das Problem, wenn der Sonnenschein fehlt, wirkt auf dem Blatt alles völlig trist.

Wenn man natürliche Farbe zur Grundlage macht, dann sieht dies nicht hübsch aus. Es wird diesen großen, schönen Häusern einfach nicht gerecht. Denn oft sind die alten Häuser sehr spielerisch, mit Erkern und trotz ihrer Größe überhaupt nicht trist.

Versucht man hier einfach nur eine Farbe anzurühren, dann verwandeln sich diese großen herrschaftlichen Häuser in dreckige Trutzburgen, die die Bilder auf unschöne Weise regieren.

Und dann kommt man beim Malen und kolorieren ganz schnell zu der Frage:  Wie hübsche ich eigentlich triste Farben auf?

Farbe beleben, aber wie?

Farbe mischen ist oft nicht so einfach

Gerade bei schnellen Skizzen wird dies mühsam. Bevor man Bilder malt, in denen es sehr viele friste Farben gibt, sollte man am besten Mischtests machen, denn sonst erlebt man unweigerlich unschöne Überraschungen. Es entstehen beim Mischen gerne mal die schrecklichen “Kackfarben”, tut mir leid, aber man muss es mal beim Namen nennen.

Diese Farben brauchen Licht und dieses geht so schnell verloren.

Farbe mischen kalt und warm

Der erste Tipp, den ich geben kann, ist niemals monoton zu werden, ein graues oder dunkles Bild, das obendrein noch langweilig ist, sieht immer scheußlich und nach Regen aus.

Die Folge ist, dass die einfachste Lösung ist, gebrochene Farben oder Grautöne in unzähligen Varianten anzubieten.

Merke: Triste Töne immer abwechslungsreich gestalten

Das wichtigste ist, dass es in dem Grau auch helle und freundliche Töne gibt, nicht alles darf nach dreckigen und gedämpften Töne ausschauen, sonst wird es trüb. Das seht ihr in den Universitätsfenstern, dort habe ich funkelnde Farbreflektionen eingebaut.

Gebt dem Grau immer saubere und klare Farbtöne an die Seite, wenn es nicht düster werden soll

Der Trick: Farben mischen mit kalt und warm

Jetzt sehe ich schon einige von euch, schauen wie ein Pferd. Für viele sind kalte oder warme Farben, zum Beispiel rot für warm und blau für kalt.

Wenn man jetzt aber mal auf dem Farbrad schaut, dann haben alle Farben kalte oder warme Verwandte. Blau ist tendenziell eine kalte Farbe, wenn es aber viel rot enthält und schon fast ein lila ist dann wird es wärmer.

Jede einzelne Farbe sieht hübscher aus, wenn sie unzählige Schattierungen  in kalt und warm hat

Und ich sage Dir jetzt schon, dabei werden viele “Erbsensuppenfarben”entstehen, wenn es sich ungewollt mischt. Man kann es aber auch einfacher haben, dazu aber später.

Ein schönes Bild in schönen Unfarben zu malen ist viel schwerer als alles Andere

Wer nie einen Fehler beging, hat nie etwas Neues ausprobiert. Albert Einstein

Ihr werdet sehen, mischt ihr Spuren der Farben die ihr im Bild verwendet habt  in die Grundfarbe werden sehr viele Farbvarianten entstehen, sehr wichtig ist, dass man in winzig kleinen Mengen arbeitet. Manche Farben gehen auch wirklich gar nicht, denn sie sind so scheußlich, dass sie den Betrachter sofort in ungewünschte Assoziationen führen. Jeder der schon mal Probleme beim Mischen hatte  kennt sie, die dreckigen  “Tarnfarben”

Ein schönes Bild in Unfarben zu malen ist unendlich viel mehr Fleißarbeit als ein Bild in schönen klaren Farben.

Aber wer sagt denn das wir all diese Farben mischen müssen? Machs Dir doch einfach.

Der kleine Trick, bring die Tristesse zum funkeln:

Wir leben nicht mehr im Mittelalter, heute haben wir Zugriff auf tolles Kunstmaterial. Unendlich viel einfacher geht es, wenn man Pigmente obenauf setzt. Besonders hilfreich bei Farben die sich sonst unschön mischen würden, aber auch schön Ton in Ton. Erinnert euch das Abwechslungsreiche ist der Trick.

Besonders wichtig ist aber das verlorene Licht:

Troubleshooting im Bild: Ist das Licht weg ist das Bild trüb. Wie schade um das schöne Bild.

Mein Tipp wenn das Licht weg ist, ist das Bild noch lange nicht verdorben. Wenn es trist aussieht, dann setzt noch einmal Pigmente oben auf die Farbe. Das erspart viel Zeit und Mischen.

Farbe nachträglich zum Funkeln bringen.

Wenn man helle Pigmente auf dunkle oder graue Farben setzt, dann erhält das Bild neuen Glanz. Ich habe lange nach Material gesucht mit denen ich die zu dunklen Aquarelle meiner Schüler retten kann. Ich habe es gefunden…der kleine chice Franzose!

Conte a Paris Sticks

Das sind kleine eckige Stangen, im Grunde ähneln sie einem viereckigen Stift ohne Holz. Künstlerisch geben sie Dir aber mehr Möglichkeiten als ein Stift. Gut ist das man auch die Kanten und Seiten benutzen kann, der Strich wird vielfältig. Die Sticks sind extrem stark pigmentiert, man merkt das es ein erprobtes Traditionsmaterial ist. 

Warum liebe ich dieses Material?

Der Hauptgrund ist das man mit dem Material jederzeit triste Bilder retten kann. Es ist unkompliziert. Ähnlich wie mit einem Füller kann man dem Aquarell oder Gouache nachträglich eine zusätzlichen Struktur oder Glanz verpassen, einfacher als mit dem Pinsel. Ich mag das es unkompliziert ist.

Die Sticks geben mir die Freiheit ganz unbefangen zu malen, denn ich weiss, ich kann das Licht nachträglich ins Bild bringen.

Die Pigmente haften gut am Blatt, bis jetzt musste ich noch nie fixieren. Wenn man aber mit dem Finger reibt, lassen sich die Pigmente verteilen.

Es hilft mir ganz schnell und frei zu arbeiten, so entstehen die 10 Minuten Aquarelle.

Die Sticks sind klein, das heißt man muss nicht viel mit sich herumschleppen. Ich arbeite nun seid ca. 2 Monaten mit den Sticks und bin im Moment ein bisschen süchtig. Zugegebenermassen sind sie empfindlicher als Stifte, auch wenn sie manchmal brechen ist dies nicht schlimm, denn man mit  mit einem kleinen Stückchen wunderbar arbeiten.

Die Sticks sind die kleinste Lösung für Farbstifte die ich bis jetzt gefunden habe, trotzdem skizzieren sie deutlich lockerer und großzügiger als Stifte.

Beim Händler hab ich eine kleines Pappschächtelchen für den Transport der losen Sticks bekommen, das ich im Moment immer in der Tasche.

Ich mag die Conte Sticks  weil es mich an das unbefangene Malen in der Kindheit erinnert. Auch mal mit den Fingern  🙂

Welche Farben braucht man?

Mein Tipp: Der Stick sollten zu euren Lieblingsfarben in eurem Farbkasten passen.

Lieblingsfarben sind die Farben mit dem Loch drin, weil man sie viel benutzt.

Der Stick sollte heller sein, dann bringt er  Licht ins Bild!

Noch ein ganz anderes Problem löse ich gern mit den Sticks: Verkehrslichter und Schilder

Signalfarben sind prima für Leuchtendes.

Ich habe das Gefühl das Material ist der beste Freund von Aquarell und Gouache.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Wofür benutzt ihr dieses Material? Ich probiere noch aus! Ich bin sehr gespannt auf eure Beiträge.

Liebe Grüße ins Wochenende Tine

Haltet es mit Einstein, alle schlauen Leute wissen, Fehler sind wertvoll und man muss sie machen um noch schlauer zu werden, aber das heißt nicht, das man sie korrigieren kann.

Noch mehr zum Thema:

Licht ist meine Lieblingsfarbe!

Eine gute Zusammenfassung zum Grau mischen habe ich in dem Blog meiner Kollegin Astrid Volquardson gefunden:

Grau mischen

 

 

 

 

Das perfekt hässliche Motiv!

Tine Klein, Blog Herz der Kunst das Blumengeschäft an der Straßenecke AquarellWas macht man mit scheußlichen Motiven?

Manchmal ist das Motiv nicht hässlich sondern der Tag über die Lyrik des Hässlichen.

Wir haben in den vergangenen Jahren beschlossen, dass sich das Leben eben nicht selbst schön macht, also raus aus den Federn um den Tag zu bereichern!

Doch manchmal klaffen Erwartung und Realität total auseinander, zuerst haben wir verschlafen, dann haben wir uns gegenseitig im Badezimmer im Wege gestanden und zum Schluss ist der Kaffee alle.

Ach, auch noch ohne Kaffee! Grausam!

Ohne Kaffee ins Chaos, das ist für mich Morgentrottel die Höchststrafe. Jetzt steh ich auf der Straße und viele meiner Bekannten malen schon eifrig. Ich schaue mich um und denke, warum zum Teufel sollte ich hier malen? Wieso bin ich eigentlich aufgestanden? Das Motiv ist doch total hässlich!

Das hässliche Motiv!

Ein hässliches Motiv macht wirklich keine gute Laune! Oder?

Tatsächlich glaube ich nicht, das es wirklich hässliche Motive gibt. Diese Aussage ist natürlich ein Statement, aber es erklärt sich von selbst, wenn man darüber nachdenkt.

In der Schweiz heißt Motiv übrigens Sujet, was das Ganze besser auf den Kopf trifft als Motiv, denn Sujet heißt übersetzt so viel wie Inhalt.

Sehen, ist eine Geisteshaltung. Du wählst deinen Inhalt doch selbst! Natürlich war dieses Motiv nicht gerade der Ausbund der Schönheit.

Tine Klein was macht ein Maler mit hässlichen Motiven?

Doch ich war noch müde und geistig nicht wach, deshalb konnte ich hier einfach keine Schönheit wahrnehmen.

Das Wichtigste was man sich bei der Motivsuche merken kann, ist das fast kein Motiv schlecht ist. Die Frage ist eben nur:

Wo finde ich meine Inspiration? (ohne Kaffee)

Inspiration

Inspiration ist ein Problem des Malers, das Motiv ist völlig unschuldig.

Ich hocke jetzt auf meinem Stühlchen und empfinde es regelrecht als Druck malen zu müssen. Ich muss natürlich überhaupt nichts, dies ist allerdings meinem kaffeelosen Körper völlig unklar, denn ohne Kaffee bin ich generell verloren.

Mangelnde Inspiration ist meistens ein Zeichen von Anspannung. Wenn man sich erst mal ruhig hinsetzt und den Geist schweifen lässt, dann findet man etwas Spannendes.

`Bevor man malt, muss man sich dem inneren Ich zuwenden, damit man sich auf Wahrnemungsprozesse einlassen kann´

sagt der Schweizer Maler Thomas Lüchtinger in seinem Buch intuitiv Zeichen.

Ja, da stimme ich zu! Nur Frage ich mich, warum ich ohne Kaffee kein inneres Ich habe? Bin ich ein Zombie? Morgens definitiv! sagt mein Mann.

Deshalb kann ich das Motiv nicht einmal hässlich malen, ich kann mir keine Meinung bilden, das ist das Problem.

Hässliches ist absolut inspirierend, sagt meine Freundin im gleichen Moment in dem ich leer in des Morgens Grau starre. Sie hat in dieser Straße das gesamte Gerümpel zum Thema gemacht, ihr Bild wimmelte vor Klimaanlagen, Mülltonnen, Wellblech und abbröckelndem Putz. Das Bild ist übrigens super geworden, leider konnte ich es nicht fotografieren, denn meine Freundin malt gerne in riesigen Formaten. Sie benutzt Bleistifte auf fast 2 m langen Bildformaten. Und ich kann euch sagen diese Straße hat für ein 2 m großes Bild genug Gerümpel gehabt. Fotografieren kann man die Gefühlsausbrüche mit Bleistift nicht, denn die Kamera ist nicht in der Lage das Chaos einzufangen, dass sie mit einem einzigen Bleistifte anrichtet. Meine Kollegin kann mit ihrem Bleistift die Faszination des Grauens erzeugen.

Das ganze Bild sieht aus wie ein Unfall, aber man muss da einfach hingucken!

Meine Kollegin ist das natürliche Gegenstück zu mir, sie ist kurz angebunden, nicht gerade ein Sonnenscheinchen.

Sie kotzt sich regelrecht aus!

und danach hat meine Kollegin wunderbar gute Laune. Prima Strategie!

Perfekt hässliche Motive sind großartig

Hässliche Motive sind auf zwei Arten ganz wunderbar. Die eine Methode ist mal ganz deutlich seine Abscheu zeigen kann. Man kann und man darf sich total austoben, denn wer sagt das Kunst schön sein muss? Die Bilder meiner mieslaunigen Kollegin sind übrigens großartig verkäuflich! Weil sie Aggression und Abscheu in Bewegung umgesetzt.

Ich selbst bin jetzt nicht gerade der Typ der sich großartig fühlt, wenn er sich dauerhaft auskotzt, deshalb muss bei mir eine andere Strategie her.

Kunst machen heißt sei einfach wer du bist!

Persönlich konzentriere ich mich nicht gerne auf das Negative, weil es mich herab zieht. Ich bin ein Gefühlsspiegel, Einen Seelchen würde mein Liebster sagen. Ich kann nicht so aggressiv sein wie meine Freundin, bei mir würde dies in Melancholie ausarten. Was bei weitem nicht so plakativ ist, wie heraus geschriener Hass.

20 Minuten später steht die Sonne am Himmel, eine riesiger Becher Kaffee macht das Leben schön. Und siehe da 50 Meter weiter, man sieht es durch den Straßenmief, finden meine Augen was Schönes: Männer tragen Blumen vor das Haus. Ich setze mich so, dass ich in die andere Straße schaue.

Motivsuche ist eben eine rein seelische Sache und nichts liebe ich mehr als ein Blumengeschäft. Jetzt kleben sich meine Augen an das Blumengeschäft:

Oh ist das nicht toll?

Es ist doch total witzig wie unterschiedlich man ein und dieselbe Sache sehen kann, nur weil der Koffeeinpegel jetzt stimmt.

Der Vorteil an hässlichen Motiven ist übrigens auch, dass es viel leichter fällt sich auf eine Sache in dem Motiv zu konzentrieren. Man blendet einfach die Dinge aus, die wirklich scheußlich sind.

Das Schöne wird an einem hässlichen Motiv zu einem Augenmagnet

Merkwürdigerweise werden die Bilder in denen es nur eine wirklich gute Sache gibt, viel besser als Bilder in denen alles wirklich gut war. Der Grund ist bei man sich völlig auf das Positive konzentriert und dadurch wird das Bild für den Betrachter gut lesbar.

Diese Bilder sind so gut, weil sie das Bildzentrum so behandeln wie eine Diva. Der Scheinwerfer richtet sich auf die Diva, sie fängt an zu funkeln und damit hat man eine ganz entscheidende Regel des Bildentwurfs verstanden.

Hässliche Motive und ihre Stärken

Wenn ich zusammenfassen sollte wie man aus wirklich hässlichen Motiven gute Bilder macht, dann würde ich im wesentlichen zwei Strategien empfehlen. Die eine Strategie ist die Emotion, zeig doch einfach mal das  du denkst. Denn auch…

Das Negative macht ausdrucksstark und ungewöhnlich

Der Vorteil daran ist, dass hässliche Motive wirklich ungewöhnliche und ausdrucksstarke Bilder erzeugen.

Tine Klein Chicago alte Feuerwache

Hier  saß ich neben dem Trump Tower und starre auf eine Feuerwache und denke darüber nach wie es ist politisch Feuer zu legen. Das Bild ist ein Gedanke

Die andere Strategie ist die Augen fest auf das positive zu heften.

Das Positive wird noch auffälliger, wenn es keine Konkurrenz hat!

Und so wird das Blumengeschäft schön, trotz dessen die Straße richtig scheußlich war.

Liebe Grüße ins Wochenende.

Tine

Weiterlesen  zu einem ähnlichen Thema:Ein Meter verändert die Welt

 

Wir hatten ein ziemlich turbulentes Jahr, viele Leser haben versucht sich in meine Workshopliste eintragen zu lassen. Das hat nicht geklappt in unserer Straße liegt eine alte Wasserleitung Ratet mal! Dadurch ist die Datensicherung zusammen mit dem Rechner weggeschwommen. 6 Monate E-mails waren verloren. Wessen Mail mit geschwommen ist, den möchte ich herzlich bitten, versuche es noch einmal.

https://www.herz-der-kunst.ch/kontakt.html

 

 

 

 

 

Spielerisch Kolorieren

Das Spiel macht dich gut!

Im Unterricht, aber auch hier im Blog, erzähle ich ja immer wieder wie ein Papagei, dass das Spiel einen erst so richtig gut macht. Falls ihr euch nun einen grünen Papagei vorstellt, möchte ich gerne Esmeralda heißen.

Wenn ich immer wieder sage: “Spiel doch mal bitte rum”, dann weiß ich immer nicht so richtig, ob das beim kolorieren wirklich ankommt, deshalb möchte ich in diesem Blog mal einmal nicht so viel schreiben, sondern ich möchte euch mal zeigen, was sich mit ein paar Farben anstellen lässt.

Meine Vorlage ist eine Zeichnung, die ich im Urlaub mit meiner Familie gemacht habe. Da sie nicht warten wollte, konnte ich nur eine schnelle Federzeichnung im Notizbuch machen. Diese habe ich dann auf Zeichenpapier kopiert.

Farb- Setup für das Kolorieren:

Bunte Bilder oder sehr farbintensive Bilder müssen nicht unbedingt aus vielen Farben entstehen. Es ist oftmals gerade für Anfänger viel sinnvoller sich auf ein paar Farben zu beschränken. Denn wenn man nicht so viele Farben hat, dann kann man damit auch so lange spielen bis man, weiß was man damit anstellen kann.

Mein Farb Set-up für dieses kleine Spiel ist:

  • Violett, ich glaube es ist brilliant Blauviolett
  • Lasurorange
  • Opern rosa oder Magenta
  • Burnt Siena
  • Bergblau (Vorsicht Mehrpingmentton)
  • Goldbraun, wirkt wie warmes Gelb
  • Sepia, ein bräunliches Schwarz, weil ich Sepia Tinte  zum Zeichnen benutze, nur in Sspuren eingesetzt
  • Und als Hingucker: Geranienrot (Alle Farben sind von Schmincke)

Am Schluss setze ich noch Akzente in gleichfarbigen Aquarellstiften und ein wenig Türquis. Jetzt fange ich an die Farben bein kolorieren zu kombinieren, mal kombiniere ich die Farbtöne mal ganz bewusst oder einfach aus dem Bauch.

Bild Nummer Eins: Kolorieren in Pastell

Jetzt frage ich mich, wie sieht das denn in dunkel aus?

Oh, auch gut und wie wäre es mit Rot? Sandstein ist ja im Licht sehr wandelbar.

Oder doch lieber ein richtiger Komplementärkontrast? Na, dieses Bild hat ganz schön viele kalte Farben! Fällt mir noch was anderes ein?

Upps, hier bin ich zu nass, jetzt muss ich das Motiv mit Phataloblau aus dem Hintergrund neu aufbauen. Hier sieht man auch den türquisen Aquarellsstift prima. Wer malt muss auch mal eine Überschwemmung retten.

Das Zeichenpapier musste ich hinterher bügeln 😉

Und

Last but not least mit wildem Himmel:

Solche Übungen tüftel ich aus, damit meine Schüler wirklich das freie Kolorieren lernen. Auch wenn das Papier nicht so gut ist wie echtes Aquarellpapier, so kann man doch wirklich lernen Farbe zu benutzen.

Spiel dich ran!

Ich bin mal gespannt, wie die Kolorationen der Schüler darauf ausschauen. Nächste Woche werden 12 Tapfere diese Aufgabe testen, mal schauen was dabei rauskommt.

Liebe Grüße ins Wochenende von eurer Tine

P.S.:

Urban Sketching Gruppen und Kunstvereine können mich direkt ansprechen und ihre Kurse selbst organisieren.

Noch ein anderer Blog zur Farbe:

 

Bildentwurf

Tine Klein Treppe zum Marktplatz Tessin Bildentwurf

Zwischen Ying und Yang

Diese chinesische Philosophie könnte man auch mit dem deutschen Sprichwort “Mit Bauch und Kopf übersetzen”.

Im Moment konzipiere, ich gerade einen großen Freihandzeichenkurs, der für die Menschen gedacht ist, die gerne aus dem Bauch heraus mit dem Stift loslegen. Das doofe daran ist, dass man gerade für das intuitive Loslegen auch wieder sehr viel Technik braucht.

Kopf und Bauch sind, wenn sie im Einklang zusammenarbeiten, einfach unschlagbar.

Dennoch ist dies in der ersten Phase des Lernens gar nicht so einfach miteinander zu vereinbaren, denn wer zu viel nachdenkt, der arbeitet nicht mehr aus dem Bauch heraus.

Blöderweise kann man aber auch nicht lernen ohne nach zu denken.

Eigentlich bräuchte ich in meinem Atelier ein Regal für all die Köpfe. Fröhlich würde ich rufen, “So! Jetzt haben wir den ganzen Theorie Scheiß gelernt, leg mal eure Köpfe ins Regal, die müssen jetzt ausruhen”. Es wäre so hilfreich, wenn alle meine Schüler fröhlich ohne nachzudenken im Unterricht loslegen, dummerweise ist bei den meisten der Kopf angewachsen.

Als Lehrer steckt man also ganz gewaltig in der Zwickmühle, denn man muss beides lehren, Viele meiner Kollegen sind da anderer Ansicht, sie sind scharfe Verfechter der einen Richtung oder der Anderen.

Die einen sagen, du musst dich quälen und ganz viel Theorie lernen und Techniken, die Anderen sagen, dass dies dir gar nicht hilft, weil du zu dir selbst finden musst. Dabei lernt man dann aber nix.

Persönlich betrachte ich diesen Zusammenhang ganz einfach, denn ich glaube ein Körper kann weder ohne Kopf noch ohne Bauch funktionieren. Oft wird Fachwissen das am Anfang recht mühsam war, im Laufe der Zeit zum Bauchgefühl…ich vermute so muss es sein.

Der Bildentwurf und der Kopf

Liest man in zeitgenössischer Literatur über Malen und Zeichnen, dann scheint es für den Bildentwurf nur ein Thema zu geben:

Der goldene Schnitt

Dann legt man das Bildzentrum statisch auf einen der 4 Punkte des goldenen Schnitts? Nein so läuft es nicht, dein Entwurf muss zum Thema passen.

Heute möchte ich euch einmal ein ganz anderes Entwurfsthema vorstellen. Es ist die Bewegung. Ich meine jetzt nicht Bewegung im Sinne von einem Jogger läuft durchs Bild, sondern ich meine Bewegung im Sinne von wie sind Gegenstände im Bild angeordnet.

Bewegungen sind als Entwurfselement richtig klasse, denn die Bewegung ermöglicht es uns besonders einfach Geschichten zu erzählen.

Die Herzen deiner Zuschauer müssen mit dir auf Reise gehen

Bildentwurf und Geschichte

Das Hintergrundwissen: Als ich dieses Bild anfing, war strahlender Sonnenschein, es war ziemlich warm. Der Schnee fing an zu schmelzen und das Licht brach sich in der Flüssigkeit. Das an sich graue Winterdorf zeigte sich im besonderen Farbglanz. Während ich malte, zog jedoch über die Berge eine Regenfront herein, diese krassen Wetterwechsel sind in den Alpen ziemlich normal. Um ehrlich zu sein geht es in diesem Bild um den Wechsel von strahlendem Wintersonnenschein zu der nächsten Wetterfront, die mit Regen und Hagel gerade eben ankommt.

Also der Wechsel von einem wunderschönen Schneetag zu Schneematsch.

Wie gehe ich jetzt bei meinem Bildentwurf vor?

Mal ganz ehrlich? Ich hab wollte ein ganz anderes Bild malen zuerst faszinierte mich die herrliche S-Kurve die das Dorf macht, wenn es sich den Berg heraufschlängelt. Also schon mal der erste Ansatz zu Dynamik durch Bewegung im Bildentwurf.

Tine Klein Treppe zum Marktplatz Tessin Bildentwurf Dynamik durch Bewegung

Ich denke diesen Bildentwurf seht ihr noch ganz deutlich wenn in das Bild hineinschaut.

Wer aber in der Schweiz wohnt oder in den Alpen, hat ja den krassen Wetterwechsel der letzten Tage mitbekommen.

Wer einem Bild Gefühle geben will, der muss seine Bilder abändern wenn er diese Gefühle gefunden hat.

Dummerweise passiert Erkenntnis erst während des Malens, das ist ja das Tolle daran. Wir schauen uns etwas sehr lange an und dann finden wir etwas sehr wundervolles darin. Dies ist der Punkt wo ein neutrales schönes Bild zu etwas sehr Persönlichem wird. Dieser Punkt ist sehr wundervoll.  Ein Künstler erschafft Neues und er reagiert.

 Bildentwurf ein wenig wie einparken auf hoher See

Natürlich weiß man wie man ein Schiff anlegt, dennoch ist es nie wirklich reine Theorie, denn das Wasser und der Wind haben ihr Eigenleben.

Und genau das macht man beim Malen, man balanciert aus. Jetzt muss noch die heranrauschende Wetterfront ins Bild.

In Bild  mit Thema entwickeln

Mein Thema ist: Die Sonne geht, der Schneematsch kommt, Menschen im Winter.

Zuerst teile ich nun das Bild in zwei Hälften, rechts habe ich die Sonne und von links schiebt sich der graue Winter herein. Am besten schräg, das ist dynamischer und stützt den Gedanken der Bewegung.

Man legt diese Teilung in Europa tatsächlich von links nach rechts an, ich glaube aufgrund unserer Richtung beim Lesen, betrachten wir Dinge die von links kommen automatisch als beginnend.

Viele kleine Einzelheiten im Bildentwurf

Der wesentliche Schritt ist geschafft, mich fasziniert der Wetterumschwung und diesen habe ich jetzt durch die Teilung des Bildes erzeugt. Der Bildentwurf wird meistens erst gut, wenn viele kleine Dinge mit dem Hauptthema zusammenarbeiten.

Was gibt es noch zu *Funkelschnee und  *Schneematsch   Zu sagen?

Zwei Gruppen von Menschen stehen im Licht und im Schatten.

Der Weg geht ins Licht

Hört sich jetzt an wie bei einer durch geknallten Esoterik Tante, aber jetzt mal ganz ehrlich, wir hier in unseren Breitengraden, wir sehnen uns doch im Winter nach Licht…deshalb formuliere ich das auch. Links und rechts oben von der Treppe mache ich es Dunkel, denn ich will zum Licht. Die Treppe soll mich zum Licht führen.

Tatsächlich denke ich über all das wenig nach…

Es steckt entwerferisches Fachwissen in den Bildern, wie zum Beispiel die Teilung oder das eine schräge Teilung immer dynamischer wirkt als eine gerade. Fachwissen ist auch, dass es für Menschen immer angenehmer ist ins Licht zu gehen als ins Finstere.

Doch es geht nicht ohne das Bauchgefühl, es bildet das Thema. Bildentwurf ist ein Zwiegespräch mit sich selbst. Wenn man solche Bildentwürfe konstruiert, dann wird es steif. Fachwissen ist dazu da es später intuitiv zu benutzen

Theorie wird zu Bauchgefühl

Liebe Grüße ihr Lieben

Tine

Da WordPress im Sommer alle Abonnenten löschte, meldet Euch bitte noch mal an, ich höre seid Monaten drei mal am Tag das der Blog nicht mehr kommt. Das nennt sich Datenschutz, ihr müsst dem einfach zustimmen , dh. euch eigenhändig oben links anmelden.

Mehr zum Bildentwurf:

 

Blick, Realität und Bildentwurf

 

 

 

 

 

Same procedure as every year? Malen lernen

Bon Ton Malysia Tine Klein Aquarell Hütte am See, malen lernen

“Dinner for one” oder doch lieber Miss Marple

In diesem Blog geht es um die Wiederholung. Wiederholung kann etwas sehr Schönes sein und das merken wir an unsere alljährlichen Unterhaltungssendungen zum neuen Jahr. Ich sage dann nur:

“Dinner for  one”

Worum es geht wissen wir alle, eine sehr alte Dame feiert ihren Geburtstag und alles muss sein wie immer. Was dazu führt, das der Butler für all die verstorbenen Freunde mitsaufen muss und volltrunken dauernd mit dem Eisbären kollidiert wie eine Billardkugel.

Wir finden es köstlich und ein Teil des Spasses ist die Wiederholung. In dem Film passiert 18 Minuten lang das Gleiche und das schauen wir uns gefühlt seid unserer Geburt jedes Jahr an.

Die absolute Abwesenheit von Neuem ist total entspannend.

Wie merkwürdig dieser Kultfilm ist, fiel mir erst beim Babysitten auf als ich diese Version mit den Kindern sah:

Die Änderungen in der Kinderversion kamen mir extrem stressig vor, dennoch hat es mir die Augen geöffnet. Die Abwesenheit von Neuem ist auch beim Malen wahnsinnig erholsam, immer wieder das Gleiche tun ist sehr gut um die Seele zu beruhigen.

Für das Malen lernen, ist dies gar nicht gut! Anders als bei dem Film sind wir nicht glücklich mit unseren eigenen Ergebnissen.

Also was wäre wenn sich Miss Sophie schon vor Jahren ihre Krücke geschnappt hätte und dann ein oder zwei neue Freunde gefunden hätte? Wäre das nicht schön?

Warum wir Angst vor Neuem haben

In meinem Malunterricht sehe ich immer wieder wie tief verwurzelt die Unzufriedenheit ist. Das Jammern über ein Bild gehört ja fast schon zum guten Ton. Sie wollen es farbiger, lockerer, wilder oder generell schon mal ganz anders! Und dann stürze ich mich ins Abenteuer und versuche es mal anders.

Abenteuer sind aber nicht beliebt im Bekanntenkreis. Ich höre des öfteren, das Haus ist doof, der Beruf sowieso und die Hobbys auch nicht aufregend:

Jetzt müssen wir noch durchhalten bis die Kinder aus dem Haus sind und der Dackel tot.

Dass man seinen Kindern ein stabiles Zuhause bieten möchte, ist ja irgendwie noch verständlich, dennoch fehlt mir generell eher der Blick zur Lösung.

Wieso haben wir Ängste vor dem Neuen?

Und erst recht, wieso haben wir die gleichen Ängste wenn es um Malen geht? Dabei kann doch wirklich nichts Schlimmes passieren, ich aber noch nie von einem gehört, der sich beim Malen eine schwere Verletzung zugezogen hat. (Man sollte nur nicht zuviel Absinth trinken, dann fehlt einem schon mal ein Ohr).

Ich glaube, es liegt daran, dass es Spießern so viel Spaß macht, Menschen die etwas Neues lernen zu blamieren. Das fängt schon in der Jugend an, etwas klappt nicht und die anderen lachen.

Die Folge ist dass viele Menschen sehr früh lernen, wenn ich etwas anders mache, dann bin ich hier der Depp! Halte dich an das Bekannte.

 

Wenn man es Neues macht, dann ist es oft erst mal noch schlechter! Insgesamt fehlt ihnen das Vertrauen mit der Veränderung umgehen zu können und deshalb findet man immer viel mehr Gründe um an dem festzuhalten, was man eigentlich blöd findet.

Sie bleiben lieber bei dem Altbekannten, fühlen sich dabei total geborgen und sicher, obwohl sie es nicht mögen.

Und oft steht es nicht in meiner Macht, sie davon zu überzeugen, dass man etwas anderes ausprobieren könnte. 

Sieh die Chancen

Zuerst einmal sieht die Chancen, die Leute die am meisten ausgelacht werden, sind doch eigentlich die Coolsten. Wer würde sich schon trauen sich zu benehmen wie Miss Marple. Die alte Schachtel ist doch Irre. Und das ist das Rezept.

Das erste Bild was ich in einer Galerie verkauft habe waren lila Kürbisse…die Anderen haben sich geschüttelt vor lachen. Lass sie lachen!

Miss Marple, die alte Schachtel macht doch auch was sie will und letztendlich ist sie damit die Erfolgreichste vom ganzen Haufen.

Zumindest beim Malen ist es ziemlich einfach sich zu benehmen wie Miss Marple.

Was soll denn passieren?

Es ist ein Blatt verdorben und ein paar Minuten unserer Freizeit haben nichts Produktives erzeugt.

Muss denn Freizeit immer produktiv sein?

Macht einfach positive Erfahrungen und wer positive Erfahrungen macht wird in der Regel immer dreister.

Es ist sicher kein Drama ein Bild in den Mülleimer zu werfen. Es gibt ein Lied das sich gerade zum Neujahr liebe. Das Lied ist von Peter Fox, es heißt: Alles Neu

Eigentlich ist mir das Lied ein wenig zu hektisch, dennoch hat es für mich selbst eine sehr tiefe Bedeutung, denn es hat mich gerade genau in der Zeit getroffen in der ich selbst mein Leben verändert habe. Es gibt zwei Zeilen in dem Lied die ich absolut großartig finde:

Hey, wenn’s dir nicht gefällt, mach es neu

Viele meiner Schüler haben Angst etwas Neues zu machen, weil sie dann beim Malen dieses geborgene Gefühl verlieren. Das muss man aber gar nicht. Das Lied von Peter Fox ist total euphorisch, eigentlich geht es darum etwas Altes in die Tonne zu stampfen und etwas Neues mit wehenden Fahnen zu beginnen.

Die Welt ist staubbedeckt, doch ich will sehen, wo es hin geht! Steig auf den Berg aus Dreck, weil oben frischer Wind weht!   Peter Fox

Ja! Er hat recht und doch ich glaube, man kann es auch ganz ruhig machen. Man muss das Haus ja nicht gleich in die Luft sprengen um auf dem Berg aus Dreck zu steigen.

Mache es einfach wie Miss Marple, mach es wie es dir gefällt. Ob die Anderen dich für eine alte Schachtel halten ist völlig egal, halte einfach die Handlungsoptionen offen.

 

Neues gemütlich lernen

Ich selbst mache das mit dem etwas Neues zu lernen oft sehr gemütlich, ich mache es auf die eine und auf dann die andere Art, ich bewerte nicht.

Bon Ton Malysia Tine Klein Tintenzeichnung Hütte am See, malen lernen

 

Wenn ich das eine gemacht habe, dann hindert mich doch nichts an einer 180° Kehrtwendung.Ich gucke dann einfach, wie es ausschaut und lerne aus der Erfahrung.

Bon Ton Malysia Tine Klein Aquarell Hütte am See, malen lernen

Tatsächlich muss man sich selbst beibringen Neues als entspannend und bereichernd zu empfinden.

Spielen ist eine andere Entspannung als sichere Monotonie

Niemand lacht dich aus, wenn du etwas Neues machst oder etwas anderes ausprobierst und niemand kann dir verbieten einfach mal nur zur Entspannung zu malen.

Tipps: Malen und Neues

  • Probieren neues ganz in Ruhe für dich aus.
  • Probier es mehrfach, um in Ruhe vergleichen zu können
  • Macht dich nicht von der Kritik von Anderen abhängig
  • Machte dir klar, es gibt kein richtig und kein falsch. Man kann Dinge auf mehrere Arten tun.
  • Essen darf man nicht verschwenden! Kunstmaterial schon? Macht dir klar, dass dein Kunstmaterial nicht dafür da ist, wie in einer Werkshalle Ergebnisse wie am Fließband zu liefern. Kunstmaterial ist zum ausprobieren da.

Achte nur wenig auf Leute die dich erziehen wollen, lachen die über Experimente, dann sind das die Doofen! Denk immer dran Miss Marple, die alte Schachtel, hat sie noch alle in die Tasche gesteckt.

Liebe Grüße ins neue Jahr Tine

 

 

Noch ein Neujahrsblog der beweißt wie unterschiedlich man Bilder malen kann:

Merry X-mas and a happy New Year

Unbezahlbar wie unterschiedlich ein Motiv sein kann

Reiseaquarell die schnelle Methode

Oetwil am See ein Blog von Tine Klein zum Thema Reiseaquarell

Tine Klein, Bauernhof mit Zugvögel bei Oetwil am See in der Schweiz

Dies ist eine Methode für Leute, die ein bisschen spät dran sind, wie die Zugvögel dieses Jahr.

Schnell und gut Malen lernen, das ist unser aller Ziel. Dies möchten nicht nur die unerfahrenen Zeichner und Maler, auch die erfahrenen Maler wollen schnell gute Qualität.

Eins der wichtigsten Ziele, das mir viele meiner Schüler nennen ist, dass sie lockerer werden wollen. Die folgende schnelle Methode, die ich euch vorstelle um Skizzen oder auch ein Reiseaquarell zu machen, beruht auf etwas Mut.

Das Schwierigste an dieser Methode ist eigentlich, dass man all seinen Mut zusammen nehmen muss und dann das machen, was unvorstellbar ist:

Das ganze Motiv wird in einem Zug gemalt.

Im ersten Zug wird, nicht zu dunkel, die Farbstimmung eines Motive in einem Zug wiedergegeben. Bitte lest dazu noch einmal dem Blog Farbstimmung, den ich euch am Ende des Tutorials anhänge.

Im ersten Schritt des Aquarell ´s  wird das gesamte Bild in einem Zug gemalt. Die Farbstimmung des Motivs wird wiedergegeben, dafür wird Farbe in Farbe getropft bis in der Größe des Bildes eine Farbwolke mit der Stimmung des Motivs entsteht. Dabei hält man sich in etwa an das was man sieht. Jedoch sind die Grenzen des einzelnen Motivs völlig unwichtig.

Das Ganze ist nicht mehr als ein riesiger stimmungsvoller Farbklecks.

Das Schwierigste an der Technik ist den Kopf zu befreien

Tatsächlich ist diese Technik sehr einfach, das Schwierige daran ist es von den Grenzen im Kopf los zu lassen, weil wir denken das Dach muss rot, der Baum muss grün, dies muss!, das muss, ich muss noch ausmalen!

Von dieser Tretmühle los zu lassen ist nicht einfach, denn wir denken ein Bild ist nur dann gut, wenn wir alles richtig machen. Dabei geben wir Gegenstand für Gegenstand zu viel Bedeutung, denn wichtig ist bei einem Motiv die gesamte Wirkung eines Motive.

Wie macht man so eine Farbwolke?

Das Wichtigste ist, dass man erst mal alle Details weglässt. Man überlegt sich:

Welche Farben liegen hier überhaupt vor oder welche  Farben brauche ich für die Stimmung, die ich malen möchte?

Meistens mache ich dann eine kleine Vorzeichnung, denn die Vorzeichnung hat in dieser Technik nicht mehr Bedeutung als eine kleine Lokalisation, wo ungefähr welche Farben hinkommen. Fehler und das Verschwimmen von Farbgrenzen sind in diesem ersten Schritt vollkommen unwichtig.

Auf der Vorzeichnung lege ich interessante Farbflächen, die im etwa dem entsprechen, was ich sehe. In der Farbfläche vereinige ich alle Farben miteinander. Allerdings versuche ich, dass nicht zu viele Komplementärfarben ineinander laufen, so dass die Farbe nicht grau wird. Wenn ich in dieser Art und Weise male, dann denke ich nicht über das Motiv nach. Ich denke nur über die Farbstimmung nach, die ich dort vor Augen habe und diese versuche ich sehr interessant und mit vielen Farbvariationen umzusetzen.

Die Technik

Bei meinen Reiseaquarell arbeite ich in einer Nass- auf Trockentechnik. Ich benutze meinen feuchten Pinsel, setze Farbklecks für Farbklecks nebeneinander, so dass die Farben ineinander laufen. Die Farben bilden automatisch weiche Übergänge, denn sie sind ja feucht und laufen ineinander. Für diese Technik brauchst du etwas Erfahrung. Wenn du sie jetzt einmal übst und es klappt nicht, dann ist das normal, aber auch kein Grund zu sagen, ich kann das nicht. Die Kunst bei dieser Technik ist den richtigen Feuchtigkeitsgrad zu treffen, denn es klappt nur wenn die Farbe nicht trocken, aber auch nicht patschnass ist.

Es gilt also den Feuchtigkeitsgrad zu treffen, wo die Farben weich ineinander fließen, aber nicht vermatschen.

Jetzt muss ich mal eine Ansage machen: Erwachsene sind es selten gewohnt etwas nicht zu können. Anders als Kinder lassen Sie sich sehr leicht frustrieren. Sie sagen sich, ich kann das nicht und dann ist die Sache gegessen.

Wenn du lernen willst lockerer zu malen, dann musst du diese Technik beherrschen und du musst es einfach üben. Irgendwann weißt du, wie bei deinem Papier, deiner Farbe und deinem Pinsel die Feuchtigkeit sein muss, damit es klappt.

Also halt die Ohren steif und mache es einfach!

So macht man es:

  • Schöne helle Farben, die abwechslungsreich gestaltet sind, ineinander laufen lassen ohne sie in einen Bereich zu vermengen.
  • Die Form des Motive spiegelt sich wieder, muss aber nicht strikt befolgt werden.
  • Verbindungen; es ist wichtig dass die Farben- und Motivanteile miteinander verbunden sind und sanft ineinander laufen.
  • Der Kontakt von Komplementärfarben muss, dort wo die Farben klar, sind strikt vermieden werden.
  • Alle Schatten und Details müssen in der ersten Phase vollkommen vermieden werden

Das Ergebnis sieht folgendermaßen aus:

Untermalung zu Oetwil am See ein Blog von Tine Klein zum Thema Reiseaquarell

Ja! Es ist nicht mehr als ein schön gestalteter farbiger Klecks bei dem man sich ein wenig an das Original gehalten hat.

Wichtig bei dieser Technik ist, dass du keine zu dunklen Farben benutzt. Der erste Schritt der Technik ist den klaren und hellen Farben vorbehalten

Die Technik: Vorteile und Nachteile

Der Vorteil dieser Technik ist, das man innerhalb eines Farbauftrags ein ganzes Motiv definieren kann. Man nutzt dabei die Farbstimmung um das ganze Motiv wiederzugeben. Der Nachteil dieser Technik ist, dass man ein wenig aufpassen muss, dass man während des Malens keine Komplementärfarben ineinander laufen lässt, denn dann erzeugt man einen undefinierbaren und grauen Farbbrei.

Locker und frei werden

Hält man jedoch an zu vielen Details und zu vielen Farben fest, wird diese Technik gnadenlos scheitern. Um diese Technik auszuführen muss man vorbehaltlos umdenken, denn sonst erhält man einen unattraktiven Farbbrei.

Schritt zwei: Das konkretisieren eines Reiseaquarell ´s:

Oetwil am See ein Blog von Tine Klein zum Thema Reiseaquarell

Das kann noch nicht das gleiche Bild sein? Doch das ist es und im Grunde ist nicht viel passiert:

  • Himmel und Berge abgedunkelt
  • Schatten gesetzt
  • Die Wiese ein wenig länger gemacht
  • In weiß und mit brauner Tinte darüber gezeichnet

Sieht nach viel aus aber das meiste ist Tinte.

In der zweiten Phase kann man nun Details, Licht und Schatten zu dem Motiv hinzufügen. Es geht in dieser Phase darum das Motiv deutlich herauszuarbeiten. Vorher gab es ja nur mehr oder weniger ein Klecks, doch auch wenn man es nicht glaubt, der Klecks ist die Hauptarbeit.

Nun benutzt man dunklere Farben und Formen um Konturen und Details herauszuarbeiten. Auf jeden Fall muss man aussagelose Farben mittlerer Stärke vermeiden. Das Motiv muss durch deutliche Abwechslung von hell und dunkel herausgearbeitet werden. Mach dir ganz klar, nur durch die Abdunklung wird aus dem Klecks ein Motiv.

Im Wesentlichen ist hier mein Füllhalter der Star.

Viel Spaß beim Ausprobieren nicht nur im Reiseaquarell

Tine

Ade Lineal

Im Winter wird es nicht viele Kurse bei mir geben. Allerdings mache ich eine Kursreihe auf die ich mich schon sehr freue. Es ist die Kursreihe für die mutigen Menschen unter euch, die sich vorgenommen haben richtig Zeichnen zu lernen.

Es geht um das richtige Freihandzeichnen; Perspektive ohne Lineale. Und ihr werdet euch wundern, es gibt viele einfache Tricks, die man lernen kann und wie man sich selbst trainieren kann.

Habt keine Angst und seid mutig, auch falls man vom Fahrrad mit Stützrädern auf das freie Zeichnen Umstieg, kam es einem unmöglich war! Learning bei Doing!

In meinem letzten Kurs kam ein Mann zu mir und sagte:

Ich bin hier wahrscheinlich der Idiot, der mit der Narrenkappe, ich kann das noch überhaupt nicht!

Wisst ihr was? Die Narrenkappe hat der, der nicht versucht zu lernen! Wir machen uns mit Spaß, Spiel und Verständnis auf den Weg. Lineal könnte zu Hause lassen! Bringt lieber gute Laune mit.

Münchwilen

https://www.boesner.ch/niederlassungen/muenchwilen/veranstaltung/ungezwungene-perspektive-ade-lineal

Unterentfelden

https://www.boesner.ch/niederlassungen/unterentfelden/veranstaltung/ungezwungene-perspektive-ade-lineal

Aarberg

https://www.boesner.ch/niederlassungen/aarberg/veranstaltung/ungezwungene-perspektive-ade-lineal

 

 

 

Farbvariation – Farbe ist Licht in Tuben

Farbe ist Licht in Tuben

Tine Klein, Porto Praca da liberdade, Aquarell zum Thema Farbvariation

Letzte Woche haben wir ja über Farbstimmungen gesprochen, die Schweiz ist dafür ein ganz besonderes Trainingslager, denn hier gibt es besonders krasse Temperatur- und Lichtwechsel im Laufe des Tages. In meinem ersten Jahr in der Schweiz war mein Auto eine Altkleidersammlung, weil ich dort lauter Kleidungsstücke liegen hatte. Aber auch in anderen Ländern , wie hier in Porto, ist das Licht ein Geschenk für Maler. Die Umgebung kann innerhalb von Sekunden völlig anders aussehen. Diese starken Licht- und Farbwechsel machen das Malen besonders reizvoll.

Die Farbe ist das Gefühl

Wer malt sollte ein Ziel haben, ich meine das natürlich nicht in dem Sinne, dass man alles wie verrückt planen sollte. Aber dieses Bauchgefühl zu einem Ort, die Stimmung, das ist der Kern jedes guten Kunstwerkes. Wenn ich mit Farbe arbeite, dann trägt die Farbe dieses Gefühl. Die Farbstimmung ist also der Kern unserer Bildaussage. Soweit waren wir auch schon letzte Woche im Blog.

Je Abwechslungsreicher die Farbe ist, desto attraktiver ist sie.

Oft sehen Bilder total zusammengewürfelt aus, weil sich die Maler von realen Farben durch die Gegend treiben lassen und dabei die Farbstimmung des Ortes aus dem Auge verlieren.

Ein Motiv ist nicht ein Haufen von Einzelgegenständen!

Dies war die Kernaussage der letzten Woche. Vielmehr geht es darum, dass Gesamtmotiv durch die Stimmung festzuhalten. Jetzt wäre es natürlich sehr dumm das ganze Bild in einer Farbe anzustreichen. Wir sind ja keine Anstreicher im Sinne von: “Hier hast du 80 Kübel Farbe, ich komme in drei Tagen wieder und guck ob du das Haus angemalt hast.“ So! Läuft das nicht!

Farbvariation

Ich bin dem Licht verfallen

Das Licht verwandelt ein und dieselbe Farbe.

Ein Baum ist nicht einfach grün.

Ein Baum hat in seinen Blättern mindestens drei verschiedene Grüntöne dort wo die Blätter das Licht reflektieren sind sie sehr hellgrün manchmal reflektieren sie das Licht auch blau oder weiß. Im unteren Teil des Baumes wo alle Blätter verschattet sind dort kann das Grün sehr dunkel sein, manchmal ist es blau oder violett. Es lohnt sich einmal zu beobachten wie viele Farbtöne es tatsächlich gibt. Deshalb rate ich immer wieder wird davon ab vorgefertigte Farbtöne zu benutzen, mischen macht die lebhafteren Töne und damit meine ich vor allen Dingen das Mischen auf dem Papier

Farbvariationen machen Bilder sexy

Wenn man einen 1 Millionen Dollar Tipp ein Maler verteilen sollte wie man Bilder sofort viel schöner macht dann ist das die Farbvariation. Je abwechslungsreicher die Farbe und je mehr das Licht tanzt desto attraktiver sind die Bilder für den Betrachter.

Wer so starke Licht und Farbvariationen im Bild haben will wie oben, der muss im Aquarell sehr sehr diszipliniert sein, denn die Farben laufen ineinander.

Gouache kann mehr Schichten vertragen als eine Zwiebel

Eine gute Möglichkeit die Licht und Farbvariationen zu üben sind Gouachefarben.

Das Tolle an Gouachefarbe ist, dass man mit ihnen ganz spontan von hell auf dunkel genauso arbeiten kann, wie von dunkel auf hell.

Man kann also völlig spontan loslegen und wenn dann ein Lichtstrahl durch die Wolken bricht, kann man völlig unproblematisch diese Sekunde festhalten.

Man kann mit Gouachefarben eine enorme Farbvariation erzeugen, das macht die Gouache für Maler die das Licht lieben sehr, sehr sexy.

Lichtreflexe gar kein Problem

Die Farbvariation ist so toll, weil man völlig hemmungslos auch auf ganz dunkle Farben absolut helle Farben aufsetzen kann, d.h. selbst wenn man schwarz gemalt hat, kann man jederzeit leuchtend helle Farben wieder obenauf setzen.

Wer sich traut die Farbwechsel wirklich auszunutzen, der wird mit sehr sehr ausdrucksstarken Bildern belohnt.

Wer jetzt denkt blöd! Ich habe ja gar keine Gouachefarben Eine Tube Deckfarbe oder weiße Gouachefarbe reicht um deine Aquarellfarben mal anders zu benutzen.

Mein Tipp versucht das doch einfach einmal auf total verdorbenen Bildern, denn die sind ja das beste Spielfeld. Hier braucht man nun wirklich keine Angst zu haben, dass man irgendetwas kaputt macht.

Farbvariation und Grundfarbe

Viele Anfänger haben das Problem das ihre Skizzen wie zusammengewürfelt aussehen,  das liegt daran, dass sie versuchen jede Einzelne der realen Farben abzubilden. Das Bild hat jedoch keine Grundfarbe die Harmonie erzeugt. Dieses Problem hat man mit Gouachefarben überhaupt nicht wenn man auf farbigen Papier arbeitet. Ich wähle das Papier nach der Farbstimmung der Umgebung.

Mein Motiv liegt im Gegenlicht, d. h. es liegt im tiefen Schatten.

Schatten sind aber nicht grau. Schatten reflektieren all die Umgebungsfarben, die Farbe des Himmels und die Farben die heute die die Häuser einmal hatten. Im Wesentlichen vernichtet der Schatten die rötlichen Töne im Lichtspektrum. Deshalb sieht es immer sehr gut aus, wenn man in seinen Schattentönen nicht unbedingt Grau benutzt sondern eine ganz attraktive Vielfalt von verschiedenen Farbtönen.

Tine Klein Tutorial Farbvariation Motiv: Rathaus in Zürich

Schmincke Gouache auf blauem Papier

Wer in einer Farbe malt, der fängt niemals das Licht.

Faustregel je abwechslungsreicher desto interessanter

Tatsächlich sind  einfarbige Blöcke zwar sehr ruhig, aber auch sehr langweilig. Wer jemals versucht hat eine Kugel mit einer Farbe zu malen, der weiß, das geht nicht. Erst mit Licht und Schatten kommt auch die Räumlichkeit. Erst die Abwechslung, also die Farbvariation, erzeugt die Attraktivität für das Auge.

Tipp: Ein schneller Weg zu super attraktiven Bildern ist sich einfach nicht zu benehmen wie ein Maler und Anstreicher. Vergiss mal ganz schnell deine gesamte Farbe aus einem Eimer zu holen und die Wand einfach anzustreichen. Beginne auf dem Blatt zu mischen.

Der Unterschied von einem Kunstmaler zu einem Anstreicher ist das tiefe Gefühl der Farbe.

 

Der Vorteil ist der Nachteil

Ich glaube diese Gouache ist das perfekte Mittel um zu lernen wie man Licht und Farbvariationen darstellt.

Benutzt man die Farbe wie ein Anstreicher wird man sofort bestraft, denn dann wird die Farbe sehr sehr öde.

Gouache ist allerdings geduldig im Ausbügeln dieser Fehler

Die Farbe ist wirklich geduldig, der Mutige wird belohnt, denn der kann jedes Mal einen neuen Anlauf nehmen .

Wer es gelernt hat Farbe zu variieren, der wird mit solch abwechslungsreichen Farben belohnt. Das Titelbild ist allerdings eine Variation aus Aquarellfarben und Aquarellstiften.

Hier sieht man wie die Farbvariation, zum Beispiel in den Dächern oder Bäumen, das Licht einfängt. Nicht das ganze Bild muss ein- und dieselbe Farbstimmung haben. Aber mit nur einer Farbe ohne Farbvariation fängt man niemals das Licht.

Tine Klein, Porto Praca da liberdade, Aquarell zum Thema Farbvariation

Im Aquarell braucht man für die Farbvariation allerdings viel mehr Geduld und Disziplin.

Liebe Grüße ins Wochenende Tine

Der Witz des Tages: Meine Autokorrektur machte regelmäßig aus dem Wort Gouachefarben… Cora Schwaben oder Chorschwaben…. Singende Schwaben die durch meine Bilder hüpfen…..Meine Welt ist doch vielseitiger als ich dachte

 

Teil eins des Beitrags:

https://blog-herz-der-kunst.ch/farbstimmung-ist-das-gefuehl-eines-ortes/

https://blog-herz-der-kunst.ch/farbstimmung-ist-das-gefuehl-eines-ortes/

 

Intuitiv Zeichnen lernen!

Tine Klein Zeichnet die Altstadt von Porto. Blog zum Thema intuitiv Zeichnen lernen.

Augen auf das Motiv! Und spontan losgelegt…

Heute möchte ich mit euch über das intuitiv Zeichnen lernen sprechen!

“Wir halten inne, um einfach da zu sein, um mit der Welt und uns selbst zu sein. Wenn wir fähig zum Innehalten sind, beginnen wir zu sehen, und wenn wir sehen können, verstehen wir auch.“

Thich Nhat Hanh aus Intuitiv Zeichnen lernen Thomas Lüchinger

Ja, solche Sprüche sind wundervoll und sie stecken durch und durch voll mit Weisheit. Aber, wer jemals versucht hat meditieren zu lernen, der merkt spätestens dann, wenn er in die weise Pose wirft, dass Weisheit nicht auf Knopfdruck kommt. Sitzt man erst mal im Lotussitz, dann fängt es fürchterlich irgendwo an zu jucken und man muss sich kratzen, aus ist es mit der würdevollen Meditation.

Weisheit ist prima, aber was will uns das Ganze jetzt übers Zeichnen lernen sagen. Ich übersetze diesen Spruch jetzt mal ins 21. Jahrhundert:

“Wer gehetzt ist, ist blind wie ein Maulwurf, denn dann springt ein Sehzentrum im Gehirn an, was nur in Icons sieht”

Die schlichte und einfache Wahrheit ist:

“Wer gehetzt ist, sieht Nix und wer sich zum Sehen zwingen will, der kommt damit nicht ans Ziel! “

Für mich ist dieser Mechanismus oft eine Strafe, ich selbst leide darunter, weil ich ein Mensch bin, der sich selbst gern anfeuert und je mehr Ehrgeiz dahinter steckt, desto schneller scheitert man. Als Mallehrerin ist dieser Mechanismus für mich geradezu tragisch, weil die motiviertesten Schüler ganz ironische Bauchlandungrn machen.

Intuitiv, gar nicht so einfach

Wer intuitiv Zeichnen lernen will, der muss locker werden,

“Sprüche wie, jetzt sei doch mal bitte locker….Sei jetzt sofoooort LOCKAAAAAA….machen Schüler garantiert sofort verspannt und sofort blind.“

Gerade Schüler, die es gewohnt sind die Zügel in der Hand zu halten, scheitern beim spontanen Zeichnen gewaltig an ihren eigenen Ansprüchen. Sie haben Mechanismen entwickelt, in denen sie immer besser sind als alle anderen, notfalls mit Gewalt.

Wer Kunst macht, braucht andere Wahrnehmungsprozesse als im Beruf. Als Mallehrerin frage ich mich natürlich immer wieder, wie kann ich es schaffen, dass sich Schüler auf einen neuen Wahrnehmungsprozess einlassen?

Etwas Neues bauen!

Erfolgreiche Menschen haben das Gefühl, man kann alles nur mit der nötigen Willensstärke erzwingen. Ich hatte neulich eine Apothekerin im Kurs, die nicht begreifen konnte, dass man die Zügel lockert nur um schnell voranzukommen.

Das Gehirn funktioniert etwas anders als unsere anderen Körperteile, das Gehirn funktioniert eher wie ein Werkzeugkasten. Erst wenn es merkt, dass es mit einer Art des Sehens nicht zurechtkommt, dann schaltet es die nächste Art hinzu und wenn es dann merkt das nicht voran kommt, dann entwickelt es ein neues Werkzeug.

Das Fiese ist, dass ich mit dem Kopf  alles begreifen kann, es braucht aber eine Zeit bis das neue Werkzeug in mir heranwächst.

Wenn ich mich jetzt versuche zu zwingen, dann kann ich den Nagel trotzdem nicht mit der Hand einschlagen.

Es ist eine Frage des Respekts vor sich selbst, dass man sich die Zeit gibt, sich selbst zu entwickeln!

Es macht Spaß!

Die gute Nachricht daran ist, dass das Trainieren des Gehirns deutlich mehr Spaß macht als Nägel mit der Hand einzuschlagen.

Das Ziel ist es den Stift nach unserem inneren Rhythmus und den äußeren Eindrücken völlig entspannt und intuitiv über das Papier sausen zu lassen.

Das Knifflige daran ist, dem Gehirn beizubringen, dass es hier ein schwieriges Problem gibt, was wir entspannt lösen möchten.

Jetzt ist das größte Problem nicht sofort alles durch Bewertung kaputt zu machen. Du darfst jetzt nicht nach 10 Sekunden aufs Blatt gucken und sagen:“ Oh Gott, sieht das Scheiße aus! Sondern bleibe spielerisch und entspannt. Zeig deinem Gehirn wie es richtig geht.

Halt die Augen auf dem Motiv, schau selten auf das Papier

Zugegebenermassen sind Zeichnungen, bei denen man die Augen auf dem Motiv hält, immer etwas chaotischer, aber es ist ein Spiel:

Tine Klein Zeichnet die Altstadt von Porto. Blog zum Thema intuitiv Zeichnen lernen.

Spielerische, intuitive Zeichnungen stecken voller Leben!

Zeig dem Gehirn das lernen soll spielerisch und entspannt Probleme zu lösen ohne großen Zwang.

Das Ziel ist es den Stift übers Blatt sausen zu lassen, wie eine kleine Eistänzerin und wir geben unserem Kopf die Gelegenheit das zu lernen!  Anders als eine Eistänzerin hat der Zeichner eine viel schwierigere Aufgabe, denn sein Stift muss die ganze Choreografie, die Sprünge die Drehungen und den Rhythmus ganz ohne eine einstudierte Kür aufs Papier legen. Was dabei passiert, habe ich ganz wundervoll in einem Buch gelesen und das erste Mal habe ich gedacht:“ Ja, besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können!“

Buchempfehlung

Der Bildhauer Alex Schaufelbühl hat mich beim Plaudern im Atelier auf das folgende Buch aufmerksam gemacht: Thomas Lüchinger  “ Intuitiv Zeichnen“

“Zeichnen heißt hier nicht Kopie, Abklatsch von Vorstellungen, von Begriffen, Ideen; es ist nicht Nachahmung, sondern bedeutet eintauchen in die Rhythmen der inneren und äußeren Natur. Neue geheimnisvolle Wege werden eingeschlagen. Freiheit statt Gefälligkeit, Intuition statt Analyse, Risiko statt Konformität.“ Thomas Lüchinger

Macht den Kopf aus!

Eine der einfachsten Übungen mit denen man starten kann, ist die Augen auf dem Motiv zu halten und trotzdem zu zeichnen ohne sich ständig zu kontrollieren.

Das Eerste was du feststellen wirst, ist das loslassen enorm schwierig ist, obwohl du genau weißt das du jetzt nicht ständig aufs Papier schauen sollst, wirst du es tun, denn wir alle sind Kontrollfreaks. Damit deine Zeichnung mal irgendwann so aussehen kann, musst du aber deinem Gehirn so viel Futter geben, dass es lernt Hand und Auge und auch den inneren Rhythmus der aus dir selbst herauskommt so zu koordinieren, das es trotzdem schön aussieht.

Dies geht aber nicht in dem du ständig mogelst oder dir ständig Regeln auferlegt und vor allen Dingen geht es nicht, wenn man sich ständig selbst fertig machst und Aufgaben mit dem Gedanken: “Ich kann das nicht!”angehst. Deshalb hier mein kleiner Tipp, schnapp dir einen kleinen Papierteller, stich deinen Bleistiften durch und zeichne so, dads du nicht sehen kannst, was du tust.Macht deinem Gehirn gleich klar, hier geht es nicht um Kontrolle, hier geht es um Spaß und um Bewegung.

Kontrolle ist schädlich

Die Kontrolle ist wie ein kleines gelbes Tier was in deinem Nacken sitzt und dir ständig Zügel angelegt.

Die Kontrolle ist insofern sehr schwierig beim Skizzieren lernen, weil wir dem Gehirn erlauben uns beständig in den Gehirnbahnen zu halten, die wir schon kennen. Beim Zeichnen und Skizzieren lernen, ist es enorm wichtig dem Gehirn Wachstumsimpulse zu geben. Das Gehirn braucht die Information, hier bin ich überfordert, ich brauch hier neue Synapsen. Und genau dazu sind solche Übungen da.

Nach und nach entwickelt sich dadurch eine großartige Hand und Augen-koordination, das hilft dir Zeichnungen und Skizzen jeder Art in enorm kurzer Zeit aufs Papier zu bringen.

Das Skizzieren lernen auf diese Art und Weise hat einen weiteren ganz enormen Vorteil, die Zeichnungen, die mit den Augen auf dem Motiv entstehen, sind meistens die Lebhaftesten, denn es sind Aufnahmen wie du die Stadt in einer ganz kurzen Zeit gesehen hast. Meistens sind diese schnellen hingekritzelten Skizzen viel lebendiger als alles geplante.

Und noch mal eine Anregung zum Schluss, alles im Leben was wirklich wertvoll ist, müssen wir uns erarbeiten. Es wird dich ermüden, manchmal wird es schwer sein und trotzdem muss es sein wie ein Tag in der Kindheit. Es muss Spaß machen! Und abends sollst du ins Bett fallen und und du warst sehr sehr zufrieden.

Liebe Grüße

Tine

Mehr zum Thema intuitive Zeichenübungen: