Virtual Sketch – eine Virtuelle Malreise

Eine schöne Bescherung!

Nicht dass ich etwas dagegen hätte, Weihnachtskekse zu backen! Doch ich überlege gerade, ob es nicht viel sinnvoller wäre, die Sprache der Wale zu lernen. Da man in der Coronazeit ja nichts anderes tun kann, außer mit seinen Lieben zu kochen, befürchte ich, dass wir die Form von großen Meeressäugern annehmen.

Dann wäre es doch äußerst sinnvoll, wenn man sich schon mit den Walen unterhalten könnte, falls einen jemand aus Versehen ins Wasser rollt.

Die Weihnachtszeit ist mir dieses Jahr etwas zu besinnlich!

Was mich schmerzt, ist, dass dieses Jahr viele schöne Erfahrungen fehlen. Diese Erfahrungen kann man natürlich nicht durch anderes ersetzen. Deshalb heraus aus dem Alltagstrott und herein in neue Erfahrungen.

Ich habe mich einfach einer Gruppe im Netz angeschlossen, die im Moment New York malt. Also raus aus den eigenen Routinen und rein in was Neues. Virtual Sketch nennt sich das.

Tine Klein Eisbahn am Rockefeller Center

Virtual Sketch!

Maler haben seit jeher in Gruppen gemalt. Warum? Im eigenen Saft schmoren, ist nicht immer hilfreich. Zu malen und zu zeichnen ist eine hochkomplexe Tätigkeit. Sprich, wenn man ein Bild malt, muss man an viele Dinge gleichzeitig denken.

Farbe, Bildentwurf, Technik, Material, Form und Struktur und so weiter und sofort.

Wenn das alles am Anfang und auf Anhieb klappen soll, na dann prost Mahlzeit!

Das geht natürlich nicht! Deshalb ist es für Anfänger und Fortgeschrittene durchaus sinnvoll, sich Anregungen aus dem Netz zu holen und vor allen Dingen auch sich untereinander auszutauschen.

Virtual Sketch – Anregungen aus dem Netz:

Anregungen aus dem Netz sind eine zweischneidige Sache. Im Netz wird man von einer Bilderflut bombardiert. Das führt zu einer Verwirrung bei dem Betrachter. Zwei Dinge darf man dabei nicht tun, kopieren, ohne nachzudenken. Das erzeugt Selbsthass, da es immer einen gibt, der besser ist als man selbst.  Und einfach treiben lassen, geht auch nicht, denn dann ersäuft man in der Masse, ohne etwas zu lernen.

Vom Netz kann man profitieren, wenn man sich ein paar Regeln setzt.

Wer von der Bilderflut profitieren will, muss eine Fragestellung finden. Hilfreich ist es, zielgerichtet in die Bilderflut zu blicken und sich hilfreiche Hinweise für sich selbst herauszusuchen.

Dabei gibt es mehrere Vorgehensmöglichkeiten, die dem Autodidakten helfen, Wissen aus dem Netz zu filtern. Jede einzelne Vorgehensweise hat den Sinn, den Blick auf eine Lernmöglichkeit zu richten.

Kopieren und fragen:

Kopieren kann sehr sinnvoll sein, aber man darf nicht einfach so malen wie ein anderer. Hinter der Kopie muss eine Frage stecken, damit man den Kontakt zu sich selbst nicht verliert.

Mein Tipp: Zuerst malt man ein Bild selbst. Dabei geht es darum, sich zuerst selbst mit dem Thema zu beschäftigen, bevor man ohne Frage das Vorgefertigte der anderen frisst.

Dann schaut man, was die anderen gemacht haben. Gibt es ein Bild, das überragend viel besser ist als das Eigene? Dann überlegt man, warum dieses Bild besser ist und was man davon lernen könnte. Danach kopiert man das Bild, ganz oder noch besser nur teilweise, um der Technik des Malers auf die Spur zu kommen.

Warum nur teilweise?

Bilder kann man unendlich unterschiedlich malen, dabei stößt man auf einen ganzen Haufen von unterschiedlichem Fachwissen. Man kann aber nicht gleichzeitig alles lernen.

Deshalb ist es sehr schlau, sich nur kleine Punkte herauszupicken!

Um zum Beispiel die Fenster eines anderen zu kopieren, braucht man nicht das ganze Bild zu malen, sondern man versucht nur, der Machart der Fenster auf die Spur zu kommen.

Konzentriere dich auf einen kleinen Bereich, dann lernst du auch etwas, ohne dich selbst zu verwirren.

Man teilt das Wissen so auf, dass es nur häppchenweise in den Kopf gelangt und man es deshalb auch aufnehmen kann.

Mein Tipp: Ein machbares und begrenztes Tageslernziel setzen, z.B.: Heute verbessere ich meine Fenster.

Zur Geschichte des virtual Sketch:

Gemeinsame virtuelle Reisen machen Spaß. Ich weiß schon ziemlich sicher, wo ich nach Corona malen werde! Virtuell habe ich die Welt entdeckt und sie begeistert mich!

Das Malerlebnis ist tatsächlich völlig anders, als wenn man sich ein eigenes Motiv sucht, man ist gezwungen, sich mit anderem und neuem auseinanderzusetzen.
Und dabei lernt man etwas! Denn man malt nicht nur das, was man immer macht. Der nächste Punkt ist die dauernde Anregung durch die Vorschläge, man  will man einfach mitmachen.

Anne Rose Oosterbaan hatte im März dieses Jahres während des Lockdowns als Erste die großartige Idee, dass nicht alle irgendwo vor einem Foto arbeiten müssen, sondern dass man sich gemeinsam ein Ziel sucht und dann ein bestimmtes Motiv bearbeitet.

Der virtuelle Spaziergang in der Gruppe war geboren. Anne hatte eine super Idee, die vielen Menschen im Lockdown geholfen hat. Gerade wenn man nur noch wenige soziale Kontakte hat, ist es super, gemeinschaftlich etwas zu machen.

Jetzt gehen wir wieder gemeinsam in einen Lockdown und wissen schon, dass es Spaß macht, eine gemeinsame virtuelle Reise zu unternehmen und dann die Bilder zu malen.

Der Spaß daran ist, dass man sehen kann, was die anderen aus dem Motiv gemacht haben.

Oben im Artikel habe ich ja schon darüber gesprochen, wie sinnvoll es ist,  sich eine Fragestellung zu wählen. Wenn du nun in solch eine Gruppe gehst, dann kannst du dich mit den anderen austauschen.

Spaß haben und auch mal gezielte Fragen stellen, ist das Motto!

Denn wir alle wollen lernen. Da auf der anderen Seite aber auch ein Mensch steht,  möchte ich dir raten, dem anderen mitzuteilen, dass du sein Bild großartig findest! Denn dann wird er dir sehr gerne Auskunft geben.

Anne Rose hatte da eine großartige Idee, die vielen Menschen über den ersten Lockdown geholfen hat. Glücklicherweise hat Anne Rose auch ein paar Dinge aus dieser Gruppe zusammen getragen, diese möchte ich euch jetzt zeigen.

In einem Anne Roses Handout kann man sehr gut sehen, wie unterschiedlich die Menschen zu einem Thema gearbeitet haben.

Klicke, um auf 2020.03.22-Haarlem-VirtualSketchl.pdf zuzugreifen

Leider gibt es diese Facebook Gruppe nicht mehr. Anne Rose hat viele Menschen glücklich durch den Lockdown gebracht, aber dann wurde es zu viel Arbeit.

Als Anne Rose die Gruppe geschlossen hat, war ich sehr traurig. Ich denke, das ist vielen Menschen so gegangen. Im Lockdown war die Gruppe eine große Stütze.

Ich denke, deswegen ist sehr schnell eine ähnliche neue Gruppe entstanden.

Facebook Virtual Travel Sketcher:

Auf Facebook findet man die Gruppe unter dem Namen virtual travel sketcher .

Ich weiß, dass viele Menschen etwas gegen Facebook haben. Ob begründet oder nicht, ein soziales Netzwerk ist das, was man daraus macht. In Kunstgruppen treiben sich in der Regel keine Hooligans herum.

Diese Gruppe hat das Loch geschlossen, das nach dem Ende von virtuell Sketch entstanden ist.

https://www.facebook.com/groups/virtualtravelsketchers/

Hier findet man sehr viele Vorschläge für eine virtuelle Malweise im Netz:

Die Gruppe bietet immer mehrere virtuelle Reisen an, an denen eine ganze Menge Maler und Zeichner teilnehmen.

Aktuell werden zwei virtuelle Zeichenreisen angeboten, New York und Irland. Die Angebote wechseln ständig.

https://www.facebook.com/groups/virtualtravelsketchers/events

 

Ich habe letzte Woche an der virtuellen Malreise zum Rockefeller Center teilgenommen:

Die Google Maps Adresse  dazu war:

https://www.google.com/maps/@40.7589419,-73.9786706,3a,75y,91.64h,119.23t/data=!3m6!1e1!3m4!1sUulQlYlMrN8fnUhYnb0opQ!2e0!7i13312!8i6656

Tine Klein Aquarell Rockefeller Center , Eine Idee für den Lockdown virtuell sketch

Ich habe nicht nur den Google Maps Spaziergang gemacht.,sondern mir auch einige Fotos angesehen. Achtet mal auf das Männchen unten links bei google maps, zieht man dies in die Karte, dann kann man in einigen Gebieten tatsächlich durch die Straßen laufen.

Ab jetzt gibt es in der Lockdown Zeit immer wieder Tipps und Bilder zum Mitmalen.

Diese Woche Rockefeller Center.

Mein Maltipp für den Weihnachtsbaum:

Weihnachtslichter entstehen, wenn unter dem eigentlichen Bild eine Lasur in leuchtend Gelb liegt, die auch viel weiß freilässt. wenn man dann dunkel darüber malt und Löcher lässt, blitzen die Lichter. Soll es ein richtiger Weihnachtsbaum werden, müssen noch winzige weiße Punkte für die Lichter aufgesetzt werden. Am besten gehts mit weißem Gelstift, oder Feder und weißer Tusche.

Ich wünsche euch noch eine tolle Zeit ab nächste Woche im Lockdown immer was zum  mitmachen!

Liebe Grüße Tine

Danke an Anne Rose Osterbaan und Melanie Ellenberger.




Hier noch weitere Gruppen:

Urban Sketcher Augsburg: Mitmach-Aktion in Deutschland. Ihre Idee zum virtual sketch Willy-Brandt-Plätze bundesweit:

https://www.facebook.com/events/2170147103130596

Im Moment gibt es viele Ortsgruppen von Kunstvereinen und Urban Sketchern, die dieses Konzept benutzen.

Eine der ältesten und ersten Gruppen die Idee des virtual Sketch für sich aufgegriffen haben, ist die aus Leicester, hier findet man immer interessante Beiträge.

https://www.facebook.com/groups/virtualsketchleicester/

Virtual Sketch Melbourne

https://www.facebook.com/groups/288307562207345/

Sucht man unter dem Hashtag #Virtualsketch,  #virtualtravelsketch so findet man immer viele tolle Veranstaltungen und Gruppen auf Facebook.

Auf Instagram findet man Hinweise unter den #:

#virtualsketch #virtualsketchscrawel #virtualsketchwalk #virtualsketching

Ich wünsche euch eine wundervolle Weihnachtszeit und hoffe, dass ich ein bisschen dazu beigetragen habe, dass der Lockdown nicht zu langweilig wird.

 

Weiterlesen bei Tine, mal einer meiner ersten Artikel, da seht ihr das auch ich immer weiter lerne:

https://blog.herz-der-kunst.ch/strahlende-farben/

Weißes Papier – Wie malt man das Nichts?

Weisheiten zu Weiß

Weißes Papier ist unbearbeitet?

Wortgeschichtlich heißt „weiß“ in vielen Ländern soviel wie „das Leuchten, Licht oder Sonne“. In einigen europäischen Ländern gibt es eine merkwürdige Ähnlichkeit zwischen den Worten „Weiß“ und „Weizen“. White und wheat oder Weiz (en) und Weiß.
Vermutlich ist dies in der Farbe und der Wichtigkeit des guten Wetters für die Ernte begründet. Licht ist also so genauso wichtig wie Ernährung!
Licht ist etwas Schönes und es macht gemalte Bilder toll. Doch das Problem, das wir mit Weiß haben, steckt ebenfalls im Wort Weiß. Weiß steckt auch im deutschen Blanko oder im italienischen Bianco.
Wir alle kennen diese Wörter aus Blankovollmacht, das heißt „nicht ausgefüllt“ oder von total blank sein, das heißt: rein gar nicht haben.

Weiß ist das Licht und das Nichts.
Tine Klein

 

Weiß ist keine Farbe

Viele Menschen haben Probleme beim Malen von Weiß. Dies liegt natürlich nicht daran, dass wir alle dumm sind, sondern dass Weiß eine ganz besondere Bedeutung hat.

Zuerst einmal ist Weiß eigentlich gar keine Farbe, und deshalb nimmt es immer eine Sonderstellung beim Malen ein. Ich glaube, dass unsere Probleme beim Malen von Weiß an seiner Wirkung auf uns liegt.

 

Die Wirkung von Weiß und seine Folgen für die Malerei

 

Weiß wirkt unheimlich perfekt.

Jeder, der perfekt sein muss oder Perfektion vortäuschen möchte, greift zu Weiß.
Ärzte sind Halbgötter in Weiß, der Papst schreitet im weißen Nachthemd mit goldenem Saum würdevoll über den Platz. Die Mädchen der Jungfrauen-Prozession und Bräute sind in Weiß gekleidet.
Und hier merken wir schon, welches Problem das Weiß in sich trägt, wenn es für das Vollkommene, das Ideale und das Gute steht.
Weiß steht dafür, dass es das Perfekte gibt, und wir alle wissen, auf dieser Welt gibt es kaum etwas wirklich Perfektes.
Man müsste schon lange suchen, um genug Jungfrauen für eine Prozession in Weiß zu finden!

Weil weißes Papier es so makellos aussieht, macht es in Bildern ständig Probleme.

Oder es lässt Bilder erhaben aussehen.

Der weiße Fleck

Wie schon bemerkt,  macht Weiß uns Probleme durch seine Wirkung: Warum?

Weiß wirkt perfekt und steril. Deshalb greifen Ärzte auf die Berufsbekleidung Weiß zurück.
Weiß wirkt so sachlich, so absolut funktional und scharf begrenzt, dass die weiße Stelle in Bildern wie ein Aufkleber wirkt.
In einem gemalten Bild wirkt Weiß aber auch steril, es wirkt so gnadenlos kalt, dass wir  so gerne zum Pinsel greifen und das Weiß rücksichtslos ermorden. Denn wenn das Weiß so perfekt wirkt, dann ist es, als würden wir die andern Stellen im Bild mit unserer Malerei besudeln. Weiß wirkt wie ein Fremdkörper in unseren Bildern.
Weiße Stellen wirken in Bildern wie ausgeschnitten oder aufgeklebt.
Wenn wir jetzt aber zum Pinsel greifen und das Weiß ermorden, weil es so ekelhaft perfekt wirkt, dann haben wir unserem Bild keinen Gefallen getan, denn wir brauchen und wir lieben das Licht.  

Weiß ist etwas besonders Schönes in Bildern

Jeder, der besonders toll wirken will oder gar kein Interesse daran hat, normal zu wirken, kleidet sich gerne in Weiß.

Marilyn Monroe im weißen Kleid auf dem U-Bahn-Gitter, Marlene Dietrich im weißen Anzug, Lady Di im weißen Abendkleid, Mariah Carey in weißer Robe oder Lady Gaga in weißem Lackleder. Die Diva weiß genau, welche Strahlkraft das Weiß hat.

Alle Augen schauen auf das Weiß. Dies ist sicher eine der wichtigsten Regeln der Malerei.

Jetzt ist doch für uns Maler die Frage: Wie kann ich dieses wundervolle Strahlen in meinen Bildern benutzen? Was kann ich damit anstellen? Und wie kriege ich es harmonisch in meine Bilder hinein, ohne dass es aussieht wie ein ekelhaft perfekter Fremdkörper?

Die Möglichkeiten in der Malerei -Wo hilft weißes Papier?

Weiß ist leer, es sei denn…

 

Weiß hat die unangenehme Angewohnheit, sich nicht gut in Bilder zu integrieren, weil es so leer ist. Wenn man allerdings weiß, wie man die Diva handhaben kann, ist dies überhaupt kein Problem. Weiß wirkt immer dann wie ein unbearbeiteter Fetzen, wenn es mit einer harten Kante auftritt. Ummalt man Weiß mit einer dunkleren Farbe und schafft keine Übergänge, dann wirkt das Weiß unnatürlich. Warum? Wenn Licht auf einen Körper trifft, dann gibt es dort eine starke weiße Reflexion, aber das Licht wird um diese Spotlights herum in die Umgebung reflektiert. Dort entstehen dann weiche Übergänge in die Originalfarbe des Objektes.
Tipp Nummer 1 für die Malerei: Wirkt Weiß wie ein Fremdkörper, schaffe weiche Übergänge. Zarte Lasuren rund ums Weiß.

Weiß wirkt zart und weiblich…

Weiß wirkt zart und weiblich, wenn es mit weichen Farben kombiniert wird. Diese Erkenntnis schließt direkt an meinen ersten Tipp an: Weiß braucht zarte Übergänge. Deshalb ergibt sich aus meinem ersten Tipp auch direkt der zweite Tipp:
Weiß sieht großartig mit Pastellfarben aus.
Pastellfarben sind in der Regel puderig, sie enthalten einen starken Weißanteil. In der Regel enthalten diese Farben Zink oder aber auch Kalk und diese beiden Materialien streuen das Licht. Das Ergebnis ist ein Effekt, der für das Auge zart und weich wirkt.

Das Licht als Gegengewicht…..

Weiß ist der natürliche Gegenspieler von Dunkel und Schwer. Weiß wirkt generell licht, leicht und substanzlos. Und dies sorgt selbst in düsteren Bildern für eine gute Stimmung.

Tine Klein Venedig, Aquarell, Tutorial malen lernen und die Farbwirkung von weiß.

Weiße Zuckerwatte wirkt wie ein Hauch von Nichts und trotzdem hat sie die gesamte Anzahl an Kalorien, die ein ausgewachsenes Power – Weib am Tag braucht. So viel zu optischen Täuschungen. Diesen Täuschungseffekt können wir wunderbar in der Malerei einsetzen.
Natürlich geht es in der Malerei nicht um Kalorien, sondern um Licht. Trotzdem entfaltet das Weiß hier genauso seine Macht, da es so leicht und hell wirkt, können wir es benutzen, um schweren oder dunklen Motiven eine Leichtigkeit zu geben.
Ich möchte euch die am heutigen Bild erklären.
Viel weißes Papier-wirkt freundlich und hell
Es ist ein luftiger, heller Tag, Trotzdem hängen dunkle Regenwolken am Himmel, die Stahlbrücke ist dunkel und die Bäume und Häuser vom Regen noch dunkel und nass. Würde man das Motiv so malen, wie die Farben im Original sind, dann würde auf dem Blatt kein schöner Nachmittag am Fluss entstehen, sondern eine dunkle, depressive Regenstimmung. Die Farben der Objekte im Bild geben nicht wieder, dass die Sonne durch die Wolken gebrochen ist. Wenn man die Stimmung und das Wetter korrekt wiedergeben möchte, muss man zu einem Kunstgriff greifen. Man muss eine große weiße Fläche ins Bild einfügen. Die Wirkung der hellen Farbe führt dann dazu, dass der Betrachter des Bildes das Licht wahrnehmen kann. Die psychologische Wirkung von Weiß führt dazu, dass unser Bild nicht trübe wirkt.
Gegenfrage: Würde ein freundliches und helles Grau nicht genauso wirken? Grau steht für Tristesse, für trübe Gefühle, Unfreundlichkeit und auch für den Anfang der Dunkelheit.
Schau einmal, was ein freundliches und helles Grau aus diesen Bild macht:
Grau macht trüb.
Der Weg ist weg, nun glitzert der Rhein. Eine völlig andere Bildaussage.
Ich glaube schon, dass man sagen kann, dass das Weiß die perfekte Unterlage für dunkle Farben ist. Einerseits wirken die dunklen Farben durch das Weiß noch kräftiger, andererseits erhält das gesamte Bild aber eine Leichtigkeit.

Weißes Papier perfekte Unterlage…

Oft werde ich im Unterricht gefragt: Muss ich eigentlich noch einen Himmel malen? Oder: Muss ich noch die Straße malen? Die Antwort ist:  In der Kunst muss niemand etwas. Im ersten Moment sehen größere weiße Flächen vielleicht ungestaltet aus. Dies liegt natürlich an der psychologischen Wirkung des Weiß, das dir beim Arbeiten sagt:“ Hey, ich bin doch noch so leer!“

Mein letzter Tipp für heute:

In puncto weißes Papier wir uns gerne wie die wildgewordenen Jäger. Nicht alles,  was Weiß aufblitzt, muss sofort erschossen werden. In Bildern sind mit dunkler Farbe geladene Pinsel genauso gefährlich wie Gewehre, denn sie töten die Leichtigkeit. Gerade jetzt, in der dunklen Jahreszeit, ist es wichtig, dass genug Weiß im Bild stehen bleibt.

Behandelt die weiße Farbe auf dem Blatt wie die selten gewordenen weißen Tiger. Denkt immer dran: “ Die sind selten und stehen unter Naturschutz!“

Ein bisschen Weiß muss stehen bleiben:

Weißes Papier und sanfte Lasuren wirken interessant.

Ich wünsche dir ein wundervolles Wochenende

Liebe Grüße Tine

 

Danke an die wundervollen Menschen die regelmäßig Spenden. In Deutschland waren die Kurse durch die Hygiene-Konzepte so klein geworden, das man nicht mehr rentabel arbeiten konnte. Nun gibt es gar keine Kurse mehr in Deutschland. Eine verrückte Zeit, deshalb sind eure Spenden gern gesehen. Insbesondere allen Corona -Geschädigten z.B. aus Kultur und Gastronomiewünsche ich viel kostenlosen Lesespass.

An fettes Danke schön an die Menschen die euch, den kostenlosen Lesespass ermöglichen:

Marie-Therese Pfyffer, Susanne Binder, Erich Kürsteiner, Claudia Hertfelder, Roland Engert, Tanja Hammer, Marion Schatz, Marion Valentin,

Sabine Mund-Schmidt, Christa Knaack, Marlies Zücker

Und Danke vielmals,  für eure zuckersüßen Nachrichten.

 

Die Malblockade: ein Brett vorm Kopf

Den Moment, in dem ich schaue wie der Igel vor den Schweinwerfern des heranrauschenden Schulbusses, den sieht keiner. Über den humorvollen Umgang mit der Malblockade.
Tine Klein In Bild des Blicks von der Markthalle in Basel zum Bahnhof. Tutorial zur Malblockade.
Malblockade: Kennst du das? Du hast so richtig ein Brett vor dem Kopf?  Ach die berühmtesten Künstler kennen das. Und dann ärgerst du dich darüber. Zu bemerken, dass man selbst dämlich ist, macht es nicht leichter! 
Über diese Situation zu sprechen ist insbesondere für Maler und Zeichner wichtig, denn die Blockade kommt gerade bei so komplexen Tätigkeiten wie dem Kunstmachen sehr häufig vor.

Ein Brett vorm Kopf? Was heißt das eigentlich und woher kommt das?

Früher hängte man den Ochsen beim Pflügen ein Brett vor die Augen, so konnten diese die Umgebung nicht sehen und taten ruhig ihre Arbeit, weil sie nichts ablenkte. Dadurch sahen die Ochsen aber auch das Offensichtliche nicht und machten unglaublich dämliche Fehler, weil sie keinen Überblick hatten.

Jeder hat ein Brett vor dem Kopf!

Dass wir manchmal auf der Leitung stehen, ist also völlig normal. Jeder von uns kennt das sehr gut. Auch die berühmtesten Maler quälten sich. Man zeichnet sich da manchmal einen Müll zusammen, das ist unglaublich! Und dann steht  man fassungslos da und starrt auf das produzierte Schwachsinnswerk. Dabei denkt man dann über die eigene Unfähigkeit nach.
Diese Fähigkeit des Menschen, den eigenen Unfug zu erkennen, ist unsere größte Stärke!
Allerdings muss dieser Prozess positiv bleiben! Das gilt auch bei der Zeichen- und Malblockade

Zweifel ist nur in begrenztem Maße hilfreich!

Wenn mich irgendetwas zur Zauberlehrerin machen könnte, dann wäre es der Punkt, an dem ich meinen Schülern beibringen könnte, positiv zu zweifeln.
Zweifel ist überall dort wundervoll, wo er uns voranbringt. Aber nicht zufällig steckt das gleiche Wort in: “Verzweifeln”.
Überall dort, wo der Zweifel so stark wird, dass er Menschen blockiert und klein macht, dort wird der Zweifel widerlich.
Wenn man negativ wird, löst dies eine Kette von Reaktionen im Gehirn aus, dann geraten wir in den Notfallmodus und unser Gehirn reagiert schnell und effektiv. Dummerweise ist dies, wie schon häufiger erwähnt,  keine gute Möglichkeit für Künstler, denn diese Schaltung unseres Gehirnes führt dazu, dass wir nicht mehr gut genug sehen können.
Im Grunde funktioniert unser Gehirn nicht anders als ein Computer.
Wir haben im Kopf verschiedene Programme, die dazu gemacht wurden, Tätigkeiten auszuführen. Wenn wir nun in ein Programm schalten, das zum körperlichen Bewegen gemacht wurde, können wir mit diesem Programm nicht zeichnen.
Eigentlich ist das logisch, oder?

Der dumme Computer am Ende unseres Halses

Trotzdem verzweifeln viele Menschen daran, denn anders als im Computer gibt es keinen Knopf am Kopf, mit dem wir das Programm wechseln könnten.
Und dann ist es plötzlich da, das Brett vor dem Kopf!
Ich möchte meinen Schülern eine Säge geben!
Und die Kernfrage ist, wie schaffe ich es, mein Gehirn in die richtige Stimmung zu bringen, dass ich malen und lernen kann?

 

Lernen mit Lust! Ein Mittel gegen die Malblockade.

Mein erster Tipp: Nicht negativ werden.

Negativität löst das automatische Umschalten auf Programme aus, die unserem Ziel, kreativ sein,  im Wege stehen.

Dies heißt jetzt nicht, dass wir jeden dummen Fehler toll finden sollen, sondern dass wir bei Fehlern entspannt bleiben müssen!

Die Malblockade verschwindet nicht durch meckern. im Gegenteil!

Man darf das negative Gefühl, dass man dumm sei, einfach nicht überhand nehmen lassen, dazu braucht es Selbstdisziplin, aber auch Erfahrung. Menschen, die in ihren Bereichen gut und erfolgreich werden, haben gelernt, hinzufallen und freudig wieder aufzustehen.

Es ist ein riesiger Unterschied, ob man denkt, irgendwann wird es klappen! oder was für ein verf….. Scheiß! (Seich!)

Bildungsaussichten sind von der Haltung abhängig!

Nicht unterkriegen lassen!

Um wie die Weltmeister zu lernen, brauchen wir nur eines: einen entspannten und freundlichen Geist.

also ist der logische  nächste Schritt:

Was auch immer dich locker und fröhlich macht, greife darauf zurück!

Locker lernen, kein Aufruf zum Alkoholismus!

Die Malblockade hat auch berühmte Künstler gepeinigt!

Man braucht kein Kulturhistoriker zu sein, um zu wissen, dass die Künstlerszene genau aus diesem Grund immer offen für Drogen, Alkohol und körperliches Vergnügen waren. Das eine hängt mit dem anderen zusammen, wer entspannt und locker ist, der lernt gut. Da Künstler Zeit ihres Lebens lernen, ist völlig erklärlich, warum sie anfällig fürs Vergnügen sind.

Dummerweise kommt man natürlich auch nicht gut voran, wenn man mit beiden Beinen in die Sünde springt (Seht ihr mich wissend lächeln?).

Jeder Mensch ist anders, entspanne dich nach deiner Art

Das Erste, was du wissen solltest, ist,  dass du dir deinen Arbeitsplatz zum Kunstmachen oder -lernen besonders angenehmen machst.

Meiner ist hell leicht und luftig, ich kann die Türen aufstellen, ich hab viele Blumen und sehr gute Musik. Mein Kunstmaterial liegt für mich bereit, denn ich weiß, ich bin ein Chaot. Das alles gilt auch, wenn ich unterwegs bin, ich habe den festen Vorsatz, mir eine schöne Zeit zu machen.

Was ich tue, ist, dass ich einen Ausgleich zu meiner eigenen Verbissenheit schaffe.

Ich schaffe Bedingungen, in denen ich gerne arbeite. Ich halte den Trieb voran zukommen mit einer angenehmen Atmosphäre in Balance. Was dich entspannt, wirst du selbst am besten wissen. Der eine liebt gute Musik, der andere liebt die Stille.

Menschen sind unterschiedlich und du solltest dir Orte suchen, an denen du dich sehr wohl fühlst.

Das Steinzeitgehirn und die Malblockade

Unser Gehirn wurde in einer Zeit entwickelt, als das negative Denken eine echt gute Alternative zu überleben war. Die Pessimisten hatten bessere Überlebenschancen, denn schon ein kleiner Kratzer konnte dazu führen, dass du elendig verreckt bist. So hatten Pessimisten die besseren Überlebenschancen. Und das merkt man beim Lernen. Unsere heutige Aufgabe ist es, unser blödes Steinzeitgehirn davon zu überzeugen, dass uns ein Fehler nicht umbringt. Das ist natürlich witzig. Niemand ist jemals am schlechten  Zeichnen gestorben. Aber sag das mal unserem Gehirn! Wir finden immer einen negativen Gedanken!

Wir sind die Nachfahren wirklich erfolgreicher Pessimisten!

Unser Steinzeitgehirn ist im Wesentlichen für Malblockaden verantwortlich. Zwei Dinge sind in unserem Gehirn verankert.

Herdentrieb und die Angst vor der Veränderung.

Diese Funktionen führen heute zu Kreativblockaden. Denn kreativ sein kann man nicht ohne Veränderung und auch nicht,  wenn man alles immer so malt wie immer oder alle anderen!

Deswegen eröffne spielerisch neue Möglichkeiten, gewöhne dein Gehirn an die positive Veränderung!

Klopfe dir einmal selbst auf die Schulter. Sei stolz auf dich! Das hilft enorm beim Lernen.

Zeig dir, dass Zeit und Veränderung dich voran bringen!

 

Ein Fehler darf kein Drama sein

Lustigerweise kann man das effektivste Lernen mit dem folgenden Satz zusammenfassen:

“ Wer es leichter nimmt, der hat es leichter!“

Dennoch,  unser Steinzeitgehirn sieht dies anders. Je mehr Gewohnheiten wir folgen, desto schwieriger wird das Kreativsein. Die Malblockade ist eine Reaktion des Gehirns, um uns vor Neuem zu schützen!

Leider hat unser Steinzeitgehirn nicht begriffen, dass ein innovativer Malstil nicht tödlich ist.

Du musst also deinen inneren Angsthasen in die Schranken weisen, liebevolle Rituale helfen dabei.

Schritt 1: Das Ritual zum Lösen der Malblockade:  rein in den Autopilot!

Gewohnheiten sparen Energie und machen uns ruhig und zufrieden. Deshalb kann man das Gehirn beruhigen,  indem man mit einem Ritual anfängt. Zum Beispiel einer Zeichnung, bei der man die Augen auf dem Motiv hält und alles an einem Stück zeichnet, ohne abzusetzen. Diese Zeichnung darf kein Ziel haben, du sagst dir, die werfe ich hinterher weg! So kann dann auch kein Stress entstehen! Mit dem Ritual stimmen wir unser Gehirn ein!

Nach kurzer Zeit wird das Gehirn dies als Auftakt zum Zeichnen und Malen empfinden und sich startklar machen! Ein einfacher Einstieg,  nun sind wir im Autopilot.

Schritt 2: Raus aus dem Autopilot

Wenn du nichts veränderst,  wird dein Handlungsspielraum immer kleiner. Baue Fehler bewusst in dein Programm ein, damit das Auftreten kein Drama ist.

Viele Maler erzählen, dass sie auf verschmutztem, bekleckertem Papier die besten Bilder malen, weil sie von Anfang an wissen, dass dieses Blatt ja nichts werden kann. Der Angsthase in uns wurde also geschickt ausgetrickst.

Ich zum Beispiel lebe mit einer großen Lebenslüge, jedes Bild, das ich anfange, ist nur eine Vorzeichnung!

Ich sage mir, das hier ist nur die Vorzeichnung,  also experimentiere! So komme ich meinem Ziel relativ stressfrei näher. Meine offizielle Begründung: Damit mir die Fehler nicht im echten Kunstwerk passieren! Ich spiele also mit meinem kleinen Neandertalergehirn und nehme ihm die Angst zu Gunsten der Innovation.

Es gibt natürlich selten ein echtes Kunstwerk. Aber selbst wenn ich das Bild total versaue,  bin ich nie enttäuscht, denn es war ja nur die Vorzeichnung!

Enttäuschungsmanagment ist der Killer der Malblokade!

Bei diesen Strategien geht es immer darum Fehler zu ermöglichen! Ohne das man sich selbst zerfleischt. Die positive Haltung ermöglicht dann überraschend bessere Ergebnisse.

Tipp: Finde deine eigenen schönen Entlastungslügen! Der Fehler darf ein normaler Teil des kreativen Prozesses werden….nach und nach wird dann der Fehler zum Freund.

Stressfaktoren ausräumen:

Viele Menschen sehen in mir eine lustige und selbstbewusste Wikingerfrau, die groß und unerschütterlich ist. Das ist putzig, denn ich bin eine kleine Neurotikerin und kann über Woody Allen herzlich lachen.

Die Starken kennen ihre Ängste und finden Methoden, sie zu managen!

Jahrelang konnte ich nicht auf gutem Papier malen. Weil ich mich als zu unwürdig empfand! Gutes Papier löste bei mir sofort Stress aus, und dann wurden alle  Bilder schlecht. Meine erste Lösung,  immer billiges Papier zu nehmen, war auf Dauer keine Lösung! Doch dann fand ich eine andere Methode, um mich zu entstressen. Heute kaufe ich Papier bergeweise:

Ach, du meine Güte,  der Papierberg muss weg!

Du musst lernen, dir deine Stressfaktoren aus dem Weg zu räumen. Ärgern hilft nicht! Immer lösungsorientiert denken. Bekloppt? Ja, sicher!

Akzeptiere doch einfach, dass du ein Vollpfosten bist, und gib dir Hilfestellung, anstatt zu meckern!

Ein großes Ziel?

Zeichnen und malen lernen ist eine riesige Aufgabe. Immer dann, wenn einem klar wird, was man alles “ muss“, dann kommt es zu Malblockaden.

Wir wollen alles gleichzeitig, Stress entsteht, unser altes und faules Gehirn macht zu.

Eine wirklich effektive Lösung ist, die Aufgabe in kleine Häppchen aufzuteilen.

Setze dir kleine Ziele, nicht riesige!

Denke beim Zeichen nie weiter als einen Zentimeter! Bleibe bei der einzelnen Linie, springe im Motiv nicht hin und her!

Das Prinzip funktioniert bei jeder komplexen Aufgabe. Wir lernen, es uns möglichst einfach zu machen. Versuche es nächstes Mal mit einem sehr einfachen und kleinen Ziel.

Diese winzige Aufgabe löst du in Seelenruhe.

Dies ist ein enorm guter Trick! Ein Marathon besteht aus einem Schritt! Der entscheidende Trick:  Nicht mit der Aufmerksamkeit hin und her springen, nach der einen Linie kommt die angrenzende!

Zeit und Pause bei Malblockade!

Hat man sich in der Malblockade festgefressen, gibt es Lösungen!

Gib Dir Zeit! Ungeduld verschlimmert es und Zwang auch! Spaß und Spielerisches helfen. Lass dich niemals unterkriegen! Eine Pause und Bewegung können Wunder wirken!  Es geht nicht mit Gewalt.

Dein Gehirn braucht Zeit zum verdauen. Und damit wünsche ich dir ein wunderschönes Wochenende und viel Spaß beim Lernen.

Liebe Grüße Tine

Wie groß deine Spielräume sind und welche Freiräume du hast, zeigt dir dieses Video:

https://www.youtube.com/watch?v=n6KxcTpPw7Q

 

 

Die ehrenamtliche redaktionelle Arbeit braucht viel Zeit und Mühe. Auch kleine Spenden helfen etwas Neues auf die Beine zu stellen!

 



Danke schön!

Porträt malen ein Lied von Wahnsinn

Porträtieren :

Menschen interessieren Menschen

Das macht es uns Zeichnern einfach. Doch jahrelang plagen wir uns mit absoluter Ähnlichkeit, bis wir merken: Die tollsten Porträts sind Spiegel der Seele.

Porträt Tine Klein Aquarell und Tinte

Füllhalter- und Aquarell-Porträt von Tine Klein: Meine Freundin in Rotweinstimmung, sie hat was Interessantes erspäht.

Wenn man anfängt, Menschen so darzustellen, dass man Gefühle, Gesten oder Situationen zeigt, dann ist das richtig, einfach und macht auch Freude. Meine Bilder zeigen oft meine Sehnsüchte. Doch lange Jahre hab ich mich mit dem Ziel absoluter Ähnlichkeit geplagt.

Dummerweise gleitet aber fast jeder in die Falle der Ähnlichkeit ab.

Gerade Anfänger wollen immer absolut ähnliche Porträts malen. Warum, weiß ich eigentlich nicht so genau, denn diese Bilder interessieren eigentlich niemanden, außer vielleicht die, die diese Person wirklich lieben. Gleichzeitig regen sich die Leute, die diese Person wirklich kennen, aber total über winzige Abweichungen im Gesicht auf. Kurz zusammengefasst, das ähnliche Porträt interessiert keinen und ist für ungeübte Maler der direkte Weg ins Höllenfeuer.

Doch dies hat noch niemanden davon abgehalten, sich wie die anderen Lemminge von der Klippe zu stürzen.

Portraitmalen lernen, des Wahnsinns erster Akt:

Es gibt Situationen, da frage ich mich, warum ich eigentlich kein Orchester im Atelier habe.

Immer wenn es um die tragischen Mythen der Menschheitsgeschichte geht, dann bräuchte man doch zumindest  ein Symphonieorchester, das die Handlungen mit dramatischer Musik untermalt. Oder ist Odysseus jemals auf die Sirenen zu gesegelt, ohne dass jemand dramatisch eine Geige quälte? Komisch,  bei mir ist das nicht so, wenn es um die wirklichen Dramen in einem Atelier geht, dann springt kein 150-köpfiges Symphonie-Orchester aus der Ecke, obwohl die Situation es wahrlich verdient hätte.

Nein, die wahrlich tragischen Ereignisse schleichen sich langsam, unauffällig heran. Zum Beispiel in Form einer liebenswürdigen Großmutter, die zu ihrer ersten Mal-Stunde mit einem gespitzten Bleistift und dem Foto ihres Enkels anrückt.

Der feste Vorsatz:

Ich möchte meinen geliebten Enkel malen, und zwar ganz, ganz ähnlich

Vier Stunden später hat sich die niedliche Großmutter in einen nörgelnden und höchst aggressiven Reiter der  Apokalypse verwandelt. Noch schlimmer sind die, die nun in tiefe Depressionen stürzen und jedes Lebewesen im Umkreis von einigen 100 m in die völlige Verzweiflung treiben, und das alles ohne eine anständige dramatische musikalische Untermalung.

Kurz gesagt: Omi hat gerade gemerkt, dass man sich mit dem Porträtzeichnen so richtig quälen kann.

Portrait zwischen Glück und Wahnsinn

Porträtzeichnen kann so richtig glücklich machen. Es macht Spaß, das Menschliche festzuhalten, doch dabei porträtiert man eher die Situation oder das menschliche Verhalten. Sobald es allerdings darum geht, den Menschen absolut genau zu zeigen, verschwindet diese Leichtigkeit zugunsten von leichtem Augenzucken, was sich unbegrenzt steigern lässt.

Richtig gute Porträtzeichner sind oft richtige Freaks, sie haben sich darauf spezialisiert, Gesichter ganz genau zu malen. Dies verlangt eine hohe Anstrengung, und sie sind enorm stolz darauf, dass sie computer- millimetergenau zeichnen können.

Oftmals findet man diese Meister des Porträtieren in Fußgängerzonen oder an touristischen Attraktionen und muss feststellen,  die Bilder sehen irgendwie seelenlos aus.

Absolut tolles Handwerk und trotzdem seelenlos -Perfektion, eine Quelle der Enttäuschung?

Kunst ist eben kompliziert, Handwerk ist der eine Teil,  Ausdrucksstärke der andere. Und wenn man sich so unglaublich stark auf jeden Millimeter konzentrieren muss, dann geht eben ganz beiläufig die Ausdrucksstärke flöten.

Ein Teufelskreis? Was nun? Selbst  Perfektion scheint, das Porträt nicht glücklich zu machen. Eine Lösung sind Bilder, die erzählen.

Ich selbst bemerke das mir Portraits nebenher oft am besten gelingen. Mit Spass und spielerischen Elementen. Hier zum Beispiel Giacometti mit Wollhaaren.

Tine Klein ein spielerisches Porträt von Giacometti

Mit Spaß zum Gesicht

Einer, der das kann, ist Elmar Huxoll. Ich bin ein Fan. Elmar ist in Spuckweite von mir geboren, vielleicht liebe ich deshalb seine Kunst so sehr, weil da ein Stück Heimat drin steckt. Unsere künstlerischen Lebenswege gleichen sich sehr. Zuerst mal ein Beruf mit Kunst,  doch zum Broterwerb geeignet. Elmar ist Textil Designer, doch die Kunst bleibt bei uns immer irgendwie triebhaft.

Wie viele Künstler unserer Zeit und in meinem Freundeskreis arbeitet Elmar mit  Material, dass man ganz praktisch mit ins Leben nehmen kann.

Kunstmaterial für das Zeichnen und Malen, nicht zum Angeben.

Elmar Huxoll, ein Meister des schnellen Selbstportäts

Hier ein paar Selbstportraits von Elmar, die sind so gut, weil sie Gefühle enthalten:

Selbst Portrait von Elmar Huxoll. Blog Herz-der Kunst

Elmar ist zufrieden! Und an anderen Tagen eher nicht!

Selbst - Portät von Elmar Huxol, Im Tutorial von Blog Herz-der-Kunst.

An anderen Tagen ist er müde:

Selbst - Portät von Elmar Huxol, Im Tutorial von Blog Herz-der-Kunst.

mal fragt er sich?

Selbst - Portät von Elmar Huxol, Im Tutorial von Blog Herz-der-Kunst.

Und er erzählt was über seine Gelüste:

https://www.boesner.ch/niederlassungen/unterentfelden/veranstaltung/gesichter-skizzieren-frei-und-mit-spass-4

Und die einfachen Dinge des Lebens:

https://www.boesner.ch/niederlassungen/unterentfelden/veranstaltung/gesichter-skizzieren-frei-und-mit-spass-4

Die Selbstportraits von Elmar sind so gut, weil er sich traut etwas zu erzählen. Es braucht Mut Gefühle preiszugeben.

Eine kurze Frage? Habt ihr das Gefühl, dass ihr diesen Menschen gut leiden könnt? Jetzt mal ganz ehrlich, ihn muss man doch lieben! Denn diese Gefühle kennen wir alle!

Emotionen im Porträt:

Elmar beweist, dass man für ein gutes Porträt nix weiter als die Emotion braucht.

Mann sieht nichts, aber die Emotion ist da!

Habt ihr schon mal dieses Gefühl bei einem dieser super, super exakten Portraits, die man in touristischen Fußgängerzonen kaufen kann, entwickelt?

Nein?, dann könnte es daran liegen, das diese Portraits unmenschlich und sinnentleert sind!

Der Tipp für das Porträt: Leben statt Pedanterie

Wenn man mich fragen würde: „Warum findest Du die Portraits von Elmar Huxoll gut?“, dann würde ich sagen, weil man ganz genau den Menschen erkennt, und zwar über sein Gefühl und seine Eigenarten.

Elmar, Hingucker, locker hingeworfene Portraits zeigen Menschen in Action.

Ihre Stimmungen und Launen. Ein fettes Grinsen ist auch fett!

Und Blicke sind manchmal unergründlich:

oder man traut es sich nicht zu sagen: auch mal wirklich böse:

Form, Farbe und Gefühle

Elmar arbeitet nach dem Grundsatz:

Viel hilft nicht viel.

Die Stimmungen und Menschen sprechen für sich selbst.

 

Gerade dann, wenn sich Farbe und Gefühl verbinden, werden die Bilder stark.

Deshalb sind seine Zeichnungen Sex, Drugs und Rock´n´Roll für mich.   Auch wenn Elmars Kunst ganz anders ist als meine, ich liebe sie.

Da  steht nicht ein stocksteifes Modell,  sondern ein Mensch!

Mir ist zwar manchmal unbegreiflich wie eine so dahingeworfene Linie so viele Gefühle enthalten kann. Aber irgendwie ist da der Zauber des Einfachen am Werk,

 

Was kann man von Elmar Huxoll lernen:

Wenn ihr porträtieren lernt, dann macht euch nicht verrückt mit absoluter Genauigkeit.

Es gibt etwas, was viel, viel wichtiger ist als Genauigkeit, das ist das Gefühl.

Wie man an diesem kleinen Potpourri sieht,  sind diese Porträts niemals langweilig. Betrachter müssen dort immer hinsehen. Emotionen, Lüste, Liebe, Pleiten, Pech und Pannen, Das pralle Leben ist weiß Gott viel interessanter als ein steifes,  aber perfektes Porträt.

Wenn ihr porträtieren lernt, dann steckt alle Kraft und Macht, die euch zur Verfügung steht, ins Gefühl.

Es gibt viele Menschen, die sich solche Kunst nicht erlauben würden, weil sie die Sicherheit der Ordnung und Anerkennung brauchen. Das Verrückte ist,  dass gerade diese Menschen niemals wirklich interessante Porträts machen können, denn sie suchen über die technische Perfektion  immer eine Art Rückversicherung. Dabei ist aber das Gefühl etwas, das überhaupt keine Rückversicherung von anderen braucht.

Deshalb bleiben Künstler wie Elmar außergewöhnlich, sie haben dies erkannt, man muss dem mumm haben nicht der absoluten Schönheit nach zu hetzen.

Der beste Tipp:

Vergiss das Porträt und nimm das Menschliche ins Zentrum

Dann kommt das Porträt von selbst. Man braucht für ein Porträt nicht mal ein Gesicht, wer Teenager hat kennt das genau:

Ein 15 jähriger Gammelfleisch-Skandal!

Schnapp dir einen Kugelschreiber und leg los.

Liebe Grüße ins Wochenende

Tine

 

Zeichenunterricht und Kontakt zu Elmar:

Elmar lebt in einer kleinen Stadt vor den Toren von Berlin.

https://www.facebook.com/elmar.huxoll

Auch bei mir läuft gerade noch der letzte Portraitkurs des Jahres, ich befürchte, er ist wie immer ausverkauft. Aber meldet euch ruhig dennoch an, wenn es im Frühling mit Corona besser wird, kann es einen erneuten Kurs geben. Ich verlinke selten Kurse, weil wir viel mit Warteliste arbeiten.

https://www.boesner.ch/niederlassungen/unterentfelden/veranstaltung/gesichter-skizzieren-frei-und-mit-spass-4

Quellen: Alle Bilder außer das erste Bild und der Giacometti sind von Elmar Huxoll. Ein fettes Dankeschön an Elmar.

Weiterlesen  zum Thema Porträt:

In diesem Blog geht es um die Schraffur im Gesicht:

https://blog.herz-der-kunst.ch/schraffieren-lernen/

Schraffieren Lernen

 

Naturstudie: Inspiration seit Urzeiten

Tine Klein Herbst Baum, Licht., eine naturstudie in Aquarell.Kastanienbäume

Eine verrückte Zeit 

Ein merkwürdiger Sommer geht zu Ende. Viele von uns können dieses Jahr nicht ihren liebgewonnenen Gewohnheiten nachgehen.

Auf jeden Fall haben dieses Jahr meine Hände mehr Alkohol gesehen als meine Leber!

Ich finde diese Zeit irgendwie merkwürdig, es scheint vielen Menschen so zu gehen, dass sie ihr altes Leben vermissen. Die Folgen sind manchmal verrückt. Ich bekomme lauter merkwürdige Leserbriefe. Diese Beiträge blockiere ich,  um euch nicht zu belästigen.

Manchmal ist es zum Brüllen lustig, von der Frau die meinen Körper verwöhnen will, damit ich dann gestärkt durch die Coronazeit gehen kann. Über indische Doktoren, die angebliche Wundermittel gegen Corona haben. Wenn man Geld bezahlt hat, ist man gesegnet und ist dann immun, wer es glaubt, wird selig. Oder ich soll zum wetternden Wutbürger werden, weil der Test der Sirenen von einer verschworenen Gruppe von Politikern zum Verunsichern der Bevölkerung benutzt würde.

 

Seht mich nun die Hände über den Kopf zusammenschlagen? Mensch, man testet Sirenen, damit die im Notfall funktionieren!

Aber die neuen Zahlen mit 4000 Neuerkrankten am Tag in Deutschland, verstören viele Menschen. Das versuchen Schwindler zu nutzen.

Ich weiß nicht,  ob Corona-Angst das Gehirn erweicht. Die drei Heiratsschwindler,  die mich letzte Woche per Mail versuchten zu erreichen, lächelten mich als braun gebrannte Sexmaschinen mit kleinem Hündchen vor dickem Auto an!

Himmel, igitt, es gibt so viele gute Dinge,  wir brauchen echt nicht verzweifeln und wir brauchen auch keine Heiratsschwindler.

Ich bin auch wehmütig und möchte dringend mein altes Leben zurück,

denn im Oktober gehe ich normalerweise ein paar Wochen mit Rucksack auf Fernreise und treffe mich mit Malern in aller Welt. Oh jehhhh, Wehmut!

Dennoch muss man sich mal in den Hintern treten und sich klarmachen, dass es so viele wundervolle Dinge gibt, die wir vernachlässigen.
Die guten Dinge liegen nämlich direkt vor unserer Haustür.
Manchmal liegen sie uns auch zu Füßen, wie Kastanien.
In den Situationen, wo man seinem alten Leben hinterher jammert, muss man sich klarmachen, dass man die Augen auf das Positive richten sollte.
Es macht viel Spaß, sich einfach einmal die Dinge in der Umgebung anzuschauen.
Wann hast du dir das letzte mal Zeit genommen, Kastanien zu sammeln? Ihren Geruch zu riechen? Diese Dinge tun wir in der Kindheit, aber sie tun uns auch als Erwachsene gut.
Wusstest du, dass Kastanienschalen fast weiß sein können, wenn sie vom Baum fallen?  Die Schalen riechen nach nichts und die Blätter nach frisch geschnittenen Tulpen! Ich stelle mir lächelnd vor, dass sie so viel besser riechen als Heiratsschwindler mit aufdringlichem Parfüm. Übrigens, die Schale platzt in 3 Teile, wenn die Kastanie vom Baum fällt. Dieses Wissen ist total unnütz, so nützlich wie gestärkte Unterhosen und doch macht es die Seele stark!
Die Beobachtung des Einfachen und Schönen hat eine enorme Kraft. Das lädt Batterien auf.

Naturstudie, gut für die Seele

Wir hatten jetzt drei Wochen Dauerregen, und natürlich denke ich:

„Ach, was wäre das  schön, wenn ich meinen Bauch in Thailand in die Sonne halten könnte“. Das ist besonders witzig, weil ich den ganzen Sommer über die elende Hitze gestöhnt habe”.

Die Naturstudie ist so unglaublich gut, weil sie die Augen auf das Positive fixiert, sie reibt uns die Schönheit der Natur unter die Nase.

Naturstudie das beste Mittel gegen Schlecht- Wetter-Blues.

Es tut der Seele gut, wenn man schöne Dinge sieht, ohne dafür riesigen Aufwand treiben zu müssen. Oft ist uns gar nicht klar, wie sehr es uns erschöpft, viel zu viel Aufwand zu treiben. Es entschleunigt enorm, einen Sonnenstrahl zu nutzen, sich unter einen Baum zu setzen und etwas Schönes zu malen.

Meine Empfehlung für diese Woche:

Aufhören zu jammern und mehr genießen!

Eigentlich glaubt man doch, nichts ist so langweilig wie das Bekannte.

Der Zauber der kleinen Dinge!

 

 Man lernt, die kleinen Dinge und Alltägliches zu sehen und zu schätzen.
Das Bekannte hält beim genauen Hinsehen Überraschendes bereit.
Es kann eine sehr große Inspiration sein, seinen Blick einmal auf das Kleine zu richten.
Ein paar Steine, ein paar Blüten oder ein Blatt.
Naturstudie mit einfachem Material, Tine Klein, Kastanien mit Pinselstift.
Die Schönheit zu sehen, beruhigt enorm, und während Corona hat es den riesigen Vorteil, dass man bei schlechtem Wetter sein Motiv in der Hosentasche mit nach Hause nehmen kann. Auch auf dem Schreibtisch macht die Naturbeobachtung und die Studie der Natur noch Spaß.
Die Kastanien sehen aus wie kleine Marssonden die krabbeln können!

Wenig Material, viel Gewinn

Die Naturbeobachtung kostet nichts, der eigentliche Prozess findet im Gehirn statt. Das Erkennen und Sehen bereichert uns. Man sieht plötzlich vieles, worauf man vorher nicht geachtet hat.

Selbstverständlichkeit macht blind

Das ruhige und genüssliche Erkennen sorgt dafür, dass jede Menge Druck von einem abfällt. Entschleunigung heißt das, und viele Menschen bezahlen viel Geld, um dies zu lernen. Die ruhige Beobachtung, die sich beim Zeichnen einstellt, ist das Gleiche wie Meditation. Sie beruhigt die nervösen Nervenzellen und hilft dem Menschen, ruhig und ausgeglichen zu sein. Hört sich an wie eine billige Werbung, ist jedoch altbekannt und wird in fast jeder Reha-Klinik benutzt.

Normalerweise würde sich das Wellness Urlaub nennen und man würde dafür viel Geld bezahlen.

Also machen wir mal in Zeiten von Corona Wellness mit Stift vor der Haustür.

Schreib mir doch mal in den Kommentar, was das Schönste war, das du beim Hinschauen gesehen hast. Orte und Motive sind bei der Naturstudie unendlich. Das Motiv kann überraschend einfach sein, schon ein paar Pflastersteine können extrem interessant sein.

W.arum ist einfaches Material dabei am besten?

Die Antwort ist ganz einfach, einfaches Material hilft dir, dich auf das Objekt zu konzentrieren. Wichtig ist die Beobachtung, am besten ist es, wenn du das Material vergisst.

Kunstmaterial:  Modewellen und Schnick Schnack

Ich selber liebe es, ein Taschengeld für Kunstmaterial auszugeben. Mein Mann lacht immer, wenn ich noch wie ein kleines Mädchen vor jedem Papiergeschäft oder einer Papeterie stehen bleibe und mir die Nase an der Scheibe platt drücke.

Doch das ganz Einfache ist oftmals das Beste zum Zeichnenlernen.

Bleistift und Papier, ein paar Buntstifte oder ein einfacher Filzstift genügen vollkommen, um tolle Naturstudien zu machen. Man braucht dafür nicht aufwändiges Material, denn das Herumspielen mit dem Material würde einen viel zu sehr ablenken. Wenn man das Material nicht kennt, dann geht leicht etwas schief und man bekommt Stress.

Der Sinn von Naturstudien ist allerdings, dass man sich etwas in Ruhe anguckt, deshalb ist es umso besser, wenn das Material nicht von der Beobachtung ablenkt. Man braucht keine neumodischen Gelstifte, keine hypermodernen Farbstifte oder sonst irgendetwas.

Je einfacher, desto besser!

Das Sakrale des stillen Momentes!

 

Bei der Naturstudie ist die Stille und das Einfache wichtig. Ich fühle mich am wohlsten mit meinem  Skizzenbuch und meinem Füllhalter. Ich schätze auch sehr den Stabilo Filzstift mit seiner feinen Mine. Der kostet 90 Rappen. Auch ganz einfaches und billiges Papier reicht.

Mal ganz davon abgesehen, dass im Moment viele Menschen Geldsorgen haben, merke ich, dass preiswertes Material mich selbst enorm entspannt.

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas verderbe, und das macht mich frei! Ohne Druck entstehen die besten Zeichnungen.

Naturstudie: Spielerisch macht glücklich!

Zwei Tipps für das Wochenende:
 
Tipp Nummer 1: Augen auf dem Motiv. Halte die Augen lange auf dem Motiv. Erlaube deinen Händen, eine Weile, ohne Kontrolle zu arbeiten.
 
Loslassen ist das Ziel!
 
Die Endloslinie. Halte den Stift auf dem Papier. Umkreise spielerisch Licht und Schatten. Mache kleine harte Linie, sondern fasse den Stift weit hinten und lass ihn suchend über das Blatt tanzen.
 
Schöne Grüße in den Herbst, probiere es aus. Mit einer Naturstudie setzen wir ein ruhiges Statement gegen die Unruhe. Motto der Woche: Nutze den Sonnenstrahl!
 
Nach Corona gibt es fette Küsse für alle meine Lieben. 
 
Tine
Jeder Blog ist extrem viel Arbeit, nicht nur Schreiben, sondern auch Fotos machen. Gerade die Guides wie letzte Woche brauchen Zeit. Hilf mit! Gib mir die Möglichkeit, jede Woche ein schönes Angebot für euch zu gestalten.


Mehr zum Thema Zeichnen lernen.

https://www.youtube.com/watch?v=_8i_Z8ry9-Y&t=18s

https://www.youtube.com/watch?v=_8i_Z8ry9-Y&t=18s

Wasser malen – Aquarell, das heißt Wasser!

Tine Klein Münster in Basel Blog zum Thema wasser beobachten und malen

Aquarell, das heißt Wasser!

Wasser mit Wasser zu malen, das sollte doch einfach sein!
 
Wasser ist so ein verdammt flutschiges Zeug, das man einfach nicht greifen kann. 
Man muss genau hingucken! Und hier liegt das Problem.

Wasser malen – Sag mir, wie das geht!

Das geht leider nicht so einfach! Das Problem mit dem Wassermalen beginnt damit, dass Wasser keine Lust hat, jeden Tag das Gleiche zu tun.  Sehr sympathisch!

Leichte Antworten sind oft langweilige Antworten.

Wasser ist immer anders

Wasser malen ist so schwierig, weil Wasser jeden Tag seine Farbe ändert, denn je nach Wetterlage reflektiert es den Himmel oder die Umgebung. Wie stark sich der Himmel im Wasser zeigt, kannst du hier beobachten:
Tine Klein Herz der Kunst Basel, Blog zum Thema Wasser malen.
An anderen Tagen ist Wasser einfach nur Wasser, Wasser macht,  wozu es Lust hat, es bricht sogar Stein.  Mal ist das Wasser völlig glatt und mal bewegt. Mal reflektiert es, mal ist es dunkel und stumpf.
Bringen wir es auf den Punkt:
Wer Wasser malen will, muss ganz genau hinschauen.

Schauen wir heute mal gemeinsam aufs Wasser

 

Ich bin gerade nach Basel gezogen, und die ganze Stadt liegt am Wasser. Jetzt geht es mir fast jeden Tag so, dass ich Wasser malen muss. Deshalb sind meine Sinne nun geschärft.
Sagen wir mal so, möglicherweise habe ich im Moment eine kleine Wasserfixierung.

Wasser reflektiert

Tipp Nummer 1 : Wasser reflektiert. Unter hellen Objekten bilden sich helle Reflexionen und unter dunklen Objekten sammelt sich die Dunkelheit. Halten wir mal fest:

Am Rand und unter Objekten ist Wasser oft dunkel

Das siehst du auch hier:

Tine Klein Merian Gärten, Basel Herz der Kunst Basel, Blog zum Thema Wasser malen.

Unter den einzelnen Bildmotiven bilden sich am Wasser lange, helle oder dunkle Streifen in der Farbe der Objekte.

Basel Münster,Tine Klein Herz der Kunst Basel, Blog zum Thema Wasser malen.

Die reflektierten Streifen auf dem Wasser sind oft viel länger als das Bildmotiv.
Tipp Nummer 2 : Wenn du da mal etwas Helles aus der Farbe streifenförmig auswischt, dann ist dies oft schon genug, denn es schaut aus wie leichte Wellen.
Das Wasser fängt das Licht auf einer sehr langen Strecke.
Tipp Nummer 3 : Merke: Licht bildet lange, vertikale Streifen!
Oben scheint das Licht, trotz bedeckten Wetters, durch die Häuserreihe und erleuchtet das Wasser.
Hafen basel Tine Klein Herz der Kunst Basel, Blog zum Thema Wasser malen.
 
Diese langen und auffälligen Streifen kann man wunderbar in Bildern benutzen, um Wasser darzustellen.
Das sind lange, vertikale Spiegelungen unter dem Objekt.
 
Also merke:  Wasser stellt man oft nicht horizontal dar, sondern vertikal, indem man die langen Reflexionen einzelner Bildmotive benutzt.
Horizontal wird das Wasser nur dort, wo es dir nah ist,   hier bricht das Motiv durch linsenförmige Wellen.
Dieser Eindruck entsteht aber nur im Wasser, das dir ganze nahe ist. Weiter hinten ist das Wasser nur eine Fläche (siehe oben).
 
An windstillen Tagen sind die Reflexionen im Wasser so klar, dass es fast verwirrend ist. Das Wasser ist wie ein Spiegel.

Die Farbe des Wassers

Die Farbe des Wassers könnte ein Titel einer sehr langen philosophischen Abhandlung sein. Das Wasser ist ähnlich wandelbar wie die Seele. Wasser kann jede Farbe haben. Denn Wasser kann jeden Gegenstand reflektieren.
Meistens greifen wir automatisch zur falschen Farbe. Für die meisten Menschen ist Wasser marineblau. Das ist insofern richtig, als dass das Wasser den Himmel ganz oft reflektiert. Sehr häufig jedoch hat Wasser eine Mischung der Farben  seiner Umgebung, des Himmels und der Stadt oder der Landschaft drumherum. Viel häufiger als Blau haben Flüsse ein müdes Jadegrün (siehe oben). Wasser kann aber auch dunkelblau, braun oder schwarz wie Öl sein. Die Farbe von Gewässern steht und fällt mit der Belichtung.

Die Farben des Wassers mischen:

Gute Erfahrungen habe ich mit der Mischung von Grün und Blautönen gemacht. Um die typische Jadefarbe eines Flusses hinzubekommen, benutze ich in der Regel ein grünliches Blau oder auch Türkis. An manchen Stellen ist das Wasser glasklar, hier kann man die Farbe ganz rein benutzen. Dann sind transparente Farben am schönsten.
Häufig wird das Wasser von Flüssen jedoch müde jadegrün, dies liegt an den Schwebstoffen. Schwebstoffe sind häufig Sand.
Dann greift man am besten zu sandfarbener Farbe, Siena Natur. Macht Blau nicht grüner, sondern verwandelt es in Jade. Ein sandiges, weiches Grün. Ein Hauch Siena gebrannt macht den Fluss zusammen mit dem Blau etwas grau, das hilft, wenn die Farbe zu grell ist.

Wasser malen, es gibt keine Standardmethode:

Es gibt sehr unterschiedliche Methoden, Wasser zu malen; wenn es starke Reflexionen gibt, reicht es, viele weiße Flecken auf das Wasser zu setzen, und schon wird klar, hier reflektiert Licht auf Wellen.
Die einfachste Methode ist dann die der trockenen, schnellen Striche, dadurch entsteht auf leichte Art und Weise das Glitzern.

Wasser malen heißt vereinfachen

Hier seht ihr den trockenen Strich. Einfach, aber effektiv zeigt er die Reflexionen.

Fließende Gewässer im Meer  oder bei Wind ergeben  Wellen und Verwirbelungen. Das heißt: Licht und Schatten.

Jetzt müssen wir uns der Herausforderung stellen, dass wir nicht zu viel machen, zum Schluss muss das Wasser ja immer noch in das Design des Bildes passen. Deshalb ist Wasser in Bildern auch oft nur die pure Nebensache, eine große reflektierende Fläche.

Zu viel macht  viel kaputt.

Der größte Fehler, den man beim Wassermalen machen kann, ist, monotone und unruhige Häufungen von Punkten zu setzen. All diese Fetzen sehen sehr unruhig aus. Auch wenn es unendlich viele Wellen auf einem Gewässer gibt, ist Wasser doch immer eine große, farbige Fläche. Entlang des Ufers ist es meist dunkel. Weiße Hauswände oder Schiffe reflektieren lang und hell ins Wasser.

Die große Herausforderung ist es, Wasser gut, aber ruhig und trotzdem bewegt zu malen.

Manchmal reicht die Andeutung einer Welle.

Zwar hat das Wasser deutlich mehr Bewegung als Gegenstände am Land, dennoch darf es nicht ausschauen wie eine Explosion. Denn Wasser hat ja trotz aller Bewegung eine zusammenhängende Oberfläche.

D. h., man muss Flächen großflächig zusammenfassen. Dies sieht man im Bild oben gut, das Wasser bleibt eine Fläche.

Wenn viele sagen: “Wie, malt man eigentlich Wasser?“, dann meinen sie so etwas.

Wasser malen: die Standardmethode, falls es so etwas gibt

Hier sieht man sehr schön die müde Jadefarbe, die Mischung aus Grün-Blau, Sand und einem kleinem Stich gebrannten Ocker.

Die Wellen werden nass in nass mit trockenem Pinsel in die feuchte Farbe gemalt. Das funkelnde Licht wird entweder ausgespart oder mit weißer Tusche aufgesetzt.

Dieses Wasser ist timing pur. Man braucht sehr viel Erfahrung, um genau den richtigen Zeitpunkt zu treffen,  in dem die Wellen so weich in die nasse Farbe laufen, aber nicht zerlaufen. Die Farben  der Gegenstände werden, stark verdünnt, ebenfalls in die feuchte Farbe herausgezogen.

Leider muss ich euch jetzt einen Zahn ziehen, das hier ist keine Skizze, dies ist eine meiner Studioarbeiten. Wasser mit Lichtreflexen und Wellen kann man nicht mit dem Block auf den Knien hinrotzen. Es ist Konzentration und Timing.

Trotzdem lohnt es sich, die Technik zu lernen.

Wasser malen:

Zuerst rührt man eine sehr dünne Lasur eines sehr hellen Blaus oder Grüns an. Mit dieser Farbe lasiert man das Papier sehr feucht. Dabei spart man nur sehr helle Reflexionen aus. Wichtig ist, dass keine Trocknungsränder entstehen. D. h. du trägst die Farbe in einem Rutsch auf und lässt dann die Finger davon.
Das Gefühl von Wasser entsteht erst in der zweiten und dritten Lasur.
Jetzt muss die Fläche ein paar Minuten trocknen, das Papier muss feucht sein, darf aber nicht stark glänzen. Wenn du das Papier anfasst und es ist kühl, dann ist es richtig.
Ist die Farbe fast ganz trocken, kann man großzügig dunklere Flecken, auf die helle Lasur geben. Die Flecken sollten die Form einer Linse haben, in der Mitte dick, außen dünn.
Tipp: So feucht, dass die neu aufgetragene Farbe sich weich einfügt, so trocken,  dass die Welle sichtbar bleibt.
Tipp: Mehrere Blätter gleichzeitig malen und genau beobachten, wann dein Papier was macht.
Wunderbar kann man sich dies bei dem Maler Joseph Zbukvic ansehen. Link findet ihr unten.

Wasser malen ein Fazit:

Fazit: Leider gibt es nicht das Wasser, sondern immer nur Wasser bei bestimmter Wetterlage. Alle Wasser werden grundlegend anders gemalt.

Das ist das Besondere am Malen, es gibt zwar keine einfachen Antworten, dafür aber eine Menge Spaß beim Erkunden der Welt!

Liebe Grüße ins Wochenende.

P.S.: Reportagen und Fotos sind viel Arbeit:

Eine kleine Spende für die Redaktion hilft enorm, so kann ich jede Woche tolle Beiträge für euch machen.


https://www.josephzbukvic.com/paintings/

Weiterlesen bei Tine:

https://blog.herz-der-kunst.ch/schwarze-aquarellfarbe-die-dunkelheit/

Schwarze Aquarellfarbe: die Dunkelheit

Pen and Ink – Tinte im Aquarell

Tine Klein Aquarell und Tinte, Pen and Ink Tutorial von Tine Klein deutschsprachig. Ort kartause Ittingen in der Schweiz

Unterwegs im Garten der Kartause Ittingen im Duft der Thymian -Kräuter-Spirale mit Claudia. 

Pen and Ink:

Pen and Ink, eine Entwicklung, die auf den Bedürfnissen der Menschen basiert.
 
Für viele Menschen ist der Stift das wichtigste Kunstmaterial. Auch wenn es um das Malen geht, möchten sie sich nicht vom Stift lösen, zumindest zum Vorzeichnen. Aus diesem Grund wundert es nicht, dass gerade Kunstrichtungen, die auf dem Stift basieren, populär geworden sind.

Pen and Ink ist ein Modebegriff geworden, übersetzt heißt es Tinte und Stift. Oft wird der Begriff aber für die Kombination von Zeichnung, Tinte und Kolorierung benutzt, weil Illustratoren sehr gerne mit leuchtenden Tinten kolorieren.

Und genau darum geht es heute:

Kolorieren in Kombination mit farbiger Linie

Ob man dabei einen Füllhalter benutzt oder einen Stift, ist reine Geschmackssache. Denn wenn man von Pen and Ink spricht, geht beides, denn auch in ganz normalen Finelinern, also im weitesten Sinne Filzstiften,  steckt Tinte.

Am leichtesten bekommt man schwarze Tinte und schwarze Stifte. Die Suche nach anderen Farben lohnt sich, weil ganz andere Effekte entstehen.

Im heutigen Blog möchte ich darauf eingehen, was sich verändert, wenn man eine andere Tintenfarbe benutzt, und welche Farben sinnvoll sind.

Farbige Tinten und Stifte:

Wenn man einen Stift kauft, muss man sich der Qualitätsunterschiede bewusst sein. 

Man kann mit normalen Stiften aus dem Kaufhaus super zeichnen,  und in den meisten Fällen werden diese Stifte im Skizzenbuch auch völlig ausreichen. Doch will man mit einem handelsüblichen Filzstift kolorieren, kann es zwei Probleme geben:
 
  • Die Tinte im Stift ist nicht lichtecht und verblasst schnell, wenn man das Bild an die Wand hängt. Im Skizzenbuch macht solch ein Stift keine Probleme, kommt ja kein Licht dran.
  • Der Stift ist nicht wasserfest, beim Kolorieren entsteht eine hässliche  grauschwarze Matsche, sobald Wasser ins Spiel kommt.
 
Will man also eine Zeichnung im Nachhinein kolorieren, empfiehlt sich dann doch, zu den teureren Kunstmaterialien zu greifen. Und diese bekommt man dann, wenn man farbige Produkte möchte, nur noch im Spezialgeschäft oder per Onlineversand. Gerade die farbigen, lichtechten und wasserfesten Stifte und Tinten bekommt man nicht im Schreibwarenladen um die Ecke.

Pen and Ink, der richtige Stift:

Pen and Ink, der richtige Stift:
 
Im Kunstgeschäft gibt es einige geeignete Stifte. Gute Erfahrungen habe ich mit Copic, Micron und Faber Castell gemacht. Gerade weil hier auch farbige Stifte erhältlich sind, die wasserfest sind und sich super für die Kombination mit Aquarellfarben eignen.
 
Für Füllhalter gibt es mittlerweile  eine ganze Reihe von wasserfesten Tinten in den wildesten Farben, zum Beispiel:
 
Noodlers
Rohrer und Klinger
Sketchink
de Atramentis
 
Summary: Der Farbvielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Immer nach lichtechten und wasserfesten Produkten fragen. Und Vorsicht! Immer selber im Onlineversand recherchieren, denn Verkäufer haben oft selbst noch nie gemalt!

Die Tintenfarbe ist entscheidend für den Effekt des Pen and Ink:

Dass Farbe den Ausdruck und die Stimmung von Bildern verändert,  ist natürlich bekannt,  aber wie verändert die Farbe des Striches Bilder?

Am einfachsten bekommt man schwarze Tinte. Doch schauen wir uns mal an, welche Unterschiede durch unterschiedliche Tintenfarben entstehen.

Schwarze Tinte:

Tine Klein tutorial Pen and Ink zu unterschiedlichen Tintenfarben. Illustration Basel am Totentanz

Bei Pen and Ink wird am häufigsten schwarze Farbe benutzt.

Das Arbeiten mit schwarzer Tinte ergibt den stärksten Farbkontrast. Es entstehen sehr starke und eindrucksvolle Bilder, bei denen man sehr gezielt Kontraste einsetzen kann.

Meistens sehen Zeichnungen mit schwarzer Tinte sehr graphisch aus.

Vorteile der schwarzen Tinte sind:

  • Farben beginnen zu leuchten.
  • Die Zeichnung ist klar erkenntlich.
  • Gute Kontraste.
  • Leicht zu kopieren und zu drucken.

Nachteile der schwarzen Tinte bei Pen and Ink in Kombination mit Wasserfarbe:

  • Ungeduld ist tödlich für die Farbe: Ist die Tinte noch nass,  entstehen hässliche graue Farben
  • Die Bilder sehen meist wie Zeichnungen aus, denn der schwarze Stift ist absolut dominant.

Und nun wollen wir endlich zu den wunderbaren Möglichkeiten der farbigen Tinte schielen!

Pen and Ink- Farbige Tinten :

Hast du schon mal ausprobiert, was mit deinen Zeichnungen passiert, wenn du eine andere Tintenfarbe benutzt?

Ich liebe andere Tintenfarben, weil die Effekte, die im Zusammenklang von Farbe und Strich entstehen, völlig anders sind als bei schwarzer Farbe.

Der erste und absolut entscheidennde Unterschied ist, dass man farbige Tinte mit der Aquarellfarbe mischen kann. Man muss nicht warten, bis die Tinte trocken ist. Auch wasserfeste Tinte ist wasserlöslich, bis sie ausgetrocknet ist,  und so kann man die Tinte in das Aquarell hereinschmelzen lassen. Das wirkt weicher und erinnert an Malerei.

Pen ans Ink – Bilder mit farbiger Tinte sehen aus wie Aquarelle. Der entscheidende Unterschied ist die Verbindung von Zeichnung und Koloration.

Tine Klein Pen and Ink, farbige Tinten tutorial deutsch

Man kann selbst entscheiden, ob es eher ein Bild oder eher eine Zeichnung sein soll. Das sieht man hier bei der blauen Tinte gut. Es gibt mit farbigen Tinten eine Vielzahl an neuen  Möglichkeiten. In diesem Bild verschmilzt die Tinte soweit mit dem Aquarell, so dass sich die Zeichnung in das Aquarell ganz harmonisch einfügt.

Welche Farbe die richtige ist, hängt ganz von deinem Farbgeschmack ab. Es gibt kein richtig oder falsch. Trotzdem kann man ein paar Tipps geben. Diese Tipps beziehen sich auf das Arbeiten mit Aquarellfarben.

Blaue, blaugraue oder violette Tinten:

Blaue Tinte integriert sich als Schattenfarbe,

deshalb verschmelzen Blautöne wunderbar mit Aquarellen.

Die Zeichnung wird als “natürliche” Schattenkante wahrgenommen, deshalb gehört sie natürlicherweise zum Objekt. Dieser Effekt verschwindet, wenn die Tinte zu leuchtend ist, denn dann nimmt der Betrachter die Zeichnung wieder deutlich wahr.

Blau: Kühl, aber harmonisch und perfekt.

Braune Tinte:

Wie ihr wisst, liebe ich braune Tinte. Die Kontraste der braunen Tinte sind nicht so hart wie bei schwarzer Tinte.

Tine Klein Pen and Ink, farbige Tinten tutorial deutsch

Läuft braune Tinte in Aquarellfarbe, wird sie nicht grau, sondern ein bisschen shabby.

Die Farben bekommen einen “Vintage Look”. Ich benutze sehr gerne leuchtende Farben beim Kolorieren. Durch die braune Farbe wirkt die Farbe nicht grell, sondern harmonisch.

Braune Tinte gibt den Vintage oder Leonardo Look.

Ein bisschen shabby ist auch schick:

Pen and Ink und Aquarell ein paar Tipps zur Tintenfarbe.

Braun wirkt entweder altmeisterlich oder ein bisschen shabby und retro. Braun dämpft beim Pen and Ink Farben harmonisch.

Rote Tinte:

Rote Tinten sind wunderbar für freche Kontrast- Zeichnungen oder als Signalfarbe für Verkehrslichter oder Schilder. Doch weit gefehlt, wer glaubt, rote Tinte könnte sich nicht sanft und harmonisch in Aquarellfarben einfügen..
 
Bordeauxfarbene Tinten integrieren sich wunderbar in Naturtöne. Besonders Bilder, in denen Siena, gebrannter Ocker, Caput mortuum verwendet werden, wirken durch rötliche Tinten belebt und intensiviert.
Tine Klein, Kartause Ittingen in der Schweiz, Urban Sketch von Tine Klein, Aquarell und Tinte, Pen and Ink
 
In diesem Bild wurde mit der roten Sketchink, einem dunklen Rot, gearbeitet.
 
Doch Achtung,  rötliche Tinten brauchen Trockenzeit, wenn mit Grün koloriert wird, sonst entsteht der gleiche Effekt wie bei schwarzer Farbe.
Signalfarbe Rot: Signalfarbe oder harmonische Belebung.

Orange,gelbe und grüne Tinten:

Leuchtende und auffällige Farben eignen sich prima für Illustratoren. Überall da, wo man Aufmerksamkeit erzeugen will. Einige dieser Farben verschmelzen, aus den unterschiedlichsten Gründen, nicht gut mit Aquarellen.
 
Grüne Tinten sind optimal für Landschaftsbilder, in Häusern wirkt diese Farbe jedoch wie ein Fremdkörper.
 
Grelle,  leuchtende Farben lenken die Aufmerksamkeit wieder auf die Zeichnung. Orange Tinten ziehen Aufmerksamkeit, deshalb ist es schwer, sie zu integrieren. Es sei denn,  man vermalt sie gleichzeitig mit Wasser.
 
Gelbe Tinten:  Ich habe eine goldgelbe Tinte, die ich sehr liebe, ich male mit ihr, doch zum Zeichnen taugt sie nicht, denn die Hauptaufgabe der Linie ist der Kontrast. Wird die gelbe Tinte mit dunkler Farbe übermalt, verschwindet sie schnell.
Merke: Zu helle Farben geben zu wenig Kontrast. Zu leuchtende Farben bleiben immer Signalfarben.

Mehrere Tintenfarben können zusammen überraschende Effekte erzeugen:

Ein Pen and Ink mit Blau, Braun und Schwarz.

Tine Klein Pen and Ink, farbige Tinten tutorial deutsch

Hier mal ein Beispiel mit oranger Tinte. Hier soll und darf sie Aufmerksamkeit ziehen.

Allerdings wird die Tinte sehr ruhig mit brauner und schwarzer Tinte kombiniert.

Das Symposium der Urban Sketchers Aquarell Skizze aus der Skybyr Blue in Amsterdam von Tine Klein arbeiten mit Pen and Ink

Abschließend kann mann sagen,  dass Tintenfarben viele neue Möglichkeiten eröffnen. Auch die Kombinationen eröffnen tausend neue Möglichkeiten.

Mich würde interessieren,  ob es jemanden gibt,  der regelmässig grüne oder gelbe Tinten einsetzt.

Wenn ja, postet mal ein Beispiel!

Liebe Grüße

Tine

Kurs Info:

Im nächsten Kurs geht es um Farbwelten. Aarberg ist leider schon ausverkauft.

FARBSTIMMUNG, FARBKLANG UND EMOTIONEN

In diesem Kurs steht die Farbe im Mittelpunkt! Von abstrakter Farblandschaft bis gegenständlicher Aquarellkolorierung. Bilder werden gut, wenn die Farbe Menschen anspricht. Es geht im Kurs nicht um die realen Farben, sondern wie man Stimmungen und Emotionen in beeindruckende Farbwelten umsetzt. Wie wirken Farben? Wir lernen das Mischen von Farbharmonien und Farbklängen. Sanftes Abendrot, Ferne, griechisches Blau oder weiches Licht ist alles eine Frage des Farbklangs. Nach diesem Kurs können Sie mischen sowie spontan und frei mit Farbe arbeiten.

 

https://www.boesner.ch/niederlassungen/unterentfelden/veranstaltung/farbstimmung-farbklang-und-emotionen

https://www.boesner.ch/niederlassungen/muenchwilen/veranstaltung/farbstimmung-farbklang-und-emotionen

 

Weiterlesen über Tinten:

https://blog.herz-der-kunst.ch/total-verrueckt-nach-tinte/

Total verrückt nach Tinte!

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Dokumentenechtheit

Schreiben und Redaktion sind viel arbeit, wer sich für den ehrenamtlichen Blog bedanken möchte, darf gerne eine kleine Spende machen.


Übrigens ein Franken sind 90 Cent.

 

Bleistift ideal zum zeichnen lernen

Hallo,  schön, dass du da bist!

Basel Ecke Rheingasse, Skizze mit Bleisstift von Tine Klein

Bleistift-Zeichnungen sind in Europa zurzeit nicht hip, aber eines kann ich dir sagen, zum Zeichnenlernen gibt es nix Besserer als den Bleistift.

Meine Freundin und Ärztin spendete den blöden Spruch des Tages dazu:

Wer Fachwissen über Bleistifte hat und das Wort Musikkassette kennt, ist so alt, dass er dringend zur Darmspiegelung muss. Na danke, aber auch! Das bringt sie  nur am Telefon, weil sie dann keine Angst vor Körperverletzung hat.

Das Video zum Bleistift im Blog findet ihr noch viel Fachwissen und das Foto zum mitmachen:

Entschuldigung, die Lichtübersteuerung im 2.Teil ist nun behoben.

Jetzt aber zum schönen Thema Bleistift:

Tatsächlich macht der Bleistift dich  auf Dauer viel besser! Warum?

Wo liegt der Zusammenhang?

Der fachliche Zusammenhang ist das Licht, erst wenn ein Zeichner oder Maler das Licht beherrscht, werden Arbeiten beeindruckend!
Das Spiel mit dem Licht verwöhnt die Augen!
 
Abwechslung reicht,  und voller Leben soll es aussehen,  und das erreichst du nur, wenn du mindestens drei verschiedene Arten des Lichts im Bild hast.
 
Ich übersetze das nun in eine einfache, verständliche Handlungsanweisung à la Fuck you Goethe”:

Wenn ein Bild nicht Schwarz, Weiß und Mausgrau besitzt, sieht es für den A….. aus!  Du liebe Güte, jetzt muss ich an den doofen Spruch denken!

Das ist die Faustregel, und wer sich die hinter die Ohren schreibt, wird zum Meister.
 
Der Grund dafür ist ein wissenschaftlicher. Die Bilder werden langweilig, weil die Stäbchen im Auge nicht stimuliert werden.
Dieser fachliche Zusammenhang funktioniert ebenfalls bei farbigen Bildern. Deshalb bist du gut beraten, das Spiel mit dem Licht so früh wie möglich zu lernen! Denn wer dies nicht kann, erzeugt wirklich fade Zeichnungen und gruselige farbige Bilder.

Schwarz und Weiß, das Spiel mit dem Auge.

Was sind Stäbchen? Stäbchen sind die Zellen im Auge, die auf Hell und Dunkel reagieren. Wenn ein Maler die abwechslungsreiche Gestaltung mit Hell und Dunkel vergisst, dann werden seine Bilder nicht attraktiv fürs Auge. Ob jetzt nun farbig oder schwarz-weiß, wenn die Stäbchen im Auge nicht stimuliert werden, bleibt das Bild für den Betrachter uninteressant.
Was du dir merken kannst, ist,  dass du um das Spiel mit Hell und Dunkel nicht drum herum kommst, weil es schlicht und einfach die Funktionsweise des Auges ist.
Die gute Nachricht ist, dass der gute alte Bleistift optimal ist, um dir das beizubringen. Der Bleistift kann nix anderes als schwarz und grau und damit lernen wir das Spiel mit dem Licht.

Pfeffern und Salzen  mit Bleistift.

Damit aus deinem weißen Blatt Licht entsteht, musst du das Objekt mit Grau und Schwarz umspielen, erst dann begreift das Auge, dass dein Motiv etwas ist, was Licht reflektiert.
 
Besonders interessant sind die Stellen, an denen Hell, Mittel und Dunkel zusammentreffen. 
 
Diese Stellen sind für das Auge gleichbedeutend, als wenn man auf dem Kuchen eine Stelle mit Sahne, Schokolade und Marmelade erwischt hat! Dies sind die Stellen, bei denen jeder Mensch so richtig gierig wird! Einfach erklärt,  heißt dies, dem Auge geht´s genauso! Dort, wo es viel zu sehen gibt, wird es auch hingucken.
 
Letztendlich geht es darum, das Auge des Betrachters so richtig lüstern auf deine Zeichnungen zu machen!
 
D. h. wenn ich mit dem Bleistift Hell, Mittel und Dunkel erzeuge, dann flirte ich mit dem Auge.
Merke: Es ist wie beim Flirten, zu viel wirkt wie plumpe Anmache. Bei zu wenig bleibst du unsichtbar!

Malen lernen mit Bleistift

Malen lernen mit dem Bleistift heißt, das Schwarz zu kontrollieren.
 
Das Schwarz ist so etwas wie das Salz in der Suppe für den Bleistift!
 
Das richtige Schwarz entsteht nur bei weichen Bleistiften.
Hast du zu viel Schwarz im Bild, ist die Suppe versalzen und das Bild wirkt traurig oder schmierig.
 
Gibt es zu wenig Schwarz im Bild, ist das Bild langweilig.
 Nun kommen wir zum Thema des Videos, wir gestalten die Mine eines Bleistiftes so um, dass er perfekt dazu geeignet ist, dunkle Akzente ins Bild zu zaubern, zu setzen.
 
Im Video zeige ich, wie man Bleistifte anspitzt, dabei geht es nicht nur um eine normale Form, sondern ich verändere die Mine  so, dass sich besonders einfach Hell, Mittel und Dunkel erzeugen kann.
 
Zuerst verlängere ich die Spitze und kann dann ruhige Grautöne erzeugen. Das Wichtigere ist allerdings dosiertes Schwarz.

Schwarz dosieren lernen.

Schwarz ist gefährlich! Aus diesem Grund drücken sich viele Schüler davor, das Schwarz zu zeichnen, die falsche Strategie, denn eine Suppe ohne Salz schmeckt ja auch nicht gut.
 
Wichtig ist es, diese Schwarztöne im Bild exakt setzen zu können.
 
Insbesondere dann, wenn man Häuser malt, braucht man exakte Linien. Wird man dabei zu grob oder zu ausufernd, schaut es hässlich aus. Damit ich das Schwarz besonders gezielt setzen kann, spitze ich den Bleistift nicht rund an, sondern eckig.
 
Die Mine des Bleistiftes sieht dann aus wie die Spitze eines Schraubenziehers.
 
Diese Form der Mine hat dann den Vorteil, dass man Eckiges ganz exakt und schnell mit einer eckigen Bleistiftmine malen kann. Dies hat insbesondere in der Architektur riesige Vorteile.
 
Mit der Mine eines eckig geschnittenen Bleistiftes kann ich besonders bei baulichen Strukturen schwarze Töne ganz exakt einstreuen.

Urban Sketcher Bleistift

 
Deshalb ist gerade für Urban Sketcher ein Bleistift, der in dieser Art und Weise angespitzt wurde, Gold wert.
 
Ich nenne den eckigen Bleistift immer meinen Urban- Sketching– Bleistift, weil er so hilfreich ist, in der Stadt schnell Fenster zu malen.
 
Im Video werde ich euch die Funktion deshalb auch bei Fenstern zeigen.
 
Deshalb wünsche ich euch jetzt viel Spaß mit dem neuen Video:
 
https://youtu.be/c78A1kvAcu4
 
 
Ihr könnt mir noch einen Gefallen tun, bitte abonniert meinen YouTube-Kanal. Falls es euch gefallen hat, drückt auch mal auf den Likebutton.  
Ihr könnt dadurch aktiv mithelfen, dass man das Video auch findet. 
 
Ich danke euch dafür herzlich und zeige euch nun, was ich alles für den Blog anschaffen musste, damit ich diese Videos auch drehen kann.

Das Aufnahme Studio:

Schaut euch mal mein Wohnzimmer an! Mehr Aufwand, als man denkt!
Besonders schwierig: Die Beleuchtung von nasser Farbe, denn das reflektiert!
Ich danke diese Woche wieder den Menschen,  die mir geholfen haben,  all das anzuschaffen:
Die Hall of Fame:
Kein Mensch macht mit einem guten Gefühl Anschaffungen,  wenn er im Moment arbeitslos ist! Die Menschen unten haben mit geholfen, Corona als kreative Zeit zu nutzen.
Ich habe gar keine Zeit darüber nachzudenken, dass ich eine Hoch-Risikogruppe bin!
Ich sitze zuhause,  mir raucht der Kopf, weil ich für euch Neues lerne. Wer hätte gedacht, dass ich in dem Alter noch zu einem Technik-Nerd werde!
Das alles hilft euch! Diese Menschen haben mich und damit alle,  die sich keinen Kunstunterricht leisten können, gesponsert!
Wir halten zusammen! Danke!

Peter Sutter, Michaela Schwarz, Stiller Design, Heinz Ammann, Alice Overmann, Christa Knaack, Heiner Braden, Magdalena Schopohl, Claudia Hertfelder, Doris Tempini, Ingrid Hajek, Petra Kottke, Ursula Funk Mordasini, Nicole Kayser, Martin Klaus, Eva meltzer, Beatrice Michel, Monique Miro, Linda Amrhein, Malte Wulf, Ivan Hajicek, Anne Schoppmeier-Söhrn,

Schaut mal,  wie ich dank eurer Hilfe mein Wohnzimmer zu einem Aufnahme-Studio umgebaut habe!

Danke! Wenn ich eure Namen in den Blog kopiere, bin ich immer völlig gerührt. Da ich weiß,  dass ich zur gefährdeten Gruppe gehöre,  fühle ich mich zuhause natürlich eingesperrt.

Jedes Mal, wenn einer hilft, ob mit großer oder kleiner Summe, hier etwas aufzubauen, dann ist das,  als wenn man gestreichelt wird! Danke euch vielmals!




 

Mitmachen und Nachzeichnen? Hier ist ein Foto der Straßenecke an der ich demnächst wohne:

Geschichte zum Bild: An der Straßenecke zu meiner neuen Wohnung gibt es einen Badebrunnen. Seht ihr den Mann? Warum verstehen viele Männer keine Babysprache? Sein kleines Mädchen möchte baden. Sie erklärt ihren Vater sehr bestimmt das man bei dem super Wetter in den Brunnen muss, er versteht nix. Sie wird sauer, ich schätze, hier beginnt, das Problem zwischen Männern und Frauen. Ich sag dir, das bleibt so! Macht das Leben aber spannend. 🙂

 

Einen älteren Artikel zum Bleistift findet ihr hier:

Der Bleistift ist der Klassiker

 

 

Zeichnen Lernen, mit allen Tricks!

Hallo, meine Lieben,

 

Zeichnen lernen mit allen Tricks Aquarell von Tine Klein.

Wo auch immer ihr seid, ich hoffe,
es geht euch gut.

Zu Beginn möchte ich mich an die vielen Menschen wenden, die bei mir im Mai Kurse in Norddeutschland gebucht haben, danke, auch wenn sich Deutschland nun langsam wieder öffnet, der Spuk ist noch nicht vorbei. Zwar öffnen Geschäfte, aber Urlaubsreisen werden weiterhin von allen Regierungen nicht gewünscht und nicht empfohlen. Diese Woche sind Freunde von mir an Grenzen gestrandet, obwohl sie Passierscheine zur Vorbereitung von Workshops hatten, mussten sie 10 Tage in selbst bezahlte Quarantäne:

Deshalb muss ich schweren Herzens alle Workshops und Projekte in Deutschland im Mai absagen! Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben! Ich komme wieder!

Es gab einen Rundbrief, aber viele haben die Empfangsbestätigung noch nicht gesendet. Aber falls er euch noch nicht erreicht habt, bitte storniert, denn die Wahrscheinlichkeit, das alles stattfindet, ist gering.

Den Blick aufs Gute richten:

Jetzt aber mal zu guten Themen! Ich bin es leid, dass Corona alles Gute, Schöne oder Wichtige verdrängt. Es ist jetzt so, wie es ist, wir machen das Richtige und halten den Mund darüber. Mein Motto:

Nutze die Zeit! Nicht warten, bis gute Zeiten kommen  sondern diese Zeit zur guten machen!

Heute möchte ich euch Zeichnen beibringen, und zwar so locker und so frei wie ein brasilianischer Fussballspieler.

Das heutige Thema ist: Zeichnen lernen mit allen Tricks.

Eine mysteriöse Frage?
Warum habe ich immer Butterbrotpapier in der Tasche oder auf dem Ateliertisch?

Die Antwort ist einfach, es hilft mir beim Spielen.

Für ein und dieselbe Sache gibt es immer 100 verschiedene Möglichkeiten und ein paar davon möchte ich ausloten!

Zeichnen ist etwas Bewegliches

Zeichnen lernen ist Beweglichkeit im Kopf.
Was heißt : Zeichnen lernen ist Beweglichkeit?
Und warum gibt es für ein und dieselbe Sache 100 verschiedene Möglichkeiten?
 Von diesen vielen Möglichkeiten musst du sicherlich nicht alle kennen und benutzen, trotzdem ist es enorm sinnvoll,  die zu finden, die gut zu einem passen. Man sollte Möglichkeiten kennen, die einen so locker und frei malen lassen, dass das Ergebnis so toll aussieht wie bei einem brasilianischen Fußballspieler.

Spielen lernen nochmal neu erlernen:

Wenn man erwachsen wird, dann lernt man effektiv zu arbeiten, man kennt den besten Weg und schlägt diesen auch kurz und bündig ein. Dies ist der Grund, warum Erwachsene oder auch ältere Leute beim Lernen oftmals nicht so effektiv sind wie Kinder.

Ein Kind fängt an zu spielen, hat dabei Spaß und lernt dabei eine Menge.

Ein Kind hat den Kopf frei, ein Erwachsener nutzt Schema F!

Ein Erwachsener befolgt oft effektiv erlernte Regeln aus der Kindheit.

Beim Kreativ sein ist es jedoch sinnvoll, das Spielerische der Kindheit zu behalten, denn das lässt einen großartige Zeichnungen machen.

Entscheidungsketten aufbrechen:

Erklärbar wird dies durch den Fluss von Entscheidungen. Wenn ich mich zum Beispiel entschlossen habe, einen Schatten sehr dunkel zu machen, dann muss das nächste Objekt in der Zeichnung etwas anders werden, damit ich es sehen kann. Mache ich also den Schatten dunkel, bedeutet dies gleichzeitig, dass das nächste Objekt etwas heller sein muss. Und deshalb machst du mit deinem Stift Schritt für Schritt Entscheidungen, die immer noch von der ersten Entscheidung abhängen.  
Dabei hat man nur eine Chance, eine Entscheidung zu treffen, wenn man es einmal gezeichnet hat, dann ist es so.
Und alles andere folgt dann aus dieser Entscheidung.
Ein richtig guter Zeichner wird man, wenn man es lernt, diesen Prozess spielerisch zu beeinflussen. Denn er hat nicht nur einen Trick auf Lager, sondern viele!
Richtig gute Zeichner können diesen Prozess beeinflussen.
Was ich dir geben möchte, ist echte Freiheit, du sollst nicht einem unsichtbaren Zwang unterliegen, sondern das finden, was dir zu deinem eigenen Stil verhilft.
Zeichnen lernen ist das Spiel mit den Möglichkeiten!

Entscheidungsfreiheit trainieren:

Egal,  in welchem Bereich der Gesellschaft, Entscheidungsfreiheit muss man genießen und trainieren.
Ich möchte euch dies einmal an einem Beispiel außerhalb der Kunst erklären. Wenn man nicht weiß, wie man sich entscheiden kann, dann erstarren Dinge. Wenn keine Entscheidung erlaubt ist, dann erstarrt ein ganzer Staatsapparat, das Leben wird öde und alternativlos. Die grauenhaften Auswirkungen merkt man in Nordkorea, ein Land voll Hunger und Perspektivlosigkeit, weil Menschen dort nicht entscheiden dürfen.
Wer keine Handlungsalternativen hat, verpasst viel Gutes.
Beim Zeichnen lernen funktioniert dieser Mechanismus ganz extrem. Nur wer Varianten kennt und viel Entscheidungsfreiheit hat, wird auch raffinierte Zeichnungen erstellen können.
Meine Großmutter zum Beispiel hatte fürchterliche Angst vor Knoblauch und Spaghetti Bolognese. Ihr Argument, das könne kein Mensch essen, ohne die Bluse zu bekleckern,  und danach stinke man wie ein Puma. Oma, du wirst es nicht fassen, das Zeug ist großartig! Gott sei Dank haben wir das ausprobiert!
 Wichtig ist es also, die Bluse zu riskieren und was Neues zu wagen!
Kunstlehrer sollten sich also nicht verhalten wie Kim Jong Un, sondern beim Zeichnen lernen lieber eine Räuberleiter in die Freiheit stellen.

Hurra,  Anarchie!

Na ja, ganz so ist es natürlich nicht, auch Kunst braucht ihre Gesetze und Regeln. Aber diese Gesetze und Regeln musst du eben selber aufstellen, es geht um dein Regelwerk beim Zeichnen lernen.
Und dazu möchte ich mit dir mit diesem kleinen Spiel beginnen. Und in Kürze klärt sich auch die mysteriöse Frage, was Butterbrot-Papier auf meinem Schreibtisch macht.
Damit man Varianten einer Zeichnung erzeugen kann, bietet sich transparentes Papier oder eine Folie an, so kann man die Ergebnisse am besten vergleichen, das siehst du dann im Video.
 
 
Denn wer die Möglichkeiten nicht kennt, kann sich auch nicht abwechslungsreich entscheiden.
Also, spiel mit mir!
Ich glaube, in diesem Kontext ist auch das coole Zitat von Goethe zu sehen:
Entscheide dich lieber ungefähr richtig als exakt und genau falsch.
Im Video ein Spiel zum Thema Freiheit und Zeichnen lernen!
Zeichnen lernen mit allen Tricks!
D. h. ganz oft kommt man beim Zeichnen an Stellen, wo es keine Regel gibt oder man nicht so genau weiß, wie’s geht, und genau an dieser Stelle musst du anfangen zu improvisieren.
Jede dieser Improvisationen wird dich besser machen und dauerhaft neue Möglichkeiten geben.
 Spiel mit mir und entdecke die Möglichkeiten!Finde das Herz deiner Kunst mit mir!
Zeichnen lernen mit allen Tricks Anleitung zum Malspiel mit Tine Klein
Haltet die Ohren steif und viel Spass!
Tine.

Die Hall of Fame! Diese Menschen haben bei der Anschaffung der Technik geholfen!

Dieser Blog ist für alle Menschen, er soll kostenlos bleiben für Menschen, die es brauchen!

Nicht jeder hat Geld für Kunstunterricht und gerade jetzt sind einige in Not!

Diese Menschen und auch alle vorangegangenen Spender haben euch die Technik ermöglicht!

Claudia Wittmer! Marion Schwatz, Anne Schoppmeier-Söhrn, Marlene Wetzel, Tobias Wesselmann, Kerstin Anders, Urs Traber, Mirjam Beglinger, Eva Nitschke, Bernhard Möller, Norbert Koch, Doris Schliemann, Elisabeth Debrunner, Renata Willi, Axel Lentz, Christian Eggenberger, Susanne Binder, Reinhard Stolzenbach, Kathrin Portmann, Birgit Finkler, Margrit Bachmann, Sabine Mund Schmid, Annett Witteler, Susanne Bögel !
Dankt diesen Menschen, die mir helfen, die Technik für die Videos anzuschaffen! Sie sind die Kultursponsoren, die in dieser Lage helfen, unseren Kultur aufrecht zu erhalten! Danke und Bravo!
Danke, liebe Spender, mir dampft der Kopf. Was ich alles lernen musste! Dank euch hat es geklappt, nächste Woche zeige ich euch mal wie sich mein Wohnzimmer in ein Aufnahme-Studio verwandelt hat!
Noch ein Wort zur Spende. Ich arbeite hier ehrenamtlich, benutze jetzt das Geld, um neue Dinge anzuschaffen oder mir auch mal professionelle Hilfe zu holen.
Eine Kaffeekasse nimmt auch gerne kleine Summen! Bitte hilf mit! Eine Gesellschaft hält zusammen! Auch ich gebe in Corona Zeiten kostenlos Unterricht, damit man bei den Freuden des Homeoffice nicht wahnsinnig wird!
(Deshalb hört ihr im Video auch randalierende Kinder und empörte Katzen!
Mensch! Lehrer ist ja doch ein Beruf, wie halten die bloß die niedlichen Nervensägen den ganzen Tag aus?!)




Zeichnen lernen mit allen Tricks Zeichnung von Tine Klein.

Weiterlesen zum Zeichnen!

Federzeichnung : Zeichnen lernen mit Feder

https://blog.herz-der-kunst.ch/federzeichnung-zeichnen-lernen-mit-feder/

 

Making of und Foto zum Nachmalen:

Basel am Totentanz.

Material: Aquarellpapier, Siena Natur, Geranienrot, Pinsel und Füllhalter.

 

Schraffieren Lernen

Heute geht´s um das Schraffieren lernen!

Es gibt zwei neue Dinge für euch:

Mitmachen ist angesagt! Und es gibt erstmals für euch einen Video-Blog!

Dies ist unser Motiv, das dürft ihr runterladen und verwenden.

Wo ist das? Bei mir ums Eck:  Hombrechtikon im Kanton Zürich.

Material:

Ihr benötigt einen feinen Stift oder einen Füllfederhalter mit einer feinen Spitze noch besser eine Feder und etwas Tusche oder Tinte. Hinzu kommt ein Blatt Papier. Das Papier sollte eine glatte Oberfläche haben.

Schraffieren lernen ,gewusst wie:

Immer wieder werde ich gefragt, wie macht man das? Wann ist man sauber und ordentlich und wann lässt man die Schraffur wild und frei werden. Wann darf sich eine Schraffur austoben?

Viele, die gerade schraffieren lernen, machen die Erfahrung, dass wilde und freie Schraffuren gar nicht gut aussehen. Die Bilder sehen hässlich und chaotisch aus.

Chaotisch und hässlich sieht es aus, wenn die Linie keinen Zusammenhang mit dem Motiv hat.

Die Faustregel -Grundform

Damit eine Schraffur gut aussieht, muss man beim Schraffieren lernen eines beachten. Ob man jetzt nun fein und ordentlich schraffiert oder wild und frei, ist eigentlich egal, denn beides basiert auf der gleichen Grundlage.

Jede Zeichnung braucht eine gute Grundform. Die Grundform muss für den Betrachter gut erkenntlich sein. Halten wir also fest:

Jede Zeichnung braucht eine klare, erkenntliche Grundform.

Dabei ist nicht von Bedeutung, ob die Grundform unendlich korrekt ist, sondern dass sie attraktiv und deutlich erkenntlich ist. Schau in das Porträt, die Grundform ist überspitzt, das macht es deutlich erkenntlich.

Die klare Grundform macht Dinge gut erkenntlich.

Deshalb können wir eine zweite Faustregel formulieren.

Interessante und klar erkenntliche Grundformen sind besser als hundertprozentig korrekte.

Die Aussage kann man sogar noch einmal schärfer treffen. Eine leicht überspitzte Grundform, die vielleicht noch klarer erkenntlich ist als in Natur,  ist besser geeignet. (Siehe oben im Porträt)

Diese Erkenntnis macht das Schraffieren lernen generell leichter, denn, ob ordentlich oder wild, die Grundform lässt die Zeichnung deutlich an Attraktivität gewinnen.

Die Schraffur folgt der Form:

Die nächste Frage, die sich beim Schraffieren lernen stellt,  ist:

“Wie  schraffiere ich eigentlich wo?“

Die Antwort ist:  Stimmt die Grundform, darf man sich einige Kapriolen erlauben. Doch generell gilt, die Schraffur sollte der Form und den unterschiedlichen Richtungen eines Gegenstandes folgen.

 

Eine Schraffur ist nicht langweilig, wenn sie etwas über das Objekt sagt:

Besonders gut werden Schraffuren, wenn man es schafft, sie so raffiniert zu variieren, dass sie etwas über die Oberfläche des Motivs sagen. Deshalb darf man die Schraffur auch mal auflösen zugunsten von Dingen, die etwas aussagen….

Dieser Punk ist verstoppelt und verkatert, der Mann hat merkwürdige Ohren…Blumenkohlohren durch Schlägerein?

Dieser zerzauste Mann schreit förmlich danach, dass es stoppelige Strukturen gibt, die Schraffur löst sich in Flecken auf.

Die Form kann sich auflösen, weil der Rest so ausdrucksstark ist. Schau immer genau hin und wandele es in Schraffuren um: Hängen die Äste, dann hängt die Schraffur.

 

Diese wilden Schraffuren sehen nicht chaotisch aus, wenn sie sich an Reales anlehnen, der Betrachter braucht nicht viel Fantasie, um zu wissen, was los ist.

Sprich: Ich bin also wild und frei innerhalb der Grundform. Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich mit meiner Schraffur ausmalen muss. Die Schraffuren dürfen die Grenzen der Grundform sprengen, solange die Grundform erkenntlich bleibt.

Leicht angeschickerter Schauspieler in Berlin nach der Theateraufführung. Hicks….

Außerdem überlappen viele Schraffuren, es gibt immer einen Übergabepunkt, an dem eine Schraffur in die andere übergeht. Zum Beispiel geht ein Haus am Boden in die Schraffuren für den Schatten oder die Pflanzen vor dem Haus über.

Schatten sind Brücken zwischen Schraffuren.

Dies gilt übrigens nicht nur für Striche, auch Punkte folgen den gleichen Regeln wie Schraffuren.

Licht und Schatten, genau das ist die Schraffur.

Die Schraffur ist praktisch ein Zaubermittel, um Licht und Schatten zu zeigen.

Licht und Schatten machen ein Bild interessant, und gleichzeitig machen sie ein Bild räumlich. Die Perspektive entsteht dadurch, dass  die lichtabgewandte Seite des Motivs dunkel ist. Dadurch begreift das Auge, wie ein Körper aufgebaut ist.

 

Beim Schraffieren lernen ist es also enorm wichtig , dass man mit dem Stift lernt, hell, mittel und dunkel zu zeigen. Dies macht ein Motiv richtig interessant.

 

Der Schatten ist ein Leitsystem. Der Schatten ist die Brücke zwischen einzelnen Schraffuren. Er ist nicht nur Betonung, sondern auch ein wichtiges Bindeglied zwischen einzelnen Bildabschnitten.

Der Schatten beruhigt und hält wilde Schraffuren zusammen.


Nicht nur ein  Ordnungssystem, sondern Schraffur als Träger der Emotion


Beim Schraffieren gibt es ein Ordnungssystem, die Grundform ist immer unsere Leitlinie.

Dennoch ist es oft genug notwendig, diese Grundform zu verlassen. Die Art, wie wir unseren Stift benutzen, hat eben nicht nur damit zu tun, dass wir etwas korrekt ausmalen, sie sagt auch etwas über unseren Geisteszustand. Bei einigen Bildern kann man gleich sehen, wer sie gemalt hat. Macht ein Zeichner ganz regelmäßige Striche, dann sieht dies korrekt aus. Sind die Striche regelmäßig und hart, dann sieht die Zeichnung möglicherweise steif aus. Lösen sich die Striche, frei von der Grundform, dann kann dies auch chaotisch, unübersichtlich oder aggressiv wirken,  aber auch locker und heiter. Jeder muss dabei einen eigenen Weg finden, denn Leichtigkeit ergibt sich dann, wenn der Strich zum Menschen passt.

Jeder Ausraster mit dem Stift braucht einen Sinn!

Geht es um wilde Emotionen, dann wird der Betrachter verstehen, warum sich der Stift so bewegt. Dann sieht es aggressiv aus, ist jedoch verständlich. Wenn sich zum Beispiel die Pflanzen in einem Bild alle in eine Richtung neigen, dann wird der Betrachter an Wind denken.

Was  sinnvoll ist, hängt mit dem Grund dafür zusammen.

Was man aus dieser Erkenntnis lernen kann, ist sehr wichtig, die Schraffuren eines Bildes ändern sich mit der Wichtigkeit des Motivs, mit Ereignissen oder mit der Emotionen zum Motiv.

Wichtige Motivteile schraffiert man aufregend. Hier gibt es Bewegungen, unterschiedliche Schraffuren und Licht und Schatten. Unwichtige Motivteile können langweilig und grau schraffiert werden.

Je wichtiger ein Motiv, desto intensiver und schärfer die Schraffur.

Zusammengefasst auf einen Satz:

 

 

Tatsächlich gibt es beim Schraffieren eine Grundregel: Die Schraffur folgt der Struktur und der Form des Motivs oder spiegelt die Emotion wider.

Schraffuren dürfen nicht wahllos ausufern, sondern sie sind ein Brennglas für Formen, Geschichten und Emotionen.

Die Hall of Fame!

Thomas Klein, Frauke Sambale, Anja Höppner, Anette Wiechert, Urs Traber, Claudia Hertfelder, Christina Maria-Lang, Sylvia Hortian, Carola Nadler, Marlen Kleist, Patricia uns Stefan Jahn

DANKE!!!!!  an unsere Kultursponsoren. Schaut was sie für  euch ermöglicht haben:

https://www.youtube.com/watch?v=_8i_Z8ry9-Y&feature=share

Bitte teilt den Blog und das Video mit euren Freunden und bitte sagt Danke! Diese Menschen haben euch das folgende Video ermöglicht! Ob kleine oder große Summe, die Spende hilft uns allen, Kultur in Zeiten von Corona aufrecht zu erhalten. Jammern nützt nichts, wir werden Spaß haben! Unser Schlachtruf : Nutze die Zeit!
 
Habt ihr etwas gelernt? Dann werft doch bitte etwas in die Kaffeekasse! Zur Info 1 Franken sind 90 Cent.



 

Hier ist der erste Teil der Serie: