Wasser malen – so vielfältig wie das Wasser selbst

Wasser malen – immer zappelt es!

Wasser malen, Tutorial Aquarell, Tine Klein, Lago Maggiore.

Manchmal macht mich Generation Internet wahnsinnig! So wahnsinnig, dass ich fast glaube, das irrsinnig blöde Macarena-Tanzen meiner Generation nach drei Pina Colada sei eine super vernünftige und sehr sachliche Sache gewesen!

Ja, tatsächlich bin ich geboren, als die letzten Dinosaurier schlüpften. In den siebziger Jahren hüpfte ich im Wohnzimmer mit einer Antenne über dem Kopf rum, damit mein Vater mit dem brandneuen Fernseher Fußballweltmeisterschaft gucken konnte. Und ja, damals gab es noch kein Internet.

Unser Fernseher war Schwarz-Weiß, und das hatte riesige Vorteile! Man musste sich nämlich selbst vorstellen, welche Farbe etwas hatte.

Und an dieser Stelle kommen wir zum Wasser malen!

Heute werden die Menschen von einer Bilderflut umgehauen, und sie glauben, jedes einzelne Bild sei die absolute Wahrheit! Ein Standbild, das den Tatsachen entspräche!

Was an irrsinnigen Wahnsinn grenzt, gerade in Zeiten von KI, wo so ziemlich jedes zweite Bild vollkommen manipuliert ist.

Das ist mindestens so wahnsinnig wie volltrunken mit einem Mitteleuropäer ohne Taktgefühl Macarena zu tanzen!

Die meisten Menschen suchen irgendwie einen Halt. Sie wünschen sich Zusagen:

Ja, so ist es! So muss ich es zeichnen oder malen!

Doch die wirkliche Ruhe kommt:

Wenn man sich der Schönheit des Beobachtens hingibt. Der eigentliche Genuss am Wasser malen ist die Beobachtung!

Stell dir mal vor, du bist am Wasser. Du riechst das Frühjahr! Die Wellen schaukeln, und das Licht reflektiert auf dem Wasser. Das Wasser wirft dir ganz unterschiedliche Farben entgegen. Es wird langsam dunkel, die Kälte schleicht sich heran.

Wie genau muss ich also die Farbe des Wassers jetzt malen?

Lustig an dieser Frage ist, dass Wasser gar keine Farbe hat!

Wasser ist meist nur ein Spiegel. Wenn sich die Kälte heranschleicht,

wechselt die Farbe des Wassers rasant, von Sekunde zu Sekunde!

Der größte Anteil der Farben, die du siehst, wird aus der Umgebung reflektiert.

Oft ist Wasser blau. Das ist der Farbanteil, der aus dem Himmel stammt.

Die Schwebstoffe wie Sand oder Schlamm machen es grün.

In den frühen Morgen- und Abendstunden reflektiert das Wasser das Licht, und es entstehen warme Farbtöne.

Je flacher du über das Wasser schaust, desto mehr reflektierte Farbe hat es. Schaust du steil ins Wasser, schaust du hinein.

Und zu allem Überfluss bewegt sich das Wasser auch noch.

Diesen Sommer wirst du viele Artikel über das Wasser malen lesen. Weil ich im Herbst eine Kursserie Wasser malen gebe.

Aktuelle Kurse mit Tine Klein

https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse-tine-klein/

Falls du Interesse hast, melde dich bitte jetzt schon an! Dann können wir besser planen. Anfänger wie Fortgeschrittene sind herzlich willkommen.

Wasser malen – es gibt sehr unterschiedliche Methoden!

Beim Malen des Wassers gibt es sehr unterschiedliche Methoden. Eine, die mir am besten gefällt, ist das Reduzieren.

Wasser malen klappt gut , wenn man es auf die eigenen Sinneseindrücke reduziert!

Wenn ich da also in der feuchten Luft am Lago sitze, dann zögere ich nicht! Ich werfe mit aller Macht meine Sinneseindrücke auf das Papier.

Sehen! Und drauf damit, nicht nachfragen.

Ich bin die Göttin meines Blattes, und ich entscheide!

So ist Wasser malen immer eine Vielzahl von Entscheidungen. Wenn das Wasser mich nicht interessiert, dann reicht es mir, das Wasser auf wenige Striche zu reduzieren:

Wasser malen, Tutorial Aquarell, Tine Klein, Basel

Wasser malen kann einen wahnsinnig machen.

Weil es einfach viel zu viel ist. Deshalb ist es sinnvoll, das Wasser auf die eigenen Sinneseindrücke zu reduzieren:

Wasser malen, Tutorial Aquarell, Tine Klein, Lago Maggiore.

Hier sitze ich am Ende des Winters am Lago Maggiore. Die Dunkelheit und Kälte krabbeln so langsam über die Berge. Aber auf dem Wasser spiegelt noch das goldene Licht.

Ich fange meine Sinneseindrücke ein wie ein Radio.

Deshalb wird mein Wasser gelb. Es ist das Abendlicht, was mich interessiert.

Ich beobachte die Spiegelung des Ufers im Wasser, und deshalb zeige ich sie. Besonders spannend finde ich die Poller am Anlegesteg, deshalb sind dort die Spiegelungen besonders ausgeprägt.

Ich reduziere also das Wasser malen auf meine eigenen Eindrücke, auf das, was mich interessierte. Dadurch wird es machbar.

Wie hier am Mont Saint-Michel. An diesem Tag wird das Wasser bretonisch grau!

Wasser malen – die rasante Methode:

Der trockene Strich ist unzweifelhaft die schnellste Methode, um Wasser zu malen. Wie funktioniert es? Mit einem großen Pinsel zieht man sehr schnelle Striche.

So fängt man die Reflektionen des Wassers ein. Diese Methode ist schön und spektakulär, das Wasser lässt sich mühelos in wenigen Sekunden malen!

Wasser malen über vertikale Reflektionen:

Dies ist auch eine ganz einfach zu bewerkstelligende Methode. Man spiegelt Motivanteile ins Wasser und verwischt sie dann.

Im Prinzip malt man das Motiv in einer sehr abgespeckten Version und verwischt es dann zusätzlich noch horizontal, dies funktioniert einfach und schnell.

Wasser malen Basel rochetürme Tine Klein Urban Sketching Aquarell

Basel Rochetürme

Weniger ist dabei mehr!

Wasser malen nass in nass!

Wasser malen in der Nass-in-Nass-Technik ist sicherlich die am kompliziertesten zu handhabende Technik.

Diese Technik ist nicht nur eine Technik, sondern ein ganzes Bündel von Techniken.

Tatsächlich sind diese Techniken viel einfacher als ihr Ruf.

Schon der Name dieser Technik ist ein Fehler!

Denn nass in nass funktioniert diese Technik überhaupt nicht! Sie müsste trocken in feucht heißen!

Die ganze Pinselsteuerung kann ich euch hier leider nicht erklären! Ich würde mich sehr freuen, euch im Herbstkurs zu sehen! Das Ganze ist jedoch kein Zauberwerk, man arbeitet mit trockenen Pinseln auf feuchtem Untergrund, und dann klappt es!

Costa Brava. Das Wasser wurde mit Siena Natur angelegt. Darauf kam eine Schicht Türkis, und in diese Schicht wird feuchtes, dunkleres Blau gemalt. Es wird mit einem nicht zu nassen Pinsel Dunkelblau in die Flüssigkeit aufgetragen.

Costa Brava.

Beim Bild unten, Basel Mittlere Brücke, werden ein paar Farbakzente in eine einfache Untermalung getropft. Die Farben lehnen sich an das Motiv an, so werden Wasser und Motiv verschmolzen.

Basel Mittlere Brücke Tine Klein Tutorial Wasser malen, Aquarell , urban Sketching

Basel Mittlere Brücke.

Eines hat die Nass-in-Nass-Technik gemeinsam, es wird immer in feuchter Farbe gearbeitet. Je nach Wunsch oder Meisterschaft kann die Technik einfach oder höchst kompliziert sein.

Tutorial Wasser malen Tine Klein

Wer so etwas lernen möchte, wird sich damit auseinandersetzen müssen, wie man einen Pinsel steuert!

Fazit:

Der Erwerb dieser Fähigkeit ist ein Schlüsselerlebnis! Wer das kann, hat Wasser malen im Griff!

Plötzlich kann man ohne Mühe festhalten, was man sieht, lebt und fühlt!

Der Erwerb dieser Technik lohnt sich!!

Doch die eigentliche Schlüsselfähigkeit, die dich gut und spontan malen lässt, ist das Beobachten und

….dann darfst du wie eine Gottheit schnell und ohne Reue Entscheidungen treffen!

Liebe Grüße
Tine

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Aquarell und Zufall. Warum Zerstörung schön ist!

Zerflossen schön – warum Aquarell und Zufall zusammengehören

Ist dir schon mal etwas Blödes passiert, und daraus ist etwas Wunderschönes geworden?

Müssen wir perfekt sein, damit etwas Schönes entsteht?

Vor Jahren gab es einen Tag, an dem ich eine Pechsträhne hatte. Ich stritt mich mit meinem Freund, kippte mir dabei Kaffee über mein weißes Shirt. Empört stampfte ich davon, trat auf meinen Schnürsenkel, und dieser riss – und ich knallte hin. Dabei verpasste ich den Bus, geriet in einen Regenschauer und stand total deprimiert an der Bushaltestelle. Ich war nicht sexy, meine Haare klebten am Kopf, meine Kleidung war dreckig, und ich sah aus wie ein zerrupftes, tropfnasses Huhn.

Ein sehr, sehr übellauniges Huhn.

Ungewöhnliches erregt Aufmerksamkeit. Vielleicht hätte er mich sonst übersehen.

Da traf ich einen Mann, der herzhaft lachte und eine Bürste aus der Tasche zog, damit ich mich herrichten konnte. Ich habe ihn später geheiratet, und er liebt mich merkwürdigerweise immer noch.

Was hat das mit Aquarellieren zu tun?

Wenn im Aquarell der Zufall übernimmt

Es gibt diesen einen Moment im Aquarell, da verliert man scheinbar die Kontrolle, man ärgert sich und ist erzürnt. Das Wasser läuft, ein Tropfen platzt in die Lasur – die Farbe fließt, macht, was sie will. Und statt zu verzweifeln, sollte man eigentlich jubeln. Denn genau hier beginnt das, was Aquarell und Zufall gemeinsam so faszinierend macht:

Der Tanz zwischen Kontrolle und Chaos.

Wer meint, ein gutes Aquarell sei glatt und perfekt, hat die Seele dieser Technik nicht verstanden. Aquarell ist keine Technik der glatten Oberfläche, sondern eine der lebendigen, atmenden Haut.

Eine Wasserfleckkante, eine sogenannte „Backrun“, ist nicht immer nur ein technischer Mangel.

Sie ist Ausdruck eines Prozesses – sie zeigt, dass sich hier Wasser, Pigment und Papier selbst ausdrücken durften.

Jeder Unfall hat ein Potenzial. Und nun kommen wir zum Leitsatz meines Liebsten:

Wenn du in drei Monaten drüber lachen kannst, dann lache lieber gleich!

Warum uns Aquarell und Zufall berühren

Wir Menschen lieben das Lebendige.

Unser Gehirn ist darauf gepolt, Leben zu erkennen – in Bewegungen, in unregelmäßigen Strukturen, in der Veränderung. Und genau das liefern uns spontane Aquarelle. Sie wirken wie etwas, das gerade eben passiert ist – frisch, flüchtig, lebendig.

Kein Wunder, dass lose und freie Aquarelle so anziehend wirken:

Sie erzählen vom Moment, vom Jetzt.

Und keiner, der jemals gelebt hat, glaubt, dass das „Jetzt“ ohne Störungen funktioniert.

Psychologisch gesprochen reagieren wir besonders stark auf natürliche Strukturen, die sogenannte Fraktale (Unregelmäßigkeiten) enthalten. Diese finden sich überall in der Natur, aber auch im Leben: in Wolken, in Wasserläufen, in Baumrinden – und eben auch in einem gut gesetzten Farbverlauf oder einem zerlaufenden Tropfen.

Unser Gehirn liebt diese Unregelmäßigkeiten, weil sie uns an das erinnern, was wir als „echt“ empfinden.

Ein perfekt kontrolliertes Bild hingegen?

Das beeindruckt, weil es enormes Können zeigt – aber reines Können berührt selten.

Möchtest du Menschen berühren – oder vor allem dein Können zeigen?

Es fehlt das Risiko, das Lebendige, die Möglichkeit des Scheiterns – und damit auch die Tiefe.

Oft sind es das Ungewöhnliche, die Zerstörung, die Emotion und der Kampf, die Betrachter mehr interessieren. Wer von uns ist schon perfekt?

Aquarell und Zufall erzählen Geschichten – und wir lieben Geschichten mehr als Perfektion.

Aquarell lernen an der Grenze des Zufalls

Wer nur malt, was funktioniert, wird sich kaum entwickeln. Richtig spannend wird es da, wo Dinge kippen – wo die Lasur zu feucht ist, das Papier sich wölbt, die Farben sich nicht an die Planung halten.

Der Unfall zwingt uns zum Lernen.

Denn hier zeigt das Aquarell seine wahren Gesichter – und zwingt uns, zu reagieren, zu improvisieren, zu verstehen.

Es geht nicht darum, dilettantisch und unfähig zu malen.

Es geht um das Spiel mit dem Zufall – und um die Bereitschaft, Fehler als Geschenk zu sehen.

Malerinnen und Maler, die sich bewusst an die Grenzen der Technik wagen, lernen schneller. Weil sie Erfahrungen machen.

Nicht nach Rezept, sondern durch Versuch und Irrtum. Sie erleben, wie Farbe auf zu nassem Papier reagiert, wie Pigmente ausblühen, wie viel Wasser „zu viel“ ist.

Und irgendwann wird aus dem Zufall Können – nicht, weil man ihn kontrolliert, sondern weil man ihn versteht.

Die Kunst, das Unfertige zu lieben

In einer Welt, in der vieles glatt und durchdesignt ist, sind spontane Aquarelle wie ein Gegenzauber. Sie zeigen, dass Schönheit nicht Perfektion braucht – sondern Mut. Mut, etwas zu beginnen, ohne das Ende zu kennen. Mut, den Pinsel einfach mal fliegen zu lassen. Mut, dem Wasser zu vertrauen.

Mit ungebremsten und leicht zügellosen Pinselstrichen zeigst du dem Betrachter etwas anderes als das Abbild eines Motivs.

Das Nichtnormgerechte bringt eine Gefühlstiefe, die du mit Kontrolle nicht hinbekommst.


Das perfekte Sujet, um die Kontrolle zu verlieren.

Was wäre ein Himmel ohne ein paar unkontrollierte Wolken? Wolken sind ein gutes Beispiel: nie regelmäßig und nie perfekt. Man möchte den Wind, das Licht oder den Regen sehen.

Wer Wolken malt, sollte an einigen Stellen zu viel Wasser benutzen, damit die Farben etwas Verrücktes tun.

Genau hier entfalten sich Aquarell und Zufall in ihrer schönsten Form.

Ein gutes Aquarell atmet. Es lebt von Kontrolle und Loslassen.

Und das ist kein Fehler, das ist das Herz der Sache.

P. S.: Wenn du zehn Bilder zerstörst und nur ein einziges atemberaubendes entsteht, ist das kein Zeichen des Versagens – es ist ein Zeichen von künstlerischem Wagemut.
Denn ohne Risiko gibt es keine Überraschung – und ohne Aquarell und Zufall keinen Esprit.

Liebe Grüße
Tine

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Merging Shapes – Ausdrucksstark malen mit Aquarell

Liebe Leser die neuen Kurse sind da!

Besonders himmlisch: Es gibt einen Zusatztermin!
Viele von euch haben lange gewartet – jetzt ist es endlich so weit: Himmlisch gut findet nochmal statt!

Ein paar Plätze sind noch frei.
Alle Infos findet ihr wie immer bei den Kursen.

Aktuelle Kurse mit Tine Klein

https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse/

 

Tine Klein Aquarell von Fontanilles in Catalonien. Aquarell costa brava. Tutorial zum Thema Merging shapes

Wie du durch das Verschmelzen von Formen stärker malst

Dieser Artikel ist für eine Frau aus den Urban Sketchers Girona. Sie schaute auf mein Bild und sagte: „Das ist keine Skizze.“ Wir halten hier den Augenblick fest. Sie konnte überhaupt nicht glauben, dass Aquarell schneller und perfekter sein kann als das vermeidlich schnelle und unkomplizierte Arbeiten mit dem Stift. Hier verrate ich dir, wie man diese Stärke und Geschwindigkeit mit dem Pinsel erreicht – und zwar mit der Technik der Merging Shapes.

Wir alle starten gleich: mit dem Gedanken, dass man jedes einzelne Objekt ordentlich, vollständig und klar getrennt malen muss. Dazu lädt der Stift ein. Ein Haus ist ein Haus. Ein Baum ist ein Baum. Und das Menschlein auf der Bank?

Natürlich bekommt alles seine eigene kleine Bühne.

Mit dieser Art zu malen hat man jedoch viel Mühe …

Doch halt! – Es gibt gute Gründe, genau das nicht zu tun.

Gerade im Aquarell-Sketching ist das „ordentliche Auseinanderhalten“ von Formen oft kontraproduktiv.

Denn wenn wir jedes Ding wie ein kleines Einzelwesen behandeln, wirken unsere Bilder schnell überladen, kleinteilig und unruhig.

 Und du? Du verzettelst dich in Einzelteilen, brauchst viel Zeit und bist am Ende vielleicht doch nicht ganz zufrieden, trotz all deiner Mühe.

Die gute Nachricht: Es geht auch anders – und oft sogar besser.

Kennst du das? Ein Maler wirft ein Bild aufs Papier und es sieht nach kurzer Zeit einfach stimmungsvoll und großartig aus?

Wie kann es so einfach sein?

Die Magie der Merging Shapes – Formen verschmelzen statt trennen

In der englischsprachigen Malerei- und Zeichenlehre spricht man vom Konzept der Merging Shapes, also dem bewussten Verschmelzen von Formen.

Die Idee: Du verzichtest auf trennende Linien und harte Kanten zwischen benachbarten Objekten – dann nämlich, wenn sie in Licht, Tonwert oder Farbwirkung ohnehin ähnlich sind.

Oft geht zum Beispiel der Schatten eines Hauses einfach in die Bäume über. Statt in klar abgegrenzten Objekten zu denken, arbeitest du mit gemeinsamen Flächen, mit sogenannten Form-Clustern oder Flächenzusammenhängen.

Klingt abstrakt? Ist es gar nicht.

 Warum also jede Figur einzeln herausarbeiten, wenn sie im Licht ohnehin eine zusammenhängende Fläche bildet?

Also schau mal hier in das Bild. Ich habe das Bild in zwei Teile geteilt: Himmel und Landschaft. Schaust du in die Landschaft, wirst du feststellen, dass überall Siena natur durchblitzt.

Tine Klein Aquarell von Fontanilles in Catalonien. Aquarell costa brava. Tutorial zum Thema Merging shapes

Was habe ich also getan? Ich habe die Grundform gemalt – ohne Trennungen – und zwar alles in Gelb- und Terracottatönen. Ich habe Baum, Haus und Strauch zusammengefasst. Unser großer Vorteil dabei ist: Durch das Zusammenfassen geht das Malen blitzschnell.

Diese Art zu malen hat die folgenden Vorteile:

Warum Merging Shapes funktionieren – und dein Bild stärken

Dieses Zusammenfassen von Formen bringt mehrere Vorteile mit sich. Erstens entsteht mehr Ruhe in der Komposition: Anstelle von zwanzig Einzelteilen, die gegeneinander arbeiten, hast du nur noch wenige große Flächen. Das gibt dem Auge Halt – und deinem Bild Struktur.

Zweitens verbessert sich die Lesbarkeit: Unser Auge liebt Klarheit. Wenn Licht, Schatten und Tonwerte gut durchdacht sind, wirkt dein Bild stimmig – auch wenn es skizzenhaft bleibt.

Drittens wird der Fokus gestärkt: Weniger ist oft mehr. Wenn du unwichtige Bereiche zusammenfasst, bekommen wichtige Stellen Raum zum Atmen. So springt der Blick auf das Wesentliche – zum Beispiel auf ein helles Gesicht inmitten einer dunklen Gruppe.

Und nicht zuletzt: mehr Atmosphäre! Gerade im Aquarell ist Merging Shapes ein Geschenk. Wenn Farben ineinanderfließen, entsteht ein Gefühl von Licht, Luft und Weichheit – etwas, das mit klaren Linien kaum zu erreichen ist.

Licht und Tonwert: Der Schlüssel zur Technik der Merging Shapes

Wenn du Formen zusammenfassen möchtest, musst du vor allem auf zwei Dinge achten: Lichtführung und Tonwert.

Überlege dir, woher das Licht kommt. Welche Objekte liegen gemeinsam im Schatten? Sobald mehrere Dinge im gleichen Licht oder Schatten liegen, kannst du sie als eine Fläche behandeln. Beispiel: Ein Haus wirft einen Schatten über Büsche oder Steine – alles wird zu einer Form.

Und dann ist da der Tonwert: Was gleich hell oder gleich dunkel ist, darf ebenfalls zu einer Form verschmelzen. Du musst das nicht exakt messen – achte einfach darauf, wie nah die Helligkeiten beieinanderliegen. Zwei benachbarte Objekte im Mittelton? Perfekt für eine gemeinsame Fläche.

Tipp: Blinzele mit den Augen! Wenn du die Augen leicht zusammenkneifst, siehst du nur noch grobe Helligkeitsunterschiede – so erkennst du sofort, welche Flächen du vereinen kannst.

Und wie geht das in der Praxis?

Starte deine Skizze mit einem lockeren Aufbau – gerne in Linien, aber ohne dich in Details zu verlieren.

Ganz grobe Skizzen von Licht und Schatten anlegen.

Male zusammenhängende Bereiche in einer gemeinsamen Helligkeitsstufe. In meinem Beispiel wurden alle Häuser, der Boden und auch teilweise die Bäume zunächst in Hellgelb und Terrakotta angelegt.

Nachdem wir die ganze Scene in einer Farbe gemalt haben,

Was ist der nächste Schritt?

Überlege dir früh, welche Tonwertblöcke du hast.

„Was jetzt dunkler ist, darf übermalt werden – ganz ohne Bedenken.“

Wo kannst du ähnliche Bereiche zusammenfassen? Der nächste Schritt ist die Dunkelheiten zusammenzufassen. Also dunkle Farben und Schatten.

Male große Formen zuerst – das ist der Schlüssel. Du musst dich nur trauen, alles zusammen zu malen. Der Schatten des linken Hauses taucht nahtlos in die Vegetation ein – als wären Haus und Natur miteinander verbunden. Lieber eine gemeinsame Schattenfläche als fünf winzige Einzelteile.

Lass Übergänge bewusst weich werden – besonders dort, wo das Licht diffus ist. Und hebe nur einzelne Details hervor – genau dort, wo der Fokus liegen soll.

Fazit: Merging Shapes bringen Zusammenhalt und Ausdruck

Das Konzept der Merging Shapes ist kein Trick – es ist ein Denkansatz. Du betrachtest Dinge nicht mehr als Einzelteile, sondern als zusammenhängende visuelle Einheiten. Du hörst auf, alles „richtig“ machen zu wollen, und beginnst, in Beziehungen zu denken.

Und ganz nebenbei: Du malst freier. Schneller. Ausdrucksstärker.

Probiere es einfach mal aus. Suche dir eine Szene – vielleicht einen Park, eine Straßenecke oder ein Café – und frage dich: Was kann ich zu einer gemeinsamen Form zusammenfassen? Und dann? Pinsel raus. Wasser drauf. Fließen lassen.

„Die besten Ideen entstehen oft da, wo kein Geld fließt – weil Kultur „gratis“ sein soll.
Aber weißt du was? Diese Vorstellung kommt aus Zeiten, in denen nur Mächtige bestimmten, welche Kunst zählen darf.
Was ist mit den leisen Stimmen, den freien Köpfen – mit deiner Kultur?
Wir brauchen dich. Kultur braucht dein Ja – und ein Budget.“

Fächerpinsel und Co, die ideale Wahl für Natur und Wolken

Tine Klein Tutorial Fächerpinsel

Ist ein Fächerpinsel sinnvoll?

Die Suche nach dem richtigen Pinsel begleitet uns Künstler oft ein Leben lang. Es ist eine Mischung aus Sucht, Lust und manchmal auch ein bisschen Frust. Wer hat nicht schon einmal ein besonders geniales Bild gesehen und sich gefragt: „Wie wurde das nur gemacht?“

Hat der Pinsel diesen Effekt erzeugt?

Die Materialindustrie schlägt aus diesem Wissensdurst Kapital. Für jede Anwendung gibt es spezielle Pinsel – einige davon sind wirklich hilfreich, andere eher fragwürdig. Viele Künstler fragen sich:

Welcher Pinsel ist der Richtige?

Das liegt auch daran, dass heutzutage das Wissen über Pinsel in der breiten Masse verloren gegangen ist. Die meisten Menschen malen, wissen aber nicht wirklich, wie ihr Pinsel funktioniert, was dazu führt, dass oft immer teurere Pinsel gekauft werden in der Hoffnung, bessere Ergebnisse zu erzielen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die ausschließlich preiswerte Wassertankpinsel kaufen, weil dies praktisch erscheint. Doch das Gegenteil ist der Fall:

Das Malen wird schwer, wenn man das falsche Werkzeug benutzt.

Wie funktioniert ein Pinsel?

Der Aufbau eines Pinsels beeinflusst maßgeblich, wie er arbeitet. Die meisten Rundpinsel sind so konstruiert, dass alle Haare auf die Spitze zulaufen. Das sorgt dafür, dass die Pinselspitze kontinuierlich mit Wasser und Pigmenten versorgt wird. Die Farbe fließt gleichmäßig und erlaubt präzise, kontrollierte Striche.

Doch was ist, wenn du genau das nicht möchtest?

Wenn du eine unregelmäßige, chaotische Struktur erzeugen willst – wie sie in der Natur häufig vorkommt, z.B. in Wolken oder Bäumen – stößt du mit einem präzisen Pinsel oft an Grenzen. Der Pinsel macht, was er soll, aber eben nicht, was du für diese spezielle Aufgabe brauchst.

Das Problem mit der Vorhersehbarkeit

Wer zum Beispiel Wolken oder Vegetation malt, will keinen exakten, gleichmäßigen Strich. Chaotische, unregelmäßige Strukturen sind schwer zu malen –

unsere Gehirne sind darauf programmiert, Muster und Ordnung zu schaffen.

Das wird offensichtlich, wenn du Schüler bittest, die Äpfel an einem Baum nicht zu regelmäßig zu malen. Dann entstehen die Punkte auf dem Baum so regelmäßig, als sei er ein Regenschirm mit roten Punkten. Das Chaos liegt nur wenigen Menschen im Blut!

Nichts ist schwieriger, als etwas absichtlich „unordentlich“ zu malen.

Menschen tendieren von Natur aus dazu, Dinge zu strukturieren. Doch genau hier liegt die Herausforderung:

Das Chaos in der Natur zu imitieren.

Fächerpinsel und Co. – Wie sieht ein Pinsel aus, der natürliche Strukturen erzeugen kann?

Pinsel mit ausgefransten Pinselköpfen sind perfekt, um natürliche Strukturen zu erzeugen.

Alte Pinsel mit kaputten Pinselspitzen, Fächerpinsel oder Pinsel mit Borsten sind dafür besonders gut geeignet.

Ihre unregelmäßig angeordneten Borsten erzeugen zufällige Striche, die die unvorhersehbaren Formen der Natur perfekt einfangen.

Im Gegensatz zu Rundpinseln, die sehr kontrolliert sind, lassen Fächerpinsel die Farbe ungleichmäßig aufs Papier fließen – das führt zu abwechslungsreichen Strukturen, die sich ideal für Vegetation, Gras, Blätter oder Wolken eignen.

Beispiel: Fächerpinsel und Co. im Einsatz

Bäume voller zufälliger Strukturen sind niemals gleich und exakt. Mit einem Fächerpinsel oder einem Pinsel mit steifen Borsten kannst du dieses Chaos wunderbar nachahmen. Ich habe in meinen Bildern einen alten Borstenpinsel benutzt. Die Borsten verteilen die Farbe ungleichmäßig, sodass Lücken entstehen, die genau die Unregelmäßigkeit der Natur widerspiegeln.

Der Fächerpinsel und der Trockeneffekt

Tine Klein Aquarell, Aquaerelle, france, Cap Fréhel, Fächerpinsel

Tine Klein Aquarell Cap Frehél Bretagne

Strubbelpinsel und Fächerpinsel sind perfekt für den Trockeneffekt. Wenn du mit wenig Wasser und Farbe arbeitest, erzeugt der Pinsel trockene, brüchige Striche. Diese Technik ist ideal für die Darstellung von natürlichen Kanten und Oberflächen. Mit wenig Farbe auf dem Fächerpinsel kannst du feine, strukturierte Striche ziehen, die zum Beispiel in Landschaftsbildern wie hier bei den Felsen sehr nützlich ist. Mit einem leichten Tippeln kannst du auch Sprenkeleffekte oder Tropfen andeuten.

Wenn du einmal ins Bild schaust, wirst du sehen, dass ich hier genau diese Technik benutzt habe. So wurden das Wasser, der Fels, aber auch die Kanten der Wolken regelrecht ins Bild gekratzt. Auch wenn nicht alle diese Strukturen sehr unterschiedlich sind, haben sie eines gemeinsam: Sie sind ein wenig zufällig und sehr unregelmäßig.

Beispiel: Wolken

Tine Klein Aquarell, Aquaerelle, france, Cap Fréhel,fächerpinsel

Auch Wolken sind ein perfektes Beispiel für chaotische Strukturen. Die Kanten von Wolken sind oft zerfetzt, unregelmäßig und schwer vorhersehbar. Mit einem Fächerpinsel, Borsten oder einem alten, kaputten Pinsel kannst du die weichen Übergänge der Wolkenränder wunderbar darstellen, indem du die Borsten leicht über das Papier „zupfst“. Dabei sorgt der Mangel an Wasser im Pinsel für das Brechen des Strichs – das gibt den Wolken ihre unregelmäßige, flauschige Form.

Tine Klein Aquarell, Aquaerelle, france, Cap Fréhel Fächerpinsel

Fächerpinsel oder Borste? Die richtigen Pinsel für chaotische Strukturen

Pinsel, die dir helfen, unregelmäßige und natürliche Strukturen zu malen, dürfen nicht zu stark kontrollierbar sein. Viele Menschen malen deshalb mit professionellen Fächerpinseln. Gerade für feine und weiche Strukturen oder zum Verblenden sind Fächerpinsel perfekt.

Doch einen Nachteil haben diese Pinsel: Sie sind wegen ihrer Form und Struktur sehr empfindlich.

Ein kleines Geheimnis: Der Allzweck-Katzenzungenpinsel mit Borste – verhält sich wie ein Fächerpinsel

Mein persönlicher Favorit ist ein preiswerter Katzenzungenpinsel mit Borsten. Diese Pinsel haben eine robuste Struktur und nehmen weniger Wasser auf, was den Strich brüchiger macht. Sein Vorteil ist seine Unkontrollierbarkeit. Zusammen mit einer spielerischen Handbewegung kannst du chaotische, unvorhersehbare Muster erzeugen – etwas, das mit einem klassischen Pinsel oft nur schwer möglich ist. Das siehst du im Bild. Egal, ob du Wolken, Bäume, Felsen oder raue Landschaften malen möchtest – ein günstiger Borstenpinsel kann dein bester Freund sein. Die investierten 2,50 Franken lohnen sich allemal, denn sie helfen dir, mit Leichtigkeit natürliche Strukturen zu erzeugen.

Danksagung: Diesen Trick und meine Technik verdanke ich meinem Künstlervater Leif Skoglöf. Danke dir herzlich du hast mich glüclklich gemacht.

Liebe Grüße,
Tine

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EUR

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im deutschsprachigen Raum ist es für Autorinnen und Autoren leider kaum möglich, mit dem Schreiben über unser gemeinsames Hobby Geld zu verdienen. Der Markt ist einfach zu klein, um davon leben zu können.

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Vielen Dank für deine Unterstützung!

 

https://blog.herz-der-kunst.ch/pinsel-souveraenitaet-und-alter/

Pinsel, Souveränität und Alter

Fächerpinsel im Einsatz: 😆

https://www.youtube.com/watch?v=nmg1JbFZgP4

Baumwollaquarellpapier – 2 preiswerte im Test

Für meinen nächsten Kurs brauche ich Baumwollaquarellpapier– aber nicht irgendeins, sondern das richtige, damit meine Schüler die besten Voraussetzungen haben, um wirklich zu lernen. Lernen bedeutet nämlich auch, Fehler zu machen und diese Fehler mit offenen Armen zu empfangen. Fehler gehören zum Lernen wie der Name an der Haustür. Wer Fehler umarmen kann, wird auch große Fortschritte machen!

Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, hat noch nie was ausprobiert. Einstein

Doch wenn es ums Malen auf Baumwollaquarellpapier geht, kann das ziemlich teuer werden.

Baumwollaquarellpapier -Ist gut immer teuer?

Meistens leider ja. Denn Baumwollaquarellpapier ist ja kein Massenprodukt wie Druckerpapier.

Und wer bisher nur auf heiß gepressten Industriepapieren gearbeitet hat, erlebt bei der Umstellung auf hochwertiges Baumwollpapier womöglich sein blaues Wunder.

Das Verhalten des Papiers ist völlig anders, und plötzlich scheint nichts mehr so zu funktionieren, wie man es gewohnt ist.

Auch wenn das neue, hochwertige Papier „wunderbar“ sein soll, hat man erst mal das Gefühl, dass gar nichts klappt.

Natürlich stellt sich dann die Frage: Warum überhaupt umsteigen, wenn man doch nur Bilder verdirbt und frustriert ist?

Die Antwort ist jedoch glasklar:

Viele Techniken lassen sich nur auf Baumwollpapier erlernen.

Es lohnt sich also unbedingt, sich mit Baumwollaquarellpapier auseinanderzusetzen.

Wer weiß, wie man auf verschiedenen Papieren malt, erleichtert sich das Leben ungemein. Denn je nach Papier verhält sich das Malen anders, und dieses Wissen hilft, künstlerische Darstellungen leichter und gezielter umzusetzen.

Da ich natürlich weiß, dass meine Schüler noch üben müssen, werden sie nicht gleich jedes Bild perfekt hinbekommen. Deshalb habe ich damit begonnen, preiswerte Baumwollpapiere zu testen – damit niemand Unsummen für das falsche Papier ausgeben muss.

Ich möchte meine Erfahrungen gerne mit euch teilen, denn damit lässt sich nicht nur Geld sparen, sondern auch viel Frust vermeiden.

Beim Testen der Papiere gehe ich sehr persönlich vor, denn Malen ist etwas sehr Individuelles. Jeder hat seinen eigenen Stil und seine eigenen Vorlieben. Mein Ziel ist es, die Papiere so genau wie möglich zu beschreiben, damit du herausfinden kannst, ob ein bestimmtes Papier für dich geeignet ist.

Heute habe ich zwei Papiere im Test:

  1. Baohong Artist Watercolor Paper (grüne Version) Academy watercolor paper Pad
  2. Hahnemühle Expression

Achtung alle Beobachtungen sind nicht allgemeingültig, wie ein Papier reagiert liegt immer am Malstil des Malers!

Das eine Papier 24 x 30 das andere 26 x 38 beide Blöcke haben ca. 15 Franken/Euro gekostet.

Beide Papiere sind zu
100 % Baumwolle,
Säure frei,
kalt gepresst,
und haben 300 g
CHF

 

weiterlesen bei Tine:

Vom Motiv zum Bild! Gewinne Ausdrucksstärke

Vom Motiv zum Bild

Nicht jedes schöne Motiv ergibt automatisch ein gutes Bild.

Oftmals ist die Realität zu komplex, um sie direkt in einem Bild festzuhalten. Wie lässt sich die Realität so umsetzen, dass ein stimmiges Bild entsteht?

Eine klare Vorstellung gewinnen!

Um eine komplexe Szene im Bild zu vereinfachen, ist es wichtig, mit einer klaren Vorstellung zu beginnen. Bevor ich überhaupt anfange zu malen, möchte ich genau wissen, was ich mit meinem Bild ausdrücken und erreichen will.

Heute zeige ich das an einem industriellen Motiv.

Bei industriellen Motiven ist dies besonders wichtig, denn ihre Vielfalt oder Monotonie können ein Bild erdrücken. Industrielle Motive benötigen, vielleicht mehr als andere, eine klare Vision!

Was will ich mit diesem Bild sagen?

Wenn man genau weiß, was man malen möchte, hilft einem das ungemein. Inwiefern? Diese Vision dient mir als Leitfaden für alle kreativen Entscheidungen, die ich treffe, auch wenn es darum geht, die Szene zu vereinfachen.

Ob geplant oder spontan – jede Entscheidung zur Vereinfachung sollte immer mit der ursprünglichen Idee übereinstimmen.

So arbeiten alle Entscheidungen harmonisch zusammen, um am Ende ein stimmiges Bild zu schaffen.

In dieser Location gab es viele Motive, die ein Bild wert gewesen wären. Wenn ich versuche, all diese Motivanteile ungeordnet in einem Bild unterzubringen, entsteht Chaos.

Vom Motiv zum Bild – das bedeutet Vereinfachen

Manche denken, Vereinfachung bedeute lediglich, Details wegzulassen. Natürlich spielt das eine Rolle, aber es gibt noch viele andere Möglichkeiten, eine Szene stimmig zu gestalten.

Wie entscheide ich, was zu tun ist, um ein gutes Bild zu erzeugen?

Vom Motiv zum Bild – Schritt für Schritt

Schauen wir uns ein Beispiel an: Hier am Kraftwerk gibt es viel zu sehen. Der Rhein strömt auf das Kraftwerk zu, die Turbinen summen, ein Polizeiboot liegt im Wasser. Es gibt Hafenkräne und Baukräne. Die Staumauer ist von einer verwirrenden Metallkonstruktion gekrönt, und die vielen Metallpfeiler werfen Schatten. Es gibt viele Hochhäuser und viel Landschaft.

Kurz gesagt, die Szene erschlägt dich! So kann ich das nicht malen, sonst bräuchte ich 20 Quadratmeter Papier.

Mein erster Tipp: Was dich anzieht, ist wichtig!

Mein Auge wird zum Hafen und den Kränen gezogen wie magisch, im Foto kaum zu sehen, in Realität absolut dominant!

Ein Ziel formulieren

Zuerst muss eine Idee in Worte gefasst werden.

Hier ist es der Mensch und wilde Natur.

Um ein stimmiges Bild zu malen, muss ich nun entscheiden, was ich betone, was ich weglasse und was ich weniger intensiv darstelle.

Die Kernfrage lautet:

Welche Elemente werde ich beibehalten, welche weglassen und welche abschwächen?

Zuerst formuliere ich, was mich fasziniert: das enge Nebeneinander von wilder Natur, Wasser, Industrie und menschlicher Aktivität.

Vom Motiv zum Bild : Mit Bedacht weglassen

Zuerst beschneide ich die Szene, damit sie meiner Idee entspricht. Hafenanlagen, Kraftwerk und Staumauer passen nicht gleichberechtigt auf ein Bild.

Beim Beschneiden eines Motivs sollte man dessen Identität wahren. Mich faszinieren das Kraftwerk, der Kai und die Kräne. Von der Staumauer bleiben nur die Schatten, weil es sonst einfach zu viel wird.

Das Bild muss fassen was du siehst und fühlst, aber nicht alles was auf ein Foto passt!

 

Die Staumauer wird schweren Herzens geopfert, damit ich die Geschichte von Industrie und Natur erzählen kann.

Andeuten ist oft besser als weglassen:

Viele Dinge, die man zeigen will, sollte man nur andeuten. In Kaiseraugst gibt es viele sehr hohe Häuser, und doch ist die Natur am Wasser zauberhaft.

Die Hochhäuser wirken im Dunst, als seien sie Teil der Landschaft, also male ich sie so.

Ich trage die erste Farbschicht mit einem sehr großen Pinsel auf. Da ich große, breite Pinselstriche gemacht und die Anzahl der Striche auf ein Minimum beschränkt habe, war dieser Schritt in wenigen Minuten erledigt.

Der große Pinsel hindert mich daran, mich in den Details zu verlieren.

Dann habe ich die Hochhäuser mit wenigen Pinselstrichen angedeutet, sodass sie mit den Hügeln der Landschaft verschmelzen. Oft male ich bei Dingen, die nicht Teil der Bildaussage sind, nur den Schatten. Dafür kneife ich die Augen zusammen und male dann nur sanft das Dunkle.

Wer nur Schatten zeigt, malt keinen Schnickschnack.

Auf diese Weise wird es leicht, kleine, unnötige Details wegzulassen.

Vom Motiv zum Bild – den Inhalt stärken:

Alles, was zur Bildaussage gehört, wird gestärkt

Um den Kontrast zwischen Menschenhand und Natur zu zeigen, male ich die Natur weich und in vielen vitalen Grüntönen.

Das Kraftwerk und die Kräne male ich in leuchtenden Rottönen – das zeigt, dass diese Elemente zusammengehören und unterstreicht die Kraft der Menschenhand. Das stärkt meine Bildaussage.

Das rote Dach des Kraftwerks habe ich in einem Rot gemalt, das sich deutlich von der Natur absetzt. Das Ziel war es, den Komplementärkontrast so zu nutzen, dass sich die Gegensätze gegenseitig verstärken.

So werden die beiden Dinge, die ich zeigen möchte, deutlich sichtbar: das industrielle Motiv und die Natur.

Vom Motiv zum Bild – halte es simpel

Dank der begrenzten Farbpalette konnte ich ein einfaches, aber harmonisches Farbschema schaffen. Dieses Bild habe ich in 40 Minuten fertiggestellt – mit nur einer einfachen Idee und wenigen Materialien (zwei Pinsel, weniger als acht Farben und Papier). Alle Entscheidungen, die ich bei der Vereinfachung dieser Szene getroffen habe, wurden von der Vision beeinflusst, die ich zu Beginn hatte.

Es gibt viele Wege, mit Komplexität umzugehen, und keine einfache Formel dafür, wie man sie vereinfacht.

Oft hilft es, Dinge, die nicht zum Thema gehören, etwas uninteressant zu gestalten.

Doch hinter jeder Entscheidung steht die Frage: Gehört es zur Bildaussage oder nicht?

Das Wichtigste ist, dass alle Entscheidungen zur Vereinfachung die Vision des Künstlers unterstützen. Die Antworten „ja“, „ein bisschen“ oder „gar nicht“ helfen dabei, zu entscheiden, was man malt. „Ja“ bedeutet Vollgas, „ein bisschen“ bedeutet ohne viele Details, und „gar nicht“ bedeutet, lass es weg oder deute es nur an.

Faustregel: Setze deine ganze Energie in deine Idee!

Viel Spaß, ich hoffe, das hat dir geholfen!

Liebe Grüße ins Wochenende,
Tine

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Noch ein bisschen Wissen rund ums Motiv:

https://www.starboxx.de/wissen/motiv.php

Der Hake Brush: Macht deine Bilder locker!

Bevor wir anfangen, es gibt einen Kurs, der mir sehr am Herzen liegt. In diesem Kurs lernst du, den Pinsel zu verstehen, danach wirst du ganz anders malen. Es gibt noch ein paar Plätze im Pinselführerschein.  Er ist am 31.8- 1.9. Wunderschön am Bodensee.

https://blog.herz-der-kunst.ch/aktuelle-kurse/

 

Wenn du schon einmal in einem Kunstgeschäft warst, hast du ihn bestimmt gesehen – diesen großen, flachen Pinsel mit dem exotischen Namen: Hake Brush.

Tine Klein Skizzenbuch mit Hake Brush

 

Auf den ersten Blick mag er vielleicht ein bisschen einschüchternd wirken, vor allem wenn man an die filigrane Arbeit mit kleineren Pinseln gewöhnt ist. Doch dieser Pinsel hat einige fantastische Vorteile, die ihn zu einem unverzichtbaren Werkzeug in der Aquarellmalerei machen. Lass uns einen genaueren Blick auf den Hake Brush werfen und herausfinden, warum er in keinem Malerarsenal fehlen sollte.

Die Magie des Hake Brush

Der Hake Brush stammt ursprünglich aus Japan und wird traditionell für verschiedene Mal- und Lackierarbeiten verwendet. Er besteht meist aus weichen Ziegenhaaren und hat eine flache, breite Form. Auf den ersten Blick wirkt der Pinsel extrem klobig, denn der kleinste Pinsel dieser Art hat einen flachen Pinselkopf mit mindestens 3 bis 4 cm Ziegenhaaren.

Maleigenschaften des Hake Brush

  1. Weichheit: Ziegenhaare sind unglaublich weich und flexibel. Diese Weichheit ermöglicht es, sanfte Übergänge und zarte Farbverläufe zu erzeugen. Deine Bilder verbessert dies, weil man keine Pinselstriche sieht.
  2. Wasseraufnahme: Ziegenhaare haben eine hervorragende Wasseraufnahmefähigkeit. Sie können viel Wasser und Farbe aufnehmen und gleichmäßig abgeben, was dir eine kontrollierte und gleichmäßige Farbverteilung ermöglicht. Das macht dein Bild weich und locker.
  3. Der Pinselstrich:  Ist der Pinsel feucht, dann erzeugt er weiche, großflächige Lasuren, die gut zu kontrollieren sind. Wird der Pinsel trockener, dann neigen die Haare zum Verstrubbeln. Der Pinsel teilt sich gerne und ist etwas unkontrollierbar. Das hört sich auf den ersten Blick nicht gut an, doch mit etwas Übung merkt man, dass der Pinsel sich perfekt dazu eignet, natürliche Strukturen, Bäume und Vegetation festzuhalten. Der Pinsel nimmt dir die Kontrolle und macht deine Pinselarbeit locker und natürlich.

Großflächig arbeiten in Aquarell und Skizze

Ein großer Pinsel wie der Hake Brush bietet einige einzigartige Vorteile.

Macht das Arbeiten mit dem Hake Brush in kleinen Formaten Sinn?

Ja! Ich arbeite sogar im Skizzenbuch mit diesem riesigen Pinsel!

Beim Malen bin ich wie eine Katze – schnell kann irgendetwas meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und während ich daran herum male, ruiniere ich mein Bild. Der große Hake Brush schützt mich davor, von dem grundlegenden Entwurf meines Bildes abzuweichen.  Die großen, entschlossenen Pinselstriche des Hake Brush geben meinem Bild eine enorme Kraft.

Tine Klein Aquarell mit Hake Brush. Blick von der Wettsteinbrücke auf die Mittlere Brücke in Basel.

Trotzdem ist dies nur die halbe Wahrheit – der Hake ist nicht nur gut, wenn es um große Pinselstriche geht. Denn dreht man den großen Flachpinsel und arbeitet mit der Spitze der Kante, kann man interessante kleine Strukturen und Farbflächen setzen. Die Pinselarbeit des Hake Brush ist nicht halb so groß und grob wie vermutet.

Entscheide Vorteile des Hake Brush

  1. Schnelle Flächenabdeckung: Durch seine breite Form kannst du mit dem Hake Brush große Flächen schnell und gleichmäßig abdecken. Das ist besonders praktisch, wenn du einen Hintergrund anlegst. In der Aquarellmalerei oder im Urban Sketching, wo Zeit und Feuchtigkeit eine große Rolle spielen, kann dies den Unterschied ausmachen. Du gewinnst Zeit!
  2. Sanfte Übergänge: Die weichen Haare des Hake Brush ermöglichen es, sanfte und gleichmäßige Übergänge zwischen Farben zu schaffen.
  3. Textur und Struktur: Mit einem Hake Brush kannst du interessante Texturen und Strukturen erzeugen. Indem du den Pinsel trocken oder leicht angefeuchtet verwendest, kannst du variierende Effekte erzielen, die dein Bild hoch interessant machen.

Anwendungsbeispiel- Malen mit Hake Brush:

Tine Klein Aquarell von der Wettsteinbrücke in Basel, Tutorial Hake Brush

Der Hake Brush kann dir helfen, die großen Grundzüge deiner Malerei in wenigen Sekunden aufs Papier zu werfen.

Zuerst habe ich ein grobes Zickzackmuster aus Lasurorange und Siena Natur auf das Papier geworfen. Dann den Pinsel kurz gereinigt und einen hellen Blauton aufgenommen. Diesen Blauton habe ich direkt in das Abendrot gesetzt. Ein schneller Strich und das Wasser war gemalt. Die erste Untermalung, die die komplette Farbstimmung des Bildes festgehalten hat, war in wenigen Sekunden gesetzt.

Ich lebe wenige Meter von einer Brücke und liebe die großartigen Sonnenuntergänge, die man dort jeden Abend sieht.

Der Hake gibt mir die Geschwindigkeit, so etwas in Echtzeit festzuhalten.

Ich trockne den Pinsel und lade ihn mit der dunklen Farbe, die die Stadt im Gegenlicht annimmt. Jetzt setze ich die große geometrische Grundform der Stadt. Im Grunde ist dies nichts weiter als ein großes Dreieck. Die Farbe blutet aus, dort, wo sie auf die feuchten Stellen des Wassers trifft. So habe ich mit dem Hake Brush nicht nur die Stadt gemalt, sondern gleichzeitig auch die Spiegelungen und Reflexionen ins Wasser hinein.

Jetzt drehe ich den Hake und nutze nur noch die Ecke. So entstehen Strukturen und Farbakzente. Diese Effekte siehst du sehr schön in den Ausblutungen ins Wasser und in den dunklen Stellen der Stadt.

Nach vielleicht zwei oder drei Minuten steht 80-90 % meiner Aquarellskizze.

Jetzt bin ich an dem Punkt angekommen, an dem mir der Hake Brush nicht mehr von Nutzen ist.

Der Hake Brush hat den größten Teil der Arbeit getan, hat für eine unvergleichliche Lockerheit des Bildes gesorgt, jetzt ist die größte Herausforderung, das Bild nicht durch eine unnötige Anhäufung von Details zu verderben.

Ich steige um auf einen normalen Rundpinsel mit einer sehr guten Spitze. Jetzt male ich die Details, die man später genau sehen soll. Damit diese Details scharf werden, muss der Untergrund trocken sein.

Das Malen mit den kleinen Pinsel kommt einen nun vor, als wenn man mit Handbremse malt!

Zusammenfassung

Fassen wir einmal zusammen, was der Hake Brush für dich tun kann:

  • Lockerheit und Freiheit: Der große Pinsel fördert eine lockerere und freiere Malweise. Anstatt vorsichtig und präzise zu arbeiten, kannst du mit großzügigen, schwungvollen Bewegungen experimentieren. Das ist enorm befreiend.
  • Effizienz: Durch die Fähigkeit, schnell große Flächen abzudecken, wirst du staunen, wie schnell man mit dem Hake wird! Das ist gerade draußen unter freiem Himmel Gold wert.
  • Konzentration auf das Wesentliche: Indem du dich auf die großen Grundzüge konzentrierst, entwickelst du ein besseres Verständnis für die Komposition und das Gleichgewicht deines Bildes.

Fazit

Ich liebe diesen Pinsel! Habe keine Angst vor dem großen Pinsel, denn …

„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ – Benjamin Franklin

Magst du es, wenn man für Dich schreibt? Kunstautoren haben es in deutscher Sprache schwer! Nur wer englisch schreibt, kann davon leben, denn man wird pro Leser bezahlt. Wenn du es liebst, in deiner Sprache zu lesen, denk ab und zu an eine Spende.

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https://blog.herz-der-kunst.ch/hake-brush-oder-hake-pinsel/

Hake Brush oder Hake Pinsel

 

 

Farbe Mischen lernen, so schöne Farben!

Liebe Freunde und Schüler,

Endlich habe ich meine Seite mit Kursen  aktualisiert. Letztes Jahr gab es eine Kursserie zur Pinselakrobatik. Viele von euch konnten leider keinen Platz bekommen, da sich schnell herumsprach, dass man danach den Pinsel wirklich versteht.

In diesem Kurs erkläre ich, wie der Pinsel funktioniert. Komplizierte Techniken wie streifenfreie Lasuren, Nass-in-Nass-Techniken, trockene Striche und feine Linien werden plötzlich kinderleicht. Wissen macht Spaß, denn es verbessert deine Bilder!

Nun hat meine Freundin ihr wundervolles Atelier zur Verfügung gestellt! Wir dürfen uns in traumhafter Kulisse treffen und malen – mit Blick auf den Bodensee! Die Anmeldung ist jetzt offen.
Der Kurs ist vom 31.8 -1.9 am Bodensee. Das ist der Blick aus dem Atelier:
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Ich freue mich auf euch!
Mischen lernen und Farbchaos?

 

Tine Klein Aquarell Bern zum Thema Mischen lernen

 

Mischen lernen leicht gemacht!

Heute geht es um das Mischen lernen und ich kann dir schon vorwegsagen:

Nicht der Mangel an Farben ist das Problem, sondern der Überfluss!

Die Gier nach der schönen Farbe!

An dieser Stelle möchte ich dir kein schlechtes Gewissen machen, denn ich bin die Erste, die wie eine gierige Katze um die schönsten Farben herumschleicht.

Ich habe das üble Gefühl, dass ich, wenn ich das Geld für jede unnütze Farbe, die ich gekauft habe, zurückbekommen würde, locker ein kleines Häuslein kaufen könnte.

Die Gier nach der schönen Farbe kann ich also absolut verstehen. Aber was soll´s! Wenn die anderen sich Zigaretten kaufen, dann können wir uns doch auch mal eine schöne Farbe gönnen?!

Weniger ist mehr!

Doch in den letzten Jahren habe ich dazu meine Meinung sehr geändert.

Unser Problem ist nicht der Mangel, sondern der Überfluss an Farben!

Ich sehe meine wunderbaren Schüler mit einem Lächeln im Gesicht, hoch motiviert sitzen sie vor blitzblanken und prall gefüllten Farbkästen. Normalerweise lernen genau diese Schüler am schnellsten.

Doch beim Mischen ist das anders.

Die Schüler, die am begeistertsten sind, lernen das Mischen nur sehr langsam!

Warum?

Die Schüler, die wirklich Feuer gefangen haben, interessieren sich für die Materie, sie kaufen sich viele Farben, probieren unterschiedliche Pinsel und auch unterschiedliche Papiere.

Und nun entsteht ein Problem, das Gehirn bekommt so viele unterschiedliche Informationen, dass es nicht mehr begreifen kann, wie die Grundmechanismen des Malens funktionieren.

Besonders schlimm ist dies bei einer zu hohen Anzahl von Farben.

Hat ein Schüler 24 Farben im Kasten.

Zieht man von 24 ² die sinnlosen Kombinationen ab, also diese, wo  das gleiche Rot mit dem gleichen Rot gemischt würde,

erhielte man immer noch 276 Farbkombinationen.

Wenn ich Kombinationen aus mehr als zwei Farben zulasse,

erhalte ich immer noch 2024 Kombinationen.  Die Folge ist, dass sich absolut niemand diese Farbmischungen merken kann.

Aus diesem Grund habe ich meine Meinung geändert.

Niemand kann mit einem zu vollen Farbkasten mischen lernen!

Warum eine reduzierte Farbpalette beim Mischen lernen hilft!

Mischen lernen ist eine hoch komplizierte Sache! Es hilft nicht nur die Farbkombination auswendig zu lernen, man muss auch die Grundprinzipien dahinter begreifen.

So ist es absolut wichtig, das Wechselspiel von kalt und warm zu begreifen, um Farben beim Mischen genauso hinzubekommen, wie man sie möchte.

Mischt man zum Beispiel eine kalte mit einer warmen Farbe, bekommt man in der Regel eine angenehme, nicht zu grelle Farbe im mittleren Spektrum. Kombiniert man kalte Farben mit kalten, dann addieren sich die Eigenschaften. Bei Grün würde ein grelles Grün entstehen. Würde man ein warmes Blau mit einem warmen Gelb kombinieren, dann würde das Grün warm, müde und herbstlich.

Die Mechanismen der Kombination von kalt und warm kann man allerdings nur begreifen, wenn man seinen Farbkasten so organisiert hat, dass man von jeder Grundfarbe kalte und warme Farben im Kasten hat.

Jetzt wirst du sagen, du liebe Güte, wie soll ich denn dieses Fachwissen bekommen? Gar kein Problem, die Grundfarbenkästen von jeder Firma sind von vorne hinein so organisiert.

Nur vergessen die meisten, sich  die Organisation der Farbkästen zum Vorteil zu machen.

Ich empfehle meinen Schülern immer mit zwei Dreierpaaren aus Grundfarben zu arbeiten.

Zum Beispiel:

Kaltes Blau, warmes Gelb, kaltes Rot – z. B. Coelin Blauton – Indisch Gelb – Magenta oder Opera oder permanent Rose

Und

warmes Blau, kaltes Gelb, warmes Rot  – z.b. Ultramarin feinst, Zitronen Gelb, Geranien Rot

 

Von diesem Grundkombinationen gibt es einige, die gut funktionieren. Teste dein Kombinationen aus Grundfarben, die du viel benutzt!

Der Trick dabei ist, dass man die Farben so zusammenstellt, dass ein ständiger Wechsel von kalt und warm erfolgt. Der Vorteil davon ist, dass man viele harmonische Farben erzeugt und eine enorme Vielfalt an Farbkombinationen erstellen kann, ohne dass man unsicher wird.

Die Grundkombinationen sind Grün, Orange, Violett Grau und Braun.Dies kann man sich leicht merken.

In der kleinen Dreierkombination kann ich auch verstehen, was passiert, wenn ich eine Farbe erwärmen oder abkühle!

Ich begreife, wenn ich Blau und Gelb mische, entsteht Grün.

 

So weit, so gut, das haben wir alle verstanden. Aber meistens ist man von der Dreierkombination genervt, weil die Farben nicht vielfältig sind. Nun beginnt man zu testen, was passiert, wenn man die dritte Farbe hinzunimmt!

Was passiert mit einem Grün wenn es eine winzige Spur rot enthält?

Ich mische zum Beispiel  hier ein warmes Gelb mit einem kalten Blau und gebe ein wenig Rot hinzu, nun begreife ich, dass Grüntöne herbstlich werden, wenn sie wärmer werden.

Hat das Gehirn erstmals solche Zusammenhänge begriffen, kann man später fast jede Farbe der Welt mischen.

So hilft einem die erste kleine Dreierkombination aus Grundfarben, das Mischen zu begreifen!

Eine Zweite Dreierkombination aus Grundfarben macht das Mischen vielfältig!

 

Hat man die erste Farbkombination im Griff, nimmt man eine zweite Farbkombination aus Grundfarben hinzu. Diese sollte, wie oben beschrieben, genau entgegengesetzt zu der Kalt-Warm-Mischung der ersten Dreierkombination sein. So macht man dem Gehirn den Zusammenhang zwischen Farben klar!

Auch mit der zweiten Dreierkombination malt man, bis man sie in- und auswendig kennt.

So erlernt jeder das Mischen, weil man die Grundprinzipien begriffen hat. Wem diese Erklärung zu kurz war, dem empfehle ich, die beiden Blogs zu lesen, die unten am Text anhängen.

 

Mischen lernen – Harmonie ist das Ergebnis weniger Farben.

Hier habe ich eine klassische Farbkombination benutzt:

Tine Klein Aquarell Bern in der Schweiz

Warmblau – französisch Ultramarin und Kaltgelb- Zitrone und permanent Rosa (ähnlich dem Magenta)

Diese Farben habe ich noch einmal um 3 Farben ergänzt, die ein ähnliches Team sind.

Kaltblau – Indigo und Warmgelb- Indisch, jedoch wurde der warme Rotton durch gebranntes Siena ergänzt.

Ich habe eine Farbkombination aus sechs Farben, dadurch erhalte ich ein vielfältiges und farbenprächtiges Bild.

Welche Vorteile genieße ich durch so eine Kombination?

  • Die Kombination aus zwei kalten und warmen Gelb- und Blautönen ermöglicht mir das Mischen von sehr vielfältigen Grüntönen.
  • Die Kombination aus einem warmen Blau und einem sehr dunklen kalten Blau ermöglicht es mir nicht nur sehr strahlende Blautönen zu erzeugen, sondern auch extreme Dunkelheiten.
  • Die Kombination aus Siena gebrannt und den Blautönen ermöglicht mir eine Vielzahl von hellen und dunklen Schattentönen.
  • Das kalte und etwas freche Pink eröffnet mir Farbkombination, die nicht so altmodisch wirken.

Mit einer Kombination von nur sechs Farben kann man farbenfrohe und strahlende Bilder erzeugen. Dadurch, dass man zwei Dreierkombinationen bildet, die man in- und auswendig kennt, passieren einem beim Mischen keinerlei Fehler.

Man kann wild und frei arbeiten!

Es entstehen leuchtende Farben, wenn man das möchte, und schöne Grautöne, die man ganz zielgenau mischen kann.

Wenn du Probleme hast beim Mischen, dann kann ich dir nur dringend empfehlen, deine Farbpalette zu reduzieren. Das bedeutet nicht, dass du deine Lieblingsfarben nicht behalten kannst. Trotzdem solltest du alle unnötigen vorgemischten Farben aus deinem Farbkasten entfernen. Ich habe in meinem Farbkasten keinerlei Grüntöne. Nur Türkis, weil ich es liebe.

Bei der Methode der reduzierten Farbpalette geht es darum beim Mischen Durchblick zu erhalten.

Deine Bilder werden dadurch leuchtender und strahlender, auch wenn dies im ersten Moment paradox klingt.

Kursanmeldung für den Pinselführer schein hier!

https://eigenart-am-see.ch/aquarellkurs-mit-tine-klein-31-08-01-09-2024/

Liebe Grüße aus  Basel

Kostenlose Angebote können nur mit deiner Hilfe existieren! Bitte denke an das Spenden.

CHF

 

https://blog.herz-der-kunst.ch/grundfarben-simplify/

Grundfarben! Simplify!

https://blog.herz-der-kunst.ch/limitierte-farbpalette-ein-guter-trick/

Das Licht malen! Fasziniert!

Das Licht malen füllt dich mit schönen Beobachtungen!

Sehen ist das Schönste, was wir bekommen haben. Sehen, das deutet nicht nur Information, sondern auch wohlfühlen.

Gerade für uns Maler ist das Sehen ein Geschenk.

Im Laufe unseres Lebens sehen wir immer mehr, nicht weil unsere Augen besser sehen, sondern weil Maler ihre Wahrnehmung trainieren.

Letztes Jahr hatte ich in Basel ein merkwürdiges Erlebnis, ein anderer Mallehrer sprach mich an. Und machte sich darüber lustig, dass es in meinen Bildern regelmäßig farbige Himmel gibt. Seine  Schüler wollten das lernen, aber er lehne dies rigoros ab!

Lustigerweise bietet er nun einen Kurs über die Farben der Tageszeiten an! Offensichtlich hat er nun beobachtet!

 

 Denn Sehen ist nicht nur eine Sache der Augen, sondern auch eine Sache des Kopfes. Vieles nimmt man nicht wahr, weil man darauf nicht aufmerksam ist, hat man es einmal gesehen, sieht man es immer.

Deine Hausaufgabe ist, den Himmel zu beobachten! Das ist spannend!

Wie wir sehen! Licht sehen-Licht malen

„Der Mensch orientiert sich vor allem mit seinen Augen: Mehr als 80 Prozent aller Informationen nehmen wir über die Augen auf. Sie sind unser wichtigstes Sinnesorgan. Über die Augen werden auch nichtvisuelle Wirkungen von Licht aufgenommen, die Aktivität, Wohlbefinden und Leistungskraft stimulieren.

Wir können rund 150 Farbtöne aus dem Spektrum des sichtbaren Lichts unterscheiden und zu einer halben Million Farbwerten kombinieren – dank unseren Augen. Sie nehmen die elektromagnetischen Wellen des Lichts auf und verwandeln sie in eine Folge von Nervenimpulsen, die an das Gehirn weitergeleitet werden. Dort entsteht das eigentliche Bild unserer Umwelt.

Die Augen übertragen die aufgenommen Informationen zehn Mal so schnell wie die Ohren. Das Gehirn errechnet aus den beiden unterschiedlichen Bildern, die das rechte und das linke Auge „senden“, einen räumlichen Eindruck. So kann der Mensch dreidimensional sehen und auch Entfernungen gut abschätzen.

Beim Entfernungssehen unterscheidet das Gehirn zwischen nahen und weiter entfernten Objekten auch anhand der Blauanteile im Licht. So erscheinen näher liegende Objekte in wärmeren Farbtönen mit höherer Intensität, entferntere in bläulichen und blasseren Schattierungen.“

Zitat aus: Sehen und Licht, der Link ist unten, ein lesenswerter Artikel

Wir sehen im Tageslicht am besten! Und Tageslicht hängt eng mit Blau zusammen, denn dies ist die Farbe, deren Wellenlänge am weitesten streut, und deshalb ist der Himmel meistens blau. Man nennt dies Raylightstreuung. Und deshalb ist der Himmel blau, obwohl das Licht alle Farbanteile enthält.

Tatsache ist, dass unser Auge bei Licht alle Farben sieht, ist es dunkler,  hat es das Auge schwieriger. Je weiter wir von der Lichtquelle wegkommen, desto grauer wird es.

Iglesia de San Francisco, Quito, Ecuador, 2015-07-22, DD 217-219 HDR

Diego Delso, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Tine Klein Aquarell Luzern Abensstimmung, das Licht malen

Doch der Himmel ändert häufig seine Farbe, bei Staub in der Luft wird der Himmel gelb.

Das hier ist ein Winterhimmel, das Phänomen dahinter sind Eiskristalle in der Luft.

Dies kann man bei Geo nachlesen, Link unten.

Der untere Bereich des Himmels ist oft gelb und rot aufgrund reflektierten Lichtes.

 

MV Monte Alegre sunrise 040917

NAC, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

 

Tagsüber ist der untere Bereich des Himmels fast weiß. Deshalb lasse ich den Himmel in meinen Bildern oft weg.

 

Von Tbachner, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=178977

 

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Panorama-Sonnenuntergang_bei_K%C3%B6nigswalde.jpg#/media/File:Panorama-Sonnenuntergang_bei_Königswalde.jpg

Das kann man bei uns in Basel toll sehen, denn der Rhein fließt in Richtung Sonnenuntergang.

Schreitet der Sonnenuntergang voran, steigt am Himmel von unten langsam das Rot und Rosa auf. Bis der Himmel rot wird.

 

 

 

20 Minuten nach Sonnenuntergang verfärbt sich der Himmel purpur. Er wird oben lila.

https://naturphaenomene.com/farben-des-himmels-und-des-meeres

 

https://www.geo.de/wissen/warum-ist-der-himmel-gelb–3140

Die häufigste Fehlerquelle im Aquarell – das Wasser!

 

Hallo, lieber Leser, schön, dass du auch heute wieder bei mir bist und liest, was ich dir zu sagen habe.

Heute möchte ich dich vor der häufigsten Fehlerquelle im Aquarell schützen!

Der Serientäter ist dein Wasserbehälter!

Irgendwann im Laufe der Kunstgeschichte hat man verstanden, dass das Malen mit Herz wichtiger ist als stumpfe Technik. Dieser Erkenntnis kann ich nur aus ganzem Herzen zustimmen.

Trotzdem hat sich aus dieser Erkenntnis ein massives Problem entwickelt.

Wir haben also begriffen, dass Technik in der Kunst nicht alles ist. Doch leider ist dadurch viel Know-how vergessen worden. Es wird zu wenig über Technik gesprochen und dadurch entstehen unsagbar blöde Fehler.

Denn wer malen möchte, hat es leichter, wenn er versteht, wie sein Arbeitsgerät funktioniert.

Mit Herz malen bedeutet doch nicht, dass man sein Arbeitsmaterial wie ein Vollpfosten benutzt.

Der Wassertopf des Grauens!

Vielleicht schüttelst du jetzt mit dem Kopf, denn du hast deinen Wasserbehälter noch nie als Bedrohung wahrgenommen,  und trotzdem ist dieser Wasserbehälter die häufigste Fehlerquelle im Aquarell.

Der Wasserbehälter ist ein unentdeckter Serientäter.

Viele Fehler, Flecken und hässliche Bilder gehen auf das Konto dieses Arbeitsmaterials.

Viele von euch denken jetzt, es ginge wahrscheinlich um verschmutztes Wasser, doch weit gefehlt, es geht um einen grundsätzlichen Handhabungsfehler.

Der Pinsel funktioniert über Wassersteuerung:

Jeder Pinsel funktioniert über die Steuerung des Wassers im Pinsel. Viele von euch kennen das leidige Problem, dass eine schöne und gelungene Kolorierung nach dem Trocknen viel zu blass ist. Dies liegt an übermäßig Wasser im Pinsel. Der Pinsel verströmt Wasser statt Pigment.

Dies ist sicherlich das häufigste Problem, wenn Menschen den Pinsel benutzen. Es ist schlicht und einfach zu viel Wasser im Pinsel.

Dieses Problem wird erzeugt durch den unsachgemäßen Gebrauch des Wasserbehälters.

In der westlichen Welt wird uns von Jugend an eingeschärft, dass wir sauber und ordentlich sein müssen. Reflexartig stecken wir den Pinsel bis zum Kragen in den Wasserbehälter, um ihn regelmäßig sauber zu machen. Dabei saugt der Pinsel sich voll, und jedes Mal, wenn wir den Pinsel in die Farbe stecken, gibt er Wasser in unsere Farbmischung und auf das Papier ab.

Gemischte Farbe wird dadurch immer heller. Und so lässt sich vielleicht auch erklären, warum deine Bilder immer zu hell sind.

Wasser ist die Fehlerquelle im Aquarell, die Lösungen für zu blasse Bilder:

Aquarellbilder und Kolorierungen leuchten nicht automatisch.

Tine Klein Tutorial, zu Die häufigste Fehlerquelle im Aquarell ist das Wasser! Dresden Illustration Tine Klein

Wenn du eine Farbe mischst, dann muss sie immer etwas dunkler sein, als du sie dir wünschst.

Wenn du weiter mit dieser Farbe malst, steckst du den Pinsel zwischendurch nicht in den Wasserbehälter, sondern tankst deinen Pinsel nur mit der gemischten Farbe auf.

Du machst den Pinsel also nur dann sauber, wenn er sich verfärbt hat oder du eine neue Farbe brauchst. Nach dem Auswaschen entfernst du überflüssige Flüssigkeit aus dem Pinsel. Und dann tankst du den Pinsel erneut mit Farbe auf.

Flecken im Bild:

Die unsachgemäße Verwendung des Wasserbehälters erzeugt viele gravierende Fehler in Bildern. Einer davon sind Wasserflecken und Ausblühungen von Farbe. Diese können sehr hübsch aussehen, sind aber ein nerviges Problem, wenn man nicht weiß, wie sie entstehen.

Wasserflecken entstehen immer dann, wenn der Pinsel feuchter als die Untergrundfarbe ist.

Man kann sie auch gekonnt einsetzen, zum Beispiel bei Wolken oder Wasser:

Schnelle Skizze der Jugendherberge Leissingen.

Dies entsteht dadurch, dass du deinen Pinsel jedes Mal in den Wasserbehälter steckst, ohne darüber nachzudenken, dass die Farbe auf deinem Blatt trockener ist als der klatschnasse Pinsel, der aus deinem Wasserbehälter kommt.

Malst du nun weiter, drückt eine Flutwelle die Pigmente auf dem Blatt weg.

 

 

Bringen wir‘s mal auf den Punkt:

Die Fehlerquelle im Aquarell ist Kontrollverlust durch Wasser:

Das Wasser ist die Grundlage der Schönheit des Aquarells und doch ist das Wasser die häufigste Fehlerquelle im Aquarell. Ist das Aquarell zu nass, lässt sich gar nichts mehr steuern. Wenn du Milch in deinen Kaffee schüttest, würdest du auch nicht erwarten, dass man mit der Milch im Kaffee schöne Muster malen kann. Wenn zwei Flüssigkeiten komplett nass sind, dann lässt sich die Vermischung nicht kontrollieren.

Die Angewohnheit, den Wassertopf ständig zu benutzen, um einen schönen sauberen Pinsel zu haben, führt also zu Kontrollverlust.

Die Fehlerquelle im Aquarell ist also, dass unser Pinsel kontinuierlich zu nass ist.

Wie kann man die häufigste Fehlerquelle im Aquarell beheben? Kontrolle des Wassers.

Natürlich heißt dies nicht, dass ein Aquarell trocken gemalt wird, dies wäre widersinnig. Es geht darum, den Pinsel nicht wie eine Pumpe zu benutzen, die kontinuierlich Wasser aufs Papier pumpt.

Man steckt den Pinsel nicht jedes Mal bis zum Kragen in den Wasserbehälter und benutzt ihn dann tropfnass weiter!  Man fährt ein Auto auch nicht die ganze Zeit mit Vollgas! Vermeide die häufigste Fehlerquelle im Aquarell und benutze nur so viel Wasser, wie du brauchst.

Tipp Nummer 1: Wenn du draußen bist, steckst du den Pinsel ins Wasser und schlägst ihn dann aus. Je nachdem mit wie viel Kraft du den Pinsel aus- schlägst, verliert er mehr oder weniger viel Wasser. So kontrollierst du die Menge des Wassers im Pinsel.

Tipp Nummer 2: In Innenräumen kann man einen großen Wasserbehälter benutzen. Der Wasserbehälter wird nicht vollgefüllt, sondern den entstehenden Platz kann man benutzen, um den Pinsel dort auszuschlagen. Ausschlagen heißt aber nicht, dass wir Gewalt benutzen, der Pinsel wird nur leicht ausgeschüttelt.

Tipp Nummer 3: Nimm nur so viel Feuchtigkeit, wie du brauchst. Oft reicht es, nur die Spitze des Pinsels ins Wasser zu stecken, um ein wenig Feuchtigkeit aufzunehmen.

Tipp Nummer 4: Ganz einfache Verhaltensänderungen können dir helfen, dass dein Papier nicht zu nass wird. Gewöhne dir einfach an, den Pinsel ganz sanft am Wassertopf abzustreichen. Ist der Pinsel immer noch zu feucht, drückt man ihn in einem Tuch aus. Dann nimmt man so viel Flüssigkeit auf, wie man braucht.

Tipp Nummer 5: Das Schwämmchen, viele Profikünstler haben neben ihrer Palette ein kleines Schwämmchen liegen. Der Schwamm ist leicht feucht, damit er saugfähig ist. Nach dem Reinigen des Pinsels benutzen die Maler das Schwämmchen, um das Wasser vom Pinsel abzustreifen. Diese simple Methode sorgt dafür, dass man sich nicht unnötige Feuchtigkeit ins Bild schaufelt. Denn der feuchte Schwamm nimmt überschüssige Feuchtigkeit und Farbe auf.

Tutorial Fehlerquelle im Aquarell Wasse, Tine Klein

In letzter Zeit kommt neues Material auf den Markt. Es gibt hoch saugfähige Schwämmchen, die speziell für Maler angeboten werden. Diese Schwämmchen saugen Wasser gierig auf. Ich selber habe mir natürlich sofort einen solchen Schwamm gekauft. Doch ehrlich gesagt kann ich nicht feststellen, dass dieser Schwamm besser ist als mein normaler Schwamm. Den einzigen Vorteil, den ich sehe, ist, dass diese Schwämmchen klein und flach sind.

Häufigste Fehlerquelle im Aquarell: Wassertopf benutzen, ohne nachzudenken.

Die eigentliche Fehlerquelle im Aquarell ist das Wasser, du brauchst kein besonderes Material dafür, sondern es muss dir einfach klar sein, dass du mit zu viel Wasser dein Aquarell nicht kontrollieren kannst.

Liebe Grüße, danke fürs Lesen wünscht der Tine

Bitte bedenke, dass das Schreiben über dein Hobby keine öffentlichen Fördermittel erhält,

deshalb möchte ich dich daran erinnern, dass jede Redaktion ein wenig Budget braucht!

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Weiterlesen bei Tine:

https://blog.herz-der-kunst.ch/pinseltechniken-im-aquarell/

Pinseltechniken im Aquarell

Pinseltechniken

 

Ich möchte heute die Reihe, Märchen im Aquarell oder unverstandene Arbeitsgeräte weiterführen. Der Wasserbehälter ist ein unentdeckter Serientäter. Er ist für hunderttausende ruinierte Auqarellskizzen und Bilder zuständig.